Gaucks heutige Antrittsrede erntet Lob von allen Seiten – vor allem von links

Das „Deutschlandradio“ weiß zu vermelden: „Gauck hält Antrittsrede  –  Alle Fraktionen begeistert.“  – Offenbar auch Rote, Grüne und noch dazu die Linkspartei.

Im liberal-bürgerlichen Lager äußert sich die FAZ jedenfalls sehr erfreut: „Sein Ton stimmt„, verkündet die „Frankfurter Allgemeine“ heute online schon im Titel. Doch stimmt mit dem Ton automatisch auch der Inhalt?  – Zudem meint die FAZ zur halbstündigen Ansprache des neuen Bundespräsidenten:  „Seine ausgeglichene Sprechweise unterstrich den Sinn seiner Mitteilung.“   – Ist das nicht wunderbar?

Die linkslastige „Frankfurter Rundschau“ ist ebenfalls des Lobes voll für Gaucks erste Rede als vereidigtes Staatsoberhaupt.  Ebenso die gleich(rot)gesinnte Illustrierte „Stern: „Joachim Gauck hat eine glänzende – und überraschende  – Antrittsrede als Bundespräsident gehalten. Selbst die Linkspartei applaudierte. Und das hat Gründe.“  – Und  o b  das „Gründe“ hat!

SPD-Chef Sigmar Gabriel schwebt passend dazu ganz auf Wolke Sieben: „Das ist die beste Rede, die ich bisher im Deutschen Bundestag gehört habe.“  –  Demnach kann also selbst Papst Benedikt dem umjubelten Ex-Pastor Gauck nicht das Wasser reichen?

Wenn dann auch noch die „Türkische Gemeinde“ die Gaucksche Antrittsrede als „wegweisend“ bezeichnet, ist mit der vielgepriesenen „Bunten Republik“ hierzulande gewiß alles zum Besten bestellt.

Wirklich?


Die Antrittsrede des Bundespräsidenten vom 23. März 2012

Vollständige Dokumentation der Rede Joachim Gaucks im Wortlaut:

Herr Bundestagspräsident, meine sehr verehrten Damen und Herren, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger!

Wie soll es nun aussehen, dieses Land, zu dem unsere Kinder und Enkel „Unser Land“ sagen sollen?

Vereinzeln wir immer weiter? Geht die Schere zwischen arm und reich immer mehr auseinander? Verschlingt uns die Globalisierung? Werden Menschen, die sich als Verlierer fühlen, an den gesellschaftlichen Rand gedrängt? Schaffen ethnische oder religiöse Minderheiten in gewollter oder beklagter Isolation Gegenkulturen? Hat die europäische Idee Bestand? Droht im Nahen Osten ein neuer Krieg? Kann ein verbrecherischer Fanatismus in Deutschland wie in anderen Teilen der Welt weiter friedliche Menschen bedrohen, einschüchtern, ermorden?

Jeder Tag, jede Begegnung mit den Medien bringt neue Ängste und Sorgen hervor. Manche ersinnen Fluchtwege, misstrauen der Zukunft, fürchten die Gegenwart. Viele fragen sich: Was ist das für ein Leben, was ist das für eine Freiheit? Mein Lebensthema „Freiheit“ ist für sie keine Verheißung, kein Versprechen, sondern nur Verunsicherung.

Ich verstehe diese Reaktion zwar, doch will ich ihr keinen Vorschub leisten. Ängste vermindern unseren Mut wie unser Selbstvertrauen manchmal so entscheidend, dass wir beides ganz und gar verlieren können – bis wir gar Feigheit für Tugend halten und Flucht für eine legitime Haltung im politischen Raum.

Stattdessen will ich meine Erinnerung als Kraft nutzen, mich und uns zu lehren und zu motivieren.

Ich wünsche mir eine lebendige Erinnerung auch an das, was in unserem Land nach den Verbrechen der nationalsozialistischen Diktatur und den Gräueln des Krieges gelungen ist. In Deutschlands Westen trug es als erstes den Namen „Wirtschaftswunder“. Deutschland kam wieder auf die Beine. Die Vertriebenen und Ausgebombten erhielten Wohnraum, nach Jahren der Entbehrung nahm der Durchschnittsbürger teil am wachsenden Wohlstand.

Allerdings sind für mich nicht Autos das besonders Wunderbare jenes Jahrzehnts. Ich empfinde mein Land vor allem als das Land eines Demokratiewunders. Anders als die Alliierten fürchteten, wurde der Revanchismus im Nachkriegsdeutschland nie mehrheitsfähig, es gab ein Nachwirken nationalsozialistischer Gedanken, aber daraus wurde keine gestaltende Kraft. Es entstand eine stabile demokratische Ordnung, Deutschland West wurde Teil der freien westlichen Welt.

Die Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte allerdings blieb defizitär. Die Verdrängung eigener Schuld, die fehlende Empathie mit den Opfern des Nazi-Regimes prägte den damaligen Zeitgeist. Erst die 68er-Generation hat das nachhaltig geändert.

Damals war meine Generation konfrontiert mit dem tiefschwarzen Loch der deutschen Geschichte, als die Generation unserer Eltern sich mit Hybris, Mord und Krieg gegen unsere Nachbarn im Inneren und im Äußeren vergingen.

Es bleibt das Verdienst dieser Generation: Es war ein mühsam errungener Segen. Trotz aller Irrwege, die sich mit dem Aufbegehren der 68er verbanden, hat sie die historische Schuld ins kollektive Bewusstsein gerückt. Die auf Fakten basierende und an Werten orientierte Aufarbeitung der Vergangenheit wurde nicht nur richtungsweisend für uns nach 1989 in Ostdeutschland. Sie wird auch als beispielhaft von vielen Gesellschaften empfunden, die ein totalitäres Joch abgeschüttelt haben und nicht wissen, wie sie mit der Last der Vergangenheit umgehen sollen.

Das entschlossene Ja der Westdeutschen zu Europa ist ein weiteres kostbares Gut der deutschen Nachkriegsgeschichte. Konrad Adenauer, Kanzler des Landes, das eben noch geprägt und dann ruiniert war vom Nationalismus, wird zu einem der Gründungsväter einer zukunftsgerichteten europäischen Integration. Dankbarkeit und Freude!

So wie später – 1989. Da waren die Ostdeutschen zu einer friedlichen Revolution imstande. Wir wurden das Volk und wir wurden ein Volk. Und auf unblutige Weise wurde der jahrzehntelange Ost-West-Gegensatz aus den Zeiten des Kalten Krieges, auch die aus ihr erwachsene Kriegsgefahr überwunden.

Ich möchte heute also nicht nur über die Schattenseiten, über Schuld und Versagen sprechen. Auch jener Teil unserer Geschichte darf nicht vergessen sein, der die Neugründung einer politischen Kultur der Freiheit, die gelebte Verantwortung, die Friedensfähigkeit und die Solidarität unseres Volkes umfasst.

Das ist kein Paradigmenwechsel in der Erinnerungskultur – das ist eine Paradigmenergänzung, die uns ermutigt: Das, was mehrfach in der Vergangenheit gelungen ist, die Herausforderungen der Zeit anzunehmen und sie nach besten Kräften – wenn auch nicht gleich ideal – zu lösen, ist eine große Ermutigung auch für die Zukunft.

Wie also soll es nun aussehen, dieses Land, zu dem unsere Kinder und Enkel „Unser Land“ sagen sollen?

Es soll „unser Land“ sein, weil ‚unser Land‘ soziale Gerechtigkeit, Teilhabe und Aufstiegschancen verbindet. Der Weg dazu ist nicht der einer paternalistischen Fürsorgepolitik, sondern ein Sozialstaat, der vorsorgt und ermächtigt.

Wir dürfen nicht dulden, dass Kinder ihre Talente nicht entfalten können, weil keine Chancengleichheit existiert. Wir dürfen nicht dulden, dass Menschen den Eindruck haben, Leistung lohne sich für sie nicht mehr, und der Aufstieg sei ihnen selbst dann verwehrt, wenn sie sich nach Kräften bemühen.

Wir dürfen nicht dulden, dass Menschen den Eindruck haben, sie seien nicht Teil unserer Gesellschaft, weil sie arm, alt oder behindert sind. Freiheit ist eine notwendige Bedingung von Gerechtigkeit. Denn was Gerechtigkeit – auch soziale Gerechtigkeit – bedeutet, und was wir tun müssen, um ihr näher zu kommen, lässt sich nicht paternalistisch anordnen, nur in intensiver, demokratischer Diskussion klären.

Umgekehrt ist das Bemühen um Gerechtigkeit unerlässlich für die Bewahrung der Freiheit. Wenn die Zahl der Menschen wächst, die den Eindruck haben, ihr Staat meine es mit dem Bekenntnis zu einer gerechten Ordnung der Gesellschaft nicht ernst, sinkt das Vertrauen in die Demokratie.

„Unser Land“ muss also ein Land sein, das beides verbindet: Freiheit als Bedingung von Gerechtigkeit – und Gerechtigkeit als Bedingung dafür, Freiheit und Selbstverwirklichung erlebbar zu machen.

In „unserem Land“ sollen auch alle zuhause sein können, die hier leben. Wir leben inzwischen in einem Staat, in dem neben die ganz selbstverständliche deutschsprachige und christliche Tradition Religionen wie der Islam getreten, auch andere Sprachen, andere Traditionen. In dem der Staat sich immer weniger durch die nationale Zugehörigkeit seiner Bürger definieren lässt, sondern durch ihre Zugehörigkeit zu einer politischen und ethischen Wertegemeinschaft.

In dem nicht ausschließlich die über lange Zeit entstandene Schicksalsgemeinschaft das Gemeinwesen bestimmt, sondern zunehmend das Streben von Unterschiedlichen nach dem Gemeinsamen: diesem unseren Staat in Europa, in dem wir in Freiheit, Frieden und in Solidarität miteinander leben wollen.

Wir wären allerdings schlecht beraten, wenn wir aus Ignoranz oder falsch verstandener Korrektheit vor realen Problemen die Augen verschließen würden. Hierauf hat Bundespräsident Johannes Rau bereits vor zwölf Jahren in seiner Berliner Rede deutlich hingewiesen. Aber in den Fragen des Zusammenlebens dürfen wir uns nicht von Ängsten, Ressentiments und negativen Projektionen leiten lassen.

Für eine einladende, offene Gesellschaft hat Bundespräsident Christian Wulff in seiner Amtszeit nachhaltige Impulse gegeben. Herr Bundespräsident Wulff, dieses – Ihr – Anliegen wird auch mir in meiner Amtszeit am Herzen liegen.

Unsere Verfassung spricht allen Menschen dieselbe Würde zu, ungeachtet dessen, woher sie kommen, woran sie glauben und welche Sprache sie sprechen. Sie tut dies nicht als Belohnung für gelungene Integration, sie versagt dies aber auch nicht als Sanktion für verweigerte Integration.

Unsere Verfassung wie unser Menschsein tragen uns auf, im Anderen geschwisterlich uns selbst zu sehen: begabt und berechtigt zur Teilhabe wie wir.

Der Philosoph Hans-Georg Gadamer war der Ansicht, nach den Erschütterungen der Geschichte erwarte speziell uns in Europa eine „wahre Schule“ des Miteinanderlebens auf engstem Raum. „Mit dem anderen leben, als der andere des anderen leben.“ – Darin sah er die ethische und politische Aufgabe Europas.

Dieses Ja zu Europa gilt es zu bewahren. Gerade in Krisenzeiten ist die Neigung, sich auf die Ebene des Nationalstaats zu flüchten, besonders ausgeprägt. Das europäische Miteinander aber ist ohne den Lebensatem der Solidarität nicht gestaltbar. Gerade in der Krise heißt es deshalb: Wir wollen mehr Europa wagen. Mit Freude sehe ich, dass die Mehrheit der Deutschen diesem europäischen Gedanken wieder und weiter Zukunft gibt.

Europa war für meine Generation Verheißung – aufbauend auf der abendländischen Tradition, dem antiken Erbe, einer gemeinsamen Rechtsordnung, dem christlichen und dem jüdischen Erbe. Für meine Enkel ist Europa längst aktuelle Lebenswirklichkeit – mit grenzüberschreitender Freiheit und den Chancen und Sorgen einer offenen Gesellschaft. Nicht nur für meine Enkel ist diese Lebenswirklichkeit ein wunderbarer Gewinn.

Wie kann es noch aussehen, dieses Land, zu dem unsere Kinder und Enkel „Unser Land“ sagen sollen?

Nicht nur bei uns, sondern auch in Europa und darüber hinaus ist die repräsentative Demokratie das einzig geeignete System, Gruppeninteressen und Gemeinwohlinteressen auszugleichen.

Es handelt sich um ein lernfähiges System. Neben den Parteien und anderen demokratischen Institutionen existiert eine aktive Bürgergesellschaft. Bürgerinitiativen, Ad-hoc-Bewegungen und Teile der digitalen Netzgemeinde ergänzen mit ihrem Engagement, aber auch mit ihrem Protest die parlamentarische Demokratie und gleichen Mängel aus.

Anders als die Demokratie von Weimar verfügt unser Land über genügend Demokraten, die dem Ungeist von Fanatikern, Terroristen und Mordgesellen wehren. Sie alle bezeugen mit unterschiedlichen politischen oder religiösen Gründen: Wir lassen uns unsere Demokratie nicht wegnehmen, wir stehen zu diesem Land, nicht weil es so vollkommen ist, sondern weil wir nie zuvor ein besseres gesehen haben.

Und speziell zu den rechtsextremen Verächtern unserer Demokratie sagen wir in aller Deutlichkeit: Euer Hass ist unser Ansporn. Wir lassen unser Land nicht im Stich. Wir schenken euch auch nicht unsere Angst. Ihr werdet Vergangenheit sein und unsere Demokratie wird leben.

Die Extremisten anderer politischen Richtungen werden unserer Entschlossenheit in gleicher Weise begegnen. Und auch denjenigen, die unter dem Deckmantel der Religion Fanatismus und Terror ins Land tragen, und die hinter die europäische Aufklärung zurückfallen, werden wir Einhalt gebieten.

Ihnen sagen wir: Die Völker ziehen in die Richtung der Freiheit. Ihr werdet ihren Zug vielleicht behindern, aber endgültig aufhalten könnt ihr ihn nicht.

Mir macht allerdings auch die Distanz vieler Bürgerinnen und Bürger zu den demokratischen Institutionen Angst, die geringe Wahlbeteiligung, auch die Geringschätzung oder gar Verachtung von politischem Engagement, von Politik und Politikern. Meine Bitte an Regierende wie Regierte: Findet euch nicht ab mit dieser zunehmenden Distanz.

Für die politisch Handelnden heißt dies: Redet offen und klar, dann kann verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden. Den Regierten muten wir zu: Ihr seid nicht nur Konsumenten. Ihr seid Bürger, das heißt Gestalter, Mitgestalter. Wem Teilhabe möglich ist und wer ohne Not auf sie verzichtet, der vergibt eine der schönsten und größten Möglichkeiten des menschlichen Daseins – Verantwortung zu leben.

Zum Schluss erlaube ich mir, Sie alle um ein Geschenk zu bitten: um Vertrauen. Zuletzt bitte ich Sie um Vertrauen in meine Person. Davor aber bitte ich Sie um Vertrauen zu denen, die in unserem Land Verantwortung tragen, wie ich diese um Vertrauen zu all den Bewohnern dieses wieder vereinigten und erwachsen gewordenen Landes bitte.

Und davor wiederum bitte ich Sie, mutig und immer wieder damit zu beginnen, Vertrauen in sich selbst zu setzen.

Nach einem Wort Gandhis kann nur ein Mensch mit Selbstvertrauen Fortschritte machen und Erfolge haben. Dies gilt für einen Menschen wie für ein Land. Ob wir den Kindern und Enkeln dieses Landes Geld und Gut vererben werden, das wissen wir nicht. Aber dass es möglich ist, nicht den Ängsten zu folgen, sondern den Mut zu wählen, das haben wir gezeigt. Gott und den Menschen sei Dank: dieses Erbe dürfen sie erwarten.

Quelle: Bundespräsidialamt

HINWEIS: eine Würdigung und teilweise kritische Beleuchtung dieser Antrittsrede folgt.  Doch zunächst soll jeder den vollständigen Wortlaut lesen und sich selbst ein Urteil bilden können.


25. März: Bischof em. Manfred Müller feiert 40. Jahrestag seiner Bischofsweihe

Anläßlich des 40. Jahrestages der Bischofsweihe Manfred Müllers zelebriert Bischof Gerhard Ludwig Müller am kommenden Sonntag, den 25. März um 10 Uhr ein feierliches Pontifikalamt mit vielen bischöflichen Mitbrüdern im Regensburger Dom (siehe Foto).

Alle Gläubigen sind zur Mitfeier herzlich eingeladen.

Dom—the Regensburg Cathedral

Der frühere Regensburger Oberhirte Manfred Müller feiert nicht allein den 40. Jahrestag seiner Bischofsweihe, sondern auch sein 60-jähriges Priesterjubiläum sowie sein 30-jähriges Jubiläum als Bischof von Regensburg.

Im Anschluß findet ab 11,45 Uhr ein Festakt im Regensburger Kolpinghaus mit geladenen Gästen statt. Neben Bischof Gerhard Ludwig Müller wird auch Kardinal Reinhard Marx ein Grußwort an den Jubilar richten.

Kontakt-Daten:
Jakob Schötz

stellvertretender Leiter / Pressesprecher
Bischöfliche Presse- und Medienabteilung
Niedermünstergasse 2 – 93047 Regensburg
Tel: 0941/597-1061         Fax: 0941/597-1063
Email: jschoetz.medien@bistum-regensburg.de


Deutscher Ethikrat liefert kontroverse Debatte über „Hirntod“

Muß die Organentnahme bei sog. „Hirntoten“ überdacht werden? Sind Hirntote tatsächlich tot? Welche moralischen Verpflichtungen bestehen gegenüber hirntoten Menschen?

Über diese Fragen diskutierten Experten bei einer Tagung des Deutschen Ethikrates am 21. März vor 300 Teilnehmern in Berlin.

Experten uneins: Wann ist ein Mensch tot?

Aus Sicht des Neurologen Prof. Alan Shewmon (Los Angeles/USA) verfügen Hirntote noch über komplexe Steuerungsfunktionen. Es gebe den „äußeren Anschein der Lebendigkeit“. So sei der Körper von Hirntoten in der Lage, Temperatur, Blutfluss und Hormonhaushalt selbstständig zu regulieren. Hirntote verdauten und schieden aus, zudem reagiere ihr Immunsystem mit Abwehrreaktionen auf Infektionen oder Verletzungen.

Hirntote Kinder könnten sexuell reifen. Im Körper hirntoter Schwangerer könnten Föten heranwachsen. Laut Shewmon wirkt das Gehirn nicht als Integrationszentrale für alle menschlichen Körperfunktionen. Integrationskraft könne keinem einzelnen Körperteil zugeschrieben werden, sondern entstehe im Zusammenspiel des gesamten Organismus.

Die Definition des Hirntodes sei daher problematisch. Bei den sogenannten Hirntoten handele es sich um „lebende, bewusstlose Menschen“.

Dem widersprach die Neurologin Stefanie Förderreuther (München). Die Feststellung des Hirntodes schaffe diagnostische Sicherheit und sei das sicherste Kriterium, das Ärzten zur Verfügung steht. Vorgeschrieben ist unter anderem, dass hirngeschädigte Menschen durch zwei erfahrene Ärzte unabhängig voneinander untersucht und mindestens zwölf Stunden beobachtet werden. Förderreuther zufolge ist ein Hirntoter „kopflos“ und gewinnt durch eine monatelange Beatmung nichts: „Ohne Gehirn ist der Mensch als körperlich geistige Einheit nicht mehr existent.“

Nach den Worten des Philosophieprofessors Ralf Stoecker (Potsdam) bietet die Hirntod-Konzeption scheinbar eine Lösung für zwei ethische Probleme: Erstens: Wer tot ist, muss von der Intensivmedizin nicht mehr am Leben erhalten werden. Zweitens: Die Definition macht die Entnahme von unversehrten, knappen Spenderorganen möglich.

Es bestehe jedoch ein ethisches Dilemma: Einerseits könnten Organspenden das Leben vieler Menschen retten. Andererseits bauten die Begründungen für die Organentnahme auf „fragwürdigen, mehr als fadenscheinigen Todeskonzeptionen“. Er sei von der Hirntod-Konzeption nicht überzeugt, so Stoecker.

Quelle: Evangelische Nachrichtenagentur IDEA


Versäumte Zeit mit Kindern läßt sich nicht nachholen!

Der Dt. Familienverband zum „8. Familienbericht“ der Bundesregierung:

Gute Ansätze, aber auch deutliche Schwachstellen – so äußert sich der Deutsche Familienverband in einer Pressemitteilung zum kürzlich vorgestellten Achten Familienbericht der Bundesregierung:

„Mit der ,Zeit für Familie‘ greift der Bericht das wichtigste Familienthema überhaupt auf. Eine zukunftsfähige Familienpolitik muss der Familie die Wahlfreiheit geben, über ihre Zeit souveräner zu entscheiden. Dafür ist vor allem eine familiengerechte Arbeitswelt gefordert, nicht die arbeitsplatzgerechte Familie. Bei allen guten Vorschlägen der Berichtskommission hätten wir uns deshalb viel mehr Mut gewünscht, die Zeitbedürfnisse der Familien auf Augenhöhe mit den Belangen der Wirtschaft zu berücksichtigen. Es fehlt noch immer das Bewusstsein, wie sehr Unternehmen von einer konsequent familienorientierten Politik profitieren“, erklärt der Präsident des Verbandes, Minister a.D. Klaus Zeh.

Besonders problematisch ist für Zeh der Vorschlag der Kommission, die dreijährige gesetzliche Elternzeit drastisch zu verkürzen:

„Die Zeit mit kleinen Kindern lässt sich nicht einfach so nachholen. Kinder brauchen die Zeit ihrer Eltern ganz direkt, nicht irgendwann einmal, wenn es in den Terminkalender des Arbeitgebers passt. Der wichtigste Taktgeber für die Familienzeit ist das Kindeswohl. Ich begrüße deshalb ausdrücklich, dass die Bundesfamilienministerin diesem Vorschlag eine klare Absage erteilt hat“, so Zeh.

Unterstützung gibt es vom Familienverband hingegen für die Forderung, auch jenseits der Elternzeit den Rechtsanspruch von Familien auf Teilzeitarbeit zu stärken.

„Die Erziehungsaufgabe der Eltern hört nicht schlagartig mit dem dritten Geburtstag oder gar schon nach dem Elterngeldjahr auf. Auch ältere Kinder brauchen Eltern. Bislang unterscheidet das Teilzeit- und Befristungsgesetz nicht danach, aus welchem Grund Arbeitnehmer Teilzeit beantragen. Es macht gesellschaftlich aber einen enormen Unterschied, ob ich Zeit brauche, um mein Grundschulkind gut auf seinem Bildungsweg zu begleiten oder ob ich Zeit will, um mein Hobby zu betreiben“, unterstreicht Präsident Zeh den Vorstoß der Berichtskommission.

Dringenden Handlungsbedarf sieht der Dt. Familienverband allerdings bei der finanziellen Flankierung von Erziehungsphasen. „Dieses Thema wird im Familienbericht völlig ausgeblendet. Aber ohne eine bessere Anerkennung der Erziehungsarbeit bleibt die Familienzeit die arme Schwester der Erwerbszeit. Wahlfreiheit setzt voraus, dass Familien sich die Zeit für Kinder auch leisten können“, fordert  der Verbandspräsident.

 


Ägypten: Situation für Christen immer bedrohlicher

„Die Zeichen der Zeit stehen für die Kopten auf Untergang“, sagte der Priester Abuna Tawadros (Düsseldorf) am 21. März 2012 bei einer Pressekonferenz der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Düsseldorf.

Er kritisierte, daß der ägyptische Staat für die christlichen Kopten keine Schutzmacht sei. Deshalb müssten sie viel Unrecht und Verfolgung erleiden  –  und zwar  „mehr als dies vor der Revolution der Fall war“. Christliche Geschäftsleute würden zu Schutzgeldzahlungen gezwungen, vertrieben und getötet. In Oberägypten verlangten islamische Extremisten bzw. Salafisten die Vertreibung von Christen und den Verkauf ihrer Häuser.

Immer wieder verschwänden koptische Mädchen; sie würden vergewaltigt, zum Übertritt zum Islam und zur Heirat eines Muslimen gezwungen. Die bedrängten Christen Ägyptens benötigen die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit zu ihrem Schutz vor Verfolgung und Gewalt, so Pfr. Tawadros. Von den 84,5 Millionen Ägyptern sind etwa zehn Prozent Christen.

Doppelte Moral bei Scheidungsgesetz soll verschärft werden

Wie die IGFM weiter berichtet, berät Ägyptens Parlament über die Abschaffung der im Jahr 2000 eingeführten „Khula“-Scheidung, umgangssprachlich oft „Freikaufen“ genannt. Dabei muß die Ehefrau die Mitgift, die sie bei der Hochzeit erhalten hat, an ihren Ehemann zurückzahlen. Diese Art der Scheidung kann auf Initiative der Frau eingeleitet werden und erfordert zumindest in der Theorie nicht die Zustimmung des Ehemannes.

Muslimische Männer benötigen kein Scheidungsverfahren. Es genügt, wenn Sie dreimal die Formel „Ich verstoße Dich!“ aussprechen.

Falls die Abschaffung der „Khula“-Scheidung in Ägypten eingeführt wird, kann sich die Frau nicht mehr legal aus einer Ehe befreien, die zB. gewalttätig ist.

Quelle: IDEA, IGFM