Italien: Schwarze Messen, „Sonnenwunder“ und „Marienerscheinungen“ in Montesilvano bei Pescara

20.000 wunderbewegte Gläubige und Neugierige warteten auf ein „Himmelszeichen“

Im Jahre 1987 und danach ging es rund bei Erscheinungsgläubigen in Italien und den damit gerne verbundenen Massensuggestionen, denn Zehntausende von mehr oder weniger frommen Neugierigen pilgerten damals nach Montesilvano an der Adria, einer mittelgroßen Stadt unweit von Pescara, der Provinzhauptstadt in der mittel-italienischen Region der Abruzzen.  

Dort wollte eine 32-jährige Frau von der Madonna selbst „auserwählt“ sein, um mal eben die Menschheit zu retten.

Dergleichen Wahnvorstellungen kommen im wundersüchtigen Lager öfter vor, doch in diesem Fall war es besonders tragisch, daß der damalige junge Kaplan namens Vincenzo Diodati  – ein früherer Fußballspieler  –  voll auf die „Visionen“ der jungen Frau hereingefallen war  – und dies, obwohl der dortige Bischof  Antonio Iannucci ihn und die Gläubigen ausdrücklich davor warnte und zu striktester Zurückhaltung ermahnte. Der ältere Pfarrer von Montesilvano war hingegen bodenständiger als der junge Priester –  er blieb dem irrgeistigen Treiben ferne.

Der kritische Bischof hatte mittlerweile Jesuitenpater Carlo Colonna beauftragt, die mirakulösen Vorgänge gründlich zu untersuchen.

Nach seinen Beobachtungen und Kontrollgängen, darunter einem vierstündigen Gespräch mit der „Seherin“ Maria Antonietta Fioritti, war dem Jesuiten klar, daß alles nur ein (un)fromme Schwindel war:

Die Visionärin sei keine Botin des Himmels, erklärte er  –  eher eine Abgesandte des Gegenteils, denn sie habe bereits an Schwarzen Messen teilgenommen.  

Entweder hat sie also alles erfunden oder der Erzfeind erschien ihr als „Engel des Lichts“  – vor diesen teuflischen Täuschungsmanövern warnt die Heilige Schrift in 2 Kor 11,14 ausdrücklich, außerdem vor falschen Propheten, „die in Schafskleidern zu euch kommen“ (Mt 7,15).

Mitte Februar 1988 verkündete der erscheinungsbewegte Vikar von Montesilvano sogar felsenfest, daß am Sonntag, den 28. Februar in der nahegelegenen Stadt Pescara am Himmel ein leuchtender Schriftzug, eine Art „letzter Bußruf „erscheinen werde, wodurch die Madonna die Menschheit vor dem Verderben und dem kommenden  Strafgericht warnen wolle.

Er berief sich hierbei auf seine Hausvisionärin Fioritti, außerdem will er selber göttliche Einsprechungen erhalten haben.

Wie die italienische Zeitung La Notte am 1. März 1988 berichtete, wurde der schwärmerische Geistliche im Auftrag des Bischofs von Pescara durch Jesuitenpater Colonna ebenfalls näher in Augenschein genommen. Dieser erklärte, der Vikar sei ein „Fanatiker im religiösen Delirium“, er habe also Wahnvorstellungen entwickelt.

Gleichwohl konnten die beiden „Seher“ zehntausende Wundergläubige in ihren Bann ziehen und sogar Medien in Bewegung setzen:

Kein „Lichtzeichen“ am Firmament, aber „Sonnenwunder“ in Hülle und Fülle

Wie zu erwarten war und wie die Giornale d’Italia am 1. März 1988 berichtete, ist das von Kaplan angekündigte Lichtwunder am Firmament keineswegs eingetroffen, obwohl Sensationslustige noch bis Sonntag-Nacht bzw Montag-Früh 2 Uhr gewartet hatten. Der Vikar und die Seherin hatten die Menschenmengen, die sich abends in Decken und Schlafsäcken hüllten, auf einem Hügel versammelt.

Sogar nach Mitternacht hatte der abergläubische Kaplan die mittlerweile erschöpften Leute zum weiteren Ausharren ermutigt und ihnen dies als eine Art „Glaubensprüfung“ erläutert nach der Devise:  Der Himmel habe schließlich das Recht, sich etwas zu verspäten und vielleicht wolle Gott ja damit die vertrauensvolle Ausdauer der Seinen testen…

Sogar Fernsehkameras harrten an Ort und Stelle der Ereignisse, die nicht eintrafen – es wurde live aus der Menschenmenge berichtet, immerhin hatten sich nach Polizeiangaben sage und schreibe 20.000 Leute eingefunden. Solch ein Spektakel lohnt sich durchaus für Funk und Fernsehen sowie die Regenbogenpresse.

Obwohl das Ganze bei Licht betrachtet eine große Pleite fürs abergläubische Völkchen war, behaupteten damals gleichwohl hunderte von Leuten hartnäckig   – auch gegenüber den Medien  –  sie hätten am besagten Sonntag, den 28. Februar, sehr wohl ein großartiges „Sonnenwunder“ zur Mittagszeit erlebt.  Ein junger Mann hatte sie animiert: „Schaut in die Sonne, wie sie sich entwickelt.“ 

Zu ihnen gehörte auch Luigi Serafini, ein Freund des erscheinungsbewegten Vikars. Serafini erklärte einer Zeitung, er habe in Medjugorje ein Sonnenphänomen erlebt, aber nicht nur dort: „Auch heute sah ich die Sonne, wie sie ihre Farben veränderte.“

Andere Pilger erzählten ebenfalls, die Sonne habe ständig rotiert und pulsiert und geradezu getanzt, sie habe grünes Licht abgestrahlt und ein grandiosen Farbenspiel geliefert und dergleichen mehr, wobei es von diesen Phänomenen auch allerlei „Wunderbilder“ geben soll.

Geschicht(ch)en also über „Himmelszeichen“, wie man diese bereits aus Medjugorje und andernorts zuhauf kennt, z.B. auch aus Heroldsbach und Montichiari, typische „Schauwunder“ eben, die nicht den theologischen Glauben, sondern vielmehr die menschlichen Sinnenfreude und die Phantasie ansprechen.

Das einzige Faktum, das bei derlei „Sonnenguckerei“ aber als sicher gelten kann, ist ein deutlicher Anstieg der Patienten bei den Augenärzten, denn das anhaltende Stieren in die Sonne ist durchaus schädlich bis gefährlich für die Augen.

Der Bischof von Pescara warnt vor Wundersucht und Erscheinungslust

Nach dem massenhysterischen Treiben am „schicksalhaften“ 28. Februar 1988 verschärfte der zuständige Bischof von Pescara seine Gangart:

Diese „sensationelle Schlappe“  sei ein erneuter Beweis dafür, so verkündete die Bistumsleitung in einem amtlichen Schreiben, daß die „Marienerscheinungen“ von Montesilvano „keinerlei Kennzeichen eines übernatürlichen Geschehens enthalten und nicht von der Kirche anerkannt sind“.

Der Bischof untersagte sowohl den Priestern wie dem Kirchenvolk jede Versammlung mit den beiden „Sehern“ (der jungen Frau und dem visionsbewegten Kaplan)  – und er ermahnte die Pfarrgemeinde von Montesilvano, den Zustrom von Wundergläubigen nunmehr strikt zu unterbinden.

Der wahre Glaube habe sich stets durch Apostolat, Gottesdienst und Werke der Liebe ausgezeichnet, nicht durch derlei mirakulöse Phänomene, die nichts zum geistlichen Wachstum der Kirche beitragen, sondern vielmehr den Fanatismus nähren und die Einheit der Gläubigen gefährden würden.

Vikar Don Vincenzo wurde nach seiner Bauchlandung als erfolgloser „Prophet“ sodann für einige Zeit zwecks Nachdenkens und zur geistlichen Ernüchterung in eine Klosterzelle geschickt, damit er das Kirchenvolk nicht weiter in Verwirrung stürzt und sich von seinen Schwärmereien erholt und abkehrt.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks und des KOMM-MIT-Verlags in Münster


11 Kommentare on “Italien: Schwarze Messen, „Sonnenwunder“ und „Marienerscheinungen“ in Montesilvano bei Pescara”

  1. Simone sagt:

    Guten Tag,

    ich selbst habe mal ein solches Sonnenphänomen gesehen. Durch Zufall, bei mir Zuhause.
    Ich weiß nicht, ob so ein Sonnenphänomen nicht auch natürlich erklärt werden kann. Als ich die Sonne hinter der Wolkendecke rotieren und hüpfen sah, dachte ich erst an eine optische Täuschung. Als ich dann verschiedene Farben um die Sonne wahrnahm wunderte ich mich schon ein wenig. Ich rief meine Kinder und bat sie, aus den Fenster zu schaun. Mehr sagte ich nicht. Auch sie sahen (außer meine mittlere Tochter) das Phänomen. Eine meiner Töchter nahm dann ein Kreuz in der Sonne wahr. Ich selbste glaubte, eine Gestalt in der Sonne zu sehen. Meine andere Tochter nahm eine weibliche Person wahr. Meine jüngste Tochter nahm außerdem einen weißen Vogel wahr. Meine mittlere Tochter sah gar nichts. Auch die rotierende Sonne nicht. Sie glaubt noch heute, dass wir sie auf den Arm genommen hätten … Ich weiß nicht, was das damals war. Erwartet hatte ich sicher kein solches Schauwunder, denn ich hatte zum besagten Zeitpunkt weder gebetet noch sonst irgendetwas dergleichen gemacht. Meine Kinder wollten in der Schule fragen, ob ein solches Phänomen in der Wissenschaft bekannt ist und was es bedeutet. Ich habe ihnen ausgeredet in der Schule darüber zu sprechen, da ich befürchtete, dass die Kinder ausgelacht würden. Wenn ich ehrlich bin, würde ich so etwas auch nicht glauben, wenn ich es nicht selbst gesehen hätte. Sie haben auch nie mehr darüber gesprochen, glaube ich. Wie gesagt. Wir hatten von einem derartigen Phänomen vorher nichts gewusst. Erst als ich im Internet eingab „Sonne pulsiert, dreht sich und hüpft“ bin ich auf Seiten gestoßen, die bei einem solchen Phänomen von einem Sonnenwunder sprechen. Auch heute kam ich mit ähnlichen Suchbegirffen zu dieser Seite hier. Ich musste aufgrund des Evangeliums heute, wo ja von Zeichen am Himmel (Sterne, Sonne usw.) gesprochen wurde, an das Phänomen denken. Nachdem ich kein Mensch bin, der viel Wert auf solche Dinge legt, denke ich mal, dass das Phänomen entweder auf eine optische Täuschung zurückzuführen ist (warum dann eine meiner Töchter nichts sah, weiß ich nicht) oder eben, dass es tatsächlich irgendein Zeichen ist. Ob es von Gott ist, weiß ich nicht. Kann schon sein. Immerhin nehme ich das Evangelium jetzt schon ernster … also wer weiß: Vielleicht gibt es wirklich solche Sonnenwunder. Gottes Segen

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    • Ralf sagt:

      Wenn die Sonne wirklich „pulsiert und gehüpft“ hätte, dann hätte man dies auf der ganzen Erde gesehen (Sonnenzugewandte Seite). Dies allein reicht schon, daß es sich nicht um ein reales Ereignis gehandelt hat; letztendlich war dies nur in ihrem Kopf und in den Köpfen Ihrer Töchter.
      Und noch etwas: Man sollte niemals mit ungeschütztem Auge in die Sonne sehen…

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      • Simone sagt:

        Hallo Ralf, so weit ich weiß, hat man das Sonnenwunder von Fatima auch nicht auf der ganze Erde gesehen, sonst wäre es ja zweifelsfrei wissenschaftlich dokumentierbar und vielleicht sogar erklärbar gewesen!? Und das Sonnenwunder wurde sehr wohl vonseiten des Vatikans im Oktober 1930 als Wunder anerkannt. Ein solches Sonnenwunder hat sich in den Vatikanischen Gärten übrigens auch noch mal wiederholt – vor den Augen des damaligen Papstes. Sie können aber natürlich dem Papst unterstellen, dass er gelogen hätte … Aber zurück zu Fatima: Hätte das Sonnenwunder auf der ganzen Erde stattgefunden, hätten die Menschen auch nicht nach Fatima reisen müssen. Das nur mal so. Ob man das Wunder auch von einem anderen Ort aus gesehen hat, weiß ich nicht, ich glaube es aber nicht, und das war wohl auch nicht so vorgesehen, da ja die Erscheinungen von Fatima mit diesem „Zeichen“ bestätigt werden sollten.

        Nun aber zu meinem Phänomen: Ich hatte geschrieben, dass es durchaus eine optische Täuschung gewesen sein könnte … Ich habe NICHT geschrieben, dass es zweifelsfrei ein Sonnenwunder war. Im Übrigen habe ich auch geschrieben, dass die Sonne hinter einer Wolkendecke versteckt war … sonst hätte man – wie Sie ganz richtig schreiben – nicht direkt hineinsehen können …

        Da die Sonne – wie ja im ersten Beitrag geschrieben – aber HINTER der Wolkendecke war, ging das problemlos. Und nochmal: Ich behaupte weder aktiv noch passiv, dass es ein Sonnenwunder war. Ich habe nur geschrieben, dass ich ein ähnliches Phänomen mal wahrnahm, wie das im Beitrag beschriebene … ein Faktum wollte ich nie aufstellen. Was dieses Phänomen war, weiß ich nicht, kann man auch nicht mehr überprüfen und ist im Grunde auch egal.

        Eines möchte ich aber noch klären: Ich hoffe, Sie meinen mit „in den Köpfen Ihrer Töchter“ ebenfalls eine optische Täuschung und wollen hier nicht auf vorgefällte Urteile zurückgreifen, das liest sich nämlich schon ein wenig so, als ob Sie einen „angeschlagenen Geisteszustand“ vermuten könnten ?!?!? Für eine hysterische Gebärde hätte man im Übrigen eine Erwartungshaltung haben müssen, die weder bei meinen Töchtern noch bei mir vorhanden war. Auch eine hysterische Persönlichkeitsstörung oder anderweitige Persönlichkeitsmerkmale, die auf Effekthascherei aus sind, sind ausgeschlossen, das kann ich Ihnen versichern. Ihnen steht es aber natürlich frei, zu glauben, was Sie möchten. Gottes Segen und nichts für Ungut wünscht Simone

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      • Simone sagt:

        Zusatz zu meinem bereits publizierten Kommentar (hier in Anführungszeichen angegeben): „Nun aber zu meinem Phänomen: Ich hatte geschrieben, dass es durchaus eine optische Täuschung gewesen sein könnte … Ich habe NICHT geschrieben, dass es zweifelsfrei ein Sonnenwunder war. Im Übrigen habe ich auch geschrieben, dass die Sonne hinter einer Wolkendecke versteckt war … sonst hätte man – wie Sie ganz richtig schreiben – nicht direkt hineinsehen können …“ …

        Ich möchte das Wörtchen „können“ mit „sollen“ ersetzen, da Sie ja geschrieben haben, man solle niemals … der Sinn bleibt aber im Grunde derselbe. Egal, ob man in die Sonne nicht blicken soll oder kann: Wer mal versucht hat, ohne Schutz in die Sonne zu blicken, weiß selbst, dass das eigentlich nicht möglich ist, ohne minutenlang von einem unangenehmen Nachbildsehen oder Blickfeldausfällen begleitet zu werden … Man kann ohne Schutz also ohnehin nicht lange in die Sonne direkt blicken und man sollte es auch nicht tun …

        Ich hoffe, ich konnte diesen Punkt nun ausreichend klären. Aber um Missverständnisse nochmals auszuräumen: Ich selbst pflege nicht regelmäßig in die Sonne zu blicken. Mein Wissen um das Nachbildsehen bzw. die Blickfeldausfälle ergibt sich aus anderen Quellen und lässt auch bei näherem Betrachten, Zerpflügen oder anderweitigem Erörtern kein gefährliches Hobby meinerseits vermuten. Und noch mal: Ich selbst hatte nicht direkt in die Sonne geblickt, da die Sonne von einer Wolkendecke bedeckt war. So. Jetzt glaube ich, habe ich alle Klarheiten beseitigt 😉

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      • Ralf sagt:

        …auch wenn die Sonne hinter einer Wolkendecke ist, sollte man nicht hineinsehen, da noch genügend „Strahlung“ das Auge erreicht.
        …und Sie denken doch wohl nicht allen Ernstes, das man sie „ernst“ nehmen kann, wenn sie ein „Sonnenwunder“ beschreiben.
        Und was ich von dem Sonnenwunder von „Fatima“ halte, habe ich ja schon in meinem ersten Kommentar geschrieben.
        Wenn Sie schreiben, daß das Wunder nicht überall gesehen wurde? Dann frage ich Sie, war es die Sonne, die da „tanzte“? War es wirklich ein Wunder? – Denn, wenn die Sonne „getanzt“ hätte, dann hätte man es überall sehen müssen; dieser logische Schluß ist so einfach…
        Die Sterne sind keine „Himmellaternen“, die der „liebe Gott“ aufgehängt hat…

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      • Ralf sagt:

        …sorry, mein Kommentar war vielleicht etwas zu hart…
        aber ich habe diese „Wunder“ langsam satt…

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  2. Ralf sagt:

    Wie bitteschön, soll ein „Sonnenwunder“ funktionieren? – Es ist fast ein heidnischer Kult – Anbetung der Sonne…Ja, ich weiß, daß in Fatima auch ein „Sonnenwunder“ stattgefunden haben soll, aber ich bezweifle das sehr…die Anerkennung Fatimas, ist keine Bestätigung des „Sonnenwunders“…
    Ein „Sonnenwunder“ müsste zudem überall auf der Erde sichtbar sein und dürfte nicht ortsgebunden sein; außerdem, Gott behüte, würde ein „Sonnenwunder“ den Stern durcheinanderbringen…Sonnenstürme wären die Folge oder auch Gravitationsveränderungen, Asteroiden oder Planeten würden aus ihren Bahnen geraden und alles würde in einem Chaos enden.
    Ja, ich weiß…Gott macht schon alles…aber…ES GIBT NATURGESETZE…(und wer glaubt, daß Gott der Schöpfer der Natur ist, der muß auch anerkennen, daß er ihr die Gesetze gegeben hat und sie nicht für eine „Spielerei“ außer Kraft setzt, den dafür müßten schon einige sehr bedeutende Naturgesetze außer Kraft gesetzt werden)

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    • Marcus sagt:

      Hallo Ralf,
      auch wenn Sie diese „Wunder“, wie Sie es bezeichnen, satt haben, bleibt es dennoch eine Tatsache, dass das Sonnenwunder von Fatima auch vonseiten der Kirche als anerkannt gilt. Auch in Fatima berichteten die Menschen, dass Sie problemlos in die Sonne blicken konnten. Gerade dieses Phänomen, das übrigens nicht nur von vielen, sondern von Massen bezeugt wurde, war ja der Anlass des überaus großen Erstaunens (auch bei Wissenschaftlern). Und gerade diese außergewöhnlichen Begebenheiten waren es ja, die auch Kritiker von einem Wunder sprechen ließen. Es gab da noch ganz andere Berichte: von sonderbaren Farbenspielen über Phänomene, die weitaus Sonderbarer war, als das eigentliche Sonnenphänomen. Dies alles war der Grund, weshalb Anwesende zum Teil laut ihre Sünden bekannten, wie zumindest berichtet wird. Diese waren nicht etwa fromm, sondern mitunter sogar kritisch. Journalisten, die eigentlich gegen Fatima schreiben wollten, waren nach genannten Phänomenen ebenfalls tief ergriffen. Alles in allem hat die Kirche Fatima gerade wegen dieser Wunder anerkannt. (Jeder Selig- und Heiligsprechung müssen übrigens auch Wunder vorausgehen.) Die Kirche erkennt Wunder also durchaus an. Ja, Wunder gehören sogar zum Glaubensgut. (Denken wir nur an die Jungfrauengeburt, die aus wissenschaftlicher Sicht ebenfalls nicht möglich wäre, da die Naturgesetze und sämtlichen medizinischen Kenntnisse dagegen sprechen … dennoch glauben Katholiken an die unbefleckte Empfängnis. Ja, mehr noch: Es ist sogar ein Dogma.)

      Es bleibt aber natürlich Ihnen überlassen, das zu glauben oder nicht. Die Kirche sagt dennoch, dass es solche Wunder geben kann, auch wenn diese nicht die Regel sind.
      Im Übrigen wäre es kein Wunder, wenn eine Begebenheit mithilfe der Naturgesetze zustande käme, sondern ein Naturphänomen. Würden die Naturgesetze ins Wanken geraten oder für einen kurzen Moment außer Kraft gesetzt, wäre es – wie Sie es selbst sehr gut erkannt haben – eine Naturkatastrophe (oder der Weltuntergang). Ein Wunder hat ja eben nichts mit den gängigen Naturgesetzen zu tun und kann wissenschaftlich eben NICHT er- und geklärt werden. Sonst wäre ein Wunder kein Wunder mehr. Was die üblichen Naturgesetze betrifft, haben Sie natürlich recht: Gott hat keine Laternen aufgehängt. Das wird aber ja auch gar nicht behauptet. Überhaupt wäre es ja auch durchaus möglich, dass sich Gott einer Sinnestäuschung bedient. Damit braucht er die Naturgesetze auch gar nicht außer Kraft zu setzen. Wer sich mit dieser Thematik auskennt, weiß, dass unser Gehirn uns überhaupt ständig Sinnestäuschungen vorgaugelt, ohne, dass wir uns deshalb Sorgen um unsere psychische Verfassung machen müssten. Zu diesen Punkten kann ich Ihnen übrigens eine Buchneuerscheinung empfehlen: Das Buch „Sokrates trifft Jesus“ thematisiert ähnliche Punkte wunderbar und höchst niveauvoll.

      Gott zum Gruße
      Marcus

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      • Guten Tag,
        wenn die Kirche eine Erscheinung anerkennt, verpflichtet das erstens die Katholiken nicht zum Glauben, sondern erlaubt ihnen nur die Zustimmung. Zudem besagt eine kirchl. Anerkennung, daß in der betr. Privatoffenbarung nichts enthalten ist, was der kirchlichen Lehrverkündigung widerspricht. Ein Sonnenphänomen ist aber nicht inhaltsbezogen, es enthält keine Botschaft, die der Kirchenlehre widersprechen oder ihr entsprechen könnte, sondern befindet sich auf einer nonverbalen Ebene. Das damalige Sonnenwunder war keineswegs der Anlaß für die Fatima-Anerkennung. Lourdes wurde zB. auch anerkannt, obwohl dort seinerzeit kein Schauwunder zu sehen war.
        Auch der Weltkatechismus erinnert an die beständige Position der Kirche, wonach die kirchlich anerkannten Erscheinungen keineswegs zum „Glaubensgut“ der Kirche gehören. Somit ist jemand, der nicht an diese approbierten Privatoffenbarungen glaubt, genauso gut katholisch wie jene, die ihnen anhängen. Wobei diese Anhänglichkeit nicht übertrieben werden sollte, zumal Papst Benedikt daran erinnerte, daß an die anerkannten Erscheinungen nur „in vernünftiger Weise“ geglaubt werden soll, also ohne Schwärmerei, geschweige Fanatismus – sie sind eben durchaus nicht das „fünfte Evangelium“, erst recht nicht das erste; sie gehören nicht zur „göttlichen Offenbarung“.
        „Sonnenwunder“ sollen bei mehreren Erscheinungen vorgekommen sein, in Heroldsbach (einem kirchlich strikt abgelehnter Fall) sollen über zehntausend Menschen ein solches gesehen haben, auch Priester bezeugten dies – ähnlich in Montichiari, ebenfalls kirchlich nicht anerkannt – und in Medjugorje werden Sonnenwunder am laufenden Meter berichtet. Ich kenne mehrere Pilger persönlich, die nach eigenen Angaben ein wundersames Sonnenphänomen erlebt haben.
        Da nun derartige „Sonnenwunder“ auch bei kirchlich abgelehnten bzw. ungünstig beschiedenen Erscheinungen vorkommen, stellen sie keinen Beweis der Echtheit dar. Man konnte dies freilich 1917 nicht wissen, da die anderen Vorkommnisse später stattfanden. Übrigens haben damals in Fatima keineswegs alle Anwesenden das Sonnenphänomen wahrgenommen, so daß es offenbar auch von der jeweiligen subjektiven Verfassung abhing.
        Freundlichen Gruß!
        Felizitas Küble

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      • Marcus sagt:

        Hallo Frau Küble,

        danke für Ihren Hinweis. Das wusste ich nicht. Ich dachte, das Sonnenwunder wäre sehr wohl mit ein Grund für die Beurteilung gewesen. Da habe ich etwas dazugelernt. Aber klar. Bei Padre Pio waren die Stigmata ja auch kein Kriterium für die Heiligsprechung. Eigentlich auch logisch, denn so etwas kann ja auch ungesund verführerisch sein. Was Sonnenwunder betrifft, kennt die Kirche und viele Gläubige aber ja dennoch solche Phänomene (auch ohne, dass Gläubige diese unbedingt bräuchten). Aber es ist durchaus angebracht und sehr wichtig, ebenfalls anzuerkennen, dass diese eben kein HInweis für die Echtheit einer Sache, eines Ortes usw. darstellen. Da haben Sie recht. Dennoch können diese Phänomene aber darauf hinweisen, denn in Fatima hat die Muttergottes ja ein Wunder angekündigt. Sie haben aber schon recht: Derartige Phänomene stellen bestenfalls eine Ergänzung zum Glauben dar. Man braucht sie nicht, um glauben zu können. Ja, es wäre sogar fatal, wenn man derartige Phänomene bräuchte. Aber geben tut es sie dennoch. Und das wollte ich „Ralf“ nur sagen.

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