Vor 43 Jahren: Studentenjubel für kommunistischen Massenmörder Mao Tsetung in München

Augenzeugendokument eines typischen Ereignisses während der 68er Revolte

Tageszeitung  D I E   W E L T vom Dienstag, den 13. Mai 1969
Ein Bericht von Christel Koppehele aus Hamburg:

„Studenten und Arbeiter !“   –  Plakate hatten es wochenlang vorher verkündigt: Arbeiter sprechen in der Universität.
Das Auditorium Maximum war bis auf den letzten Platz gefüllt. Als die Diskussionsrunde vorgestellt wurde, gehörte zu jedem Namen eine lange Liste der Funktionen  und Mitgliedschaften des Betreffenden. Zum Schluß einer jeden Vorstellung hieß es fast kategorisch: Mitglied der DKP oder Mitglied der ADF, Mitglied des SDS. – D a s  waren also die  A r b e i t e r , die sprechen sollten.   
Zwei Mitglieder des DGB wurden mit Pfiffen begrüßt. Einige fingen an zu johlen. Es sollte etwas beginnen, etwas anfangen. Jemand begann von Mitbestimmung zu reden und daß  d a s  nicht alles sei. Die Ziele des Klassenkampfes würden dadurch nur verdeckt. Beifall.
Dann sprach jemand von Arbeit Schritt für Schritt und daß es mit Autoumstürzen nicht getan sei. Es war ein alter Kommunist. Pfuirufe. –  Die Masse im Saal wirkte plötzlich wie eine einzige unruhige, gereizte Bestie. Ein Grauhaariger erhob sich im Saal, ballte die Fäuste. Die anderen schrien: „Ruhe!“ 
Dann hörte man ihn: „Als erstes laßt uns die Gewerkschaftsleute davonjagen“. Tosender Beifall. Betretene Gesichter bei der Tischrunde auf dem Podium. Die Gewerkschafter folgten dieser Aufforderung aber nicht, als der Beifall abgeebt war, sondern eine junge Betriebsrätin ergriff das Mikrofon und versuchte, die peinliche Lage zu retten, indem sie gekränkt wiederholte: „Wenn ich richtig verstanden habe, will man uns zum Teufel schicken.“  –  „Ja! Ja!“  brüllte alles, wieder tosender Beifall. Die Gewerkschafter gingen aber nicht. 
Der Diskussionsleiter sprach etwas vorwurfsvoll: „Wenn jede Zwischenfrage zu einer Rede ausartet, dann…“  – Zischen. Buhrufe, der Mann zog den Kopf ein und schwieg. Die Anarchie war vollkommen!  Und man schien die Anarchie zu lieben.
Eine Gruppe am Podium schrie: „Da kann nur Mao helfen!“ – Sie erhoben die Fäuste und riefen mit abgehacktem Sing-Sang: „Mao Tsetung, Mao Tsetung!“  –  Alles applaudierte. Man befand sich in Übereinstimmung.  Man hatte einen Pseudo-Messias gefunden, den man anbeten konnte. Sehnsüchtig klang das: „Mao Tsetung !  Mao Tsetung!“
Diese Leute riefen einen Gewaltigen herbei, der keine Opposition, keine Diskussion, keinen Widerspruch duldet; sie ersehnten ihre eigene bedingungslose Unterwerfung.  Die Schreier hörten plötzlich auf. Sie grinsten. War ihnen das nicht ernst? War ihnen am Ende nichts ernst, nichts heilig? Wollten sie nur ihren Spaß ? Den aber um jeden Preis.
Der Begriff  „Demokratischer Staat“ wurde einmal mit Pfui-Rufen und „Nieder!“ bedacht, einmal mit schwachem Beifall. Es kam nicht darauf an, was einer redete  –  es kam nur auf die elektrisierenden Schlagwörter an, die dann entsprechende Reaktionen auslösten.“


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