Das Kaspar-Hauser-Syndrom und die staatlich verordnete Fremdbetreuung von Kleinkindern

In der Kindermedizin und -psychologie kennt man das sog. Kaspar-Hauser-Syndrom, das sich auf schwer vernachlässigte und dadurch seelisch gestörte Kinder bezieht  – eine Extremform des „Hospitalismus“.

Der vor 200 Jahren geborene Kaspar Hauser, dessen Grabstein auf dem Friedhof von Ansbach steht, war eine real existierende, aber ziemlich sagenumwobende Gestalt, angeblich mit 16 Jahren als elternloser Findling aufgetaucht und später ermordet.

Sein rätselhaftes Schicksal ging auch in die Literatur ein und beflügelte mehrere Schriftsteller.

Die etwas elitäre, konservative Webseite „Altmod“ hat mit Recht einen Zusammenhang zwischen Kaspar Hauser und dem heutigen staatlichen Drang nach Fremdbetreuung der Kinder hergestellt:

„Mit Kaspar Hauser, dem “Wolfskind”, verbindet aktuell das Thema  “Kinderbetreuung”. Es geht um ein Kind, dem Liebe, Zuwendung und Erziehung durch Eltern und Nächste vorenthalten wurden.

Und heute wollen totalitär-bolschewistisch angehauchte Politiker, wie Frau Kraft aus NRW, per Gesetz herbeiführen, dass die Kinder wie der Kaspar Hauser aus der elterlichen Obhut genommen werden und dann durch den Staat zu “nützlichen” Objekten gemacht werden.

Das “Experiment Kaspar Hauser”, eingefügt in die Neuauflage des totalen sozialistischen Menschenexperiments, wird wieder aufgelegt.“

Quelle und Fortsetzung des Artikels hier: http://altmod.de/?p=163


Maria Valtorta und ihre „Jesus-Diktate“: Auch Kitsch ist ein Merkmal der Falschmystik

5. Teil der Serie „Valtortas Irrtümer“

Seit Jahrzehnten geistern zahlreiche dickleibige Bände namens „Der Gottmensch“ von Maria Valtorta durch fromme Kreise und Gebetsgruppen.

Dabei wissen viele Gläubige nicht, daß der Vatikan die ausufernden Ergüsse der italienischen Visionärin bereits in den 50er Jahren abgelehnt und ihre Gottmensch-Bücher kurzerhand auf den Index (Liste verbotener Bücher) gesetzt hat.  75743_14122011

Diese damalige Entscheidung wurde von Papst Benedikt, als er noch Kardinal Ratzinger hieß, ausdrücklich gutgeheißen und darauf hingewiesen, daß sie grundsätzlich nach wie vor gültig ist, wenngleich nicht mehr im kirchenjuristisch-formalen Sinne (weil der Index nach dem Konzil abgeschafft wurde).

Immer wieder werden im Internet Auszüge aus Valtorta-Schriften angeboten und verherrlicht, was einerseits unangemessen ist, andererseits immerhin den Vorteil hat, daß nüchtern denkende Katholiken nach Lektüre dieser süßlichen Fantastereien wohl doch von selber draufkommen, daß es sich hierbei unmöglich um ein echtes „Diktat“ von Christus handeln kann, das er Valtorta vom Himmel her gleichsam einflüsterte.

Am heutigen Sonntag veröffentlichte ein User mit dem Nicknamen „loveshalom“ auf Gloria-TV folgenden Auszug aus Band X von „Der Gottmensch“: http://de.gloria.tv/?media=313483&postings

Dabei geht es um die „Chronik“ einer Begegnung von Christus und Maria Magdalena  –  eine Szenerie, die wir hier zur allgemeinen Abschreckung und ohne jeden Kommentar vollständig wiedergeben:

Auszug aus „Der Gottmensch“, 10. Band:

„Jesus: „… Die Biene arbeitet, der Vogel singt, der Mandelbaum trägt Früchte, ein anderer Baum spendet Wohlgeruch.
Und alle erfüllen so ihre Aufgabe. Ebenso ist es bei den Seelen. Und deine Aufgabe ist es, zu lieben.“

Maria Magdalena: „Dann entzünde mich, Herr. Ich bitte dich um diese Gnade.“

„Genügt dir nicht die Kraft der Liebe, die du schon besitzest?“

„Sie ist zu gering, Herr. Sie mag ausreichen, um die Menschen zu lieben, aber nicht für dich, der du der unendliche Herr bist.“

„Gerade weil ich es bin, wäre eine unendliche Liebe nötig…“

„Ja, mein Herr, diese will ich. Schenke mir eine unendliche Liebe.“

„Maria, der Allerhöchste, der weiß, was Liebe ist, hat dem Menschen gesagt: ‘Du sollst mich lieben mit allen deinen Kräften.’ Mehr verlangt er nicht. Denn er weiß, dass es schon ein Martyrium ist, mit allen seinen Kräften zu lieben.“

„Das macht nichts, mein Herr. Gib mir eine unendliche Liebe, damit ich dich lieben kann, wie man dich lieben muss und wie ich noch niemanden geliebt habe.“

„Du bittest mich um ein Leiden, das dem des Scheiterhaufens gleicht, der brennt und verzehrt. Auf dem man verbrennt und langsam von den Flammen verzehrt wird… Überlege es dir gut.“

„Schon lange denke ich daran, mein Herr. Aber ich habe nie gewagt, dich darum zu bitten. Gib mir diese unendliche Liebe, Herr!“

Jesus sieht sie an. Sie steht vor ihm, noch mager von den Nachtwachen und dem Schmerz, mit ihrem einfachen, bescheidenen Gewand und der schlichten Frisur, wie ein braves Mädchen.

Mit ihrem blassen Antlitz, das sich vor Sehnsucht rötet, und ihren bittenden Augen, die vor Liebe leuchten, ist sie schon mehr ein Seraph als eine Frau. Sie ist wahrlich die Beschauliche, die das Martyrium der absoluten Kontemplation erfleht…

Jesus sagt ein einziges Wort, nachdem er sie lange angesehen hat, als wolle er ihren Willen abwägen: „Ja.“

„Ach, mein Herr! Welche Gnade, aus Liebe zu dir zu sterben!“

Sie fällt auf die Knie und küsst die Füße Jesu.

„Steh auf, Maria. Nimm diese Blüten. Es sollen die Blumen deiner geistigen Vermählung sein. Sei sanft wie die Frucht des Mandelbaumes, rein wie seine Blüte, leuchtend wie das aus seiner Frucht gepresste Öl, wenn es entzündet ist, und duftend wie dieses Öl, wenn es mit Essenzen gesättigt bei den Gastmählern versprüht oder auf die Häupter der Könige gegossen wird, duftend nach deinen Tugenden. Dann wirst du wahrlich über deinen Herrn den Balsam ausgießen, den er so unendlich liebt.“

Maria nimmt die Blumen, aber sie erhebt sich nicht, sondern schenkt schon im voraus den Balsam der Liebe mit ihren Küssen und den Tränen, die sie auf die Füße des Herrn vergießt.“


Erzbischof Müller: Priester, Bischöfe und Papst sind kraft ihrer Weihe „Stellvertreter Christi“

Vollständiger Wortlaut der Predigt von Bischof Gerhard L. Müller am 29.4.2012 im Hohen Dom zu Regensburg

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.
Meine lieben Schwestern und Brüdern in unserem gemeinsamen christlichen und katholischen Glauben!

Ich danke Ihnen allen von Herzen, dass Sie sich in so großer Zahl in unserer Kathedrale eingefunden haben.

Gemeinsam repräsentieren wir das Volk Gottes der Kirche von Regensburg und sagen IHM Dank für unseren Heiligen Vater Papst Benedikt XVI., der am 16. April seinen 85. Geburtstag feiern durfte und in diesen Tagen auf sieben Jahre seines Dienstes als Pontifex, als universaler Hirte der ganzen Kirche zurückblicken kann.

Vor einigen Tagen hat der Heilige Vater erklärt, wie die Wandlungsworte, die Jesus im Abendmahlssaal
gesprochen hat, in rechter Weise in die deutsche Sprache übersetzt werden sollen: „Pro multis“ – „für viele“, weil der eine Mittler stellvertretend für das ganze Volk eintritt.

Wir wissen, dass sich der Heilswille Gottes auf alle Menschen erstreckt. Wenn wir die Worte Jesu wörtlich wiedergeben, gilt es zu bedenken, wie groß der Radius des Heilswillens Gottes ist: Er „will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,1).

Die Heiligkeit und Gerechtigkeit wird uns zuteil durch den Glauben, die Mitfeier der heiligen Mysterien und ein christliches Leben. Kürzlich war im Kommentar einer großen deutschen Zeitung zu lesen, dass es den Menschen von heute gleichgültig sei, ob Christus nun für viele oder für alle Menschen sein Blut vergossen habe. Unsere Welt sei so sehr säkularisiert, dass das Jenseits  –  das, was nach dem Tod kommt  – nicht mehr von Interesse sei.

Nach dieser Sicht der Dinge kann die Kirche allenfalls noch als eine Sozialanstalt akzeptiert werden, als eine Form von wohliger Wellness-Pflege auf dem Gebiet der Spiritualität. Als Sakrament des Heils in Jesus Christus aber habe sie ausgedient.

Wozu aucheine Kirche als „Zeichen und Werkzeug für die innigste Vereinigung mit Gott wie für die Einheit der ganzen Menschheit“ (Lumen gentium 1), wenn doch die Notwendigkeit der Erlösung des Menschen durch Gott von vornherein ausgeschlossen wird? Dann ist auch eine Kirche, die uns dies verkündet, überflüssig geworden.

Die gegenwärtige Situation ist paradox: Wenn es um das Überleben irgendwelcher seltener Käfer geht, dann sind viele Menschen aufgebracht und engagieren sich. Wenn es aber um das eigene endgültige Schicksal und das Seelenheil der nächsten Angehörigen und Lieben geht, dann winken viele dankend und gelangweilt ab.

Ist es aber nicht wert, das endgültige Schicksal des Menschen zu bedenken, das eine Ewigkeit währen wird? Sollen wir tatsächlich alles auf die kleine kurze Zeitspanne unserer irdischen Pilgerschaft setzen?

Manche behaupten, für Christen hätte das irdische Leben keinen Wert, weil sie ganz auf die Ewigkeit ausgerichtet seien. Genau das Gegenteil ist wahr! Gerade weil es auf das Endgültige und Ewige ankommt, bekommt auch unser irdischer Lebensweg und seine Gestaltung Sinn und Bedeutung.

Es kommt darauf an in Zeit und Ewigkeit, im Gegenüber zu Gott und seinem Heilswillen die eigene Identität und die Kraft zu finden, mit den verschiedenen Situationen des Lebens in rechter Weise umzugehen: in hohen Zeiten nicht „abzuheben“ und auf „Wolken zu schweben“, die uns nicht tragen können; aber auch in schweren Zeiten, die keinem Menschen erspart bleiben, nicht in der Bodenlosigkeit zu versinken oder sich selbst aufzugeben.

Unser Glaube zeigt uns die Wahrheit Gottes, die er selbst geoffenbart hat in Jesus Christus. Dieser Glaube ist schön! Die unverlierbare Würde des Menschen besteht darin, dass Gott uns nach seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat.

Darum will er, „dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“ (1 Tim 2,1), der Wahrheit über die Welt und der Wahrheit über jeden einzelnen Menschen, für den Christus am Kreuz sein Blut vergossen hat.

Darum gilt, was wir in der Kurzlesung aus dem 1. Timotheusbrief gehört haben: „Einer ist Gott, Einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen: der Mensch Christus Jesus, der sich als Lösegeld hingegeben hat für alle“ (1 Tim 2,5f.).

Christus ist also nicht irgendein Verkünder von menschlichen Weisheiten, kein hausgemachter Reformer oder Prophet! Seine Liebe hat er bis
zum Äußersten, bis zur Hingabe seines Lebens als Lösegeld für die Freiheit und das Heil aller Menschen bewiesen.

Der Apostel Paulus fügt aber noch ein weiteres bedeutsames Wort hinzu, das wir nicht übersehen dürfen: „Ich sage die Wahrheit und lüge nicht -, als Lehrer der Heiden im Glauben und in der Wahrheit“ (1 Tim 2,7). 

Paulus ist also als Lehrer, Verkünder und Gesandter Christi eingesetzt, damit niemandem die Frohe Botschaft vorenthalten wird und jeder die Chance erhält, durch die kirchliche Verkündigung und ein christliches Leben in den Kreis des Heilsgeheimnisses einzutreten und so durch Jesus Christus in der Kraft des Heiligen Geistes in ein lebendiges Verhältnis zu Gott zu gelangen.

Erst von hierher geht uns der wahre Sinn unserer Existenz, unsere eigentliche Identität auf: Wir sind kein unbedeutendes Staubkörnchen in der Wüste, kein Wassertropfen im Ozean und nicht irgendein Käfer auf dem Baum!

Wir sind „durch den Glauben Söhne [und Töchter]Gottes in Christus Jesus“ (Gal 3,26), berufen zum ewigen Leben in der Erkenntnis der Wahrheit, die Gott selber ist, in der Liebe, die Gott selber ist und die von ihm ausgeht, unser ganzes Dasein durchdringt und durch die wir in Gott vollendet werden.

Diese Wahrheit zu verkünden und zu bezeugen, ist in besonderer Weise die Aufgabe aller Apostel und ihrer Nachfolger, der Bischöfe.

In besonderer Weise aber kommt sie dem heiligen Petrus zu als Haupt des Apostelkollegiums und in seiner Nachfolge dem Papst als Haupt des Bischofskollegiums und „immerwährendes und sichtbares Prinzip und Fundament der Glaubenseinheit und der Gemeinschaft“ (Lumen gentium 18).

Diesen Auftrag hat Jesus einem Menschen übertragen, der  –  so wie wir alle  –  Fähigkeiten, aber auch Schwächen hatte. Jesus hat sich nicht den Allerbesten und Stärksten ausgesucht, sondern einen einfachen Fischer vom See Genezareth: Simon Barjona. Er hat ihm den Namen Petrus  – „der Fels“ gegeben, obwohl er um seine Wankelmütigkeit wusste.

So berichten es uns die biblischen Erzählungen etwa vom Irrtum des Simon, der meinte, er könne die Sendung Jesu besser interpretieren und ihn vom Leiden für das Heil der Welt abhalten (vgl. Mt 16,22), oder vom tiefen Fall des dreimaligen Verleugnens Jesu in der Nacht zum Karfreitag (vgl. Mt 26,74).

Trotzdem sagt Jesus zu ihm: „Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben; was du auf Erden binden wirst, das wird auch im Himmel gebunden sein, und was du auf Erden lösen wirst, das wird auch im Himmel gelöst sein“ (Mt 16,18ff.).

Nach seiner Auferstehung wird er ihn dreimal fragen „Simon, Sohn des Johannes liebst du mich?(Joh 21,15ff.) und ihm – und mit ihm seinen Nachfolgern, den Päpsten  –  den universalen Hirtendienst für die ganze Kirche mit den Worten „Weide meine Lämmer!“ „Weide meine Schafe“  übertragen.

Daher ist der Papst, der Bischof von Rom, nicht irgendeine prominente Gestalt, welche lediglich für die Sensationslust der Massen gut ist. Der Primat des Petrus und mit ihm der Primat des Papstes ist eine klare, fundamentale, das Wesen der Kirche betreffende Wirklichkeit.

Gott ist Mensch geworden. Dieses Faktum der Inkarnation ist der Grund, weswegen die Kirche auch eine menschliche Wirklichkeit ist und daher auch Menschen von Christus selber berufen werden, um als Lehrer, Hirten und Apostel nicht im eigenen Namen, sondern im Namen Jesus Christi, des Hirten und Lehrers aufzutreten und ihn zu vergegenwärtigen. Der Apostel Paulus sagt es so:
 
„Darum danken wir Gott unablässig dafür, dass ihr das Wort Gottes, das ihr durch unsere Verkündigung empfangen habt, nicht als Menschenwort, sondern – was es in Wahrheit ist – als Gottes Wort angenommen habt; und jetzt ist es in euch, den Gläubigen, wirksam“ (1 Thess 2,13).

„Wir sind also Gesandte an Christi Statt, und Gott ist es, der durch uns mahnt“ (2 Kor 5,20). Jesus selbst sagt: „Wer euch hört, der hört mich“ (Lk 10,16).

Deshalb ist jeder Bischof und jeder Priester kraft der Weihe und Sendung durch Jesus Christus Stellvertreter Jesu Christi. Der Papst aber ist Stellvertreter Christi für die universale Kirche.

Das ist keine Anmaßung, sondern ein Auftrag: der Auftrag, das Wort Gottes auf menschliche Weise hörbar zu machen und die Gnade sichtbar in den Sakramenten zu vermitteln! So sind diese nicht nur schöne Zeichenhandlungen, die uns ästhetisch ansprechen.

Die Sakramente sind von Christus eingesetzt. Sie werden von Menschen gespendet und gefeiert und vermitteln als wirksame Zeichen das Heil, das Gott ein für allemal gewirkt hat und das in unser persönliches und in unser gemeinschaftliches Leben eindringt.

Wir Menschen sind sichtbare, lebendige und sinnenfällige Wesen; deshalb ist das Heil keine schöne platonische Idee und kein Wolkenspiel, sondern geerdet: Wir werden getauft im Wasserbad des Wortes auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

In der Firmung stärkt uns die Kraft des Heiligen Geistes. Wir werden im Sakrament genährt mit dem Fleisch und Blut Jesu Christi, weil in der Feier der Eucharistie das Opfer Christi am Kreuz für uns alle gegenwärtig wird.

Als schwache, sündige, sterbliche Menschen werden wir von Christus auch in unserer Schuld nicht allein gelassen. Durch das Wort des Priesters werden uns unsere Sünden wirklich vergeben.

Christus steht auch am Kranken- und Sterbebett an unserer Seite. Er stärkt uns durch die heilige Salbung, die der Priester vornimmt, so dass wir innere Heilung finden und vorbereitet werden für den Eintritt in das ewige Leben.

Nicht diejenigen, die am lautersten schreien, die sich für besser halten als die anderen und die jetzt das Ruder ergreifen wollen, leiten die Gemeinschaft der Kirche; vielmehr beruft Christus selbst diejenigen aus der Mitte der Kirche, denen er das Hirtenamt übertragen will.

Und schließlich die Ehe, aus der die Familie erwächst. Sie ist umfasst von der Gnade Gottes und daher im katholischen Glauben ein Sakrament.

Wenn wir all das bedenken, erschließt sich uns, weswegen wir den Papst, unseren Heiligen Vater als den universalen Stellvertreter Jesu Christi verehren. Das ist nicht  –  wie manche behaupten  –  ein menschlicher Eingriff in die Rechte Gottes. Nein, als der von Christus gestiftete Fels dient
der Papst der Einheit der Kirche in Christus.

Er bewahrt an oberster Stelle die Lehre der Kirche, die Wahrheit, die uns geoffenbart worden ist, und trägt Sorge dafür, dass alle Menschen auf die gute Weide des Wortes Gottes geführt werden, hinein in das Reich Gottes.
 
An dieser Stelle ist es notwendig, etwas ganz offen und kritisch anzusprechen: Auch in unserem deutschen Katholizismus gibt es Kräfte bis hinein in manche Gremien  –  Gott sei Dank ist das in unserem Bistum nicht der Fall –,  wo man meint, einen antirömischen Affekt pflegen zu können.

Man hält sich für kritisch und reformerisch. In Wirklichkeit aber ist man nur oberflächlich und will sich dem Zeitgeist anpassen.

Es wäre doch so schön  –  so meinen manche  –  katholisch zu sein und gleichzeitig vollkommen eins mit dem Zeitgeist. Dabei wird aber übersehen, wie zerstörerisch die Selbsterlösungslehren des Zeitgeistes sind: die Politideologien und die aus ihnen kommende Reduktion des Menschen auf seinen materiellen oder ökonomischen Nutzen.

Als ob das Wesen des Menschen in seinem wirtschaftlichen Nutzen liegen könnte oder im Selbstgenuss. Nein, dem widersprechen wir deutlich!

In Zukunft darf es in unseren Reihen keinen Platz mehr geben für dieses antirömische Geschwätz und für diese Dummheiten, die bisweilen vertreten werden.

Der Katholikentag, der 2014 in Regensburg stattfindet, wird niemandem ein öffentliches Forum zur Verbreitung von antirömischen und antikatholischen Forderungen bieten.

Katholisch-Sein bedeutet Geeint-Sein mit dem Bischof und den Priestern. Es bedeutet, die Worte Jesu Christi wahr und ernst zu nehmen, dass Christus selber Petrus und seine Nachfolger zum universalen Hirten und Lehrer der Kirche gemacht hat.

Umtriebe gegen die Wahrheit des Glaubens und die Einheit der Kirche werden bei uns nicht geduldet.

Darum haben wir eine effektive  –  eine wirksame  –  und eine affektive Beziehung zu unserem Heiligen Vater, die nicht nur sein Amt, sondern auch seine Person umfasst. Unserem Mitchristen Joseph Ratzinger, der aus unserer Mitte stammt, fühlen wir uns freundschaftlich verbunden.

Wir beten für ihn und sagen Gott Dank für seinen wunderbaren Dienst, den er in der Vollmacht Christi an uns tut. Man denke nur an seine erste Enzyklika „Deus caritas est“, in der Papst Benedikt XVI. uns auf eindrückliche Weise das Zentrum unseres Glaubens erschlossen hat: „Gott ist
die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm“ (1 Joh 4,16).

Das Papsttum mit dem Primat ist konstitutiv für die Kirche, nicht weil Menschen sich das ausgedacht hätten, sondern weil Christus es so gewollt und eingesetzt hat. Durch die wechselnden Träger dieses Amtes erdet er die Kirche und macht sie gegenwärtig im Leben der Menschen.

Im Hinblick auf vor uns liegende Jubiläen und Gedenktage wäre die Anklage gegen den Papst als „Antichrist“ nicht nur als historischer sondern auch als Irrtum in dem von Gott geoffenbarten Glauben zu bekennen.

Denn nicht wie Menschen über den Primat des Papstes denken und urteilen, ist entscheidend, sondern dass Christus, unser Herr Petrus zum universalen Hirten der Kirche eingesetzt hat, dessen Nachfolger im Namen Christi der ganzen Kirche vorstehen und daher zu Recht Stellvertreter Christi heißen und es in Wahrheit auch sind.
 
So wollen wir aus Anlass dieses 85. Geburtstages und des siebten Jahrestages der Übernahme des Pontifikates uns dieser Glaubenswahrheit neu bewusst werden. Wir danken Gott, dass er dieses Amt der Einheit inmitten seiner Kirche gestiftet hat.

Im geistigen Ringen der Moderne werden wir uns dann nicht vom Säkularismus mit seiner innerweltlichen Reduktion des Menschen mitreißen lassen, wenn wir wie Petrus unseren Blick fest auf Christus richten.

Was sagen denn die Leute von Jesus? Die einen dies, die anderen das. Wir aber stimmen ein in das Bekenntnis des Petrus, das auch das Bekenntnis seines Nachfolgers Papst Benedikt XVI. ist: Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes!“ (Mt 16,16).

Die Antwort Jesu auf das Bekenntnis des Petrus war die Gründung der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche, die sichtbar geeint ist in der Person des Nachfolgers Petri und Stellvertreters Christi für die universale Kirche:

„Tu es Petrus, et super hanc petram aedificabo Ecclesiam meam; et portae inferi non praevalebunt adversum eam

Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen, und die Mächte der Unterwelt werden sie nicht überwältigen(Mt 16,18). Amen.

Foto: Presseamt des Bistums Regensburg


IRAN: eine halbe Million Muslime sind Christen geworden – trotz staatlicher Verfolgung

Hunderttausende Muslime sind im Iran zum Christentum übergetreten. Der Religionswechsel kann den Verlust von Familie, Freiheit, Arbeitsplatz und Wohnung bedeuten – und sogar das Leben kosten.

Trotzdem wird die Zahl der Christen mit muslimischen Wurzeln inzwischen auf mehr als 500.000 Menschen geschätzt.

Im Iran entschließen sich Hunderttausende Muslime, Christen zu werden, obwohl sie mit Verfolgung durch die Islamische Republik rechnen müssen. Wie die Londoner Zeitung „The Times“ am 21 Juli 2012 berichtete, wird die Zahl der Christen mit muslimischen Wurzeln inzwischen auf mehr als 500.000 geschätzt; in den nächsten Jahren könne ihre Zahl aus Sicht von Experten wie dem christlichen Hilfswerk Elam um Hunderttausende anwachsen.

Zum Vergleich: Im Jahr 1979 – also zur Zeit der iranischen Revolution  –  seien weniger als 500 ex-muslimische Konvertiten bekannt gewesen.

Offiziell leben unter den 74,2 Millionen Einwohnern Irans 393.000 Christen aus orthodoxen Kirchen ethnischer Minderheiten wie der Armenier oder Syrer. Sie dürfen der Times zufolge Gottesdienste in ihrer Muttersprache abhalten, während der Staat immer stärker gegen christliche Kirchengemeinden vorgehe, die Gottesdienste in der persischen Sprache Farsi anbieten. Sie würden entweder geschlossen oder gezwungen, ihre Versammlungen auf Farsi einzustellen. Viele ihrer Pastoren seien verhaftet worden.

Nach dem islamischen Religionsgesetz Scharia, das im Iran gilt, kann der Übertritt von Muslimen zu einer anderen Religion mit dem Tode bestraft werden. Internationales Aufsehen erregt hat der Fall von Pastor Youcef Nadarkhani. Der 35-jährige frühere Leiter einer Untergrundgemeinde nahm mit 19 Jahren den christlichen Glauben an. Er ist wegen „Abfalls vom Islam“ und „Verbreitung nicht-islamischer Lehren“ zum Tode verurteilt und sitzt seit 2009 im Gefängnis von Rascht ein. Für seine Freilassung setzen sich führende westliche Politiker ein, darunter US-Außenministerin Hillary Clinton und ihr deutscher Kollege Guido Westerwelle.

Gläubige Mutter muß wählen: Christus oder die eigene Tochter

Doch Nadarkhani ist der Times zufolge kein Einzelfall. Insgesamt seien mindestens 14 christliche Gemeindeleiter wegen christlicher Aktivitäten in Haft. Seit Anfang 2011 seien im Iran mehr als 300 Christen festgenommen und verhört worden  –  manche nur für ein paar Stunden, andere für Wochen und Monate.

Viele würden aufgefordert, ihrem Glauben abzusagen. So sei es etwa einer jungen Mutter ergangen, die um das Sorgerecht für ihre zweieinhalb Jahre alte Tochter kämpfen mußte. Ihr muslimischer Ehemann hatte sich von ihr scheiden lassen. Nur wenn sie sich vom christlichen Glauben abwende und zum Islam zurückkehre, könne sie ihre Tochter wiederbekommen, machte ihr ein Familienrichter klar.

Die Frau blieb trotzdem standhaft: „Ich sagte dem Richter, dass ich Jesus niemals verraten werde. Da entschied das Gericht zugunsten meines Mannes und nahm mir meine Tochter weg.“

Das typische Vorgehen der iranischen Behörden gegen Christen mit muslimischen Wurzeln beschreibt Elam-Mitarbeiter Mojtaba Mohamadi: Wenn Menschen im Iran zum Glauben an Jesus Christus kämen, eine christliche Gemeinde besuchten und dies bekannt werde, versuchten die Behörden, sie einzuschüchtern. Sie bestellen sie zum Verhör. Außerdem verlören sie fast immer ihre Arbeitsstelle und ihre Mietwohnung. Auch der Ausbildungs- oder Studienplatz könne ihnen genommen werden.

Die iranischen Behörden fürchten laut Mohamadi eines am meisten: internationale Aufmerksamkeit.

Quelle: evangelische Nachrichtenagentur IDEA: www.idea.de


Kardinal Schönborn wirbt weiter kräftig für Medjugorje

Obwohl der Wiener Erzbischof  bereits vor über zwei Jahren vom Papst dringend ermahnt wurde, sich mit seinen Empfehlungen für den kirchlich nicht anerkannten „Erscheinungsort“ Medjugorje zurückzuhalten, wobei Schönborn sich sogar beim zuständigen Ortsbischof Peric entschuldigen mußte (siehe hier:  http://www.pressinfocom.com/1/Kardinal-Schoenborn-entschuldigt-sich-bei_511283.html ), rührt der Kardinal ungerührt weiter die Werbetrommel für Medju.

Hierfür zwei aktuelle Beispiele:

1.

In der jüngsten Medju-Zeitschrift Oase des Friedens (Nr. 7/2012) findet sich auf S. 9 eine ganzseitige Reklame für ein „Friedensgebet im Wiener Stephansdom“ am 29. September dieses Jahres.

Dagegen wäre nichts einzuwenden, stände diese Feier nicht  –  alle Jahre wieder  –  ganz im Zeichen von Medju. –  Auf der Werbeseite schwebt über dem Stephansdom gleich passend die „Gospa“ von Medjugorje, wie die Erscheinungsmadonna dort gerne genannt wird.

Auch diesmal wird Christoph Kardinal  Schönborn wieder persönlich dabei sein, wenn Medju-Seher Ivan Dragicevic und „zahlreiche Zeugen der Ereignisse von Medjugorje“ (laut Ankündigung) dort ihren großen Auftritt haben.

Dabei ist allein für den „geistlichen Impuls“ des Visionärs eine Stunde eingeplant  –  in Wirklichkeit besteht dieser  sog. „Impuls“ seit Jahren aus einer angeblichen Erscheinung, die Herr Dragicevic direkt an Ort und Stelle „erleben“ wird: immer pünktlich zur rechten Zeit natürlich.

Auch die „Johannesgemeinschaft“ des Malteser-Ritterordens empfiehlt ausdrücklich diese Medju-Feier im Stephansdom.

Eine ähnliche Werbung findet sich in der Webpräsenz dieser Zeitschrift: http://www.oasedesfriedens.at/index.php?option=com_content&view=article&id=216:die-gospa-zeigt-uns-einen-weg-aus-der-rezession&catid=31:allgemein

2.

In derselben Zeitschrift wird auf der gegenüberliegenden Seite ein neuer Bildband von Christoph Hurnaus über Medju angepriesen. Titel: „Medjugorje – Hoffnung für die Welt.“  

Einer der Mitautoren dieses Jubelbandes ist Erzbischof Schönborn.  – Außerdem sind Pater Karl Wallner (Stift Heiligenkreuz) und Buchautor Paul Badde mit von der Partie; überdies natürlich etliche „Seher“ von Medju.


Frankfurt: IGFM-Infostand für Menschenrechte in aller Welt am 26. Juli 2012

Die Internatonale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) freut sich auf Ihren Besuch!

Wo: 60054 Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstr 133 (vor Uni FFM)
Wann: Donnerstag, den 26. Juli 2012
Uhrzeit: 11 bis 14 Uhr
Wetterbedingte Änderungen sind möglich

In der Bockenheimer Landstraße 133 machen am Donnerstag, den 26. Juli 2012, IGFM-Mitglieder und -Unterstützer mit einem Infostand auf die andauernden Menschenrechtsverletzungen in ausgewählten Ländern aufmerksam und zeigen ihre Solidarität mit Opfern eben solcher Gewalt.

Ob Blogger, Journalisten, Frauenrechtler, religiöse Minderheiten – sie alle und noch viel mehr – werden in vielen Ländern diskriminiert, verfolgt und oft sogar hingerichtet.

Dies gilt insbesondere für die „IGFM-Fokusländer“: Iran, Kuba, Vietnam, China oder auch die Türkei.

Wissen ist Macht – Eine aktive Öffentlichkeit ist der größte Feind der Diktatoren.

Deshalb verteilt die IGFM von 11 bis 14 Uhr Flugblätter, Infomaterial und sammelt Unterschriften gegen diese tagtäglichen Menschenrechtsverletzungen.

Wir freuen uns über Ihre Fragen und stehen gerne für Gespräche zur Verfügung.

Wir hoffen auf Ihre aktive Beteiligung – kommen Sie vorbei, informieren Sie sich, helfen Sie mit – unterschreiben Sie die Petitionen und verteilen Sie Faltblätter. Jeder Beitrag hilft!

Wollen Sie gegen die Menschenrechtsverletzungen kämpfen? Wollen Sie sich sinnvoll einsetzen? Kommen Sie zu uns – helfen Sie mit.  .

Wir bitten darun, keine Embleme jedweder Organisationen mitzubringen. Transparente und Plakate mit Texten für die Freilassung von politischen Gefangenen sowie für die Achtung der Menschenrechte können jedoch gerne mitgebracht werden!

Quelle: http://www.igfm.de

 

 

 


Erzbischof Gerhard Ludwig Müller: „Die Offenbarung Gottes ist kein Verkaufsangebot“

Antwort von Bischof Müller auf Bundestagspräsident Lammert: Eine „Protestantisierung“ der katholischen Kirche führt in den Abgrund

Als „Protestantisierung“ wird von den einen beklagt, was andere als längst überfälligen Abbau des angeblichen „Reformstaus“ in der katholischen Kirche fordern. Politikervoten, Theologenmemoranden, Pfarrerinitiativen und Unterschriftensammler kommen im Kielwasser antikatholischer Kampagnen daher und agitieren „aus Sorge um die Kirche“.

In der Krise des Glaubens und religiöser Praxis würde man erwarten, dass nun die Gottesfrage neu gestellt, die Liebe zu unserem Herrn und Heiland Jesus Christus entfacht und das Bewusstsein von der Berufung in seine Kirche gefördert würde.

Aber von einer Neuevangelisierung eines müde gewordenen christlichen Europas, der Weitergabe des Glaubens an die Jugend und einer Vertiefung der sakramentalen und personalen Frömmigkeit ist wenig zu hören.

Stattdessen richten sich die „Kirchenträume“ auf Zustände und Vorgänge, die man bei anderen christlichen Gemeinschaften als Errungenschaften sieht, die als Ausweis gelten für den „Protestantismus“ als die modernere Version des Christentums:

Liberalisierung der Sexualmoral, Zugeständnisse in der Bioethik, Zulassung von Frauen zu allen kirchlichen Ämtern unter Maßgabe feministischer Ideologien, die demokratische Abstimmung über die Glaubenswahrheiten, womit der Mensch bestimmt, was Gott eigentlich zu offenbaren gehabt hätte.

Kern und Stern aller Reform-Rhetorik ist der verbissene Kampf gegen den Zölibat der Priester wie zu Reformationszeiten.

Umgekehrt gibt es die Versuchung, sich auf Kosten der Katholiken beim Zeitgeist als das windschnittige Christentum anzubiedern – dem Paradigma der Pluralisierung von Religion entsprechend.

Dass diese Reformprogramme zum Beispiel in der anglikanischen Gemeinschaft in Bezug auf die Einheit und die Erneuerung des religiösen Lebens noch keine nennenswerten Früchte gezeitigt haben, müsste jedem klar machen, dass die Krise des Christentums in der westlichen Welt an der Wurzel und nicht an den Symptomen kuriert werden muss.

Im Übrigen gibt es viele evangelische Christen und Gemeinschaften, die mit der katholischen Sexualmoral übereinstimmen, ganz einfach deswegen, weil diese der gemeinsamen biblischen Botschaft der Liebe zu Gott und dem Nächsten entspringt und somit die lebenstauglichste Ethik darstellt.

Spätestens wenn ein theologisierender Politiker im Brustton selbstverliebter Ignoranz als „protestantisch veranlagter Katholik“ sich während einer Predigt selbst uraufführt, bedarf es der Nachfrage, was denn unter „Protestantismus“ zu verstehen ist, der den Katholizismus endlich aus dem Mittelalter herausführen und mit der Moderne versöhnen soll.

Bekanntlich haben die Wittenberger Reformatoren sich nicht selbst als Protestanten bezeichnet (Reichstag von Speyer, 1529). Der Protestantismus wurde die Sammelbezeichnung für die reformatorischen Ideen und der konfessionellen Gemeinschaften, die sich aus der katholischen Kirche, der sie entstammen, heraus entwickelt haben.

Kennzeichnend sind die Sola-Prinzipien: die Autorität der Offenbarung allein aus der Heiligen Schrift, die Rechtfertigung des Sünders allein durch die Gnade Christi  –  allein im Glauben wirksam.

Erst als im Rationalismus der Aufklärung die Übernatürlichkeit der Offenbarungswahrheit angegriffen wurde, entstand die Frage nach einem hinter den reformatorisch-evangelischen Bekenntnisinhalten bestehenden protestantischen Prinzip, das die wandelnden geschichtlichen Erscheinungsformen eben des  –  aus der Reformation des 16. Jahrhunderts hervorgegangenen  –  Christentums trägt.

Es sei das Prinzip der Subjektivität, des Gewissens, der Freiheit, des Fortschritts, des Pluralismus, der Immanenz, der Autonomie  –  gegenüber dem Katholizismus als Prinzip der Beharrung, der Übernatürlichkeit der Offenbarung, der zwanghaften Einheit, der Bevormundung der Laien durch den Klerus, der Heteronomie, der Unterwerfung unter die Autorität des Lehramtes ungeprüft von aller historischen Kritik und jenseits des Ideologieverdachtes.

Übrigens: Wegen der Gott-Menschlichen Gestalt der Offenbarung stellen theologische und historische Schriftauslegung keinen Gegensatz dar, sondern bedingen einander.

Bei diesem vom Evangelium emanzipierten, auf Moral reduzierten „Protestantismus“ bleibt als einigende Klammer nur der Antikatholizismus übrig, der in Form des kulturellen Überlegenheitsgefühls daherstolziert und Ökumene für Katholiken zu einer Geduldsprobe macht.

Diese Rationalisierung, Moralisierung und Psychologisierung der Offenbarung steht jedoch im Widerspruch zu den Glaubensüberzeugungen des evangelisch-reformatorischen Christentums.

Das an Schrift und Bekenntnis gebundene evangelische Christentum steht nicht mit dem liberalen Protestantismus gegen die katholische Lehre, sondern teilt mit ihr den Glauben an die Tatsächlichkeit der geschichtlichen Selbstoffenbarung Gottes als Wahrheit und Heil, an die Inkarnation, an die Geistsendung, an die Heilsbedeutung der Zugehörigkeit zur Kirche – selbst wenn es ein unterschiedliches Verständnis gibt über ihr Wesen und ihre Sendung –, das ewige Leben, die Rechtfertigung des Sünders aus Gnade im Glauben an den einzigen Erlöser Jesus Christus.

Was uns als Katholiken mit gläubigen und praktizierenden evangelischen Christen verbindet, ist nicht die Säkularisierung dogmatischer und moralischer Wahrheiten, sondern der Auftrag, dem Menschen von heute die Wahrheit und Liebe des drei-einigen Gottes zu schenken, sie nicht um Christus, Gottes- und Mariens Sohn, zu betrügen und das hohe Geheimnis der Kirche als Gemeinschaft der Heiligen auf eine Wohlfahrts- und Wohlfühlorganisation herunterzubrechen.

Die Katholiken sind zutiefst verbunden „zuerst mit den Christen, die Jesus Christus als Gott und Herrn und einzigen Mittler zwischen Gott und den Menschen offen bekennen zur Ehre des einen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“ (Unitatis redintegratio 20).

Bei dem symbolträchtigen Besuch in Luthers Kloster in Erfurt 2011 hat Benedikt XVI. die ökumenische Suche nach der sichtbaren Einheit aller Christen in der einen Kirche Gottes in der Liebesgemeinschaft des Vaters mit dem Sohn nicht innerweltlich-zweckmäßig und zwischenmenschlich begründet. Die Kirche des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes ist übernatürlich. Die Einheit der Jünger entströmt der Liebesgemeinschaft von Vater und Sohn und bezeugt sich der Welt im Heiligen Geist.

Alle klassischen Ökumene-Themen sind umfasst von der Frage des Menschen nach dem gnädigen Gott und der Antwort des in Christus uns gnädigen und verzeihenden Gottes.

Trinitätstheologie und Anthropologie vermittelt durch die Christologie  –  das sind Signale auf dem Weg zur vollen und sichtbaren Einheit, die schon in der Wurzel des Taufsakramentes in Christus grundgelegt ist.

Von daher zeigt sich, dass die Fragen nach Wesen und Zahl der Sakramente, der Sakramentalität des Priesteramtes, nach dem sakramentalen Wesen der Kirche und der Sendung der Bischöfe und des Papstes als Nachfolger der Apostel mit Petrus an der Spitze theologischer und nicht machtpolitischer Natur sind.

Es kann und darf nicht darum gehen, mit politisch-publizistischen Mitteln und dem Druck von Medienkampagnen oder plumper Meinungsmache zweifelhafte Ziele zu erreichen.

Die in der Taufe begründete Teilhabe am Priestertum ist eine Anteilhabe am Heilsdienst Christi in der Welt mit Fürbitte, Zeugnis und Zuwendung zu den Notleidenden und nicht politisch-demokratisch verstandene, erworbene und verteidigte Macht und Rangordnung.

Die hierarchisch-sakramentale Verfassung der Kirche im katholischen und orthodoxen Verständnis ist nicht ein vordemokratisches Machtmonopol von Klerikern, sondern die im Weihesakrament vom Heiligen Geist (vgl. Apg 20, 28) verliehene geistliche Vollmacht, die Kirche Gottes im Namen Christi zu leiten, zu heiligen und zu lehren.

Evangelisches und katholisches Christentum unterscheiden sich nicht dadurch, dass der Protestant sich nur auf sein Gewissen beruft und der Katholik wie ein unmündiges Kind sich dem Spruch des Lehramtes unterwirft. Dieses irreleitende Klischee ist die Mutter des Zwitters „protestantisch veranlagter Katholik“.

Thomas Morus, John Fisher und all die katholischen Märtyrer des antikatholischen Staatsabsolutismus bis in die Christenverfolgungen im 20. und 21. Jahrhundert haben mit Berufung auf ihr persönliches Gewissen dem Lehramt des Papstes die Treue gehalten.

Der Anglikaner John Henry Newman sah sich von seinem Gewissen beansprucht, den katholischen Glauben als den Glauben der Kirchenväter zu erkennen und den Papst als Nachfolger Petri anzuerkennen.

Die Berufung auf das Gewissen und die Freiheit eines Christenmenschen am Anfang der Reformation Luthers bezieht sich auf die Bindung an das Wort Gottes, das ihm in der Autorität der Bibel unmittelbar evident war.

Der katholische Glaube stellt nicht neben die Autorität des Wortes Gottes auch noch die apostolische und kirchliche Tradition und das Lehramt von Papst und Konzil. Entscheidend ist vielmehr, dass das Wort Gottes aufgrund der Inkarnation uns nur im Menschenwort gegeben ist.

Deshalb bedarf der Mensch als Hörer des Wortes auch der gesamtkirchlichen Überlieferung und der Auslegung in menschlichen Bekenntnisworten und Zeichenhandlungen (Kerygma, Dogma, Sakrament und heiliges Recht).

Darum dient das kirchliche Lehramt dem Wort Gottes, bewahrt es treu und legt es verbindlich aus in der Kraft desselben Geistes, der die Jünger in die volle Wahrheit Christi einführt. (vgl. „Dei verbum“ 10).

Evangelisches Christentum und katholische Kirche sind nicht zwei Geschäfte am selben Platz, die populistisch mit Parolen „hier Freiheit“ und „dort Autorität“ um die Christgläubigen werben oder abwerben mit dem preisgünstigeren Angebot.

Die Offenbarung verlangt die vollkommene Hingabe des Verstandes und Willens des Menschen. Sie ist kein Verkaufsangebot.

Der evangelisch-katholische Unterschied besteht in der genauen Verhältnisbestimmung von persönlicher Unmittelbarkeit zu Gott und der menschlichen Vermittlung durch den Gott-Menschen Christus in seiner Kirche als Zeichen und Werkzeug der innigsten Vereinigung der Menschen mit Gott und die Einheit der Menschen in Christus.

Die Kirche verkündet und vermittelt analog zu ihrem Grund in der Menschwerdung Christi mit menschlichen Mitteln die göttliche Gnade und Wahrheit.

Das Kriterium kann also nicht die Angleichung an einen ominösen Zeitgeschmack oder an ein philosophisch-idealistisch gedachtes Prinzip von Neuzeit sein, sondern die Treue zu Christus.

Wer der Wahrheit Christi treu bleibt, der allein gibt dem Menschen von heute Brot zum Leben, statt Steine, um auf andere einzuschlagen.

Eine „Protestantisierung“ oder besser gesagt, eine Selbst-Säkularisierung der katholischen Kirche führt in den Abgrund.

Die Ökumene mit Christen reformatorischer Prägung heißt Christozentrik und Neuevangelisierung.

Ecclesia semper reformanda – die immer notwendige Erneuerung der Kirche in Christus bedeutet für die Katholiken, immer katholischer zu werden.

„Die ökumenische Betätigung der Gläubigen muss ganz und echt katholisch sein, das heißt in Treue zur Wahrheit, die wir von den Aposteln und den Vätern empfangen haben, und in Übereinstimmung mit dem Glauben, den die katholische Kirche immer bekannt hat, zugleich aber auch im Streben nach jener Fülle, die sein Leib nach dem Willen des Herrn im Ablauf der Zeit gewinnen soll.“ (Unitatis redintegratio 24)

Ein einziger gewissenhafter Katholik wie der heilige Thomas Morus, der für den Primat der Wahrheit seinen Kopf verlor, hat für die Erneuerung der Kirche unendlich viel mehr getan als die feige Mehrheit, die mit dem Eid auf einen Machtpolitiker als oberstes Haupt der Kirche von England Christus als König und Haupt verlor, der seine Kirche unzerstörbar auf Petrus gebaut hat.

Quelle: Katholische Zeitung „Tagespost“ vom 7.2.2012