Margot Käßmann: „Der Papst ist ein sehr gelehrter Mann, aber….“

Ex-Ratsvorsitzende kritisiert päpstliche Forderung nach korrekter Übersetzung der Kelchworte („für viele“)

Am 18. Mai 2012 veröffentlichte der Nachrichtensender n-tv unter dem Titel „Mir fehlen die Worte“ ein Interview mit der evangelischen Ex-Bischöfin und Ex-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann; sie ist nunmehr „Botschafterin“ für das Lutherjubiläum 2017.

In diesem Gespräch mit n-tv äußert Käßmann sich kritisch über den Papst und die katholische Kirche, vor allem wegen der Forderung von Benedikt XVI. nach korrekter Übersetzung der Wandlungsworte.

Laut biblischem Urtext (griechisch) heißt es bei den Kelchworten Christi „für viele“, nicht „für alle“. Auch in der jahrtausendelang bewährten lateinischen Bibelübersetzung (Vulgata) des hl. Kirchenvaters Hieronymus aus antiker Zeit steht „pro multis“ (für viele).

Schon die Frage von „n-tv“ an Frau Käßmann ist tendenziös; sie lautet:

Sie haben den Papst kürzlich unauffällig, aber doch deutlich kritisiert. Es geht um die Wandlungsworte der Eucharistie. Benedikt will, dass dort Jesus nicht mehr ‚für alle‘, sondern nur noch ‚für viele‘ gestorben ist. Ein derber Rückschlag für die Ökumene und die Hoffnung auf ein gemeinsames Abendmahl?

Zunächst einmal geht es nicht darum, was der Papst „will“ (als handle es sich bei seiner Forderung um einen Willkür-Akt), sondern der Papst wünscht schlicht eine zutreffende Übersetzung aus dem biblischen Urtext, was einer protestantischen Theologin (die so gerne die Bibel zitiert und sich „bibelfest“ gibt) an sich doch nur recht sein sollte  – müßte man meinen.

Überdies hatte der Papst in seinem Schreiben zu den Wandlungsworten das Mißverständnis ausgeräumt, als ob Christus nicht „für alle“ gestorben sei. Daher ist die Unterstellung des Interviewers nachweisbar falsch.

Unser Erlöser ist für alle gestorben, doch zum Abendmahl bzw. zur hl. Eucharistie  – in der sein Heilswerk besonders wirksam wird – sind durchaus nicht alle eingeladen, weder damals noch heute, denn Gott gießt seine Erlösung nicht unterschiedslos nach dem Gießkannenprinzip aus, sondern erwartet den Glauben des Einzelnen. So gilt das Heils-Angebot zwar allen Menschen, doch niemandem wird es ungefragt übergestülpt,denn der Ewige ist ein Gott der Freiheit.

Statt nun das berechtigte Anliegen des Papstes nach einer korrekten Übersetzung aus der Heiligen Schrift zu würdigen, schwafelt Frau Käßmann über Ökumene und gemeinsames Abendmahl, was mit der konkreten Fragestellung rein gar nichts zu tun hat:

„Die Ökumene mit den Kirchen der Reformation ist offenbar nicht Priorität bei diesem Papst. Aber ich bin  ein hoffnungsvoller Christenmensch und gebe die Hoffnung auf ein gemeinsames Abendmahl nicht auf. Wir können die Welt nicht zur Einheit rufen, wenn wir selbst es nicht schaffen, an dem Tisch, an den Jesus alle gerufen hat, zusammenzukommen.“

Auf die ntv-Frage „Was wird nach jetzigem Stand bleiben von Benedikt XVI.?“, reagiert sie wie folgt:

„Er ist ein sehr gelehrter Mann. Aber es bleibt die Frage: Will die katholische Kirche sich öffnen hin zu anderen Kirchen und der Gesellschaft oder geht sie den Weg der ‚Entweltlichung‘, von der der Papst zuletzt sprach.“

Offenbar hat Frau Käßmann das päpstliche Wort von der „Entweltlichung“ nicht richtig verstanden. Es geht dem Pontifex ersichtlich nicht darum, daß die Kirche nun etwa Weltflucht betreibt oder sich aus der Gesellschaft quasi verabschiedet, sondern vielmehr darum, daß die Kirche sich  s e l b e r  „entweltlicht“, ihre innere Verweltlichung und leblose Anpassung an den Zeitgeist überwindet und stärker aus dem Glauben und aus der Begeisterung für Christus lebt und wirkt.  Was soll hieran falsch sein? Eben dies ist doch der ur-eigene Auftrag der Kirche!

Nun folgt die nachdenkliche und zugleich klare Stellungnahme einer evangelischen Leserin und Familienmutter aus Biberach zum Käßmann-Interview:

Wenn man die Diskussion um „für alle“ oder „für viele“  und Frau Käßmanns Interview  liest, überlegt man sich, ob die frischgebackene „Luther-Botschafterin“  vor ihrer Berufung denn noch einmal einen Blick in die Luther Bibel geworfen hat.

Was bei Matthäus 26,28, Markus 14,24 und auch 10,45  steht, ist sicherlich nicht ganz so leicht zu „schlucken“ und man muß kräftig darüber nachdenken, aber – es steht eben dort (genauso in der Vulgata und dem griechischen Urtext) so – und nicht so, wie Frau Käßmann und die das Evanglium schleichend oder auch aggressiv aus dem sozialistischen Blickwinkel umschreibenden Bewegungen in den Kirchen es gerne haben möchten  –  evtl. in der Hoffnung, daß keiner die Richtigkeit reklamiert?

Dies auch im Hinblick auf den Weg der „Entweltlichung“, den der Papst – biblisch unterlegt – anspricht. Da wäre ebenfalls vor dem Interview eine ehrlich biblische Überprüfung gut gewesen. Daß Fragen offenbleiben und wir Christen mit diesem Spannungszustand zurechtkommen müssen, ist eine andere Sache. Die kann und darf man offen ansprechen!



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