Mißbrauchsopfer der Odenwaldschule erhält renommierten Geschwister-Scholl-Preis

Meldung der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA:

Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch Lehrer und Geistliche ist keineswegs auf die katholische Kirche beschränkt. Auch evangelische Pädagogen und Theologen haben sich in den achtziger und neunziger Jahren schwerster Vergehen schuldig gemacht. Strafrechtlich sind diese verjährt, aber die Opfer leiden meist lebenslang.

Ihr Schicksal kam erneut an das Licht der Öffentlichkeit, als einem ehem. Schüler der Odenwaldschule am 26. November in München der Geschwister-Scholl-Preis verliehen wurde.

In seinem unter dem Pseudonym „Jürgen Dehmers“ geschriebenen Buch „Wie laut soll ich denn noch schreien?“ schildert der heutige Lehrer Andreas Huckele (43) jene Gefühle der Ohnmacht, Angst, Wut, Ekel und Suchtkrankheiten, die der hundertfache Missbrauch von Jungen und Mädchen sowie die Vertuschung hinterlassen hat. In der Laudatio des mit 10.000 Euro dotierten Preises wird Huckeles „seltenes Beispiel von Mut“ gewürdigt.

Reformpädagogischer Theologe G. Becker: hundertfacher Mißbrauchstäter

Ein Haupttäter war der evangelische Theologe Gerold Becker (1936-2010), der von 1972 bis 1985 die „reformpädagogische“ Odenwaldschule leitete. Huckele wurde zuerst als 13-Jähriger und dann rund 400 Mal von Becker missbraucht. Insgesamt sind 132 Opfer bekannt; mehr als ein Dutzend Lehrer und Erzieher gehörten zu den Tätern.

Becker, der bis zu seinem Tode mit dem auch in der evangelischen Kirche angesehenen Pädagogen Hartmut von Hentig (87) in Berlin zusammenlebte, räumte 2010 erstmals sexuelle Handlungen an Schülern ein. In einem Schreiben bat er um Entschuldigung, wenn er sie durch Annäherungsversuche oder Handlungen sexuell bedrängt oder verletzt habe.

Der pädophile Becker gehörte 1998 zur Kammer der EKD für Bildung und Erziehung und ihrer Arbeitsgruppe „Konfirmandenarbeit“, die sich mit der Konfirmation im Wandel unter dem Titel „Glauben entdecken“ beschäftigte. 1

998 waren bereits erste Vorwürfe gegen Becker wegen sexuellen Missbrauchs bekannt geworden, u.a. durch einen Artikel in der „Frankfurter Rundschau“. Staatsanwaltliche Ermittlungen wurden wegen Verjährung eingestellt.

Zu den prominenten Schülern des 1910 gegründeten Landerziehungsheims Odenwaldschule gehören die Porno-Händlerin Beate Uhse und der Europa-Abgeordnete der Grünen, Daniel Cohn-Bendit.

Evangelische Pastoren vergehen sich an Jungen und Mädchen

Nicht nur evangelische Pädagogen, sondern auch Seelsorger haben sich des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger schuldig gemacht. Zu den schwerwiegendsten Fällen zählen die Vorgänge in der evangelischen Kirchengemeinde von Ahrensburg bei Hamburg in den achtziger und neunziger Jahren.

Der heute 78-jährige Ex-Pastor Gert-Dietrich Kohl verging sich an mindestens 13 Minderjährigen. Ende 2010 kam er einem Rauswurf aus der Kirche zuvor, indem er selbst seine Entlassung beantragte. Gedeckt wurden seine Vergehen von dem früheren Amtsbruder Friedrich Hasselmann (71). Er unterhielt selbst intime Beziehungen zu einer 17- und einer 18-Jährigen. Strafrechtlich sind die Vergehen verjährt.

Hasselmann muss vorerst auch keine kirchlichen Konsequenzen fürchten, etwa den Verlust seiner Ruhestandsbezüge. Das Kirchengericht der „Nordkirche“ hat soeben ein Disziplinarverfahren gegen ihn eingestellt. Zur Begründung wurden „Milderungsgründe“ angeführt. So habe sich Hasselmann in der langen Zeit seit den Amtspflichtverletzungen einwandfrei geführt. Außerdem seien er und seine Familie Ziel einer „Hetzkampagne“ geworden.

Die „Nordkirche“ prüft, Rechtsmittel gegen den Richterspruch einzulegen. Die evangelischen Landeskirchen haben inzwischen strenge Richtlinien erlassen, um bereits beim ersten Verdacht gegen mögliche Täter vorzugehen und die Opfer zu schützen.

Die „Sexuelle Revolution“ und ihre mißbrauchten Kinder

Der theologisch konservative Theologe Dieter Müller   –  Vorstandsmitglied der Kirchlichen Sammlung um Bibel und Bekenntnis in der „Nordkirche“  –  sieht in den Fällen sexuellen Missbrauchs in den achtziger und neunziger Jahren auch eine Auswirkung der „sexuellen Revolution“ im Gefolge der 68er Bewegung.

Sie habe Hemmschwellen abgebrochen, die vorher einen Schutzraum geboten hätten. Die propagierte „schamlose Vertrautheit“ habe ein Klima geschaffen, das Missbrauch leichter möglich gemacht habe.

Großen Einfluss in der evangelischen Kirche hätten nicht nur Becker und Herr von Hentig gehabt, sondern etwa auch der Sexualwissenschaftler Helmut Kentler (1928-2008). Dieser Vertreter einer „emanzipatorischen Sexualerziehung“ trat auch auf Evangelischen Kirchentagen auf.

Quelle: www.idea.de


Ägypten: Christliche Allianzen gegen diktatorische Tendenzen – Will Mursi ein neuer „Pharao“ werden?

Der neue koptisch-orthodoxe Papst-Patriarch Tawadros II. empfängt eine Delegation der katholischen Kirche Ägyptens. Bei dem Treffen wollen die Christen gemeinsame Initiativen angesichts der aktuellen politischen Lage in Ägypten koordinieren.

Dies kündigte der koptisch-katholische Bischof von Assiut, Kyrillos William Samaan, am vergangenen Sonntag (25.11.12) im Gespräch mit der katholischen Nachrichtenagentur Fides an.

Hintergrund sind die Verfassungsdekrete, mit denen Präsident Mohammed Mursi die eigenen Machtbefugnisse ausgeweitet hat, was eine landesweite Protestwelle auslöste. Oppositionsgruppen riefen daher zu einer Massendemonstration gegen Mursi auf dem zentralen Kairoer Tahrir-Platz auf.

„Die Anhänger von Mursi vertreten den Standpunkt, dass diese Massnahmen für den Prozess der Revolution notwendig sind. Doch alle anderen sprechen von diktatorischen Tendenzen und der Absicht Mursis, ein neuer Pharao zu werden“, so Bischof Samaan.

Erst in der vergangenen Woche hatten christliche Vertreter offiziell ihren Rückzug aus der verfassunggebenden Versammlung bekanntgegeben. Die Delegierten der koptisch-orthodoxen,katholischen und protestantischen Konfessionen protestieren damit gegen islamistische Tendenzen in der neuen ägyptischen Verfassung.

Quellen: http://www.jesus.ch/Kipa/Fides