Weiblicher Zwischenruf zur Sexismus-Debatte: „Ich bin es leid, als Opfer betrachtet zu werden“

Von Birgit Kelle (Leiterin von „Frau 2000plus“)   Birgit Kelle neu

Es scheint, als lebten wir alle in einem Land voller männlichen Lüstlinge. Seit einer Woche gibt es kein anderes Thema mehr als die Frage, wer sich noch als Opfer von Sexismus fühlt.

Ich wollte ursprünglich nicht zu der Brüderle-Geschichte schreiben. Zu durchschaubar war die Strategie des STERN, dass man hier offensichtlich ein Jahr nach den Ereignissen einen Skandal aus dem Hut zaubert. Bezeichnend auch, dass die Journalistin, die dort ihre Erfahrung niedergeschrieben hat, seither öffentlich untergetaucht ist.

Nun fühlen sich über 60.000 Frauen bei Twitter als Opfer sexistischer Übergriffe und hinter jedem falsch verstandenen Kompoliment lauert ein neuer Sexismus-Fall. Es wird inflationär. Wir Frauen sind nun angeblich alle Opfer.

Wie in einer Gruppentherapie saß da am Sonntag abend eine Runde bei Günther Jauch zusammen und ließ sich von Frau Schwarzer erklären, dass sie schon immer Recht hatte.

Ich bin es nun also leid, als Opfer betrachtet zu werden. Echte Sexismus-Opfer gehen gerade unter in einem Meer an Banalitäten.

Und vor allem geht niemand der Frage nach, wieso es eigentlich erlaubt ist, dass Frau ihren Körper und ihr Aussehen als Instrument einsetzt, es aber nicht erlaubt ist, dass Mann darauf reagiert? 

Wir können doch als Frauen nicht ernsthaft verlangen, in die Vorstandsetagen vorgelassen zu werden, wenn wir angeblich nicht einmal in der Lage sind, einem blöden Spruch nachts an der Bar mit passender Antwort zu begegnen.

Grund genug also für eine Kolumne „Dann mach doch die Bluse zu“  – daraus ein Ausschnitt:

„Es wird als Befreiung der Frau gefeiert, dass wir Sexualität heute frei ausleben können. Dass wir uns nehmen, was wir wollen und wen wir wollen. Ja, es ist sexy: eine Frau, die weiß, was sie will. Wir fordern die Männer heraus, kokettieren mit unserer Sexualität. Aber natürlich nur, wenn wir wollen.

Wir reklamieren nur für uns als Frauen das Recht, dass nicht etwa gilt, was der Mann gemeint hat, sondern das gilt, wie es bei uns ankommt. Was ist, wenn die Männer sich mal auf den gleichen Standpunkt stellen?

Die amerikanische Schauspielerin Megan Fox ziert gerade in Unterwäsche das aktuelle Cover des „Esquire“, gibt aber gleichzeitig von sich, sie wolle von ihrem sexy Image weg. „Dann mach doch die Bluse zu“, möchte man ihr da zurufen: „Vielleicht schaut dir dann auch mal einer in die Augen!“

Wir verpacken schon kleine Mädchen in Lolita-Klamotten und zerreden die Intimität von Sexualität als Prüderie. Wir laufen in Slutwalks durch die Straßen und proklamieren das Recht, wie Schlampen herumlaufen zu dürfen. Gleichzeitig wollen wir aber nicht als Schlampe bezeichnet oder gar behandelt werden.

Wir punkten mit unserem Aussehen, gelten als das schöne Geschlecht, schnüren uns die Brüste hoch beim Oktoberfest, aber nein, wir wollen damit keine Aufmerksamkeit, wir wollen damit nur unsere inneren Werte betonen.

Gerade prostituieren sich bei RTL wieder junge Damen mit ihrem Aussehen in der x-ten Staffel des „Bachelor“. In einer Folge Bachelor lernt man mehr über Frauen als durch 100 feministische Bücher. Frauen ziehen sich aus für den „Playboy“ und haben für das Recht gekämpft, ihren Körper verkaufen zu dürfen. An Männer. Keine Frage, die weibliche Anatomie taugt sehr gut als Waffe.“

Den ganzen Artikel finden Sie hier  –  wie immer mit der Möglichkeit zu kommentieren:

http://www.theeuropean.de/birgit-kelle/5805-bruederle-debatte-und-sexismus

Kontakt:
Mail: birgit.kelle@frau2000plus.net
Web: www.frau2000plus.net

7 Kommentare on “Weiblicher Zwischenruf zur Sexismus-Debatte: „Ich bin es leid, als Opfer betrachtet zu werden“”

  1. Rex sagt:

    @Wolfgang Heuer: ich stimme absolut zu. Ein erwachsener *Mann* ist selbstbestimmt und kann sich beherrschen. Das traue ich den weitaus meisten auch locker zu.

    Für mich ist die Debatte nichts weiter als das Winterloch. Wie oft schafft es so ein Fall denn in die Medien? Nicht öfter als alle anderen Themen auch.
    Wäre Brüderle ein stinknormaler 0815-Mann, hätte seine Verfehlung zu nichts geführt. Aber ein Politiker wird sich wohl doch ein klein wenig im Griff haben müssen. Er repräsentiert immerhin ein Land.
    Wenn man am Stammtisch über Ausländer, Behinderte, Hartz IV-Empfänger oder Frauen jammert, hat man in den meisten Fällen keinerlei Konsequenzen zu befürchten. Aber ein Politiker, der an öffentlichen Orten eine offensichtlich rechtsradikale Bemerkung fallen lässt, muss sich nicht wundern, wenn er dafür bezahlt. Nicht nur mit Häme, wie Brüderle (der in diesem Fall offensichtlich ohnehin mehr „Fans“ hat, als Gegner).

    Und im Übrigen wird das Wort „prostituieren“ im Bezug auf Frauen auch inflationär benützt. Für mich ist Prostitution immer noch Sex für Geld, mehr nicht. Der Bachelor selbst „prostituiert“ sich nicht weniger, als seine Grazien.
    Von der Sexualisierung unserer Gesellschaft mag man halten, was man will. Ich bin auch eher konservativ oder, noch eher, romantisch, und möchte, dass sich sämtliche Intimitäten nur zwischen meinem Partner und mir abspielen, und ich würde mein Kind nicht offenherziger als unbedingt notwendig zur Schule laufen lassen. Aber von Belästigung durch freizügig angekleidete Frauen kann doch keine Rede sein, sofern die primären und sekundären Geschlechtsorgane einigermaßen verhüllt sind.
    Eine Frau, die sich im Sommer mit ihrem Liebsten zu einem schönen Abendessen verabredet und deswegen ein hübsches Kleidchen anzieht, muss sich also gefälligst mit dem Auto fortbewegen, oder sich degradierende Bemerkungen gefallen lassen?
    Und wie halten Sie es denn mit Männern, die mit knappen Hosen und T-Shirts bekleidet sind, oder im Sommer gar oben ohne?

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  2. Uli sagt:

    Wolfgang Heuer,

    manche Männer bleiben bei einer Frau total cool – da tut sich gar nichts –
    aber wehe es kommt ein hübscher Mann vorbei….

    Manche fühlen sich ja schon sexuell belästigt, wenn jemand mal den Arm um sie legt.

    Wo fängt sexuelle Belästigung denn an ?

    Da reagiert doch sicherlich jeder Mensch anders.

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  3. „Keine Frage, die weibliche Anatomie taugt sehr gut als Waffe.“:

    Allerdings nur in der kranken, kollektiv-neurotischen, pathologisch unreifen, zivilisierten Gesellschaft. Ein wahrhaft erwachsener Mensch dagegen ist SELBST-beherrscht und nicht FREMD-bestimmt / manipulierbar.

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      • Uli sagt:

        Hallo Ihr,

        habe vorhin Stern-TV geschaut – dort waren zwei Damen zu Gast und es ging auch um das
        Thema „sexuelle Belästigung“

        Wenn ein Mann einer Frau hinterherpfeift ist das schon Belästigung, aber wenn im
        umgekehrten Falle eine Frau dem Mann lauter Dinge sagt oder auch tut –
        dann ist das keine Belästigung.

        Ach – es ist ja schon eine sexuelle Belästigung, wenn ein Mann einer Frau sagt,
        dass sie hübsch ist, denn dann wird sie ja nur auf ihr Äußeres reduziert.

        Männer kann man scheinbar nicht belästigen, wegen der Machtverhältnisse.

        Genau das Beispiel mit dem Fahrlehrer hatten sie auch. Mein Fahrlehrer hat auch früher,
        wenn ich gekuppelt habe, seine Hand auf meine gelegt. Anfangs habe ich auch gedacht,
        das macht er, weil er mich beruhigen will (ich war ja total nervös).
        Also, damals hats mir gefallen – heute würde ich es sicherlich auch anders einordnen.

        Aber – bei solchen Kleinigkeiten kann man ja auch ganz offen miteinander sprechen.

        Und – wenn ein Mann ein paar doofe Sprüche macht, die sich möglicherweise nur lustig anhören sollen, dann kam früher von mir ein passender Spruch zurück, da waren die dann meistens sprachlos.

        Richtige sexuelle Belästigung ist natürlich heftig und wenn man so etwas am Arbeitsplatz erlebt, ist es wohl das Beste, man sucht sich eine andere Stelle.

        Ich bin ja außerdem schon seit nunmehr fast 15 Jahren nicht mehr on tour – habe überhaupt keine Ahnung, was heutzutage alles so „abgeht“.

        Es ist schon 1.17 Uhr – ich wollte doch nur mal ganz kurz noch mal vorbeischauen.

        Jetzt wirds aber ZEIT:

        Gute Nacht

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    • Erik sagt:

      Niemand ist völlig selbstbeherrscht, egal welchen Alters, welcher sozialen Schicht oder Bildung er abstammt.

      Wir Menschen lassen uns tagtäglich fremdbestimmen, durch Werbung, Medien, Freunde und Familie, „Feinde“, Vorurteile und Klischees…

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      • heureka47 sagt:

        Das mit dem „völlig“ mag fraglich sein.

        Es macht aber bei „Wir Menschen“ einen gewaltigen Unterschied, ob es sich um einen typischen zivilisierten, von der „Kollektiven Zivilisations-Neurose“ beeinträchtigten und nicht wahrhaft erwachsenen, sondern von seinem Ego, der Angst und seinen Verdrängungen dominierten Menschen handelt oder um einen, der wahrhaft erwachsen, angstfrei und zu seiner höheren Bewußtseins-Ebene aufgestiegen ist, frei von Verdrängungen und dem Streben nach ERSATZ-Befriedigungen.

        Grundlegende Heilung ist in jedem Einzelfall jederzeit möglich!

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