Zum angekündigten Papst-Rücktritt: Mut und Demut eines Unbestechlichen

Von Michaela Koller (Vaticanista-Leiterin)

Gerade am Wochenende hat Papst Benedikt XVI. den Chinesen zu ihrem Neujahr gratuliert. Es ist für sie das Jahr der Schlange, das große Veränderung verheißt. Auch wenn ich Voraussagen, einschließlich meiner eigenen Träume eher skeptisch begegne: Hier in diesem Fall ist die Verheißung zufällig sehr deutlich eingetroffen.

Meine Gedanken sind nun bei denen, für dieser Schritt ein großes Zeichen sein kann, denen, die unter Machtgier und Korruption leiden, und auch denen, die diesen Versuchungen erliegen.

Ich erinnere mich an die Tränen einer chinesischen Ordensfrau, der ich auf dem Freisinger Domberg begegnete, wo dieser Papst am 29. Juni 1951 zum Priester geweiht wurde. Sie war so gerührt, als sie sich an die erste Lektüre des Brief von Papst Benedikt XVI. an die chinesischen Katholiken vom 27. Mai 2007 erinnerte. Welche Ermutigung er doch für sie bedeutete und wie viel Aufmerksamkeit zugleich sie und ihre Glaubensgeschwister dadurch erfuhren. 

Michaela Koller überreicht dem Papst ihr Buch

Michaela Koller überreicht dem Papst ihr Buch

Meine Gedanken sind weniger bei meinen deutschen Landsleuten. Die Bild-Zeitung hatte zwar festgehalten: „Wir sind Papst“ (Schlagzeile vom 20. April 2005). Haben sie wirklich begriffen, von welchem Schatz sie jetzt loslassen müssen?

Die Fügung wollte es, dass ich ausgerechnet für diesen Montag eine Fahrt nach Marktl samt Familie geplant hatte, im Rahmen des 21. Welttags der Kranken.

Am Mittag gab uns Bürgermeister Hubert Gschwendtner ein Interview, das ehrlich war: „Ich gebe zu, dass ich ein wenig traurig bin, denn für so einen kleinen Ort ist es von großer Bedeutung, wenn er der Geburtsort des Papstes ist.“ –  Er habe jedoch großen Respekt vor seiner Entscheidung, vor allem vor dem Mut. „Es ist mutig, dass er sich dazu durchringt, das zu tun, was das Beste für ihn ist.“

Das klingt sehr realistisch und auch einfühlsam. In den nächsten Tagen werden wir aber sehen, dass es Menschen gibt, die nicht loslassen können, weil sie jahrelang versuchten, ihn für ihre Zwecke einzunehmen.

In Rom erzählt man sich eine Geschichte über den damaligen Kardinal Ratzinger. Er war in der Universität eines wohlhabenden Ordens eingeladen einen Vortrag zu halten. Im Anschluss offerierten ihm seine Gastgeber einen Umschlag mit Geld. Er lehnte strikt ab. Es ist eine typische Geschichte für Papst Benedikt, den Unbestechlichen.

Er fragt nicht, wie es aussieht, wenn er für einen Nachfolger Platz macht. Und an diesem gewaltigen Amt klebt er erst recht nicht. Er beschämt damit all diejenigen, darunter viele Priester, die zu lange gewartet und sich auf ihrer Stellung ausgeruht haben, obwohl Anspruch und Wirklichkeit in ihrer Amtsführung inzwischen weit auseinanderdrifteten. Gerade weil er im Gegensatz zu diesen Getriebenen aus ehrenvollstem Grund ausscheidet, dem ehrwürdigen Alter.

Es wird mich noch lange beschäftigen, welches Zeugnis er mit seinem Schritt ablegt. Zum Abschluss in Marktl hatte ich auch noch ein bewegendes Gespräch mit Bischof Berislav Grgic von Tromso in Norwegen. Er fragt sich, was es für ihn persönlich bedeutet, dass er gerade im Altötting und Marktl, in der Heimat dieses Papstes war, als er von der Amtsniederlegung erfuhr.

Zum Abschluss hörte ich noch, wie er so etwas sagte wie: „Wir werden dann wohl einen Heiligen Großvater haben.“   –  Ein Großvater, das wissen wir, muss nicht mehr erziehen. Er darf seine Enkel auch mal verwöhnen. Und sie können sich freuen, dass er einfach nur sie da ist, auch wenn nur im stillen Gebet.

Quelle: http://www.vaticanista.info/


Bischof Voderholzer: „Wir Regensburger wissen, dass Benedikt XVI. sich hier immer zu Hause fühlte“

Dr. Rudolf Voderholzer, der Bischof von Regensburg, erklärt am heutigen Montag zum angekündigten Amtsverzicht des Papstes:

„Heute, am Welttag der Kranken, überraschte uns Papst Benedikt XVI. mit der Ankündigung seines Rücktritts zum 28. Februar. Wie viele Gläubige bin ich tief bewegt. Wir alle machen uns große Sorgen um den Gesundheitszustand des Heiligen Vaters. Von einem Besuch in Südtirol nach Regensburg zurückgekehrt, wende ich mich als Ihr Bischof an Sie alle: Voderholzer 1

In dieser Stunde können wir uns von Papst Benedikt XVI. leiten lassen, der unermüdlich das Vertrauen in Gott als den festen Anker in dieser Welt verkündet hat. Mit diesem Papst wird sich eine Persönlichkeit zurückziehen, die der ganzen Welt als moralisches Gewissen diente und der Kirche als Leuchtturm in schwerer See Orientierung gab.

Unvergessen bleiben die Tage seines Pastoralbesuchs im Jahr 2006 bei uns. Wir Regensburger wissen, dass Benedikt XVI. sich hier immer zu Hause fühlte. Hier wohnt sein Bruder, hier ist das Grab seiner Familie, in Pentling bei Regensburg steht sein Haus, das seit Herbst letzten Jahres als Ort der Begegnung und Dokumentation öffentlich zugänglich ist. Darauf sind wir stolz. Diese Verbundenheit bleibt über die Zeit des Pontifikates hinaus bestehen.

Im Jahr 2008 beauftragte Papst Benedikt Erzbischof Gerhard Ludwig Müller mit der Herausgabe seines theologischen Werkes. Es bleibt uns Ehre und Verpflichtung, mit dem Institut Papst Benedikt XVI. die Tiefe und Schönheit seines reichen theologischen Schaffens zu erschließen und die Gesammelten Schriften Joseph Ratzingers mit umso größerer Intensität voranzubringen.

Angesichts der weitreichenden Entscheidung des Heiligen Vaters und ihrer Bedeutung für die ganze Kirche lade ich alle Gläubigen zum Gebet ein. Kommen Sie bitte am Aschermittwoch in Ihre Pfarrkirchen. Die Regensburger lade ich um 18.30 Uhr in die Niedermünsterkirche ein.

Wir wollen gemeinsam dem Heiligen Vater danken, für die Zukunft der Kirche beten und uns dem Segen Gottes empfehlen, der uns im Zeichen des Kreuzes erlöst hat und zu Umkehr und Nachfolge ruft.“

Quelle: Bischöfliches Presseamt Regensburg


PAPST-Worte: Eindrucksvolle GRAFIK unseres evangelischen Fotografen Dr. B. Pelz

Benedikt

Der größte Teil unserer Fotos, die wir hier im Webmagazin CHRISTLICHEN FORUM veröffentlichen, stammt von unserem evangelischen Freund Dr. Bernd F. Pelz aus Bornheim  –  übrigens auch das Titelbild sowie das  winterliche Hintergrundfoto unserer Startseite.

Nun erhielten wir heute  –  am Tag des vom Papst angekündigten Amtverzichts –  von Dr. Pelz in echter ökumenischer Solidarität diese eindrucksvolle Text-Bild-Collage mit Worten von Papst Benedikt aus seiner lateinisch gehaltenen Ansprache, worin der Pontifex die Kirche dem Höchsten anvertraut und zugleich die selige Mutter Maria bittet, der nächsten Papstwahl gütig beizustehen.

Hier folgt die deutsche Übersetzung der Worte aus der obigen Ellipse:

„Jetzt empfehlen wir die heilige Kirche Gottes der Fürsorge ihres höchsten Hirten, unseres HERRN Jesus Christus, und seiner heiligen Mutter Maria, damit sie den Vätern Kardinälen bei der Wahl des neuen obersten Pontifex mit ihrer mütterlichen Güte beisteht.“

Auch für Dr. Pelz ist die Nachricht von der Rücktrittsankündigung „keine frohe Nachricht“; zugleich schreibt er:  „Akzeptieren wir, dass ein guter Papst eine reiflich überlegte und im Gebet gefestigte Entscheidung getroffen hat.“


Evangelikale Dachverbände und Freikirchen würdigen Papst Benedikt und seine „christuszentrierte“ Verkündigung: „Ein Mahner gegen den Zeitgeist“

Evangelische Allianz dankt für geistliche Klarheit und ethischen Grundkonsens

Theologisch konservative Protestanten  äußern sich weitgehend positiv über den noch amtierenden Papst Benedikt anläßlich seiner Rücktrittsankündigung. Hier ein Auszug aus den Stellungnahmen großer evangelikaler Dachverbände:

Die Deutsche Evangelische Allianz lobt den Vorbildcharakter der Entscheidung: „Seit über 700 Jahren bringt damit ein Inhaber des Petristuhls die geistlich-dienende Dimension seines Amtes dadurch zum Ausdruck, dass er an den Insignien seiner Macht nicht festhält, sondern bewusst loslässt“, erklärte der Allianzvorsitzende, Präses Michael Diener.  

Man danke Benedikt XVI. „für die Klarheit, mit der er die geistliche Dimension aller christlichen Einigungsbemühungen deutlich gemacht hat“ und dafür, dass er in seinen Jesus-Büchern Glaube, Vertrauen in die Heilige Schrift und Wissenschaft verbunden habe.

Präses Diener begrüßte ferner, dass in vielen ethischen Fragen  –  etwa dem Lebensrecht und dem Schutz von Ehe und Familie  –  der Grundkonsens zwischen Positionen der Allianz und der katholischen Kirche immer wieder erkennbar geworden sei.  

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Die Evang. Allianz werde den Prozess der Neuwahl eines Papstes im Gebet begleiten. Zugleich wünsche man sich, „dass die katholische Kirche sich in ihren Lehren und Traditionen immer mehr vom lebendigen Wort des lebendigen Gottes formen und prägen lässt“.

Evang. Freikirchen: Lob für päpstliche „Jesus-Bücher“

Auch die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) brachte ihren Respekt für die Entscheidung des Papstes zum Ausdruck. Präsident Ansgar Hörsting (Witten) erklärte:  „Nachdem der Vorgänger von Krankheit gezeichnet bis zum Schluss im Amt blieb und verehrt wurde, was ich ebenfalls respektiere, stand zu befürchten, dass daraus ein ständige Wiederholung abgeleitet wird. Dem hat Benedikt einen Riegel vorgeschoben.“

Hörsting wird nach eigenen Angaben vor allem die „Jesus-Bücher“ des Papstes positiv in Erinnerung behalten: „Sie sind bemerkenswert, weil sie sowohl die historische als auch die innere Dimension des Glaubens an Jesus Christus vermitteln.“ 

Ev. Konferenz Bekennender Gemeinschaften: Er verbindet geistige Brillanz und tiefe Frömmigkeit

Nach Ansicht der Konferenz Bekennender Gemeinschaften in den evangelischen Kirchen Deutschlands verbindet Benedikt XVI. wie kein anderer Kirchenführer in seiner Theologie „brillante Intellektualität, Argumentationsfähigkeit mit tiefer Frömmigkeit“.

Sein Pontifikalamt habe für eine Kirche gestanden, „die sich nicht dem großen Meinungsstrom und Zeitgeist anpasst“, erklärte der Vorsitzende des theologisch konservativen Zusammenschlusses, Pastor Ulrich Rüß (Hamburg).

Die Mahnungen Benedikts „vor dem Einfluss des Säkularismus in der Kirche, dem Zeitgeist, der Diktatur des Relativismus und der Beliebigkeit, sein Eintreten für die Neu-Evangelisation Europas haben zeitlose Bedeutung und geben Orientierung des Glaubens über alle Konfessionsgrenzen hinweg, auch bei allen Bekennenden Gemeinschaften“.

Beeindruckend sei auch sein „unermüdliches Christuszeugnis“. Im Rückblick werde man feststellen müssen, dass die evangelische Kirche „es leider versäumt hat, intensiver den ökumenischen Dialog mit diesem Papst gesucht zu haben, der wie kein anderer zuvor so evangelisch-christuszentriert gelehrt und verkündigt hat“.

Prof. Peter Beyerhaus: Benedikt ist einer der großen Päpste

Der ebenfalls theologische konservative Missionswissenschaftler Dr. Peter Beyerhaus, den der Papst seit der gemeinsamen Lehrtätigkeit in Tübingen zu seinen evangelischen Weggefährten zählt, äußerte sich überzeugt, dass Benedikt XVI. als einer der großen Päpste in die Kirchengeschichte eingehen werde.

Der Papst sei ein hervorragender Theologe, der sich mutig für die Entlarvung des antichristlichen Zeitgeistes einsetze. Seine Bücher über Jesus Christus und die Konsequenzen des Glaubens für das christliche Leben seien auch für evangelische Christen wichtig.

Protestanten könnten Benedikt XVI. als einen der Ihren betrachten. Beyerhaus erinnert auch daran, dass der Papst das Anliegen einer „christuszentrierten Bekenntnis-Ökumene“ teile.

Zu den Bekenntniskongressen der Internationalen Konferenz Bekennender Gemeinschaften habe der Papst „ermutigende Grußbotschaften“ geschickt.  Prof. Dr. Beyerhaus hofft, dass der künftige Papst das Amt „in demselben bekenntnisökumenischen Geist“ weiterführen werde.

Quelle: evangelische Nachrichtenagentur IDEA: http://www.idea.de


Zeichen des Widerspruchs und Zeuge der Wahrheit: „Es lebe der Papst!“

Pressemitteilung des ZpV (Zusammenschluß papsttreuer Vereinigungen):

Als Pius IX. 1846 gewählt worden war, ließ der hl. Johannes Bosco nicht zu, daß man „Es lebe Pius IX.!“ rief, sondern befahl seinen Jugendlichen zu rufen: „Es lebe der Papst!“ Als man ihm vorhielt, Pius IX. sei doch Papst, erklärte er den Unterschied:

„Ihr habt recht, denn ihr seht über den buchstäblichen Sinn der Worte nicht hinaus. Es gibt aber genug Leute, die den Herrscher Roms vom Papst trennen wollen, die unterscheiden zwischen der von Gott übertragenen Würde und deren menschlichem Träger. Man lobt die Person, ich sehe aber nicht, daß man dem Papst, d.h. der Würde, die er bekleidet, Ehrfurcht erweist. Wollen wir sicher gehen, dann laßt uns rufen: Es lebe der Papst!“   –  Zu jener Zeit war der Papst noch Herrscher des Kirchenstaates.  radiovatikan

Jeder Rücktritt ist mehr oder weniger eine Zäsur in der Geschichte der betroffenen Institution, erst recht, wenn sie sich wie jetzt völlig unerwartet ereignet, zumal in der Kirchengeschichte erst einmal ein Papst zurückgetreten ist.

Vielen Stellungnahmen merkt man die Unbeholfen- und Ungewohntheit an, etwa im Stil „De mortuis nihil nisi bene!“  –  Anderen Äußerungen ist klammheimliche Freude herauszuhören, daß man diesen „Moralprediger“ endlich los ist. Dies reicht sogar bis in kirchliche Kreise hinein.

Zu viele warten darauf, die Kirche endlich nach ihren Vorstellungen ummodullieren zu können. Ihnen müßte man erst recht zurufen: „Es lebe der Papst!“

Menschen, die von der Sorge über den Bestand des Glaubens und der Morallehre der Kirche  –  des depositum fidei –  erfüllt sind, trifft die Rücktrittsankündigung schmerzlich. Wird sich die verheißungsvoll angekündigte Wiederherstellung der Kirche nun verzögern oder gar ins Gegenteil verkehren? Wird sich der „Geist des Konzils“ verselbständigen und seine zerstörerischen „Reform“-Ansätze so betonieren, daß Liturgie, Glauben und Apostolat der katholischen Kirche nicht wiedererkennbar sein werden?

Wer so denkt und fürchtet, denkt nicht daran, daß der HERR selbst seiner Kirche dauerhaften Bestand verheißen hat. Ein Träger der Verheißung  –  „Dir werde ich die Schlüssel des Himmelreiches geben“ –  tritt nun von der Bühne ab. Seine Schriften und Lehren gehören zum Urbestand der katholischen Lehre, eben des depositum fidei.

Seine unermüdliche Arbeit im Weinberg des HERRN wird ihre Früchte tragen –   und seine Lehren werden mögliche Umstürzler in der Kirche immer wieder an ihre Verantwortung vor Gott und den Seelen erinnern.

Sein Mut, sich dem Zeitgeist entgegenzustellen, wird der Stachel im Fleisch derer sein, die „eine andere Kirche“ wollten und wollen. So hat der Geist Gottes gegen den „Geist des Konzils“ wieder einmal bewiesen, daß er der Lenker der Kirche ist.

„Der Helfer aber, der Heilige Geist wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“   –  Wer will bezweifeln, daß unser Papst herausragendes Werkzeug des Heiligen Geistes war?

Darum: „Es lebe der Papst!“


Papst-Freund Max Seckler: Mußte sich Benedikt XVI. mit Intrigen im Vatikan herumschlagen?

Nach Ansicht des Tübinger Fundamentaltheologen Max Seckler  –  er war einst langjähriger Kollege des Theologen Joseph Ratzinger –   ist der angekündigte Rücktritt von Papst Benedikt ein Zeichen innerer Größe:

„Er stärkt damit die Auffassung, dass ein Papst aufhören soll, wenn es ihm die Gesundheit gebietet“, sagte der 85-jährige Freund des Papstes heute gegenüber der Nachrichtenagentur dpa  –  und fügte hinzu:  „Er hat sehr gelitten unter manchen Dingen, die dieses Amt mit sich bringt.“

Hierzu erklärte Prof. Seckler: „Man kann sich schwer vorstellen, welche Intrigen es da in Rom gibt, mit denen er sich rumschlagen muss. Das hat ihn sehr belastet, weil er ja ein Theologe ist und ein edler Mensch.“

Er habe sich schon seit Jahren gefragt, wie lange Papst Benedikt diese Belastung nach aushalten könne.

Die Rücktrittsankündigung komme für ihn dennoch überraschend, gab Prof. Seckler zu: „Das ist einer dieser kühnen Schritte, die zu unternehmen er immer fähig war.“

„Betet für mich, daß ich nicht vor den Wölfen fliehe“

Das Oberhaupt der katholischen Kirche bat die Gläubigen bereits kurz nach seiner Wahl zum Papst  in einer Predigt: „Betet für mich, daß ich nicht furchtsam vor den Wölfen fliehe.“  – Das deutete vielleicht bereits darauf hin, daß Benedikt sich die kommende Zeit nicht  leicht vorstellte.

Hier folgt der Zusammenhang jener vielsagenden Worte vom 24. April 2005 in seiner Ansprache bei der Amtseinführung:

„Weide meine Schafe“, sagt Christus zu Petrus, das sagt er nun zu mir. Weiden heisst lieben, und lieben heisst auch, bereit sein zu leiden. Und lieben heisst: den Schafen das wahrhaft Gute zu geben, die Nahrung von Gottes Wahrheit, von Gottes Wort, die Nahrung seiner Gegenwart, die er uns in den heiligen Sakramenten schenkt.

Liebe Freunde, in dieser Stunde kann ich nur sagen: Betet für mich, dass ich den HERRN immer mehr lieben lerne. Betet für mich, dass ich seine Herde  –   Euch, die heilige Kirche, jeden einzelnen und alle zusammen  –   immer mehr lieben lerne.

Betet für mich, dass ich nicht furchtsam vor den Wölfen fliehe. Beten wir füreinander, dass der HERR uns trägt und dass wir durch ihn einander zu tragen lernen.“


Benedikt XVI. kündigt Verzicht auf Papstamt an – der Wortlaut seiner Ansprache

Das Oberhaupt der katholischen Kirche will am 28. Februar 2013 überraschend von seinem Papstamt zurücktreten. Das kündigte Benedikt XVI. vor Kardinälen an, die zu einem Konsistorium in Rom versammelt waren.

Noch am Wochenende hatte der Papst per Twitter folgende Kurz-Botschaft verkündet: „Wir müssen auf Gottes Barmherzigkeit vertrauen. Wir sind alle Sünder, aber seine Gnade verwandelt uns und schafft uns neu.“

Hier folgt eine von Radio Vatikan heute veröffentlichte Übersetzung aus der lateinischen Orginalrede des Papstes:

Liebe Mitbrüder!

Ich habe euch zu diesem Konsistorium nicht nur wegen drei Heiligsprechungen zusammengerufen, sondern auch um euch eine Entscheidung von großer Wichtigkeit für das Leben der Kirche mitzuteilen. media-373874-2

Nachdem ich wiederholt mein Gewissen vor Gott geprüft habe, bin ich zur Gewissheit gelangt, dass meine Kräfte infolge des vorgerückten Alters nicht mehr geeignet sind, um in angemessener Weise den Petrusdienst auszuüben.

Ich bin mir sehr bewusst, dass dieser Dienst wegen seines geistlichen Wesens nicht nur durch Taten und Worte ausgeübt werden darf, sondern nicht weniger durch Leiden und durch Gebet.

Aber die Welt, die sich so schnell verändert, wird heute durch Fragen, die für das Leben des Glaubens von großer Bedeutung sind, hin- und hergeworfen.

Um trotzdem das Schifflein Petri zu steuern und das Evangelium zu verkünden, ist sowohl die Kraft des Köpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, dass ich mein Unvermögen erkennen muss, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen.

Im Bewusstsein des Ernstes dieses Aktes erkläre ich daher mit voller Freiheit, auf das Amt des Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri, das mir durch die Hand der Kardinäle am 19. April 2005 anvertraut wurde, zu verzichten, so dass ab dem 28. Februar 2013 um 20 Uhr der Bischofssitz von Rom, der Stuhl des heiligen Petrus, vakant sein wird und von denen, in deren Zuständigkeit es fällt, das Konklave zur Wahl des neuen Papstes zusammengerufen werden muss.

Liebe Mitbrüder, ich danke euch von ganzem Herzen für alle Liebe und Arbeit, womit ihr mit mir die Last meines Amtes getragen habt, und ich bitte euch um Verzeihung für alle meine Fehler.

Nun wollen wir die Heilige Kirche der Sorge des höchsten Hirten, unseres Herrn Jesus Christus, anempfehlen.

Und bitten wir seine heilige Mutter Maria, damit sie den Kardinälen bei der Wahl des neuen Papstes mit ihrer mütterlichen Güte beistehe.

Was mich selbst betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen.

Quelle (Text/Foto): Radio Vatikan


Die Papst-Botschaft zur Fastenzeit betont Grundsätze kirchlicher Caritas: Glaube, Wahrheit und Liebe gehören zusammen!

Von Mathias von Gersdorff  

Foto: Radio Vatikan

 

In seiner diesjährigen Botschaft zur Fastenzeit erläutert Papst Benedikt die Beziehung zwischen Nächstenliebe und Glaube.

Aufgrund massiver Forderungen an katholische Krankenhäuser, die abtreibungswirksame „Pille danach“ zu verschreiben, ist es wichtig, diesen Zusammenhang nicht aus dem Blick zu verlieren, denn andernfalls können die Werke der Caritas ihren eigentlichen Sinn und Zwecke leicht verlieren.  Und es gibt keinen Glauben ohne Wahrheit.

Nach einer längeren theologischen Einführung resümiert Benedikt XVI.:

„Hieraus ergibt sich für alle Christen und insbesondere für die Mitarbeiter karitativer Dienste die Notwendigkeit des Glaubens, jener „Begegnung mit Gott in Christus […], die in ihnen die Liebe weckt und ihnen das Herz für den Nächsten öffnet, so daß Nächstenliebe für sie nicht mehr ein sozusagen von außen auferlegtes Gebot ist, sondern Folge ihres Glaubens, der in der Liebe wirksam wird“ (ebd., 31a).“

Doch Glaube existiert nicht ohne Wahrheit, so dass auch keine wahre Liebe ohne Wahrheit existiert:

„Liebe und Wahrheit sind zwei Namen derselben Wirklichkeit, zwei Namen Gottes“, so der Papst bei Angelusgebet am 3. Februar 2013.

In seiner Fastenbotschaft beschreibt er diesen Zusammenhang so: „Glaube heißt die Wahrheit erkennen und ihr zustimmen (vgl. 1 Tim 2,4); Nächstenliebe bedeutet, den Pfad der Wahrheit zu beschreiten (vgl. Eph 4,15).“

Wollen wir also Werke der Nächstenliebe vollbringen, so sind wir der Wahrheit verpflichtet. In einer Zeit, in welcher der Glaube permanent angegriffen wird, ist das nicht einfach. Aus diesen Grund gab es in der Geschichte der Kirche viele Märtyrer. Sie fühlten sich der Wahrheit verpflichtet und diese wollten die Menschen nicht akzeptieren.

Daher folgten sie dem Beispiel des Heilands, über den Papst Benedikt beim Angelus sagte:

„Jesus ist nicht gekommen, um die Zustimmung der Menschen zu suchen, sondern  –  wie er am Ende zu Pilatus sagen wird  –  um „für die Wahrheit Zeugnis abzulegen“ (vgl. Joh. 18, 37).

Der wahre Prophet gehorcht allein Gott und stellt sich in den Dienst der Wahrheit; er ist bereit, persönlich für sie einzustehen. Es ist richtig, dass Jesus der Prophet der Liebe ist, doch die Liebe besitzt ihre Wahrheit“.

Auch in unseren Tagen ist es nicht einfach, diesem Beispiel zu folgen. Man beachte allein den Druck auf katholische Krankenhäuser seitens vieler Medien, die „Pille danach“ zu verschreiben.

Über dieses Präparat erklärte die Glaubenskongregation in ihrer Instruktion „Dignitas personae“:

„Deshalb zählt die Anwendung der interzeptiven und der kontragestiven Mittel zur Sünde der Abtreibung und ist in schwerwiegender Weise unsittlich.“

Das ist die Wahrheit, der wir uns hinsichtlich der „Pille danach“ verpflichtet fühlen müssen und nicht jener Unwahrheit, die viele Medien zur Zeit verbreiten.