Meine Erfahrungen beim „Marsch für das Leben“ in Berlin

Von Diester Loest (evangelischer Theologe)

Wenn ich jemanden frage, ob er den Artikel 1 unseres Grundgesetzes „Die Würde der Person ist unantastbar“ bejaht, bekomme ich mehrheitlich eine zustimmende Antwort.

Wenn ich die Würde der Person auf das ungeborene Leben eingrenze und um eine Stellungnahme zur Realität der Abtreibung in Deutschland bitte, wird das Gespräch darüber schwieriger.

Gerade weil die Abtreibungspraxis weithin in unserer Gesellschaft akzeptiert wird, leisten die Lebensrechts-Organisationen einen wichtigen Beitrag, auf das Recht zum Leben für die Ungeborenen hinzuweisen. images (2)

Die Kundgebung vor dem Bundeskanzleramt in Berlin am 22. September war geprägt von Berichten Betroffener, u.a. einer 17jährigen Mutter, der nahe gelegt wurde, ihr Kind abzutreiben und die heute glücklich ist, ein gesundes Kind zu haben.

Vor dem Podium versammelten sich um die drei tausend Christen aus verschiedenen christlichen Kirchen. Einige hatten Plakate, die auf den Schutz des Lebens hinwiesen, und auch Fahnenträger, mit Aufschriften in verschiedenen Sprachen mit dem Satz: „Ich liebe das  Leben“, waren zu sehen.

Gegen 14 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung. Wir bekamen auch weiße Kreuze. Sie sollten auf die getöteten Kinder hinweisen. Es war ein größeres Polizeiaufgebot anwesend. Der Weg ging zum Brandenburger Tor, von da aus zum Potsdamer Platz und dann durch die Innenstadt bis zur St.-Hedwigs-Kathedrale, in der der abschließende Gottesdienst stattfand.

Es war bewegend, den Kontrast zu erleben von den Christen, die für das Lebensrecht der Ungeborenen eintraten und gegen Ende des Marsches das Lied „Amazing grace“ intonierten  – und den zahlenmässig kleinen, linksradikalen Gruppen, die den Zug mit ihrem Geschrei und ihren Parolen begleiteten: „Go to hell!“ oder „Hätte Maria abgetrieben, wärt ihr uns erspart geblieben.“

Mir wurde gesagt, dass dieses Jahr, die Proteste vergleichsweise harmlos waren. So weit ich weiß, gab es keine größeren Zwischenfälle, was wohl zum größeren Teil der polizeilichen Präsenz zu verdanken war.

Wir sind dankbar für diese Möglichkeit, mitten in Berlin für das Leben eine Lanze zu brechen.

Wünschenswert wäre, dass in Zukunft auch kath. und ev. Bischöfe sowie prominente Politiker an diesem Marsch für das Leben mit dabei sein könnten.

Die Rückfahrt im Reisebus am Sonntag-Mittag dann vom Berliner Dom aus im Kreis der Teilnehmer war sehr bewegend.

Einige erzählten von ihren Erfahrungen mit Menschen, denen sie in ihrer inneren Not beistehen konnten, wo es um die Frage ging, ein Kind abzutreiben oder nicht.

Und wir hörten einen sehr interessanten Vortrag von Prof. Dr. Manfred Spieker, emeritierter Sozialwissenschaftler und Ethiker an der kath. Universität in Osnabrück. Er entfaltete in seinem Vortrag die Problematik der Sterbehilfe, des Lebensschutzes, der Organspende und sprach sich deutlich dafür aus, dass wir als Christen  der Kunst der „ars moriendi“ den Vorzug geben sollten, Sterben hat etwas mit Selbsthingabe zu tun, an den Gott, in dessen Hand ich mich geborgen weiss. 

Das Argument der Selbstbestimmung des Menschen, erweist sich in den Grenzsituationen als sehr brüchig. Die Sicht, den Menschen sozusagen als „Ersatzteillager“ zu sehen, ist zutiefst unchristlich.

Er machte deutlich, dass in Europa einschließlich Deutschlands das Tabu der Euthanasie zu bröckeln beginnt. Es besteht ein innerer Zusammenhang vom Schutz des Lebens in seinem Beginn und am Ende, sprich: von Ungeborenen und alten und kranken Menschen.

Außerdem sahen wir in einem Filmbeitrag eine Entgegnung über eine ARD-Sendung „Kontraste“, in dem die Lebensschützer in ein schiefes Licht gerückt wurden. 

Der Beitrag von „Kontraste“ zeichnete sich durch Verdrehung der Fakten und Desinformation aus. Bei den vorhergehenden Interviews wurden die Christen bewusst belogen, indem ihnen ein faire Darstellung der Problematik in Aussicht gestellt wurde. Die Mitarbeiter von Lebensschutzorganisationen wurden als aggressiv geschildert, die andere bedrohen und als Mörderinnen beschimpfen.

Es ist erschütternd, wie in den Medien das Thema Lebensschutz behandelt wird. Entweder es wird totgeschwiegen, oder die Befürworter werden in eine bestimmte Ecke gestellt und diskreditiert.

Wünschenswert wäre, dass in kommenden Jahren die Zahl der Christen, die am „Marsch für das Leben“ teilnehmen, deutlich stiege. Ich bin dankbar, dass ich diese für mich wertvolle Erfahrung auf dem diesjährigen „Marsch für das Leben“ machen konnte.

 



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