„Kirche in Not“ warnt vor islamischer Radikalisierung in Albanien

Das internationale katholische Hilfswerk „Kirche in Not“ blickt mit Sorge auf die Situation in Albanien. „Dort propagieren junge Imame einen anderen als den ortsüblichen Islam“, beschreibt Peter Rettig  jüngste Entwicklungen in dem südosteuropäischen Land.

„Es handelt sich um Gelehrte, die in der Türkei und Saudi-Arabien ausgebildet wurden und einen ‚reinen‘, strengeren Islam fordern“, erklärt Rettig.

Dieses Verhalten sorge in muslimischen Gemeinschaften für Spannungen, mancherorts aber auch gegenüber christlichen Gemeinden. Was die Projektpartner aus Albanien berichteten, sei „zwar nicht dramatisch, doch die Menge der Vorkommnisse zeigt einen besorgniserregenden Trend“.

Die Konflikte würden von außen hineingetragen, denn eigentlich sei Albanien eine Brücke nach Europa. Nicht zu übersehen sei jedoch seitens der Türkei und Saudi-Arabiens ein starkes Interesse an Albanien. Beide Länder würden unter anderem den Bau von Schulen massiv fördern.

Quelle: Kirche in Not


Charismatik-Star Reinhard Bonnke setzt weiter auf „Zeichen und Wunder“

Unter dem Titel „Das Wunder von Kampala“ berichtet der vor allem in Afrika tätige Starprediger Reinhard Bonnke auf seiner Webseite „Christus für alle Nationen“ (CfaN) über seine „Großevangelisation“ in Kampala (Uganda), die Anfang Juni 2012 stattfand.

Bei Bonnke  – er ist protestantischer Pfingstler deutscher Herkunft  – geht es ständig rund mit „Zeichen und Wundern“,  auch was den Dukatenregen bzw. -segen betrifft: 

„Vor wenigen Tagen erlebten wir ein finanzielles Versorgungswunder, das die Veranstaltung erst möglich machte – und wir können bereits sehen, dass es ein historisches Ereignis werden wird. „

Auch angebliche Krankenheilungen durch Bonnkes „Charisma“ spielen in seinen Jubelberichten stets eine große Rolle; allerdings sind die „Heilungswunder“ nicht nachprüfbar, wie die „Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen“ (EZW) seit Jahren nüchtern feststellt.

Doch in den enthusiastischen Berichten über die „Feuerkonferenzen“ und „Großevangelisationen“ Bonnkes fehlt nie der Hinweis auf Heilungen – so auch diesmal:

„Heute Abend verkündete Evangelist Bonnke kraftvoll das Evangelium und Tausende reagierten darauf. Dann beteten wir für die Kranken und es kam zu herrlichen Heilungswundern.“ 

Es folgt u.a. dieses Beispiel: 

„Ein Mann hatte sich bei einem Motorradunfall eine ernsthafte Rückenverletzung zugezogen und musste ein Korsett für den Rücken tragen. Am Abend kam die Kraft Gottes über ihn, er riss sich das Korsett vom Leib und begann zu tanzen und zu springen!“

Diese Art der „Mission“ ist typisch für die charismatische Szene, mag sie auch bei Bonnke besonders ausgeprägt sein:

Im Mittelpunkt stehen körperliche Heilungsen, „Kraft-Taten“, große Menschenmengen, die entzückt bis hingerissen auf schwarmgeistige Predigten und vermeintliche „Geistausgießungen“ reagieren.

Was nicht in den Jubelberichten zu finden ist, das sind jene Enttäuschten, die mit großen Hoffnungen zu solchen „Heilungskonferenzen“ gefahren sind  – und deren hochgespannte Erwartungen auf wunderbare Genesungen usw. dann bitter enttäuscht werden.

Zudem wird der Glaube mit diesem Drang nach Schauwundern auf eine falsche Grundlage gestellt. Christus sagte zum zweifelnden Apostel Thomas: „Selig, die nicht sehen und doch glauben.“

Paulus ermahnte die zur Schwärmerei neigenden Korinther, daß wir  den Himmel (die Anschauung Gottes) hier auf Erden nicht vorwegnehmen können: „Wir leben im Glauben, nicht im Schauen“ (2 Kor 5,7) –  Daher ist jede Wundersucht das Kennzeichen eines schwachen Glaubens.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

BELEG-Link für den Kampala-Bericht Bonnkes: http://www.bonnke.net/cfan/de/veranstaltungen/afrika-20112012/kampala


Gedenken an München 1972: Witwe erbittet Schweigeminute bei Olympia-Eröffnung

Da das Internationale Olympische Komitee sich weigert, den israelischen Sportlern, die während der Spiele in München 1972 ermordet wurden, eine Schweigeminute einzuräumen, sollten die Zuschauer der morgigen Eröffnungsveranstaltung allein aufstehen, bat die Witwe eines getöteten Sportlers.

„Wenn Ihr glaubt, der elf ermordeten Sportler sollte gedacht werden, steht spontan für eine Minute auf, wenn der IOC-Präsident mit seiner Rede beginnt,“ bat Ilana Romano, Ehefrau von Yossef Romano, einem Gewichtheber, der bei dem linksradikalen Attentat 1972 ermordet wurde.

Die Medien sollten dem Vorbild des NBC-Sportkommentatoren Bob Costas folgen, der versprochen hat, seine eigene Schweigeminute während der Sendung abzuhalten.

„Lasst Eure Mikrofone für eine Minute in Erinnerung an unsere Lieben und zur Verurteilung des Terrors verstummen“, sagte Frau Romano.

Bei einer Unterschriftenaktion mit der Aufforderung an das IOC, eine Schweigeminute während der Eröffnungszeremonie im Gedenken an den 40. Jahrestag des Attentats abzuhalten, wurden 105.000 Unterschriften aus über 100 Ländern gesammelt.

Quelle: Times of Israel, 25.7.2012


Jesuiten-Zeitschrift würdigt Kampfschrift des „schwulen Theologen“ David Berger

Daß die Zeitschrift  „Stimmen der Zeit“ – herausgegeben vom deutschen Jesuitenorden  –  schon seit langem auf der modernistischen Welle segelt, ist wohlbekannt.

Ganz in diesem Sinne bzw. Unsinne plädiert die „reformerische“ Kirchenrechtlerin Sabine Demel in der jüngsten August-Ausgabe des theologischen Blattes  für die Einführung des Frauen-Diakonats.

Neben dem Dauerbrenner der „Frauenfrage“  findet auch Dr. David Bergers Buch „Der heilige Schein“ wohlwollende Aufmerksamkeit seitens der Redaktion.

Diese polemische Streitschrift mit dem Untertitel „Als schwuler Theologe in der kath. Kirche“, die vor über zwei Jahren erschien und unlängst als Taschenbuch-Ausgabe herauskam, wird von Jesuitenpater Franz-Xaver Hiestand rezensiert, wobei er es schafft, Berger mitunter noch links zu überholen.

So heißt es beispielsweise in der Besprechung: „Mit aufschlußreichen Beispielen belegt der Autor sowohl die Neigung von streng konservativen Katholiken, sich als Opfer zu inszenieren, als auch deren wachsendes Aggressionspotential.“

Es scheint sich bei diesem Personenkreis um eine besonders gefährliche „Spezies“ zu  handeln  –  vielleicht sollte die Redaktion vorsorglich den Verfassungsschutz gegen „streng konservative Katholiken“ einschalten?

Berger wirft seinen früheren Mitstreitern genau das vor, was er in seinem Buch selber vorführt: ein enormes „Aggressionspotential“ nämlich, wie schon die oftmals beißende Ausdrucksweise belegt  –  und sein geradezu wehleidig anmutender Versuch, sich als Opfer konservativer Kirchenvertreter und Theologen aufzuspielen.

In Wirklichkeit hatte er über Jahrzehnte hinweg ein unaufrichtiges Spiel getrieben und seine Umwelt getäuscht: Freunde, Bekannte, Mitstreiter und Leser.

Doch die naheliegende Frage, ob  der „schwule Theologe“, wie er sich selber nennt, vielleicht genau das seinen Kritikern unterstellt, was er selber praktiziert,  ob er also per „Projektion“ seinen eigenen „Schatten“ in andere Personen hineindichtet, stellt der Rezensent gleich gar nicht.

Stattdessen übernimmt Pater Hiestand SJ unkritisch Bergers Projektions-These gegen konservative Kirchenleute, denen zudem  – ohne jede objektive Beweiskraft  – häufige Homosexualität unterschoben wird.

In der Besprechung heißt es hierzu wörtlich:

„Berger nennt auch Erklärungsansätze dafür, weswegen es unter konservativ-katholischen und kirchlichen Amtsträgern überhaupt viele homosexuell empfindende Menschen und gleichzeitig eine starke Homophobie gebe: Verdrängte eigene Eigenschaften, besonders solche, die in der eigenen Gruppe normwidrig sind, werden in einer Art Abwehrmechanismus auf andere Menschen projiziert. Indem man dann diese attackiere, glaube man die entsprechenden Probleme bei sich selbst bewältigt.“

Außerdem findet der Autor es „verdienstvoll, daß er (Berger) einer breiteren Öffentlichkeit die Agitationen katholischer Denunzianten aufzeigt“.  

Offenbar wollte der Rezensent diesen  – von Berger ohnehin polemisch servierten –  Gesichtspunkt noch genauer erörtert haben: 

„Doch so erhellend einzelne seiner Anekdoten sind, seine Reflexionen sind es in den meisten Fällen für Informierte nicht. Es fehlt die tiefere analytische Durchdringung der geschilderten Ereignisse und Fakten.“

Anscheinend stellt sich dieser Jesuit nicht die Frage, wie denn aufgrund persönlicher Erlebnisse überhaupt eine „analytische“ Durchdringung möglich sein soll.

Daß sich private Erfahrungen nicht verallgemeinern lassen, geschweige eine tiefe und durchdringende „Analyse“ erlauben, ergibt sich wohl aus dem ABC der einfachsten Logik.

Der Rezensent übt zwar teilweise sachte Kritik an Bergers Kampfschrift (die er freilich eher als „Befreiungsschrift“ ansieht), doch seine Einwände sind von jener Art, daß sie Berger noch links überholen, zB. mit folgender Bemerkung:

„Es fehlt dem Buch auch die Einordnung in aktuelle gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, wie etwa die Erwähnung des Zwiespaltes, daß Homosexualität in den letzten Jahrzehnten bürgerlich, auch rechtlich anerkannt wurde, in der Kirche aber immer noch als objektiv ungeordnet definiert wird.“

Was hat wohl die Tatsache, daß sich die katholische Kirche sich an das biblische Menschenbild und die göttliche Schöpfungsordnung hält und daher dem Zeitgeist widersteht, mit einem „Zwiespalt“ zu tun?

Umgekehrt wird ein Schuh draus: Bei einer Zustimmung zur Homosexualität würde die Kirche in einen „Zwiespalt“ geraten  –  mit der Heiligen Schrift und den Geboten Gottes nämlich.

Abschließend ist von „Irrwegen“ Bergers die Rede, doch gemeint ist damit nicht etwa seine praktizierte Homosexualität bzw. schwule „Partnerschaft“ oder seine antikirchlichen Rundumschläge, sondern vielmehr der anfängliche Weg des „feinsinnigen jungen Mannes“ zur konservativen Theologie, von der er sich dann mit seiner „Befreiungschrift“ gründlich verabschiedet hat:

„Aber es ist exemplarisch für die Irrwege, die ein feinsinniger junger Mann mit einem starken religiösen Sensorium einschlagen kann, wenn er inmitten der aktuellen Unübersichtlichkeit nach echten Fundamenten für sein Denken und Leben sucht.“

Mit dieser Rezension hat die Redaktion von „Stimmen zur Zeit“ einmal mehr gezeigt, wes Geistes bzw Ungeistes Kind sie ist.

Unsere eigene Besprechung des Berger-Buches finden Sie hier: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/14/buch-kritik-der-heilige-schein/

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

 


EU lehnt Einstufung der radikal-islamischen Hisballah als „Terror-Organisation“ ab

Die Anfrage des israelischen Außenministers Avigdor Lieberman, die Hisballah als Terrororganisation zu deklarieren, wurde von der EU abgelehnt. Die Anfrage an die EU wurde vom Außenminister als Antwort auf das Bombenattentat in Bulgarien gestellt, da die Hisbollah im Auftrag des Irans hinter den Anschlägen stecken soll.

Amerikanische und israelische Geheimdienste sind sich sicher über die Verantwortung der Hisballah, die von Teheran aus gesteuert wird  – und auch Irans Präsident hat das  in einer Rede am letzten Donnerstag angedeutet: „Der zionistische Feind versucht den Iran immer wieder zu schlagen, aber bekommt es jedesmal stärker zurück“, so Ahmadinedschad.

In Israel bestand die Hoffnung, daß die EU dem amerikanischen Vorbild folgen würde und die Hisballah als Terrororganisation einstufen würde.  

Quelle: Webseite Israel heute

 


New Yersey: Aus einer „Madonna“ im Ginkgo-Baum wird eine „Pilgerstätte“

Unter dem Titel „Was macht Maria im Ginkgo-Baum?“ berichtet die Tageszeitung WELT-kompakt jetzt über angebliche Marienerscheinungen an einem Ginkgo-Baum in West New York, in dessen Kerbe gleichzeitig ein Bild der Madonna von Guadelupe in Mexiko erkennbar sein soll.

Vor allem Katholiken lateinamerikanischer Herkunft strömen zu dem „Wunder-Baum“ auf der anderen Seite des Hudson Rivers.

Die WELT berichtet:  

„Die katholische Kirche äußerte sich bereits skeptisch zu den Berichten aus dem mehrheitlich von Latinos bewohnten Stadtteil. Begeisterte Gläubige fordern hingegen einen besonderen Schutz des Ginkgo-Baums. „Wir wollen ein Denkmal bauen“, sagte etwa die 35-jährige Maria Baez. Sie ist eine der ersten Gläubigen, die an dem Ort die Mutter Gottes gesehen haben will. Die Polizei sperrte inzwischen den Bereich ab, um dort vor allem die versammelten Gläubigen und auch den Baum zu schützen.“

Ein Kirchenvertreter erklärte, es handle sich bei dem „Bild“ im Ginkgo-Baum um ein natürlich erklärbares Phänomen. Es bleibt abzuwarten, ob diese Stellungnahme ausreicht oder der Zustrom zur neuen „Pilgerstätte“ anhält.

 

 


Erstaunliche „olympische“ Leistungen vom Feldhasen bis zur Ameise

Wenn man jedoch die sportlichen Leistungen der Olympia-Athleten mit denen mancher Tiere vergleicht, kommt der Mensch nicht so gut weg.

Wie die Deutsche Wildtier-Stiftung mitteilte, erreichen die Hasen auf der Flucht Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 80 km/h und lassen damit jeden olympischen Sprinter weit hinter sich. Die 100 Meter Sprintstrecke würden Feldhasen damit in 4,5 Sekunden schaffen und selbst den Jamaikaner Usai Bolt abhängen. Zudem kann der Feldhase aus dem Stand zwei Meter hoch springen.

Es geht noch schneller: Der Gepard flitzt mit einer unglaublichen Geschwindigkeit von 110 km/h durch die Savanne. Und das rote Riesenkänguru hüpft mit 88 km/h durch Australien.

Im Vergleich zur Roten Wald-Ameise hätten Gewichtheber keine Chance: Die winzigen Arbeiterinnen von bis zu sieben Millimeter Länge stemmen locker das 30- bis 50-fache ihres Körpergewichts. Weil sie bei schweren Gewichten jedoch Haftkissen und Flüssigkeitsfilme an den Füssen einsetzen, würde man sie bei den Olympischen Spielen allerdings disqualifizieren.

Der Fischotter mit seinen Schwimmhäuten zwischen den Zehen und einem perfekten Schwimmstil kommt auf Geschwindigkeiten von bis zu 14 km/h. Damit würde er die 100 Meter in 25 Sekunden schwimmen. Eine Spitzenschwimmerin brauchte dafür etwa 52 Sekunden.

Quelle: evangelische Webseite http://www.jesus.ch

Diese Ente, die kürzlich von irgendwoher in unserem Innenhof landete, ist zwar nicht die Schnellste unter den Tieren, doch sie gebar in unserem Rasen zehn Küken auf einmal, die dann in Reih und Glied bzw. im „Gänsemarsch“ hinter ihr herzogen. Die Ente ist stets besorgt, daß von all den Kleinen bloß keines fehlt.

Foto: Hildegard Bosch


Sind wir auch heute wie Schafe, die keinen Hirten haben?

Wieviele Christen sind in Wahrheit schon Heiden geworden?

PREDIGT von Pater Lukas Steinebrunner OSB (siehe Foto) aus der Benediktinerabtei Weltenburg am vorigen Sonntag

Liebe Schwestern und Brüder in Christus, unserem HERRN,

in der heutigen 2. Lesung aus dem Brief an die Epheser spricht der heilige Apostel Paulus diese als die Fernen an. Er setzt sie damit in den Gegensatz zu den Nahen, zu denen sich der Apostel selbst rechnet. Aus der Perspektive des Judentums, aus der Paulus an die Gemeinde von Ephesus schreibt, waren die Heiden  –  also die Nichtjuden –  in der Ferne.

Seit Christus hat diese Differenzierung keine Berechtigung mehr. Christus hat für alle seine Blut vergossen. Durch sein Kreuz versöhnt er alle mit Gott in einem einzigen Leib. ER ist der Friede und versammelt sie alle wie die Schafe einer Herde. Christus vereinigt beide  – Juden und Heiden – in seiner Kirche, all jene, die sich zu ihm durch Glauben und Taufe bekennen.

Als die Kirche vor knapp 2000 Jahren entstand, sich aus den Menschen zusammenfügte, ruhte sie auf der geistigen Entscheidung des Einzelnen zum Glauben, auf dem Akt der Bekehrung.

Sicher hoffte man anfangs darauf, dass sich diese Gemeinschaft von Heiligen schon hier auf Erden als eine Kirche ohne Fehl und Makel auferbauen lasse. Doch musste man sich in schweren Kämpfen zur Erkenntnis durchringen, dass immer auch der Bekehrte, der Christ, anfällig für die Sünde blieb und bleibt, dass die Sünde, dass schwere Vergehen auch in dieser von Gott gestifteten christlichen Gemeinschaft möglich war und ist.

Der Christ ist auf Erden noch kein Vollendeter, weder moralisch noch spirituell. Und diesem Sinne bleibt auch das irdisch Sichtbare und Wahrnehmbare der Kirche unfertig bis zur Vollendung in Gott.

Es gab in den ersten Jahrhunderten allerdings eine bedeutende Grundgemeinsamkeit: Kirche war eine Gemeinschaft von Überzeugten. Eine Gemeinschaft von Menschen, die bestimmte geistige Entscheidungen auf sich genommen hatten. Und genau dadurch hoben sich die Christen von denen ab, die sich dieser Entscheidungen verweigerten.

Schon im Mittelalter änderte sich das aber massiv. Kirche und Welt wurden nahezu identisch. Christsein beruhte im Grunde nicht mehr auf der Entscheidung und Überzeugung des Einzelnen, sondern war politisch und kulturell vorgegeben.

Liebe Schwestern und Brüder,
die äußere Deckung von Kirche und Welt ist besonders in unseren Breiten geblieben. Die Überzeugung jedoch, dass uns in der Kirche Heilswirklichkeit geschenkt ist, in der Kirche, in der uns Christus durch seinen Heiligen Geist vereint und uns den Zugang zum Vater eröffnet hat, ja dass Kirche ein Ort göttlicher Huld ist, diese Überzeugung ist gefallen.

Wir denken noch zu sehr in den Kategorien der Volkskirche. Christentum und Kirchenmitgliedschaft erscheinen uns noch als nahezu selbstverständlich. Die Zahl der Taufscheine und die Höhe der Kirchensteuereinnahmen jedoch können keine Kriterien zu Beurteilung von Glaubensstärke und christlicher Prägung einer Gesellschaft sein.

Setzen wir hingegen als Kriterien die persönliche Glaubensentscheidung und Überzeugung an, ist das Erscheinungsbild der Kirche heute ein gegenteiliges.

Nicht wie sich einst die Kirche aus Juden und Heiden formte, die zu Christen geworden sind, sondern eine Kirche, in der sich zwar noch alle Christen nennen, von denen aber schon viele in Wahrheit zu Heiden geworden sind, weit weg, fern vom Glauben, fern von Gott. Weniger aus Abneigung oder bewusster Distanzierung, vielmehr aus Gleichgültigkeit und Unkenntnis.

Andere können sich zwar noch bedingt mit ihrer Kirche identfizieren, nehmen auch noch -wenn auch nur sporadischam kirchlichen Leben teil, doch Glaubensbekenntnis, religiöse Bildung und persönliche Überzeugung sind zumeist nur wenig ausgebildet.

Liebe Schwestern und Brüder,
im Strom medialer Meinungsmache werden wir hin und her getrieben. Der Mainstream bestimmt die Richtung, egal wohin er läuft, Hauptsache trendi. Wir sind wie die Menschen geworden, von denen Markus im Evangelium berichtet: denn sie waren wie Schafe. die keinen Hirten haben.

Das aber ist dann die Stunde selbst ermächtigter Leithammel, leider darunter zu oft Theologen, leider zu oft auch Priester. Ein kleiner schreiender Ideologenzirkel, der es aber immer wieder schafft mit entsprechender Medienpäsenz die Gläubigen vor der Karren ihrer Ideologien zu spannen. Sie aber spalten die Herde, zerstreuen und versprengen die Schafe. Und die Schafen werden ihnen wie belämmert hinterhertrotten.

Mit Hilfe von Presse, Funk und Fernsehen hämmern gewisse Grüppen immer wieder auf den gleichen kirchlichen Themen herum, schon seit Jahrzehnten. Und es zeigt sich mittlerweile deutlich: Wer viel hämmert, ist irgendwann behämmert.

Der größte Irrtum unsere Zeit ist wohl, dass man meint, die Wahrheit und das Gute definieren sich über die Mehrheitsmeinung. Erst vor Kurzem habe ich einen Lesenbrief gelesen. Rhetorisch war er in seiner Sprachgestalt vielleicht nicht schlecht, vom Inhalt her jedoch schwer krank. Gegebenheiten und Zusammenhänge, die auf göttlicher Offenbarung beruhen und als solche in der Kirche durch die Zeit hindurch tradiert worden sind, können nicht  –  wie der Autor des Leserbriefes zwar schreibt  –  als ein nur von Menschen gemachtes Rechtssystem verstanden werden.

Das ist falsch: Was auf göttlicher Offenbarung beruht, ist göttliches Recht, und damit der Veränderbarkeit durch den Menschen entzogen. Was schon immer als Unrecht und Sünde von Gott her definiert ist, wir Unrecht und Sünde bleiben, wenn es heute auch die Zustimmung der Mehrheit fände.

Nehmen wir zur Erklärung ein Beispiel: Mit Recht brandmarken wir die Aktionen des Nazi-Regims gegen das von ihnen so bezeichnete „lebensunwerte Leben“. Wir benennen es schon richtig, wenn wir von Mord sprechen. Und es bleibt Mord, ob es damals im Namen eines tyrannischen Diktators geschah oder heute mit breiter Zustimmung des Volkes oft mit der fadenscheinigen Begründung, Leid ersparen zu wollen. Wir können nicht über den Lebenswert eines anderen Menschen entscheiden.

Wir haben nicht das Recht auszusortieren, zu selektieren. Und wenn auch eine eventuelle Behinderung oder Krankheit schon vorgeburtlich diagonstiziert würde. Es ist ein Mensch, dessen Würde und Recht auf Leben unantastbar sind.

„Es ist beschämend“, stellte der Erzbischof von Freiburg und Vorsitzender der deutschen Bischofkonferenz Robert Zollitsch vor einigen Tagen in einer Predigt fest, „es ist beschämend, dass jährlich in Deutschland weit über 100.000 Kinder abgetrieben werden und nicht leben dürfen“.  – Und es bleibt, was es ist: Mord. Ob mit Beratungsschein oder ohne.

Die Menschen irren umher, wie Schafe die keinen Hirten haben. Alles scheint möglich. Alles scheint erlaubt. Man müsse die Entscheidung mit seinem Gewissen vereinbaren können. Doch ein Gewissen muss auch ausgebildet sein, muss sich an Werten orientieren können, muss unterscheiden können zwischen gut und böse.

Und das Gewissen kann auch irren, kann blind, geblendet und verbildet sein. Jesus hatte Mitleid mit den hirtenlos umherirrenden Schafen. Und was hat er gemacht? Markus berichtet: Und er lehrte sie lange, ER selbst sagt von sich: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben.

Liebe Schwestern und Brüder,
wir haben Hirten, die Sorge tragen für den rechten katholischen und apostolischen Glauben, den Papst, die Bischöfe, in der Verantwortung vor Gott für die Kirche Jesu Christi. Christus selbst hat ihnen in der Nachfolge der Apostel den Hirtendienst anvertraut, die die Herde leiten und die Schafe auf die grüne Weide des Glaubens und zum Ruheplatz des ewigen Lebens führen wollen. Jesus lehrte diese Menschen. Das ist der Auftrag der Hirten auch heute.

Zu den Aposteln sagte der HERR: „Wer Euch hört, hört mich“  – „Geht zu allen Völker und lehrt sie alles zu befolgen, was ich euch geboten habe.“ –  Sind wir noch bildungsfähig? Wollen wir überhaupt belehrt werden?

Der große Theologe Romano Guardini hat einst formuliert: „Die Kirche ist das Gewissen in einer säkularisierten Welt.“  – Kirche muss deshalb quer zur Gesellschaft stehen, muss gegen den Mainstream schwimmen, darf sich nicht dem Weltgeist anschmiegen. Das war sie auch in den ersten Jahrhunderten. Eckig, kantig, mit Profil, Stein zum Anstoß, nicht gesellschaftskonform, sondern evangeliumskonform, Salz der Erde und Licht der Welt, so dass Kirche wieder einen Geschmack bekommt.
 
Es kommt auf das Mitglauben und Mittun jedes einzelnen an. Persönliche Glaubensentscheidung und Überzeugung, die sich im Leben bewährt: Nicht tun, was man halt so tut, nicht denken, wie mal halt so denkt. Gefordert ist die bewusste Entscheidung für ein Leben aus dem Glauben. Aus diesem Glauben heraus die verschieden Lebensbereiche zu gestalten, wie das Zusammenleben mit den Mitmenschen, Ehe und Geschlechtlichkeit, Beruf und Arbeit, Eigentum und Wahrheit.

Leicht ist das nicht, viel Gegenwind, bisweilen Sturm, man wird angegriffen und verletzt werden.

Hatte aber nicht die Kirche ihre wirklichen Blütenzeiten und Höhepunkte gerade da, wo Menschen bereit waren für den Glauben, für ihre Überzeugung Unanehmlichkeiten auf sich zu nehmen, teils Kerker, Folter, Tod;  wo Menschen bereit waren, Zeugnis abzugelegen, Zeugnis für die Wahrheit, Zeugnis für Jesus Christus?

Und genau dort, in den Stunden tiefster Ohnmacht und Leiden waren sie dem HERRN am nächsten.

Liebe Schwestern und Brüder heute. Die Menschen irren wie hirtenlose Schafe durch den Wald der vielen Meinungen. Wir brauchen wieder klare christliche und katholische Postionen in Kirche und Welt, entschiedener Glaube und persönliche Überzeugung. Dann kann Kirche wieder werden, wie sie von ihren Ursprüngen her gedacht ist: Gott nah.

Fotos: P. Lukas Steinebrunner OSB, Dr. Bernd F. Pelz