Das Lazarus-Gleichnis Christi und die Warnungen des hl. Johannes vor der Sucht nach „Offenbarungen“

„Sie haben Moses und die Propheten: darauf sollen sie hören!“

Die heutige liturgische Lesung der katholische Kirche befaßt sich mit Christi Gleichnis vom reichen Prasser und dem armen Lazarus, das uns in Lukas 16,19-31 berichtet wird. media-80458-2

Der reiche Mann war ein rücksichtsloser Egoist, daher verscherzte er sich das ewige Heil. Lazarus hingegen wurde „von den Engeln in Abrahams Schoß getragen“, wie es in der Bibel heißt.

Der reiche Prasser ruft Abraham in der Unterwelt zu, er möge Lazarus zu seinen fünf Brüdern senden, damit diese gewarnt werden und „nicht an diesen Ort der Qual kommen“.  

Doch Abraham lehnt dieses Ansinnen rundweg ab: „Er aber sagte: Sie haben Moses und die Propheten, auf die sollen sie hören.“

Ahnen wir, wie zeitlos gültig diese Antwort ist?

Wie oft erfahren wir auch in diesem CHRISTLICHEN FORUM  zornigen Widerspruch von erscheinungsbewegter Seite, wenn wir den kirchlichen Standpunkt erklären:

Wir brauchen keine Visionen und Neu-Offenbarungen, keine „himmlischen“ Botschaften, keine Jenseits-Auskünfte vermeintlich „begnadeter Seelen“ usw., denn wir haben durch Bibel und Tradition, Sakramente und Lehramt der Kirche bereits alles, was wir für unser ewiges Heil benötigen.

Abraham, der „Vater des Glaubens“, erklärt in Christi Gleichnis kurzerhand: Auch diese Männer  – die Brüder des reichen Prassers  –  „haben Moses und die Propheten“   –   vergleichbar dem, was wir heute „Bibel und Lehramt“ nennen  –  und eben darauf sollen wir hören!

Eindringliche Mahnungen des hl. Johannes vom Kreuz

Das betonte auch der hl. Kirchenlehrer und Mystiker (!) Johannes vom Kreuz immer und immer wieder. Auch damals waren Wundersucht und vorwitzige Neugier nach besonderen „Offenbarungen“ weit verbreitet.

In seinem Klassiker „Aufstieg zum Berge Karmel“ (2. Buch, Kap. 21) warnt der Heilige im 7. Absatz strikt vor diesen raffinierten Gefahren für das Seelenheil:

Ich sage nur, dass es eine äußerst gefährliche Sache ist, auf solchen Wegen mit Gott umgehen zu wollen  –  und dass derjenige, der zu solchen Methoden hinneigen sollte, nicht umhin kommen wird, sich gewaltig zu irren und oftmals in Verwirrung zu geraten.“media-377708-2

Johannes vom Kreuz erwähnt sodann die „Schwierigkeit“, die darin bestehe, „bei inneren Ansprachen und Visionen keinem Irrtum zu verfallen“, da diese vielfach „vom Bösen stammen“, der sich als Engel des Lichtes tarnt bzw. wie der hl. Johannes wörtlich schreibt: der Erzfeind „schleicht sich auf Umwegen ein, wie der Wolf im Schafspelz in die Herde, so dass man es kaum erkennen kann.“

Einer der satanischen Tricks bestehe darin, daß „er nämlich viele wahre und vernunftgemäße Dinge sagt  –  und Dinge ankündigt, die sich bewahrheiten“  – und daher könne man  sich „leicht täuschen lassen“.  

Johannes empfiehlt: „Vor allen Erscheinungen  f l i e h e n !“

In Absatz 11 heißt es, daß „der Böse äußerst spitzfindig ist beim Einflüstern von Lügen. Von ihm kann man sich nicht befreien, außer man flieht vor allen übernatürlichen Offenbarungen, Visionen und inneren Ansprachen.“

Der Heilige erklärt also, daß man sich „übernatürliche Offenbarungen“ nicht nur keineswegs wünschen soll; er empfiehlt seinen Lesern aus großer Vorsicht sogar die Flucht vor „allen“ Erscheinungen,  falls diese jemals ungewollt in ihr Leben treten. Er weiß um die Schwierigkeit, in diesem heiklen Bereich den häufigen Spreu vom seltenen Weizen zu trennen – und daher seine Empfehlung, besser gleich alles zu meiden.

Den deutlichen Warnungen des Kirchenlehrers könnte man theoretisch entgegenhalten, daß es doch auch wenige Erscheinungen himmlischen Ursprungs geben kann, die zu „fliehen“ dann nicht sinnvoll sei.

Doch der hl. Johannes vom Kreuz will offenbar auf „Nummer Sicher“ gehen, zumal der katholische Glaube grundsätzlich sowieso keine Privatoffenbarungen benötigt   –  auch keine „echten“.  Dies ist nun freilich nicht die Privatmeinung des hl. Johannes, sondern verbindliche Lehre der Kirche seit jeher.

Im 11. Absatz des Buches „Aufstieg zum Berge Karmel“ heißt es weiter:

„Darum ist Gott zu Recht über den verärgert, der sie zulässt, weil er sieht, dass es Waghalsigkeit ist von dem, der sich derart in große Gefahr begibt  –   und weil Anmaßung, Neugier und Auswüche der Überheblichkeit die Wurzel für Prahlerei und Geringschätzung der Dinge Gottes sind –  und der Anfang zahlreicher Übel, in die viele Menschen hineingeraten sind.“

In Absatz 12 schreibt der hl. Johannes vom Kreuz, dem Teufel sei es möglich, „viele mit Blindheit und Täuschungen zu schlagen, weil ihre Sünden und Waghalsigkeiten es verdienen. Das vermag und erreicht der Böse, sofern sie ihm glauben und ihn für einen guten Geist halten  –  und zwar so sehr, dass es keine Abhilfe gibt, aus den Täuschungen herauszukommen“.

Wer in diesem gefährlichen Netz bereits verstrickt ist, wer durch seinen Hochmut oder durch vermessene Leichtgläubigkeit  in der Trickkiste Satans gefangen ist und ihn für einen „Engel des Lichts“ hält, der kommt nur selten  –  und dann oft erst sehr spät  –  aus diesem buchstäblichen „Teufelskreis“ wieder heraus.

Daher setzt der hl. Kirchenlehrer hier klar auf  das Prinzip „Vorbeugung“ durch seine mahnende Stimme  –  ähnlich wie Christus  mit dem Gleichnis von Lazarus, der keineswegs auf Erden erscheinen durfte, um gefährdete Menschen zu warnen: „Sie haben Moses und die Propheten  –  darauf sollen sie hören!“

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

 


Bischof Voderholzer im Regensburger Dom: „Wir ehren Papst Benedikt am besten durch unser Gebet für ihn“

PREDIGT von  Bischof Rudolf Voderholzer im Pontifikalamt zum Dank für das Wirken von Papst Benedikt:

In der Votivmesse für den Papst, der die Texte des heutigen Abends entnommen sind, ist als Evangelium der Abschnitt aus dem 21. Kapitel des Johannesevangeliums vorgesehen, den wir soeben vom Diakon vorgetragen bekommen haben.  Dankgottesdienst Papst Benedikt - Bischof Voderholzer

Er bringt uns die Ursprünge des Petrusdienstes in Erinnerung, der im Papstamt seine geschichtliche Fortsetzung und Vergegenwärtigung findet.

Simon, der Fischer vom See Genesareth war der erste der von Jesus in die besondere Nachfolge Gerufenen. Schon vor Ostern ist er auch der erste der Jünger, der in allen Apostellisten als erster genannt wird und der immer wieder stellvertretend für alle das Wort ergreift.

Allem voran tat er es in Caesarea Philippi, als der Herr die Jünger zuerst fragt, für wen ihn die Menschen halten. Für einen großen Mann, einen Propheten, einen religiös überdurchschnittlich Begabten also…

Wir kennen die Antworten und spüren, dass sie durchaus an Aktualität nichts eingebüßt haben. Ein großer Mann eben, aber doch nicht mehr –  und das ist zu wenig. Als der HERR weiterfragt: „Ihr aber, für wen haltet ihr mich?“, antwortet Simon: „Du bist der Messias, der Sohn des lebendigen Gottes“.

In Petrus bekennt sich die ganze Kirche zu Christus

In Petrus bekennt die ganze Kirche sich zu Jesus Christus, ihrem HERRN und damit zum Retter der Welt.

Die Szene des heutigen Evangeliums führt uns zum Ostermorgen und noch einmal an den Ort, an dem Simon zum Menschenfischer berufen worden war. Dorthin war er nach der vermeintlichen Katastrophe des Karfreitags und nach seinem Versagen in Gestalt dreimaliger Verleugnung fluchtartig zurückgekehrt.

Doch der HERR hält ihm die Treue. Dreimal fragt er ihn nach seiner Liebe und er gibt ihm so die Chance, seine Schuld und sein Versagen anzuschauen, einzugestehen und durch das neue Bekenntnis und die Erklärung seiner Liebe zu überwinden: „Du weißt alles, HERR, Du weißt auch, dass ich Dich lieb habe.“

Den glaubenden und den liebenden Simon, den die Tränen der Reue innerlich gereinigt und demütig gemacht haben, ihn macht der HERR selbst zum Petros, zum Fels und zum universalen Hirten der Kirche: „Weide meine Schafe.“ Voderholzer 1

Beim Papstamt, das in der Nachfolge des Petrusdienstes steht, handelt es sich somit nicht um die fromme Spielart weltlicher Monarchie. Der Papst ist nicht der Repräsentant einer vermeintlich längst überholten vor-demokratischen Vergesellschaftung Gleichgesinnter, sondern das Fundament und das Prinzip der Einheit des Bischofskollegiums und somit sichtbares Prinzip auch der Einheit der Kirche.

Was der HERR dem Simon Petrus aufgetragen hat, das ist auch erste Aufgabe eines jeden Papstes in der Kirchengeschichte: „Wenn du dich bekehrt haben wirst, dann stärke deine Brüder“ (Lk 22,32).

Benedikt XVI. hat uns, seine Brüder im Priester- und Bischofsamt, aber auch alle Gläubigen immer und immer wieder gestärkt durch sein Wort, durch seine Verkündigung, seine Ansprachen, seine Predigten.

In Regensburg erinnern wir uns dankbar an den Pastoralbesuch im Jahre 2006, als er mit uns auf dem Islinger Feld die Eucharistie feierte, und an die große Rede im Auditorium maximum der Universität, die als die „Regensburger Rede“ in die Geschichte eingehen sollte. Mit ihr  –  und wohl gerade auch mit der in ihr enthaltenen Provokation  ‑  hat er dem christlich-islamischen Dialog einen entscheidenden Impuls gegeben, wie längst auch von Seiten islamischer Gelehrter anerkannt wird.

Papst Benedikt hat uns gestärkt nicht zuletzt durch seine Bücher, vor allem durch die drei Bände seines Jesus-Buches, in denen er im Licht des Petrus-Bekenntnisses die Botschaft der Evangelien auslegt, im Gespräch mit der aktuellen Bibelwissenschaft, mit jüdischen Gelehrten und zugleich in einer schönen Sprache und mit der unvergleichlichen Gabe, schwierige Sachverhalte einfach und verständlich darzulegen.

Den Einklang von Glaube und Vernunft erfassen

Sein Wort hat uns alle gestärkt, sein Wort hat uns Zusammenhänge erschlossen, sein Wort hat geholfen, den Einklang von Glauben und Vernunft zu erfassen und gerade auch so erhobenen Hauptes und froh Christen, katholische Christen zu sein.

Heiliger Vater, wir sagen in dieser Stunde dafür herzlich Vergelt’s Gott!

Benedikts Wort wird uns weiterhin zugänglich sein durch die Bücher und die anderen Formen der Veröffentlichung in digitaler Weise als Hörbuch und vieles mehr. Und wir sind stolz, in Regensburg durch das Institut Papst Benedikt XVI. mit der Organisation seiner theologischen Schriften vor der Papstwahl und auch durch die Betreuung des Hauses in Pentling der Verbreitung und der Rezeption dieses Werkes auch fortan dienen zu dürfen.

Papst Benedikt gehört längst zu den ganz großen Predigern auf dem Stuhl Petri und zu den Kirchenlehrern der Moderne.

Liebe Schwestern und Brüder im HERRN! Wir ehren Papst Benedikt und danken ihm am besten dadurch, dass wir seinen Aufruf befolgen, weiterhin für ihn zu beten und uns von ihm auch immer wieder neu einführen zu lassen in die Mysterien des Glaubens.

Wir ehren ihn und danken ihm, wenn wir für ihn, aber auch für die ganze Kirche, insbesondere jetzt für die Kardinäle beten, die sich in 14 Tagen daran machen werden, herauszufinden, wen Gott der HERR als Nachfolger des Petrus vorgesehen hat.

Wir ehren ihn und danken ihm, wenn wir seinen Nachfolger, den die Kardinäle bald wählen werden, als den universalen Hirten der Kirche annehmen und uns durch ihn und sein Zeugnis vom Herrn der Kirche selbst leiten lassen.

Am Ende dieser meiner Predigt aber soll ein Wort von Papst Benedikt selbst stehen. Im Jahr 1991 hat er noch als Kardinal Ratzinger in einem Vortrag in brillanter Weise die Grundzüge des Petrusamtes und des Primats des Bischofs von Rom aufgezeigt. Dort heißt es abschließend, ich zitiere ihn:

„Der römische Primat ist nicht eine Erfindung der Päpste, sondern ein auf den Herrn selbst zurückreichendes und in der werdenden Kirche getreulich entfaltetes Wesenselement der kirchlichen Einheit. […] Indem wir dies in den Fakten der Geschichte sehen, feiern wir nicht Menschen, sondern preisen wir den HERRN, der die Kirche nicht verlässt und der sein Felssein durch Petrus, den kleinen Stolperstein, ausüben wollte:

Nicht ‚Fleisch und Blut‘ retten, aber der Herr rettet durch die, die aus Fleisch und Blut sind, hindurch. Daher bleibt die Petrusverheißung und ihre geschichtliche Verwirklichung zu Rom im tiefsten immer neu Grund zur Freude: „Du bist Petrus der Fels, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen. Und die Mächte der Hölle werden sie nicht überwältigen …“ (Joseph Ratzinger, Primat Petri und Einheit der Kirche, in: JRGS 8,610‑628, hier 626.6)

Quelle (Text/Foto): Bischöfliches Presseamt Regensburg


Schwulenverbände kritisieren Evangelisation „ProChrist“ – Pastor Ulrich Parzany weist Vorwürfe zurück

Bei Schwulenverbänden in Stuttgart und Berlin stößt die breitenwirksame Evangelisation ProChrist auf Kritik. Die evangelikalen Großveranstaltungen (siehe Foto) finden vom 3. bis 10. März an rund 1000 Orten in Deutschland und in 14 weiteren europäischen Ländern statt.

Hauptredner bei der zentralen Veranstaltung in Stuttgart ist der frühere Generalsekretär des CVJM-Gesamtverbandes, Pfarrer Ulrich Parzany. Ihm werfen die Schwulenverbände Hetze gegen Homosexuelle vor.  ProChrist_Impulse_Presse02

In einem Brief an den 1. Bürgermeister Stuttgarts, Michel Föll (CDU), kritisiert die Interessengemeinschaft Christopher Street Day (CSD), dass Parzany Homosexualität mit Ehebruch, Geiz und Egoismus gleichgesetzt habe. Bei ProChrist werde möglicherweise für die „Heilung“ von Homosexuellen geworben. Die Stadtverwaltung solle keine Räume für Veranstaltungen bereitstellen, deren Verantwortliche die Gleichberechtigung und Akzeptanz von Homosexuellen als Irrweg bezeichneten.

Eine ähnliche Befürchtung äußerte der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg. Pfr. Parzany habe sich wiederholt durch Äußerungen hervorgetan, die Angst vor Homosexualität schüren. Der Verband sei „besorgt“, dass mehrere Gemeinden der Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg die Evangelisation unterstützten, und habe seine Bedenken gegenüber der Kirchenleitung zum Ausdruck gebracht.

Gegenüber der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA wies Pastor Parzany die Vorwürfe zurück:

Die kritische Bewertung des praktischen Verhaltens eines Menschen sei keine Diskriminierung seiner Person. Jeder Mensch sei von Gott geliebt und verdiene darum ganze Wertschätzung. Bei ProChrist seien Homosexualität und die in der Politik aktuell diskutierten gesetzlichen Regelungen für gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften ohnehin kein Thema.

In seiner Verkündigung lasse Parzany es sich „selbstverständlich durch niemanden verwehren, die in der Bibel enthaltene Charakterisierung von praktizierter Homosexualität wie außerehelich praktizierter Heterosexualität als Sünde zu benennen“.

Quelle: http://www.idea.de


Christi Versuchung in der Wüste – und die politische Macht als Anfechtung der Kirche damals und heute

Frank Schäffler und Norbert F. Tofall: Plädoyer für eine christlich-liberale Verständigung

Papst Benedikts Wort von der „Entweltlichung“ der Kirche ist mehr als ein Stichwort für Diskussionen aller Art, es ist vor allem ein Leitwort für die Kirche aller Epochen.

Dabei bedeutet dieses Motto keineswegs, sich gleichsam ins eigene Ghetto zurückzuziehen und aus öffentlichen Angelegenheiten herauszuhalten, zumal die göttlichen Gebote nicht nur das Privatleben der Menschen betreffen. Apollinaris-DSC_0408-2-4 - Kopie

Wesentliche sittliche Prinzipien des Christentums sind wichtig, ja wesentlich auch für Staat und Gesellschaft, für Kultur und Wirtschaftsleben. Nicht von ungefähr beruft sich unser Grundgesetz in seiner Präambel auf die „Verantwortung vor Gott und den Menschen“.

Für die Kirche besteht seit jeher eine zweifache Versuchung: einerseits jenes passives „Sakristei-Christentum“, das sich einigelt und weltabgewandt verhält   –  andererseits die Versuchung politischer Macht, wozu letztlich auch die Vision eines „Reiches Gottes auf Erden“ gehört.

Allerdings hat Christus hat vor dem römischen Statthalter Pilatus eindeutig erklärt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt.“

Zudem ist in diesem Zusammenhang auch der biblische Bericht von der Versuchung unseres HERRN in der Wüste aufschlußreich, womit sich der folgende Beitrag eingehend befaßt, der zuerst in der April-Ausgabe des kath. Magazins „Die neue Ordnung“ erschien.

Die beiden Autoren dieses Grundsatzartikels sind Frank Schäffler (FDP-Bundestagsabgeordneter, Mitglied im FDP-Bundesvorstand) sowie Norbert F. Tofall, sein wissenschaftlicher Mitarbeiter und Leiter des Politikkreises der Hayek-Gesellschaft. 

Die beiden Liberalen treten kirchenfeindlichen Bestrebungen innerhalb ihrer eigenen Partei entgegen und plädieren für eine Verständigung zwischen Christentum und klassischem Liberalismus.

Hier folgt der vollständige Beitrag von Norbert F. Tofall und dem FDP-Politiker Frank Schäffler (siehe Foto):  0000001313_3

CHRISTUS widersteht der Versuchung weltlicher Macht

Seit Menschengedenken existiert eine Geisteskrankheit, die so teuflisch ist, dass sie an zentraler Stelle unserer kulturellen Überlieferung thematisiert wird. Im Neuen Testament lesen wir, dass der Teufel den Gründer des Christentums auf einen hohen Berg führt, ihm alle Reiche dieser Erde zeigt und ihm das Weltkönigtum, also die irdische Herrschaft über alle Menschen anbietet.

Doch der Menschensohn widersteht dieser Versuchung, widersteht dieser menschlichen Geisteskrankheit, die auch Herrschsucht genannt wird. Zum einen ist Gottes Reich nicht von dieser Welt. Und Jesus Christus wäre nicht Gottes Sohn, wenn er Gottes Reich und Gebote wegen irdischer Reiche verraten würde.

Zum anderen  –  und das führt uns zu unserem Thema  –  sollen und können die Menschen freiwillig und ohne Zwang und ohne Angst vor Gewalt dem Guten folgen. Zudem sollen und können die Menschen den Glauben nur freiwillig annehmen.

In dieser Forderung, die theologisch die Religions- und Gewissensfreiheit begründet, verschränken sich die innere Freiheit und die äußere Freiheit. Die Versuchung der Herrschaft von Menschen über Menschen  –  die Geisteskrankheit der Herrschsucht  –  zielt immer auf die Vernichtung beider Freiheiten. Trotzdem dürfen beide nicht verwechselt werden.

Die innere Freiheit kann dem Menschen durch keine noch so große irdische Gewaltandrohung genommen werden. „Und sperrt man mich ein in finstere Kerker / Das alles sind rein vergebliche Werke / Denn meine Gedanken zerreißen die Schranken und Mauern entzwei / Die Gedanken sind frei!“

Die innere Freiheit besitzt jeder Mensch und das heißt erstens, dass jeder Mensch der Versuchung der Herrschaft über andere Menschen und der Herrschsucht prinzipiell widerstehen kann. Und zweitens behält der Mensch selbst an Orten des abgründigsten Bösen seine innere Freiheit, kann er sich der Logik des Bösen, der Logik von Gewalt und Verbrechen innerlich entziehen. „Der Herr ist der Geist. Und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.“

Pater Maximilian Kolbe und viele andere haben dies bezeugt. An einem Ort des abgründigsten Bösen hat Maximilian Kolbe sein Zeugnis von der inneren Freiheit des Menschen abgelegt. Die innere Freiheit existiert zum Verdruß aller Herrschsüchtigen dieser Welt selbst dann noch, wenn die äußere Freiheit schon längst vernichtet wurde.

Die äußere Freiheit wird in der politischen Philosophie auch als die individuelle Freiheit bezeichnet und kennzeichnet eine äußere Beziehung zwischen Menschen. Die Menschen sollen unabhängig von der nötigenden Willkür durch andere Menschen leben können.

Die individuelle Freiheit für alle Bürger eines Gemeinwesens kann nur durch die Herrschaft des Gesetzes (rule of law) geschützt werden. Durch allgemeine und abstrakte Regeln soll sichergestellt werden, dass jeder Mensch  –  sei er Arbeiter oder Unternehmer, adliger, bürgerlicher oder proletarischer Herkunft, reich oder arm  –  frei leben kann.

Der Staat ist deshalb eine Vereinigung von Bürgern unter Rechtsgesetze, durch die die gleiche Freiheit für alle hergestellt und gesichert wird. Das Recht ist mit der Befugnis zur Anwendung von Zwang verbunden, und nur der Staat hat das Recht zur Ausübung von Zwang. Aber er hat es auch nur, um eine Verfassung von der größten Freiheit zwischen Menschen zu errichten und zu sichern, nicht von der größten Glückseligkeit und Wohlfahrt.

Der Staat darf keine Zwangsbeglückung durchführen

Der Staat darf keine Glücks- und Wohlfahrtsvorstellungen per Gesetz  –  und das heißt per Zwang  –  durchsetzen oder fördern. Der Staat hat lediglich dafür zu sorgen, dass die Glücks- und Wohlfahrtsvorstellungen der Menschen nebeneinander bestehen können. Glücks- und Wohlfahrtsvorstellungen sind ausschließlich individuelle Lebensführungsprogramme.

Kein Mensch, keine Gruppe, keine Religionsgemeinschaft, keine noch so demokratisch gewählte Mehrheit und auch kein Staat haben deshalb das Recht, Menschen zu zwingen, auf eine bestimmte Art und Weise glücklich zu sein.

Zur individuellen Freiheit gehört natürlich auch, dass Menschen das Recht haben, unabhängig von der Willkür anderer Menschen die eigene Religionszugehörigkeit zu wählen. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass Papst Benedikt XVI. nicht nur die Religionsfreiheit verteidigt, sondern 2007 im 1. Band seines Jesus-Buches sogar das christliche Kaisertum kritisiert und verurteilt: 75743_14122011

„Aber kehren wir zurück zur Versuchung. Ihr wahrer Gehalt wird sichtbar, wenn wir sehen, wie sie die Geschichte hindurch immer neue Gestalt annimmt. Das christliche Kaisertum versuchte alsbald, den Glauben zum politischen Faktor der Reichseinheit zu machen. Das Reich Christi soll nun doch die Gestalt eines politischen Reiches und seines Glanzes erhalten. Der Ohnmacht des Glaubens, der irdischen Ohnmacht Jesu Christi soll durch politische und militärische Macht aufgeholfen werden.

In allen Jahrhunderten ist in vielfältigen Formen diese Versuchung immer neu aufgestanden, den Glauben durch Macht sicherzustellen, und immer wieder drohte er gerade in den Umarmungen der Macht erstickt zu werden. Der Kampf um die Freiheit der Kirche, der Kampf darum, dass Jesu Reich mit keinem politischen Gebilde identisch sein kann, muss alle Jahrhunderte geführt werden. Denn der Preis der Verschmelzung von Glauben und politischer Macht besteht zuletzt immer darin, dass der Glaube in den Dienst der Macht tritt und sich ihren Maßstäben beugen muß“ (S. 68 – 69).

Der christliche Glaube darf nach Ansicht von Papst Benedikt XVI. deshalb nicht durch Zwang und Gewalt durchgesetzt werden, sondern muß vom einzelnen Menschen in freier Entscheidung angenommen und gelebt werden.

Diese Einsicht bildet auch den Ursprung des Liberalismus. Dessen Kampf beginnt im 16. und 17. Jahrhundert nicht zufällig mit dem Kampf um die Religions- und Gewissensfreiheit. Gerade weil den Menschen Religion und Gott wichtig waren (bzw. heute auch noch sind), war (bzw. ist) die Entstaatlichung der Religion, die leider oft mit dem mißverständlichen Begriff Privatisierung der Religion beschrieben wird, für die weitere Entwicklung der europäischen Zivilisation und Europas überlebenswichtig.

Toleranz bedeutet keineswegs Relativismus

Die Toleranzforderung des Liberalismus darf deshalb nicht mit Beliebigkeit oder gar Relativismus verwechselt werden, wie dieses heute häufig und leider auch in sich liberal nennenden Kreisen geschieht.

Während die römisch-katholische Kirche heute erkannt hat, dass sie in langen Phasen ihrer Geschichte der Versuchung der irdischen Herrschaft erlegen war, sind weite Schichten und Kreise der heutigen westlichen Gesellschaften dieser Versuchung in einem Ausmaß verfallen, die allen Beteuerungen von Aufgeklärtheit und Modernität Hohn sprechen.

Man mag gegen das interne Kirchenregiment von Johannes Paul II. und Benedikt XVI. eingestellt sein wie man möchte. Der große Liberale John Locke zählt in seinem „Brief über Toleranz“ derartige Organisationsformen zu den legitimen internen Regeln, die sich jede Religionsgemeinschaft geben darf und in die sich der Staat und andere Externe nicht einzumischen haben. Da mag Hans Küng in Tübingen noch so toben und gegen Rom wettern und zuhause am Neckar sein Weltethos anbeten.

Zwei Päpste als Verfechter christlicher Aufgeklärtheit

Während Johannes Paul II. und Benedikt XVI. dem Glauben gerade nicht durch politische und staatliche Macht fördern wollen, sich der staatlichen Macht sogar unbequem entgegenstellen, aus diesem Grund die marxistisch geprägte „Theologie der Befreiung“ verurteilen und sie sich gerade dadurch als Päpste der Moderne erweisen, fallen unsere westlichen Gesellschaften in die Vormoderne zurück.  pc_pi

Die sich zur Sucht steigernde Versuchung, anderen Menschen mittels staatlichem Zwang auf einen bestimmten Lebensstil zu verpflichten, die Versuchung, anderen Menschen vorzuschreiben, was sie zu denken haben oder was sie öffentlich äußern dürfen (political correctness), die Versuchung, freie öffentliche Diskussionen zu verhindern („Mit Klimawandelleugnern diskutieren wir nicht“), die heutige Sucht, Menschen mittels staatlichem Zwang vorzuschreiben, wie sie zu wirtschaften haben und welche ökologischen und ethischen Standards sie dabei berücksichtigen müssen, sind allgegenwärtig und übermächtig.

Die Sucht, staatlichen Zwang immer und überall und zur Durchsetzung fast jeden beliebigen Zwecks anzuwenden, hat Ausmaße angenommen, die Recht und Freiheit in Europa ernsthaft gefährden.

In dieser kulturellen Lage verwundert es auch nicht, dass der alte liberale Begriff Zivilgesellschaft durch die wirkungsmächtige Frankfurter Schule in das genaue Gegenteil verkehrt worden ist.

Politisches Ziel dieser Begriffsumwertung war die von Wolfgang Abendroth in den 1950er Jahren geforderte „Transformation des liberalen Rechtsstaats in den Sozialstaat“, an der wir heute alle leiden.

Irrtümer der 68er „Frankfurter Schule“

In der liberalen Tradition von Adam Ferguson, Adam Smith, Immanuel Kant, Alexis de Tocqueville, Ludwig von Mises und Friedrich August von Hayek wird die individuelle Freiheit jedes Menschen durch Institutionen wie Privateigentum, Vertragsfreiheit, Kapitalverkehrsfreiheit und Gewerbefreiheit, aber auch durch die Autonomie der Familie sowie Religions- und Gewissensfreiheit vor der Herrschaft durch andere Menschen geschützt.

In der Sichtweise der Frankfurter Schule sind jedoch gerade diese Institutionen nicht legitimierte Herrschaftsformen der spätkapitalistischen bürgerlichen Gesellschaft, die auf elaborierte Art und Weise kommunikativ verflüssigt werden müssen. Doch die Kurzform lautet: Eigentum ist Diebstahl, Familie ist ein Unterdrückungsapparat und Religion ist Opium fürs Volk.

Das Kollektiv mit Decknamen Zivilgesellschaft weist den einzelnen Individuen nicht nur Freiräume und Eigentumsrechte zu. Das Kollektivsubjekt entscheidet nach öffentlicher Beratschlagung im sog.  „herrschaftsfreien Diskurs“ sogar über die künftige Entwicklung aller Individuen einer Gesellschaft, was dann als die Umsetzung emanzipatorischer gesellschaftlicher Projekte und als kollektiver Selbstbefreiungsprozess gefeiert wird.

Neomarxistische Tarnkappen: „Demokratisierung“  und „herrschaftsfreier Diskurs“

Unter der Tarnkappe „Demokratisierung aller Lebensbereiche“ werden so die institutionellen Grundsäulen einer freien und offenen Gesellschaft angegriffen.

Auf diese Weise wird der Staat, der als Vereinigung von Menschen unter Rechtsgesetzen (Kant) eigentlich die Aufgabe hat, die Bedingungen zu schützen, unter denen die Willkür des einen Individuums mit der Willkür des anderen Individuums nach einem allgemeinen Gesetz der Freiheit zusammen bestehen kann, für gesellschaftspolitische Projekte sogenannter Träger der Zivilgesellschaft mißbraucht.

Die neue Zivilgesellschaft der Frankfurter Schule führt daher zu nichts anderem als zu einem neo-marxistischen Kollektivismus im strahlend weißen Gewand unbegrenzter demokratischer Legitimation.

Der demokratische Staat verliert so den Anspruch, freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat zu sein. Recht und Freiheit werden kampflos aufgegeben, weil sich die Geisteskrankheit der Herrschsucht erfolgreich hinter der Chimäre des sog. „herrschaftsfreien Diskurses“ verstecken kann.

Politisch besonders tragisch ist, dass in Deutschland die einzige Partei, die den Anspruch an sich stellt, den politisch organisierten Liberalismus zu verkörpern, sich diesen Entwicklungen nicht konsequent entgegenstellt.

Die FDP hat sich seit den 1970er Jahren in weiten Teilen und besonders in ihren Führungsstrukturen diesen Prozessen mit einer pseudoweltoffenen Rhetorik fast enthusiastisch hingegeben. Man will modern im Sinne von aktuell sein, fördert aber durch diese Gefallsucht, durch die man Herrschaft erlangen will, Entwicklungen zurück zur Vormoderne.

Die FDP in der Falle der Gefallsucht

Die Folge ist, dass bei nüchterner Betrachtung vermeintlich konservative Kirchenführer wie Johannes Paul II. und Benedikt XVI. ein moderneres Verständnis von den Aufgaben und Grenzen des Staates vertreten als die einzige liberale Partei in Deutschland. Das muß sich ändern.

Aus römisch-katholischer Perspektive ist es aber noch viel tragischer, dass der deutsche Gremienkatholizismus und die römisch-katholischen Bischöfe in Deutschland, von wenigen Ausnahmen abgesehen, bis heute nicht erkannt haben, dass Johannes Paul II. und Benedikt XVI. Päpste der Moderne sind.

Deshalb wird in diesen Kreisen die Verurteilung der marxistisch geprägten Theologie der Befreiung bis heute nur sehr selten verstanden, ganz zu schweigen von Benedikts Freiburger Rede im September 2011 und seiner Forderung nach Entweltlichung der Kirche.

Beachtet werden sollte, dass Joseph Ratzinger bereits 1986 in seinem Vortrag „Politik und Erlösung. Zum Verhältnis von Glaube, Rationalität und Irrationalem in der sog. Theologie der Befreiung“ schrieb, dass die römisch-katholische Lehre „keine exklusiven politisch-ökonomischen Projekte anbieten (kann); sie kann keine kompakten und mit Notwendigkeit eintretenden Verheißungen geben; sie kann vor allem keine Endgültigkeit politischer Heilszustände versprechen. Denn wenn die Politik immer auf der Freiheit und immer auf der sittlichen Verantwortung des Menschen ruht, dann gibt es den endgültigen und endgültig zwingenden Fortschritt in ihr nicht“ (S. 22)

„Die Werke rechtfertigen nicht, d.h. die Politik erlöst nicht  –  und wenn sie diesen Anspruch erhebt, wird sie zur Sklaverei“ (S. 24).

Das ist die Stimme eines wahren Liberalen.


Die heutige Abschiedsrede des Papstes vor den Kardinälen und Erzbischöfen des Vatikan

An seinem heutigen letzten Amtstag hat sich Papst Benedikt persönlich von allen in Rom anwesenden Kardinälen und Kurien-Erzbischöfen in der vatikanischen „Sala Clementina“ verabschiedet.

In seiner Ansprache dankte er dem Kardinalskollegium für die  Zusammenarbeit und rief die Kirchenmänner zum Gebet, zur Einheit und Harmonie auf.

Hier folgt der vollständige Wortlaut dieser kurzen, aber tiefsinnigen Papstrede: 1_0_669025

Verehrte Brüder!

Mit großer Freude empfange ich euch und grüße jeden von euch ganz herzlich. Ich danke Kardinal Angelo Sodano, der wie immer die richtigen Worte für das gesamte Kardinalskollegium findet, Cor ad cor loquitur. Ein herzliches Dankeschön, Eminenz!

Ich möchte euch sagen, und ich beziehe mich dabei auf die Emmaus-Jünger, dass es auch für mich eine Freude war, mit euch in diesen Jahren im Lichte der Gegenwart des auferstanden HERRN zu gehen. Wie ich gestern vor den tausenden Pilgern gesagt habe, die den Petersplatz füllten, waren mir eure Nähe und euer Rat eine große Hilfe in meinem Amt.

In diesen acht Jahren haben wir im Glauben wunderbare und lichte Augenblicke in der Kirche erlebt, zusammen mit einigen Momenten, in denen sich Wolken am Himmel zeigten.

Wir haben versucht, Christus und seiner Kirche zu dienen mit tiefer und totaler Liebe, die unser Amt belebt. Wir haben Hoffnung geschenkt, die von Christus kommt, Hoffnung, die allen den Weg erleuchten kann.

Das Kardinalskollegium sei wie ein harmonisches Orchester

Zusammen können wir dem HERRN danken, der uns in der Gemeinschaft hat wachsen lassen  –  und ihn zusammen bitten, uns zu helfen, weiter in dieser tiefen Einheit zu wachsen, damit das Kardinalskollegium wie ein Orchester ist, in dem die unterschiedlichen Ausdrucksformen der Weltkirche immer in eine höhere und einstimmige Harmonie einstimmen.

Ich möchte euch einen einfachen Gedanken hinterlassen, der mir sehr am Herzen liegt, einen Gedanken über die Kirche und ihr Amt, der für uns alle  –  so kann man sagen  –  die Vernunft und die Leidenschaft des Lebens bedeutet.

Ich lasse mir von einer Beobachtung von Romano Guardini helfen, die er in jenem Jahr schrieb, als das Zweite Vatikanische Konzil die Konstitution Lumen Gentium billigte. Es ist eine persönliche Widmung am Ende seines letzten Buches, auch an mich  –  deshalb sind mir diese Worte besonders teuer.

„Christus ist das Herz der Kirche“

Guardini sagt: „Die Kirche ist keine erfundene Institution, die am Tisch erschaffen wurde, sondern eine lebendige Realität. Sie lebt entlang dem Lauf der Zeit auf die Zukunft gerichtet, wie jedes Lebewesen; sie verändert sich –  und doch bleibt sie immer dieselbe, ihr Herz ist Christus.“

Die Erfahrung von gestern auf dem Petersplatz hat mir gezeigt, dass die Kirche ein lebendiger Leib ist, der vom Heiligen Geist inspiriert ist und der wirklich von der Kraft Gottes lebt. Die Kirche ist in der Welt, aber nicht von der Welt  –  sie ist von Gott, vom Hl. Geist.

Deshalb ist auch die andere Formulierung von Guardini wahr und redlich: „Die Kirche erwacht in den Seelen.“

Die Kirche lebt, wächst, erwacht in den Seelen, die wie die Jungfrau Maria das Wort Gottes aufnehmen und es als Werk des Heiligen Geistes verstehen, die Gott ihr eigenes Fleisch anbieten und die gerade in der eigenen Armut und Demut dazu fähig werden, Christus heute in der Welt zu zeugen.

Durch die Arbeit der Kirche bleibt das Geheimnis der Fleischwerdung für immer. Christus geht weiter durch alle Zeiten und Orte.

Bleiben wir vereint, liebe Brüder, in diesem Geheimnis, im Gebet, besonders in der täglichen Eucharistie. So dienen wir der Kirche und der gesamten Menschheit. Das ist unsere Freude, die niemand uns wegnehmen kann.

Bevor ich euch persönlich grüße, möchte ich euch sagen, dass ich euch weiter mit dem Gebet nahe sein werde, vor allem in den nächsten Tagen, bis ihr den Heiligen Geist bei der Wahl des neuen Papstes spürt.

Möge der HERR euch zeigen, was er von euch will. Schon heute verspreche ich dem neuen Papst meine bedingungslose Ehrerbietung und meinen bedingungslosen Gehorsam.

Deshalb gebe ich euch von Herzen meinen Apostolischen Segen.“

Quelle (Text/Foto): Radio Vatikan


Prälat Imkamp kommt am 21. März nach München: „Sei kein Spießer, sei katholisch!“

Der Wallfahrtsdirektor von Maria Vesperbild, Prälat Wilhelm Imkamp (siehe Foto), spricht am Donnerstag, den 21.März, in München zur Lage der Kirche nach dem Rücktritt von Papst Benedikt. SCALED_3_160_160_127_160_509_640_39416_file.pic.190be900599a0000.jpg207014352530

Die Veranstaltung in der Reihe „Domspatz-Soirée“ beginnt um 19:30 Uhr im Kulturzentrum Movimento, Neuhauser Straße 15.

Unter dem Titel „Sei kein Spießer, sei katholisch  –  Zur Zukunft des Glaubens in Deutschland“ stellt sich der in mehrere vatikanische Ämter berufene Geistliche den Fragen des Journalisten Michael Ragg und des Publikums.

Der Eintritt zur Domspatz-Soirée beträgt 12,50 Euro, für Ehepaare zehn Euro pro Person. Jugendliche haben freien Eintritt.

Der Veranstalter, die Agentur „Ragg´s Domspatz“, empfiehlt Platzreservierung unter Telefon: 0 83 85 / 9 24 83 37 oder buero@raggs-domspatz.de.

Nähere Infos gibts unter http://www.raggs-domspatz.de.

Prälat Imkamp erhielt von Papst Benedikt die höchste Auszeichnung für Diözesanpriester, den Titel „Apostolischer Protonotar“ und gehört damit zur „Päpstlichen Familie“. Im Januar 2013 wurde er als ordentliches Mitglied in die Päpstliche Theologenakademie berufen. Er ist Berater zweier vatikanischer „Ministerien“, der Gottesdienst- und der Heiligsprechungs-Kongregation.

Den mittelschwäbischen Wallfahrtsort Maria Vesperbild, dem Imkamp seit 25 Jahren vorsteht, besuchen jährlich etwa eine halbe Million Pilger. Wegen seiner klaren Aussagen und humorvollen Formulierungen wird der Prälat gerne in Fernseh-Talkshows und Diskussionsrunden eingeladen.

Das Kulturzentrum Movimento findet man in der Münchner Fußgängerzone, direkt gegenüber der Sankt-Michaels-Kirche, Eingang durch die KULT-Passage. Vom Hauptbahnhof aus ist das Movimento zu Fuß in gut zehn Minuten oder mit allen S-Bahn-Linien bis Marienplatz oder Stachus zu erreichen.


Riesen-Erfolg der Anzeigenserie „Danke, Papst Benedikt!“ – 13.000 Reaktionen in kürzester Zeit – ein Beispiel für die Beliebtheit des Papstes in Deutschland

Von Peter Helmes

Die am 26. Februar in der FAZ gestartete Anzeigen-Aktion „Danke, Papst Benedikt!“ der „Deutschen Konservativen eV“ erweist sich bereits jetzt als großer Erfolg. Allein auf die halbseitige Annonce in der Frankfurter Allgemeinen vom 26.2. konnten bisher mehr als 13.000 Reaktionen registriert werden: Rücklauf-Coupons, Briefe, Mails.

Die Anzeigenaktion wird in der nächsten Woche  –  u. a. in der Tagespost und der Jungen Freiheit  –  fortgesetzt. radiovatikan

Dieser Rücklauf  ist auch ein Zeichen für die große Beliebtheit des Papstes in der deutschen Bevölkerung. Die Unterstützung kam nicht nur von Katholiken, sondern auch von Protestanten, Evangelikalen, Andersgläubigen und Atheisten. Alle Meinungsäußerungen waren getragen von einem tiefen Respekt vor der Persönlichkeit und dem Wirken des Pontifex. Hier zwei Beispiele typischer Reaktionen:

„Meine Frau ist tiefgläubige Katholikin. Ich bin zwar überzeugter Buddhist, aber ich habe äußerste Hochachtung vor dem Menschen Ratzinger. Ein großer Religionslehrer…“

Ein selbsterklärter Atheist schrieb: „…Ratzinger hat dem Papsttum Glanz und Würde verliehen. Ich brauche zwar keinen Papst, aber ich bewundere Ratzinger als einen der größten Gelehrten unserer Zeit und in seiner bescheidenen Art ein Vorbild für die Menschheit…“

Die wenigen kritischen Stimmen, die die Konservativen erreichten, kamen ausgerechnet aus den Reihen der „Basis-Kirche“ – selbsternannte Religionshüter und Kritikaster, wobei die Häme, die dabei über Papst Benedikt ausgegossen wird und die offen geäußerte Genugtuung über seinen Rücktritt zuweilen jeglichen Anstand vermissen lassen.

Großes Unverständnis zeigen Konservative über die mangelnde Reaktion  organisierter deutscher Katholiken. Daß das ZdK keine Dank-Anzeigen plazieren würde, war noch einigermaßen zu erwarten. Daß aber die Deutsche Bischofskonferenz sich „vornehm“ zurückhält, darf wohl eher als Skandal bezeichnet werden.

Christen in aller Welt blieb es vorbehalten, Papst Benedikt XVI. zu würdigen und ihm für sein Wirken zu danken  –  nur die Deutschen schweigen. Das ist mehr als peinlich.


Vollständiger Wortlaut der Ansprache von Papst Benedikt bei seiner letzten Generalaudienz am 27. Februar 2013

 
Verehrte Brüder im Bischofs- und Priesteramt! 
Geehrte Würdenträger!                                                                           papst_letzter_tag_01
Liebe Brüder und Schwestern!
 

Ich danke euch, dass ihr so zahlreich zu dieser letzten Generalaudienz meines Pontifikats gekommen seid.

Ich danke euch von Herzen! Ich bin wirklich gerührt! Ich sehe eine lebendige Kirche! Und ich denke, dass wir auch dem Schöpfer danken sollten für das schöne Wetter, dass er uns an diesem Wintertag schenkt.

Wie der Apostel Paulus im Bibeltext, den wir soeben gehört haben, so fühle auch ich in meinem Herzen das Bedürfnis, Gott zu danken, der seine Kirche führt und wachsen lässt, der sein Wort aussät und dadurch den Glauben seines Volkes stärkt.

„In diesem Augenblick weitet sich meine Seele…“

In diesem Augenblick weitet sich meine Seele, um die über die ganze Welt verstreute Kirche zu umgreifen; und ich danke Gott für all das, was ich in diesen Jahren meines Amtes als Nachfolger Petri erfahren durfte: über den Glauben in unseren Herrn Jesus Christus; über die Liebe, die wirklich durch den Leib Christi strömt und ihn lebendig macht, und über die Hoffnung, die uns den Blick auf das Leben in seiner höchsten Erfüllung, auf die himmlische Heimat richten lässt.

Ich spüre, dass ich alle in mein Gebet einschließen kann, in einer Gegenwart, die die Gegenwart Gottes ist, in der ich alle Begegnungen, alle Reisen, alle Pastoralbesuche vereinen kann. Ich vereine in meinem Gebet alles und alle, um sie dem HERRN anzuvertrauen: damit wir in aller Weisheit und Einsicht, die der Geist schenkt, den Willen des HERRN ganz erkennen und damit wir ein Leben führen, das des HERRN und seiner Liebe würdig ist, indem wir Frucht bringen in jeder Art von guten Werken (vgl. Kol 1,9-10).

Foto: Radio VatikanIn diesem Augenblick erfüllt mich ein großes Vertrauen, denn ich weiß, wir alle wissen, dass das Wort der Wahrheit des Evangeliums die Kraft der Kirche und ihr Leben ist. Das Evangelium reinigt und erneuert, trägt Frucht, überall dort, wo die Gemeinschaft der Gläubigen ihm zuhört, die Gnade Gottes in der Wahrheit empfängt und in der Nächstenliebe lebt. Das ist meine Hoffnung, meine Freude.

Als ich vor knapp acht Jahren, am 19. April 2005, JA dazu gesagt habe, das Amt des Nachfolgers Petri anzunehmen, erfüllte mich eine Gewissheit, die mich seitdem begleitet: Die Gewissheit, dass die Kirche ihr Leben aus dem Wort Gottes schöpft.

„HERR, warum verlangst du das von mir?“

Wie ich schon mehrmals erzählt habe, hallten damals in meinem Herzen die Worte wider:

HERR, warum verlangst du das von mir? Und was erwartest du von mir? Es ist eine schwere Last, die du auf meine Schulter legst, doch wenn du es von mir verlangst, werde ich meine Netze auf dein Wort hin auswerfen in der Gewissheit, dass du mich führen wirst.

Acht Jahre später kann ich sagen: Der HERR hat mich wahrlich geführt und ist mir immer nahe gewesen; ich habe seine Nähe täglich spüren können. Diese Jahre waren ein Stück Weg der Kirche, auf dem es Zeiten der Freude und des Lichts gegeben hat, aber auch schwierige Momente.

Ich bin mir vorgekommen wie Petrus mit den Jüngern im Boot auf dem See von Galiläa: Der HERR hat uns viele sonnige Tage mit sanfter Brise geschenkt, Tage, an denen der Fang reich war; es hat auch Tage gegeben, an denen das Wasser unruhig und der Wind ungünstig waren und der HERR, wie so oft in der Geschichte der Kirche, zu schlafen schien.

„Das Schiff der Kirche gehört nicht mir, sondern dem HERRN“

Aber immer habe ich gewusst, dass der HERR mit im Boot ist, und immer habe ich gewusst, dass das Schiff der Kirche nicht mir gehört, auch nicht uns gehört, sondern dem HERRN, der es nie sinken lassen wird. ER ist es, der dieses Schiff lenkt, natürlich auch mittels der Menschen, die er dazu auserwählt, denn so hat ER es gewollt.

Das ist und war schon immer eine Gewissheit, die durch nichts verdunkelt werden kann. Und das ist der Grund, weshalb mein Herz heute voller Dankbarkeit gegenüber Gott ist, der es seiner Kirche und auch mir persönlich nie an seinem Trost, seinem Licht und seiner Liebe hat fehlen lassen.

Wir befinden uns im „Jahr des Glaubens“, das ich eben deshalb gewollt habe, um unseren Glauben an Gott in einer Zeit, die ihn immer mehr scheint an den Rand drängen zu wollen, wieder zu stärken.

„Wir wollen uns wie Kinder den Armen Gottes anvertrauen“

Ich möchte uns alle auffordern, unser festes Vertrauen an Gott zu erneuern und uns wie Kinder den Armen Gottes anzuvertrauen in der Gewissheit, dass diese Arme uns immer stützen und es uns ermöglichen werden, jeden Tag unseren Weg zu gehen, auch dann, wenn er schwierig wird.

Ich möchte, dass jeder sich von jenem Gott geliebt weiß, der seinen Sohn für uns hingab und uns seine grenzenlose Liebe gezeigt hat. Ich möchte, dass jeder die Freude spürt, Christ zu sein.

Ein schönes Gebet, das man jeden Morgen beten sollte, lautet: „Mein Gott, ich bete dich an, und ich liebe dich aus ganzem Herzen. Ich danke dir, dass Du mich erschaffen hast, dass ich Christ sein darf…“.

Ja, wir wollen dankbar sein, dass wir die Gabe des Glaubens empfangen haben; sie ist die größte aller Gaben, und niemand kann sie uns nehmen! Lasst uns dem HERRN täglich dafür danken, im Gebet und durch ein konsequent christliches Leben. Gott liebt uns; er erwartet aber auch, dass wir ihn lieben!

Aber nicht Gott alleine will ich heute danken. Ein Papst ist nicht allein am Steuer des Schiffleins Petri, auch wenn er die erste Verantwortung trägt. Ich habe mich nie allein gefühlt mit der Freude und der Last des Petrusamtes; der HERR hat mir viele Menschen zur Seite gestellt, die mir auf großherzige Weise und voller Liebe zu Gott und zur Kirche geholfen haben und nahe waren.

Dazu zählt an erster Stelle ihr, meine Herren Kardinäle, meine geliebten Brüder. Eure Weisheit, euer Rat, eure Freundschaft waren immer kostbar für mich. Dasselbe gilt für meine Mitarbeiter, angefangen bei meinem Staatssekretär, der mich in diesen Jahren treu begleitet hat; das Staatssekretariat und die ganze römische Kurie, wie auch für alle, die mit den unterschiedlichsten Aufgaben für den Heiligen Stuhl arbeiten.

Zahlreich sind die Gesichter, die nie öffentlich auftreten, die im Schatten wirken, aber gerade in der Stille, in ihrer täglichen Hingabe, mit ihrem Glauben und ihrer Demut eine sichere und feste Stütze für mich gewesen sind.

Ein besonderer Gedanke geht an die Kirche von Rom, an meine Diözese! Auch meine Brüder im Bischofs- und Priesteramt bleiben unvergessen, genau wie die geweihten Menschen und das gesamte Volk Gottes:

„Ich trage euch mit dem Herzen eines Vaters im Gebet“

Bei den Pastoralreisen, den vielen Begegnungen, den Audienzen, den Reisen konnte ich die Liebe und die Zuneigung unzähliger Menschen spüren; und auch ich habe zu allen und zu jedem einzelnen jene pastorale Liebe empfunden, die im Herzen jedes Seelsorgers lebt, besonders im Herzen des römischen Bischofs, des Nachfolgers Petri. Jeden Tag habe ich einen jeden von euch im Gebet getragen, mit dem Herzen eines Vaters.

Ich wünsche mir, dass mein Gruß und mein Dank alle erreiche: Das Herz eines Papstes weitet sich, um die ganze Welt zu umfassen. Ich danke auch dem diplomatischen Korps beim Heiligen Stuhl, der die große Familie der Nationen der Welt vertritt. Dabei denke ich auch an alle, die für eine bessere Verständigung arbeiten, und danke ihnen für ihren wichtigen Einsatz.

Zuletzt möchte ich mich auch von Herzen bei den zahlreichen Menschen auf der ganzen Welt bedanken, die mir in den vergangenen Wochen ein Zeichen ihrer Aufmerksamkeit, ihrer Freundschaft und ihres Gebets haben zukommen lassen.

„Der Papst ist nie allein – und er gehört allen!“

Es stimmt, der Papst ist nie allein; das habe ich in diesen Tagen noch einmal auf so tiefe Weise erfahren, dass es mein Herz rührt. Der Papst gehört allen  –  und zahlreiche Menschen fühlen sich ihm nah. Es stimmt, dass ich von den Großen der Welt Briefe erhalte: von Staatsoberhäuptern, religiösen Würdenträgern, Vertretern der Welt der Kultur und so weiter.

Aber ich erhalte auch zahlreiche Briefe von einfachen Menschen, die mir einfach nur deshalb schreiben, weil sie in ihren Herzen das Bedürfnis dazu spüren. Sie geben mir einen Beweis ihrer Liebe, die daher kommt, dass wir mit Jesus Christus in der Kirche vereint sind.

Diese Menschen schreiben mir nicht so, wie man etwa an einen Fürsten schreiben würde oder an einen Mächtigen, den man nicht kennt. Sie schreiben mir wie Brüder und Schwestern, wie Söhne und Töchter, wie einem Familienangehörigen, den man gern hat.

„Die Kirche ist keine Organisation, sie ist ein lebendiger Leib in Christus“

Hier erfahren wir, was die Kirche ist: keine Organisation, kein Verein, der religiöse oder humanitäre Ziele verfolgt, sondern ein lebendiger Leib, eine Gemeinschaft von Brüdern und Schwestern, die im Leib Christi vereint sind.

Die Kirche so zu erleben, ihre Wahrheit und Liebe fast mit Händen fassen zu können, ist ein Grund zu großer Freude, besonders in Zeiten, wo alle von ihrem Niedergang sprechen. Heute sehen wir, wie lebendig die Kirche ist!

In den vergangenen Monaten habe ich gespürt, wie meine Kräfte nachlassen, und ich habe Gott im Gebet eindringlich gebeten, mich zu erleuchten und mir zu helfen, einen Entschluss zu fassen, der das Beste, nicht für mich, sondern für das Wohl der Kirche ist.

Ich habe mich für diesen Schritt entschieden, im vollen Bewusstsein seines Ernstes und seiner Neuartigkeit, doch in tiefem Frieden des Geistes. Die Kirche lieben bedeutet auch den Mut besitzen, schwere Entscheidungen zu treffen, indem man immer das Wohl der Kirche und nicht sich selbst vor Augen hat.

Erlaubt mir, in Gedanken noch einmal zu jenem 19. April 2005 zurückzukehren. Von jenem Augenblick an bin ich immer und für immer mit der Arbeit für den HERRN beschäftigt gewesen. Immer: Wer das Amt des Nachfolgers Petri annimmt, hat kein Privatleben mehr. Er gehört immer und ganz der Kirche, das heißt allen. Seinem Leben wird sozusagen die Privatsphäre völlig entzogen.

„Der Papst fühlt sich geborgen in der Umarmung der Gemeinschaft“

Ich habe dabei erfahren, und ich erfahre es auch jetzt wieder, dass man sein Leben genau dann empfängt, wenn man es seinen Brüdern schenkt. Ich sagte vorhin, dass viele Menschen, die den HERRN lieben, auch den Nachfolger Petri lieben. Der Papst hat wirklich unzählige Brüder und Schwestern, Söhne und Töchter in der ganzen Welt; er fühlt sich geborgen in dieser Umarmung der Gemeinschaft, eben weil er nicht mehr sich selbst gehört, sondern allen und weil alle ihm gehören.

„Immer“ bedeutet auch „für immer“  –  es gibt keine Rückkehr zum Privatleben. Meine Entscheidung, auf die aktive Ausübung meines Amtes zu verzichten, kann daran nichts ändern. Ich ziehe mich nicht ins Privatleben zurück, kehre nicht zu Reisen, Begegnungen, Konferenzen und ähnlichem zurück.

„Ich verlasse nicht das Kreuz, sondern bleibe beim HERRN“

Ich verlasse das Kreuz nicht, sondern bleibe auf eine neue Weise beim gekreuzigten Herrn. Ich trage nicht mehr das Amt und die Verantwortung der Führung der Kirche, aber im Dienst und im Gebet bleibe ich sozusagen im Hof des heiligen Petrus.

Der heilige Benedikt, dessen Namen ich als Papst trage, wird mir darin ein großes Vorbild sein. Er hat uns den Weg zu einem Leben gewiesen, dass aktiv und passiv ganz dem Werk Gottes gehört.

Ich danke euch allen und jedem Einzelnen auch für den Respekt und das Verständnis, mit der ihr diese so wichtige Entscheidung aufgenommen habt. Ich werde die Kirche weiterhin in Gebet und Meditation begleiten, mit derselben Hingabe an den HERRN und seine Braut, die ich bis heute jeden Tag zu bewahren versucht habe und in der ich weiterhin vorhabe zu leben.

Ich bitte euch, vor Gott meiner zu gedenken, und vor allem bitte ich euch auch, für die Kardinäle zu beten, die vor einer so schwierigen Aufgabe stehen, und für den neuen Nachfolger des Apostels Petrus: Möge der HERR ihn mit dem Licht und der Kraft seines Geistes begleiten.

Wir bitten um die mütterliche Fürsprache der Jungfrau Maria, der Mutter Gottes und der Kirche, damit sie jeden von uns und die gesamte Kirche begleiten möge; ihr vertrauen wir uns in tiefer Zuversicht an.

„GOTT leitet und stützt seine Kirche“

Liebe Freunde! Gott leitet seine Kirche und stützt sie immer, gerade auch in den schwierigen Augenblicken. Lasst uns diese Sicht des Glaubens nie verlieren; sie ist die einzig richtige Vorstellung vom Gang der Kirche und der Welt.

In unserem Herzen, im Herzen jedes Einzelnen von uns, möge immer die freudige Gewissheit leben, dass der HERR uns beisteht, uns nicht verlässt, uns mit seiner Liebe umgibt. Danke!

Nach dieser Ansprache grüßte der Papst die deutschsprachigen Pilger in deutscher Sprache:

Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ sage ich allen Brüdern und Schwestern deutscher Sprache  –  euch, liebe Freunde, die ihr zu dieser letzten Generalaudienz meines Pontifikats gekommen seid, und allen zuhause. Und ich danke der Traunsteiner Blaskapelle, dass sie uns die Bayernhymne so schön gespielt hat.

Der HERR trägt die Kirche immer, ER leitet sie auch in schwierigen Zeiten. Diese Sicht dürfen wir nie verlieren. Wir dürfen stets gewiss sein, der HERR ist uns nahe und umfängt uns mit seiner Liebe. Im Gebet bleiben wir, liebe Freunde, einander nahe, und im Gebet ist der HERR uns nahe. So grüße ich euch alle von ganzem Herzen. Der HERR segne euch und die Kirche in unseren Landen.

Übersetzung: http://www.zenit.org

Fotos: Kopten ohne Grenzen, Radio Vatikan


„Gesegnet ist der Mann, der auf den HERRN sich verläßt!“

Aus der heutigen liturgischen Lesung der kath. Kirche: Buch Jeremia 17,5-10:

Verflucht ist der Mann, der auf Menschen vertraut,
der auf schwaches Fleisch sich stützt,
und dessen Herz sich abwendet vom HERRN.                                               media-401265-2
 
Er ist wie ein kahler Strauch in der Steppe,
der nie einen Regen kommen sieht;
er bleibt auf dürrem Wüstenboden,
im salzigen Land, wo niemand wohnt.
 
Gesegnet ist der Mann, der auf den HERRN sich verläßt
und dessen Hoffnung der HERR ist.
Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist
und am Bach seine Wurzeln ausstreckt:
Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt;
seine Blätter bleiben grün;
auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge,
unablässig bringt er seine Früchte.
 
Arglistig ohnegleichen ist das menschliche Herz und unverbesserlich.
Wer kann es ergründen?
Ich, der HERR, erforsche das Herz und prüfe die Nieren,
um jedem zu vergelten nach seinen Werken.
 
 
 

Papst Benedikt und die Bayernhymne: GOTT mit Dir, Du Papst aus Bayern…

Über Deinem treuen Wirken walte seine Segenshand…

Der bayerische Politiker Alois Glück berichtete kürzlich, daß er Papst Benedikt seit langem als nüchternen, vernunftorientierten Theologen kennt.

Aber auch ein bodenständiger Mann, ein hochgebildeter Geistlicher wie Joseph Ratzinger kennt Momente der inneren Rührung, wie CSU-Mann Glück  erzählt: 

Foto: Bistum Regensburg

Foto: Bistum Regensburg

„Wenn die Bayernhymne erklingt, dann ist er richtig ergriffen. Diese erstaunliche Bandbreite: hier der brillante Kopf und dann der Mann, der ganz emotional im Brauchtum verwurzelt ist. Das ist bei Joseph Ratzinger kein Widerspruch.“

Hohe Geistesklarheit und tiefe Ergriffenheit ergänzen sich durchaus!

Benedikts Verbundenheit mit dieser frommen Hmyne zeigte sich auch anläßlich seiner Abschiedsrede beim Bayern-Besuch am 14. September 2006 auf dem Münchner Flughafen; er beendete seine Ansprache mit der ersten Strophe des Bayernliedes:

„Mit den Worten unserer Hymne, die auch ein Gebet sind, möchte ich meiner Heimat gern noch einen Segenswunsch hinterlassen: „Gott mit dir, du Land der Bayern, deutsche Erde, Vaterland! / Über deinen weiten Gauen ruhe seine Segenshand! / Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau / und erhalte dir die Farben seines Himmels Weiß und Blau!“   –   Allen ein herzlichen „Vergelt‘s Gott!“ und „Auf Wiedersehen!“, so Gott will.

Am vergangenen Sonntag versammelten sich rd. 200.000 Menschen auf dem Petersplatz, darunter viele Pilger aus Deutschland, zumal aus Bayern. Die Landsleute des Papstes sangen begeistert ihre Bayernhymne,  unterstützt durch zünftige Blasmusikkapellen.

Zur Generalaudienz am heutigen Mittwoch  –  der letzten von Benedikt XVI.  – kamen noch mehr Gläubige: etwa eine Viertelmillion Menschen befanden sich bei großartiger Stimmung und strahlendem „Papstwetter“ auf dem Petersplatz und jubelten dem Pontifex ein letztes Mal zu. Unter den Pilgern weilte auch der bayerische Ministerpräsident und CSU-Chef Horst Seehofer.

Dutzende Gebirgsschützen und viele schmucke Trachtler in ihren farbenfrohen Gewändern überbrachten Papst Benedikt ihre Grüße aus der Heimat. Auch diesmal waren zahlreiche weiß-blaue Flaggen wieder unübersehbar.

Foto: Kopten ohne Grenzen

Foto: Kopten ohne Grenzen

Eine Blaskapelle aus Traunstein, wo Joseph Ratzinger einst zur Schule ging, spielte die Bayern-Hymne. Dieses Lied paßte zweifellos gut zum kirchlichen Anlaß, ist es doch von einer stark religiösen „Note“ getragen und beginnt mit den Worten: „Gott mit dir, du Land der  Bayern…“

Im kath. Blog BEIBOOT PETRI sehen wir ein Video dieser bewegenden Ereignisse aus der Ewigen Stadt: http://beiboot-petri.blogspot.de/2013/02/die-bayernhymne-auf-dem-petersplatz.html

Hier folgen zunächst die Schlußworte der heutigen (letzten!) Benedikt-Ansprache an die deutschsprachigen Pilger  –  danach veröffentlichen wir abschließend den wunderbaren Text der Bayernhymne:

„Ein herzliches „Vergelt’s Gott“ sage ich allen Brüdern und Schwestern deutscher Sprache  –  euch, liebe Freunde, die ihr zu dieser letzten Generalaudienz meines Pontifikats gekommen seid  –  und allen zuhause.

Gott leitet die Kirche. Der HERR trägt sie immer, gerade auch in schwierigen Zeiten. Diese Sicht aus dem Glauben wollen wir nie verlieren. Wir dürfen stets gewiß sein, daß der HERR uns nahe ist, uns nicht verläßt und uns stets mit seiner Liebe umfängt. Im Gebet bleiben wir miteinander verbunden. Von Herzen segne ich euch alle.“

Die BAYERNHYMNE

Text: Michael Öchsner (1816-1893)
Musik: Max Kunz (1812-1875)

 Gott mit dir, du Land der Bayern, Heimaterde, Vaterland!
Über deinen weiten Gauen walte seine Segenshand!
Er behüte deine Fluren, schirme deiner Städte Bau
Und erhalte dir die Farben deines Himmels, Weiß und Blau!

Gott mit dir, dem Bayernvolke, daß wir uns’rer Väter wert,
Fest in Eintracht und in Frieden bauen uns’res Glückes Herd!
Daß mit Deutschlands Bruderstämmen einig uns ein jeder schau
Und den alten Ruhm bewähre unser Banner weiß und blau!

Gott mit uns, dem Bayernvolke, wenn wir, unsrer Väter wert,
Stets in Eintracht und in Frieden bauen unsres Glückes Herd;
Daß vom Alpenland zum Maine jeder Stamm sich fest vertrau‘
Und die Herzen freudig eine unser Banner, weiß und blau!

Gott mit uns und Gott mit allen, die der Menschen heilig Recht
Treu beschützen und bewahren von Geschlechte zu Geschlecht.
Frohe Arbeit, frohes Feiern, reiche Ernten jedem Gau,
Gott mit dir, du Land der Bayern unterm Himmel weiß und blau!