„Wir sind Kirche“ kritisiert Erzbischof Müller und will ein „Neudenken der Gottesfrage“

Die „reform“-katholische, sog. Kirchenvolksbewegung Wir sind Kirche hat sich in einer Pressemitteilung unter dem merkwürdigen Titel „Neudenken der Gottesfrage oder dogmatische Stagnation?“ zu Wort gemeldet.

Zur Ernennung des Regensburger Bischofs zum Chef der Glaubenskongregation schreiben die Reformbewegten, es werde sich „bald zeigen, ob mit Prof. Dr. Gerhard Ludwig Müller die Fenster des Zweiten Vatikanischen Konzils wieder weiter geöffnet werden, um als Kirche in der Welt zu wirken – oder ob nun auch noch die letzten Fensterläden geschlossen werden, um sich von der Welt abzuschotten.“

Einerseits wird Erzbischof Müller in der Stellungnahme bescheinigt: „Seine bisherigen Veröffentlichungen zeigen eine profunde Kenntnis der Dogmatik.“ 

Zugleich wird sein Dogmatik-Standardwerk als „traditionell“ bezeichnet: „Vor allem seine statische und traditionell ausgerichtete „Katholische Dogmatik“ aus dem Jahr 1995 mag für die Personalentscheidung des Papstes ausschlaggebend gewesen sein.“

Vor allem fragt sich die selbsternannte „Wir sind Kirche“-Gruppierung: 

„Ob er das erforderliche geistige und geistliche Format besitzt für ein Neudenken der Gottesfrage, um den großen theologischen Herausforderungen der Gegenwart und des modernen Atheismus kreativ und innovativ zu begegnen.“

Wie stellen sich diese Damen und Herren wohl ein „Neudenken der Gottesfrage“ vor? – Dieser reichlich aus dem Rahmen fallende Wunsch wird mit keiner Silbe erläutert.

Zudem wird kritisiert, daß der neue Präfekt der Glaubenskongregation in puncto Ökumene „für eine Polarisierung und nicht für eine Versöhnung“ eintrete.

Dabei ist er in Wirklichkeit ein Bonhoeffer-Experte und kennt sich gut aus in protestantischer Theologie, was noch lange nicht heißt, daß er sie als katholischer Würdenträger unkritisch absegnet. Ein oberflächlicher Ökumenismus auf dem untersten Nenner, der die bestehenden Unterschiede nicht ernst nimmt, führt zu keiner aufrichtigen Ökumene des Glaubens.

Hinsichtlich reformerischer „Priester-Initiativen“ sei zu „befürchten“, so heißt es in der Pressemeldung, daß Erzbischof Müller diese als „unchristlich“ bekämpfen und unterbinden werde.

Da derartige Gruppierungen nicht nur den Zölibat ablehnen, sondern meist sogar das Frauenpriestertum fordern und die Unauflöslichkeit der Ehe untergraben, bleibt dem Vatikan ohnehin keine andere Wahl, als derartigen Unfug strikt zurückzuweisen.

Sodann wird Erzbischof Müller unterstellt, er habe mit der der „Ausgrenzung von gewählten Laien aus diözesanen Gremien sowie der strengen Disziplinierung kritischer Priester sehr schnell ein Klima der Unterwürfigkeit und Angst in seinem Bistum erzeugt“  –  und im ähnlichen Lamento geht das Klagelied noch weiter.

Die fast schon hysterische Horrorstory, in Regensburg gäbe es ein „Klima der Unterwürfigkeit und Angst“, darf getrost ins Reich der Märchen verwiesen werden.

Der Bischof hat stets den Kontakt zu seinem Kirchenvolk gesucht, das freilich nicht nur aus „Berufs-Laien“, Gremien-Funktionären, Räte-Freaks und Möchtegern-Priestern besteht, sondern auch noch aus bodenständigen und glaubenstreuen Gläubigen, die sich ohne ständige Wichtigtuerei idealistisch in Kirche und Pfarrgemeinde einsetzen.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


Der hl. Papst Pius X., Olympia und der Sport

Sport trainiert Fairneß und Respekt für den Gegner

Man schrieb das Jahr 1908. Vor dem Hintergrund einer ernsthaften Wirtschaftskrise verzichtete Rom darauf, die Gastgeberstadt der Olympischen Spiele zu werden, die deshalb in London ausgetragen wurden.

Im selben Jahr wandte sich Pierre de Coubertin, Gründer der Olympischen Spiele der Neuzeit, auf der Suche nach Unterstützung an den Vatikan. Der später heiliggesprochene Papst Pius X. (siehe Abbildung) bot ihm Hilfe an.

English: Picture of pope Pius X., withouth ins...

 Foto Wikipedia

Mehr als 100 Jahre später finden die Olympischen Spiele nun zum dritten Mal in der britischen Hauptstadt statt. 

Jene Episode von Anfang des 20. Jahrhunderts wird nun in einem Buch mit dem Titel „Pio X: Le Olimpiadi e lo Sport“ von Antonella Stelitano beschrieben.

Damals praktizierte nur etwa 1% der Bevölkerung irgendeine Sportart. „Sport war entweder eine Art militärisches Training oder ein Zeitvertreib für die oberen Gesellschaftsklassen“, erklärte die Autorin in einem Interview für Radio Vatikan.

Aber „Pius X. war sich des erzieherischen Potentials von Sport bewusst“. Er sah im Sport einen Weg, um „junge Menschen zusammenzuführen und ihnen beizubringen, sich an faire Regeln zu halten und ihre Gegner zu achten.“

Ein Beispiel dafür findet sich in einer Ansprache von Pius X. an die Jugend (8. Oktober 1905):

„Ich bewundere und segne von ganzem Herzen alle Spiele und Freizeittätigkeiten, Gymnastik, Radfahren, Bergsteigen, Rudern […] und alle Wettspiele, denen ihr euch widmet. Die Bewegung des Körpers beeinflusst aufs Beste die Beweglichkeit des Geistes. Da diese Tätigkeiten Mühe kosten, besiegt ihr durch sie die Trägheit, welche die Mutter aller Laster ist. Diese freundschaftlichen Wettstreite werden für euch ein Vorbild zur Ausübung der Tugenden sein.“

Damals sahen viele Menschen die Bedeutung des Sports nicht ein, erklärte Stelitano.

Dann turne ich eben selber in aller Öffentlichkeit…

Der hl. Pius X. soll einst zu einem seiner Kardinäle gesagt haben: „Also gut, wenn die Menschen nicht verstehen, dass man es tun kann, dann werde ich eben in aller Öffentlichkeit Turnübungen ausführen, damit sie sehen: wenn der Papst es kann, kann es jeder.“

 Quelle: http://www.zenit.org / Übersetzung: Alexander Wagensommer


Irland: 20.000 Gläubige pilgerten zum Berg des hl. Patrick



Tausende von Menschen von der ganzen Grünen Insel haben am Wochenende den Gipfel des „Croagh Patrick“ erklettert. Diese jährliche Wallfahrt gibt es schon seit 1500 Jahren ohne Unterbrechung.

Anführer der 20.000 Pilger, die es diesmal auf Irlands „Heiligen Berg“ schafften, war Erzbischof Michael Nery von Tuam; er feierte eine der hl. Messen, die es von 8 Uhr früh bis 2 Uhr nachmittags im Halbstunden-Rhythmus auf dem Gipfel gab. 

Auf diesem 760 Meter hohen Gipfel führte der heilige Patrick  – Irlands Nationalpatrion  – bereits im Jahre 441 das Wallfahren ein. Sein Vorbild dabei: Moses auf dem Sinai und Jesus am Ölberg. Wie Jesus in der Wüste fastete Patrick zunächst vierzig Tage – damals in völliger Einsamkeit. 

Wohl die meiste Zeit ist die Spitze des Pilger-Bergs hinter Nebel versteckt. Vielleicht geschah es hier oben, daß der heilige Patrick vor anderthalb Jahrtausenden das berühmte „keltische Kreuz“ erfand. Er hielt ein Kruzifix vor die Sonnenscheibe und sagte: Von hier kommt die Erlösung  –  nicht vom heidnischen Sonnengott, sondern vom Gottessohn.“

Patrick baute auf dem Berg auch eine Kapelle, deren Mauern heute noch zu sehen sind, unweit einer neuzeitlichen Kapelle, die Anfang des 20. Jahrhunderts errichtet wurde.

Quelle von Text und Foto: Radio Vatikan

 


Ukraine: Julia Timoschenko wird Spitzenkandidatin der Opposition

Für die Parlamentswahl am 28. Oktober stellt die ukrainische Opposition Julia Timoschenko als Spitzenkandidatin auf.

Dazu erklärt Menschenrechts-Beauftragte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Erika Steinbach:

Die Aufstellung Julia Timoschenkos als Spitzenkandidatin der ukrainischen Opposition für die Parlamentswahlen im Oktober ist mehr als ein Zeichen der Solidarität mit der inhaftierten Oppositionsführerin. Die Opposition demonstriert Einigkeit.

Der Wille, an die Ziele der „Orangenen Revolution“ anzuknüpfen, die der Demokratisierung der Ukraine, dem Kampf gegen Korruption und der Annäherung an die Europäische Union galten, manifestiert sich damit sehr stark.

Wir begrüßen die Nominierung der vormaligen Ministerpräsidentin Julia Timoschenko, die seit nunmehr einem Jahr, wie auch andere ehem. Regierungsmitglieder, inhaftiert ist.

Das strafrechtliche Vorgehen gegen sie und andere Oppositionspolitiker des Landes erfolgte ohne Einhaltung internationaler Standards für ein faires, transparentes und unabhängiges Gerichtsverfahren.

Das ist mit unseren europäischen Werten unvereinbar.

Auch wenn eine Kandidatur aus dem Gefängnis heraus für Julia Timoschenko nicht möglich sein wird, hat sich die gesamte Opposition mit der Wahl ihrer Spitzenkandidatin sehr klar gegen die bestehende Regierung unter Wiktor Janukowitsch und ihre rückschrittliche, Menschenrechte missachtende Politik ausgesprochen.“
CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag
Platz der Republik 1   –   11011 Berlin
fraktion@cducsu.de
http://www.cducsu.de


CDL Berlin fordert Bestandsschutz für Babyklappen und vertrauliche Geburten

Pressemeldung der CDL Berlin vom 30.7.2012:

Der Berliner Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) erhält im Streit um den Erhalt der Babyklappen mit Familienministerin Kristina Schröder (CDU) Rückendeckung vom Landesverband der Christdemokraten für das Leben in Berlin.

Czaja hatte zuvor Schröders Vorhaben, keine weiteren Babyklappen und anonymen Geburten mehr zulassen zu wollen, als „wirklichkeitsfremd“ kritisiert.

Der Landesvorsitzende der CDL Berlin, Stefan Friedrich (35 J.), zugleich CDU-Bürgerdeputierter der Bezirksverordnetenversammlung Pankow, nimmt dazu wie folgt Stellung:

Gesundheitssenator Mario Czajas Einsatz für ungewollt Schwangere verdient großen Respekt und unsere volle Unterstützung. Babyklappen und anonyme Geburten sind eine ultima ratio, um menschliches Leben zu schützen und den leiblichen Müttern in ihrem schweren Gewissenskonflikt beizustehen.

Kristina Schröders Argumentation, das angebliche „Recht auf Herkunft“ rechtfertige ein Verbot vertraulicher Geburten und der Babyklappen, zeugt von einer traurigen Realitätsblindheit und sozialer Kälte.

Gerade als christliche Volkspartei müssen wir alles tun, menschliches Leben in allen Phasen zu schützen. Dies gilt insbesondere für das ungeborene Leben und ungewollt Schwangere in sozial schwierigen Situationen. Aus voller Überzeugung danken wir von der CDL daher  Gesundheitssenator Mario Czaja für seinen Einsatz zugunsten in Not geratener Mütter und ihrer Kinder.

Die Christdemokraten für das Leben (CDL) sind eine selbständige Initiative in der CDU/CSU mit über 5.000 Mitgliedern, darunter rund 30 Bundestagsabgeordnete sowie zahlreiche Landes- und Kommunalpolitiker in Berlin.

Kontakt-Daten:
CDL Berlin, Stefan Friedrich
Fehrbelliner Straße 18
10119 Berlin
0173 – 30 02 978
www.cdl-berlin.de

Der Jesuit und Publizist Lothar Groppe wird heute 85 Jahre alt

Der bekannte und in glaubenstreuen Kreisen hochgeschätzte Pater Lothar Groppe SJ begeht heute seinen 85. Geburtstag und gedenkt morgen des Tages seiner Priesterweihe.

Der Ordensmann erblickte am 30. Juli 1927 im westfälischen Münster das Licht der Welt. 

Der Jesuit war lange als Militärpfarrer und Krankenhausgeistlicher tätig;  heute wirkt er im Timmendorfer Strand  – hoch in Deutschlands Norden  –   als Seelsorger u.a. in einem kirchlichen Mutter-Kind-Heim. 

P. Lothar Groppe (siehe aktuelles Foto) ist der jüngste Sohn des sog. „Schwarzen Generals“, der sich  in schwerer Zeit als Judenretter und Widerstandskämpfer bewährte.

Theodor Groppe war Generalleutnant und Divisionskommandeur am Westwall; als solcher verhinderte  er durch seinen Schießbefehl gegen Judenverfolger eine von der NSDAP befohlene „Volkskundgebung gegen die Juden“.   Der mutige Katholik wurde  im August 1944 von der Gestapo verhaftet. Durch Flucht aus der Festung Küstrin entging er seiner Hinrichtung und konnte die Kriegszeit überleben.

Näheres über den Schwarzen General lesen Sie hier: http://www.swg-hamburg.de/Archiv/Beitrage_aus_der_Rubrik_-_Buch/Ein_General_im_Kampf_fur_das_Leben_der_Juden_und_die_Wurde_der_Frauen.pdf

Sein Sohn Lothar Groppe studierte nach dem Krieg Rechtswissenschaft und trat 1948 in den Jesuitenorden ein. Er wurde am 31. Juli 1959 zum Priester geweiht.

Der junge Geistliche wirkte einige Jahren an zwei Gymnasien des Ordens. Ab 1962 kam er in der Militärseelsorge und war von 1963 bis Ende 1971 als Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr in Hamburg tätig, die künftige General- und Admiralstabs-Offiziere ausbildet.

Von Januar 1973 bis Dezember 1987 hielt er Vorlesungen für die österreichischen Generalstabs-Lehrgänge. Zwischenzeitlich leitete er die Deutsche Sektion von Radio Vatikan, war Studenten- und Lehrer-Seelsorger und Pfarrer zweier Gemeinden in der Wachau.

Zudem ist der Jesuit seit Jahrzehnten publizistisch tätig und veröffentlichte zahleiche Artikel zu religiösen und zeitgeschichtlichen Themen in verschiedenen Zeitschrift von den USA bis Rußland.

Lothar Groppe war ein enger Freund des im Jahre 2002 verstorbenen kath. Jugendschriftstellers Günter Stiff, in dessen KOMM-MIT-Kalender und KOMM-MIT-Zeitschrift er öfter publizierte, vor allem zum Thema „Kirchenkampf im Dritten Reich“ und zu aktuellen Fragen.

Mit Caspar von Schrenck-Notzing, Gerhard Löwenthal, Christa Meves und Hans Graf Huyn betreute er das „Konservative Büro“ von Dr. Werner Roth in Bielefeld.

Von 1982 bis 2007 war der Ordensgeistliche als Krankenhaus-Seelsorger in Bad Pyrmont und Berlin tätig. Danach lebte er in Köln-Mülheim und wohnt derzeit in Timmendorfer Strand.

Das CHRISTLICHE FORUM gratuliert Pater Groppe herzlich zu seinem Wiegenfest und wünscht ihm Gottes reichen Segen.

Felizias Küble, Leiterin des Christoferuswerks und des KOMM-MIT-Verlags in Münster

Foto: Dr. Bernd F. Pelz


Carl Rogers Gruppendynamik unter der Lupe

Der bekannte Gründer der Encounter-Gruppen „therapierte“ jenseits moralischer Prinzipien

Zu jenen „Ikonen“ moderner Psychotherapie und Gruppendynamik, die auch und gerade im kirchlichen Beratungsmilieu Eingang gefunden haben, gehört vor allem Carl R. Rogers, Begründer der sog. „klientenzentrierten Gesprächs-Psychotherapie“ und der „Encounter-Gruppen“, die auch als „Begegnungs-Gruppen“ bezeichnet werden.

Zugleich ist Rogers  – neben Jakob Morenos Psychodrama und Fritz Perls Gestalttherapie  –  einer der bekanntesten Vertreter der sog. Humanistischen Psychologie.

Diese etwas schillernde, in sich vielfältige Richtung strebt eine Art „stille Revolution“ an, die auf einen radikalen Bruch mit der ethischen Tradition und bürgerlichen Normen hinzielt und einen „neuen Menschen“ schaffen will, der die „Selbstverwirklichung“ und „Selbstbestimmung“ des Einzelnen zur obersten Maxime erhebt.

Damit wurde ein neuer Abschnitt in der Geschichte der Psychologie eingeleitet, wodurch die klassische Psychoanalyse nach Freud gewissermaßen „links überholt“ wurde.

Der 1902 in Oak Park USA geborene Carl Rogers war ein Schüler des Freud-Schülers Otto Rank. Die in viele Sprachen übersetzten Bücher Prof. Rogers wurden internationale Longseller und dienen in zahlreichen weltlichen und kirchlichen Beratungsstellen, Psycho-Seminaren, Sozialakademien, Ausbildungsstätten und Fortbildungsmaßnahmen als programmatische Grundlage und Richtschnur.

Rogers Gesprächsmodell wird auch als „nicht-direktive Therapie“ bezeichnet, weil sie bewußt darauf verzichtet, dem psychisch belasteten „Klienten“ Verhaltensmaßstäbe zu vermitteln oder auch nur eine Empfehlung zu geben, geschweige sich kritisch zu äußern.

Der problemgeplagte „Ratsuchende“ darf demnach im Grunde keiner sein – zumindest soll der Berater nach Rogers keinen Rat erteilen, sondern die Gefühle und die innere „Befindlichkeit“ des „Klienten“ voll akzeptieren und ihm so das Gefühl des Angenommenseins vermitteln. Durch diese wohlwollende Atmosphäre eröffne sich dann im „Klienten“ von selber die für ihn geeignete Lösung seiner Schwierigkeiten.

Dies geschieht laut Rogers dadurch, daß der Therapeut die Gefühle des Patienten „spiegelt“, also durch Worte, Mimik und Gestik zum Ausdruck bringt, so daß der Patient seine eigenen Empfindungen quasi „vor Augen hat“ und somit in seinen „gespiegelten“ Gefühlen die Problemlösungen allmählich selber entdeckt.

Kritiker weisen darauf hin, daß der seelisch kranke Patient mit diesem  –  auf den ersten Blick wohlklingenden  –  Konzept quasi auf sich selber zurückgeworfen wird.

Beanstandet wird auch, daß man mit dieser Psycho-Methode den Schwierigkeiten nicht auf den Grund geht und die Ursachen seelischer Störungen nicht fachmännisch analysiert. Stattdessen erhält der „Klient“ das „Bonbon“ einer freundlichen emotionalen Beziehung zum Therapeuten, was ihn vielleicht stimmungsmäßig einige Zeit „erheben“ kann, ohne jedoch die zugrundeliegenden Konflikte zu beleuchten, geschweige zu lösen.

Von christlicher Seite wird überdies der Einwand erhoben, daß Rogers Therapie auf einem unbiblischen und unrealistischen Menschenbild aufbaut, daß Sünde, Schuld und persönliches Versagen ausgeklammert werden, daß die menschliche Willensfreiheit kaum zum Tragen kommt und daß tatsächliche Schuld aus dem Blickfeld gerät oder durch psychologische Floskeln und eine ausufernde Akzeptanz-Ideologie verdrängt und verbrämt wird.

Daß diese Kritik durchaus berechtigt ist, mag folgendes Beispiel demonstrieren, das angesichts der monatelangen deutschen Debatte um Kindesmißbrauch und sexuelle Gewalt nicht „nur“ aufschlußreich, sondern überdies auch aktuell ist:

In seinem 1987 im Frankfurter Fischer-Verlag erschienenen, gruppendynamisch orientierten Buch „Encounter-Gruppen  –  Das Erlebnis der menschlichen Begegnung“ entfaltet Rogers seine „Gesprächstherapie“ auf der Gruppenebene und erläutert, wie wichtig die „Begegnungs-Gruppe“ für das Erlernen von „Akzeptanz“ sei.

Auf der Buch-Rückseite gibt sich der Fischer-Verlag euphorisch:
„Die Encounter-Gruppe ist eine der aufregendsten Erfahrungen unseres
Jahrhunderts, ein bedeutender Schritt vorwärts auf dem Wege zu einer humaneren, freieren und demokratischeren Gesellschaft; ihr zum Durchbruch verholfen zu haben, ist das große Verdienst Carl R. Rogers.“

Zum „Durchbruch“ kam hierbei allerdings auch der Abbruch dessen, was unter Begriffen wie „Sittlichkeit“, „Ethos“ oder „Naturrecht“ geläufig ist.
Das bürgerliche Sittengesetz von christlichen Prinzipien ganz zu schweigen wird bei Rogers völlig seiner Verbindlichkeit beraubt, denn objektive Maßstäbe gibt es nicht, alles muß schließlich „akzeptiert“ werden – selbstverständlich auch Inzest und Vergewaltigung bzw. beides zusammen in einer Handlung.

Selbst bei perversen Verbrechen diese sind bei den Betreffenden ein „wichtiger Aspekt seiner selbst“ gibt Rogers seine verstiegene und fehlgeleitete Ideologie einer allumfassenden „Akzeptanz“ nicht auf.

Nach Inzest-Vergewaltigung: Schuldgefühle abtrainieren…

Hierzu sei folgendes Beispiel aufgezeigt:
In Rogers Buch „Encounter-Gruppen“ heißt es auf den Seiten 27 und 28 wörtlich:

„Der Prozeß der Exploration ist nicht immer einfach und nicht immer ist die ganze Gruppe empfänglich für derartige Selbstenthüllungen.

In einer Gruppe von jugendlichen Heimbewohnern, die alle in der einen oder anderen Weise in Schwierigkeiten geraten waren, eröffnet ein Junge einen wichtigen Aspekt seiner selbst und trifft damit sofort und gleichzeitig auf Akzeptierung und scharfe Ablehnung bei den übrigen Gruppenmitgliedern.

George: Die Sache ist die, ich habe zu Hause zu viele Probleme. Ich glaube, ein paar von euch wissen, warum ich hier bin und weshalb ich verurteilt wurde.
Mary: Ich nicht.
Leiter: Willst du darüber reden?
George: Naja – es ist irgendwie peinlich.
Carl: Komm schon, so schlimm kann es nicht sein.
George: Also, ich habe meine Schwester vergewaltigt. Das ist das einzige Problem, das ich zu Hause habe – und ich glaube, das habe ich bewältigt. Ziemlich lange Pause.
Freda: Das ist ja grausam.
Mary: Jeder hat seine Schwierigkeiten, Freda. Ich meine, du weißt doch schließlich….
Freda: Ja, natürlich, aber trotzdem!!!
Leiter zu Freda: Du kennst solche Probleme, aber trotzdem erscheinen sie dir grausam.
George: Ich habs ja gesagt. Es ist peinlich, darüber zu reden.
Mary: Ja, aber es ist gut so.
George: Es tut weh, darüber zu reden, aber ich weiß, daß ich es tun muß, wenn ich nicht für den Rest meines Lebens mit Schuldgefühlen herumlaufen will.“

Soweit diese Darstellung einer Gruppensitzung. Letztlich steht nicht der Übeltäter und seine Untat am Pranger, sondern Freda, da sie sich weigert, hierzu eine „akzeptierende“ Haltung einzunehmen.

Hingegen hat George sein „einziges Problem“ – eigenen Angaben zufolge – wohl durchaus „bewältigt“. Ob seine vergewaltigte Schwester „es“ bewältigt hat, spielt offenbar keine Rolle – weder für ihn noch für die anderen Gruppenteilnehmer: mit Ausnahme Fredas.

Sowohl der Leiter wie die Dame Mary versuchen, auf Freda einzuwirken, damit sie ihre moralisch geschockte Haltung überwindet und sich in den verständnisvollen Kreis der „Akzeptierenden“ begibt. Schließlich will George durchaus nicht, wie er abschließend selber erklärt, „für den Rest meines Lebens mit Schuldgefühlen herum-laufen“ – das wäre doch zuviel verlangt….

Eben dieser Meinung ist offensichtlich auch Rogers, der große Therapeut der unbe-dingten und umfassenden Akzeptanz von allem und jedem Verbrechen.

Direkt nach dem vorhin zitierten Gruppen-Dialog würdigt er Mary, die ein „besonders tiefes Akzeptieren“ zeige, wogegen George von Freda „psychologisch ganz offensichtlich ausgeschlossen wird“:
“Freda schließt ihn psychologisch ganz offensichtlich völlig aus, während Mary ein besonders tiefes Akzeptieren zeigt. George ist eindeutig entschlossen, das Risiko einzugehen.“

Wie „fortschrittlich“ also, daß es Encounter-Gruppen gibt, damit die therapeutisch unbedarften Fredas dieser Welt ihren moralischen „Tick“ abbauen – und Untaten aller Arten und Abarten sich einer „besonders tiefen Akzeptanz“ erfreuen dürfen.

Zugleich wird an diesem Beispiel anschaulich klar, daß Encounter-Gruppen und die gruppendynamische Bewegung insgesamt einen psychologischen „Religionsersatz“ darstellen:

Der Täter sucht nicht den Beichtvater auf, sondern die „Begegnungs-Gruppe“: was er von ihr will, ist im Grunde eine Absolution „ich will nicht für den Rest meines Lebens mit Schuldgefühlen herumlaufen“. Die Gruppe soll ihm vermitteln: „Du bist o.k. so, wie Du bist.“

Erinnert dies nicht an christliche Nächstenliebe und Barmherzigkeit, gar an die Beichte?

Dies ist nur auf den ersten Blick der Fall, denn es handelt sich um einen Freispruch ohne Buße: Tugenden und sittliche Herausforderungen wie klare Selbsterkenntnis, wahrheitsgemäße Selbstanklage, Umkehr und Versuch einer Wiedergutmachung kommen nicht vor.

Vielmehr werden unbußfertige Sünder durch die Akzeptanz der Gruppe „absolviert“, furchtbare Verbrechen zu „Problemen“ verniedlicht, die der Betreffende angeblich bereits „bewältigt“ hat – oder wohl doch nicht ganz, da er offensichtlich die „Absolution“ der Gruppe herbeisehnt.

Zugleich wird es von der Gruppe her problematisiert, wenn jemand Untaten zutref-fend beim Namen nennt Freda: „Das ist ja grausam!“ und sich nicht mit dem Täter, sondern mit dem Opfer identifiziert und solidarisiert.

Abgesehen davon, daß weder eine „Encounter-Gruppe“ noch sonst eine irdische Einrichtung als gültige „Instanz“ für eine moralische „Absolution“ fungieren kann, ist das „Freispruch-Verfahren“ frei nach Rogers „klientenzentrierter Gesprächstherapie“ samt uferloser „Akzeptanz“ selbst unter rein psychologischen Gesichtspunkten völlig verfehlt  –  dies vor allem deshalb, weil es notwendigerweise „täter-zentriert“ ist, statt den Täter zum Guten hin zu therapieren, was ohne Reue und Umkehr nicht möglich ist.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster