„Vatileaks“: Der Zweck heiligt nicht die Mittel: das gilt auch für Konservative!

In der Debatte um die „Enthüllungen“ aus dem Vatikan werden mittlerweile auch in einigen konservativ-katholischen Kreisen Einzelheiten berichterstattet, die sich auf unrechtmäßig entwendete „Dokumente“  aus der Affäre „Vatileaks“ beziehen.

Manche dieser Informationen mögen für das konservative Lager durchaus interessant sein.

Aus meiner Sicht sollten jedoch alle Katholiken  – und erst recht die kirchentreuen!  –  jeder Versuchung widerstehen, „enthüllte“ Schriftstücke in irgendeiner Weise zu „verwenden“  – auch dann nicht, wenn sie gerade wunderbar ins eigene Konzept passen oder bislang gehegte Vorstellungen über bestimmte Personalien oder Vorgänge in der Kirche „belegen“.

Es gilt auch hier ein göttliches Gebot: „Du sollst nicht stehlen!“ 

Man darf von anderweitig gestohlenem Material auch keineswegs bewußt profitieren wollen oder damit „arbeiten“  – und sei es auch zu guten Zwecken.

Zudem finde ich es journalistisch unseriös, auf unrechtmäßig zustandegekommene und damit moralisch und rechtlich illegale Veröffentlichungen zurückzugreifen.

Dies gilt auch für die katholische Nachrichtenwebseite Kath.net, die  zweifellos als konservativ anzusehen ist, jedenfalls in moraltheologischer und kirchenpolitischer  Hinsicht.

Heute wurde dort um 11 Uhr ein Artikel veröffentlicht, der schon mit dem Titel ins Haus fällt:  „M… Kardinal rügt den Präsidenten von ….“ (Pünktchen von uns)

Sodann heißt es eingangs:  „Durch Vatileaks wurde ein Brief des Präsidenten an Papst Benedikt bekannt, in dem er die beiden früheren M…. Kardinäle als zu liberal kritisiert hatte.(Pünktchen von uns).

Es mag für unsere konservative Seite erfreulich sein, wenn zwei Kardinale von einem hochrangigen Würdenträger als „zu liberal“ bezeichnet werden  –  und somit die eigene Einschätzung bestätigt wird. 

Dies kann von der inhaltlichen Seite her alles seine Richtigkeit haben, nicht jedoch von der Form her, denn es wird aus gestohlenen Akten zitiert oder deren Informationen herangeholt.

Solches Hantieren mit „aufschlußreichen“ Dokumenten mag verständlich sein, doch ich meine, daß alle Konservativen jeder Versuchung widerstehen sollten, mit diesem geklauten Material journalistisch zu agieren und zu argumentieren  – das gilt auch dann, wenn gewisse Dokumente anderswo  „sowieso“ veröffentlicht wurden.  Es gibt keinen rechtmäßigen Grund, sich dem unrechtmäßigen Treiben anderer Medien anzuschließen, mag man auch von ganz anderen Absichten geleitet sein als diese.

Die klare Haltung einer auch methodisch-formalen Korrektheit wäre wohl der deutlichste und konsequenteste Widerstand gegen „Vatileaks“.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

PS: Auch seitens katholischer Amtsträger sollten „enthüllte“ Schriftstücke grundsätzlich nicht verwendet werden, erst recht nicht als Seitenhieb-Aktion gegen Sachkritik, sei diese nun berechtigt oder nicht.

Hierzu ein  – wie ich finde – zutreffender Artikel auf diesem empfehlenswerten katholischen Weblog:

http://sanktirenaeus.blogspot.de/2012/06/ein-kardinalfehler.html


One Comment on “„Vatileaks“: Der Zweck heiligt nicht die Mittel: das gilt auch für Konservative!”

  1. Holger Jahndel sagt:

    Philosophia Perennis

    https://philosophia-perennis.com/

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