Rechtsbeugung in Ägypten: 12 christliche Kopten zu lebenslänglicher Haft verurteilt

Die ägyptische Justiz verhängt gegen koptische Christen härtere Strafen als gegen muslimische Staatsbürger.

Diesen schweren Vorwurf hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) am 22. Mai 2012 erhoben, weil das Strafgericht der Stadt Minya am Montag zwölf Kopten nach einem tödlichen Streit mit Muslimen zu lebenslanger Haft verurteilt hat. Acht ebenfalls angeklagte Muslime wurden freigesprochen.

„Das Urteil ist leider kein Einzelfall“, berichtete der GfbV-Afrika-Referent Ulrich Delius. So hatte Ende April 2012 ein ägyptisches Sondergericht aus angeblichem „Mangel an Beweisen“ alle Verfahren im Zusammenhang mit dem sogenannten Maspero-Massaker vom 9. Oktober 2011 eingestellt. Damals waren dabei 27 Christen ermordet und 320 Menschen verletzt worden.

Es ist ein Armutszeugnis für den Rechtsstaat, aber vor Ägyptens Justiz bekommen Christen nur selten Gerechtigkeit“, erklärte Delius.

Das harsche Urteil vom Montag geht auf einen Streit zurück, der am 18. April 2011 in dem Ort Abu Qurqas in der 240 Kilometer südlich der Hauptstadt Kairo gelegenen Provinz Minya zwischen Kopten und Muslimen ausgebrochen war. Ausgelöst wurde der Konflikt, als die Familie eines koptischen Rechtsanwalts vor ihrem Haus eine Bodenschwelle auf der Straße errichtete, um Autofahrer zu langsamerer Fahrt zu veranlassen.

Als muslimische Nachbarn dagegen protestierten, kam es zum offenen Streit. Bei den Auseinandersetzungen wurden drei Menschen ermordet. Auch bei dem Begräbnis der Verstorbenen brach der Streit erneut aus.

Vier Häuser von Kopten in dem nahe gelegenen Dorf Fekriya wurden niedergebrannt und viele Schaufenster koptischer Geschäfte zerstört. Der Ort Abu Qurqas wird zu 75 Prozent von Kopten bewohnt.

Ursprünglich waren in dem Gerichtsverfahren Gefängnisstrafen von fünf bis fünfzehn Jahren erwartet worden. Doch die Staatsanwaltschaft hatte ihre Anklage um Mord, Gefährdung der öffentlichen Sicherheit, Brandstiftung und unerlaubten Waffenbesitz erweitert.

Quelle: Pressemitteilung der Gesellschaft für bedrohte Völker



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