Katholikentag mit Zweckoptimis(t)mus: Aufbruch, Aufbruch über alles….

Die evangelische Nachrichtenagentur IDEA veröffentlichte heute eine ausgezeichnete Analyse von Karsten Huhn über den Mannheimer Katholikentag, wobei er sich vor allem die kritische Frage stellt, was den Katholikentag denn noch vom (evangelischen) Kirchentag unterscheiden  mag. Kaum etwas, so die eher traurige Schlußfolgerung des evangelikalen IDEA-Redakteurs.

Er schreibt gleich eingangs:Ich wünsche den Katholiken den Aufbruch von Herzen. Nur: Ich sehe ihn nicht.“  – Wie recht er hat!

Der Autor schreibt trefflich weiter: „Denn beim Katholikentag in Mannheim geriet alles zum Aufbruch: Aufgebrochen wurde in die Nachhaltigkeit und in ein langes Leben, zur christlich-muslimischen Partnerschaft und in eine gerechtere Gesellschaft. Alle packen die Koffer, nur wohin die Reise geht, bleibt unklar. Es war ein Aufbruch in alle Richtungen, zu allem und zu nichts.“

Mit diesen klaren Worten wird die ebenso triste wie scheinfröhliche Lage bestens auf den Punkt gebracht.

Der scharfsinnige IDEA-Redakteur stellt sodann die Frage: „Aufbruch oder Auszehrung?

Daß sich die katholische Kirche weitgehend als Abbruch-Unternehmen präsentiert, wird (außer zweckoptimistischen Bischöfen und Funktionären des ZdK) keiner bestreiten, der theologisch und mathematisch noch bis fünf zählen kann.

Die Fakten sind nämlich eindeutig  – und der IDEA-Artikel zählt sie nüchtern auf:

„In den letzten 20 Jahren hat die katholische Kirche 50% ihrer Gottesdienstbesucher verloren und 58% weniger Taufen vollzogen – steckt also wie die evangelische Kirche, bei der die Zahlen nicht viel anders aussehen, mitten in der Krise.

Beschönigen hilft nicht: Statt eines Aufbruchs gibt es eine anhaltende Auszehrung. Doch als Faustformel scheint zu gelten: Je größer die Krise, umso lauter muss zum Aufbruch geblasen werden. Nachdem die EKD sich bereits 2006 zur „Kirche im Aufbruch“ erklärte, haben die Katholiken nun nachgezogen.“

Dieses oberflächliche Hurragerede ist hier gut durchschaut worden. Zudem kritisiert der Verfasser mit Recht, daß Katholikentage sich immer stärker den evangelischen Kirchentagen angleichen, die ohnehin größtenteils aus einem Markt der Unmöglichkeiten bestehen:

„Inzwischen sind Katholikentag und Kirchentag kaum noch unterscheidbar. Beide bieten eine überwältigende Auswahl an Podien, Konzerten, Theaterstücken, Filmen und Ausstellungen. Bei beiden sind die meisten Teilnehmer an ihren farbigen Halstüchern erkennbar. Beide Großveranstaltungen decken alle nur denkbaren gesellschaftlichen Themen ab und sind ein Marktplatz für Politiker aller Parteien. Und auf beiden kommen die Vertreter der jeweils anderen Kirche zu Wort. Eigentlich könnten Kirchen- und Katholikentag also fusionieren.“

Natürlich hinkt die katholische Seite der evangelischen auf dem (Irr-)Weg in den zeitgeistlichen Abgrund noch ein wenig hinterher, was ein gewisser Trost sein mag. So stellt auch der erwähnte IDEA-Redakteur fair und mit großem Wohlwollen bezüglich des Katholikentags fest: „Weniger Quatsch als beim Kirchentag.“

Dazu heißt es näherhin:

„Zum anderen wird am Programm des Katholikentages deutlich, dass die Deutsche Bischofskonferenz mitentscheidet: Während der Kirchentag neben vielen guten auch zahlreiche dubiose Angebote unterbreitet, gibt es beim Katholikentag deutlich weniger Quatsch. Ähnlich schätzt das der EKD-Ratsvorsitzende, Präses Nikolaus Schneider, ein. In einem Interview mit dem „Mannheimer Morgen“ sagte er: „Ich habe den Eindruck, dass der Kirchentag mehr irritierende, unkonventionelle Veranstaltungen zulässt. Katholikentage sind doch stärker auf die Lehre der Kirche bezogen. Bei uns haben die Trägergruppen eine große Freiheit.“

Diese sog. „Freiheit“ ist im liberalen Protestantismus meist die begriffliche Tarnkappe  für allerlei bibelwidrige Narrenfreiheiten, die in der kath. Kirche dank Papst und Lehramt noch in gewissen Grenzen gehalten werden, wenngleich viele deutsche kath.  Bischöfe eben diese Grenzlinien gerne listig unterlaufen oder in zermürbenden Endlos-Diskussionen zerreden, die sie ihren Schäflein dann als „Dialogprozesse“ schönreden.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster
 
Hier der vollständige IDEA-Kommentar: http://www.idea.de/index.php?id=891&tx_ttnews[tt_news]=105147&cHash=be0131347b477c37b352c0d5e72c9f35
FOTO: von unserem evangelischen Leser Dr. Bernd F. Pelz


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