Leugnete Erzbischof Müller – Chef der Glaubenskongregation – wirklich die Jungfrauengeburt ?

MARIA ist Jungfrau immerdar – und zugleich Realsymbol für das volle HEIL und Heilsein in CHRISTUS

Seitens mancher traditioneller Gruppen und Webseiten wird derzeit behauptet, der frisch ernannte Präfekt der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard Ludwig Müller, bestreite nichts weniger als die Jungfrauengeburt bzw. immerwährende Jungfräulichkeit der Gottesmutter; folglich verbreite er Irrlehren, sei gar ein „Ketzer“, „Häretiker“ etc. 0012

Einige Kritiker drücken dieselbe Anschuldigung etwas vorsichtiger aus, indem sie einräumen, der Erzbischof habe wohl das Virgo-Dogma  als solches nicht  geleugnet, sich aber nicht an die „Hermeneutik“ bzw übliche Auslegungstradition gehalten. – Nun ist eine solche Deutungstradition  –  mag sie auch weit verbreitet sein –  durchaus nicht mit dem Dogma selber gleichzusetzen, so daß der Häresie-Vorwurf insoweit schon rein formal gesehen nicht aufrechterhalten werden kann.

In dieser Debatte wird eine bestimmte Äußerung von Dr. Gerhard L. Müller (als er noch Theologieprofessor war) erstens aus dem Kontext bzw. Zusammenhang gerissen; zweitens wird nicht immer ausreichend berücksichtigt, daß die Geburt Christi aus der Jungfrau Maria sowohl natürliche wie übernatürliche Dimensionen aufweist, zumal unser Erlöser in seiner Person Gott und Mensch zugleich ist.

So ist auch seine Geburt eine wirkliche Geburt und doch wunderbar; also gewissermaßen ein „Miteinander“ von göttlichem Wirken und menschlicher Natur.

Jesu wahres Menschsein hat die Kirche immer verkündet, auch gegenüber Irrlehren aus dem gnostischen Doketismus, der behauptete, Jesus habe nur einen Scheinleib gehabt, also keinen wirklichen menschlichen Leib, keine wahre menschliche Natur.

Zugleich bekennt sich die Kirche voll und ganz zur Gottheit Christi, so daß seine Geburt aus Maria vom übernatürlichen Glanz seiner Herrlichkeit überstrahlt ist  – und die Madonna auch „in der Geburt“ Jungfrau blieb („virginitas in partu“).

Dabei kann bedacht werden, daß Christus nach seiner Auferstehung mit seinem wirklichen und zugleich verherrlichten Leib durch verschlossene Türen gehen konnte und seinen Aposteln erschien. Allerdings gilt dieser Vergleich nicht im Sinne einer direkten Gleichsetzung,  sondern eher als Hinweis zum leichteren Verständnis.

Freilich hat sich die Kirche  –  wohl aus Gründen der Vernunft und des guten Geschmacks  –  zu gynäkologischen Einzelheiten von Marias Jungfrauschaft „in der Geburt“ niemals lehramtlich festgelegt.

Die Jungfräulichkeit der Madonna ist überdies kein Selbstzweck, sondern mit ihrer  einzigartigen Berufung zur Gottesmutterschaft verbunden, die das Fundament aller weiteren kirchlichen Lehren über Maria darstellt.

Marias Gottesmutterschaft ist „ihre wesentliche Bestimmung“

Der bekannte Mariologe und Kardinal Leo Scheffczyk schreibt hierzu, daß die marianische Wahrheit nicht im Bekenntnis zur Jungfräulichkeit ihr „Zentrum“ hat, sondern daß vielmehr „die Gottesmutterschaft die wesentliche Bestimmung des Personalcharakters Mariens darstellt.“

Das grundlegende Dogma über Maria ist jenes über die „Theotokos“, die Gottesmutterschaft.

Der Mariologe fügt hinzu, daß die „Jungfräulichkeit als eigentümliche Verwirklichungsform dieses Mutterseins zum Personalcharakter der Mutter Jesu hinzukommt.“  (Vgl. sein Buch „Katholische Glaubenswelt“, S. 277)

Auf S. 281 betont der Kardinal über das „Glaubensgeheimnis der Jungfräulichkeit Mariens“:

„Wenn man hier ein Geheimnis anerkennt, so ist damit auch gesagt, daß der Blick nicht vorschnell und einseitig auf das darin sicher eingeschlossene biologische Faktum gehen soll.“

Die jungfräuliche Gottesmutterschaft sei „ein tiefes Mysterium“ und erschließe sich vor allem sittlich und geistlich, wenngleich die biologische Ebene dazugehört. Kardinal Scheffczyk schreibt hierzu:

„Man darf deshalb auch beim Geheimnis der Jungfrauengeburt und der Jungfräulichkeit Mariens nicht ausschließlich an das biologische Moment denken.“ (S. 281)

Die bleibende Jungfräulichkeit Mariens wurde bereits in spätantiker Zeit als Glaubenssatz gelehrt (Synode zu Mailand, 390 n. Chr.), auf dem 5. Konzil von Konstantinopel (553 n. Chr.) mit der Formel von der „Jungfrau immerdar“ erneut verkündet und auf der Lateransynode 649 n. Chr. unter Papst Martin I. dogmatisch bekräftigt.

Im betreffenden Kanon 3 heißt es wörtlich:

„Wer nicht gemäß den heiligen Vätern im eigentlichen Sinne und der Wahrheit entsprechend die heilige, allzeit jungfräuliche und unbefleckte Maria als Gottesgebärerin bekennt, da sie ja eigentlich und wahrhaftig Gott, das Wort, selbst, der vor allen Zeiten aus Gott, dem Vater, geboren wurde, in den letzten Zeiten ohne Samen aus dem Heiligen Geist empfangen und unversehrt gebo­ren hat, wobei ihre Jungfrauschaft auch nach seiner Geburt unzerstört blieb, der sei verurteilt.“  (DH = Denzinger: 503)

Soweit das Dogma zur Jungfräulichkeit „in der Geburt“,  um das es in der „Müller-Debatte“ geht.

Während sich freilich Erzbischof Müller klar zu dieser Aussage des „außerordentlichen“ Lehramts bekennt (Zitat siehe Schlußteil dieses Artikels), hatte der Theologe Karl Rahner das Dogma auch dadurch zu relativieren versucht,  indem er erklärte, es habe sich lediglich um eine regionale Synode gehandelt, nicht um ein allgemeines Konzil  – was so nur teilweise zutrifft.

Auch die großen, heiligen Kirchenväter des 4. und beginnenden 5.  Jahrhunderts, nämlich Ambrosius (gest. 397), Hieronymus (+420) und Augustinus (+430) bekannten sich eindeutig zur allzeit jungfräulichen Mutter des HERRN.

Schon zuvor schrieb der hl. Kirchenlehrer Ephräm der Syrer (4.Jh.):

„In Maria mußte die Natur von ihren Gesetzen abgehen, denn Maria empfing und gebar als Jungfrau; diesen Weg vermag die Natur nicht zu gehen. Das Kind wurde wie alle Kinder geboren, doch seine Mutter blieb Jungfrau. (…)  Sie empfing und gebar ohne Zutun eines Mannes (…)  – ein in der Welt völlig unerhörtes Wunder. Einem Sohn hat sie das Leben gegeben, den alles bewundert. Wie dies geschah, ist unserem Verständnis entrückt. Die Gelehrten sind unfähig, dieses Geheimnis zu ergründen: Das Mädchen stillt, eine Jungfrau ist Mutter.“  (5. Hymnus, Vers 1 – 4)

Das Mädchen stillt“  – auch durch die Tatsache, daß die Madonna dem Christkind ihre Mutterbrust reichte, wird ein natürlicher Vorgang und auch so das wahre Menschsein, die volle menschliche Natur unseres göttlichen Heilands deutlich.

Erinnern wir uns an das Marienlob einer Frau aus dem Volke, die Christus zurief: „Selig der Leib, der Dich getragen, und die Brust, die Dich genährt hat!“ (Lk 11,27) – Die Antwort Jesu („Ja, selig sind jene, die Gottes Wort hören und bewahren!“)  ist kein Widerspruch, sondern vielmehr eine Bestätigung und zugleich ein Hinweis darauf, daß Marias Mutterwürde sich nicht auf das Leibliche beschränkt, sondern vor allem im Geistigen und im Glauben gründet, wie schon ihre Verwandte Elisabeth erkannte, als sie die Madonna mit den Worten pries: „Selig bist Du, die Du geglaubt hast, was der HERR Dir sagen ließ“ (Lk 1,45).

Während die „stillende Maria“ an das wahre Menschsein Christi erinnert, leuchtet uns im Mysterium ihrer Jungfräulichkeit die Allmacht des Ewigen und der göttliche Glanz unseres Erlösers entgegen, der auch der Erlöser Marias ist, wie sie selbst in ihrem Magnificat bezeugt („mein Geist jubelt über Gott, meinen Retter“) und wie es der Immaculata-Glaube der Kirche bekennt: Maria als die makellos Voraus-Erlöste im Hinblick auf die Verdienste Christi.

Im Großen Credo bzw. dem Glaubensbekenntnis von Nicäa-Konstantinopel heißt es „Natus ex Maria Virgine„, also (wörtlich aus dem Lateinischen übersetzt): „Geboren aus Maria, der Jungfrau“.

Zu diesem altkirchlichen Credo hat sich auch Martin Luther mehrfach ausdrücklich bekannt, so zB. in seiner Weihnachtspredigt vom 24.12.1528: „Diese Jungfrau kennt keinen Verlust der Jungfräulichkeit; sie bleibt unverletzt und rein.“

Es geht bei der Lehraussage von Marias immerwährender Jungfräulichkeit freilich substantiell nicht um physiologische Details hinsichtlich des Geburtsvorgangs,  sondern darum,  d a ß  Marias Virginität immer unverletzt blieb.

Über das genaue „Wie“ der jungfräulichen Mutterschaft Mariens äußern sich weder Bibel noch Dogma im Detail.

Unsere Kirche kennt überdies auch die Bedeutung eines „Realsymbols„, wonach etwas, das wirklich vorhanden ist,  z u g l e i c h  eine sinnbildliche Bedeutung aufweist.

So ist die jungfräuliche Unversehrtheit Mariens  auch ein Zeichen für ihr volles „Heilsein“ in Christus, für ihre gnadenhafte Erwählung durch Gottes Güte gemäß der Botschaft des Engels Gabriel: „Du bist voll der Gnade, der HERR ist mir Dir!“

Die „Unberührtheit“ der Madonna ist freilich noch umfassender als ihre anatomische Unversehrtheit und sittliche Reinheit:

In Maria zeigt sich in mancher Hinsicht noch die ursprüngliche Ganzheit und das Heilsein der Schöpfung (im Paradieszustand): so ist ihre Jungfrauschaft auch ein Sinnbild für die „intakte“ Unversehrtheit der ursprünglichen Schöpfung und zugleich für das volle Heil in Christus, das in Maria gleichsam sichtbare Gestalt angenommen hat.

Hierzu erklärte der bekannte Jesuitenpater und Märtyrer Alfred Delp:

„Daß Gott einer Mutter Sohn wurde, daß eine Frau über die Erde gehen durfte, deren Schoß geweiht war zum heiligen Tempel und Tabernakel Gottes  –  das ist eigentlich die Vollendung der Erde und die Erfüllung ihrer Erwartungen.“

Bekanntlich bezeugte der hl. Apostel Paulus: „Christus lebt in mir…, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingab“ (Gal 2,20).  – Wieviel mehr kann das die Madonna von sich sagen, die ihren und unseren Erlöser in ihrem Leib getragen hat.

An diese Auserwählung erinnert auch der Name Maria, auf hebräisch „Mirjam“, was übersetzt „Meerestropfen“ heißt, aus dem Ägyptischen jedoch „Die von Gott Geliebte“ bedeutet.  – Die erste biblisch bekannte Miriam war die Schwester des großen Propheten Moses, wie er geboren in Ägypten. Zweifellos ist die Madonna als auserwählte Mutter unseres HERRN ein von Gott besonders geliebtes Geschöpf.

Durch ihr JA-Wort wurde die Jungfrau aus Nazareth die erste Christin, ein unübertreffliches Vorbild des Glaubens; vor allem aber ist sie die Erst-Erlöste und Voll-Erlöste des Neuen Bundes  –  sie ist das höchstbegnadete Geschöpf des Ewigen, wobei sie all ihre Vorzüge im Hinblick auf Christus erhielt.

Die Kirche ist daher im Vor-Bild der Madonna „realsymbolisch“ bereits zu ihrer herrlichen Vollendung in Christus gelangt.

Daher ist die allzeit jungfräuliche Gottesgebärerin (Theotokos) das Urbild, Idealbild und Sinnbild der Kirche  –  und dies auch hinsichtlich ihrer Mutterschaft.

Deshalb spricht der Katholik von seiner „Mutter Kirche“, denn die Kirche bringt durch die Taufe „Kinder Gottes“ hervor; durch Predigt und Sakramente stärkt sie die Seelen der Gläubigen und führt sie Christus entgegen. Diese mütterlichen Züge der Kirche finden wir auch in Maria, denn „die Magd des HERRN“ dient auch durch ihre Fürsprache der Verherrlichung Gottes, so wie „das Werk den Meister lobt“ und ein guter Diener seinen Herrn. 6a40d593df - Kopie

Nun zu den Anschuldigungen gegen den neuen Präfekten der Glaubenskongregation, die derzeit im Umlauf sind:

Der Vorwurf, er leugne die Jungfrauengeburt, bezieht sich auf folgende Stelle in der „Katholischen Dogmatik“ Müllers auf S. 498:

„Es geht nicht um abweichende physiologische Besonderheiten in dem natürlichen Vorgang der Geburt (wie etwa die Nichteröffnung der Geburtswege, die Nichtverletzung des Hymen und der nicht eingetretenen Geburtsschmerzen), sondern um den heilenden und erlösenden Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur, die durch die Ursünde ‚verletzt’ worden war.“

Zunächst ist festzuhalten, daß der Autor hier erläutert, worum es beim Virgo-Dogma wesentlich geht, er hat „physiologische Besonderheiten“ aber dadurch keineswegs bestritten, sondern lediglich eine Akzentsetzung vorgenommen.

Zudem sind eben gerade die „Details“ nicht dogmatisiert worden. Wo bleibt also die angebliche „Ketzerei“?

Dazu kommt, daß Gerhard L. Müller diese „Katholische Dogmatik“ verfaßte, als er noch nicht Bischof, sondern Theologieprofessor war; in diesem Berufszweig neigen viele zu unpräziseren Ausdrücken, was man nicht überbewerten muß, zumal wenn es um einen einzigen Satz in einem umfangreichen Werk von 922 (!) Seiten geht.

Daß Theologen deutlicher formulieren, sobald sie hohe kirchliche Ämter übernehmen, leuchtet durchaus ein, denn nunmehr sind sie mit einer „amtlichen“ Stellung betraut – und die Phase theologischer „Spekulationen“ ist angesichts der neuen Verantwortung vorbei.

Nun hat der „vorkonziliare“, gewiß lehramtstreue und bewährte Theologe Ludwig Ott, dessen „Grundriss der Dogmatik“ auch in traditionellen Kreisen hochgeschätzt wird, zu diesem Thema in seinem bekannten Werk einiges erläutert.

Wir zitieren aus der 11. Auflage des „Ott“ (wie sein „Grundriss“ im Volksmund gerne genannt wird), die der traditionsorientierte Verlag Nova & vetera neu herausbrachte  –  dort heißt es auf Seite 300:

„Die nähere Bestimmung, worin die jungfräuliche Unversehrtheit in der Geburt nach der physiologischen Seite besteht, gehört nicht zum Glauben der Kirche.

Diese Klarstellung zunächst als „Vorbemerkung“ –  und nun sei auf den ZUSAMMENHANG der vielzitierten Aussage Müllers hingewiesen.

Sein diesbezügliches Kapitel „Die Jungfräulichkeit Marias in der Geburt“ (S. 497) beginnt mit den Worten:

„Seit Anfang des 4. Jh. begegnet in verschiedenen Varianten die Dreierformel von der Jungfräulichkeit Marias vor, in und nach der Geburt. Die Grundlage bietet die in ihrer Glaubensbereitschaft angenommene jungfräuliche Gottesmutterschaft.

Aus dieser eher christologischen Aussage über die Jungfräulichkeit Marias vor der Geburt folgt im Sinne einer stärker mariologischen Akzentuierung der Aussage die Prägung des Geburtsvorgangs (virginitas in partu) durch die Tatsache, daß Maria den Gott-Menschen und Erlöser gebiert und daß sie in der Konsequenz ihrer ganzmenschlichen Hingabe an das Erlösungsereignis keinen ehelichen Umgang mit Josef hatte und darum auch ohne weitere Kinder geblieben ist. Den Glaubensinhalt der Jungfräulichkeit Marias vor, in und nach der Geburt und damit der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens bezeugen alle Kirchenväter…“

Sodann geht der Autor darauf ein, daß die Jungfrauengeburt nicht „gnostisch“ mißdeutet werden dürfe (als ob Christus nur einen Scheinleib gehabt hätte und kein wirkliches Menschsein besitze); es dürfe „keine Verleugnung der Realität der Menschheit Jesu“ stattfinden.

Daher, so der Verfasser, „muß die kirchliche Lehre im Sinne der Realität der Inkarnation ausgelegt werden“. (Inkarnation  =  Menschwerdung Christi)

Nach dieser Feststellung folgt die derzeit von einigen Kreisen vielkritisierte Aussage hinsichtlich der „physiologischen Besonderheiten“ etc.

Außerdem bekannte sich Erzbischof Müller in seinem 1989 veröffentlichten Buch „Geboren von der Jungfrau Maria? Eine Theologische Deutung“ auf S. 100 ausdrücklich zum Dogma von Mariens „Virginitas in partu“ (Jungfräulichkeit in der Geburt): Weihnacht 2013.001

„Wenn auch die verschiedenen Zeugnisse des kirchlichen Lehramtes im einzelnen noch einmal unterschiedlich zu bewerten sind hinsichtlich ihres Gewichtes, ihres Aussagewillens und ihrer Letztverbindlichkeit, so kann doch im ganzen auch im Hinblick auf die spätere Lehrentwicklung gesagt werden, daß die virginitas in partu zum sicheren Glaubensbewußtsein der Kirche gehört und vom ordentlichen und außerordentlichen Lehramt vorgetragen wird.

Es ging Prof. Dr. G. L. Müller, dem heutigen Erzbischof, also ersichtlich darum, das wahre Menschsein Christi zu bezeugen und gegen doketische bzw. gnostische Irrtümer abzugrenzen  – und nicht etwa um eine Leugnung der Jungfrauengeburt, die er in der Einleitung des betr. Kapitels seiner „Katholischen Dogmatik“ und in dem vorhin erwähnten Buch ausdrücklich bezeugt.

Außerdem erwähnt G. L. Müller die Jungfrauengeburt mehrfach in weiteren marianischen Kapiteln seiner „Dogmatik“, zB. auf S. 493:

„Die kirchliche Verkündigung brachte (in Katechese und Liturgie) immer neu die Geburt des Erlösers durch die Jungfrau Maria in Erinnerung.“  

Als Virgo (Jungfrau) ist die Madonna jener vorbildhafte „Typus“ für die Kirche, die allein Christus anhängt:

„Maria steht am Anfang der Glaubensgeschichte der neuen Menschheit, d.h. der im Glauben wiedergeborenen Kirche des Neuen Bundes. Durch ihren Glauben ist sie als Jungfrau der Typus der Kirche,  die von Gott her das Heil empfängt“.  (S. 494) 

Auf S. 495 spricht der Dogmatiker Müller im Kontext der Inkarnation (Menschwerdung Gottes) davon,  daß sich der Glaube „unmittelbar auf das Wirken Gottes richtet“ und auf seine „Vergegenwärtigung in der Wirkung, nämlich der Empfängnis und Geburt des ewigen Gottessohnes als Mensch aus der Jungfrau Maria. “ – Er fügt hinzu:

So ist dieEmpfängnis Jesu vom Heiligen Geist die metaphysische Ursache der Inkarnation, während die Empfängnis und Geburt aus der Jungfrau Maria das Realsymbol der Inkarnaton darstellt.“ (S. 495) 

Auf der nachfolgenden Seite verweist der Autor auf die lateinische Fassung des Credo: „ex Maria virgine“  – d.h. auf deutsch: (geboren) aus der Jungfrau Maria.

Aus Prof. Müllers Ausführungen (die freilich nicht immer ganz leicht zu lesen sind) eine Leugnung der Jungfräulichkeit Mariens abzuleiten, ist ebenso unfair wie unzutreffend; diese wird vielmehr ausdrücklich bezeugt.

Diesen Sachverhalt bestätigt Prälat Don Nicola Bux, ein Förderer der überlieferten, klassischen Messe bzw. Liturgie („usus antiquior“); er ist Consultor der Glaubenskongregation und anderer vatikanischer Dikasterien.

In einem Interview mit dem italienischen Journalisten A.Tornielli wies der Prälat die Anschuldigung gegen Erzbischof Müller zurück:

„Der Katechismus der Katholischen Kirche stellt fest, daß die körperliche Unversehrtheit der Jungfräulichkeit zu jedem Zeitpunkt gegeben war, da Jesus nicht durch männlichen Samen, sondern durch das Wirken des Heiligen Geist gezeugt wurde. Sie ist ein göttliches Werk, das das menschliche Fassungsvermögen übersteigt.

Die Kirche bekennt die reale und immerwährende Jungfräulichkeit Mariens, dringt aber nicht in die physischen Details ein, noch scheint mir, daß die Konzilien und Kirchenväter etwas anderes gesagt haben. In diesem Sinn, scheint mir, ist auch zu verstehen, was Müller geschrieben hat, der keine „Lehre“ vertritt, die das Dogma der immerwährenden Jungfräulichkeit Mariens leugnet“.

Außerdem wird man davon ausgehen können, daß der Papst den Regensburger Oberhirten nicht zum Chef der Glaubenskongregagtion ernannt hätte, wenn dieser ein „Irrlehrer“ bzw. „Häretiker“ wäre. 

Dabei ist ausgeschlossen, daß Papst Benedikt das „Dogmatik“-Werk Müllers nicht kennt, denn im Jahre 2007 wurde Bischof Gerhard L. Müller zu seinem 60. Geburtstag eine umfangreiche Festschrift gewidmet, für die Papst Benedikt ein Vorwort beisteuerte, worin er diese „Dogmatik“ Müllers ausdrücklich würdigt. Hier der Wortlaut: https://charismatismus.wordpress.com/2012/07/22/vorwort-des-papstes-in-einer-2007-erschienenen-festschrift-fur-erzbischof-gerhard-l-muller/

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MiT-Verlags und des Christoferuswerks in Münster

Zu diesem Thema hier ein ergänzender Artikel auf einer anderen katholischen Webseite:  http://invenimus.blogspot.de/2012/07/muller-und-die-jungfrau-maria.html

Hier außerdem eine Klarstellung von Erzbischof Müller zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen: http://summorum-pontificum.de/themen/2-vatikanum/116-erzbischof-mueller-und-die-dogmen.html


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15 Kommentare on “Leugnete Erzbischof Müller – Chef der Glaubenskongregation – wirklich die Jungfrauengeburt ?”

  1. D.S. sagt:

    Hallo Fr. Küble,

    zum einen hatte ich noch nicht gemerkt, dass mein Kommentar veröffentlicht wurde und bedanke mich jetzt dafür.

    Zum anderen muss ich um Verzeihung bitten: Sie haben Recht, das von mir eingeforderte Zitat war ja in ihrem Artikel. Ich hatte es weiter unten in ihrem Artikel vermisst [bei Nach dieser Feststellung folgt… hatte ich es erwartet], aber es steht ja oben.
    Entschuldigung also für dieses Vermissen und das Übersehen oben bzw. die Unterstellung, es sei ausgelassen worden.

    Um so mehr bin ich nun aber erstaunt, da das Zitat ja wirklich oben vollständig zitiert ist, dass Sie behaupten, Müller habe den physiologischen Aspekt nicht geleugnet (sondern nur relativiert oder anders akzentuiert) und es bestehe kein Wesentlicher Unterschied zwischen Müller und Ott.

    Hm, also soll ich das Zitat nochmal wiederholen? – Es ist doch eindeutig. Und auch klar, dass ein gewaltiger Unterschied zu Ott besteht.

    Hätte Müller geschrieben:
    „Es geht hier nicht so sehr um abweichende physiologische Besonderheiten“
    oder „… nicht in erster Linie um abweichende physiologische Besonderheiten…“
    o.ä., dann hätten sie ja Recht.

    Aber er schreibt doch eindeutig:
    „Es geht nicht um abweichende physiologische Besonderheiten im natürlichen Vorgang der Geburt“ – Was ist daran nicht klar?

    Und dann die Erklärung von ihm, um was es statt dessen geht – und diese ist nicht minder klar:

    „sondern um den heilenden und erlösenden Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur, die durch die Ursünde ‚verletzt’ worden war“

    Müller leugnet also nicht das ein oder andere Detail oder stellt es in Frage – sondern sagt schlicht, dass es „NICHT um abweichende physiologische Besonderheiten im natürlichen Vorgang der Geburt“ überhaupt gehe.
    Und dann „spiritualisiert“ er den Inhalt des Dogmas zum „heilenden und erlösenden Einfluss der Gnade“, der nicht eine leibliche Verletzung heilt bzw. verhindert (wie dies die trad. Lehre von der virginitas in partu lehrt), sondern die „Verletzung“ der Sünde.

    Und Müller selbst ist es ja, der „verletzt“ hier in Anführungszeichen setzt – weil eben die „Verletzung“ durch die Ursünde in der Tat ja keine im eigentlichen wörtlichen, nämlich leiblichen Sinn ist, sondern im übertragenen, geistigen Sinn.
    Um die Verhinderung einer leiblichen Verletzung geht es dagegen im traditionellen, kath. Verständnis des Dogmas.

    So „vergeistigt“ hier Müller also das Dogma und höhlt damit völlig die traditionelle – leibliche – Bedeutung aus.

    Wenn es bei der Jungfräulichkeit in der Geburt nur noch um „den heilenden und erlösenden Einfluss der Gnade auf unsere von der Erbsünde „verletzten“ Natur“ geht und eben nicht um „abweichende physiologische Besonderheiten im natürlichen Vorgang der Geburt“ –

    was bleibt denn dann von dem Dogma noch übrig?
    Und was hat es dann überhaupt mit dem Glaubensartikel der Virginität in partu zu tun, ja mit der MutterGOTTES überhaupt?

    Wenn der Inhalt des Dogmas der „heilende und erlösende Einfluss der Gnade auf die von der Ursünde verletzten Natur“ ist – dann trifft das doch nicht nur auf Maria zu, sondern auf uns alle – und gehört eher in einen Artikel über die Gnade oder über das Taufsakrament, aber doch nicht in den Glaubensartikel zur jungfräulichen Geburt unseres Erlösers.

    Was hat denn das mit Jungfräulichkeit und körperlicher Unversehrtheit zu tun?
    – eben nichts, wie uns ja auch Müller selbst betätigt: „keine abweichenden phys. Besonderheiten im natürlichen Vorgang“, also eine – physiologisch gesehen – rein natürliche Geburt. Stattdessen eben der „heilende und erlösende Einfluss der Gnade auf unsere von der Ursünde „verletzte“ Natur“ – das soll der Inhalt des Dogmas sein.

    Das trifft nun aber den Gehalt des Dogmas keineswegs, sondern „hyper-spiritualisiert“ es, wie gesagt, und entkernt es damit völlig.

    Ganz anders dagegen Ott. Er schreibt zwar in der Tat [Grundr der Dogmatik, 8. Aufl 1970, S. 247 (Jungfr. in der Geburt)]
    Die nähere Bestimmung, worin die die jungfräuliche Unversehrtheit in der Geburt nach der physiologischen Seite besteht, gehört nicht zum Glauben der Kirche.

    Aber er hält dennoch fest:
    Das Dogma sagt, dass die körperliche Integrität Mariens beim Geburtsakt nicht verletzt wurde…. Die Art und Weise ihres Gebärens hatte darum den Charakter des Außerordentlichen an sich.

    Nun, und das blendet ja Müller gerade völlig aus, nach ihm ging es ja gerade nicht um etwas Außerorentliches beim „natürlichen Vorgang der Geburt“, um „abweichende physiologische Besonderheiten“ – wir haben eine normale, völlig natürliche Geburt vor uns.

    Wie gesagt, selbst der KKK spricht noch von der körperlichen Unversehrtheit
    – nur Müller tut dies nicht.
    Und auch nicht im Weiteren auf S.498f. Die virg. in partu besagt nichts Körperliches bei Müller, keine auch nur irgendwie geartete Bewahrung der körperlichen Unversehrtheit und Jungfräulichkeit.
    Es geht – laut ihm – nicht um körperliche Verletzung und Integrität, sondern nur um die geistige, die „Verletzung“ durch die Ürsünde, die JESUS heilt.
    (Und so setzt ja auch der abschließend S. 499 von ihm zitierte Rahner „jungfräulich“ und „Jungfrau“ in Anführungszeichen (!! – wie das ja Müller konsequenterweise auch mit „verletzt“ tut!) – da es eben nicht mehr um wörtliche, also leibliche Jungfräulichkeit geht, sondern um geistig-spirituelle, uneigentliche!!)

    Beste Grüße und nochmalige Versicherung, dass mir mein Übersehen des Zitates weiter oben und meine falsche Anschuldigung aufrichtig leid tut (und ich daher auf Annahme meiner Entschuldigung hoffe)

    D.S.

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    • Guten Tag,
      daß das Zitat aus dem Müller-Buch im Artikel von Ihnen übersehen wurde, kann jedem passieren und dieser Punkt ist sowieso klar und jeder kann sich selbst überzeugen. Es wäre meinerseits schon recht komisch gewesen, lange Ausführungen zu veröffentlichen und den „springenden Punkt“ auszublenden.
      Nun zu Ihrem Einwand, daß in der Müller-Dogmatik durch den folgenden Schlußsatz die biologische Jungfräulichkeit Mariens geleugnet werde:
      „…sondern um den heilenden und erlösenden Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur, die durch die Ursünde ‚verletzt’ worden war“
      Die Gänsefüßchen bei „verletzt“ weisen eher auf das Gegenteil hin, finde ich, nämlich darauf, daß „menschliche Natur“ hier biologisch gemeint ist. Wäre der Ausdruck „menschliche Natur“ nämlich „antrophologisch“ gemeint, dann hätten die Gänsefüßchen keinen Sinn, weil ohnehin klar ist, daß eine eigentliche Verletzung durch die Erbsünde stattfand. Zudem wäre eine Erwähnung einer „Verletzung“ dieser allgemeinen „menschlichen Natur“ im Falle der Madonna-Immaculata im Zusammenhang mit der Geburt Christi schlicht gegenstandslos, also sinnlos, da ja die „Heilung“ dieser „Verletzung“ (Erbsünde, Erlösungsbedürftigkeit) gnadenhalber bereits bei der Empfängnis Mariens stattfand – und nicht etwa erst bei der Geburt unseres HERRN.
      Ich hatte meinen Artikel übrigens sowohl konservativen wie auch betont traditionsverbundenen Priestern vorgelegt, die ihn alle befürwortet haben.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • D.S. sagt:

        Nun, dann sind wir uns ja wenigstens einig, dass

        …“Verletzung” dieser allgemeinen “menschlichen Natur” im Falle der Madonna-Immaculata im Zusammenhang mit der Geburt Christi schlicht gegenstandslos, also sinnlos [ist], da ja die “Heilung” dieser “Verletzung” (Erbsünde, Erlösungsbedürftigkeit) gnadenhalber bereits bei der Empfängnis Mariens stattfand – und nicht etwa erst bei der Geburt unseres HERRN.

        Genau, das entspricht dem, was ich oben mit ähnlichen Worten bemängelt habe – es ist schlicht sinnlos, geht am Gehalt des Dogmas völlig vorbei. Ich schrieb:
        Wenn der Inhalt des Dogmas der “heilende und erlösende Einfluss der Gnade auf die von der Ursünde verletzten Natur” ist – dann trifft das doch nicht nur auf Maria zu, sondern auf uns alle – und gehört eher in einen Artikel über die Gnade oder über das Taufsakrament, aber doch nicht in den Glaubensartikel zur jungfräulichen Geburt unseres Erlösers.
        Was hat denn das mit Jungfräulichkeit und körperlicher Unversehrtheit zu tun?
        – eben nichts

        Oder, wie sie nun treffend bemerken, es wäre in einem Artikel über die Empfängnis Mariens besser aufgehoben, hat eben nichts mit dem Dogma der Jungfräulichkeit zu tun.

        Nun ist das aber genau der Fall.

        Denn ob Anführungszeichen oder nicht – die „Verwundung“ der menschl. Natur durch die Erbsünde ist jedenfalls keine im strengen Sinn körperliche. Die Folgen dieser Verwundung können körperlich sein, in der Tat, die Verwundung selbst ist aber keine rein körperliche. Und nur hiervon redet Müller.

        Aber, wie gesagt, er macht es ja im ersten Halbsatz deutlich, dass es eben gerade NICHT um die körperliche Seite geht. Er sagt doch – wie oft soll man das noch zitieren – „es geht nicht um physiol. Besonderheiten im natürlichen Vorgang“.

        Also selbst gesetzt den Fall man könnte die „Verletzung durch die Ursünde“ und den „heilenden und erlösenden Einfluss der Gnade“ hier in einem körperlichen Sinn verstehen, dann machte der erste Halbsatz ja klar, dass dies ausdrücklich nicht gemeint ist.

        Wenn ich „abweichende physiolog Besonderheiten im natürlichen Vorgang“ leugne, dann ist doch unmissverständlich klar gesagt, dass hier körperlich-physiolog. gesehen nichts Besonderes, nichts Außernatürliches oder gar Übernatürliches stattgefunden hat.

        Und dann wird noch Rahner zitiert, der „jungfräulich“ in Anführungszeichen setzt.
        Das Rahner-Zitat im Ganzen wäre es Wert, zitiert zu werden.
        Hier nur der entscheidende Satz [Müller, op.cit. S. 499]:
        „die (aktive) Geburt Marias ist … einmalig, wunderbar, „jungfräulich“…“

        Warum steht hier nach „einmalig, wunderbar“ dann „jungfräulich“ plötzlich in Anführungszeichen?

        Eben genau darum, weil es nicht um Jungfräulichkeit im eigentlichen, wörtlichen, also körperlichen Sinn geht – sondern um Jungfräulichkeit in Anführungszeichen!

        Ich hatte meinen Artikel übrigens sowohl konservativen wie auch betont traditionsverbundenen Priestern vorgelegt, die ihn alle befürwortet haben.

        Das glaube ich Ihnen gerne – aber Sie müssen mir bitte glauben, dass ich Theologie, Philosophie und Geschichte studiert habe und insbesondere mich ein wenig mit den Problemen der modernen deutschsprachigen Philosophie und der nouvelle theologie auskenne – insbesondere mit dem Problem der Sprache und der Ausdrucks- wie Denkweise.

        Auch ich „habe also gelernt, mit Texten umzugehen“ – um ein Zitat des Lehrers von Müller, Lehmann aufzugreifen, der wiederum Rahner-Schüler war.

        Wie Pius X und Pius XII treffend bemerken: Diese Leute denken anders als wir, sie denken nicht traditionell, sondern verquer, schreiben verklausuliert. Es ist Neu-Sprech – und daher für viele nicht auf den ersten Blick gleich als falsch zu erkennen. Kratzt man aber etwas tiefer, dann sieht man, dass unter Beibehaltung der alten Begriffe diese mit völlig neuem Inhalt gefüllt werden.
        Sie werden sozusagen entkernt und neu gefüllt – aber so subtil, dass man es nicht leicht erkennen kann.

        Das ist aber das geradezu diabolische hierbei (wohlgemerkt: objektiv – ich unterstelle niemand böse, diabolische Absichten!)
        Allein schon diese Sprache und Philosophie, die sich durch Müllers (wie Rahners) gesamtes Werk zieht, macht dieses schlimmer als nur häretisch.

        Vgl. Humani Generis, vgl. etwa auch – wie gesagt – jüngst DiNoia.

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      • Guten Tag,
        wir sind uns in der Schlußfolgerung hinsichtlich des letzten Satzteils in der Müller-Dogmatik insofern nicht einig: Eben weil eine Heilung der allgemeinen (personalen) „menschlichen Natur“ im Zusammenhang dieser Virgo-Thematik keinen Sinn ergäbe, ist die Annahme naheliegend, daß demnach die biologische menschliche Natur zumindest mit-gemeint ist.

        Außerdem ist es doch eine vom bewährten Dogmatiker Ludwig Ott bestätigte Tatsache, daß „die nähere Bestimmung, worin die jungfräuliche Unversehrtheit in der Geburt nach der physiologische Seite besteht, nicht zum Glauben der Kirche gehört“ (Grunßriß der Dogmatik).

        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

        Soeben entdeckte ich auf einer anderen katholischen Webseite einen Artikel zu diesem Themenkreis:
        http://invenimus.blogspot.de/2012/07/muller-und-die-jungfrau-maria.html

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      • D.S. sagt:

        Gerade über den letzten von mir genannten Punkt, das Problem der Sprache und Philosophie (die anti-thomisitsch ist), wäre noch viel zu verlieren.

        Ich hoffe, liebe Fr. Küble, sie merken, es geht mir hier nicht um einen Streit um des Streitens willen, sondern es geht um sehr, sehr wichtige Dinge – und darum, sich über die tiefsten Ursachen und Probleme der modernistisch Krise der Kirche und deren Gefährlichkeit klar zu werden.

        Wie gesagt, Werke moderner Theologien wie Müller (oder seines Lehrers Lehmann oder eben deren große Vorbilder wie Rahner) sind schlimmer als nur häretisch.

        Sie manipulieren durch eine völlig neue, anti-thomistische Denk- und Sprech-Weise. Sie untergraben jegliches vernünftige, traditionell katholische Argumentieren von vornherein.

        Man braucht nur einmal die Einleitung zur 1. Aufl. der Dogmatik zu lesen, und wenn man nur ein wenig theologisch-philosophisch geschult ist, sieht man, wie völlig verschieden der Ansatz vom traditionellen ist. Es ist purer Relativismus — allerdings natürlich nicht offen zugegeben. Daher wird der Ungeschulte auch erst mal da stehen und vielleicht kein Problem sehen – ja, er wird kaum verstehen, was Müller hier eigentlich sagt, sagen will.
        Das ist genau das Problem.

        So auch bei unserem nun schon so sehr durchgekauten Zitat von Müller.
        Auf den ersten Blick könnte man tatsächlich meinen, er leugne die körperliche Seite, den körperlich-physiologischen Aspekt nicht, zumindest nicht völlig, sondern leugne nur, dass das Dogma bestimmte Details verbindlich mache.
        Es ist hier sprachlich wirklich raffiniert.

        Daher verstehe ich auch, dass Sie oder andere Personen, inkl. Priester, hier nicht sofort das tiefe Problem sehen.

        Man muss schon sehr genau Hinsehen, um die subtile völlige Uminterpretierung des Dogmas zu erkennen.

        Müller scheint auf den ersten Blick nur die Details ausklammern zu wollen.
        Aber genau gelesen tut er das nicht.
        Hätte er gesagt:
        Das Dogma läßt offen, welche abweichende physilogische Besonderheiten im natürlichen Vorgang der Geburt vorliegen
        oder
        hätte er bestimmte Details herausgepickt und gesagt
        „Das Dogma sagt nicht ausdrücklich, dass der Hymen unverletzt blieb“
        oder hätte er gesagt
        „Das Dogma sagt nichts ausdrücklich über konkrete abweichende physiologisch Besonderheiten.“

        dann hätte man das alles noch als korrekt werten können.

        Aber er bestreitet ja, dass das Dogma überhaupt etwas mit abweichenden physiolog. Besonderheiten zu tun hat.

        Er schließt diese generell aus.
        Wenn ich aber die implicit in etwas vorhandenen Teile bzw. alle möglichen konkreten Bestandteile einer Sache generell leugne, dann habe ich die Sache selbst geleunget.

        Ich kann nicht sagen: „Es geht schon um körperliche Unversehrtheit (und damit eine wunderbare Besonderheit in der Geburt)“ aber in gleichem Atemzug jegliche körperliche Besonderheit im Geburtsvorgang verneinen.

        Das wäre, wie wenn ich sagen würde:

        „Es geht um Schwarzwälder-Kirsch-Torte – aber es geht nicht um Bestandteile derselben (wie Sahne, Teig, Kirschwasser oder Schokostreusel)“

        Nochmal, ich kann natürlich sage, dass es nicht umbedingt um jedes einzelne Detail gehen muss, also dass es nicht notwendigerweise z.B. um Kirschwasser geht, weil ich eine Schwarzwälder-Kirschtorte auch ausnahmsweise mal ohne Alkohol machen kann.

        Aber zu sagen, dass es überhaupt nicht um die Bestandteile einer solchen Torte geht – und dann doch um eine solche Torte, schließt sich logisch aus.

        Wenn ich alle physiolog. abweichenden Besonderheiten überhaupt ausschließe („es geht nicht um sie“), dann habe ich überhaupt körperliche Unversehrtheit ausgeschlossen.

        Sehen sie, wie „tricky“ das hier ist.
        Das ist nouvelle theologie.

        Aber wir brauchen uns gar nicht bei der Exegese dieses einen Satzes aufhalten.

        Der Kontext ist ohnehin klar

        Sie schreiben im Artikle:
        Dabei wird eine bestimmte Äußerung von Dr. Gerhard L. Müller … aus dem Kontext bzw. Zusammenhang gerissen“

        Nun, das ist ein leicht gemachter Vorwurf – nur stimmt dieser noch weniger als alles andere.

        Schauen wir uns den Kontext doch an.

        Müller macht an keiner einzigen Stelle in seiner eineinhalb Seiten langen Auslassung über das Thema (S. 497-499) deutlich, dass es um körperliche Unversehrtheit geht, wie das etwa der KKK und Ott deutlich tun.

        Es kann doch in einer Dogmatik (!!) nicht darum gehen, dass Müller das Dogma nur nicht direkt leugnet.

        Also lassen wir den umstrittenen, zumindest das Dogma anscheinend leugnenden Satz – oder zu aller mindest relativierenden Satz – ruhig bei Seite.
        Man wird doch dann davon ausgehen dürfen, dass er sich vorher oder nachher klar im Sinne der Tradition und einer wahren körperlichen Unversehrtheit auspricht.

        – Aber nein, nicht die leiseste Andeutung davon. Im ganzen Text.
        Immer nur die Abgrenzung: Es geht nicht um phyisiologische oder empirisch verifizierbare Details.
        Und zwar weiterhin generell.

        Und dann schließlich am Ende noch das Rahner-Zitat.

        Nun müßte in einer Dokmatik Müller doch auch positiv die körperliche Unversehrtheit lehren – niente, nada!

        Und es geht hier auch nicht um Doketismus. Oder um „Kapharnaismus“, wie Bux es jüngst als Vorwurf and die FSSPX formuliert hat.
        Sondern im Gegenteil um eine falschen „Hyper-Supranaturalismus“ Müllers, Rahners & Co.´s – um eine Art neognostischen Anti-Materialismus, Anti-Biologismus. Alles, was früher im konkreten und körperlichen, materiellen Sinn verstanden wurde, wird nun „spiritualisiert“, „theologisiert“.

        So ja auch die Tendenz Müllers beim Altarsakrament, so auch bezüglich des Auferstehungsleibes (s. Dogmatik S. 300f.) oder die Tendenz eigentlich aller moderner Theologen bei der (vielgehassten, daher auch falsch übersetzten) Auferstehung des Fleisches (puhhh, igitt – wahres „Fleisch“ – wie materialistisch, biologisch und unspirituell, wie plump…)

        Diese Tendenz moderner Theologen hat übrigens kein geringerer als Ratzinger kritisiert, so http://renegadetrad.blogspot.ca/2011/12/our-ladys-virginity-in-partu.html

        „The cavalier divorce of ‚biology‘ and theology omits precisely man from consideration; it becomes a self-contradiction insofar as the initial, essential point of the whole matter lies precisely in the affirmation that in all that concerns man the biological is also human and especially in what concerns the divinely-human nothing is ‚merely biological.‘ … The attempt to preserve a spiritual, distilled remainder after the biological element has been eliminated denies the very spiritual reality which is the principal concern of the faith in the God become flesh.“

        [leider fehlt die Stellenangabe dort]

        Warum der gleiche Ratzinger dann Müller, dessen Werke voll von dieser Tendenz sind, zum Präfekten der Glaubenskongregation macht und sogar ausdrücklich seine Dogmatik preist (vgl. http://rorate-caeli.blogspot.com/2012/07/for-record-popes-praise-for-bishop.html)

        – ja, diese Frage stelle ich mir auch (und ebenso paradoxer Weise ist Ratzingers Frühwerk „Einführung in das Christentum“ ebenfalls nicht völlig frei von solchen Tendenzen, vgl. insbs. den Abschnitt über die Auferstehung des Fleisches bzw. der Toten!!)

        Das alles muss man wissen, wenn man die Aussagen Müllers & Co.´s wirklich richtig würdigen will.
        Der weite Kontext ist hier wichtig, die Kenntnis der theologischen Debatte um die Auferstehung des Fleisches und überhaupt die Frage nach konkret-materiell-biologischer Bewandtnis von Lehren oder nicht, also moderner gefährlicher Tendenzen wie dieser Hyper-Spiritualisierung – und auch die Kenntnis des philosophischen „backrounds“ von Müller-Lehmann-Rahner.

        Dann ist es doch nicht so schwer zu sehen, wie anti-traditionell der Text wirklich ist.

        Wäre der Text nur häretisch – es wäre halb so schlimm.
        Er ist viel schlimmer als häretisch: Er folgt einer völlig antitraditionellen Tendenz, Denk- und Ausdrucksweise, teilweise treffend kritisiert von Ratzinger und DiNoia.

        Wir dürfen nicht übersehen, dass wir es bei Müller & Co. mit Leuten (und Texten) zu tun haben, die eine Philosophie verinnerlicht haben (bzw. zum Ausdruck bringen), die in ihren groben Linien von der Transzendental-Philosophie Kants herkommt, weiter beeinflusst vom Existentialismus franz. wie dt. Prägung (Sartres, de Beauvoir, Kierkegaard, Heidegger) sowie der Hermeneutik a la Gadamer und schließlich auch der kritischen Theorie der Frankfurter.

        DAS IST DAS PROBLEM!! (Und es ist weit GRÖßER als eine vereinzelte Häresie!)

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      • Guten Tag,
        in meinem Artikel sind doch jene Eingangs-Passagen zum Virgo-Thema der Müller-Dogmatik zitiert, worin er ausdrücklich die kirchliche Lehre von der Jungfräulichkeit Mariens (auch in der Geburt) erwähnt.
        Was sodann seine „umstrittene“ Aussage betrifft, so schreibt er eben keineswegs, es gehe nicht um die leibliche Jungfräulichkeit Mariens, sondern er weist lediglich darauf hin, daß es nicht um „physiologische Besonderheiten“ im Geburtsvorgang gehe.
        Nun erwecken Sie den Eindruck, als müsse man daraus ableiten, die leibliche Jungfräulichkeit sei bestritten worden. Das sehe ich nicht so.
        Auch wenn man an die leibliche Jungfräulichkeit Mariens glaubt, so kann man das „Wie“ des geheimnisvollen Vorgangs getrost dem Allmächtigen überlassen, ohne sich mit Details festlegen zu müssen. Die Heilige Schrift und das kirchliche Dogma hält sich hier zu Recht vornehm zurück, wie sich das gehört, erst recht bei der allerseligsten Jungfrau.
        Daß zudem – grundsätzlich betrachtet – der sittlich-moralische Aspekt der Jungfräulichkeit weitaus wichtiger ist als der körperliche, liegt doch offen zutage.
        Hierzu ein Hinweis: Die Kirche verehrt viele frühchristliche Märtyrerinnen ausdrücklich als „Jungfrau“, man denke etwa an die auch liturgisch bedeutsame hl. Agnes – zu Recht. Allerdings durften Jungfrauen im Römischen Reich nicht hingerichtet werden, daher wurden sie vorher defloriert. Das hindert selbstverständlich die Kirche nicht, diese Märtyrerinnen als „Jungfrau“ zu verehren.
        Damit will ich lediglich ein Beispiel dafür erwähnen, daß der sittliche Aspekt über dem biologischen steht.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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    • Außerdem bekannte sich Erzbischof Müller in seinem 1989 veröffentlichten Buch „Geboren von der Jungfrau Maria? Eine Theologische Deutung“ auf S. 100 ausdrücklich zum Dogma von Mariens „Virginitas in partu“ (Jungfräulichkeit in der Geburt):

      „Wenn auch die verschiedenen Zeugnisse des kirchlichen Lehramtes im einzelnen noch einmal unterschiedlich zu bewerten sind hinsichtlich ihres Gewichtes, ihres Aussagewillens und ihrer Letztverbindlichkeit, so kann doch im ganzen auch im Hinblick auf die spätere Lehrentwicklung gesagt werden, daß die virginitas in partu zum sicheren Glaubensbewußtsein der Kirche gehört und vom ordentlichen und außerordentlichen Lehramt vorgetragen wird.“

      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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  2. D.Specht sagt:

    Liebe Felizitas Küble,

    Sie schreiben:
    …Müller hat die “physiologischen Besonderheiten” nicht bestritten, wie Sie selber einräumen, sondern sie lediglich relativiert…

    Und Frau Brosei schreibt:
    die von Bischof Müller als sekundär bezeichneten physiologischen Vorgänge unter der Geburt. Dass er das nicht leugnet, bestätigen Sie, verehrte Frau Küble, mit Ihrem Artikel ja auch…

    Das stimmt leider NICHT. Müller realtiviert den physilogisch-körperlichen Aspekt nicht nur, sondern leugnet ihn.

    Er schreibt ja – und leider haben sie ausgerechnet diese Stelle dann nicht mehr mitzitiert, Fr. Küble: „…Es geht nicht um abweichende physiologische Besonderheiten in dem natürlichen Vorgang der Geburt (wie etwa die Nichteröffnung der Geburtswege, die Nichtverletzung des Hymen und der nicht eingetretenen Geburtsschmerzen), sondern um den heilenden und erlösenden Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur, die durch die Ursünde ‚verletzt’ worden war…“

    Und der Kontext macht es ja nich besser, sondern nur deutlicher:
    Für Müller geht es bei dem Dogma nicht um eine körperliche Unversehrtheit.

    Genau das aber gehört zum Aussagegehalt des Dogmas.
    In der Tat sagen Ott und andere, dass die Details nicht de fide sind.
    Dass aber überhaupt eine körperliche Unversehrtheit hier gemeint ist, bestätigen Ott und alle anderen tradtionellen Dogmatiken, ja auch noch der von Bux zitierte Katechismus.

    Und Müller läugnet leugnet ja genau dies.

    Er sagt eben nicht nur, dass es hier nicht um bestimmte Details ginge (was man allerdings auch schon kritisch betrachten könnte), sondern sagt, dass es überhaupt nicht um physiologische Besonderheiten gehe!!

    Beste Grüße in CHo per Mam, semper Virginem

    D.S.

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    • Guten Tag,
      Sie beanstanden zunächst:
      „Er schreibt ja – und leider haben sie ausgerechnet diese Stelle dann nicht mehr mitzitiert, Fr. Küble: “…Es geht nicht um abweichende physiologische Besonderheiten in dem natürlichen Vorgang der Geburt (wie etwa die Nichteröffnung der Geburtswege, die Nichtverletzung des Hymen und der nicht eingetretenen Geburtsschmerzen), sondern um den heilenden und erlösenden Einfluß der Gnade des Erlösers auf die menschliche Natur, die durch die Ursünde ‚verletzt’ worden war…”

      Genau dieses Zitat aus der Müller-Dogmatik steht vollständig bis zum letzten Satz einschließlich in diesem Artikel – welchen Sinn hat also Ihre Beschwerde, ich hätte „ausgerechnet diese Stelle dann nicht mehr mitzitiert“?
      Meinen Sie, ich hätte diese Stelle in meiner Antwort wörtlich wiederholen sollen? Wozu bitte? Als ob die Leser, die sich doch zu genau diesem Artikel mit Kommentaren melden, nicht selber lesen könnten!

      In der Müller-Dogmatik wird die immerwährende Jungfräulichkeit Mariens nicht bestritten, sondern bestätigt (siehe auch die Eingangsäußerungen zu diesem Abschnitt in dem kritisierten Buch); Details über den sowohl natürlich wie übernatürlich geprägten „Geburtsvorgang“ waren aber tatsächlich nie Gegenstand dogmatischer Lehrverkündigung – und dies schon aus Gründen des guten Geschmacks und eines gesunden Schamgefühls.
      Dieser Verzicht auf die Dogmatisierung „physiologischer Einzelheiten“ wird auch in der gewiß lehramtstreue „Ott“-Dogmatik festgehalten.

      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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  3. K. Brosei sagt:

    Sehr geehrte, Frau Küble.

    Ich schätze ihre Arbeit sehr. Ich bin nur eine einfache Gläubige und kann mich theologisch nicht besonders fachmännisch ausdrücken. Ich habe auch nichts dagegen, dass jemand ERZbischof Müller verteidigen möchte und ich möchte keinem katholischen Bischof zu nahe treten.

    Der Piusbruderschaft wird nun von romtreuen Katholiken immer schnell einmal unterstellt, sie wolle selbst glaubentreuen Theologen irgendwelche Häresien nachweisen. um in ihrem „Ungehorsam“ verbleiben zu können. In dieser ganzen Diskussion um die theologischen Aussagen des neuen Präfekten der Glaubenskongregation wird daher von Seiten der Verteidiger G.L. Müllers etwas ganz Wesentliches übersehen:

    Die „physiologischen Besonderheiten“ der Jungfräulichkeit Mariens mögen zwar in ihrem näheren „Zustandekommen“ wirklich nicht verbindlich definiert sein, aber wenn ich Ott, Schmaus, Scheeben und sogar G.-L. Müller RICHTIG verstanden habe, dann ist bei der immerwährenden Jungfräulichkeit Marien selbstverständlich die leibliche „Unversehrtheit“ mitgemeint, also auch die von Bischof Müller als sekundär bezeichneten physiologischen Vorgänge unter der Geburt. Dass er das nicht leugnet, bestätigen Sie, verehrte Frau Küble, mit Ihrem Artikel ja auch. – Als ich vor fast dreißig Jahren katholisch wurde, wurde mir von unserem (liturgisch sehr „fortschrittlichem“, dem Konzil und der Ökumene sehr zugetanem) Pfarrer in Tübingen so erklärt: Ein Katholik WEISS zwar nicht, WIE Jesus geboren wurde, ohne seine Mutter zu ‚verletzen‘, aber er MUSS trotzdem GLAUBEN, dass sie dabei eben nicht nur seelisch ‚jungfräulich‘, sondern auch körperlich unversehrt blieb. – Ich gebe Erzbischof Müller völlig recht, wenn er sagt, dass es letztlich nicht „darum geht“, aber es „gehört“ leider „dazu“, es gehört sogar VERBINDLICH dazu.

    Das eine ist im katholischen Glauben vom anderen eben NICHT zu trennen. Aber genau das tut der Dogmatiker Müller: Er trennt in wesentliche und vielleicht nicht unbedingt ‚unwesentliche‘, aber doch weniger ‚wesentliche‘ Aspekte des Dogmas: Einen wesentlichen Sinn, um den es „GEHT“ und die mehr oder weniger wesentlichen Inhalte, die diesen Sinn quasi „ILLUSTRIEREN“ und diskutabel sein können. Der Satz des Dogmas wird damit unmerklich von den Inhalten gelöst, so das beides „getrennt verhandelt“ werden könnte, z.B. in ‚ökumenischen Gesprächen‘. Das ist aber nicht mehr katholisch, sondern entspricht einer bereits von Papst Pius X. verurteilten Vorgehensweise des Modernismus.

    Diese Vorgehensweise legt Erbischof Müller aber nicht nur beim Glaubenssatz über die Jungfräulichkeit Mariens an den Tag, sondern nachweislich zumindest auch noch bei der Wandlung der eucharistischen Gestalten. – Für den vorkonziliaren Katholizismus ist diese Vorgehensweise nun aber einmal häretisch gewesen, im nachkonziliaren Katholizismus ist sie aber prinzipiell möglich.
    Rechtgläubigkeit ist seit dem Konzil nur noch eine Frage, was vom ursprünglichen katholischen Glauben verhandelbar ist und was nicht, wobei da keine Einigkeit bezüglich der Grenze herrscht, wie wir ja an der seither immer größer werdenden Uneinigkeit in der katholischen Kirche merken. Die Einheit ist inzwischen nur noch eine strukturelle, aber kaum mehr eine im Glauben.

    Hierin liegt nun die ganze Krankheit des 2. Vatikanischen Konzils. Ein Konzil, das Erzbischof Müller ja so vehement gegen die Piusbruderschaft verteidigt, dass er es zum „Glaubenskriterium“ für Katholiken macht. Die Frage bleibt nun: WORIN liegt denn dieses Kriterium? Was muss ich, als Katholik denn heute „mehr“ glauben, als vor dem Konzil?

    Bisher ist aber auch Erzbischof Müller – wie jeder andere auch, der dies von uns „vorkonziliaren“ Katholiken verlangt – noch diese Antwort schuldig geblieben.

    – Das, aber, was uns dieses Konzil auf jeden Fall zwischen den Zeilen seines immensen Wusts an pathetischen Worten ’neu‘ gebracht hat, ist genau diese theologische Vorgehensweise die Erzbischof Müller an den Tag legt: Eine Freiheit für die Theologen, den katholischen Glauben für die rechtgläubigen Laien unmerklich zu relativieren, indem sie ihn in verhandelbare und unverhandelbare Elemente zerlegen, und sich dabei trotzdem rechtmäßig katholisch fühlen zu dürfen. Sonst leider gar nichts!

    Es mag sein, dass sich Erzbischof Müller dieses Problems nicht wirklich bewusst ist, nicht bewusst sein kann, weil er als Theologe schon im nachkonziliaren Betrieb „groß“ wurde.

    Deshalb gebe ich Pater Gaudron völlig recht, wenn er den neuen Präfekten der Glaubenskongregation auffordert, sich zu erklären. Wir Katholiken haben ein Recht darauf, nicht mit „dummen Antworten“ abgespeist zu werden und er hat die Pflicht, unser katholischen Vertrauen zu gewinnen. Wie gesagt, die Einheit kann nicht eine strukturelle sein, sie muss schon eine im wahren Glauben sein.

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    • Sehr geehrte Frau Brosei,

      zunächst vorweg: wir haben diese Stellungnahme einigen konservativen Priestern und Theologen gezeigt, teils schon vor der Veröffentlichung, die nicht nur keine Einwände haben, sondern uns in dieser Sache ausdrücklich zustimmen. Wir haben also schon zunächst das Gespräch in den eigenen Reihen gesucht.
      Was nun die beanstandete Aussage von Erzbischof Müller betrifft, so hat er im wesentlichen nichts anderes gesagt als Ludwig Ott in seinem „Grundriss der Dogmatik“, einem ja auch von der Piusbewegung verbreiteten Handbuch.
      Müller hat die „physiologischen Besonderheiten“ nicht bestritten, wie Sie selber einräumen, sondern sie lediglich relativiert. Dabei ist zu beachten, daß eben diese gynäkologischen „Details“ im kirchlichen Dogma doch gar nicht erwähnt werden, da sich die lehramtlichen Definitionen darauf konzentrieren, daß die Madonna eine immerwährende Jungfrau ist – und zwar „vor, in und nach der Geburt“. Diesen Glauben hat EB Müller bestätigt und nicht etwa geleugnet, wenn man seine Ausführungen im Zusammenhang liest.
      Es trifft zwar zu, was Sie grundsätzlich zur Problematik der modernen Theologie schreiben; zudem stimme ich durchaus nicht immer mit allen Äußerungen von EB Müller überein. Aber hier geht es speziell und allein um die Frage, ob er – wie man ihm vorwirft – ein „Häretiker“ ist oder nicht. Der Nachweis, daß er die Jungfräulichkeit Mariens bestreitet, wurde keineswegs erbracht.
      Hat Erzbischof Müller wirklich „die Pflicht“, sich gegenüber einer Anschuldigung zu äußern, die nicht zutrifft? Soll er sich etwa in eine Art öffentliche Schlammschlacht über die Jungfrauengeburt begeben? Wäre das wirklich der passende Start für sein neues Amt?
      „Erklären“ muß sich vielmehr die Piusbruderschaft, da sie den Erzbischof in diesem Punkt unfair kritisiert hat.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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  4. Johannes sagt:

    Wenn Bischof Müller sich in seinen Schriften stets konform mit dem Glauben der katholischen Kirche geäußert hätte, gäbe es überhaupt keine Diskussion. Aber da scheint doch irgendwas nicht ganz koscher zu sein. Interessant ist auch, dass ein als konservativ eingestufter Bischof sich stets leidenschaftlich gegen die Piusbruderschaft engagiert hat. Ich vermute, dass es ihm nicht gefallen hat, dass diese ihm auf die Schliche gekommen ist. Wenn dann sein Kommentar „Ich muss nicht auf jede Dummheit eine Antwort geben“ alles ist, was er dazu zu sagen hat, zeugt das wahrlich nicht von Größe. Ein ehrliches Eingetändnis, dass er sich mal vergaloppiert habe, würde ihn aufwerten, unserem Hl. Vater Freude bereiten und allem Gerede ein Ende setzen.

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    • Guten Tag,
      vielen Dank für Ihren Leserkommentar. Wenn Erzbischof Müller (er ist mittlerweile vom Bischof zum Erzbischof „aufgestiegen“) Ihrem Vorschlag gemäß „eingestehen“ würde, daß er „sich mal vergaloppiert“ habe, dann würde dies keineswegs „allem Gerede ein Ende setzen“, sondern es würde dann erst richtig losgehen.
      Immerhin wird ihm nicht etwa vorgeworfen, sich hier oder dort in irgendeiner Ansicht vertan zu haben, sondern er wird beschuldigt, ein Dogma zu leugnen, nämlich die immerwährende Jungfräulichkeit Mariens.
      Stellt sich nun aber heraus, daß dieser Häresie-Vorwurf nicht zutrifft, dann erübrigt sich auch ein „ehrliches Eingeständnis“, sich „vergaloppiert“ zu haben – dann kann man allenfalls darüber debattieren, ob er sich in der ihm vorgehaltenen Äußerung ungeschickt ausgedrückt hat oder nicht etc.
      Sie schreiben nun selbst, daß EB Müller sich „stets“ gegen die Piusbruderschaft engagierte, doch im nächsten Satz „vermuten“ Sie, daß dies daren liege, daß diese ihm „auf die Schliche gekommen“ sei, was ihm nicht „gefallen“ habe. – Eine solche Mutmaßung ist schon chronologisch unlogisch, da die entsprechende Pressemitteilung der Piusbruderschaft über EB Müller gerade einige Tage alt ist, also wohl kaum „Ursache“ für seine „stete“ Gegnerschaft sein kann.
      Außerdem muß man EB Müller gewiß nicht in allem zustimmen, um ihn gleichwohl gegen eine unzutreffende Behauptung in Schutz zu nehmen, denn das erfordert schon die Fairneß, die Wahrheitsliebe und die Gerechtigkeit, worauf Erzbischof Müller wie jeder Mensch einen legitimen Anspruch hat.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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  5. […] Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster, erläutert die Theologie Erzbischof Müllers: … Der Vorwurf, er leugne die Jungfrauengeburt, bezieht sich auf folgende Stelle in der […]

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