Makellose Empfängnis Mariens – was ist damit genau gemeint?

GOTT konnte es, GOTT wollte es  –  also tat ER es!

Der Leiter des  „Kölner Domradios“ berichtet in seinem gestrigen Newsletter vom 7.12.2012 folgende Begebenheit:

„Vor einigen Jahren (…) durfte ich ein Medientraining für Priester leiten. Wir übten Interviews. Jedem gab ich ein Thema. Der eine sollte zu einem Weihnachtskonzert einladen, der andere vom kirchlichen Stand auf dem Weihnachtsmarkt berichten, wieder ein anderer eine adventliche Hilfsaktion vorstellen …

Jeder Priester kam einzeln vor mein Mikro in einem Kopierraum, der unser improvisiertes „Aufnahmestudio“ war. Alle meisterten ihre Aufgabe.

Am Ende des Interviews aber stellte ich jedem eine zugegeben nicht abgesprochene Frage zum damals gerade anstehenden Feiertag „Maria Empfängnis“.  Machen wir es kurz: Das Ergebnis war ernüchternd:

Ein Drittel der Geistlichen meisterte auch diese Zusatzfrage und konnte die Bedeutung des Feiertages gut erklären. Ein weiteres Drittel stammelte sich mehr schlecht als recht irgendwie durch, und das letzte Drittel stand buchstäblich auf dem Schlauch. Solche Fragen müssten vorher abgestimmt werden!

Auch mein Hinweis, dass die Kirche doch Ende der Woche dieses „Hochfest“ feiere, half wenig. Man konnte oder wollte das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ (so der offizielle Titel) nicht erklären!“

Wenn selbst ein beträchtlicher Teil der Geistlichkeit ins Stottern gerät, wie zumindest dieses Beispiel nahelegt, scheint es wirklich Erklärungsbedarf zu geben.  Boppard-Severus-DSC_0357-2-2

Daher folgt hier in Kurzform das Wesentliche zum katholischen Dogma, also jener unfehlbaren Glaubensaussage, wonach die selige Jungfrau und Gottesmutter Maria eine „Immaculata“ ist, also makellos empfangen sei:

1. Dieser Glaubenssatz von der „unbefleckten Empfängnis“ wird nicht nur im einfachen Volke, sondern mitunter sogar von Gelehrten verwechselt mit der jungfräulichen Empfängnis Christi, auch „Jungfrauengeburt“ genannt.

Bei der Jungfrauengeburt geht es aber darum, daß die Madonna den Erlöser nicht auf irdische Weise von einem Mann empfangen hat, sondern vielmehr vom Heiligen Geist, bewirkt durch Gottes Allmacht.

Der oft verwendete Begriff „unbefleckt“ klingt etwas mißverständlich; besser ist daher der inhaltlich absolut gleichbedeutende Ausdruck „makellos“  – er verdeutlicht eher, worum es bei der Immaculata – der makellosen Gottesmutter  – geht.

2. Das Dogma von Marias makelloser Empfängnis besagt vielmehr, daß die selige Jungfrau als Geschöpf zwar zur erlösungsbedürftigen Menschheit gehört wie wir alle, daß der Ewige sie aber schon vor Beginn ihrer Existenz (also vor der  –  auf natürliche Weise erfolgten  – Empfängnis durch ihre Eltern) vor jedem Makel der Erbsünde bewahrt hat.

So ist die selige Gottesmutter von Anfang an durch GOTT geheiligt bzw. „voll der Gnade“  – die „Gnadenvolle“ also, wie sie der Engel Gabriel als Bote Gottes bei der Verkündigung des HERRN anspricht.

3. Diese makellose Empfängnis ist ein Gnadenakt des Allmächtigen,  denn so erweist sich Gottes großherzige Huld  gegenüber einem auserwählten  Geschöpf.

Da aber auch Maria  – ihres geschöpflichen Menschseins wegen, das unter dem Erbe von Adams Sündenfall steht   – zur erlösungsbedürftigen Menschheit gehört, war Christi Erlösergnade für diese „Vorzugshandlung“ Gottes notwendig  –  und so geschah es auch:

Maria wurde gleichsam „vorerlöst“  – und zwar  (so sagt das kirchliche Dogma ausdrücklich)  „im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers der ganzen Menschheit“.

Somit ist die Gottesmutter die Erst-Erlöste, Voll-Erlöste und Vor-Erlöste des Neuen Bundes  – an der Madonna wurde Christi göttliche Erlöserkraft zum ersten Mal und sozusagen „im voraus“ wirksam.

Die von GOTT hochbegnadete Jungfrau verringert also gewiß nicht die Ehre des Allmächtigen oder gar den absoluten Vorrang Christi  – im Gegenteil: an diesem auserwählten Geschöpf wird Gottes Gnade und Huld besonders deutlich erkennbar, die aus der Kraft der unendlichen Verdienste Christi schöpft.

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

4. Es geht bei diesem katholischen Dogma von der Immaculata letztlich um CHRISTUS selbst, dem in Maria eine dem Gottmenschen würdige „Wohnstatt“ bereitet werden sollte.

Jener „Tabernakel“,  der Christus gebührt, in dem der HERR selbst neun Monate lang lebte, sollte nicht durch irgendeinen Makel der Erbsünde „verunreinigt“ sein.

Dieses wunderbare Werk der Gnade und des Erbarmens konnte nur GOTT selbst bewirken – und die überlieferte katholische Theologie bringt diesen erhabenen Gedanken auf den Punkt, indem sie sagt: 

ER konnte es, ER wollte es – also tat ER es.

Hier folgt nun der WORTLAUT des DOGMAs von der IMMACULATA, das Papst PIUS IX. im Jahre 1854 verkündete,  wonach die Madonna durch GOTTES GNADE  frei von der Erbsünde geschaffen wurde:

„Die Lehre, daß die allerseligste Jungfrau Maria im ersten Augenblick ihrer Empfängnis aufgrund einer besonderen Gnade und Auszeichnung von Seiten des allmächtigen Gottes im Hinblick auf die Verdienste Jesu Christi, des Erlösers der ganzen Menschheit, von jedem Makel der Erbsünde bewahrt blieb, ist von Gott geoffenbart und muß deshalb von allen Gläubigen fest und unabänderlich geglaubt werden.“


7 Kommentare on “Makellose Empfängnis Mariens – was ist damit genau gemeint?”

  1. Anonymous sagt:

    Wahrhaftig, Maria ist eine selig zu preisende Frau! Aber als ev. Christ interessiert mich das Kirchendoma wenig. Ich halte mich an die biblisch belegten Tatsachen. Am meisten stört mich der Begriff „Gottesmutter“. Gott ist ein unerschaffenes geistliches Wesen, existent von Ewigkeit zu Ewigkeit und bedurfte keiner ihn gebärenden Mutter. Gott entschied, als die Zeit für ihn erfüllt war, in den von Maria und in seinem Auftrag vorproduzierten Körper des Menschen Jesus zu schlüpfen und Mensch zu werden, mit allem, was einen Menschen ausmacht, Jedoch ohne Sünde, aber unter Anfechtung des Bösen. Dazu bedurfte es weder einer Vorerlösung Mariens noch deren Eltern, was auch nirgends biblisch belegt ist, genau wie ihre Himmelfahrt und ihre Mittlertätigkeit, denn es ist nur ein Mittler zwischen Gott und den Menschen: Jesus Christus! Dennoch ist Mariaeine beachtenswerte Persönlichkeit unter denen, die in der Bibelbeschrieben werden, nicht weil sie die Mutter Jesu war, sondern weil sie von Gott erwählt und gesegnet wurde.

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    • Guten Tag,
      als evangelischer Christ sollte Sie der Ehrentitel „Gottesmutter“ doch aus zwei Gründen nicht stören:
      1. Er steht in der Heiligen Schrift, nämlich im Lukasevangelium bei der „Heimsuchung Mariens“, dem Besuch der Madonna bei ihrer Verwandten Elisabeth; von dieser wird Maria begrüßt mit den Worten: „Nun geschieht es mir, daß die Mutter meines HERRN zu mir kommt“ – Sie wissen sicher, daß der griechische Begriff Kyrios (= HERR) in der Hl. Schrift allein für GOTT selber verwendet wurde. Also sagte Elisabeth: „Die Mutter meines GOTTES“.
      Natürlich ist Maria nicht die Mutter der hl. Dreifaltigkeit, das versteht sich am Rande. Sie ist aber die Mutter des menschgewordenen GÖTTLICHEN Erlösers. Es geht also um das Christusbekenntnis: Jesus ist wahrer Mensch und wahrer GOTT, seine Mutter folglich Gottesmutter. Dies ergibt sich logisch aus dem christlichen Glauben an die Gottheit Christi – und mit diesem Glauben steht und fällt das Christentum.
      2. Luther hat den Titel „Gottesmutter“ für Maria entschieden verteidigt, zB. in seiner Auslegung des Magnificat. Für ihn war dieser Ausdruck bis zuletzt selbstverständlich – aus dem eben erwähnten Grunde.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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  2. Ulrike sagt:

    Liebe Frau Küble,

    der Beitrag eben war von mir, ich sitze an einem anderen PC und habe vergessen, meinen Namen zu nennen.

    Ulrike

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  3. Anonymous sagt:

    Gott hat sich die Eltern von Maria ausgesucht, Maria ist auf normale Weise auf die Welt
    gekommen. Anschließend hat GOTT sich um Maria gekümmert, dass sie von Anbeginn
    makellos bleiben konnte. Weil sie eine makellose Frau geblieben ist, hat GOTT sie
    auserwählt, die Mutter Gottes zu werden. Sie ist vor allem makellos geblieben, weil GOTT ihr die Kraft dazu gegeben hat.

    An meiner Formulierung merkt sicher jeder, dass ich niemals Theologie studiert habe.

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    • Guten Tag,
      Ihre Formulierungen sind durchaus in Ordnung, keine Sorge – zudem habe ich ebenfalls keine Theologie studiert.
      Lediglich bei einer Aussage würde ich die Gewichtigung anders setzen.
      Sie schreiben:
      „Weil sie eine makellose Frau geblieben ist, hat GOTT sie auserwählt, die Mutter Gottes zu werden.“
      Das kann man zwar richtig verstehen, aber theologisch noch stimmiger läuft die Aussage anders herum:
      „Weil Maria die Muttergottes werden sollte, hat der Allmächtige sie makellos erschaffen.“
      Auch die makellose Empfängnis Mariens ist ja kein Selbstzweck, sondern hat ihren Sinn in Mariens Aufgabe, Mutter des Erlösers zu werden. Es geht auch bei diesem Dogma letztlich um CHRISTUS, um den Erlöser und unsere Erlösung.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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  4. Carolus sagt:

    Danke für den schönen Artikel!
    Aber ist es nicht in der Tat ein wenig verwirrend, wenn gerade an diesem Tage das Verkündigungs-Evangelium auf dem Messprogramm steht?

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    • Guten Tag,
      auf den ersten Blick wirkt dies tatsächlich „verwirrend“, auf den zweiten hat es aber seine inhaltliche Berechtigung, weil es nun einmal bei der Verkündigung Christi (also der jungfräulichen Empfängnis des Herrn) geschah, daß der Engel Gabriel die Madonna als „Gnadenvolle“ (voll der Gnade) ansprach. Insofern „paßt“ es dann doch wieder…
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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