Friedrich Schiller in „Maria Stuart“ über den Papstsegen vor vielen Jahrhunderten

„Als ich den Papst drauf sah in seiner Pracht, das Hochamt halten und die Völker segnen…“

Am heutigen Weihnachtsfest spendete Papst Benedikt als Oberhaupt von über einer Milliarde Katholiken seinen feierlichen Segen „urbi et orbi“ (der Stadt und dem Erdkreis) im Namen des dreieinigen Gottes.

In den Dramen des Dichterfürsten Friedrich Schiller stehen oftmals katholische Helden im Mittelpunkt, obwohl Schiller selber zeitlebens evangelisch war.

Auch in „Maria Stuart“, einem seiner reifsten Theaterstücke, ist eine katholische Königin in ihrer Tragik und in ihrer Glaubensstärke das Zentrum des Dramas.

Bereits im ersten Teil berichtet der tatendurstige Konvertit Mortimer, wie er den Weg zur katholischen Kirche gefunden hat. Doch geben wir hierzu Schiller selbst das Wort und lassen Mortimer sprechen:

Mortimer:

Ich zählte zwanzig Jahre, Königin,
in strengen Pflichten war ich aufgewachsen,
in finsterem Haß des Papsttums aufgesäugt,
als mich die unbezwingliche Begierde
hinaustrieb auf das feste Land. Ich ließ
der Puritaner dumpfe Predigtstuben,
die Heimat hinter mir; in schnellem Lauf
durchzog ich Frankreich, das gepriesene
Italien mit heißem Wunsche suchend.

Es war die Zeit des großen Kirchenfests,
von Pilgerscharen wimmelten die Wege,
bekränzt war jedes Gottesbild; es war,
als ob die Menschheit auf der Wandrung wäre,
wallfahrend nach dem Himmelreich. – Mich selbst
ergriff der Strom der glaubensvollen Menge
und riß mich in das Weichbild Roms  –
wie ward mir, Königin!

Als mir der Säulen Pracht und Siegesbogen
entgegenstieg, des Kolosseums Herrlichkeit
den Staunenden umfing, ein hoher Bildnergeist
in seine heitre Wunderwelt mich schloß!

Ich hatte nie der Künste Macht gefühlt:
Es haßt die Kirche, die mich auferzog,
der Sinne Reiz; kein Abbild duldet sie,
allein das körperlose Wort verehrend.

Wie wurde mir, als ich ins Innere nun
der Kirchen trat und die Musik der Himmel
herunterstieg und der Gestalten Fülle
verschwenderisch aus Wand und Decke quoll,

Das Herrlichste und Höchste, gegenwärtig,
vor den entzückten Sinnen sich bewegte;
als ich sie selbst nun sah, die Göttlichen,
den Gruß des Engels, die Geburt des HERRN,
die Heil’ge Mutter, die herabgestiegene
Dreifaltigkeit, die leuchtende Verklärung.

Als ich den Papst drauf sah in seiner Pracht
das Hochamt halten und die Völker segnen.
O, was ist Goldes, was Juwelen Schein,
womit der Erde Könige sich schmücken!
Nur er ist mit dem Göttlichen umgeben.
Ein wahrhaft Reich der Himmel ist sein Haus,
denn nicht von dieser Welt sind diese Formen.


One Comment on “Friedrich Schiller in „Maria Stuart“ über den Papstsegen vor vielen Jahrhunderten”

  1. […] Wie sich die Zeiten ändern: Papstsegen vor Jahrhunderten […]

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