1. Teil: Die belgische Visonärin “Myriam van Nazareth”

 Die „Herrin der Seelen“ und ihre „Mystische Hochzeit“

Vor 15 Jahren soll der hochbegnadete Dienst der selbsternannten “Myriam van Nazareth” begonnen haben, bei der es sich um eine belgische, in Ost-Flandern lebende, angeblich besonders erleuchtete Frau handelt.

Wie man auf der erscheinungsseligen Webseite “Myriam van Nazareth” erfährt, wurde die Seherin “im Frühling des Jahres 1997 auf mystischem Wege von der Allerheiligsten Jungfrau Maria zu einem Leben in Ihrem Dienst gerufen”.

Weiter heißt es dort:

“Ab den ersten Visionen und Ekstasen ließ Maria „Myriam” deutlich erkennen, dass es sich um eine Vorbestimmung zu einem künftigen Leben in totaler, bedingungsloser und ewiger Weihe an Maria handelte, in vollkommener Selbstaufopferung zu Diensten Mariä, die Sich bald als „deine Herrin” bekanntmachte und „Myriam” (allerdings in außergewöhnlich liebevoller Weise) als „Mein Sklave, Sklave Meiner Liebe, zu Meinem ausschließlichen Dienst gerufen, als Mein Besitz und Eigentum” bezeichnete.”

Hier beginnt bereits der offensichtlich theologische Unsinn:

1. Es gibt keine “totale” und erst recht keine “ewige” Weihe an Maria. Ewigkeit definiert sich gerade dadurch, daß sie weder Anfang noch Ende hat. Selbst wenn eine solche “Weihe” an Maria kein Ende hätte, so hat sie aber sicherlich einen Anfang  –  eben den Zeitpunkt des Weihe-Aktes.

2. Zudem dürfen wir uns allein dem ewigen (!) Gott ganz und gar übereignen und “total” weihen; deshalb  wird sogar die betont marianische Weihe nach Grignion als “Weihe an Jesus durch Maria” bezeichnet, um keine theologischen Mißverständnisse hervorzurufen. Diese klärende, durchaus wesentliche Einschränkung fehlt aber in dieser Selbstvorstellung der “Seherin” aus Flandern komplett.

3. Zudem wird die wahre Madonna sich niemals anmaßen, Menschen als “Mein Sklave, Mein Besitz und Eigentum” zu bezeichnen. Wir sind alle Geschöpfe Gottes, doch niemals hat der allmächtige, erhabene Gott die Menschen als seine “Sklaven” bezeichnet, obwohl ER als einziger einen Anspruch darauf hätte.  –  ER erschuf die Menschen aber mit einem freien Willen, den ER respektiert  – also gerade nicht als “Sklaven”.

Die Gottesmutter, die selbst ein Geschöpf Gottes ist, kann erst recht niemanden rechtmäßig als “Sklaven”, auch nicht als ihren “Besitz und Eigentum” vereinnahmen.

Zudem wird uns auf der Webseite der Visionärin versichert:

„Myriam wurde mit einer Anzahl von mystischen Begabungen ausgestattet, unter denen als Erste eine übernatürliche Eingießung von Kenntnissen über und Einblick in Göttliche Mysterien, die Gesetze des Göttlichen Lebens, Gottes Heilsplan, die Elemente des Kampfes zwischen Licht und Finsternis und unaufhörlich anwachsende Kenntnisse über die außergewöhnlichen Verfassungen und Eigenschaften und die außerordentliche Rolle der Allerheiligsten Jungfrau zutage trat.”

Die Seherin gewinnt also durch “übernatürliche Eingießung” umfassende Kenntnisse in “Göttliche Mysterien” und die “außergewöhnlichen Eigenschaften” der Gottesmutter.

Dazu ist festzuhalten:

Die Kirche lehrt, daß die Heilige Schrift unter der “Inspiration” (Eingebung) des Heiligen Geistes entstanden ist  – auch die Dogmen (unfehlbare Lehren der Kirche) wurden unter Leitung des Hl. Geistes verkündet, denn Christus hat seinen Aposteln angekündigt: “Der Heilige Geist wird euch in alle Wahrheit führen.” (Joh 16,13)

ER hat dies aber seinen Aposteln verheißen, nicht jedoch einer  2000 Jahre später lebenden, anonymen “belgischen Seherin”, deren wirklicher Name nicht bekannt ist, die sich vielmehr unter dem anmaßenden Titel “Myriam van Nazareth” versteckt.

Und weil die Visions-Maria es angeblich so wollte, “entstand 2003 das erste Buch von „Myriam van Nazareth”: „Die Geistliche Hochzeit. Ein Leben mit und in der Heiligen Jungfrau als Weg zu Gottes Reich. Maria-Mystik als Berufung”. In diesem Buch verarbeitet „Myriam” Belehrungen der Allerheiligsten Jungfrau über ein Leben mit und für Maria als Kern und Ausgangspunkt sämtlicher Handlungen.”

Das klingt alles reichlich verstiegen, zudem kommt Christus hier nicht vor, Maria erscheint als eine Art Göttin, zumindest als Halbgöttin.

Der mystische Begriff der “Geistlichen Hochzeit” wurde bislang allein auf die Vereinigung mit Christus bezogen. Abgesehen davon ist jede würdig empfangene, heilige Kommunion eine sakramentale Vereinigung mit unserem Erlöser, die auf Erden durch nichts  –  auch durch keine “mystische” Erfahrung   –  übertroffen werden kann,  schon gar nicht durch eine angebliche “mystische Hochzeit” mit der Madonna.

Ab Sommer 2004 entstanden dann die sogenannten „Sturmschriften” von Seherin Myriam, weil diese Texte  – laut eigenen Angaben  – “bezweckten, die Festung Satans der Irreführung und der Lüge zu stürmen und einen Sturm des Erwachens unter den Christen herbeizuführen.”

Weiter wird berichtet, daß die Visonärin 2005 das Manifest „Testament des Bundes. Ewiger Frühling im Schatten des Kreuzes” verfaßte  – und zwar “mit dem Ziel, die Gründung von Gottes Reich auf Erden zu ermöglichen.”  

Demgegenüber hat Christus klar gegenüber Pilatus gelehrt: “Mein Reich ist nicht von dieser Welt.” –  Es gibt das Reich Gottes wohl anfanghaft in der Kirche, doch vollendet erst in der jenseitigen Gemeinschaft mit dem Ewigen.

Außerdem wird den staunenden Lesern mitgeteilt, daß die himmlische Madonna eine “ewige, spirituelle Ehe” mit der Seherin geschlossen habe:

“Im Juni 2005 vollzog Maria in einer kleinen, der Unbefleckten Empfängnis gewidmeten Kirche, während einer Vision, in formeller Weise die tatsächliche Geistliche Hochzeit zwischen Ihr Selbst und „Myriam”, wodurch Sie mit „Myriam” den heiligen Bund einer ewigen spirituellen Ehe schloss. Dabei gab Sie „Myriam” neun Lebensregeln, die Sie als „Meine Gebote” bezeichnete.”

Es ist offensichtlich, daß sich diese irrgeistige Visions-“Maria” ständig an die Stelle Gottes setzt, daß sie nun schon von “ihren” Geboten spricht, obwohl allein der allmächtige Gott dazu befugt ist, Gebote zu erlassen.

Damit nicht genug, gibt es jetzt einen neuen Ehrentitel sowohl für die Seherin wie für die angeblich visionär erscheinende “Madonna”:

Im Herbst desselben Jahres verkündete Maria, „Myriam” heiße ab diesem Zeitpunkt „Apostel von Maria, der mächtigen Herrin der Seelen” und „Apostel der Macht Mariens”.”

Der Titel “Mächtige Herrin der Seelen” für die Gottesmutter ist in der Kirche seit 2000 Jahren völlig unbekannt, zumal der erste Papst in seinem 1. Petrusbrief CHRISTUS als den “Hirten und Bischof eurer Seelen” bezeichnet (1 Petrus 2,25). Christus ist also unser wahrer “Seelenführer”  – das ist biblisch eindeutig bezeugt.

Es ist außerdem irreführend, wenn in den Myriam-Botschaften ständig von der “Macht Mariens” bzw. der “mächtigen” Herrin usw die Rede ist, ohne daß hierbei klargestellt wird, daß Marias “Macht” vor allem im Dienst der Fürbitte besteht und daß sie ohnehin alle Macht “von Gottes Gnaden” erhält  –  und nicht etwa aus eigener Vollmacht, die sie als Geschöpf gar nicht haben kann.

Madonna by Bernardo Falconi on the church Mari...

Kirche "Maria von Nazareth" in Italien

Dem entgegen sagte die Erscheinungs-Maria der “Seherin” Myriam: “Ich habe dich dazu gerufen, Mein Werk auf Erden weiterzuführen und Mich in der Fülle Meiner Macht bekannt zu machen.

Die Kirche ist von Christus dazu berufen, SEIN WERK auf Erden weiterzuführen und die Fülle seiner erlösenden Vollmachten zu verkünden  – diese Wahrheiten werden hier umstandslos auf die Madonna übertragen, was natürlich völlig häretisch ist, also eine massive Irrlehre darstellt.

Sodann werden wir auf der Myriam-Webseite darüber belehrt, was letztlich der Sinn dieser Visionsveranstaltungen ist:

“In ihrer Gesamtheit verkünden diese Offenbarungen (…) das größte Göttliche Mysterium der Letzten Zeiten: die wahre Herrlichkeit und Macht von Maria als die Herrin der Seelen.”

Das soll also das “göttliche Geheimnis” der Endzeit sein  –  eine offensichtliche Irrlehre!

Zudem wird anschließend behauptet, “Gott” habe der Madonna “für ewig eine totale Macht über die Seelen gewährt”.  –  Das würde bedeutet, daß der Allmächtige abgetreten ist und seine Vollmachten und Vorrechte über die Seelen komplett an Maria übereignet hat.

Demnach wäre Gott gewissermaßen arbeitslos geworden und hätte sich quasi aus Altenteil gesetzt  – und zugleich Maria als himmlische Regentin eingesetzt; sein göttlicher Sohn (“Er wird wiederkommen in Herrlichkeit zu richten über Lebende und Tote und seiner Herrschaft wird kein Ende sein” wie es im Credo heißt) hätte auch nichts mehr zu melden.

Immerhin wird aber eingeräumt, daß es sich bei diesen Ausführungen um “vollkommen neue Kenntnisse” handelt  –  das kann man wohl sagen, denn seitens der Kirche hörte man dergleichen Unfug seit 2000 Jahre nicht annähernd:

“Die große Wahrheit hinter diesen vollkommen neuen Kenntnissen, die eine einmalige Erweiterung des „vertrauten” Bildes von Maria mit sich bringt, wurde Anfang 2008 im Manifest Die Morgendämmerung von Gottes Reich auf Erdenveröffentlicht.”

Das mag vorerst genügen  – wir werden uns dieser visionären “Dame” in einem zweiten Teil weiter zuwenden, indem wir einige ihrer speziellen “Botschaften” unter die Lupe nehmen, um an diesem Fall-Beispiel weitere typische Kennzeichen der Falschmystik aufzuzeigen.

Doch bereits jetzt ist klar ersichtlich, daß sich Seherin Myriam völlig auf dem theologischen Holzweg befindet, daß sie Christus zugunsten einer falschgeistigen Maria komplett verdrängt  – und daß die wahre Gottesmutter, die sich selbst als “die Magd des HERRN” bezeichnet hat, über derartige Verirrungen gewiß nur den Kopf schüttelt.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

 

 


6 Kommentare on “1. Teil: Die belgische Visonärin “Myriam van Nazareth””

  1. Stjepan sagt:

    @ralf & gelobt sei jesus christus: sehr gute beiträge! Danke!

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  2. Ralf sagt:

    Wow…
    „Mein Sklave, Sklave Meiner Liebe, zu Meinem ausschließlichen Dienst gerufen, als Mein Besitz und Eigentum” bezeichnete.”
    „Maria“ als Domina…RUF MICH AN…;-)

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  3. Anonymous sagt:

    Doch bereits jetzt ist klar, dass Sie sich auf dem Holzweg befinden.
    Das ist mir schon lange klar.
    Verstehen kann nur derjenige die Pläne des Ewigen Vaters, der Ihn bedingungslos liebt und sich führen lässt, blind vertrauend, wie in Kind!
    Dieses tut von den Kritikern hier definitiv keiner…

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    • Gelobt sei Jesus Christus ! sagt:

      „So sprach der große Häuptling der Botschaftsindianer!“

      Zitat des „aufgeregten Botschaftsindianers“

      Doch bereits jetzt ist klar, dass Sie sich auf dem Holzweg befinden.
      Das ist mir schon lange klar.
      Verstehen kann nur derjenige die Pläne des Ewigen Vaters, der Ihn bedingungslos liebt und sich führen lässt, blind vertrauend, wie in Kind!
      Dieses tut von den Kritikern hier definitiv keiner…

      Zitat Ende

      Nicht nur, dass es dem großen Häuptling „bereits jetzt klar“ ist, – nein es ist ihm sogar schon „lange klar“.

      Weiterhin ergibt sich, wenn man den nächsten Satz sehr ernst nimmt, dass unser Botschaftshäuptling sich soeben in der Botschaftsszene vor „Schwaetzliesel“ gedrängt hat und sich befleißigt ihren Platz einzunehmen, da er die Pläne des „Ewigen Vaters“ wie kein anderer Häuptling versteht.

      Ein neuer anonymer Prophet hat sich soeben vorgestellt.

      Wer die „Pläne des ewigen Vaters“ auf so einzigartige und berufene Weise versteht, dem gebührt selbstverständlich der Titel „Mozart der Theologie“. Wer sich einzig von IHM führen lässt, – der braucht auch die Kirche nicht mehr.

      Aufgrund dieser herausragenden und besonders bevorzugten Führung durch den „Allerhöchsten“ kennt der Botschaftsindianer selbstverständlich auch das Urteil des „Allerhöchsten“ über die Kritiker und spricht ihnen ganz locker die „Gotteskindschaft“ ab.

      Das ist selbstverständlich nichts weiter als dümmlicher glaubenspubertärer Größenwahn, dem alle distanzlosen Anhänger von Privatoffenbarungen unterliegen und noch dazu ihren bockigen Eigensinn für den „Heiligen Geist“ halten.

      Von Bescheidenheit keine Spur ist diesen Möchtegernvertrauten des Himmels Demut sowieso ein Fremdwort.

      Mfg

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      • Ralf sagt:

        Der Häuptling ist eine Frau und heißt „Gaby“…;-)

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      • Gelobt sei Jesus Christus ! sagt:

        Ach so, –

        Zitat Herr Ralf
        Der Häuptling ist eine Frau und heißt “Gaby”…;-)
        Zitat Ende

        und ich dachte Frau Gaby hätte uns „Hartz-IV-ler“ endgültig verlassen.

        Dass sie überhaupt noch Zeit findet hier zu schreiben, – bei 38 empfohlenen Gebeten zur Rettung der Welt, Rosenkranz ( Psalter ), eucharistische Anbetung, Heilige Messe mitfeiern, mindestens zwei Fastentage in der Woche einhalten, Gebetskreise und dann noch die vielen geweihten Medaillen und Skapuliere die sie zum Schutz mit sich rumschleppen muss.

        Ach ne – da bleib ich lieber katholisch

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