Das sollte es in jeder Pfarrgemeinde geben: einen Segenssonntag!

Bericht vom Segenssonntag in Langenstraße 2012

Am Sonntag, den 30. September 2012, wurde in der Pfarrgemeinde Langenstraße (Bistum Paderborn) wieder der sog. Segenssonntag gefeiert  – immerhin kann diese bewährte Tradition schon auf 26 Jahre zurückblicken.

Der Segenssonntag findet stets Ende September statt, wobei es dabei auch um die Erinnerung an den segensreich wirkenden Vikar Theodor Göbels geht, der in dieser Pfarrgemeinde tätig war und große Verehrung unter den Gläubigen fand, die auch lange nach seinem Tod 1936 ungebrochen ist. Der Geistliche fand auf dem Friedhof in Langenstraße seine letzte Ruhestätte.

Unser Christoferuswerk  (das dieses Webmagazin betreibt) wurde gebeten, den Büchertisch im Vorraum der Kirche zu betreuen, was wir gern getan haben.

Unsere Aufkleber und Schriften, aber auch unsere Unterschriften-Sammlung für eine Seligsprechung von Erzbischof Johannes Dyba fanden großen Anklang. Viele Gläubige erzählten begeistert von seiner Glaubensstärke und seiner eindrucksvollen Tapferkeit, gegen den Strom zu schwimmen und an den Geboten Gottes unbeirrbar festzuhalten.

Obwohl Langenstraße eine kleinere Pfarrei mit nur etlichen hundert Einwohnern ist, hat sie ein erstaunlich großes und schönes, barockisiertes Gotteshaus mit wunderbaren Statuen, Altären und Kirchenfenstern.

Typisch für diese ländliche Gegend ist das Glasfenster mit dem heiligen Isidor: er trägt eine Schaufel in der Hand und ist Patron der Bauern (siehe Foto).

Auch der hl. Josef darf nicht fehlen: das Josefsfest wurde auf dem Land immer schon hoch in Ehren gehalten  –  und man sieht in vielen Pfarrkirchen Statuen oder Bilder des Pflegevaters Christi  – und in Langenstraße ein buntes Glasfenster zu seinen Ehren, wobei er den Christusknaben an seiner Hand hält.

Entsprechend bodenständig ist auch der Ablauf des Segens-Sonntags  – von charismatischer Schwärmerei oder irgendwelchen oberfrommen Verstiegenheiten keine Spur: alles wirkt sehr gediegen, handfest  – und doch glaubensfroh und festlich.

Auch die Gottesmutter wird in Langenstraße sehr verehrt  –  siehe hier das ikonenartige Bildnis der allerseligsten Jungfrau mit dem auf ihrem Arm thronenden Christuskind –  es handelt sich hier um das bekannte Motiv von der „Immerwährenden Hilfe“.

Zum Segenssonntag kommen jung und alt, gesunde und behinderte Menschen – manchmal sieht man Rollstuhlfahrer oder Gläubige, die am Stock gehen.  Auch sie wollen gerne mitfeiern und nach der hl. Messe den persönlichen Einzel-Segen eines Priesters erhalten. Die Kirchgänger kommen von nah und fern – und aus einem Umkreis von ca 200 km angereist.

Der Segenssonntag beginnt recht früh um 9 Uhr mit dem Rosenkranz und der Beichtgelegenheit, wobei meist mehrere Pfarrer oder Kapläne für das Bußsakrament zur Verfügung stehen  – sei es im Beichtstuhl oder in einer kleinen Kapelle.

Um 10,30 Uhr geht es „amtlich“ los, denn nun beginnt die Festmesse, meistens mit mehreren Priestern.

Im Vorjahr kam Weihbischof Matthias König aus Paderborn, der mit den versammelten Priester ein Hochamt zelebrierte. Die Eucharistiefeier wird von einem gemischten Chor und Orgelspiel musikalisch umrahmt.

Die Predigt war auch in diesem Jahr sehr gehaltvoll und kräftig  –  und auch eindeutig, denn es ging um den Einfluß des Widersachers in der Welt und im Leben der Menschen. Der Priester betonte, daß beständiges Gebet und Wachsamkeit nötig sind, um dem Satan und seinen Tricks und Verführungen zu widerstehen.

Nach der Festmesse können die Gläubigen nach vorne an die Altarstufen treten und dort stehen oder knien. Danach wird jeder Einzelne von einem der Priester  unter Handauflegung und einem feierlichen Segensspruch aus dem  kirchlichen Benediktionale mit dem hl. Kreuzzeichen gesegnet.

Zuvor fragt der Geistliche die Gläubigen  nach ihrem Vornamen („Wie heißt Du?“), danach folgt der Segen, wobei dann jeweils auch um die Fürsprache des betreffenden Namenspatrons gebetet wird (daher die Frage nach dem Namen).

Die Meßbesucher können wahlweise an die Stufen des Hauptaltars vortreten oder an einen der beiden Nebenaltäre. Manche lassen sich auch von verschiedenen Priestern segnen, was kein Problem ist.

Die Geistlichen segnen mit einer freundlichen Engelsgeduld, selbst wenn sich wegen der zahlreichen Gläubigen alles recht lange hinzieht.

Der ganze Vorgang hat etwas Rührendes, Glaubensfrohes, Andächtiges  und Bewegendes an sich  – und verläuft wie gesagt ohne jeden Gefühlsüberschwang, geschweige kommt es zu schwarmgeistigen Phänomenen wie etwa bei „charismatischen“ Segensseminaren usw.  An Vorgänge wie das sog. „Ruhen im Geist“ (Rückwärtsfallen in Trance) oder lallende „Zungengebete“ ist in diesem bodenständigen und nüchternen Umfeld überhaupt nicht zu denken.

Nach der Segensfeier folgt das Angelus-Gebet (der „Engel des Herrn“); außerdem die Gelegenheit zur Anbetung des allerheiligsten Altarsakramentes.

Die Gläubige können wahlweise eucharistische Anbetung halten und sich am Rosenkranzgebet beteiligen – oder ins Pfarrheim gehen und sich dort mit Suppe und Kuchen stärken. Es gibt dort immer viele nette Tischgespräche, zumal sich etliche Wallfahrer seit vielen Jahren kennen und am „Segenssonntag“ wieder treffen. Auch von den Priestern sieht man etliche im Pfarrheim und kann mit ihnen sprechen.

Ab 13 Uhr gibt es erneut die Gelegenheit zu einer persönlichen Beichte bei einem der Priester.

Um 14,30 Uhr folgt eine  Festandacht mit Predigt, Marienliedern, Chorgesang und Litaneien.

Dabei werden Fürbitten vorgelesen, die von den interessierten Gläubigen in den freien Stunden zuvor auf vorbereiteten Formularen ausgefüllt und in ein Körbchen gelegt wurden.

Oft wird für kranke Angehörige oder um die Bekehrung von Familienmitgliedern gebetet, manchmal gibt es auch Fürbitten für den Frieden in der Welt, für Gerechtigkeit und wachsenden Glauben.

Diesmal war z.B. eine Fürbitte für schwangere Mütter dabei, damit sie JA zu ihrem Kind sagen  –  und für die Bischöfe um mehr Glaubensstärke, damit sie sich von jeder Menschenfurcht befreien, aber der Gottesfurcht dienen.

Nach der Festandacht wird sogar ein Primizsegen erteilt, also der Segen eines neugeweihten Priesters, der besonders feierlich ist und in katholischen Gegenden nach wie vor sehr geschätzt wird.

In der Mittagszeit sieht man immer wieder stille Beter an den Nebenaltären, die ihre Anliegen zum Himmel richten oder  einfach zur inneren Sammlung gelangen möchten.

Langer Rede kurzer Sinn: Dieser Segenssonntag ist in Gestaltung und Ablauf eine ausgezeichnete Idee, die sich in unseren Pfarreien herumsprechen sollte, denn es gibt ein wachsendes Bedürfnis der Menschen nach dem Segen von oben, zumal die Zeiten nicht einfacher werden.

Ein solcher Segenssonntag sollte überall eingeführt werden, mindestens einmal im Jahr, möglichst aber vierteljährlich.  Dieses schöne Brauchtum, diese gediegene Tradition stärkt den Glauben, schenkt Segen und festigt zugleich die Gemeinschaft der Gläubigen untereinander. 

Zudem genügt es nicht, wenn wir uns  –  mit Recht  –  nur kritisch zu charismatischen Phänomen äußern und vor schwarmgeistigen Entgleisungen warnen, die seit Jahrzehnten leider immer stärker zunehmen.

Wir wollen diese Herausforderung auch von der positiven Seite her angehen und angesichts der verständlichen Sehnsucht vieler Menschen nach dem persönlichen Segen etwas Echtes, Klargeistiges, etwas bodenständig Katholisches präsentieren.

So dürfen sich die Gläubigen an den unverfälschten Quellen des Heils erfreuen,  sie können die kirchlichen Sakramente und Sakramentalien stärker erfahren  –  wobei zugleich die Gefahr geringer wird, daß sie sich in den Sumpfblüten der Schwärmerei verirren.

Die wirkliche „Heilung“ und „Befreiung“ (zwei Zauberworte der charismatischen Bewegung) kommt vom Heil in Christus, das uns geschenkt wird durch die Heilsmittel der Kirche, vor allem durch die heiligen Sakramente, aber bis zu einem gewissen Grad auch durch die  –  leider oft vernachlässigten  –  Sakramentalien, wozu die  Segenshandlungen der Priester gehören.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster



Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s