Jesuiten-Zeitschrift würdigt Kampfschrift des „schwulen Theologen“ David Berger

Daß die Zeitschrift  „Stimmen der Zeit“ – herausgegeben vom deutschen Jesuitenorden  –  schon seit langem auf der modernistischen Welle segelt, ist wohlbekannt.

Ganz in diesem Sinne bzw. Unsinne plädiert die „reformerische“ Kirchenrechtlerin Sabine Demel in der jüngsten August-Ausgabe des theologischen Blattes  für die Einführung des Frauen-Diakonats.

Neben dem Dauerbrenner der „Frauenfrage“  findet auch Dr. David Bergers Buch „Der heilige Schein“ wohlwollende Aufmerksamkeit seitens der Redaktion.

Diese polemische Streitschrift mit dem Untertitel „Als schwuler Theologe in der kath. Kirche“, die vor über zwei Jahren erschien und unlängst als Taschenbuch-Ausgabe herauskam, wird von Jesuitenpater Franz-Xaver Hiestand rezensiert, wobei er es schafft, Berger mitunter noch links zu überholen.

So heißt es beispielsweise in der Besprechung: „Mit aufschlußreichen Beispielen belegt der Autor sowohl die Neigung von streng konservativen Katholiken, sich als Opfer zu inszenieren, als auch deren wachsendes Aggressionspotential.“

Es scheint sich bei diesem Personenkreis um eine besonders gefährliche „Spezies“ zu  handeln  –  vielleicht sollte die Redaktion vorsorglich den Verfassungsschutz gegen „streng konservative Katholiken“ einschalten?

Berger wirft seinen früheren Mitstreitern genau das vor, was er in seinem Buch selber vorführt: ein enormes „Aggressionspotential“ nämlich, wie schon die oftmals beißende Ausdrucksweise belegt  –  und sein geradezu wehleidig anmutender Versuch, sich als Opfer konservativer Kirchenvertreter und Theologen aufzuspielen.

In Wirklichkeit hatte er über Jahrzehnte hinweg ein unaufrichtiges Spiel getrieben und seine Umwelt getäuscht: Freunde, Bekannte, Mitstreiter und Leser.

Doch die naheliegende Frage, ob  der „schwule Theologe“, wie er sich selber nennt, vielleicht genau das seinen Kritikern unterstellt, was er selber praktiziert,  ob er also per „Projektion“ seinen eigenen „Schatten“ in andere Personen hineindichtet, stellt der Rezensent gleich gar nicht.

Stattdessen übernimmt Pater Hiestand SJ unkritisch Bergers Projektions-These gegen konservative Kirchenleute, denen zudem  – ohne jede objektive Beweiskraft  – häufige Homosexualität unterschoben wird.

In der Besprechung heißt es hierzu wörtlich:

„Berger nennt auch Erklärungsansätze dafür, weswegen es unter konservativ-katholischen und kirchlichen Amtsträgern überhaupt viele homosexuell empfindende Menschen und gleichzeitig eine starke Homophobie gebe: Verdrängte eigene Eigenschaften, besonders solche, die in der eigenen Gruppe normwidrig sind, werden in einer Art Abwehrmechanismus auf andere Menschen projiziert. Indem man dann diese attackiere, glaube man die entsprechenden Probleme bei sich selbst bewältigt.“

Außerdem findet der Autor es „verdienstvoll, daß er (Berger) einer breiteren Öffentlichkeit die Agitationen katholischer Denunzianten aufzeigt“.  

Offenbar wollte der Rezensent diesen  – von Berger ohnehin polemisch servierten –  Gesichtspunkt noch genauer erörtert haben: 

„Doch so erhellend einzelne seiner Anekdoten sind, seine Reflexionen sind es in den meisten Fällen für Informierte nicht. Es fehlt die tiefere analytische Durchdringung der geschilderten Ereignisse und Fakten.“

Anscheinend stellt sich dieser Jesuit nicht die Frage, wie denn aufgrund persönlicher Erlebnisse überhaupt eine „analytische“ Durchdringung möglich sein soll.

Daß sich private Erfahrungen nicht verallgemeinern lassen, geschweige eine tiefe und durchdringende „Analyse“ erlauben, ergibt sich wohl aus dem ABC der einfachsten Logik.

Der Rezensent übt zwar teilweise sachte Kritik an Bergers Kampfschrift (die er freilich eher als „Befreiungsschrift“ ansieht), doch seine Einwände sind von jener Art, daß sie Berger noch links überholen, zB. mit folgender Bemerkung:

„Es fehlt dem Buch auch die Einordnung in aktuelle gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, wie etwa die Erwähnung des Zwiespaltes, daß Homosexualität in den letzten Jahrzehnten bürgerlich, auch rechtlich anerkannt wurde, in der Kirche aber immer noch als objektiv ungeordnet definiert wird.“

Was hat wohl die Tatsache, daß sich die katholische Kirche sich an das biblische Menschenbild und die göttliche Schöpfungsordnung hält und daher dem Zeitgeist widersteht, mit einem „Zwiespalt“ zu tun?

Umgekehrt wird ein Schuh draus: Bei einer Zustimmung zur Homosexualität würde die Kirche in einen „Zwiespalt“ geraten  –  mit der Heiligen Schrift und den Geboten Gottes nämlich.

Abschließend ist von „Irrwegen“ Bergers die Rede, doch gemeint ist damit nicht etwa seine praktizierte Homosexualität bzw. schwule „Partnerschaft“ oder seine antikirchlichen Rundumschläge, sondern vielmehr der anfängliche Weg des „feinsinnigen jungen Mannes“ zur konservativen Theologie, von der er sich dann mit seiner „Befreiungschrift“ gründlich verabschiedet hat:

„Aber es ist exemplarisch für die Irrwege, die ein feinsinniger junger Mann mit einem starken religiösen Sensorium einschlagen kann, wenn er inmitten der aktuellen Unübersichtlichkeit nach echten Fundamenten für sein Denken und Leben sucht.“

Mit dieser Rezension hat die Redaktion von „Stimmen zur Zeit“ einmal mehr gezeigt, wes Geistes bzw Ungeistes Kind sie ist.

Unsere eigene Besprechung des Berger-Buches finden Sie hier: https://charismatismus.wordpress.com/2011/06/14/buch-kritik-der-heilige-schein/

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

 


One Comment on “Jesuiten-Zeitschrift würdigt Kampfschrift des „schwulen Theologen“ David Berger”

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