Bittere Reue nach Abtreibung: „Ich habe mein Kind getötet!“

Erschütternder Erlebnisbericht einer jungen Mutter vom April 2012

Frau T. fühlte sich zu schwach, um sich dem Druck ihres Mannes zu widersetzen. Aufgrund seiner plötzlichen Arbeitslosigkeit, finanzieller Sorgen wegen der Spielsucht ihres Mannes und des bevorstehenden Wohnungswechsels sah sie keinen anderen Ausweg.

Hinzu kam, daß sie selber mitten in der Berufsausbildung steckte. Sie befürchtete Nachteile, wenn sie die Ausbildung unterbrechen muß. Obwohl Lebensrechtler ihr Möglichstes taten, hat sich Frau T. schweren Herzens für die Abtreibung entschieden, die sie bereits beim Aufwachen aus der Narkose bitter bereute.

Wie geht es den vielen Frauen in unserem Land, die diesen Irrweg ebenfalls gewählt haben?

Frau T. möchte mit ihrem Bericht andere Frauen warnen, die sich von den Lügen der Abtreibungsbefürworter einlullen lassen:

Mitte April 2012 besuchte ich Dr. W. nach einem positiven Schwangerschaftstest in seiner Praxis. Der Wartebereich war verziert mit vielen Babyfotos, auf denen auch Herr Dr. W. abgebildet war. Nach langem Warten wurde ich persönlich von Dr. W. abgeholt. Ich erklärte, daß ich zwei positive Schwangerschaftstests gemacht habe und daß ich nicht weiß, ob ich das Kind haben kann.

Er fing sofort an zu erklären, daß eine Abtreibung überhaupt kein Problem und zudem nur eine Sache von 2 Minuten sei.  Er untersuchte mich  – und auf Anhieb war ein kleiner Mensch zu erkennen.  Meine ersten Worte waren: „Das ist aber groß.“

Er vermaß das Kind und stellte fest, daß ich in der 11. Woche war.  Er holte einen “Plastikschlauch” aus seinem Schubfach und erklärte mir anhand eines Schaubildes, wie die Abtreibung vorgenommen wird. Er sagte: „Dieser Schlauch ist für einen Fötus in der achten Woche, ihrer wäre dann größer.“

Sofort wollte er mit mir einen Termin vereinbaren, doch ich bat um Bedenkzeit. Dann war der Tag gekommen. Ich mußte um 7 Uhr zwei Tabletten nehmen, damit alles in meinem Bauch lockerer wird. Ich bekam eine halbe Stunde nach der Einnahme Unterleibsschmerzen.

Um 9 Uhr fuhr ich mit dem Bus zur Praxis. Der Narkose-Arzt stach mir eine Kanüle und spritze mir eine halbe Ampulle Morphium zur Beruhigung. Doch es beruhigte mich in keinster Weise. Ich fing bitterlich an zu weinen, legte die Hand auf meinen Bauch und bat mein Kind um Verzeihung. Ich sagte ihm: „Ich liebe dich und es tut mir leid.“

Alle Dämme brachen und ich bekam einen Nervenzusammenbruch. Die Arzthelferin kam zu mir und sagte: „Das ist nichts Schlimmes, du mußt da jetzt durch, schau in die Zukunft.“  – So nach dem Motto: Reiß dich zusammen.

Nun wurde ich ins Behandlungszimmer gebracht und auf den Stuhl fixiert. Ich bekam das Schlafmittel und der Arzt sagte noch: „Jetzt schlaf gut, Jasmin.“ –  Ich bin bitterlich weinend eingeschlafen.

Dann wachte ich vom Geklimper des OP-Bestecks auf. Ich hörte, wie der Abtreibungsarzt zum Narkose-Arzt sagte: „Da haben wir ja dann alles gut wegbekommen, wir sollten ihr nur nicht sagen, daß wir 10 Anläufe gebraucht haben, weil das Kind nicht gehen wollte.“

Mit diesem Satz dämmerte ich wieder ein. Dann wachte ich wieder auf und sofort war diese Aussage in meinem Kopf präsent.

Ich bemerkte dann, dass jemand neben mir stand, den ich sogleich viermal fragte, ob alles gut gelaufen sei. Erst dann erhielt ich ein kurzes: „Ja, alles ist gut gelaufen.“  –  Danach fragte ich: „Ist es auf dem Müll?“

Und dieser Jemand sagte: „Nein, hier ist es Gesetz, daß es in das Krankenhaus gebracht wird und dann sorgfältig mit anderen verbrannt wird.“

Ich dämmerte kurz ein und wurde dann auf meine Liege gebracht. Ich weinte und weinte. Ich fühlte mich einfach nur schlecht und da war dieser Satz, der mir unendliches Leid zufügte. Hinzu kam, daß die Wände sehr hellhörig waren und ich ständig den Sauger hörte, mit dem das nächste tote Kind abgesaugt wurde.

Gekürzt aus dem Weblog „Schreibfreiheit“ –  Quelle und Fortsetzung des Erfahrungsberichts hier: http://schreibfreiheit.eu/2012/04/26/ich-habe-abgetrieben/

 


Online-Umfrage des „Tagesspiegel“: 92% wollen „Babyklappe“ behalten

Der Berliner „Tagesspiegel“ berichtet jetzt recht fair und wohlwollend von der „Babyklappe“ im Krankenhaus Waldfriede in Berlin-Zehlendorf. Dort gibt es die Möglichkeit der „anonymen Geburt“ und eine Babytüre, damit verzweifelte Mütter ihre Säuglinge abgeben können.

Die meisten Lebensrechtler sprechen sich für diese beiden Chancen aus, um Kinder zu retten und Müttern in Not zu helfen. Familienministerin Schröder und viele Politiker mit ihr wollen jedoch die sog. „Babyklappen“ beenden.

Interessant ist freilich eine online-Umfrage der erwähnten Zeitung zur Frage: „Sollen die Babyklappen abgeschafft werden?“  – Bis zum heutigen Vormittag haben sich 5152 Personen beteiligt, von den 92% gegen eine Abschaffung votieren, also für die Babytür eintreten; 8 Prozent sind dagegen (also für die Abschaffung der Babytür).

Hier gehts zum Artikel und zur Umfrage des Tagesspiegel:

http://www.tagesspiegel.de/berlin/ein-besuch-das-maedchen-aus-der-babyklappe/6571304.html

 


Saudischer Großmufti: Heirat für Mädchen ab 10 Jahren

Das gesetzlich heiratsfähige Alter für Mädchen erhöhen? Für den saudischen Großmufti Abdul Asis bin Abdullah el Scheich steht das nicht zur Debatte. Vielmehr betont der islamische Gelehrte: Es sei zulässig, daß Mädchen im Alter von zehn Jahren heiraten.

“Unsere Mütter und Großmütter heirateten, als sie kaum zwölf Jahre alt waren. Eine gute Erziehung macht ein Mädchen bereit, in diesem Alter alle ehelichen Pflichten zu erfüllen”, antwortet al-Scheich auf eine Frage hinsichtlich der Praxis, minderjährige Mädchen ohne deren Einwilligung zu verheiraten.

Quelle und Fortsetzung des Berichts:

http://www.deutsch-tuerkische-nachrichten.de/2012/04/452493/saudischer-grossmufti-%E2%80%9Ezehnjaehrige-maedchen-koennen-heiraten%E2%80%9C/


Bistum Rottenburg startet Gedenken an den seligen Pater Rupert Mayer SJ

Der schwäbische Jesuitenpater widerstand mutig der NS-Diktatur

Mit Gottesdiensten und Gedenkfeiern ehrt die Diözese Rottenburg-Stuttgart den vor 25 Jahren selig gesprochenen Jesuitenpater und NS-Gegner Rupert Mayer.

Er kam 1876 in Stuttgart zur Welt, wurde 1899 im Rottenburger Dom zum Priester geweiht und war ein Jahr lang Vikar in Spaichingen, bevor er sich dem Jesuitenorden anschloß und später in der bayerischen Hauptstadt als „15. Nothelfer der Münchner“ verehrt wurde.

Von den Nationalsozialisten, denen er mutig die Stirn bot, wurde er massiv drangsaliert, ins KZ Sachsenhausen verbracht und schließlich bis Kriegsende im Kloster Ettal interniert. Im Mai 1945 zurückgekehrt, erlitt der Pater an Allerheiligen in der Michaelskirche einen tödlichen Hirnschlag.

Am 4. November wurde er auf dem Jesuitenfriedhof in Pullach beigesetzt. Wegen des Ansturms zum Grab wurden seine Gebeine 1948 in die Unterkirche des Münchner Bürgersaals überführt.  Am 3. Mai 1987 wurde der mutige Pater von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

Den Auftakt zum Rupert-Mayer-Jahr bildet am 2. Mai ein Gottesdienst im Rottenburger Dom zum Gedenken an Pater Mayers Priesterweihe.

Der Jesuitenpater wird zudem im Zentrum eines von Papst Benedikt XVI. für die Weltkirche angeregten Jahrs des Glaubens stehen, das er am 11. Oktober 2012 ausrufen wird.

Quelle: www.glaubeaktuell.net

 


Oliver Wittke (CDU) kritisiert Ministerpräsidentin Kraft wegen Kita-Äußerung

Der Generalsekretär der nordrhein-westfälischen CDU, Oliver Wittke, hat NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wegen ihrer Äußerung zur Kita-Betreuung scharf kritisiert.
Die sozialdemokratische Regierungschefin  hatte im Zusammenhang mit der Betreuung in Kitas bzw Krippen gesagt, der Staat müsse „sicherstellen, dass alle Kinder da sind„.
„Jetzt sieht man, wes Geistes Kind Frau Kraft ist. Sie will alle Kinder in staatliche Obhut geben“, sagte Wittke der „Rheinischen Post“.

Die CDU lehne eine Kita-Pflicht, die Erinnerungen an Zustände in der früheren DDR wecke, entschieden ab: „Das ist nicht unsere Politik.“

Frau Kraft hat inzwischen etwas zurückgerudert und erklärt, sie fordere keine Kita-Pflicht für alle Eltern.

Quelle: dts-Nachrichtenagentur


Johannes Rösler beanstandet Papstbeschluß zu den Kelchworten Christi

„Keine Beruhigung für nachdenklich-kritische Geister“

Chefredakteur Johannes Rösler befaßte sich in der Herder-Zeitschrift „Christ in der Gegenwart“ vom 29.4.2012 mit dem Brief des Papstes an die deutschen Bischöfe, wonach in den Kelchworten der hl. Wandlung nunmehr korrekt von „für viele“ die Rede sein soll (nicht mehr wie bisher im Sinne der unrichtigen Meßbuch-Übertragung “ für alle“).

Eingangs stellt Rösler fest:

„Über die Frage, wie die sogenannten Wandlungsworte der Eucharistie zu übersetzen sind, wie insbesondere das Wort über den Kelch zu formulieren sei, war bereits 2007 ein theologischer Streit entbrannt. Den Anlass gab ein Schreiben aus der vatikanischen Gottesdienstkongregation. Es verlangte eine Änderung der deutschen Aussage gemäß dem wörtlichen Verständnis der griechischen beziehungsweise lateinischen Textüberlieferung in den Evangelien“.

Damit wird immerhin klar, daß der Vatikan schon seit langem eine korrekte Übersetzung der Wandlungsworte verlangte, dies aber von bischöflicher Seite in Deutschland nicht umgesetzt wurde, weshalb der Papst jetzt in einem eigenen Schreiben auf Verwirklichung drängte, zumal die Sachlage eindeutig ist: In ihren Berichten vom hl. Abendmahl haben die Evangelisten Matthäus und Markus die aramäische Rede Christi mit den griechischen Worten „peri/hyper pollon“ (= für viele) wiedergegeben.

Aufschlußreich freilich, daß der katholische Chefredakteur von „sogenannten“ Wandlungsworten schreibt. Warum das eher distanzierende Wort „sogenannt“?

In diesem Stil geht es einige Zeilen weiter:

„Er [der Papst] wünscht, dass die sogenannten Einsetzungsworte, wie sie bei Matthäus und Markus literarisch überliefert sind, wortgetreu übersetzt werden, „aus Respekt vor dem Wort Jesu, um ihm auch bis ins Wort hinein treu zu bleiben“.  Benedikt XVI. meint, dass die Formulierungen wortwörtlich auf Jesus selber zurückgehen und nicht einfach eine literarische Stilisierung sind.“

Die „sogenannten“ Einsetzungsworte (also die Wandlungsworte!) sind laut Rösler lediglich „literarisch überliefert“, eine „literarische Stilisierung“ – oho!

Wohingegen der Papst  lediglich „meint“, die „Formulierungen“ (der Wandlungsworte) gingen „wortwörtlich auf Jesus selbst zurück“.  – Ist die biblische Überlieferung laut Rösler nicht immer verläßlich?   Ist das Oberhaupt der katholischen Kirche quasi ein „Bibelfundamentalist“, zumindest aus Sicht von „nachdenklich-kritischen Geistern“?

Der Chefredakteur schreibt nämlich außerdem:

„Der Übersetzungsbeschluss des Papstes trägt bei nachdenklich-kritischen Geistern gerade nicht zur Beruhigung bei, sondern macht umso mehr Plausibilitätsbrüche sichtbar. Der aktuelle Beschluss weckt womöglich unter Menschen guten Willens erst recht Zweifel an der intellektuellen Redlichkeit der christlichen Erlösungsvorstellung.

Wie universal ist die „Universalreligion“ Christentum tatsächlich, und wie universal kann sie überhaupt sein, wie partikular bleibt sie in Wirklichkeit? Zwei Milliarden Getaufte – und fünf Milliarden Nichtchristen bevölkern den Erdball 2012. Zu den Lebenden kommen die Gestorbenen, lange vor Christus. Wie viele sind alle?“

Der Papst hat in seinem Schreiben ausreichend verdeutlicht, daß die sprachlich korrekte Übersetzung der Kelchworte keineswegs den allgemeinen Heilswillen Gottes schmälert, wie ihn die Kirche sogar als Dogma (unfehlbaren Glaubenssatz) verkündet, demzufolge Gott die Erlösung aller Menschen wünscht und Christus sich für das Heil aller geopfert hat. Insofern ist das Heilsangebot des Ewigen „universal“, allgemein, weltweit gültig.

In diesem Sinne schreibt Paulus an seinen Mitarbeiter Timotheus: „Gott will, daß alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1. Tim 2,4).

Gleichwohl besteht ein Unterschied zwischen dem, was Gott in Christus ermöglicht –  und dem, wie Menschen in ihrer Freiheit, die Gott ihnen gewährt, entscheiden  –  auch dieser Gedanke ist biblisch  klar belegt.

Gott zwingt sein Heil niemandem auf. Der Himmel ist kein „goldener Käfig“, sondern eine Gemeinschaft von Freiwilligen. Daher ist zwar der Heilswille Gottes „universal“, nicht jedoch die Heilsverwirklichung in den Menschen, weil hier die gottgeschaffene Freiheit ins Spiel kommt.

Deshalb gilt Christi Erlösung  „allen“ Menschen – und „viele“ sagen JA dazu in Wort und Tat, aber eben nicht alle. Das dürfte auch einem Chefredakteur von „Christ in der Gegenwart“ bekannt sein.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

 


PRO MULTIS: Wortlaut des Briefs von Papst Benedikt XVI. zur Übersetzung der Wandlungsworte

Schreiben an die Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz vom 14. April 2012

Exzellenz!
Sehr geehrter, lieber Herr Erzbischof!

Bei Ihrem Besuch am 15. März 2012 haben Sie mich wissen lassen, dass bezüglich der Übersetzung der Worte „pro multis“ in den Kanongebeten der heiligen Messe nach wie vor keine Einigkeit unter den Bischöfen des deutschen Sprachraums besteht.

Es droht anscheinend die Gefahr, dass bei der bald zu erwartenden Veröffentlichung der neuen Ausgabe des „Gotteslobs“ einige Teile des deutschen Sprachraums bei der Übersetzung „für alle“ bleiben wollen, auch wenn die Deutsche Bischofskonferenz sich einig wäre, „für viele“ zu schreiben, wie es vom Heiligen Stuhl gewünscht wird.

Ich habe Ihnen versprochen, mich schriftlich zu dieser schwerwiegenden Frage zu äußern, um einer solchen Spaltung im innersten Raum unseres Betens zuvorzukommen. Den Brief, den ich hiermit durch Sie den Mitgliedern der Deutschen Bischofskonferenz schreibe, werde ich auch den übrigen Bischöfen des deutschen Sprachraums zusenden lassen.

Lassen Sie mich zunächst kurz ein Wort über die Entstehung des Problems sagen. In den 60er Jahren, als das Römische Missale unter der Verantwortung der Bischöfe in die deutsche Sprache zu übertragen war, bestand ein exegetischer Konsens darüber, dass das Wort „die vielen“, „viele“ in Jes 53,1l f. eine hebräische Ausdrucksform sei, um die Gesamtheit, „alle“ zu benennen. Das Wort „viele“ in den Einsetzungsberichten von Matthäus und Markus sei demgemäß ein Semitismus und müsse mit „alle“ übersetzt werden.

Dies bezog man auch auf den unmittelbar zu übersetzenden lateinischen Text, dessen „pro multis“ über die Evangelienberichte auf Jes 53 zurückverweise und daher mit „für alle“ zu übersetzen sei.

Dieser exegetische Konsens ist inzwischen zerbröckelt; er besteht nicht mehr. In der deutschen Einheitsübersetzung der Heiligen Schrift steht im Abendmahlsbericht: „Das ist mein Blut, das Blut des Bundes, das für viele vergossen wird“ (Mk 14, 24; vgl. Mt 26, 28). Damit wird etwas sehr Wichtiges sichtbar: Die Wiedergabe von „pro multis“ mit „für alle“ war keine reine Übersetzung, sondern eine Interpretation, die sehr wohl begründet war und bleibt, aber doch schon Auslegung und mehr als Übersetzung ist.

Diese Verschmelzung von Übersetzung und Auslegung gehört in gewisser Hinsicht zu den Prinzipien, die unmittelbar nach dem Konzil die Übersetzung der liturgischen Bücher in die modernen Sprachen leitete. Man war sich bewusst, wie weit die Bibel und die liturgischen Texte von der Sprach- und Denkwelt der heutigen Menschen entfernt sind, so dass sie auch übersetzt weithin den Teilnehmern des Gottesdienstes unverständlich bleiben mussten.

Es war ein neues Unternehmen, dass die heiligen Texte in Übersetzungen offen vor den Teilnehmern am Gottesdienst dastanden und dabei doch in einer großen Entfernung von ihrer Welt bleiben würden, ja, jetzt erst recht in ihrer Entfernung sichtbar würden.

So fühlte man sich nicht nur berechtigt, sondern geradezu verpflichtet, in die Übersetzung schon Interpretation einzuschmelzen und damit den Weg zu den Menschen abzukürzen, deren Herz und Verstand ja von diesen Worten erreicht werden sollten.

Bis zu einem gewissen Grad bleibt das Prinzip einer inhaltlichen und nicht notwendig auch wörtlichen Übersetzung der Grundtexte weiterhin berechtigt. Da ich die liturgischen Gebete immer wieder in verschiedenen Sprachen beten muss, fällt mir auf, dass zwischen den verschiedenen Übersetzungen manchmal kaum eine Gemeinsamkeit zu finden ist und dass der zugrundeliegende gemeinsame Text oft nur noch von Weitem erkennbar bleibt.

Dabei sind dann Banalisierungen unterlaufen, die wirkliche Verluste bedeuten. So ist mir im Lauf der Jahre immer mehr auch persönlich deutlich geworden, dass das Prinzip der nicht wörtlichen, sondern strukturellen Entsprechung als Übersetzungsleitlinie seine Grenzen hat.

Solchen Einsichten folgend hat die von der Gottesdienst-Kongregation am 28.03.2001 erlassene Übersetzer-Instruktion Liturgiam authenticam wieder das Prinzip der wörtlichen Entsprechung in den Vordergrund gerückt, ohne natürlich einen einseitigen Verbalismus vorzuschreiben.

Die wichtige Einsicht, die dieser Instruktion zugrunde liegt, besteht in der eingangs schon ausgesprochenen Unterscheidung von Übersetzung und Auslegung. Sie ist sowohl dem Wort der Schrift wie den liturgischen Texten gegenüber notwendig.

Einerseits muss das heilige Wort möglichst als es selbst erscheinen, auch mit seiner Fremdheit und den Fragen, die es in sich trägt; andererseits ist der Kirche der Auftrag der Auslegung gegeben, damit  –  in den Grenzen unseres jeweiligen Verstehens  –  die Botschaft zu uns kommt, die der Herr uns zugedacht hat.

Auch die einfühlsamste Übersetzung kann die Auslegung nicht ersetzen: Es gehört zur Struktur der Offenbarung, dass das Gotteswort in der Auslegungsgemeinschaft der Kirche gelesen wird, dass Treue und Vergegenwärtigung sich miteinander verbinden.

Das Wort muss als es selbst, in seiner eigenen vielleicht uns fremden Gestalt da sein; die Auslegung muss an der Treue zum Wort selbst gemessen werden, aber zugleich es dem heutigen Hörer zugänglich machen.

In diesem Zusammenhang ist vom Heiligen Stuhl entschieden worden, dass bei der neuen Übersetzung des Missale das Wort „pro multis“ als solches übersetzt und nicht zugleich schon ausgelegt werden müsse.

An die Stelle der interpretativen Auslegung „für alle“ muss die einfache Übertragung „für viele“ treten. Ich darf dabei darauf hinweisen, dass sowohl bei Matthäus wie bei Markus kein Artikel steht, also nicht „für die vielen“, sondern „für viele“.

Wenn diese Entscheidung von der grundsätzlichen Zuordnung von Übersetzung und Auslegung her, wie ich hoffe, durchaus verständlich ist, so bin ich mir doch bewusst, dass sie eine ungeheure Herausforderung an alle bedeutet, denen die Auslegung des Gotteswortes in der Kirche aufgetragen ist. Denn für den normalen Besucher des Gottesdienstes erscheint dies fast unvermeidlich als Bruch mitten im Zentrum des Heiligen. Sie werden fragen: Ist nun Christus nicht für alle gestorben? Hat die Kirche ihre Lehre verändert? Kann und darf sie das? Ist hier eine Reaktion am Werk, die das Erbe des Konzils zerstören will?

Wir wissen alle durch die Erfahrung der letzten 50 Jahre, wie tief die Veränderung liturgischer Formen und Texte die Menschen in die Seele trifft; wie sehr muss da eine Veränderung des Textes an einem so zentralen Punkt die Menschen beunruhigen.

Weil es so ist, wurde damals, als gemäß der Differenz zwischen Übersetzung und Auslegung für die Übersetzung „viele“ entschieden wurde, zugleich festgelegt, dass dieser Übersetzung in den einzelnen Sprachräumen eine gründliche Katechese vorangehen müsse, in der die Bischöfe ihren Priestern wie durch sie ihren Gläubigen konkret verständlich machen müssten, worum es geht.

Das Vorausgehen der Katechese ist die Grundbedingung für das Inkrafttreten der Neuübersetzung. Soviel ich weiß, ist eine solche Katechese bisher im deutschen Sprachraum nicht erfolgt. Die Absicht meines Briefes ist es, Euch alle, liebe Mitbrüder, dringendst darum zu bitten, eine solche Katechese jetzt zu erarbeiten, um sie dann mit den Priestern zu besprechen und zugleich den Gläubigen zugänglich zu machen.

In einer solchen Katechese muss wohl zuerst ganz kurz geklärt werden, warum man bei der Übersetzung des Missale nach dem Konzil das Wort „viele“ mit „alle“ wiedergegeben hat: um in dem von Jesus gewollten Sinn die Universalität des von ihm kommenden Heils unmissverständlich auszudrücken.

Dann ergibt sich freilich sofort die Frage: Wenn Jesus für alle gestorben ist, warum hat er dann in den Abendmahlsworten „für viele“ gesagt? Und warum bleiben wir dann bei diesen Einsetzungsworten Jesu? Hier muss zunächst noch eingefügt werden, dass Jesus nach Matthäus und Markus „für viele“, nach Lukas und Paulus aber „für euch“ gesagt hat. Damit ist scheinbar der Kreis noch enger gezogen.

Aber gerade von da aus kann man auch auf die Lösung zugehen. Die Jünger wissen, dass die Sendung Jesu über sie und ihren Kreis hinausreicht; dass er gekommen war, die verstreuten Kinder Gottes aus aller Welt zu sammeln (Joh 11, 52). Das „für euch“ macht die Sendung Jesu aber ganz konkret für die Anwesenden. Sie sind nicht irgendwelche anonyme Elemente einer riesigen Ganzheit, sondern jeder einzelne weiß, dass der Herr gerade für mich, für uns gestorben ist.

„Für euch“ reicht in die Vergangenheit und in die Zukunft hinein, ich bin ganz persönlich gemeint; wir, die hier Versammelten, sind als solche von Jesus gekannt und geliebt. So ist dieses „für euch“ nicht eine Verengung, sondern eine Konkretisierung, die für jede Eucharistie feiernde Gemeinde gilt, sie konkret mit der Liebe Jesu verbindet.

Der Römische Kanon hat in den Wandlungsworten die beiden biblischen Lesarten miteinander verbunden und sagt demgemäß: „Für euch und für viele“. Diese Formel ist dann bei der Liturgie-Reform für alle Hochgebete übernommen worden.

Aber nun noch einmal: Warum „für viele“? Ist der Herr denn nicht für alle gestorben?

Dass Jesus Christus als menschgewordener Sohn Gottes der Mensch für alle Menschen, der neue Adam ist, gehört zu den grundlegenden Gewissheiten unseres Glaubens. Ich möchte dafür nur an drei Schrifttexte erinnern: Gott hat seinen Sohn „für alle hingegeben“, formuliert Paulus im Römer-Brief (Röm 8, 32). „Einer ist für alle gestorben“, sagt er im zweiten Korinther-Brief über den Tod Jesu (2 Kor 5, 14). Jesus hat sich „als Lösegeld hingegeben für alle“, heißt es im ersten Timotheus-Brief (1 Tim 2,6).                                                                                         

Aber dann ist erst recht noch einmal zu fragen: Wenn dies so klar ist, warum steht dann im Eucharistischen Hochgebet „für viele“?

Nun, die Kirche hat diese Formulierung aus den Einsetzungsberichten des Neuen Testaments übernommen. Sie sagt so aus Respekt vor dem Wort Jesu, um ihm auch bis ins Wort hinein treu zu bleiben. Die Ehrfurcht vor dem Wort Jesu selbst ist der Grund für die Formulierung des Hochgebets.

Aber dann fragen wir: Warum hat wohl Jesus selbst es so gesagt? Der eigentliche Grund besteht darin, dass Jesus sich damit als den Gottesknecht von Jes 53 zu erkennen gab, sich als die Gestalt auswies, auf die das Prophetenwort wartete.

Ehrfurcht der Kirche vor dem Wort Jesu, Treue Jesu zum Wort der „Schrift“, diese doppelte Treue ist der konkrete Grund für die Formulierung „für viele“. In diese Kette ehrfürchtiger Treue reihen wir uns mit der wörtlichen Übersetzung der Schriftworte ein.

So wie wir vorhin gesehen haben, dass das „für euch“ der lukanisch-paulinischen Tradition nicht verengt, sondern konkretisiert, so können wir jetzt erkennen, dass die Dialektik „viele“- „alle“ ihre eigene Bedeutung hat. „Alle“ bewegt sich auf der ontologischen Ebene – das Sein und Wirken Jesu umfasst die ganze Menschheit, Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft.

Aber faktisch, geschichtlich in der konkreten Gemeinschaft derer, die Eucharistie feiern, kommt er nur zu „vielen“.

So kann man eine dreifache Bedeutung der Zuordnung von „viele“ und „alle“ sehen. Zunächst sollte es für uns, die wir an seinem Tische sitzen dürfen, Überraschung, Freude und Dankbarkeit bedeuten, dass er mich gerufen hat, dass ich bei ihm sein und ihn kennen darf.

„Dank sei dem Herrn, der mich aus Gnad‘ in seine Kirch‘ berufen hat …“.

Dann ist dies aber zweitens auch Verantwortung. Wie der Herr die anderen  –  „alle“  –  auf seine Weise erreicht, bleibt letztlich sein Geheimnis. Aber ohne Zweifel ist es eine Verantwortung, von ihm direkt an seinen Tisch gerufen zu sein, so dass ich hören darf: Für euch, für mich hat er gelitten.

Die vielen tragen Verantwortung für alle. Die Gemeinschaft der vielen muss Licht auf dem Leuchter, Stadt auf dem Berg, Sauerteig für alle sein. Dies ist eine Berufung, die jeden einzelnen ganz persönlich trifft. Die vielen, die wir sind, müssen in der Verantwortung für das Ganze im Bewusstsein ihrer Sendung stehen.

Schließlich mag ein dritter Aspekt dazukommen. In der heutigen Gesellschaft haben wir das Gefühl, keineswegs „viele“ zu sein, sondern ganz wenige – ein kleiner Haufen, der immer weiter abnimmt. Aber nein – wir sind „viele“: „Danach sah ich: eine große Schar aus allen Nationen und Stämmen, Völkern und Sprachen; niemand konnte sie zählen“, heißt es in der Offenbarung des Johannes (Offb 7, 9). Wir sind viele und stehen für alle. So gehören die beiden Worte „viele“ und „alle“ zusammen und beziehen sich in Verantwortung und Verheißung aufeinander.

Exzellenz, liebe Mitbrüder im Bischofsamt! Mit alledem wollte ich die inhaltlichen Grundlinien der Katechese andeuten, mit der nun so bald wie möglich Priester und Laien auf die neue Übersetzung vorbereitet werden sollen.

Ich hoffe, dass dies alles zugleich einer tieferen Mitfeier der heiligen Eucharistie dienen kann und sich so in die große Aufgabe einreiht, die mit dem „Jahr des Glaubens“ vor uns liegt.

Ich darf hoffen, dass die Katechese bald vorgelegt und so Teil der gottesdienstlichen Erneuerung wird, um die sich das Konzil von seiner ersten Sitzungsperiode an gemüht hat.

Mit österlichen Segensgrüßen verbleibe ich im Herrn

Ihr Benedictus PP XVI.

Foto: Dr. Bernd Pelz