Kommunistisches Vietnam: Staatliche Schlägertrupps überfielen Gottesdienstbesucher und verletzten Gläubige

Soldaten, Polizisten, Milizen und Schlägertrupps lösten am 1. Juli 2012 eine hl. Messe in der nordvietnamesischen Provinz Nghe An auf und verletzten dabei einen Priester und mehrere Gläubige. Eine Frau schwebt immer noch in Lebensgefahr.

In den letzten Monaten wurde die Kapelle mehrmals angegriffen, einmal sogar durch einen Bombenanschlag, schreibt die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM).

Am 4. Juli 2012 berichtete die Armeezeitung, daß die Pfarrer Ngo Van Hau und Nguyen Dinh Thuc wegen „Anstiftung zu Straftaten“ angeklagt worden seien.

Schon lange warnte der Erzbischof von Vinh, daß die Gewalt gegen Christen im nordvietnamesischen Nghe An zunehme.

Die IGFM hat umfangreiche Videomaterialen ausgewertet und kann dadurch den Tathergang in Con Cuong am 1. und 2. Juli im Detail wiedergeben:

Am 1. Juli umzingelten einige hundert mit Sturmgewehren bewaffnete Soldaten, Polizisten, Milizangehörige und Mitglieder verschiedener regierungsnaher Organisationen die Kapelle. Sie sperrten alle Zufahrtstrassen und verhinderten den Zugang zur Kapelle.

Dann wurde die hl. Messe mit Lautsprechern gestört, die auf einem Wagen vor dem Tor der Kapelle installiert waren. Einige Personen gingen mit Megaphonen dicht an die Fenster und schalteten Sirenen an. Danach wurde die Kapelle mit Steinen beworfen.

Anschließend drängte ein Mob in die Kapelle, demolierte Marienstatuen, verjagte die Teilnehmer und besetzte die Kapelle.

Als Pfarrer Nguyen Dinh Thuc und die Gläubigen den Gottesdienst auf der Veranda fortsetzten, bewarfen Beamte und regierungsnahe Schläger sie mit faustgroßen Bruchsteinen und griffen sie körperlich an. Dabei wurden der Pfarrer und mehrere Christen schwere verletzt.

Die Katholikin Ngo Thi Thanh erlitt einen Schädelbruch und musste in die Notaufnahme nach Hanoi gebracht werden, mehrere Gläubige wurden verhaftet.

Die Christen hielten rund 20 in Zivil gekleidete Angreifer fest, um sie den Behörden zu übergeben. Die Angreifer sagten aus, für die Übergriffe bezahlt worden zu sein.

Rund 300 Katholiken leben im Kreis Con Cuong, Provinz Nghe An. Da die dortige Regierung die Gründung einer Gemeinde nicht genehmigt hatte, beantragte der Pfarrer, zumindest religiöse Aktivitäten in einem Privathaus zuzulassen.

Jeden Sonntag feierten Priester und Gemeindemitglieder in der Kapelle in Con Cuong die heilige Messe.  Die Regierung bezeichnete die Aktivitäten als „illegale Missionierung“ und hatte in der Vergangenheit mehrmals Gottesdienste angegriffen.

Con Cuong liegt im Norden Vietnams an der Grenze zu Laos. Die Christen der Region leiden unter religiöser Verfolgung durch die Behörden, so daß der Bischof mehrfach öffentlich die Regierungspolitik  kritisierte.

Die Christen in dieser Region wurden nicht zum ersten Mal angegriffen. Am 13. November 2011 wurde die dortige Kapelle von rund 500 Milizangehörigen und Schergen umzingelt und mit Steinen beworfen.

Am 30. November 2011 warfen Unbekannte eine Bombe in die Kapelle, die das Dach und die Fenster zerstörte. Hundert Katholiken protestierten am nächsten Tag gegen die Untätigkeit der Polizei und des Volkskomitees.

Am 3. Juni 2012 verhinderten Regierungsbeamte den Gottesdienst, indem sie während der Messe den Verstärker ausschalteten und die Meßdiener festhielten.

Am 24. Juni 2012 drängten 250 Personen in die Kapelle, besetzten die Sitzplätze und störten den Gottesdienst mit Megaphonen.

Der Besitzer der Kapelle wurde mehrmals zum Volkskomitee zitiert und mit Repressalien im Beruf bedroht.

Katholiken mussten erklären, daß sie nicht mehr an den Gottesdiensten teilnehmen werden.

Weitere Infos zur Menschenrechtslage in Vietnam:
http://www.igfm.de/Vietnam.543.0.html



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