Peter Scholl-Latour kritisiert naives Menschenbild und deutsche Syrien-Politik

Gegen eine zu optimistische Weltsicht wendet sich der Journalist und Bestsellerautor Peter Scholl-Latour. In einem Interview mit der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA sagte er:

„Das Böse steckt tief im Menschen. Wir leben in einem darwinistisch denkenden Zeitalter. Eine Religion oder Weltanschauung, die davon ausgeht, dass der Mensch von Natur aus gut sei, muss scheitern.“  

Der 88 Jahre alte Scholl-Latour hat fast alle Länder der Welt bereist und ist Deutschlands erfolgreichster Sachbuch-Autor.  Seiner Auffassung zufolge erlebt die Menschheit ständig neue Ausbrüche des Bösen. 

„Patriot-Raketen in die Türkei sind ein Fehler“

Der Schriftsteller kritisierte z.T. auch die deutsche Außenpolitik. Im Umgang mit Schurkenstaaten brauche Deutschland mehr diplomatisches Geschick. So sei es ein Fehler, dass Deutschland Patriot-Raketen in die Türkei schicke, die gegen Syrien aufgestellt werden. Dazu gebe es keinen UNO-Beschluss. Bonn-Moschee-0312-2

Zwar dürfe man das Assad-Regime in Syrien nicht von seinen Gräueln freisprechen.

Es sei jedoch das letzte säkulare Regime in der arabischen Welt und „unendlich liberaler“ als etwa Saudi-Arabien:

„Die Christen konnten sich in Syrien frei entfalten, genauso wie es im Irak unter Saddam Hussein der Fall war. Inzwischen ist die Christenverfolgung in Syrien fast so schlimm wie im Irak  –  aber in Europa will davon kaum jemand etwas wissen.“

BILD: Große Moschee mit Minarett in Bonn (Foto: Dr. Bernd F. Pelz)

Scholl-Latour sprach auch über die religiöse Lage. Die Welt befinde sich „in einer religiösen Gärung“. Eine Ausnahme bilde Europa:

„Machen wir uns keine Illusionen: Europa wendet sich vom Christentum ab, wird agnostisch, aggressiv aufklärerisch, atheistisch. Die Frömmigkeit wird weiter nachlassen und die Verhöhnung der Religion weiter zunehmen.“

„Ich fürchte nicht die Stärke des Islam, sondern die Schwäche des Abendlandes“

Es sei eine Schwäche Europas, dass in ihm immer mehr bekennende Atheisten lebten. Viele evangelische und katholische Geistliche hätten die Jenseitsbestimmung ihres Glaubens und die kirchlichen Lehren dem Zeitgeist geopfert. Sie neigten dazu, das Christentum auf eine humanitäre Philosophie oder auf eine Soziallehre zu reduzieren.

Scholl-Latour erklärt hierzu:

„Ich fürchte nicht die Stärke des Islam, sondern die Schwäche des Abendlandes. Das Christentum hat teilweise schon abgedankt. Es hat keine verpflichtende Sittenlehre, keine Dogmen mehr.“

Zur Frage, welchen Rat er den christlichen Kirchen gebe, sagte Scholl-Latour: „Sie sollten bei ihren ursprünglichen Lehren bleiben.“

Quelle: www.idea.de


5 Kommentare on “Peter Scholl-Latour kritisiert naives Menschenbild und deutsche Syrien-Politik”

  1. >>“Das Böse steckt tief im Menschen. Wir leben in einem darwinistisch denkenden Zeitalter. Eine Religion oder Weltanschauung, die davon ausgeht, dass der Mensch von Natur aus gut sei, muss scheitern.“<<:

    So wie ich diese Aussage verstehe, irrt der Autor.
    Der Mensch IST von Natur aus gut. Nur ist die zivilisierte Gesellschaft von einer schweren Störung / Krankheit befallen, die den Befallenen von seiner guten Natur innerlich abtrennt.

    Als einer der ganz wenigen Fachleute für diese Störung bin ich seit 1992 mit Aufklärung darüber und über die bewiesenermaßen vorhandene Möglichkeit der NATÜRLICHEN – grundlegenden – Heilung befaßt. Heilung OHNE Medikamente, ohne Schulmedizin – allein durch (Selbst-)Erkenntnis und entsprechende WEITER-Entwicklung im Bewußtseinsbereich.

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    • Guten Tag,
      wenn Sie allein die Umwelt („zivilisierte Gesellschaft“) als Hindernis für das Gutsein des Menschen ansehen, dann sollten Sie bedenken, daß auch besagte Gesellschaft wiederum aus Menschen besteht und kein Abstraktum darstellt.
      Aus meiner Sicht ist die katholische Lehre am stimmigsten, wonach der (durch den Sündenfall) beeinträchtigte Mensch in seiner moralischen „Natur“ zwar nicht total verdorben, aber geschwächt und erheblich angeschlagen ist, so daß er das Gute zwar von seinem Gewissen, seinen ihm innewohnenden Idealen her wünscht, aber bei der Verwirklichung oftmals scheitert (also abtrakt zwar Gutes wünscht, aber real vielfach Schlechtes vollbringt) – es sei denn, Gott kommt dem Menschen in seiner Schwachheit zu Hilfe – und der Mensch läßt sich helfen!
      Wenngleich also der Mensch seiner Natur nach zwar nicht „total verdorben“ ist (wie dies Luther in seinem pessimistischen Menschenbild lehrte, wobei die katholische Kirche ihm widerspricht), so ist der Mensch aus sich heraus zum Egoismus geneigt und auf seinen Vorteil bedacht – zur Nächstenliebe und Gerechtigkeit muß er sich mit Gottes Hilfe erst erziehen bzw. – christlich formuliert – „heiligen“.
      Freundlichen Gruß!
      Felizitas Küble

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      • Uli sagt:

        Liebe Frau Küble,

        gerade weil es keine 100prozentig fehlerlosen Menschen gibt (außer JESUS) ist es ja
        umso wichtiger, dass es Menschen gibt, die den anderen die Grenzen aufzeigen.

        Man muß sich also immer „gemeinsam“ aufrappeln, GUTES zu tun.

        Auch ein Priester ist kein fehlerloses Geschöpf – wir wissen das alle – aber trotzdem
        sollte er den anderen helfen auf den „richtigen Weg“ zu kommen.

        Die Priester helfen uns und wir helfen den Priester – so ist es doch.

        Die Fehler anderer erkennt man besser als die eigenen, das ist völlig normal.

        Problematisch ist es ja nur, wenn sich keiner etwas sagen will, wenn sich keiner bessern will.

        Wenn man rundherum nur noch auf taube Ohren stößt, dann ist es wohl wirklich besser,
        wenn man sich zurückzieht.

        Es tut bestimmt Priester auch sehr weh, wenn sie mit anschauen müssen, wie die
        Menschheit immer mehr vom Glauben abfällt und sie stehen quasi machtlos daneben.

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      • „wenn Sie allein die Umwelt (“zivilisierte Gesellschaft”) als Hindernis für das Gutsein des Menschen ansehen, dann sollten Sie bedenken, daß auch besagte Gesellschaft wiederum aus Menschen besteht und kein Abstraktum darstellt.“:

        Ich sehe die zivilisierte Gesellschaft nicht als „Hindernis“, sondern ich meine mit meiner Aussage, dass es einfach Fakt ist, dass die Menschen, die zur zivilisierten Gesellschaft zählen, von dem „Übel“, der „Sünde“, der „Abtrennung“, der „Kollektiven (Zivilisations-)Neurose“ befallen und beeinträchtigt sind.
        Bevor dieser Befall begann, lebten Menschen schon lange Zeit „gesund“, also frei von dieser Beeinträchtigung (bei der es sich um eine auch nach psychiatrischen / psychologischen oder psychoanalytischen Kriterien diagnostizierbare Störung („mit Krankheitswert“ lt. Krankenkassen-Terminus) handelt. Können Sie alles in der relevanten Literatur nachlesen.
        Dort habe ich es doch auch her – außer daß ich selbst Heilung von der Neurose fand und nun auch etwas über die Unterschiede (vorher / nachher) sagen kann.

        Die „Gesellschaft“ ist für mich kein „Abstractum“, sondern die Gemeinschaft der dazugehörigen Menschen.

        Ein vielgelesener Autor psychologischer Bücher für den Hausgebrauch teilte mir mit, dass es sich bei der von mir besagten zivilisationsgesellschaftlichen kollektiven Krankheit handele um „Kollektive Zivilisations-Neurose DES SYSTEMS“.
        Selbst habe ich auch einiges über Systemtherapie aufgenommen und kann dem voll zustimmen. Im „System“ der Menschen der zivilisierten Gesellschaft gibt es einige, die als Symptomträger auffällig / erkennbar werden und etliche, die zwar auch zur großen Gruppe der „Kranken“ / „Gestörten“ gehören, die aber NICHT als Symptomträger in Erscheinung treten. Dazu sollte man wissen, dass viele Menschen ihre Probleme verdrängen und nach außen eine relative „Normalität“ versuchen zu leben; aber über ihr Denken / Reden / Handeln gelangen doch die negativen „Schwingungen“ in ihre Umwelt und bilden für andere mehr oder weniger eine Belastung.
        Vor-vorletzten Endes werden aber meistens auch diejenigen erkennbar / spürbar krank, die zunächst noch symptomfrei erschienen.
        Vorletzten Endes kommt dann noch die regelmäßig wiederkehrende Kollektive Psychose hinzu (wie z.B. die von 1933-1945) und LETZTEN Endes wird die zivilisierte Gesellschaft aussterben aufgrund der „Kollektiven (Zivilisations-)Neurose – es sei denn, es gäbe noch Menschen, die den Weg der Heilung gehen.

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  2. Uli sagt:

    Peter Scholl-Latour war hineulich mal bei Markus Lanz und da hat er es auch bereits gesagt,
    dass islamistische Menschen in den islamistischen Ländern sich wundern, dass wir Christen aus EUROPA uns so wenig um die verfolgten Christen dort kümmern.

    Er hat gesagt, ein islamistischer Mensch hat nichts gegen Christen, nichts gegen Menschen
    mit anderen Glauben – sie haben hauptsächlich etwas gegen Menschen, die behaupten,
    mit GOTT gar nichts anfangen zu können – gegen Menschen, die gar nicht gläubig sind.

    Ich glaube es ihm aufs Wort, dass er weniger Angst vor der Stärke des Islam als vor
    der Schwäche des Abendlandes hat.

    Wo er Recht hat, hat er Recht.

    Es hört sich oft etwas pessimistisch an, wenn er spricht – aber er hatte echt schon oft Recht.

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