Was Najem Wali mit Günter Grass im Jemen erlebte

Der irakische Exilschriftsteller Najem Wali berichtet in der heutigen Ausgabe der linksalternativen Berliner „taz“ ausführlich von seinen Erlebnissen mit Günter Grass, den er 2002 bei einer Reise in den Jemen begleitete.

Dabei machte Najem Wali eine Reihe von Erfahrungen mit dem Literatur-Nobelpreisträger, die ihn enttäuschten und irritierten  – vor allem im nachhinein.

Damals hatte Grass beispielsweise gegenüber einem jungen Mann auf dessen Frage hin energisch bestritten, er habe je irgendetwas mit Nazis zu tun gehabt. Vier Jahre später erst gab Grass zu, 1944 freiwillig in die Waffen-SS eingetreten zu sein.

Welch peinliches und ordinäres  Benehmen der  –  vor allem von linker Seite gern aufs Podest gehobene   –  Nobelpreisträger zum Besten bzw. Schlechten gab, kann man dem folgenden oberschrägen Vorgang entnehmen, von dem Najem Wali berichtet:

„Mich überkommt auch ein Schaudern, wenn ich an die empörte Reaktion eines jemenitischen Scheichs und seiner Anhänger denke, als ich ihnen Grass‘ Bemerkungen zu seiner Novelle „Katz und Maus“ übersetzte. Grass hatte mich ausdrücklich gebeten, seine Frage dem Scheich (…)zu übersetzen. Grass‘ Frage lautete, ob der Scheich in den letzten Jahren trotz seines hohen Alters onaniert habe.

Grass wollte damit die moralische Heuchelei herausstellen, die darin bestehe, eine Sache anderen zu verbieten, aber sie selbst zu tun. Ganz besonders ging es ihm dabei um die Heuchelei der Kleriker.(…) Dem Scheich und seinen Begleitern missfiel diese Frage sichtlich, und sie erwiderten, es sei doch wohl nicht möglich, dass ein ehrenwerter älterer Herr, noch dazu Nobelpreisträger, derartige Ungeheuerlichkeiten von sich gebe! Daher müsse es sich wohl um einen der üblen Scherze von Najem Wali handeln, „dem irakischen Autor, der ja für seine Zotigkeiten und Tabubrüche bekannt ist“.

Am folgenden Tag verwünschten mich die jemenitischen Zeitungen, womit ich quasi für vogelfrei erklärt wurde. Ich begab mich zu Grass und bat ihn, er möge die Sache klarstellen. Da hieß es dann „Wie edelmütig von Grass, sich für seinen Freund einzusetzen!“  – Dessen ungeachtet blieb die offizielle Position: Grass, der „Freund der Araber“, konnte nicht eine solche Ungeheuerlichkeit gesagt haben!“

Hat er aber!

Quelle und vollständiger Text hier:
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=hi&dig=2012%2F04%2F14%2Fa0248&cHash=ead515ac0f
 


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