Der Papst betont die Bedeutung der lateinischen Sprache für Liturgie und Wissenschaft in der Kirche

Benedikt XVI. errichtete heute eine Akademie pro Latein


Papst Benedikt ruft eine neue Institution zur Förderung der lateinischen Sprache ins Leben.

Mit einem Motu Proprio gründete er am heutigen Samstag die Päpstliche Akademie „Latina Lingua“. Sie wird zunächst „ad experimentum“ für fünf Jahre eingerichtet und Teil des Päpstlichen Kulturrates sein.

Sie wird aus einem Präsidenten, einem Sekretär und einem fünfköpfigen akademischen Rat bestehen. Dazu sollen weitere, ehrenamtlich arbeitende Mitglieder kommen.

Zum ersten Präsidenten ernannte der Papst den italienischen Latinisten Ivano Dionigi. Er ist Latein-Professor an der Universität Bologna.

In seinem Begleitschreiben betont der Papst, daß die lateinische Sprache in der Geschichte der Kirche immer die Universalität der Botschaft Christi garantiert habe.

Auch wenn seit dem Pfingstfest die Kirche in allen Sprachen der Welt spräche und betete, so habe das Lateinische  –  neben dem Griechischen  –  seit Beginn der Kirche den Austausch mit der Umwelt ermöglicht.

Die Kirche sei nach der Übernahme dieser Weltsprache so etwas wie die Schützerin und Förderin der lateinischen Sprache geworden. Liturgie und Dokumente der Kirche seien immer auf Latein geschrieben worden. Dies geschehe auch heute noch, so der Papst.

Deswegen sei das Erlernen dieser Sprache nicht nur für die Erschließung der Quellen des Christentums unumgänglich. Als Beispiel-Disziplinen nennt Benedikt u.a. das Kirchenrecht und die Patristik.

In der zeitgenössischen Kultur würden die Lateinkenntnisse und das Wissen über die lateinische Kultur immer oberflächlicher, erklärte der Papst weiter. Das sei etwa auch im Bereich der Priesterausbildung zu beobachten.

Dagegen wolle die Kirche die Einrichtung der Akademie „Latina Lingua“ setzen, die sich um neue Vermittlungsformen, um Tagungen, wissenschaftliche Kongresse und generell um die Förderung der lateinischen Sprache in der Kirche und darüber hinaus in der Begegnung mit der Kultur kümmern soll.

Die 1976 von Papst Paul VI. errichtete Stiftung Latinitas geht in der neuen Einrichtung auf.

Quelle: Radio Vatikan


3 Kommentare on “Der Papst betont die Bedeutung der lateinischen Sprache für Liturgie und Wissenschaft in der Kirche”

  1. Jesus sprach aber nicht primär lateinisch, sondern aramäisch. Alle Übersetzungen / Übertragungen in andere Sprachen und Weitervermittlung in andere Kulturen sind von daher weniger original / authentisch und bergen das Risiko von Fehldeutungen.

    Ist sich die römisch-katholische Kirche eigentlich darüber im Klaren, dass sie etlichen Völkern mit der „Missionierung“ eine geistig-seelische / spirituelle „Kastration“ angetan hat? Wie zum Beispiel den Germanen?

    Liken

    • Guten Tag,
      schon zur Zeit der Juden im Alten Bund gab es zB. das AT sowohl auf Hebräisch wie auf Griechisch (damals eine Art Weltsprache), die Septuaginta nämlich. Die ältesten überlieferten Handschriften des Neuen Testaments sind auf griechisch verfaßt. Auch die Gottesdienste der Christen in der ersten Jahrhunderten wurden weitgehend griechisch abgehalten. Nach dem Ende der Christenverfolgung durch das Römische Reich gelangte das Latein zu mehr Einfluß in der Kirche und der hl. Hieronymus übersetzte die Bibel ins Lateinische, die sog. Vulgata.
      Die Germanen – abgesehen zunächst von den Sachsen – haben die sog. „Kastration“ durch das Christentum gerne über sich „ergehen“ lassen, haben das Christliche mit ihrer germanischen Kultur vereinigt (siehe „Heliand“ im Frühmittelalter) – und sie sind zudem nach dem Chaos der Völkerwanderungen durch das Fränkisch-katholische Kaisertum und das nachfolgende „Sacrum Imperium“ („Heilige Römische Reich deutscher Nation“) zu weltgeschichtlicher Bedeutung gelangt, was ohne das Christentum nicht möglich gewesen wäre. Es gab also durch das Christentum eben keine allgemeine „Kastration“ (natürlich wurde die wilde Kriegerlust „kastriert“), sondern eine kulturstarke Kraftentfaltung der besten germanischen Tugenden. Der Kirche gelang insgesamt eine eindrucksvolle Inkulturation des christlichen Glaubens in germanisches Denken, Leben und Fühlen.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

      Liken


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s