Vollständiger Wortlaut des Briefes von Bischof Hanke an den Caritas-Chef

Schreiben des Eichstätter Oberhirten Gregor Maria Hanke an den Caritas-Präsidenten, Prälat Dr. Peter Neher, vom 15. Juni 2012

Hochwürdigster Herr Prälat,

wie durch die Medien zu vernehmen ist, haben Sie bzw. hat der unter Ihrem Vorsitz stehende Deutsche Caritas-Verband sich gegen das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld geäußert.

Ich empfinde es beschämend, dass ausgerechnet ein Verband der römisch-katholischen Kirche sich gegen eine  –  wie auch immer geartete  –  Anerkennung und damit Hochschätzung elterlicher  Erziehungsleistungen ausspricht.

Es ist unbestreitbar, dass es für ein Kleinkind im Normalfall kaum einen besseren Hort der Erziehung  und der ge-/erlebten Wertevermittlung gibt als das Leben innerhalb der eigenen Familie.

Es ist durch Studien belegt, dass Kinder durch ein Leben in der Kinderkrippe psychische Deprivationen erleiden können, was wiederum Folgen für die sozio-emotionale Kompetenz im späteren Leben haben kann, dass sie nicht selten ein dissoziales Verhalten erwerben und sogar eine signifikant erhöhte Anfälligkeit für bestimmte psychische Erkrankungen aufweisen können, wie etwa einen zu hohen Kortisolspiegel als Stresssymptom.

Die Caritas sollte unbedingt den Eindruck vermeiden, als „Anwalt in eigener Sache“ zu agieren, um das eigene ökonomische Interesse als Krippenträgerin vor das Kindeswohl zu stellen.

Die erzieherische Eigenverantwortung der eigenen Eltern ist ein unaufgebbares Prinzip unserer katholischen Soziallehre.

Unangebrachte Kakophonien und divergierende Stellungnahmen innerhalb der katholischen Kirche in Deutschland sind dabei wenig zuträglich.

Erst kürzlich schrieb ich in einem offenen Brief vom 5. April an die Bayerische Staatsministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Frauen, Christine Haderthauer:

„Das Recht aber auch die Verantwortung für die Erziehung der Kinder liegt zunächst bei den Eltern. Das Betreuungsgeld ist eine begrüßenswerte Würdigung der hohen Erziehungsleistung der Eltern. Eine zukunftsfähige nachhaltige Familienpolitik zeichnet sich daran aus, Eltern in dieser gesellschaftlichen Aufgabe zu unterstützen. Deshalb spreche ich mich gegen eine einseitige Förderung öffentlicher Betreuungseinrichtungen, z. B. Kinderkrippen aus, welche die verfassungsmäßig  garantierte Wahlfreiheit der Eltern in der Gestaltung der Erziehung ihrer Kinder zu sehr einschränken würde“.

Vor dem Hintergrund der katholischen Soziallehre erwarte ich von Ihnen Aufklärung darüber, wie es zu dem meines Erachtens fragwürdigen und zudem noch öffentlichen Positionierungen des Deutschen Caritas-Verbandes in dieser Angelegenheit kommen konnte.

Mit freundlichen Grüßen

Gregor Maria Hanke OSB

Bischof von Eichstätt

Quelle: http://www.bild.de/media/vs-brief-24850894/Download/1,contentContextId=24848948.bild.pdf


Weihbischof Rudolf Schmid ist kurz vor seinem 98. Geburtstag verstorben

Der Ruhestands-Weihbischof Rudolf Schmid von Augsburg ist am Morgen des 24. Juni, zwei Tage vor seinem 98. Geburtstag (26. Juni 1914), verstorben. Am 25. März hatte er den 40. Jahrestag seiner Bischofsweihe gefeiert.

Schmid wurde 1914 als Sohn eines Augsburger Handwerkers in der Schweiz geboren und kehrte mit seiner Familie 1915 nach Augsburg zurück. Er wurde während seines Studiums im Jahr 1933 Mitglied des Wissenschaftlichen Katholischen Studentenvereins „Unitas Markomannia“, der später von Heinrich Himmler als „staatsfeindliche Organisation“ zwangsaufgelöst wurde.

Im Jahr 1938 empfimg er die Priesterweihe. In den Jahren zwischen 1939 und 1945 wurde er in die Armee zwangseinberufen und kam in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Nach seiner Entlassung 1945 arbeitete er in Augsburg und Dillingen als Seelsorger, danach wurde er 1969 Domkapitular in Augsburg.

Am 3. Januar 1972 wurde er von Papst Paul VI.  zum Weihbischof im Bistum Augsburg ernannt. Die Bischofsweihe spendete ihm der Augsburger Bischof Josef Stimpfle am 25. März 1972.

Als bischöflichen Wahlspruch wählte er: „Benedictus deus“ („Gott sei gepriesen“).

Mehr als 60 Jahre lang stand ihm seine Schwester Klothilde als Haushälterin zur Seite, die drei Monate vor ihm verstarb.

Die Exequien (kirchl. Begräbnisfeierlichkeiten, Liturgie für Verstorbene) werden am kommenden Samstag, dem 30. Juni, im Dom von Augsburg zelebriert.

HERR, GIB IHM DIE EWIGE FREUDE
UND DAS EWIGE LICHT LEUCHTE IHM,
HERR, LASS IHN RUHEN IN DEINEM FRIEDEN. Amen.


 


Umfrage: Sonntagsfreude hängt nicht vom Einkommen ab – 26% schätzen den Kirchgang

Eine forsa-Umfrage im Auftrag des Happiness-Instituts von Coca-Cola kam zu dem Ergebnis: sonntags sind die Deutschen am glücklichsten. Demnach empfinden an einem Sonntag 65 % der Deutschen große Lebensfreude, an Werktagen ist es nur knapp jeder Dritte

Dabei spielen Aktivitäten, mit denen man diesen Tag ausfüllt, eine entscheidende Rolle. Der Kirchgang ist immerhin für 26 % der Deutschen mit Lebensfreude verknüpft.

Der Studie zufolge ist Lebensfreude keine Spezialität der Wohlhabenden: 76 % der Befragten mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen unter 1000 Euro bezeichneten sich als lebensfroh; bei den Befragten, die mehr als 2500 Euro zur Verfügung haben, sind es 80 %.

Ganz wichtig ist den Deutschen die Gestaltung des Sonntags. 77 % gaben an, ihre Freizeit am liebsten mit Freunden zu verbringen. Fast genauso viele (70 %) nannten das Zusammensein mit der Familie. Es folgen u.a. Musizieren (58 %), Sport (53 %) und ehrenamtliche Aktivitäten (47 %).  – 17 % macht das Engagement in Bürgerinitiativen und Parteien glücklich.

Für die Studie wurden 2.153 Männer und Frauen zwischen 14 und 69 Jahren befragt.

Quelle: www.idea.de


Bemerkenswert: Das „Wort zum Sonntag“ vom 23.6.2012 zur „Organspende“

Die evangelische Pfarrerin und Religionspädagogin Dr. Adelheid Ruck-Schröder aus Saarbrücken sprach am vergangenen Samstag in der ARD das „Wort zum Sonntag“, das wir hier im vollen Wortlaut wiedergeben:

Organspende  –  christliche Sichtweisen

Wir werden demnächst alle Post bekommen. Denn jetzt ist es auch im Bundesrat durch, das neue Gesetz zur Organspende. Unsere Krankenkassen werden die Briefe verschicken. Jeder soll erklären, ob er im Fall des Todes zur Organspende bereit ist oder nicht.

Wissen Sie schon, wie Sie damit umgehen?

In Umfragen finden über 70% der Deutschen die Organspende gut. Tatsächlich aber füllen viel weniger einen Spenderausweis aus. Sind die Leute nur zu bequem? Das glaube ich nicht. Ich glaube, vielen ist dieses Thema zu heikel.

Mir auch. Ich tue mich tatsächlich schwer damit.

Gesetzt den Fall, ich habe einen schrecklichen Unfall. Die Ärzte diagnostizieren bei mir den Hirntod. Mein Herz wird stabilisiert. Ich werde künstlich beatmet. Die Ärzte gehen davon aus, dass ich niemals wieder ins Bewusstsein zurückkehre. Meine Organe sind aber noch funktionsfähig. Jetzt wäre eine Spende möglich.

Ich zögere. Stimme ich für diesen Fall einer Spende zu? Ich tendiere zum Nein.

Aber das Nein fällt mir zugleich schwer. Ich habe sehr wohl vor Augen: Jeden Tag sterben im Durchschnitt drei Menschen. Sie haben vergeblich etwa auf ein neues Herz oder eine neue Niere gewartet.

Das Nein fällt mir schwer. Ich weiß wohl: Die christlichen Kirchen verstehen eine freiwillige Organspende als Akt der Nächstenliebe. Und so kann man das auch sehen.

Mir geht aber noch ein anderer Gedanke durch den Kopf, auch aus christlicher Sicht: Ich sehe mich als Geschöpf Gottes: einmalig und unverwechselbar mit meinen Organen und Gliedern. Bei der Organspende kann nun ein Körper zerlegt werden in einzelne Organe, die als Ersatzteile für andere Personen dienen.

Ich tue mich schwer, diese – ich sage einmal – natürliche Grenze meiner Person zu überschreiten.

Und noch etwas macht mir zu schaffen: Der christliche Glaube lehrt uns, für das Leben zu kämpfen, aber unsere Sterblichkeit zu akzeptieren. Die Organspende spielt sich im Grenzbereich zwischen Leben, Sterben und Tod ab. Das löst in mir Fragen aus:

Möchte ich wirklich alles in Anspruch nehmen, was wir medizinisch können? Unsere Gesellschaft vereinbart zu Recht, welche Handlungsspielräume die Medizin hat. Dazu gehört es auch festzulegen, wann ein Mensch als tot gilt. Für die Organspende muss der Spender als tot gelten. Die Organe müssen aber noch funktionsfähig sein. Das ist beim Hirntod der Fall.

Aber selbst Wissenschaftler fragen: Wie tot ist ein Hirntoter? Immerhin haben Hirntote noch Leben in sich. Sie sind warm, können schwitzen.

Unsere Festlegungen des Todes sind willkürlich. Mir ist wichtig, dass sie nicht unversehens zu einem Instrument werden. Zu einem Instrument für ein bestimmtes Interesse, nämlich möglichst schnell möglichst viele Organspender zu gewinnen.

Eine Organspende muss auf jeden Fall höchst individuell und freiwillig bleiben. Dann kann sie ein Akt der Nächstenliebe sein.

Wer Bedenken hat, braucht aber aus christlicher Sicht kein schlechtes Gewissen zu haben.


USA ehren einsatzfreudige katholische Ordensfrau aus Israel als „Heldin“

Die USA haben eine afrikanische Ordensfrau offiziell als „Heldin“ ausgezeichnet. Die aus Eritrea stammende Comboni-Schwester Azezet Kidane wirkt in Israel und setzt sich für Flüchtlinge in der Sinai-Wüste ein.

Die katholische Nonne nahm dafür den sog.  Heroes-Award der US-Behörde gegen Menschenhandel entgegen, wie das Patriarchat von Jerusalem mitteilte.

Die Ordensschwester macht seit Jahren auf die Situation von meist afrikanischen Flüchtlingen aufmerksam, die vor ihrem Eintreffen in Israel in der Sinaiwüste großen Qualen ausgesetzt sind. Viele von ihnen werden auf ihrer Flucht entführt oder von Schleusern gequält und erpreßt.

Wir haben bereits im Februar dieses Jahres über diese brutale Verbrechen ägyptischer Beduinen an  – meist christlichen  – Flüchtlingen berichtet, die in Israel Schutz suchen, aber schon vorher in der Wüste Sinai schlimmsten Schikanen, Organentnahmen, Folter und Mord ausgesetzt sind –  doch die Weltöffentlichkeit schweigt über diese ungeheuren Vorgänge!

Hierzu unser Artikel:

https://charismatismus.wordpress.com/2012/02/07/brutaler-organdiebstahl-agyptischer-beduinen-an-fluchtlingen-im-sinai/


Neue Hürde für Verständigung zwischen Rom und Piusbruderschaft

Erschwert Kardinal Levada die Einigungsbemühungen des Papstes?

Die traditionsorientierte Priesterbruderschaft St. Pius X. hat sich skeptisch über den derzeitigen Stand einer Versöhnung mit dem Vatikan geäußert.

Der Generalobere könne die zuletzt von Rom vorgelegte Version des Einigungsdokuments nicht unterzeichnen, heißt es in einem als „intern“ gekennzeichneten Rundschreiben, das seit Dienstag im Internet zirkuliert. Das Dokument trägt die Unterschrift des Generalsekretärs der Bruderschaft, Christian Thouvenot.

Anfang Juli werde das Generalkapitel der Bruderschaft tagen und dabei über das Dokument und den gesamten Vorgang beraten.

Thouvenot erklärt, die letzte  – vom Generaloberen Bernard Fellay korrigierte  –  Version vom April habe Papst Benedikt XVI. zwar persönlich überzeugt.

Mitte Juni 2012 habe aber der Präfekt der römischen Glaubenskongregation, Kardinal William Levada, eine Textfassung vorgelegt, die wieder um einige Monate „zurückgedreht“ sei.

Diese Levada-Version des Einigungsdokumentes sei für die Priesterbruderschaft „eindeutig inakzeptabel“. Das habe der Generalobere gegenüber Kardinal Levada unmittelbar klargestellt. 

Quelle: Radio Vatikan


Bischof Hanke kritisiert die Caritas in puncto Betreuungsgeld

Der Eichstätter Oberhirte Gregor Maria Hanke wandte sich am 15. Juni 2012 mit deutlicher Kritik an die Caritas, weil diese sich gegen das Betreuungsgeld äußert.

Prälat Dr. Peter Neher, der Chef des bekannten kath. Wohlfahrtsverbands, agitiert seit Monaten öffentlich gegen das von der Bundesregierung geplante Betreuungsgeld, das Eltern für die häusliche Erziehung ihrer Kleinkinder zugute kommen soll. 

Der Caritas-Präsident erklärte, die Zahlung des Betreuungsgeldes dürfe nicht daran gekoppelt sein, „dass Eltern keinen öffentlich geförderten Kita-Platz oder Kindertagespflege in Anspruch nehmen“.

In einem jetzt von der „Bild“-Zeitung veröffentlichten Brief schreibt Bischof Hanke an den Caritaschef, er finde „es beschämend, dass ausgerechnet ein Verband der römisch-katholischen Kirche sich gegen eine wie auch immer geartete Anerkennung und damit Hochschätzung elterlicher Erziehungsleistungen ausspricht“.  

Außerdem fügt der Bischof an:  „Die Caritas sollte unbedingt den Eindruck vermeiden, als Anwalt in eigener Sache zu agieren, um das eigene ökonomische Interesse als Krippenträgerin vor das Kinderwohl zu stellen.“

Vollständiger Wortlaut des Bischofsbriefs hier: https://charismatismus.wordpress.com/2012/06/26/vollstandiger-wortlaut-des-briefes-von-bischof-gregor-m-hanke-an-den-vorsitzenden-der-carit/