FAZ: Tschechischer Außenminister Schwarzenberg verurteilt die Vertreibung der Deutschen

Im derzeitigen Wahlkampf um das künftige Staatsoberhaupt in Tschechien geht es auch um die historische Bewertung der Vertreibungsverbrechen an den Sudetendeutschen. 

Der tschechische Außenminister  Karel Schwarzenberg, dessen Familie sowohl unter der Nazi-Besatzung wie unter der späteren kommunistischen Dikatur verfolgt wurde, geht als Präsidentschaftskandidat des bürgerlichen Lagers ins Rennen. pc_pi

Sein linker Gegenkandidat, der frühere Premier M. Zeman, greift Schwarzenberg auch wegen seiner kritischen Aussagen zur Vertreibung der Deutschen scharf an. 

Doch der tschechische Außenminister bleibt bei seiner völkerrechtsorientierten Haltung, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 18.1.2013 berichtet:

„Schwarzenberg hat die Vertreibung der Deutschen als „schwere Verletzung der Menschenrechte“ verurteilt. In einem TV-Duell mit seinem Gegenkandidaten Miloš Zeman sagte Schwarzenberg, „heute würde sich die Regierung, einschließlich des Präsidenten Beneš, wahrscheinlich in Den Haag befinden.“

Den Haag ist der Sitz des Internationalen Strafgerichtshofs, der für die Verfolgung völkerrechtswidriger Delikte wie Völkermord, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen zuständig ist.

Schwarzenberg kritisierte die Anwendung des Prinzips der Kollektivschuld durch die Beneš-Dekrete. Dies werfe er „unseren Vorfahren vor. Wir haben nicht berücksichtigt, ob jemand loyal zur Republik stand oder gegen sie verstoßen hat.“

Viele Deutsche hätten die Republik nicht verraten, sagte Schwarzenberg, und erinnerte an dabei unter anderem an die Teilnahme tschechoslowakischer Soldaten deutscher Nationalität an der Mobilisierung 1938 und an sudetendeutsche NS-Opfer.

Die tschechische Gesellschaft sei nach dem Krieg vom „Bazillus des Nazismus“ infiziert gewesen, sagte Schwarzenberg – eine Formulierung, die schon Havel verwendet hatte.“

Quelle und vollständiger Artikel hier: http://www.faz.net/aktuell/politik/vertreibung-bene-nach-den-haag-12029834.html


2 Kommentare on “FAZ: Tschechischer Außenminister Schwarzenberg verurteilt die Vertreibung der Deutschen”

  1. Uli sagt:

    Eine Oma von mir war auch bei den „Vertriebenen“ dabei.

    Innerhalb von 20 Minuten mußten sie ihre neue Wohnung verlassen mit einer gewissen Kilozahl an Gepäck.

    Ein Jahr waren sie dann in einem Protektorat und haben dort auf einem Bauernhof gearbeitet.

    In einem Viehwaggon sind sie dann irgendwann in Fulda am Bahnhof angekommen und mußten quasi von vorne anfangen.

    Trotz all dem „Elend“ und dem Verlust der Heimat hat sie aber nie „nachgetrauert“ und
    wollte auch nie etwas mit dem Verband der Vertriebenen zu tun haben.

    Sie hat immer gesagt, dass sie jetzt hier lebt, dass ihr es hier gut gehe und sie auch nicht mehr zurückwolle.

    Das Wort „Vertreibung“ wollte sie gar nicht mehr hören.

    Aber an Geburtstagen, an Ostern und an Weihnachten haben wir immer die Geschichten von früher erzählt bekommen.

    Ich glaube, solche Schmerzen vergisst man in seinem Leben niemals mehr.

    „Hoffentlich müßt ihr solche Zeiten niemals erleben“ sagte sie immer und das wünsche ich uns allen auch.

    Ulrike

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    • sportfreund sagt:

      Mein Vater war auch Sudetendeutscher,er und meine Großeltern konnten tschechisch sprechen und hatten tschechische Freunde und Nachbarn.
      Auch gab es in der Familie deutsch/tschechische Ehen.
      So war ich also sehr erstaunt dann später in der Schule zu erfahren,wie sehr sich Tschechen und Deutsche „gehaßt“ haben (ahem,Ironie aus).
      Meine Großeltern mussten auch aus ihrem Haus raus,nur die,die einen tschechischen Ehepartner hatten,durften bleiben.
      Trotz allem hatten mein Vater und meine Großeltern NIE einen generellen Haß auf Tschechen,sie sind die alten Bekannten dann später sogar wieder besuchen gefahren und haben gemeinsam „Selbstgebrannten“ getrunken.
      Der einfache Bürger kann also eher vergessen und verzeihen als die Politiker,komisch,nicht?

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