Andreas Theurer – der (noch) evangelische Theologe – und seine Stellung zur Madonna

Pastor Andreas Theurer wurde in dieser Woche mit sofortiger Wirkung von seiner evangelischen Kirchenleitung in Württemberg suspendiert, also seines Amtes als Pfarrer enthoben, weil er den Wunsch zur Konversion äußerte und weil zudem kürzlich im katholischen Dominus-Verlag (Augsburg) sein Buch „Warum werden wir nicht katholisch?“ (siehe Foto) erschienen ist.

In dieser Schrift ruft der lutherische Theologe dazu auf, die  –  für das christliche Zeugnis in der Welt abträgliche – Spaltung der Christenheit durch eine Rückkehr in die katholische Kirche zu überwinden.

Es liegt auf der Hand, daß eine derart prokatholische „Empfehlung“ seitens der evangelischen Landeskirche abgelehnt wird und nicht ohne Konsequenzen blieb.

Doch der (Ex-)Pastor Theurer beläßt es nicht bei Aufrufen und Vorschlägen;  er setzt sich vielmehr in seiner „umstrittenen“ Publikation eingehend mit kontroverstheologischen Streitpunkten auseinander, befaßt sich also mit  katholisch-evangelischen Unterscheidungslehren.

Dabei kommt er zu dem eindeutigen Resultat, daß sich die katholische Kirche in ihren wesentlichen „spezifischen“ Lehren auf die apostolische Überlieferung berufen kann; außerdem stellt er klar, daß diese Glaubensaussagen   – entgegen protestantischer Einwände  –  keineswegs der Heiligen Schrift widersprechen.

Zu jenen zwischen den christlichen Konfessionen strittigen Punkten gehört auch die katholische Marien- und Heiligenverehrung, vor allem aber einige katholische Dogmen über die Gottesmutter sowie ihre weitverbreitete Anrufung als Fürsprecherin im Himmel.

Wie steht es nun aus Sicht des (noch) evangelischen Autors mit der Fürbitte der Madonna?

Sein recht praktischer Ansatz, sich dem Thema zu nähern, beginnt mit einer Alltagserfahrung:

„Für die meisten bewusst evangelischen Christen ist es ganz selbstverständlich, bei Sorgen oder Notlagen gläubige Freunde um ihr fürbittendes Gebet zu bitten. Sie gehen davon aus, dass es Gott wohlgefällig ist, wenn mehrere Christen miteinander um ein Eingreifen Gottes zugunsten einer Person oder Sache bitten und füreinander im Gebet eintreten.“

Dem wird sicherlich kein Protestant widersprechen wollen.

Nun stellt sich die weitere Frage, ob wir auch „himmlische Freunde“ um denselben „Gefallen“ bitten dürfen. Dazu schreibt der evangelische Theologe:

„Nun gehen katholische Christen aber noch einen Schritt weiter und bitten nicht nur die auf Erden lebenden Glaubensgeschwister um Fürbitte, sondern auch die bereits im Himmel lebenden. Der Grundgedanke der Heiligenverehrung ist es, die vor dem Thron Gottes stehenden (…) vollendeten Christen zu bitten, für die angefochtenen und leidenden Christen auf der Erde im Gebet einzutreten. Nicht die Heiligen sollen helfen, sondern die Heiligen sollen für uns vor dem Thron Gottes bitten.“ 

Immerhin, so erläutert der Autor, ist die selige Jungfrau bereits aus dem Neuen Testament als Fürsprecherin bekannt:

„Schon zu Lebzeiten Jesu ist ja Maria bei Jesus als Fürbitterin für die Menschen eingetreten  –  denken wir an die Hochzeit zu Kana, bei der Jesus auf die Fürbitte Marias hin sein erstes Wunder wirkt (Joh 2,1-22).“

Andreas Theurer erinnert außerdem daran, daß die Christenheit ihre Heiligen schon in frühester Zeit verehrte, was heute  noch  –  zB.  in den römischen Katakomben  –  erkennbar ist. Damals waren es vor allem die Märtyrer, die kirchlich hoch gewürdigt wurden. 

Es habe sich, so Theurer, der Brauch entwickelt, „an den Grabstätten der Glaubenszeugen Gottesdienst zu feiern. Später wurden über den bekannten Gräbern Kirchen errichtet (…) In der Alten Kirche war es allgemein üblich, dass alle Christen, die nachweislich um ihres Christusbekenntnisses willen umgebracht wurden („Märtyrer“), als Heilige anerkannt und um Fürbitte angerufen werden konnten.“

Hinsichtlich der marianischen Dogmen weist Theurer darauf hin, daß sich die Reformatoren ausdrücklich zum Titel „Gottesmutter“ für Maria bekannt haben, ebenso zu ihrer bleibenden Jungfräulichkeit.

Vor allem Luther selbst hat sich betreffs dieser beiden grundlegenden Lehrausssagen klar positioniert, etwa in seiner Auslegung des „Magnificat“, des biblisch bezeugten Lobgesangs der Madonna bei der Begegnung mit ihrer Cousine Elisabeth.

Der Autor erwähnt auch einen archäologischen Fund aus der ägyptischen Wüste von 1917, als man Papyrusteile mit einem Mariengebet aus dem 3. Jahrhundert entdeckte, das mit den Worten beginnt: „Unter Deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin, verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten…“ 

Das Motiv der Schutzmantelmadonna war also schon in der Frühzeit der Christenheit geläufig  – und ist nicht etwa eine mittelalterliche oder „barocke“ Erfindung.

Was nun das 1950 verkündete Dogma der „Aufnahme Marias in den Himmel“ betrifft, so weist der Verfasser auf folgenden biblischen Sachverhalt hin:

„Im Matthäusevangelium (Mt 27,52-53) wird berichtet, dass nach dem Kreuzestod Jesu einige Heilige aus ihren Gräbern auferstanden und auch von vielen Menschen gesehen wurden.“ 

Daraus leitet er den Glauben an die Assumpta (an die in den Himmel aufgenommene Madonna) ab:

„Der zur Zeit der Apostel so beliebte Schluss vom Geringeren auf das Höhere, den wir im Neuen Testament so oft beobachten können, erzwingt geradezu die Annahme, dass, wenn schon „gewöhnliche“ Heilige leiblich zum Himmel auffahren, Maria erst recht diese Gnade zuteil wurde.“

Ergänzend hätte der Autor noch vermerken können, daß bereits im Alten Bund zwei Gerechte, nämlich  Henoch und Elias, in den Himmel „aufgefahren“ sind, ein solcher Vorgang sich also heilsgeschichtlich mehrfach ereignete.

Tatsächlich liegt der Schluß nahe: Warum also nicht auch die Mutter unseres Erlösers?  – Wenngleich sich das Ereignis nicht direkt in der Bibel findet, so liegt es zumindest in der Logik der Heilsgeschichte Gottes.

Freilich stellt der evangelische Theologe, der sich die marianischen Dogmen der katholischen Kirche zu eigen macht, völlig zu Recht gleichzeitig fest, daß „manche Traditionen der Volksfrömmigkeit sich tatsächlich kritische Rückfragen gefallen lassen“ müßten.

Dem wird jeder nüchterne Katholik zustimmen, der gewisse Auswüchse des „Volksglaubens“ selber bedauert, etwa Neigungen zu pseudokatholischem Aberglauben, Wundersucht, ungeistliche Sensationslust bzw. eine ungesunde Fixierung auf „Erscheinungen“. – Derlei Entgleisungen werden allerdings vom kirchlichen Lehramt nicht gedeckt. Immerhin sind nicht einmal 1 % der sog. „Privatoffenbarungen“ kirchlich anerkannt, was erscheinungsbewegte Gläubige vielfach als Ärgernis empfinden, womit die Kirchenleitung aber eine vorsichtige und bodenständige Gangart einlegt, die sich im Lauf der Jahrtausende bewährt hat.

Der Autor stellt sodann zutreffend fest: „Echte katholische Heiligen- und Marienverehrung lenkt deshalb den geistlichen Blick nicht weg von Jesus, sondern hin zur Anbetung der Herrlichkeit des Dreieinigen Gottes.“

Felizitas Küble, Leiterin des KOMM-MIT-Jugendverlags und des Christoferuswerks in Münster

Das BILD zeigt die Marienkapelle in Adenau (Foto: Dr. Bernd F. Pelz)


5 Kommentare on “Andreas Theurer – der (noch) evangelische Theologe – und seine Stellung zur Madonna”

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  3. Mack Elisabeth sagt:

    Doch, das lenkt den geistlichen Blick weg von Jesus. Ich werde nie vergessen, wie entsetzt ich war, als ich die Menschen vor der schwarzen Madonna in Einsiedeln kniend gesehen habe: „sie beten einen Götzen an“!
    Ich werde auch nie vergessen, was mein Vater zu meiner Mutter und uns Kindern gesagt hat, als er zusammen mit dem Dekan als Beistand für den jungen Pfarrer (nach dessen Bitte) an einer Beerdigung teilnahm bei einer Familie, die dem Spiritismus anhing. Er wolle, wenn er einmal gestorben sei, in Ruhe gelassen werden. Niemand solle mit ihm Kontakt aufnehmen.
    Herr Theurer, es ist hanebüchen, was Sie so von sich geben.
    „Allein auf Gottes Wort will ich mein Grund und Glauben bauen“, das haben wir heute im Gottesdienst gesungen. Bauen Sie nicht zukünftig mehr auf das Wort des Papstes?
    Und nun will ich sehen, ob mein Kommentar wieder gelöscht wird.
    „Es ist dir gesagt, Mensch, was gut ist und was der HERR von dir fordert:
    nämlich Gottes Wort halten und Liebe üben und demütig sein vor deinem Gott.“

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    • Guten Tag,
      das Knie beugen kann, muß aber keineswegs Anbetung bedeuten – die Knappen knieten früher vor dem Ritter beim Empfang des Ritterschlags. Das Knien ist ein Akt der Demut oder einer inständigen Bitte, es kommt etwa auch bei einer Bitte um Verzeihung zwischen Menschen vor.
      Was die von Ihnen berichtete Beerdigung betrifft, so wird aus Ihren Ausführungen nicht ganz klar, ob Sie einen wirklichen „Spiritisten“ meinen oder ob sie allein schon das kirchliche Gebet für Verstorbene beim „Seelenamt“ bzw. der Beerdigung als „Spiritismus“ ansehen.
      Falls das zweite zutrifft, sei klargestellt: Das Beten f ü r Verstorbene (das bereits im AT bei den Makk. empfohlen wird) bedeutet keine „Kontaktaufnahme“ im Sinne des Spiritismus, keine Totenbeschwörung oder Totenbefragung. Im Judentum ist es heute noch religiös verpflichtend, z.B. jährlich am Todes-Gedenktag für die Eltern zu beten. Juden und Katholiken beten also ebenso für Verstorbene wie die orthodoxe Ostkirche – allein der Protestantismus verweigert dies – oder verketzert es mitunter sogar als Spiritismus. Dabei beweisen Inschriften in den Katakomben aus der Verfolgungszeit im Römischen Reich, daß schon die Christen der ersten Jahrhunderte für ihre Verstorbenen gebetet haben.
      Sie schreiben: „Und nun will ich sehen, ob mein Kommentar wieder gelöscht wird.“ – Ihr voriger Kommentar wurde erstens nicht gelöscht, zweitens bin ich ausführlich auf Ihre Einwände eingegangen (unter dem Artikel „Ex-Pastor Andreas Theurer: Warum sind wir noch protestantisch?“
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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