Kardinal Levada zu den kirchlichen „Normen“ hinsichtlich der Privatoffenbarungen

Begleitschreiben des Präfekts der Kongregation für die Glaubenslehre, William Kardinal Levada, zu den heute vom Vatikan veröffentlichten „Normen„.

Hier folgt der vollständige Wortlaut seines Schreibens bzw. Vorworts:

KONGREGATION FÜR DIE GLAUBENSLEHRE

 Normen für das Verfahren zur Beurteilung mutmaßlicher Erscheinungen und Offenbarungen

Vorwort

1. Die Kongregation für die Glaubenslehre beschäftigt sich mit Fragen bezüglich der Förderung und des Schutzes der Glaubenslehre sowie der Moral. Sie ist darüber hinaus für die Untersuchung weiterer Probleme zuständig, die mit der Glaubenspraxis in Beziehung stehen, wie Fälle von Pseudo-Mystizismus, behaupteten Erscheinungen, Visionen und Botschaften, denen ein übernatürlicher Ursprung zugeschrieben wird.

In Wahrnehmung dieser zuletzt genannten schwierigen Aufgabe, die dem Dikasterium aufgetragen ist, wurden vor inzwischen schon über 30 Jahren die Normae de modo procendendi in diudicandis praesumptis apparationibus ac revelationibus veröffentlicht. P1020947

Dieses Dokument wurde, nachdem es von den Vätern der Kongregation in der Ordentlichen Versammlung beschlossen worden war, vom Diener Gottes Papst Paul VI. am 24. Februar 1978 approbiert und sodann vom Dikasterium am 25. Februar 1978 in Kraft gesetzt.

Seinerzeit wurden diese Normae lediglich den Bischöfen zur Kenntnis gebracht, ohne dass eine amtliche Bekanntgabe erfolgte. Dies geschah nicht zuletzt deshalb, weil diese Normen zu allererst die Hirten der Kirche ansprechen.

2. Im Laufe der Zeit wurde das Dokument bekanntlich schon in mehreren Sprachen in einigen Werken zur genannten Materie veröffentlicht, freilich ohne vorherige Genehmigung durch dieses zuständige Dikasterium. Heute muss man anerkennen, dass die wesentlichen Inhalte dieser wichtigen Verordnung allgemein bekannt sind.

Deshalb hielt die Kongregation für die Glaubenslehre es für angebracht, die genannten Normen zu veröffentlichen und zugleich eine Übersetzung in den wichtigsten Sprachen zur Verfügung zu stellen.

3. Die Problematik von Ereignissen, die mit übernatürlichen Phänomenen verbunden sind, ist weiterhin für das Leben und die Sendung der Kirche aktuell. Dies zeigte sich auch kürzlich wieder in der pastoralen Sorge der Bischöfe, die im Oktober 2008 zur XII. Ordentlichen Versasmmlung der Bischofssynode über das Wort Gottes zusammengekommen waren.

Diese Sorge wurde von Papst Benedikt XVI. in einer wichtigen Passage des Nachsynodalen Apostolischen Schreibens Verbum Domini aufgegriffen, in der er die Problematik in den umfassenderen Horizont der Heilsökonomie einordnet.

Es erscheint angebracht, hier an diese Lehräußerung des Papstes zu erinnern, die als Einladung zu verstehen, diesen übernatürlichen Phänomenen die ihnen zukommende Aufmerksamkeit zu schenken. Diesem Zweck soll auch die vorliegende Veröffentlichung dienen:

„Mit all dem bringt die Kirche das Bewusstsein zum Ausdruck, dass  sie in Jesus Christus dem endgültigen Wort Gottes gegenübersteht; er ist »der Erste und der Letzte« (Offb 1,17). Sayn-Abteikirche-DSC_0195-2

Er hat der Schöpfung und der Geschichte ihren endgültigen Sinn gegeben; deshalb sind wir berufen, in diesem eschatologischen Rhythmus des Wortes die Zeit zu leben, die Schöpfung Gottes zu bewohnen; »daher ist die christliche Heilsordnung, nämlich der neue und endgültige Bund, unüberholbar, und es ist keine neue öffentliche Offenbarung mehr zu erwarten vor der Erscheinung unseres Herrn Jesus Christus in Herrlichkeit (vgl. 1Tim 6,14 und Tit 2,13)« (Dei Verbum, 4). 

Wie die Väter während der Synode in Erinnerung gerufen haben, »zeigt sich das Besondere des Christentums im Ereignis Jesu Christi, Höhepunkt der Offenbarung, Erfüllung der Verheißungen Gottes und Mittler der Begegnung zwischen dem Menschen und Gott. Er, „der von Gott Kunde gebracht hat“ (vgl. Joh 1,18), ist das einzige und endgültige Wort, das der Menschheit gegeben wurde« (Propositio, 4).

Der hl. Johannes vom Kreuz hat diese Wahrheit wunderbar ausgedrückt:

»Da Gott uns seinen Sohn geschenkt hat, der sein einziges und endgültiges Wort ist, hat er uns in diesem einzigen Wort alles auf einmal gesagt und nichts mehr hinzuzufügen… Denn was er ehedem den Propheten nur teilweise kundgetan hat, das hat er in seinem Sohn vollständig mitgeteilt, indem er uns dieses Ganze gab, seinen Sohn.

Wer darum den Herrn jetzt noch befragen oder von ihm Visionen oder Offenbarungen haben wollte, der würde nicht bloß unvernünftig handeln, sondern Gott beleidigen, weil er seine Augen nicht einzig auf Christus richtet, sondern Anderes und Neues sucht« (Der Aufstieg zum Berge Karmel, II, 22).“

Im Licht des oben Gesagten hebt Papst Benedikt XVI. hervor:

„Folglich hat die Synode empfohlen, »den Gläubigen zu helfen, das Wort Gottes von Privatoffenbarungen zu unterscheiden« (Propositio, 47).

Diese »sind nicht dazu da, die endgültige Offenbarung Christi … zu „vervollständigen“, sondern sollen helfen, in einem bestimmten Zeitalter tiefer aus ihr zu leben« (Katechismus der Kath. Kirche, Nr. 67).

Der Wert der Privatoffenbarungen ist wesentlich unterschieden von der einer öffentlichen Offenbarung: Diese fordert unseren Glauben an, denn in ihr spricht durch Menschenworte und durch die Vermittlung der lebendigen Gemeinschaft der Kirche hindurch Gott selbst zu uns.

Der Maßstab für die Wahrheit einer Privatoffenbarung ist ihre Hinordnung auf Christus selbst. Wenn sie uns von ihm wegführt, dann kommt sie sicher nicht vom Heiligen Geist, der uns in das Evangelium hinein- und nicht aus ihm herausführt.

Die Privatoffenbarung ist eine Hilfe zu diesem Glauben, und sie erweist sich gerade dadurch als glaubwürdig, dass sie auf die eine öffentliche Offenbarung verweist.

Die kirchliche Approbation einer Privatoffenbarung zeigt daher im wesentlichen an, dass die entsprechende Botschaft nichts enthält, was dem Glauben und den guten Sitten entgegensteht; es ist erlaubt, sie zu veröffentlichen, und den Gläubigen ist es gestattet, ihr in kluger Weise ihre Zustimmung zu schenken.

Eine Privatoffenbarung kann neue Akzente setzen, neue Weisen der Frömmigkeit herausstellen oder alte vertiefen. Sie kann einen gewissen prophetischen Charakter besitzen (vgl. 1 Thess 5,19-21) und eine wertvolle Hilfe sein, das Evangelium in der jeweils gegenwärtigen Stunde besser zu verstehen und zu leben; deshalb soll man sie nicht achtlos beiseite schieben. Sie ist eine Hilfe, die angeboten wird, aber von der man nicht Gebrauch machen muss.

Auf jeden Fall muss es darum gehen, dass sie Glaube, Hoffnung und Liebe nährt, die der bleibende Weg des Heils für alle sind (Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Die Botschaft von Fatima [26. Juni 2000]: Ench. Vat. 19, Nrn. 974-1021)“.[1]

4. Diese Kongregation hofft sehr, dass die offizielle Veröffentlichung der Normen für das Verfahren zur Beurteilung mutmaßlicher Erscheinungen und Offenbarungen eine Hilfe bieten wird fürdas Engagement der Hirten der Katholischen Kirche bei der herausfordernden Aufgabe der Unterscheidung der vorgeblichen Erscheinungen und Offenbarungen, der Botschaften und Mitteilungen, oder – allgemeiner gesprochen – außergewöhnlicher Phänomene mit mutmaßlich übernatürlichen Ursprung.

Zugleich soll der Text, so ist zu wünschen, auch Theologen und anderen Experten von Nutzen sein, die auf diesem Gebiet der lebendigen Erfahrung der Kirche tätig sind, das heutzutage eine gewisse Bedeutung hat und deshalb eine immer tiefere Reflexion erforderlich macht.

Vatikanstadt, am 14. Dezember 2011, dem Gedenktag des hl. Johannes vom Kreuz

 William Kardinal Levada  Präfekt


[1] Nachsynodales Apostolisches Schreiben Verbum Domini über das Wort Gottes im Leben und in der Sendung der Kirche, 30. September 2010, Nr. 14: AAS 102 (2010) 695-996.  –  Vgl. hierzu auch die Abschnitte im Katechismus der Katholischen Kirche, die dieser Thematik gewidmet sind (Nr. 66-67).

Quelle: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_20111214_prefazione-levada_ge.html


Vatikan: Kirchliche Leitlinien zum Umgang mit Privatoffenbarungen

Vollständiger Wortlaut des heute vom Vatikan erstmals veröffentlichten Dokuments aus dem Jahre 1978

 Kongregation für die Glaubenslehre

 Normen für das Verfahren zur Beurteilung mutmasslicher Erscheinungen und Offenbarungen

 

 Vorbemerkung zur Entstehung und zum Charakter der Normen

Auf der jährlichen Vollversammlung im November 1974 haben die Väter dieser Hl. Kongregation die Probleme bezüglich mutmaßlicher Erscheinungen und häufig damit verbundener Offenbarungen untersucht. Sie sind zu folgenden Ergebnissen gekommen:

1. Dank der Kommunikationsmittel (Massenmedien) verbreiten sich heute Nachrichten über solche Erscheinungen schneller unter den Gläubigen als in früheren Zeiten. Darüber hinaus begünstigt und vervielfacht die heutige Mobilität Pilgerfahrten, so dass die kirchliche Autorität sich zur genannten Sache äußern muss.

2. Andererseits machen es die heutige Mentalität und die Notwendigkeit einer kritischen wissenschaftlichen Untersuchung schwieriger, wenn nicht fast unmöglich, mit der gebotenen Schnelligkeit jenes Urteil zu fällen, das in der Vergangenheit die Untersuchungen zur Sache abgeschlossen hat (constat de supernaturalitate, non constat de supernaturalitate) und den Ordinarien die Möglichkeit bot, den öffentlichen Kult oder andere Formen der Verehrung durch die Gläubigen zu gestatten oder zu verbieten.

Aus den genannten Gründen und damit die Verehrung durch die Gläubigen, die durch solche Geschehnisse hervorgerufen wird, sich in voller Übereinstimmung mit der Kirche entfalten und Frucht tragen kann, woran die Kirche selbst in Zukunft den wahren Charakter dieser Phänomene erkennen kann, haben die Väter beschlossen, dass in diesem Bereich das folgende Verfahren Anwendung findet.

Sobald die kirchliche Autorität über irgendwelche mutmaßlichen Erscheinungen oder Offenbarungen Kenntnis erhält, ist es ihre Aufgabe:

a) an Hand der positiven und negativen Kriterien über die Geschehnisse zu urteilen (vgl. unten Nr. I)

b) sofern diese Prüfung zu einem positiven Ergebnis führt, einige Ausdrucksformen des öffentlichen Kultes oder der Verehrung zu erlauben, wobei diese zugleich weiterhin mit großer Klugheit überwacht werden müssen (dies ist gleichbedeutend mit der Formel „pro nunc nihil obstare“);

c) im Licht der mit der Zeit gewonnenen Erfahrung und unter besonderer Berücksichtigung der geistlichen Fruchtbarkeit, die aus der neuen Verehrung hervorgeht ein Urteil über die Wahrheit und Übernatürlichkeit zu fällen, wo der Fall es erfordert.

I. Kriterien, um wenigstens mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit den Charakter mutmaßlicher Erscheinungen und Offenbarungen beurteilen zu können

A)  Positive Kriterien:

a) Eine durch genaue Untersuchungen gewonnene moralische Gewissheit oder wenigstens große Wahrscheinlichkeit über die Wirklichkeit des Ereignisses.

b) Besondere Umstände bezüglich der Wirklichkeit und der Natur des Geschehenen, wie etwa:

1. persönliche Eigenschaften des oder der Betroffenen (insbesondere psychische Ausgeglichenheit; Ehrlichkeit und Rechtschaffenheit im sittlichen Lebenswandel; Aufrichtigkeit und beständige Folgsamkeit gegenüber der kirchlichen Autorität; die Fähigkeit, zu gewöhnlichen Ausdrucksformen des Glaubenslebens zurückzukehren; usw.);

2. bezüglich der Offenbarungen: Wahrheit und Irrtumslosigkeit der theologischen und geistlichen Lehre;

3. eine gesunde Verehrung sowie reichliche und anhaltende geistliche Früchte (wie etwa Geist des Gebetes, Bekehrungen, Zeugnisse der Nächstenliebe, usw.).

B)  Negative Kriterien:

a) Ein offensichtlicher Tatsachenirrtum.

b) Lehrmäßige Irrtümer, die Gott selbst, der allerseligsten Jungfrau Maria oder einem Heiligen in ihren Äußerungen zugeschrieben werden, wobei man allerdings die Möglichkeit berücksichtigen muss, dass die Person – möglicherweise unbewusst – zu einer authentischen übernatürlichen Offenbarung rein menschliche Elemente oder gar irgendwelche Irrtümer der natürlichen Ordnung hinzugefügt haben könnte (vgl. hl. Ignatius, Exerzitienbuch, Nr. 336).

c) Ein offensichtliches Gewinnstreben, das unmittelbar mit dem Geschehen verbunden ist.

d) Schwer unmoralische Handlungen, die zum Zeitpunkt oder anlässlich des Geschehens entweder von der betreffenden Person oder von ihren Anhängern begannen wurden.

e) Psychische Erkrankungen oder psychopathische Tendenzen der Person, die mit Sicherheit einen Einfluss auf das mutmaßlich übernatürliche Geschehen ausübten, sowie Psychosen, Massenhysterien oder ähnliche derartige Phänomene.

Es muss darauf aufmerksam gemacht werden, dass diese positiven und negativen Kriterien indikativen und nicht taxativen Charakter haben und in kumulativer Weise bzw. in einer gewissen wechselseitigen Konvergenz angewandt werden müssen.

 II. Über die Art des Eingriffs der zuständigen kirchlichen Autorität

1. Falls im Zusammenhang mit einem mutmaßlich übernatürlichen Ereignis unter den Gläubigen gleichsam spontan ein Kult oder eine andere Form der Verehrung entsteht, ist es eine dringende Aufgabe der zuständigen kirchlichen Autorität, sich unverzüglich zu informieren und mit Umsicht eine Untersuchung durchzuführen.

2. Auf die legitime Bitte von Gläubigen hin (d. h. von solchen, die in Gemeinschaft mit den Hirten stehen und nicht von sektiererischem Geist getrieben werden) kann die zuständige kirchliche Autorität eingreifen und bestimmte Formen des Kultes oder der Verehrung erlauben und fördern, sofern dem unter Beachtung der oben genannten Kriterien nichts entgegen steht. Es muss dabei aber darauf geachtet werden, dass die Gläubigen diese Handlungsweise nicht als eine Anerkennung des übernatürlichen Charakters des Geschehens durch die Kirche missverstehen (vgl. Vorbemerkung, c).

3. Aufgrund des ihr eigenen Lehr- und Hirtenamtes kann die zuständige kirchliche Autorität auch aus eigenem Antrieb einschreiten. Unter besonderen Umständen muss sie dies sogar tun, zum Beispiel um Missbräuche in der Ausübung des Kultes oder der Verehrung zu korrigieren bzw. zu verhindern, um Irrlehren zu verurteilen, um die Gefahren eines falschen oder unangebrachten Mystizismus zurückzuweisen, usw.

4. In Zweifelsfällen, die das Wohl der Kirche in keiner Weise gefährden, soll sich die zuständige kirchliche Autorität jedes Urteils und jedes direkten Eingriffs enthalten (denn es kann auch passieren, dass im Laufe der Zeit ein Geschehen mit mutmaßlich übernatürlichem Charakter wieder in Vergessenheit gerät). Sie darf aber nicht nachlassen, wachsam zu bleiben, damit sie, wenn erforderlich, schnell und klug eingreifen kann.

III. Die zum Einschreiten zuständigen Autoritäten

1. Die Aufgabe zu wachen und einzuschreiten kommt in erster Linie dem Ortsordinarius zu.

2. Die regionale oder nationale Bischofskonferenz kann einschreiten:

a) wenn der Ortordinarius das Seine getan hat und sich an die Konferenz wendet, um ein sichereres Urteil über die Sache zu erlangen.

b) wenn das Geschehen schon die Nation oder Region betrifft, freilich immer mit der vorgängigen Zustimmung des Ortsordinarius.

3. Der Apostolische Stuhl kann sowohl auf Bitten des Ordinarius selbst oder einer qualifizierten Gruppe von Gläubigen als auch direkt auf Grund der universalen Jurisdiktion des Papstes eingreifen (vgl. unten Nr. IV).

 IV. Das Einschreiten der Hl. Kongregation für die Glaubenslehre

1. a) Das Einschreiten der Hl. Kongregation kann sowohl vom Ordinarius, nachdem er das Seine getan hat, als auch von einer qualifizierten Gruppe von Gläubigen erbeten werden. Im zweiten Fall ist darauf zu achten, dass das Ansuchen bei der Hl. Kongregation nicht durch zweifelhafte Gründe motiviert ist (wie zum Beispiel der Wunsch, den Ordinarius zur Abänderung seiner rechtmäßig getroffenen Entscheidungen zu zwingen oder einer sektiererischen Gruppe Anerkennung zu verschaffen, usw.).

b) Es ist Aufgabe der Hl. Kongregation, bei schwierigeren Fällen, besonders wenn die Sache einen größeren Teil der Kirche betrifft, aus eigenem Antrieb einzugreifen, stets nachdem der Ordinarius und, wenn es die Situation erfordert, auch die Bischofskonferenz gehört wurde.

2. Es kommt der Hl. Kongregation zu, die Vorgangsweise des Ordinarius zu prüfen und zu billigen oder, wo dies möglich und angeraten erscheint, eine neue Untersuchung der Sache, die sich von der durch den Ordinarius durchgeführten unterscheidet, einzuleiten, sei es durch die Kongregation selbst oder durch eine Sonderkommission.

Die vorliegenden Normen sind in der Vollversammlung dieser Hl. Kongregation beschlossen und von Papst Paul VI., feliciter regnans, am 24. Februar 1978 approbiert worden.

Rom, am Sitz der Hl. Kongregation für die Glaubenslehre, am 25. Februar 1978.

 Franjo Kardinal Šeper Präfekt

 + Jérôme Hamer, O.P. Sekretär

Quelle: http://www.vatican.va/roman_curia/congregations/cfaith/documents/rc_con_cfaith_doc_19780225_norme-apparizioni_ge.html


Panama: Katholische Kirche auf Platz 1 der beliebtesten Einrichtungen

Die katholische Kirche genießt das höchste öffentliche Ansehen unter den Institutionen im mittelamerikanischen Staat Panama.  Das geht aus einer repräsentativen Umfrage hervor, die von der Tageszeitung La Prensa in Auftrag gegeben worden war.

Fast zwei Drittel der Befragten nannten auf die Frage, welche Einrichtung ihnen das meiste Vertrauen einflöße, die katholische Kirche.

Diese tritt in Panama oft als Vermittlerin in Konflikten aller Art in Erscheinung. Erst jüngst hatten Gewerkschaften die katholische Kirche um Hilfe zur Beilegung eines sozialen Konflikts gebeten; es geht um einen Ärztestreik, der die medizinische Versorgung in Panama praktisch zum Erliegen brachte.

Quelle: Fides, Radio Vatikan

 


David Berger kritisiert „konservative Gestapo“ in der kath. Kirche

Homosexueller Theologe attackiert erneut Papst und Kirche

Vor zwei Jahren bekannte sich der katholische Theologe Dr. David Berger öffentlich zu seiner Homosexualität und verband dieses „Outing“ mit massiver Kritik am Papst und kirchlichen Lehren, insbesondere zur Sexualmoral.

Sein Buch „Der heilige Schein“ erweist sich als weitgehend unsachliche Abrechnung  mit Papst und Kirche, vor allem mit konservativen Katholiken.

Näheres siehe Buchbesprechung: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/14/buch-kritik-der-heilige-schein/

Am 27. Mai 2012 veröffentlichte die marxistische und israelfeindliche Webseite „Die Freiheitsliebe“ ein Interview mit David Berger, wobei die Redaktion ihm per Du eine Reihe Fragen stellte, darunter auch jene, welchen Einfluß konservative Kreise auf die aktuelle Politik der Kirche ausüben.

Darauf antwortet Dr. Berger, indem er eine Art „Schreckbild“ aufzieht:

Er [der Einfluß] ist schnell wachsend  –  während die Zahl der Katholiken in Europa insgesamt immer weiter zurückgeht, nimmt die Zahl der reaktionären Fundamentalisten unter ihnen immer mehr zu. Der kirchliche Nachwuchs der letzten Jahre ist zu 80 % konservativ.“

Dazu kann man nur sagen: schön wärs!

Der modernistische Buchautor fährt folgendermaßen fort:

„Obwohl sie [konservative Kreis] von ihrem Denken her anti-modern sind, betreiben diese Fundamentalisten ihre Propaganda mit modernsten Mitteln (Internet usw.). Und sie haben Erfolg: sobald auf einer dieser Hetzseiten ein Bischof oder Priester denunziert wird, muss er damit rechnen, dass er auch sehr schnell mit seinen Vorgesetzten Probleme bekommt. So haben sich diese Portale zu einer Art katholischer Gestapo entwickelt.“

Offenbar macht sich Dr. Berger nicht klar, daß er mit diesem Vergleich die nationalsozialistische Gestapo (Geheime Staatspolizei) verharmlost, die Angst und Schrecken während der NS-Diktatur verbreitete und für zahlreiche Verbrechen verantwortlich ist.

Es ist allerdings ohnehin haltlos, kritische Berichterstattung  – auch wenn sie sich zu Bischöfen oder Priestern äußert  – mit einer mörderischen Organisation in Verbindung zu bringen.

Er selber, Dr. Berger, attackiert seit zwei Jahren massiv den Papst. Warum sollten sich also konservative Webseiten nicht über Bischöfe oder Priester beschweren dürfen, wenn diese sich jenseits von Glaubenslehre und Kirchenrecht bewegen oder liturgische Regeln mißachten?

Gilt das Recht auf Kritik etwa nur für modernistische Kirchenrebellen, homosexuelle Theologen oder marxistische Webseiten?

Seine eigene Kritiklust stellt der gegenüber konservativer Kritik so empfindliche Dr. Berger gleich bei seiner Antwort auf die nächste Frage unter Beweis; die Frage lautet: Papst Benedikt XVI. gilt als Hardliner, hat sich die katholische Kirche unter seiner Führung verändert?“

Bergers Antwort:  „Ja  –  der Papst ist ja eine Art absolutistischer Herrscher in seiner Kirche, da kann das gar nicht ausbleiben. Er ernennt permanent Männer zu Bischöfen, die wie er ticken. Er hofiert die Piusbruderschaft, in der antidemokratische, faschistoide und antisemitische Tendenzen fröhlich Urständ feiern.

Er äußert sich öffentlich positiv über die genannten Internetseiten und seine Bischöfe sorgen dafür, dass sie mit kirchlichen Spendengeldern ihr menschenverachtendes Spiel treiben können.“

Im weiteren Verlauf des Interviews fügt er hinzu:

Vom derzeitigen Papst so gewollt, entwickelt sich diese Kirche immer mehr zu einer fundamentalistischen Sekte, die sich nach außen von der offenen Gesellschaft abkoppelt. Und nach innen autoritär und mit Mitteln der Erpressung und Angst Menschen gefügig hält.“

Es erübrigt sich, diesen Unfug zu kommentieren  – klar dürfte eines sein: Da schlägt einer mit Rundumschlägen wild um sich, der gleichzeitig seinen Jammer darüber verbreitet, daß konservative Webseiten sich kritisch über innerkirchliche Vorgänge äußern, was ihn an die „Gestapo“ erinnert.

Bergers Doppelmoral läßt grüßen!

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Quelle und voller Wortlaut des Berger-Interviews: http://diefreiheitsliebe.de/interviews/die-zahl-der-reaktionaren-katholiken-nimmt-zu-im-gesprach-mit-david-berger


Chrismon-Chefredakteur hält Ereignisse von Weihnachten und Pfingsten für erfunden

Arnd Brummer läuft der Religionskritik Feuerbachs in die Falle

Das offiziöse evangelische Monats-Magazin Chrismon, das vielen Tageszeitungen  – auch der FAZ  – beigefügt wird, bringt in seiner jüngsten Ausgabe (Nr. 6/2012) einen selbst für protestantische Verhältnisse hammerharten Artikel, in dem wesentliche historische Grundlagen des Christentums geleugnet werden.

Kein Geringerer als Arnd Brummer, der Chefredakteur von Chrismon, schreibt unter dem Motto „Was ich notiert habe“ auf S. 22 darüber, daß sich der Evangelist Lukas sowohl die Bethlehem-Geschichte wie auch die Pfingstereignisse „ausgedacht“ habe. 

Seine etwas flapsige Überschrift lautet: „Warum etwas wahr sein kann, was sich jemand mal ausgedacht hat.“

Das klingt zunächst paradox, doch des Rätsels Lösung ist einfach aus Sicht von Brummer: Auch Ereignisse, die nie stattgefunden haben, könnten Menschen beeindrucken, berühren, so daß es ihnen wie eine „Offenbarung“ erscheine, erläutert er. Die „Wahrheit“ liege daher nicht in den Vorgängen an sich, sondern in der erfreulichen Wirkung, die diese „ausgedachten“  Geschichten entfalten können.

Ist die Heilige Schrift also lediglich ein  –  psychologisch durchaus wertvolles –  „Märchenbuch“ für Erwachsene  –  jenseits historischer Korrektheit?

Für den Autor gilt dies zumindest hinsichtlich „Bethlehem“ und Pfingsten. „Den Wahrheitsgehalt einer Geschichte erkenne ich an ihrer Wirkung, an dem, was sie mir vermittelt  –  daran, ob sie mich erreicht“, schreibt er.

Wirkungsgehalt statt Wahrheitsgehalt

Es geht Brummer folglich nicht um den objektiven, faktischen, historischen Wahrheitsgehalt, den er ausdrücklich in Abrede stellt, sondern um den symbolischen, psychologischen, subjektiven „Wirkungsgehalt“.

Diesen Gedankengang illustriert der evangelische Chefredakteur wie folgt:

„Ich habe Menschen im Kino weinen und lachen sehen. Warum? Ist doch alles nur „erfunden“? Ich konnte mich nicht satthören an den selbst erdachten Gutenachtgeschichten meiner Urgroßmutter und schlief meistens getröstet und zufrieden ein. Augenblicke von Wahrheit, von Überschreitung meiner alltäglichen Wirklichkeit, die wahr sind, weil sie in mir lebendig werden.“

Zum Pfingstereignis fällt Brummer eine Seid-nett-zueinander-Story ein:

„Ein paar Wochen nach Kreuzigung und Auferstehung ließ Jesus seine Freunde allein zurück –  mitten in einer Umgebung von misstrauischen, kritischen oder gar feindlich gesinnten Menschen. Sie trafen sich. Sie hatten Muffe. Sie sahen einander an, sie bestärkten einander. Und da spürten sie, wie stark das macht, einander zu lieben, miteinander neue Hoffnung zu schöpfen, an ein gutes Ende der Geschichte zu glauben. Sie wurden fröhlich, sie sangen und begannen, die Botschaft von der Liebe allen zu erzählen. Sie waren plötzlich so gut drauf, daß die Passanten meinten, sie seien betrunken.“

Das war es dann also  –  keine Herabkunft des Heiliges Geistes, keine Erfahrung des „ganz Anderen“, der göttlichen Gnade und Erleuchtung, der besonderen Kraft von oben  –  vielmehr verbleibt alles im Bereich des rein Menschlichen: man  bestärkt sich gegenseitig und spricht sich Mut zu.

Was Brummer freilich nicht erklärt: Wie aus ängstlichen Aposteln und Jüngern, die sich versteckt hielten, eine Schar bekenntnisfreudiger und todesmutiger Zeugen Christi wurden.

Immerhin haben alle Apostel das Martyrium erlitten  – außer Johannes, der in der Verbannung starb. Dreihundert Jahre lang starben tausende Christen unter der blutrünstigen römischen Verfolgung  –  und all dies wegen „ausgedachter“ Geschichten?

Wie unrealistisch die Thesen Brummers sind, zeigt auch folgende Überlegung:

Gerade wegen dieser Verfolgungssituation wurde die Verkündigung der frühen Kirche äußerst kritisch unter die Lupe genommen. Die christlichen Apologeten der ersten Jahrhunderte verteidigten die Botschaft des Evangeliums gegen Anfeindungen von heidnischer (vor allem griechischer) Seite, aber auch gegen die Irrtümer der weitverbreiteten Gnosis.

Wenn die biblische Geburtsgeschichte (Bethlehem) und das Pfingstereignis erfundene Storys gewesen wären, erbauliche „Symbolgeschichten“ gewissermaßen, dann wäre dies den ohnehin bedrohten Christen unter der Verfolgung als dreiste Lüge aufs Butterbrot geschmiert worden.

Außerdem begibt sich der evangelische Chefredakteur mit seiner psychologisierenden, subjektivistischen Argumentationsweise voll ins Visier der „aufklärerischen“ Religionskritik (etwa eines Philosophen Feuerbach), die davon ausgeht, daß Religionen –  auch die christliche Botschaft  –  eine Projektion menschlichen Wunschdenkens darstellen  –  frei nach der Devise: „Der Mensch erschafft sich Gott nach seinem Bilde.“

Wären die in der Heiligen Schrift berichteten Heils-TATSACHEN tatsächlich nur fromm ausgedachte Geschichten, die unseren Ohren schmeicheln und unser Herz erquicken, dann hätte die Religionskritik der „Aufklärung“ insoweit recht: Dann wäre das Christentum  letzten Endes lediglich eine Abteilung „Märchenstunde für Erwachsene“.

Doch als überzeugte Christen bekennen wir, daß das Neue Testament historisch zuverlässig über Geburt, Leben, Sterben und Auferstehen unseres HERRN berichtet  – und daß unser Glaube nicht auf erdachten „Symbolgeschichten“ beruht, sondern auf einer wahren Geschichte, der real geschehenen Offenbarung Gottes in Jesus Christus, wie sie in der Heiligen Schrift bezeugt wird.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster