Das Lazarus-Gleichnis Christi und die Warnungen des hl. Johannes vor der Sucht nach „Offenbarungen“

„Sie haben Moses und die Propheten: darauf sollen sie hören!“

Die heutige liturgische Lesung der katholische Kirche befaßt sich mit Christi Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus, das uns in Lukas 16,19-31 berichtet wird. media-80458-2

Der reiche Mann war ein rücksichtsloser Egoist, daher verscherzte er sich das ewige Heil. Lazarus hingegen wurde „von den Engeln in Abrahams Schoß getragen“, wie es in der Bibel heißt.

Der reiche Prasser ruft Abraham in der Unterwelt zu, er möge Lazarus zu seinen fünf Brüdern senden, damit diese gewarnt werden und „nicht an diesen Ort der Qual kommen“.  

Doch Abraham lehnt dieses Ansinnen rundweg ab: „Er aber sagte: Sie haben Moses und die Propheten, auf die sollen sie hören.“

Ahnen wir, wie zeitlos gültig diese Antwort ist?

Wie oft erfahren wir auch in diesem CHRISTLICHEN FORUM  zornigen Widerspruch von erscheinungsbewegter Seite, wenn wir den kirchlichen Standpunkt erklären:

Wir brauchen keine Visionen und Neu-Offenbarungen, keine „himmlischen“ Botschaften, keine Jenseits-Auskünfte vermeintlich „begnadeter Seelen“ usw., denn wir haben durch Bibel und Tradition, Sakramente und Lehramt der Kirche bereits alles, was wir für unser ewiges Heil benötigen.

Abraham, der „Vater des Glaubens“, erklärt in Christi Gleichnis kurzerhand: Auch diese Männer  – die Brüder des reichen Prassers  –  „haben Moses und die Propheten“   –   vergleichbar dem, was wir heute „Bibel und Lehramt“ nennen  –  und eben darauf sollen wir hören!

Eindringliche Mahnungen des hl. Johannes vom Kreuz

Das betonte auch der hl. Kirchenlehrer und Mystiker (!) Johannes vom Kreuz immer und immer wieder. Auch damals waren Wundersucht und vorwitzige Neugier nach besonderen „Offenbarungen“ weit verbreitet.

In seinem Klassiker „Aufstieg zum Berge Karmel“ (2. Buch, Kap. 21) warnt der Heilige im 7. Absatz strikt vor diesen raffinierten Gefahren für das Seelenheil:

Ich sage nur, dass es eine äußerst gefährliche Sache ist, auf solchen Wegen mit Gott umgehen zu wollen  –  und dass derjenige, der zu solchen Methoden hinneigen sollte, nicht umhin kommen wird, sich gewaltig zu irren und oftmals in Verwirrung zu geraten.“media-377708-2

Johannes vom Kreuz erwähnt sodann die „Schwierigkeit“, die darin bestehe, „bei inneren Ansprachen und Visionen keinem Irrtum zu verfallen“, da diese vielfach „vom Bösen stammen“, der sich als Engel des Lichtes tarnt bzw. wie der hl. Johannes wörtlich schreibt: der Erzfeind „schleicht sich auf Umwegen ein, wie der Wolf im Schafspelz in die Herde, so dass man es kaum erkennen kann.“

Einer der satanischen Tricks bestehe darin, daß „er nämlich viele wahre und vernunftgemäße Dinge sagt  –  und Dinge ankündigt, die sich bewahrheiten“  – und daher könne man  sich „leicht täuschen lassen“.  

Johannes empfiehlt: „Vor allen Erscheinungen  f l i e h e n !“

In Absatz 11 heißt es, daß „der Böse äußerst spitzfindig ist beim Einflüstern von Lügen. Von ihm kann man sich nicht befreien, außer man flieht vor allen übernatürlichen Offenbarungen, Visionen und inneren Ansprachen.“

Der Heilige erklärt also, daß man sich „übernatürliche Offenbarungen“ nicht nur keineswegs wünschen soll; er empfiehlt seinen Lesern aus großer Vorsicht sogar die Flucht vor „allen“ Erscheinungen,  falls diese jemals ungewollt in ihr Leben treten. Er weiß um die Schwierigkeit, in diesem heiklen Bereich den häufigen Spreu vom seltenen Weizen zu trennen – und daher seine Empfehlung, besser gleich alles zu meiden.

Den deutlichen Warnungen des Kirchenlehrers könnte man theoretisch entgegenhalten, daß es doch auch wenige Erscheinungen himmlischen Ursprungs geben kann, die zu „fliehen“ dann nicht sinnvoll sei.

Doch der hl. Johannes vom Kreuz will offenbar auf „Nummer Sicher“ gehen, zumal der katholische Glaube grundsätzlich sowieso keine Privatoffenbarungen benötigt   –  auch keine „echten“.  Dies ist nun freilich nicht die Privatmeinung des hl. Johannes, sondern verbindliche Lehre der Kirche seit jeher.

Im 11. Absatz des Buches „Aufstieg zum Berge Karmel“ heißt es weiter:

„Darum ist Gott zu Recht über den verärgert, der sie zulässt, weil er sieht, dass es Waghalsigkeit ist von dem, der sich derart in große Gefahr begibt  –   und weil Anmaßung, Neugier und Auswüche der Überheblichkeit die Wurzel für Prahlerei und Geringschätzung der Dinge Gottes sind –  und der Anfang zahlreicher Übel, in die viele Menschen hineingeraten sind.“

In Absatz 12 schreibt der hl. Johannes vom Kreuz, dem Teufel sei es möglich, „viele mit Blindheit und Täuschungen zu schlagen, weil ihre Sünden und Waghalsigkeiten es verdienen. Das vermag und erreicht der Böse, sofern sie ihm glauben und ihn für einen guten Geist halten  –  und zwar so sehr, dass es keine Abhilfe gibt, aus den Täuschungen herauszukommen“.

Wer in diesem gefährlichen Netz bereits verstrickt ist, wer durch seinen Hochmut oder durch vermessene Leichtgläubigkeit  in der Trickkiste Satans gefangen ist und ihn für einen „Engel des Lichts“ hält, der kommt nur selten  –  und dann oft erst sehr spät  –  aus diesem buchstäblichen „Teufelskreis“ wieder heraus.

Daher setzt der hl. Kirchenlehrer hier klar auf  das Prinzip „Vorbeugung“ durch seine mahnende Stimme  –  ähnlich wie Christus  mit dem Gleichnis von Lazarus, der keineswegs auf Erden erscheinen durfte, um gefährdete Menschen zu warnen: „Sie haben Moses und die Propheten  –  darauf sollen sie hören!“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

 


Bischof Voderholzer im Regensburger Dom: „Wir ehren Papst Benedikt am besten durch unser Gebet für ihn“

PREDIGT von  Bischof Rudolf Voderholzer im Pontifikalamt zum Dank für das Wirken von Papst Benedikt:

In der Votivmesse für den Papst, der die Texte des heutigen Abends entnommen sind, ist als Evangelium der Abschnitt aus dem 21. Kapitel des Johannesevangeliums vorgesehen, den wir soeben vom Diakon vorgetragen bekommen haben.  Dankgottesdienst Papst Benedikt - Bischof Voderholzer

Er bringt uns die Ursprünge des Petrusdienstes in Erinnerung, der im Papstamt seine geschichtliche Fortsetzung und Vergegenwärtigung findet.

Simon, der Fischer vom See Genesareth war der erste der von Jesus in die besondere Nachfolge Gerufenen. Schon vor Ostern ist er auch der erste der Jünger, der in allen Apostellisten als erster genannt wird und der immer wieder stellvertretend für alle das Wort ergreift.

Allem voran tat er es in Caesarea Philippi, als der Herr die Jünger zuerst fragt, für wen ihn die Menschen halten. Für einen großen Mann, einen Propheten, einen religiös überdurchschnittlich Begabten also…

Wir kennen die Antworten und spüren, dass sie durchaus an Aktualität nichts eingebüßt haben. Ein großer Mann eben, aber doch nicht mehr –  und das ist zu wenig. Als der HERR weiterfragt: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“, antwortet Simon: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“.

In Petrus bekennt sich die ganze Kirche zu Christus

In Petrus bekennt die ganze Kirche sich zu Jesus Christus, ihrem HERRN und damit zum Retter der Welt.

Die Szene des heutigen Evangeliums führt uns zum Ostermorgen und noch einmal an den Ort, an dem Simon zum Menschenfischer berufen worden war. Dorthin war er nach der vermeintlichen Katastrophe des Karfreitags und nach seinem Versagen in Gestalt dreimaliger Verleugnung fluchtartig zurückgekehrt.

Doch der HERR hält ihm die Treue. Dreimal fragt er ihn nach seiner Liebe und er gibt ihm so die Chance, seine Schuld und sein Versagen anzuschauen, einzugestehen und durch das neue Bekenntnis und die Erklärung seiner Liebe zu überwinden: „Du weißt alles, HERR, Du weißt auch, dass ich Dich lieb habe.“

Den glaubenden und den liebenden Simon, den die Tränen der Reue innerlich gereinigt und demütig gemacht haben, ihn macht der HERR selbst zum Petros, zum Fels und zum universalen Hirten der Kirche: „Weide meine Schafe.“ Voderholzer 1

Beim Papstamt, das in der Nachfolge des Petrusdienstes steht, handelt es sich somit nicht um die fromme Spielart weltlicher Monarchie. Der Papst ist nicht der Repräsentant einer vermeintlich längst überholten vor-demokratischen Vergesellschaftung Gleichgesinnter, sondern das Fundament und das Prinzip der Einheit des Bischofskollegiums und somit sichtbares Prinzip auch der Einheit der Kirche.

Was der HERR dem Simon Petrus aufgetragen hat, das ist auch erste Aufgabe eines jeden Papstes in der Kirchengeschichte: „Wenn du dich bekehrt haben wirst, dann stärke deine Brüder“ (Lk 22,32).

Benedikt XVI. hat uns, seine Brüder im Priester- und Bischofsamt, aber auch alle Gläubigen immer und immer wieder gestärkt durch sein Wort, durch seine Verkündigung, seine Ansprachen, seine Predigten.

In Regensburg erinnern wir uns dankbar an den Pastoralbesuch im Jahre 2006, als er mit uns auf dem Islinger Feld die Eucharistie feierte, und an die große Rede im Auditorium maximum der Universität, die als die „Regensburger Rede“ in die Geschichte eingehen sollte. Mit ihr  –  und wohl gerade auch mit der in ihr enthaltenen Provokation  ‑  hat er dem christlich-islamischen Dialog einen entscheidenden Impuls gegeben, wie längst auch von Seiten islamischer Gelehrter anerkannt wird.

Papst Benedikt hat uns gestärkt nicht zuletzt durch seine Bücher, vor allem durch die drei Bände seines Jesus-Buches, in denen er im Licht des Petrus-Bekenntnisses die Botschaft der Evangelien auslegt, im Gespräch mit der aktuellen Bibelwissenschaft, mit jüdischen Gelehrten und zugleich in einer schönen Sprache und mit der unvergleichlichen Gabe, schwierige Sachverhalte einfach und verständlich darzulegen.

Den Einklang von Glaube und Vernunft erfassen

Sein Wort hat uns alle gestärkt, sein Wort hat uns Zusammenhänge erschlossen, sein Wort hat geholfen, den Einklang von Glauben und Vernunft zu erfassen und gerade auch so erhobenen Hauptes und froh Christen, katholische Christen zu sein.

Heiliger Vater, wir sagen in dieser Stunde dafür herzlich Vergelt’s Gott!

Benedikts Wort wird uns weiterhin zugänglich sein durch die Bücher und die anderen Formen der Veröffentlichung in digitaler Weise als Hörbuch und vieles mehr. Und wir sind stolz, in Regensburg durch das Institut Papst Benedikt XVI. mit der Organisation seiner theologischen Schriften vor der Papstwahl und auch durch die Betreuung des Hauses in Pentling der Verbreitung und der Rezeption dieses Werkes auch fortan dienen zu dürfen.

Papst Benedikt gehört längst zu den ganz großen Predigern auf dem Stuhl Petri und zu den Kirchenlehrern der Moderne.

Liebe Schwestern und Brüder im HERRN! Wir ehren Papst Benedikt und danken ihm am besten dadurch, dass wir seinen Aufruf befolgen, weiterhin für ihn zu beten und uns von ihm auch immer wieder neu einführen zu lassen in die Mysterien des Glaubens.

Wir ehren ihn und danken ihm, wenn wir für ihn, aber auch für die ganze Kirche, insbesondere jetzt für die Kardinäle beten, die sich in 14 Tagen daran machen werden, herauszufinden, wen Gott der HERR als Nachfolger des Petrus vorgesehen hat.

Wir ehren ihn und danken ihm, wenn wir seinen Nachfolger, den die Kardinäle bald wählen werden, als den universalen Hirten der Kirche annehmen und uns durch ihn und sein Zeugnis vom Herrn der Kirche selbst leiten lassen.

Am Ende dieser meiner Predigt aber soll ein Wort von Papst Benedikt selbst stehen. Im Jahr 1991 hat er noch als Kardinal Ratzinger in einem Vortrag in brillanter Weise die Grundzüge des Petrusamtes und des Primats des Bischofs von Rom aufgezeigt. Dort heißt es abschließend, ich zitiere ihn:

„Der römische Primat ist nicht eine Erfindung der Päpste, sondern ein auf den Herrn selbst zurückreichendes und in der werdenden Kirche getreulich entfaltetes Wesenselement der kirchlichen Einheit. […] Indem wir dies in den Fakten der Geschichte sehen, feiern wir nicht Menschen, sondern preisen wir den HERRN, der die Kirche nicht verlässt und der sein Felssein durch Petrus, den kleinen Stolperstein, ausüben wollte:

Nicht ‚Fleisch und Blut‘ retten, aber der Herr rettet durch die, die aus Fleisch und Blut sind, hindurch. Daher bleibt die Petrusverheißung und ihre geschichtliche Verwirklichung zu Rom im tiefsten immer neu Grund zur Freude: „Du bist Petrus der Fels, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen. Und die Mächte der Hölle werden sie nicht überwältigen …“ (Joseph Ratzinger, Primat Petri und Einheit der Kirche, in: JRGS 8,610‑628, hier 626.6)

Quelle (Text/Foto): Bischöfliches Presseamt Regensburg


Schwulenverbände kritisieren Evangelisation „ProChrist“ – Pastor Ulrich Parzany weist Vorwürfe zurück

Bei Schwulenverbänden in Stuttgart und Berlin stößt die breitenwirksame Evangelisation ProChrist auf Kritik. Die evangelikalen Großveranstaltungen (siehe Foto) finden vom 3. bis 10. März an rund 1000 Orten in Deutschland und in 14 weiteren europäischen Ländern statt.

Hauptredner bei der zentralen Veranstaltung in Stuttgart ist der frühere Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbandes, Pfarrer Ulrich Parzany. Ihm werfen die Schwulenverbände Hetze gegen Homosexuelle vor.  ProChrist_Impulse_Presse02

In einem Brief an den 1. Bürgermeister Stuttgarts, Michel Föll (CDU), kritisiert die Interessengemeinschaft Christopher Street Day (CSD), dass Parzany Homosexualität mit Ehebruch, Geiz und Egoismus gleichgesetzt habe. Bei ProChrist werde möglicherweise für die „Heilung“ von Homosexuellen geworben. Die Stadtverwaltung solle keine Räume für Veranstaltungen bereitstellen, deren Verantwortliche die Gleichberechtigung und Akzeptanz von Homosexuellen als Irrweg bezeichneten.

Eine ähnliche Befürchtung äußerte der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg. Pfr. Parzany habe sich wiederholt durch Äußerungen hervorgetan, die Angst vor Homosexualität schüren. Der Verband sei „besorgt“, dass mehrere Gemeinden der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg die Evangelisation unterstützten, und habe seine Bedenken gegenüber der Kirchenleitung zum Ausdruck gebracht.

Gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA wies Pastor Parzany die Vorwürfe zurück:

Die kritische Bewertung des praktischen Verhaltens eines Menschen sei keine Diskriminierung seiner Person. Jeder Mensch sei von Gott geliebt und verdiene darum ganze Wertschätzung. Bei ProChrist seien Homosexualität und die in der Politik aktuell diskutierten gesetzlichen Regelungen für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften ohnehin kein Thema.

In seiner Verkündigung lasse Parzany es sich „selbstverständlich durch niemanden verwehren, die in der Bibel enthaltene Charakterisierung von praktizierter Homosexualität wie außerehelich praktizierter Heterosexualität als Sünde zu benennen“.

Quelle: http://www.idea.de


Christi Versuchung in der Wüste – und die politische Macht als Anfechtung der Kirche damals und heute

Frank Schäffler und Norbert F. Tofall: Plädoyer für eine christlich-liberale Verständigung

Papst Benedikts Wort von der „Entweltlichung“ der Kirche ist mehr als ein Stichwort für Diskussionen aller Art, es ist vor allem ein Leitwort für die Kirche aller Epochen.

Dabei bedeutet dieses Motto keineswegs, sich gleichsam ins eigene Ghetto zurückzuziehen und aus öffentlichen Angelegenheiten herauszuhalten, zumal die göttlichen Gebote nicht nur das Privatleben der Menschen betreffen. Apollinaris-DSC_0408-2-4 - Kopie

Wesentliche sittliche Prinzipien des Christentums sind wichtig, ja wesentlich auch für Staat und Gesellschaft, für Kultur und Wirtschaftsleben. Nicht von ungefähr beruft sich unser Grundgesetz in seiner Präambel auf die „Verantwortung vor Gott und den Menschen“.

Für die Kirche besteht seit jeher eine zweifache Versuchung: einerseits jenes passives „Sakristei-Christentum“, das sich einigelt und weltabgewandt verhält   –  andererseits die Versuchung politischer Macht, wozu letztlich auch die Vision eines „Reiches Gottes auf Erden“ gehört.

Allerdings hat Christus hat vor dem römischen Statthalter Pilatus eindeutig erklärt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“

Zudem ist in diesem Zusammenhang auch der biblische Bericht von der Versuchung unseres HERRN in der Wüste aufschlußreich, womit sich der folgende Beitrag eingehend befaßt, der zuerst in der April-Ausgabe des kath. Magazins „Die neue Ordnung“ erschien.

Die beiden Autoren dieses Grundsatzartikels sind Frank Schäffler (FDP-Bundestagsabgeordneter, Mitglied im FDP-Bundesvorstand) sowie Norbert F. Tofall, sein wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter des Politikkreises der Hayek-Gesellschaft. 

Die beiden Liberalen treten kirchenfeindlichen Bestrebungen innerhalb ihrer eigenen Partei entgegen und plädieren für eine Verständigung zwischen Christentum und klassischem Liberalismus.

Hier folgt der vollständige Beitrag von Norbert F. Tofall und dem FDP-Politiker Frank Schäffler (siehe Foto):  0000001313_3

CHRISTUS widersteht der Versuchung weltlicher Macht

Seit Menschengedenken existiert eine Geisteskrankheit, die so teuflisch ist, dass sie an zentraler Stelle unserer kulturellen Überlieferung thematisiert wird. Im Neuen Testament lesen wir, dass der Teufel den Gründer des Christentums auf einen hohen Berg führt, ihm alle Reiche dieser Erde zeigt und ihm das Weltkönigtum, also die irdische Herrschaft über alle Menschen anbietet.

Doch der Menschensohn widersteht dieser Versuchung, widersteht dieser menschlichen Geisteskrankheit, die auch Herrschsucht genannt wird. Zum einen ist Gottes Reich nicht von dieser Welt. Und Jesus Christus wäre nicht Gottes Sohn, wenn er Gottes Reich und Gebote wegen irdischer Reiche verraten würde.

Zum anderen  –  und das führt uns zu unserem Thema  –  sollen und können die Menschen freiwillig und ohne Zwang und ohne Angst vor Gewalt dem Guten folgen. Zudem sollen und können die Menschen den Glauben nur freiwillig annehmen.

In dieser Forderung, die theologisch die Religions- und Gewissensfreiheit begründet, verschränken sich die innere Freiheit und die äußere Freiheit. Die Versuchung der Herrschaft von Menschen über Menschen  –  die Geisteskrankheit der Herrschsucht  –  zielt immer auf die Vernichtung beider Freiheiten. Trotzdem dürfen beide nicht verwechselt werden.

Die innere Freiheit kann dem Menschen durch keine noch so große irdische Gewaltandrohung genommen werden. „Und sperrt man mich ein in finstere Kerker / Das alles sind rein vergebliche Werke / Denn meine Gedanken zerreißen die Schranken und Mauern entzwei / Die Gedanken sind frei!“

Die innere Freiheit besitzt jeder Mensch und das heißt erstens, dass jeder Mensch der Versuchung der Herrschaft über andere Menschen und der Herrschsucht prinzipiell widerstehen kann. Und zweitens behält der Mensch selbst an Orten des abgründigsten Bösen seine innere Freiheit, kann er sich der Logik des Bösen, der Logik von Gewalt und Verbrechen innerlich entziehen. „Der Herr ist der Geist. Und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“

Pater Maximilian Kolbe und viele andere haben dies bezeugt. An einem Ort des abgründigsten Bösen hat Maximilian Kolbe sein Zeugnis von der inneren Freiheit des Menschen abgelegt. Die innere Freiheit existiert zum Verdruß aller Herrschsüchtigen dieser Welt selbst dann noch, wenn die äußere Freiheit schon längst vernichtet wurde.

Die äußere Freiheit wird in der politischen Philosophie auch als die individuelle Freiheit bezeichnet und kennzeichnet eine äußere Beziehung zwischen Menschen. Die Menschen sollen unabhängig von der nötigenden Willkür durch andere Menschen leben können.

Die individuelle Freiheit für alle Bürger eines Gemeinwesens kann nur durch die Herrschaft des Gesetzes (rule of law) geschützt werden. Durch allgemeine und abstrakte Regeln soll sichergestellt werden, dass jeder Mensch  –  sei er Arbeiter oder Unternehmer, adliger, bürgerlicher oder proletarischer Herkunft, reich oder arm  –  frei leben kann.

Der Staat ist deshalb eine Vereinigung von Bürgern unter Rechtsgesetze, durch die die gleiche Freiheit für alle hergestellt und gesichert wird. Das Recht ist mit der Befugnis zur Anwendung von Zwang verbunden, und nur der Staat hat das Recht zur Ausübung von Zwang. Aber er hat es auch nur, um eine Verfassung von der größten Freiheit zwischen Menschen zu errichten und zu sichern, nicht von der größten Glückseligkeit und Wohlfahrt.

Der Staat darf keine Zwangsbeglückung durchführen

Der Staat darf keine Glücks- und Wohlfahrtsvorstellungen per Gesetz  –  und das heißt per Zwang  –  durchsetzen oder fördern. Der Staat hat lediglich dafür zu sorgen, dass die Glücks- und Wohlfahrtsvorstellungen der Menschen nebeneinander bestehen können. Glücks- und Wohlfahrtsvorstellungen sind ausschließlich individuelle Lebensführungsprogramme.

Kein Mensch, keine Gruppe, keine Religionsgemeinschaft, keine noch so demokratisch gewählte Mehrheit und auch kein Staat haben deshalb das Recht, Menschen zu zwingen, auf eine bestimmte Art und Weise glücklich zu sein.

Zur individuellen Freiheit gehört natürlich auch, dass Menschen das Recht haben, unabhängig von der Willkür anderer Menschen die eigene Religionszugehörigkeit zu wählen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Papst Benedikt XVI. nicht nur die Religionsfreiheit verteidigt, sondern 2007 im 1. Band seines Jesus-Buches sogar das christliche Kaisertum kritisiert und verurteilt: 75743_14122011

„Aber kehren wir zurück zur Versuchung. Ihr wahrer Gehalt wird sichtbar, wenn wir sehen, wie sie die Geschichte hindurch immer neue Gestalt annimmt. Das christliche Kaisertum versuchte alsbald, den Glauben zum politischen Faktor der Reichseinheit zu machen. Das Reich Christi soll nun doch die Gestalt eines politischen Reiches und seines Glanzes erhalten. Der Ohnmacht des Glaubens, der irdischen Ohnmacht Jesu Christi soll durch politische und militärische Macht aufgeholfen werden.

In allen Jahrhunderten ist in vielfältigen Formen diese Versuchung immer neu aufgestanden, den Glauben durch Macht sicherzustellen, und immer wieder drohte er gerade in den Umarmungen der Macht erstickt zu werden. Der Kampf um die Freiheit der Kirche, der Kampf darum, dass Jesu Reich mit keinem politischen Gebilde identisch sein kann, muss alle Jahrhunderte geführt werden. Denn der Preis der Verschmelzung von Glauben und politischer Macht besteht zuletzt immer darin, dass der Glaube in den Dienst der Macht tritt und sich ihren Maßstäben beugen muß“ (S. 68 – 69).

Der christliche Glaube darf nach Ansicht von Papst Benedikt XVI. deshalb nicht durch Zwang und Gewalt durchgesetzt werden, sondern muß vom einzelnen Menschen in freier Entscheidung angenommen und gelebt werden.

Diese Einsicht bildet auch den Ursprung des Liberalismus. Dessen Kampf beginnt im 16. und 17. Jahrhundert nicht zufällig mit dem Kampf um die Religions- und Gewissensfreiheit. Gerade weil den Menschen Religion und Gott wichtig waren (bzw. heute auch noch sind), war (bzw. ist) die Entstaatlichung der Religion, die leider oft mit dem mißverständlichen Begriff Privatisierung der Religion beschrieben wird, für die weitere Entwicklung der europäischen Zivilisation und Europas überlebenswichtig.

Toleranz bedeutet keineswegs Relativismus

Die Toleranzforderung des Liberalismus darf deshalb nicht mit Beliebigkeit oder gar Relativismus verwechselt werden, wie dieses heute häufig und leider auch in sich liberal nennenden Kreisen geschieht.

Während die römisch-katholische Kirche heute erkannt hat, dass sie in langen Phasen ihrer Geschichte der Versuchung der irdischen Herrschaft erlegen war, sind weite Schichten und Kreise der heutigen westlichen Gesellschaften dieser Versuchung in einem Ausmaß verfallen, die allen Beteuerungen von Aufgeklärtheit und Modernität Hohn sprechen.

Man mag gegen das interne Kirchenregiment von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. eingestellt sein wie man möchte. Der große Liberale John Locke zählt in seinem „Brief über Toleranz“ derartige Organisationsformen zu den legitimen internen Regeln, die sich jede Religionsgemeinschaft geben darf und in die sich der Staat und andere Externe nicht einzumischen haben. Da mag Hans Küng in Tübingen noch so toben und gegen Rom wettern und zuhause am Neckar sein Weltethos anbeten.

Zwei Päpste als Verfechter christlicher Aufgeklärtheit

Während Johannes Paul II. und Benedikt XVI. dem Glauben gerade nicht durch politische und staatliche Macht fördern wollen, sich der staatlichen Macht sogar unbequem entgegenstellen, aus diesem Grund die marxistisch geprägte „Theologie der Befreiung“ verurteilen und sie sich gerade dadurch als Päpste der Moderne erweisen, fallen unsere westlichen Gesellschaften in die Vormoderne zurück.  pc_pi

Die sich zur Sucht steigernde Versuchung, anderen Menschen mittels staatlichem Zwang auf einen bestimmten Lebensstil zu verpflichten, die Versuchung, anderen Menschen vorzuschreiben, was sie zu denken haben oder was sie öffentlich äußern dürfen (political correctness), die Versuchung, freie öffentliche Diskussionen zu verhindern („Mit Klimawandelleugnern diskutieren wir nicht“), die heutige Sucht, Menschen mittels staatlichem Zwang vorzuschreiben, wie sie zu wirtschaften haben und welche ökologischen und ethischen Standards sie dabei berücksichtigen müssen, sind allgegenwärtig und übermächtig.

Die Sucht, staatlichen Zwang immer und überall und zur Durchsetzung fast jeden beliebigen Zwecks anzuwenden, hat Ausmaße angenommen, die Recht und Freiheit in Europa ernsthaft gefährden.

In dieser kulturellen Lage verwundert es auch nicht, dass der alte liberale Begriff Zivilgesellschaft durch die wirkungsmächtige Frankfurter Schule in das genaue Gegenteil verkehrt worden ist.

Politisches Ziel dieser Begriffsumwertung war die von Wolfgang Abendroth in den 1950er Jahren geforderte „Transformation des liberalen Rechtsstaats in den Sozialstaat“, an der wir heute alle leiden.

Irrtümer der 68er „Frankfurter Schule“

In der liberalen Tradition von Adam Ferguson, Adam Smith, Immanuel Kant, Alexis de Tocqueville, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek wird die individuelle Freiheit jedes Menschen durch Institutionen wie Privateigentum, Vertragsfreiheit, Kapitalverkehrsfreiheit und Gewerbefreiheit, aber auch durch die Autonomie der Familie sowie Religions- und Gewissensfreiheit vor der Herrschaft durch andere Menschen geschützt.

In der Sichtweise der Frankfurter Schule sind jedoch gerade diese Institutionen nicht legitimierte Herrschaftsformen der spätkapitalistischen bürgerlichen Gesellschaft, die auf elaborierte Art und Weise kommunikativ verflüssigt werden müssen. Doch die Kurzform lautet: Eigentum ist Diebstahl, Familie ist ein Unterdrückungsapparat und Religion ist Opium fürs Volk.

Das Kollektiv mit Decknamen Zivilgesellschaft weist den einzelnen Individuen nicht nur Freiräume und Eigentumsrechte zu. Das Kollektivsubjekt entscheidet nach öffentlicher Beratschlagung im sog.  „herrschaftsfreien Diskurs“ sogar über die künftige Entwicklung aller Individuen einer Gesellschaft, was dann als die Umsetzung emanzipatorischer gesellschaftlicher Projekte und als kollektiver Selbstbefreiungsprozess gefeiert wird.

Neomarxistische Tarnkappen: „Demokratisierung“  und „herrschaftsfreier Diskurs“

Unter der Tarnkappe „Demokratisierung aller Lebensbereiche“ werden so die institutionellen Grundsäulen einer freien und offenen Gesellschaft angegriffen.

Auf diese Weise wird der Staat, der als Vereinigung von Menschen unter Rechtsgesetzen (Kant) eigentlich die Aufgabe hat, die Bedingungen zu schützen, unter denen die Willkür des einen Individuums mit der Willkür des anderen Individuums nach einem allgemeinen Gesetz der Freiheit zusammen bestehen kann, für gesellschaftspolitische Projekte sogenannter Träger der Zivilgesellschaft mißbraucht.

Die neue Zivilgesellschaft der Frankfurter Schule führt daher zu nichts anderem als zu einem neo-marxistischen Kollektivismus im strahlend weißen Gewand unbegrenzter demokratischer Legitimation.

Der demokratische Staat verliert so den Anspruch, freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat zu sein. Recht und Freiheit werden kampflos aufgegeben, weil sich die Geisteskrankheit der Herrschsucht erfolgreich hinter der Chimäre des sog. „herrschaftsfreien Diskurses“ verstecken kann.

Politisch besonders tragisch ist, dass in Deutschland die einzige Partei, die den Anspruch an sich stellt, den politisch organisierten Liberalismus zu verkörpern, sich diesen Entwicklungen nicht konsequent entgegenstellt.

Die FDP hat sich seit den 1970er Jahren in weiten Teilen und besonders in ihren Führungsstrukturen diesen Prozessen mit einer pseudoweltoffenen Rhetorik fast enthusiastisch hingegeben. Man will modern im Sinne von aktuell sein, fördert aber durch diese Gefallsucht, durch die man Herrschaft erlangen will, Entwicklungen zurück zur Vormoderne.

Die FDP in der Falle der Gefallsucht

Die Folge ist, dass bei nüchterner Betrachtung vermeintlich konservative Kirchenführer wie Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ein moderneres Verständnis von den Aufgaben und Grenzen des Staates vertreten als die einzige liberale Partei in Deutschland. Das muß sich ändern.

Aus römisch-katholischer Perspektive ist es aber noch viel tragischer, dass der deutsche Gremienkatholizismus und die römisch-katholischen Bischöfe in Deutschland, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bis heute nicht erkannt haben, dass Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Päpste der Moderne sind.

Deshalb wird in diesen Kreisen die Verurteilung der marxistisch geprägten Theologie der Befreiung bis heute nur sehr selten verstanden, ganz zu schweigen von Benedikts Freiburger Rede im September 2011 und seiner Forderung nach Entweltlichung der Kirche.

Beachtet werden sollte, dass Joseph Ratzinger bereits 1986 in seinem Vortrag „Politik und Erlösung. Zum Verhältnis von Glaube, Rationalität und Irrationalem in der sog. Theologie der Befreiung“ schrieb, dass die römisch-katholische Lehre „keine exklusiven politisch-ökonomischen Projekte anbieten (kann); sie kann keine kompakten und mit Notwendigkeit eintretenden Verheißungen geben; sie kann vor allem keine Endgültigkeit politischer Heilszustände versprechen. Denn wenn die Politik immer auf der Freiheit und immer auf der sittlichen Verantwortung des Menschen ruht, dann gibt es den endgültigen und endgültig zwingenden Fortschritt in ihr nicht“ (S. 22)

„Die Werke rechtfertigen nicht, d.h. die Politik erlöst nicht  –  und wenn sie diesen Anspruch erhebt, wird sie zur Sklaverei“ (S. 24).

Das ist die Stimme eines wahren Liberalen.


Die heutige Abschiedsrede des Papstes vor den Kardinälen und Erzbischöfen des Vatikan

An seinem heutigen letzten Amtstag hat sich Papst Benedikt persönlich von allen in Rom anwesenden Kardinälen und Kurien-Erzbischöfen in der vatikanischen „Sala Clementina“ verabschiedet.

In seiner Ansprache dankte er dem Kardinalskollegium für die  Zusammenarbeit und rief die Kirchenmänner zum Gebet, zur Einheit und Harmonie auf.

Hier folgt der vollständige Wortlaut dieser kurzen, aber tiefsinnigen Papstrede: 1_0_669025

Verehrte Brüder!

Mit großer Freude empfange ich euch und grüße jeden von euch ganz herzlich. Ich danke Kardinal Angelo Sodano, der wie immer die richtigen Worte für das gesamte Kardinalskollegium findet, Cor ad cor loquitur. Ein herzliches Dankeschön, Eminenz!

Ich möchte euch sagen, und ich beziehe mich dabei auf die Emmaus-Jünger, dass es auch für mich eine Freude war, mit euch in diesen Jahren im Lichte der Gegenwart des auferstanden HERRN zu gehen. Wie ich gestern vor den tausenden Pilgern gesagt habe, die den Petersplatz füllten, waren mir eure Nähe und euer Rat eine große Hilfe in meinem Amt.

In diesen acht Jahren haben wir im Glauben wunderbare und lichte Augenblicke in der Kirche erlebt, zusammen mit einigen Momenten, in denen sich Wolken am Himmel zeigten.

Wir haben versucht, Christus und seiner Kirche zu dienen mit tiefer und totaler Liebe, die unser Amt belebt. Wir haben Hoffnung geschenkt, die von Christus kommt, Hoffnung, die allen den Weg erleuchten kann.

Das Kardinalskollegium sei wie ein harmonisches Orchester

Zusammen können wir dem HERRN danken, der uns in der Gemeinschaft hat wachsen lassen  –  und ihn zusammen bitten, uns zu helfen, weiter in dieser tiefen Einheit zu wachsen, damit das Kardinalskollegium wie ein Orchester ist, in dem die unterschiedlichen Ausdrucksformen der Weltkirche immer in eine höhere und einstimmige Harmonie einstimmen.

Ich möchte euch einen einfachen Gedanken hinterlassen, der mir sehr am Herzen liegt, einen Gedanken über die Kirche und ihr Amt, der für uns alle  –  so kann man sagen  –  die Vernunft und die Leidenschaft des Lebens bedeutet.

Ich lasse mir von einer Beobachtung von Romano Guardini helfen, die er in jenem Jahr schrieb, als das Zweite Vatikanische Konzil die Konstitution Lumen Gentium billigte. Es ist eine persönliche Widmung am Ende seines letzten Buches, auch an mich  –  deshalb sind mir diese Worte besonders teuer.

„Christus ist das Herz der Kirche“

Guardini sagt: „Die Kirche ist keine erfundene Institution, die am Tisch erschaffen wurde, sondern eine lebendige Realität. Sie lebt entlang dem Lauf der Zeit auf die Zukunft gerichtet, wie jedes Lebewesen; sie verändert sich –  und doch bleibt sie immer dieselbe, ihr Herz ist Christus.“

Die Erfahrung von gestern auf dem Petersplatz hat mir gezeigt, dass die Kirche ein lebendiger Leib ist, der vom Heiligen Geist inspiriert ist und der wirklich von der Kraft Gottes lebt. Die Kirche ist in der Welt, aber nicht von der Welt  –  sie ist von Gott, vom Hl. Geist.

Deshalb ist auch die andere Formulierung von Guardini wahr und redlich: „Die Kirche erwacht in den Seelen.“

Die Kirche lebt, wächst, erwacht in den Seelen, die wie die Jungfrau Maria das Wort Gottes aufnehmen und es als Werk des Heiligen Geistes verstehen, die Gott ihr eigenes Fleisch anbieten und die gerade in der eigenen Armut und Demut dazu fähig werden, Christus heute in der Welt zu zeugen.

Durch die Arbeit der Kirche bleibt das Geheimnis der Fleischwerdung für immer. Christus geht weiter durch alle Zeiten und Orte.

Bleiben wir vereint, liebe Brüder, in diesem Geheimnis, im Gebet, besonders in der täglichen Eucharistie. So dienen wir der Kirche und der gesamten Menschheit. Das ist unsere Freude, die niemand uns wegnehmen kann.

Bevor ich euch persönlich grüße, möchte ich euch sagen, dass ich euch weiter mit dem Gebet nahe sein werde, vor allem in den nächsten Tagen, bis ihr den Heiligen Geist bei der Wahl des neuen Papstes spürt.

Möge der HERR euch zeigen, was er von euch will. Schon heute verspreche ich dem neuen Papst meine bedingungslose Ehrerbietung und meinen bedingungslosen Gehorsam.

Deshalb gebe ich euch von Herzen meinen Apostolischen Segen.“

Quelle (Text/Foto): Radio Vatikan


Prälat Imkamp kommt am 21. März nach München: „Sei kein Spießer, sei katholisch!“

Der Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, Prälat Wilhelm Imkamp (siehe Foto), spricht am Donnerstag, den 21.März, in München zur Lage der Kirche nach dem Rücktritt von Papst Benedikt. SCALED_3_160_160_127_160_509_640_39416_file.pic.190be900599a0000.jpg207014352530

Die Veranstaltung in der Reihe „Domspatz-Soirée“ beginnt um 19:30 Uhr im Kulturzentrum Movimento, Neuhauser Straße 15.

Unter dem Titel „Sei kein Spießer, sei katholisch  –  Zur Zukunft des Glaubens in Deutschland“ stellt sich der in mehrere vatikanische Ämter berufene Geistliche den Fragen des Journalisten Michael Ragg und des Publikums.

Der Eintritt zur Domspatz-Soirée beträgt 12,50 Euro, für Ehepaare zehn Euro pro Person. Jugendliche haben freien Eintritt.

Der Veranstalter, die Agentur „Ragg´s Domspatz“, empfiehlt Platzreservierung unter Telefon: 0 83 85 / 9 24 83 37 oder buero@raggs-domspatz.de.

Nähere Infos gibts unter http://www.raggs-domspatz.de.

Prälat Imkamp erhielt von Papst Benedikt die höchste Auszeichnung für Diözesanpriester, den Titel „Apostolischer Protonotar“ und gehört damit zur „Päpstlichen Familie“. Im Januar 2013 wurde er als ordentliches Mitglied in die Päpstliche Theologenakademie berufen. Er ist Berater zweier vatikanischer „Ministerien“, der Gottesdienst- und der Heiligsprechungs-Kongregation.

Den mittelschwäbischen Wallfahrtsort Maria Vesperbild, dem Imkamp seit 25 Jahren vorsteht, besuchen jährlich etwa eine halbe Million Pilger. Wegen seiner klaren Aussagen und humorvollen Formulierungen wird der Prälat gerne in Fernseh-Talkshows und Diskussionsrunden eingeladen.

Das Kulturzentrum Movimento findet man in der Münchner Fußgängerzone, direkt gegenüber der Sankt-Michaels-Kirche, Eingang durch die KULT-Passage. Vom Hauptbahnhof aus ist das Movimento zu Fuß in gut zehn Minuten oder mit allen S-Bahn-Linien bis Marienplatz oder Stachus zu erreichen.


Riesen-Erfolg der Anzeigenserie „Danke, Papst Benedikt!“ – 13.000 Reaktionen in kürzester Zeit – ein Beispiel für die Beliebtheit des Papstes in Deutschland

Von Peter Helmes

Die am 26. Februar in der FAZ gestartete Anzeigen-Aktion „Danke, Papst Benedikt!“ der „Deutschen Konservativen eV“ erweist sich bereits jetzt als großer Erfolg. Allein auf die halbseitige Annonce in der Frankfurter Allgemeinen vom 26.2. konnten bisher mehr als 13.000 Reaktionen registriert werden: Rücklauf-Coupons, Briefe, Mails.

Die Anzeigenaktion wird in der nächsten Woche  –  u. a. in der Tagespost und der Jungen Freiheit  –  fortgesetzt. radiovatikan

Dieser Rücklauf  ist auch ein Zeichen für die große Beliebtheit des Papstes in der deutschen Bevölkerung. Die Unterstützung kam nicht nur von Katholiken, sondern auch von Protestanten, Evangelikalen, Andersgläubigen und Atheisten. Alle Meinungsäußerungen waren getragen von einem tiefen Respekt vor der Persönlichkeit und dem Wirken des Pontifex. Hier zwei Beispiele typischer Reaktionen:

„Meine Frau ist tiefgläubige Katholikin. Ich bin zwar überzeugter Buddhist, aber ich habe äußerste Hochachtung vor dem Menschen Ratzinger. Ein großer Religionslehrer…“

Ein selbsterklärter Atheist schrieb: „…Ratzinger hat dem Papsttum Glanz und Würde verliehen. Ich brauche zwar keinen Papst, aber ich bewundere Ratzinger als einen der größten Gelehrten unserer Zeit und in seiner bescheidenen Art ein Vorbild für die Menschheit…“

Die wenigen kritischen Stimmen, die die Konservativen erreichten, kamen ausgerechnet aus den Reihen der „Basis-Kirche“ – selbsternannte Religionshüter und Kritikaster, wobei die Häme, die dabei über Papst Benedikt ausgegossen wird und die offen geäußerte Genugtuung über seinen Rücktritt zuweilen jeglichen Anstand vermissen lassen.

Großes Unverständnis zeigen Konservative über die mangelnde Reaktion  organisierter deutscher Katholiken. Daß das ZdK keine Dank-Anzeigen plazieren würde, war noch einigermaßen zu erwarten. Daß aber die Deutsche Bischofskonferenz sich „vornehm“ zurückhält, darf wohl eher als Skandal bezeichnet werden.

Christen in aller Welt blieb es vorbehalten, Papst Benedikt XVI. zu würdigen und ihm für sein Wirken zu danken  –  nur die Deutschen schweigen. Das ist mehr als peinlich.