Ministerpräsident Kretschmann, die „zeitgenössische“ Kirche und ihr „Dialogprozeß“

Kommentar von Felizitas Küble

Baden-Württembergs politisch grüner Ministerpräsident Winfried Kretschmann hält Reformen in der katholischen Kirche für nötig, wie jüngst in der Presse zu lesen war.

Dabei sollten glaubenswache Christen beachten, daß vieles von dem, was gerne als „Reformen“ bezeichnet wird, in Wirklichkeit zu „Deformation“ führt, zur Abschwächung oder gar Auflösung der klaren christlichen Botschaft, besonders zur Infragestellung der Zehn Gebote.

Man denke an Dauerbrenner wie Lebensrecht bzw. Abtreibung, Euthanasie (5. Gebot), Unauflöslichkeit der Ehe (6. Gebot) oder grundsätzlich an die Schöpfungsordnung Gottes (Ehe zwischen Mann und Frau, Nein zur Homosexualität).

Der grüne Politiker, der dem weitgehend modernistischen Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) angehört, erklärte zudem:  Die Kirche könne nur stark und mitten in der Gesellschaft präsent sein, wenn sie ihren Glauben „zeitgenössisch verbreitet“.

Genau umgekehrt wird ein Schuh draus: Solange die Kirche sich und ihren Standpunkt nur „zeitgenössisch“ präsentiert, hat sie nichts zu melden, was über den Tellerrand des üblichen pseudo-modernen Geredes hinausgeht. Eine Kirche, die sich der Welt unterwirft, die dem Zeitgeist mehr dient als dem Heiligen Geist, hat der Welt nichts zu sagen – nichts, was die Welt sich nicht selber mitteilen könnte.

Außerdem rief der baden-w. Ministerpräsident  rief dazu auf, den „Impuls des Zweiten Vatikanischen Konzils aufzunehmen„.

Der angebliche Geist des 2. Vatikanum scheint ein Gespenst zu sein, denn meist bleibt die Berufung darauf  im Verschwommenen und Nebelhaften stecken.

Es gibt Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils, die dem grünen Politiker wohl weniger gefallen dürften, zB folgende Klarstellung: „Abtreibung und Tötung des Kindes sind ein verabscheuungswürdiges Verbrechen“ (Konzilsdokument Gaudium et Spes 51,3).

Außerdem läßt Herr Kretschmann, der beim nächsten Katholikentag Mitte Mai 2012 am Eröffnuingsgottesdienst teilnehmen und dort eine Impuls-Ansprache halten will, der katholischen Christenschar Folgendes ausrichten:

Vom Mannheimer Katholikentag erwartet er sich, dass der von der Deutschen Bischofskonferenz begonnene Dialogprozess zur Zukunft der katholischen Kirche „offen geführt wird und dass die Hierarchie dann auch darauf hört“.“

Allein schon der Ausdruck „Dialogprozess“ ist recht vielsagend und genau genommen ein Widerspruch in sich selbst  –  aber in dieser autoritär-progressistischen Einbahnstraße wird tatsächlich jedem echten Dialog der „Prozeß“ gemacht, weil glaubenskonservative Stimmen ins Abseits gedrängt werden, sofern sie überhaupt noch zu Wort kommen.

Interessanterweise hat Papst Benedikt den bischöflich seit Jahren hochgepriesenen „Dialogprozess“ bei seinem Deutschlandbesuch vorigen September gleich gar nicht in den Mund genommen  – und damit diese vermeintlich großartige „Aktion“ der Deutschen Bischofskonferenz schlicht links liegen gelassen, wo sie auch hingehört.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


2 Kommentare on “Ministerpräsident Kretschmann, die „zeitgenössische“ Kirche und ihr „Dialogprozeß“”

  1. Conny sagt:

    Zitat:
    Eine Kirche, die sich der Welt unterwirft, die dem Zeitgeist mehr dient als dem Heiligen Geist, hat der Welt nichts zu sagen –

    *nichts, was die Welt sich nicht selber mitteilen könnte.*

    Schön formuliert. 🙂

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  2. Prof.Hans Schieser sagt:

    Zum „offenen“ Geist kann man nur Chesterton (Englischer Konvertit, 1874-1936) zitieren:
    „Some people are so openminded that their brain is falling out.. = “ so geistig offen, dass bei ihnen das Gehirn herausfällt.

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