Orthodoxe kritisieren Nominierung von „Pussy Riot“ für einen Lutherpreis

Margot Käßmann lobt jene russische Punkband, die orthodoxe Kirchenvertreter beschimpfte

Mit Unverständnis hat ein führender Vertreter der Russisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland auf die Nominierung der russischen Punkband Pussy Riot für den Preis der Lutherstädte „Das unerschrockene Wort“ reagiert.

Ebenso befremdlich seien manche Reaktionen aus der evangelischen Kirche, etwa Äußerungen der EKD-Botschafterin fürs  Reformationsjubiläum 2017, Margot Käßmann. Die ehem. Bischöfin hatte die Nominierung von Pussy Riot begrüßt und als „guten Preisvorschlag“ bezeichnet. Sie empfinde eine „große Sympathie mit den jungen Frauen“, weil sie mutig gewesen seien.  

Foto: KOMM-MIT-Verlag

Wie der Generalsekretär der Orthodoxen Bischofskonferenz in Deutschland, Nikolaj Thon, der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA sagte, zeigt beides, wie weit sich die Wertevorstellungen der russisch-orthodoxen Kirche und führender Repräsentanten des deutschen Protestantismus voneinander entfernt haben.

In weiten Teilen der evangelischen Kirche scheine anstelle der Freiheit des Evangeliums eine „Freiheit pur“ getreten zu sein.

Sein Eindruck sei, dass im „Mainstream-Protestantismus“ in Deutschland alles begeistert begrüßt werde, was in Russland gegen den Strom schwimme: „Je oppositioneller, desto besser.“

Der Begriff „Tradition“ hat in der Orthodoxie einen guten Klang

Das zeige sich beispielsweise auch in der Debatte um Homosexualität. Während der Begriff „Tradition“ für orthodoxe Christen einen positiven Klang habe, sei er in weiten Teilen des Protestantismus offenbar gleichbedeutend damit, rückständig zu sein, sagte Thon.

Angesichts dieser Differenzen erscheine ein Dialog zwischen Orthodoxen und etlichen führenden Vertretern der evangelischen Kirche immer weniger sinnvoll: „Ich sehe immer weniger das gemeinsame Fundament dafür.“

Die Frauenband „Pussy Riot“ hatte am 21. Februar in der russisch-orthodoxen Kathedrale „Christus der Erlöser“ ein „Punkgebet“ gegen Präsident Putin und Vertreter der orthodoxen Kirche angestimmt. Dabei hatten die Sängerinnen beim Auftritt und in einem späteren Videoclip Kirchenvertreter als „Sch… des Herrn“ und russisch-orthodoxe Christen als „Kriecher“ verspottet. Zwei Bandmitglieder wurden daraufhin wegen Rowdytums aus religiösem Hass schuldig gesprochen und zu zwei Jahren Straflager verurteilt.

Evangelikale Kritik: Käßmann schadet der Ökumene

Der Präsident der evangelikalen Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften, Pastor Ulrich Rüß, erklärte gegenüber IDEA, mit ihrem Auftritt habe „Pussy Riot“ die Verletzung und Demütigung russischer Christen bewusst ins Kalkül gezogen.

Doch auch für den engagierten Verfechter von Menschenrechten habe zu gelten, dass Blasphemie und Herabwürdigung von Gläubigen kein Mittel des Protests sein könne. „In ökumenischem Geist sollten die evangelischen Christen fest an der Seite der orthodoxen Christen stehen. Ökumene hat hier den Ort der Bewährung, will man nicht bei Sonntagsreden verharren“, so Pastor Rüß.

Er fügte hinzu: „Margot Käßmann hat sich als Botschafterin für das Reformationsjubiläum und das Anliegen der Reformation unglaubwürdig gemacht. Und das zum Schaden der Ökumene weltweit.“

Auch liberale Protestanten erklären: Keine Gotteslästerung ehren!

Der Vorschlag der Stadt, die Punkband für den Preis zu nominieren, war aber auch in liberalen kirchlichen Kreisen auf teils heftige Kritik gestoßen. So hatte der Theologe und frühere DDR-Bürgerrechtler, Friedrich Schorlemmer, erklärt, eine Lutherstadt solle keine „Gotteslästerung“ ehren. Die Punkband habe mit ihren Texten am falschen Ort provoziert.

Der Wittenberger Propst Siegfried Kasparick hatte sich ebenfalls gegen die Nominierung ausgesprochen, weil sich die Stadt Wittenberg damit „lächerlich“ mache. Auch in der örtlichen Politik regte sich Widerstand gegen die Nominierung.

Quelle: evangelische Nachrichtenagentur www.idea.de


6 Kommentare on “Orthodoxe kritisieren Nominierung von „Pussy Riot“ für einen Lutherpreis”

  1. Onkel Lu sagt:

    Käßmann, Schneider und Co sind die besten Werbeikonen für den Atheismus.

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  2. Dorrotee sagt:

    Für mich ist diese Band eine Schande. Die Preisverleiher sollten sich mal die Biographie dieser Punkband anschauen. Gruppensex und Freizügigkeit, wo es nur geht. Abschreckend. Aber so manch ein ordentlicher Bürger würde auch mal gerne in den Sumpf, und freut sich über solche Nominierungen in der Öffentlichkeit.

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    • Claudia sagt:

      Für mich auch liebe Dorrotee, Frau Käßmann ist für mich jetzt unten durch – wahrscheinlich weiss sie gar nicht was sie da gut heißt… Ich hätte gern mal mit ihr darüber gesprochen – oder glaubt sie nicht mehr an Gott.

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