Das Johannesfeuer – eine Verchristlichung der altgermanischen Sonnwendfeier

Das Feuer wurde mit der Feier verknüpft

Als die „heidnischen Germanen“  –  unsere Altvorderen vor ca 1500 Jahren  –  christianisiert wurden, hat die katholische Kirche zwar gegen den heidnischen Götter-Unfug und irrigen Aberglauben angepredigt, aber sie hat das eher harmlose Volksbrauchtum der damaligen Deutschen in der Regel nicht einfach weggefegt, sondern behutsam in eine christliche Richtung umgeleitet, die germanische Kultur gleichsam „getauft“, soweit dies ohne Einschränkung des christlichen Glaubens möglich war.

Dieses umsichtige, rücksichtsvolle Vorgehen nennt man „Inkulturation„; dies ist aber nicht zu verwechseln mit einem Synkretismus, der „Religionsvermischung“ bedeutet, also die Inhalte verschiedener Religionen vermengt.

Ein Beispiel für die „Verchristlichung“ germanischen Brauchtums ist das Johannesfeuer, das in manchen Pfarreien heute Abend (am Vorabend des Johannestages) gesegnet wird  –  oder morgen (24.6.), am Hochfest der Geburt des hl. Johannes des Täufers (siehe Kirchenfenster-Bild).

Dieses Brauchtum geht ursprünglich auf die altdeutsche „Sonnwendfeier“ aus vorchristlicher Zeit zurück. Diese Sommersonnenwende wurde auch als „Mittsommernacht“ oder „Sonnwendtag“ bezeichnet   – im Volksmund auch als „Spargelsilvester“.

Nun wurde die „Sommersonnenwende“  (die kürzteste Nacht des Jahres und der Beginn des Sommers) mit dem Hochfest von Johannes Baptist ( = der Täufer) kombiniert und mit christlichen Inhalten gefüllt.

Das Johannesfest wurde kirchlich so gelegt, daß es genau 6 Monate vor und 6 Monate nach Weihnachten gefeiert wird – und so stets in der zeitlichen Mitte zweier Weihnachtsfeste steht. Auch so wurde die hohe Bedeutung dieses Heiligen geehrt.

Die astronomische Sommersonnenwende findet in Mitteleuropa meist am 21. Juni statt, doch nach dem Julianischen Kalender war es der 24. Juni, also das Fest der Geburt des hl. Johannes. Nun wurde die altertümliche Tradition des Sonnwend-Feuers mit der kirchlichen Feier verknüpft  – so entstand dann der Brauch des „Johannesfeuers„.

Es gibt auch eine Heilpflanze, das Johanniskraut, dessen Name vom Johanni-Tag  –  dem 24. Juni  –  abstammt, denn um die Sommersonnenwende öffnet das Johanniskraut seine leuchtend gelben Blüten auf Wiesen, an Wegrändern, lichten Gebüschen und sogar auf Schuttplätzen.

Zurück zum Johannesfeuer, dem alt-neuen Brauchtum: Das Feuer ist eine natürliche Lichtquelle neben Sonne, Mond und Sternen – und zudem durchaus ein biblisches Symbol: mit der Hitze des Feuers wurde beispielsweise das Silber von Verunreinigungen befreit; daher gilt „Feuer“ als Bildwort für geistliche Läuterung  (vgl. „Fegfeuer“).

Gott sprach aus dem brennenden Dornbusch mit Moses. Die Israeliten wurden mit einer Feuersäule durch die Wüste geführt.

Johannes der Täufer ist der größte Prophet der Heilsgeschichte und zugleich eine lebendige Brücke vom Alten zum Neuen Bund. Sein Vater war der jüdische Hohenpriester Zacharias. Johannes bewährte sich als Wegbereiter Christi und später als Märtyrer für Gottes Gebote.

Von sich sagte Johannes bescheiden: „Ich bin nur die Stimme eines Rufenden in der Wüste: Ich muß abnehmen, ER aber muß wachsen.“ (Joh 3,30)

Wie geht es nun bei einer Johannesfeuer-Andacht zu?

Die Gläubigen   –  und wohl auch manche Schaulustigen  –  stellen sich um ein Feuer herum, das auf dem Kirchplatz oder weiter außerhalb  –  etwa auf einem Hügel –  entfacht wird. 

Es gibt biblische Lesungen, Ansprachen, Lieder, Fürbitten, wechselndes Beten von Psalmen, Meditationen und dergl.

Am Schluß beginnt der Priester oder Diakon mit der Segnung des Feuers aus dem Benediktionale (dort S. 87), also dem amtlichen kirchlichen Buch für Segens- und Weihe-Handlungen.

Das Gebet daraus lautet:

„Heiliger Gott, in der leuchtenden Feuersäule bist du dem Volk des Alten Bundes auf seinem Weg in die Freiheit voraus gezogen; in Feuerzungen hast du über das Volk des Neuen Bundes den Heiligen Geist gesandt.

Segne + dieses Feuer, das wir am Festtag des heiligen Johannes des Täufers entzündet haben. Entzünde in unseren Herzen das Feuer deiner Liebe, damit wir in einer Welt voll Hass und Zwietracht von dir Zeugnis geben. Dir sei Ehre und Lobpreis in alle Ewigkeit.“

Während dieser Segensworte oder danach besprengt der Geistliche das Feuer mit Weihwasser.

Meist wird zum Abschluß ein feierliches Lied gesungen.

 


8 Kommentare on “Das Johannesfeuer – eine Verchristlichung der altgermanischen Sonnwendfeier”

  1. Der Heilige St. Patrick gehörte noch das iro-keltischen Johannes-Kirche bzw. dem iro-schottischen Johannes-Christentum nach dem Apostel Johannes an (wie auch Johannes „Scottus“ Eriugena), welches noch von den Kopten aus Alexandria begründet wurde und dann später in der römisch-katholischen Kirche aufging. Diese iro-keltische koptisch-pelagianische Kirche auf den britischen Inseln und in der Bretagne in Frankreich und in Galizien in Spanien teilte mit der römisch-katholischen Kirche viele gemeinsame Heilige und Seelige und Mystiker.

    Liken

  2. Volker Jordan sagt:

    Zur Thematik der spezifisch katholischen, vielfach inkulturierten Bräuche, die uns ex-evangelikalen Konvertiten in der Tat oftmals fremd sind und sich uns nicht alle auf den ersten Blick erschließen, sei hier auf ein ausgesprochen hilfreiches Nachschlagewerk verwiesen, das antiquarisch problemlos erhältlich ist:

    Manfred Becker-Huberti, Lexikon der Bräuche und Feste. 3000 Stichwörter mit Infos, Tipps und Hintergründen für das ganze Jahr, Freiburg/Basel/Wien: Herder, 4. Auflage 2007.

    Liken

  3. Interessanter Artikel, Frau Küble.
    Nur habe ich mit dieser Praxis so meine Probleme. Ok, in der Anfangszeit der Christianisierung der Germanenstämme sehe ich die „Inkulturation“ ja noch ein, aber wieso wird dieser „Brauch“ heute, im Jahre 2012, noch gepflegt? Das ist doch nicht mehr notwendig.

    Liken

    • Guten Tag,
      Sie haben recht, „notwendig“ im Sinne einer Inkulturation in dieser Brauch nicht (mehr) – doch nun ist es ja so, daß das Kirchenvolk in dem Johannesfeuer nur noch den christlichen Sinn wahrnimmt – und sicher nicht mehr an altgermanische Sonnwendfeiern denkt. Es spricht vom Glauben her aber nichts dagegen, am Hochfest von Johannes dem Täufer ein Feuer zu entzünden – zum einen hatte dieser größte aller Propheten einen „feurigen“ Bekenner-Glauben, zum anderen war er der Vorläufer und Täufer Christi selbst, war ein lebendiger Hinweis auf das Licht der Welt.
      Von daher paßt diese Tradition schon recht gut in die fromme Landschaft, auch wenn sie natürlich nicht „notwendig“ ist – vieles im kirchlichen Brauchtum ist nicht direkt „nötig“, aber gleichwohl sinnvoll.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

      Gefällt 2 Personen

      • Herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort, Frau Küble!
        Jetzt kann ich Ihren Artikel auch besser verstehen und danke Ihnen für Ihre Geduld mit meinem Einwand. Als Konvertit mit evangelikalem Hintergund bin ich eben solchem Brauchtum von vornherein etwas kritischer eingestellt!
        Freundlichen Gruß vom MannmitBrilleundBart

        Liken

      • Guten Tag,
        demnächst veröffentlichen wir eine ausführliche Broschüre, das ein Interview mit einem Konvertiten enthält, der ebenfalls einen stark evangelikalen Hintergrund aufweist. Ich kenne ein halbes Dutzend „ex-evangelikaler“ Katholiken, die für unsere Kirche – wie ich finde – besonders wertvoll und wichtig sind, auch wegen ihres enormen Bibelwissens (das den Herkunft-Katholischen leider oft abgeht) – und wegen ihrer klaren christologischen Ausrichtung. Es kann gar nicht genug von dieser erfreuliche „Sorte“ bei uns geben! Herzlich willkommen also! Haben Sie schon mal an einen Konversionsbericht gedacht?
        Was Ihre Bedenken hinsichtlich „Brauchtum“ anbelangt, so sind diese Vorbehalte nicht nur verständlich, sondern dort auch von der Sache berechtigt, wo gewisse kirchliche Sitten und Gebräuche schon stark ihres ursprünglichen Sinnes beraubt sind und weitgehend nur noch „Volksfestcharakter“ bieten können.
        Wenn die kath. Kirche in diesen „verwässerten“ Fällen aber trotzdem an der „Folklore“ festhalt, hat sie methodisch durchaus recht, weil sie eben versucht, die Leute dort abzuholen, wo sie sich nun einmal befinden (und das ist meist keine „religiöse Hoch-Ebene“) – und dann doch hofft, daß das Brauchtum zum Nachdenken über den Glauben führten könnte.
        Man darf also das Brauchtum nicht überbewerten, sollte es aber auch nicht vorschnell zur Seite schieben.
        Klar ist aber: im eigentlichen Sinne „notwendig“ (für das Seelenheil) ist die „fromme Folklore“ sicher nicht, doch sie kann einen pastoralen Anknüpfungspunkt darstellen.
        Evangelikaler Missionseifer wirkt manchmal etwas aufdringlich („Haben Sie schon ein persönliches Verhältnis zu Jesus?“ wird man dann zB am Infostand von Unbekannten gefragt bzw damit „überfallen“). – Die katholische „Brauchtums-Variante“ ist hier „dezenter“ bzw. volkstümlicher, will aber letztlich auch missionieren. Den gläubigen Katholiken fehlt es freilich manchmal am Missionseifer, den Evangelikalen fehlt es mitunter an einer gewissen Bodenständigkeit und Behutsamkeit. Beide Seiten können in dieser Hinsicht gut voneinander lernen.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

        Gefällt 1 Person

      • Holger Jahndel sagt:

        @Felizitas Küble:

        Ich weise in diesem Zusammenhang auch auf die Verschwisterung des Christentums und der christlichen Theologie auch mit der griechischen Philosophie und der hermetischen Philosophie der Hermetik als Naturphilosophie und Religionsphilosophie hin. Siehe dazu u.a. den jüdischen Theologen und Mystiker und Philosophen Philo(n) von Alexandrien als Hermetiker bzw. hermetischen Philosophen (siehe auch Elias Erdmanns Texte zu ihm und Origenes und desen symbolisch-allegorisch-hermetisch-mystischer Bibel-Auslegung) und Justin den Märtyrer als Kirchenlehrer und Kirchenvater mit seiner Logos-Theologie und den Heiligen Irenäus von Lyon der diese Logos-Theologie von ihm übernahm und dem die orthodoxen und orientalischen Kirchen des Ostens als Theologen mehr folgen als dem Heiligen Augustinus und dem Heiligen Thomas von Aquin (welchen die katholische Kirche theologisch den Vorzug gab) – siehe auch den 1. Clemensbrief und den Hirtenbrief des Hermas, welche dieser noch zum Bibel-Kanon des Neuen Testamentes zählte usw. – und siehe auch Clemens von Alexandrien als Heiligen Klemens und seinen Schüler Origenes als echte christliche Hermetiker und hermetische Philosophen und Gregor Thaumaturgus als Schüler des Origenes und Lactantius als Laktanz zur hermetischen Philosophie der Hermetik und Dionysios Areopagita und die gesamte christliche Patristik noch bis hin zu Johannes „Scottus“ Eriugena und dem Heiligen und Kirchenlehrer Albertus Magnus und der Heiligen und Kirchenlehrerin Hildegard von Bingen mit ihrer Mikrokosmos und Makrokosmos-Lehre.
        Ferner auf den Heiligen Bernhard von Clairveaux und Stephen Harding und den Templer Hugo de Payens und den Seeligen und Märtyrer Raymundus Lullus bzw. Ramon Lull und den Templer und Arzt Arnaldus de Villanova und seinem Buch „Tetragrammaton“ und den Bischof und Mönch Marbod von Rennes mit seinem Buch zur Steinheilkunde (auch Albertus Magnus schrieb über das Heilen mit Edelsteinen und Kristallen) und Roger Bacon und Kardinal Nikolaus von Kues als Cusanus und Johannes Trithemius als Abt von Sponheim als Universal-Gelehrten und seine Schüler Heinrich Cornelius Agrippa von Nettesheim und den Heilpraktiker Paracelsus und den Priester und Platoniker Marsilio Ficino und seinen Freund den christlichen Kabbalisten und Mönch und Hermetiker Graf Pico de la Mirandola und den christlichen Kabbalisten Reuchlin als Renaissance-Humanisten (siehe auch die Renaissance-Philosophie) und den Jesuiten Athanasius Kircher als Universalgelehrten und den Benediktiner Basilius Valentinus (und Knorr von Rosenroth und Welling und den Philosophen Gottfried Wilhelm Leibniz und die Pietistin Katharina von Klettenberg) und den hermetischen Arzt und Spaghyriker und Hygieniker und Hermetiker van Helmonte und den Homöopathen Hahnemann und den Benediktiner-Mönch Odo Casel mit seiner Mysterien- und Bogumil-Theologie und das Engel(s)werk nach der katholischen Charismatikerin und Mystikerin Gabriele Bitterlich mit ihren offenbarten Schriften und Engelsweihen und Weihen an den persönlichen Heiligen Schutzengel und wirksamen und aktuellen Exorzismen und so weiter…siehe auch den Hermetiker Franz Bardon als wahren Adepten und Meister der Hermetik und Sohn eines christlichen Mystikers und Emil Stejnar zur Hermetik und Angeologie bzw. Engelslehre und dei katholischen Mystiker Angelus Silesius und Tauler.

        Liken


Schreibe eine Antwort zu Holger Jahndel Antwort abbrechen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s