Der Kirchenkritiker Hans Küng erhielt den Kulturpreis der deutschen Freimaurer und würdigte die Logenarbeit

Der bekannte Priester, Professor und Buchautor Hans Küng, dem der Vatikan 1979 die Lehrerlaubnis für katholische Theologie entzog und der seit langem führend in einer „Stiftung Weltethos“ arbeitet, wurde am 18. Mai 2007 in Köln mit dem Kulturpreis der deutschen Freimaurer geehrt.

Der von Zeitgeistmedien viel beklatschte Dr. Küng ist in den letzten Wochen wiederholt als scharfer Kritiker des Papstes und des vatikanischen Glaubenspräfekten Müller in Erscheinung getreten  –  aus unserer Sicht durchaus ein Anlaß, an seine damalige Rede vor den Logenbrüdern zu erinnern:

Er bedankte sich zunächst beim früheren WDR-Chef Fritz Pleitgen (der bereits denselben Preis erhielt)  und dem „verehrten Gr0ßmeister Oberheide“ für das „hohe Lob, das Sie mir zukommen lassen“.

Sodann teilt er den „sehr geehrten Freimaurern“ mit, er werde nunmehr „wohl noch Jahre dementieren müssen, ich sei Freimaurer geworden, was nun einmal für manche konservative Katholiken noch immer eine höchst verdächtige Angelegenheit ist und Munition für ihre gelegentlichen Attacken zu sein verspricht.“

Der bekannte Theologe spricht nun solidarisch darüber, daß „auch Sie als Freimaurer unter Verschwörungstheorien, Diffamierungskampagnen und direkten Angriffen zu leiden hatten“.

Passend dazu folgt eine ausführliche Kritik an der katholischen Kirche, weil sie in einer „systematischen Opposition zur Aufklärung“ gestanden habe, insbesondere „zur modernen Philosophie“ und zur „modernen Staats- und Gesellschaftstheorie mit den Folgen, die zur Französischen Revolution (1789) führten.“

Immerhin, das muß man Küng zugutehalten, „liegt es mir natürlich ferne, durch diese kurz skizzierte Konfliktgeschichte eine einseitige Schuldzuwendung vorzunehmen.“ 

Nun folgt ein kritischer Seitenhieb auf die von Freimaurerseite mitverursachte und von den Logen oft verherrlichte Französische Revolution:

„Auch die Aufklärung hat ihre Schatten. Die katholische Kirche war Hauptopfer der Französischen Revolution: Verlust nicht nur ihres gesamten Grundbesitzes, sondern auch eines erheblichen Teils ihres Klerus.“

Lob für das 2. Vatikanum und die Lichtenauer Erklärung

Küng glaubt freilich,  mittlerweile habe sich „sowohl in der katholischen Kirche als auch in der Freimaurerei ein Wandel vollzogen“, wobei er vor allem das 2. Vatikanum und dessen Erklärungen zur Religionsfreiheit, Menschenrechten, anderen Religionen  usw. als Beispiel erwähnt.

Sodann kommt er auf die  – von Kardinal König angeregte  – freimaurerfreundliche „Lichtenauer Erklärung“ vom 5. Juli 1970 zu sprechen, in der „manche Mißverständnisse ausgeräumt werden“.

Er erwähnt jedoch nicht, daß der Vatikan diesem Dokument keineswegs zugestimmt hat, der Wiener Kardinal König es daher nicht unterzeichnen durfte.

Kritik an der Unvereinbarkeitserklärung der Dt. Bischofskonferenz

Umso kritischer sieht Küng die „Unvereinbarkeitserklärung“ der  Deutschen Bischofskonferenz vom 12. Mai 1980, in der festgehalten wurde, daß der Standpunkt der Freimaurerei und der Glaube der kath. Kirche unvereinbar sind.

Der Kulturpreisträger der deutschen Logen äußert sich sodann erfreut über die freimaurerfreundliche Änderung des Kirchenrechts (CIC) unter Papst Johannes Paul II.:

„Drei Jahre später zeichnet sich in der römisch-katholischen Kirche eine veränderte Position ab. Die 1983 veröffentlichte nachkonziliare Neufassung des Codex Iuris Canonici erwähnt die Freimaurerei nicht mehr. Damit ist auch die 1917 angedrohte Exkommunikation aufgehoben.“

Allerdings hatte der damalige Kardinal Joseph Ratzinger eine Art Notbremse gezogen, was auch Prof. Küng bekannt ist. Daher sagte er:

„Ein moralisch begründetes Verbot einer Mitgliedschaft im Freimaurerbund freilich bleibt bestehen und wird in der „Declaratio de associationibus massonicis“ (26.11.1983) der römischen Glaubenskongregation unter dem Vorsitz von Kardinal Ratzinger, dem jetzigen Papst Benedikt XVI., für die Weltkirche bekräftigt.“

Abschließend betont Küng:

Mit vielen anderen in allen christlichen Kirchen teile ich die Überzeugung, daß ein Christ Freimaurer sein kann und ein Freimaurer Christ. Besonders in den USA, in Italien und Österreich sind die Zugehörigkeit zu Kirche und Freimaurertum alltägliche Praxis. Hier und da gehören auch herausragende Vertreter der römisch-katholischen Kirche dem Bund an.“

Er fügt hinzu: „Trotz aller römischen Restaurationsversuche und protestantischen Reaktionen hoffe ich nach wie vor auf eine Einheit (in Vielfalt!) der Kirchen.“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Hier ein ausführlicher Artikel zum Thema Freimaurerei und Kirche, veröffentlicht in der Zeitschrift „Theologisches“: http://www.theologisches.net/kueble.htm

Link zur Rede Küngs: http://www.freimaurerei.de/rede-von-hans-kueng.html


One Comment on “Der Kirchenkritiker Hans Küng erhielt den Kulturpreis der deutschen Freimaurer und würdigte die Logenarbeit”

  1. Holger Jahndel sagt:

    In Kurt Koch’s «Okkultem ABC« ist die Freimaurerei m. E. zu Recht aufgeführt. Er berichtet von einem Freimaurer in seiner Seelsorge, der »regelrecht unter einer geistlichen Blockade stand. Er war nicht in der Lage, die Heilstatsachen des Neuen Testamentes zu verstehen, geschweige denn, sie anzunehmen.» (Koch, 1988, S.144) »Es ist die Erfahrung vieler geistlich lebendiger Pfarrer in Nord Amerika, dass die Gemeinden, deren Pastor Freimaurer ist, geistlich tot sind. Es ist auch schwer, solchen Gemeinden das Evangelium zu verkündigen. Man hat den Eindruck, dass irgendwie ein Bann über der ganzen Kirche liegt.« (Ebd. 144)

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