Der Philosoph Robert Spaemann beleuchtet das 2. Vatikanum teils kritisch, teils positiv

Das Zweite Vatikanische Konzil war aus der Sicht des deutschen Philosophen Robert Spaemann Startpunkt einer „Epoche des Niedergangs“ für die katholische Kirche. Das äußerte der katholische Professor in einem Interview mit der Tageszeitung Die Welt.

„Das Konzil hat die Katholiken lasch gemacht, es ist alles so welk geworden“, so Spaemann wörtlich.

Priester dürften heutzutage die Auferstehung Jesu leugnen und dennoch in den Messen predigen bzw. an Universitäten dozieren.

Wer hingegen seine Kirchensteuer nicht entrichte, der fliege aus der Kirchengemeinschaft. Der Philosoph sagte hierzu: „Da kann doch etwas nicht stimmen.“

Prof. Dr. Robert Spaemann sieht im letzten Konzil ein übertriebenes Harmoniestreben am Werk: „Man wollte den emanzipatorischen und kulturrevolutionären Zeitgeist segnen“.

Daß das 2. Vatikanum jedoch den Zölibat klar verteidigt und Latein als kirchliche Liturgiesprache bestätigt habe, werde heute von vielen bewußt übersehen.

Quelle: Radio Vatikan


5 Kommentare on “Der Philosoph Robert Spaemann beleuchtet das 2. Vatikanum teils kritisch, teils positiv”

  1. Norbert Scholl sagt:

    Wie sich ein Philosoph zu einem derart unqualifizierten Pamphlet hinreißen lassen kann, ist wohl nur tiefenpsychologisch zu erklären.
    o Spaemann schreibt: „Aggiornamento heißt den Widerspruch der Kirche zur Welt … aktualisieren.“
    Der Philosoph legt hier etwas in „Aggiornamento“ hinein, was seiner höchst persönlichen Vorstellung entspricht. Das sollte er sagen. „Aggiornamento“ heißt „Heutig Machung“. Nichts anderes.
    o Spaemann schreibt: Papst Johannes XXIII. „war von einem Optimismus geprägt, den man fast schon ruchlos nennen möchte.“
    Hier leistet sich Spaemann eine geradezu ungeheuerliche Unterstellung! Ruchlos bedeutet: „gottlos, frevelhaft gemein, niederträchtig“ (Duden. Etymologie, 1963, S. 576). Wer Papst Johannes XXIII. als „ruchlosen Optimisten“ bezeichnet, hat jedes Augenmaß und jede einem Philosphen ziemende Zurückhaltung verloren.
    In der Eröffnungsansprache zum Konzil sagte der „ruchlose Optimist“ Johannes XXIII: „Es ist nicht unsere Aufgabe, den kostbaren Schatz unseres Glaubens nur zu bewahren, als ob wir uns einzig und allein für das interessieren, was alt ist, sondern wir wollen jetzt freudig und furchtlos an das Werk gehen, das unsere Zeit erfordert…. Heute ist es wahrhaft nötig, dass die gesamte christliche Lehre ohne Abstriche in der heutigen Zeit von allen durch ein neues Bemühen angenommen werde. Heiter und ruhigen Gewissens müssen die überlieferten Aussagen … daraufhin genau geprüft und interpretiert werden… Denn etwas anderes ist das depositum fidei … und etwas anderes ist die Art und Weise, wie sie verkündet werden.“
    o Spaemann schreibt: Am Ende der der Geschichte „wird es einen großen Abfall geben, und die Geschichte läuft zu auf den Antichrist.“
    Wer mag wohl Spaemanns „Antichrist“ sein? Vielleicht Hans Küng?
    Johannes XXIII. sagte in seiner Eröffnungsansprache: „Die Kirche hat den Irrtümern zu allen Zeiten widerstanden, oft hat sie diese verurteilt, manchmal mit großer Strenge. Heute dagegen möchte die Braut Christi lieber das Heilmittel der Barmherzigkeit anwenden als die Waffe der Strenge erheben. Sie glaubt, es sei den heutigen Notwendigkeiten angemessener, die Kraft ihrer Lehre ausgiebig zu erklären als zu verurteilen.“
    o Spaemann schreibt: „Das Konzil hat die Kirche lasch gemacht.“
    Die Kirche???!!! Papst Benedikt XVI. und die Bischöfe? Vielleicht gar alle Katholiken – mit Ausnahme der Piusbrüder und eines Philosophen aus München?
    o Spaemann schreibt: Die Mitglieder der „Fortschrittspartei“ beim Konzil „haben oft richtig konspirativ gearbeitet.“
    Zu dieser „Fortschrittspartei“ gehörten die Kardinäle Frings, Döpfner, Jäger, Alfrink, König, Suenens, Martini, Liénart, Lercaro und die Periti Rahner, Ratzinger, Küng. Der Bischof von Berlin, Alfred Bengsch, sagte 1962: „Es ist etwas aufgebrochen in der Kirche, was ein neues Pfingsten verheißt. Freilich nicht an allen Stellen. Es gibt Widerstände. Es gibt die dumpfe und sture Zähigkeit des Festhaltens. Es gibt das Fahren in eingelaufenen Geleisen.“
    Wenn jemand „konspirativ“ gearbeitet hat, dann waren es die Kardinäle Ottaviani und Ruffini und die hinter ihnen stehende Minderheit von ca. 300 Konzilsteilnehmern (unter 2500). Es sei erinnert an die nicht selten von „unbekannter Hand“ (Kardinal Döpfner) in die Texte eingefügten schwerwiegenden Veränderungen (v.a. Liturgie- und Kirchenkonstitution) und die Vorgänge um die Anfügung der „seitens der höheren Autorität“ angeordneten „Erläuternden Vorbemerkungen“ („Notificationes. Nota explicativa praevia“) an die Kirchenkonstitution, die dem Papst zugestehen, „nach Gutdünken“ (ad placitum) seine „höchste und volle Gewalt über die ganze Kirche“ auszuüben. „Selten in der Kirchengeschichte ist eine nicht einmal quali¬fizierte Minderheit auf einem Konzil so pfleglich, geradezu zart¬fühlend und auf Kosten des öffentlichen ‚Image’ des Papstes be¬handelt worden unter Inkaufnahme widersprüchlicher, jedenfalls uneindeutiger Formulierungen der Konzilstexte. Und selten hat diese Minderheit anschließend ungenierter – um nicht zu sagen: schamloser und dreister – die von ihr erzwungenen Uneindeutigkeiten der Konzilstexte ausgenutzt, um sich an dem klaren Mehrheits¬willen der Repräsentanten der Weltkirche vorbei auf den Bahnen des Hergebrachten durchzusetzen. Wenn es dazu eines Beweises bedürfte, so wäre er gegeben durch die Behandlung der ohnehin durch den dichten Filter der deutschen Bischofskonferenz gegange¬nen und darum ganz bescheidenen Anträge der Würzburger Ge¬meinsamen Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutsch¬land durch Rom – nämlich ihrer Ablehnung durch gezielte Nicht-Behandlung.“ (O.H. Pesch, Das Zweite Vatikanische Konzil, Topos Tb 393, S. 373)
    o Spaemann schreibt: „Das Konzil hätte um ein Haar den Zölibat abgeschafft.“
    Johannes XXIII. hatte niemals die Absicht, den Pflichtzölibat der Priester aufzuheben. Aber er hat zum Erstaunen und mancherorts zur Entrüstung vieler damit angefangen, Priester von der Verpflichtung zum Zölibat zu entbinden und ihnen die kirchliche Trauung zu er¬möglichen. Diese Praxis hat sein Nachfolger Paul VI. fortgeführt, allerdings fortschreitend einge¬engt. Johannes Paul II. hat diese Praxis rigoros gestoppt.
    Der Priesterzölibat war zu allen Phasen des Konzils Gegenstand heftigster Diskussionen. Lediglich 70 Konzilsväter (von rund 2400) verlangten, im Priesterdekret die Tradition der Kirche klar herauszustellen und zu bekräftigen. Der deutsche Kardinal Bea forderte den einen wie den anderen priesterlichen Stand zu behandeln, den Stand der völligen Enthaltsamkeit im Zölibat und den der vollkommenen Ehe des verheirateten Priesters. Man einigte sich auf folgende Formulierung: „Zwar ist er (der Zölibat) nicht vom Wesen des Priestertums selbst gefordert, wie die Praxis der frühesten Kirche und die Tradition der Ostkirchen zeigen, wo es neben solchem, die aus gnadenhafter Berufung zusammen mit allen Bischöfen das ehelose Leben erwählen, auch hochverdiente Priester im Ehestand gibt … (so ist er) jedoch in vielfacher Hinsicht dem Priestertum angemessen“ (PO 16).
    o Spaemann schreibt: „Das Konzil hat festgestellt, dass die eigentliche Liturgiesprache der westlichen Kirche das Latein sei und bleibe.“
    In der Liturgiekonstitution steht es etwas anders: „Art. 36, § 1: Der Gebrauch der lateinischen Sprache soll in den lateinischen Riten erhalten bleiben, soweit nicht Sonderrecht entgegensteht. § 2: Da bei der Messe, bei der Sakramentenspendung und in anderen Bereichen der Liturgie nicht selten der Gebrauch der Muttersprache für das Volk sehr nützlich sein kann, soll es gestattet sein, ihr einen weiteren Raum zuzubilligen…“. Art. 63: „Da nicht selten bei der Spendung der Sakramente und Sakramentalien beim Volk der Gebrauch der Muttersprache sehr nützlich sein kann, soll ihr breiterer Raum gewährt werden.“
    o Spaemann schreibt: Die Kirche „muss tun das tun, was sie immer getan hat. Sie muss immer umkehren.“
    Umkehren wohin? Dazu kein Wort vom Philosophen. Wenn „umkehren“, dann doch wohl zuerst zu dem Fundament, zu Jesus Christus. Ob wohl Jesus mit der Kirche einverstanden wäre, wie Spemann und seine Gesinnungsgenossen sie herbeisehnen?
    o Spaemann schreibt: Die Kirche „lebt von den Heiligen, die Vorbilder der Umkehr sind.“
    Vom Vorbild welcher Heiliger? Etwa von José María Julián Mariano Escrivá de Balaguer y Albás, dem Gründer von Opus Dei? Oder von Papst Pius IX.? Jesus Christus, das Vorbild schlechthin, erwähnt Spaemann auffälligerweise nicht.
    Im Beitext zum Interview wird mitgeteilt, dass Spaemann ein „geschätzter Berater und Gesprächspartner des derzeitigen Papstes“ sei. Das erklärt manche Worte und Handlungen Benedikts, lässt aber auch ernste Sorge aufkommen über die Zukunftsfähigkeit der von ihm geleiteten Kirche.

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  2. quer sagt:

    Ich habe das Interview in der „Welt“ gelesen. Nur: Einen positiven Satz zum V.II. habe ich darin nicht lesen können. Und warum auch? Was kann der Auslöser für den Niedergang des Glaubens positiv bewirken?

    Eher wohl eine von Spaemann angemahnte Umkehr. Also weg von V.II.

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    • Guten Tag,
      als positiv erwähnte Prof. Spaemann das Plädoyer des Konzils für Zölibat und Latein – siehe Meldung.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • quer sagt:

        Nun gut, diese zwei Punkte. Aber das Konzil lädt ja offenbar dazu ein, alles, was irgendwie mit dem Glauben und seiner Ausdrucksweise „davor“ zu tun hat, über Bord zu werfen.

        Und das sind diejenigen, die sich immerfort auf „den Geist des Konzils“ berufen, um eine „neue Kirche“ zu basteln. Inkl. der von ev. Theologen mitgebastelten „neuen Messe“. Katholisch ist das für mich irgendwie nicht mehr.

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