Evangelische Klarstellung zu Kelchworten Christi: Der Papst liegt richtig!

Eucharistie beinhaltet keinen Freifahrtschein

Nach wie vor wird über die von Papst Benedikt veranlaßte,  korrekte Übersetzung der Kelchworte des HERRN beim hl. Abendmahl heftig debattiert.

Dabei steht freilich fest, daß Christus  – von seinem Heils-Angebot her  – für alle Menschen gestorben ist. Doch Jesu Erlösungswerk übt keinen Zwang aus: das Heil wird denen zuteil und in jenen Menschen wirksam, die an IHN glauben und in seine Nachfolge eintreten.

Hier folgt die Stellungnahme von Dennis Riehle, einem evangelischen Prädikanten aus Konstanz, der dies Thema aus theologisch-konservativer  Sicht beleuchtet und dem Papst zustimmt:

Wie von einem Bienenschwarm gestochen, empört sich die christlich-liberale Welt über eine Anordnung von Papst Benedikt XVI.: Er hat die deutschen Bischöfe verpflichtet, nach derem langen Widerstand endlich die nach der Übersetzung richtigen Worte zur Einsetzung der Eucharistie zu verwenden.

So heißt es nicht nur bei den Katholiken derzeit, dass „Leib“ beziehungsweise „Blut für euch und für alle hingegeben /vergossen wird“.

Doch damit hat man sich (…) mit einer kleinen Veränderung der theologischen Tatsache entzogen, die Wert und Wahrheit des Christentums ausmachen: Der Ursprungstext spricht davon, dass Leib und Blut Jesu Christi nicht für alle, sondern lediglich für „viele“ bestimmt waren.

Unter Protestanten und katholischen Reformbewegungen ging der Aufschrei durch die Reihen: Jesus soll nicht für uns alle gestorben sein?

Nicht für die, die Ehe gebrochen haben? Nicht für die, die wiederverheiratet sind? Nicht für die, die in Homosexualität leben? Oder nicht für die, die abgetrieben haben?

Für die vom Zeitgeist und der Gutmenschlichkeit durch und durch geprägte Christenheit ein Schlag ins Gesicht, wie es scheint.

Schon bald kamen die ersten Rufe, wonach die katholische Kirche nun diskriminiere. Sie schließe Menschen vom Abendmahl aus, sie ließe den Sündentod Jesu nicht denen zuteil werden, die nicht den strengen Maßgaben der Lehre entsprächen.

Welche Unmenschen in Rom! So mag sich der ein oder andere verklärte „Mainstream“-Beobachter der kirchlichen Erosion gedacht haben.

Und doch schert sich keiner darum, dass theologisch feststeht: Der Papst liegt richtig!

Nicht nur, dass die Übersetzung eindeutig ist und auch nicht durch wohlwollendes Gehabe umgedeutet werden kann.

Wir können und dürfen nicht der Gleichgültigkeit zuliebe übersehen, was auch in der Bibel klar geschrieben steht: Schon allein aus dem Verständnis einer jeder Religion geht hervor, dass das Bekenntnis, dass der Glaube befähigt, Teil des Geheimnisses zu werden, das wir als Christen im Tod und in der Auferstehung unseres HERRN sehen.

Wer nicht an Jesus glaubt, der kann nicht verstehen, welche Offenbarung hinter dem Sühnetod Christi steht.

Und so sagt ER uns selbst: „Jesus aber sprach zu ihnen: Ich bin das Brot des Lebens. Wer zu mir kommt, den wird nicht hungern; und wer an mich glaubt, den wird nicht dürsten“ (Johannes 6,35).

Jesus beschränkt also aus eigenem Tun heraus die Gemeinschaft derer, die Anteil haben an seiner Verkündigung im Abendmahl.(…) Sein Tod ist das Zeichen der Zuversicht darauf, dass damit nichts enden mag. Nur wer davon überzeugt ist, spürt die Kraft des Auferstehens: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer an mich glaubt, der hat das ewige Leben“ (Johannes 6,47).

Und verdeutlichen wir uns zeitgleich noch: Wer darauf setzt, dass der Zugang zur Eucharistie als Freifahrtsschein für die Vergebung der Sünden gedacht sei, dem muss spätestens durch die neuen Einsetzungsworte bewusst werden, dass es nicht ausreicht, „nur“ Christ zu sein. Das Abendmahl lädt diejenigen ein, die ernsthaft in reuiger Buße sind ob ihrer Sünde.

Zweifelsohne: Jesus ist für alle gestorben, die an ihn glauben wollen. Doch er ist „hinabgestiegen in das Reich des Todes“ und am „dritten Tage auferstanden von Toten“, um denen nahe zu sein, die nicht nur an ihn glauben, sondern auch bereit sind. Nein, Jesus will die Reue nicht als Gegenleistung für die Vergebung.  Buße macht den Sünder zum Gerechten: „Also wird Freude sein vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut“ (Lukas 15,10).

Das Angebot des Heils empfangen jene, die bereit sind, Reue für den Verstoß gegen Gottes Gebote  zu zeigen – denn auch nur sie werden die Kraft der Vergebung schätzen.

Nicht umsonst fordert Jesus uns auf, die Sünde von Beginn an zu meiden: „So ihr meine Gebote haltet, so bleibet ihr in meiner Liebe, gleichwie ich meines Vaters Gebote halte und bleibe in seiner Liebe“ (Johannes 15,10).

So kann die Kirche am Tisch nur die empfangen, die sich ihrer Sündhaftigkeit bewusst und die in ihrer Bußfertigkeit in der Lage sind, die Weite des Todes Jesu Christi zu begreifen. „Ist Christus aber nicht auferstanden, so ist euer Glaube eitel, so seid ihr noch in euren Sünden“ (Lukas 8,48).

Das Leib und das Blut sind gegeben und vergossen für die, die ihre Sünde ablegen wollen und sich bekennen: „Denn Christus ist des Gesetzes Ende; wer an ihn glaubt, der ist gerecht“ (Römer 10,4).

Dennis Riehle
Ev. Prädikant / Laienprediger
Vorsitzender der Christlichen Lebensberatung eV.
Martin-Schleyer-Str. 27
78465 Konstanz
www.riehle-dennis.de
 
Für das Altar-FOTO danken wir unserem evangelischen Leser Dr. Bernd F. Pelz



One Comment on “Evangelische Klarstellung zu Kelchworten Christi: Der Papst liegt richtig!”

  1. Vor ein paar Tagen habe ich mich mit dem Semitisten „Christoph Luxenberg“ ausgiebig unterhalten. Hier das Wichtigste zum Thema:

    Wenn man einmal annimmt, daß das palästinensische Aramäisch, das Jesus Christus wohl im Abendmahlssahl gesprochen haben dürfte, mit dem christlichen Aramäischen (oder Syrischen) in den Wandlungsworten der verschiedenen syrischen Kirchen mehr oder weniger übereinstimmt, so lauten die entscheidenden Worte: „alle“, „euch“ und „für viele“ im Syrischen „kull-kōn“ bzw. „sagiye“.

    – „kull-kōn“ heißt wörtlich „ihr alle“ oder „euch alle“. Die Partikel „kull“, „alle“ kann bei Bezug auf Personen nicht ohne Beifügungen wie „ihr alle“ oder „alle Menschen“ verwendet werden.

    – Das Adjektiv „sagiye“ heißt soviel wie „Sonstige, die Sonstigen“ ausgehend von der Stammbedeutung „darüber hinaus“.

    Damit ist der Sinn der Worte Jesu Christi klar: Er fordert seine Jünger im Abendmahlssahl auf: „Trinket (ihr) alle davon“, und erklärt dazu, daß sein Blut vergossen wird „für euch (alle) und darüber hinaus“. Er macht also klar, daß sein Opfer „darüber hinaus“, also nicht auf die Jünger oder sonstwie beschränkt gemeint ist. Aber von einem allgemeinen Heilsoptimismus nach Art von Origines, daß man sich sozusagen nicht davor retten kann, gerettet zu werden, ist keine Rede. Das stünde ja auch in krassem Gegensatz zu dem in den Evangelien vorhergehenden Bericht vom Weggang Judas’.

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