2. Teil des Verwirrspiels: Kardinal Meisners „Pillen-Erklärung“ war keineswegs mit dem Papst abgesprochen

Nachdem die Erklärung des Kölner Erzbischofs zur „Pille danach“ und zur Frühabtreibung bereits für erhebliches Aufsehen in den Medien und für massive innerkirchliche Verwirrung sorgte (wir berichteten darüber)versuchte Joachim Kardinal Meisner nun offenbar in tatsachenwidriger Weise, sogar Papst Benedikt für die eigene Stellungnahme zu vereinnahmen.

Damit hat Meisner allerdings ein schweres Eigentor geschossen, denn inzwischen ist klar: die ohnehin merkwüdig erscheinende Aussage, wonach der Papst seine Pillen-Erklärung vorweg gekannt und gebilligt habe, trifft nicht zu.

Hier folgen die einzelnen „Stationen“ dieses zweiten Kölner Verwirrspiels zum Thema Abtreibung und „Pille danach“:

Wir schildern es anhand der Berichterstattung der privaten kath. Webseite „Gloria-TV“, zumal hier alle drei Etappen enthalten sind:

ERSTE STATION:   imagesCA2YAIGF

Bereits am 4. Februar 2013 titelte Gloria-TV: „Fatale Meisner Erklärung zur Pille-danach mit Vatikan abgesprochen.“

Sodann heißt es wörtlich hinsichtlich der erwähnten Kardinalserklärung:

„Meisner machte damit vom eigenständigen Lehramt des Ortsbischofs Gebrauch, das innerhalb des vom römischen Lehramt vorgegebenen Rahmens gewisse Spielräume hat. Die Frage, ob er diesen Schritt mit dem Vatikan abgestimmt habe, bejahte sein Sprecher Christoph Heckeley im «Focus». Mit wem er dies getan habe, habe Meisner ihm allerdings nicht gesagt. «Und er würde es auch nicht sagen», so Heckeley.

Man fragt sich zunächst, warum „Gloria-TV“ diese KNA-Meldung überhaupt veröffentlicht hat:

Welchen Informationswert hat wohl eine Nachricht, in der weder Roß noch Reiter genannt sind?  – Was heißt denn „mit dem Vatikan“ abgestimmt? –   Der „Vatikan“ ist bekanntlich groß und besteht aus hunderten von Personen! 

Jedenfalls war diese Art der Berichterstattung geeignet,  Zweifel an einer klaren Position Roms in puncto Abtreibung bzw. „Pille danach“ zu wecken.

Dies gilt erst recht angesichts der Gloria-TV-Überschrift, in der eine Äußerung des Kölner Bistumssprechers sogleich als Tatsache präsentiert wurde: „Fatale Meisner Erklärung zur Pille-danach mit Vatikan abgesprochen“

ZWEITE STATION:

Am gestrigen Dienstag (12.2.)  –   also einen Tag nach dem angekündigten Papst-Rücktritt  –  veröffentlichte das traditionalistisch orientierte Portal Gloria-TV eine eigenständige Meldung, wobei Papst Benedikt selber in den Titel gelangte:

„Meisner: Papst war über Erklärung zu „Pille danach“ informiert“

Der kurze Text   –  der erst recht geeignet sein konnte, im konservativen Spektrum Mißtrauen gegenüber Rom bzw. dem Papst zu schüren  –  lautet:

„Die zu schweren Missverständnissen führende Erklärung von Kardinal Meisner zur Pille danach war „mit der Glaubenskongregation und der Päpstlichen Akademie für das Leben abgestimmt“. Das sagte der Kardinal dem Kölner „Stadtanzeiger“. Der Kardinal hat auch mit dem Sekretär des Papstes, Erzbischof Gänswein, darüber gesprochen. Er habe gesagt: „Der Papst weiß Bescheid. Es ist alles in Ordnung.“

DRITTE STATION:

Noch am selben Tag sah sich Gloria-TV veranlaßt, die eigene Meldung zu korrigieren; diesmal hieß die Überschrift:

„Papst wusste doch nichts über Vorstoß zur Pille danach“

Hier folgt der Wortlaut dieser dritten Nachricht:

„Die Pressestelle des Erzbistums Köln hat heute ein Interview dementiert, das Kardinal Joachim Meisner erst gestern gegeben hat. (…)  Heute dementierte die Pressestelle das wörtliche Zitat, wie die Agentur ‚KNA‘ berichtet. Papst Benedikt XVI. sei doch nicht über die Erklärung informiert gewesen. Der Papst habe die Stellungnahme des Erzbischofs vor Veröffentlichung nicht gesehen und gebilligt, so das Erzbistum Köln am Dienstag. Es sei im ‚Kölner Stadt-Anzeiger‘ ein „missverständlicher Eindruck“ entstanden.“

RESULTAT:

Wenn die Kölner erzbischöfliche Pressestelle sich veranlaßt sieht, den eigenen Dienstherrn in einem entscheidenden Punkt zu dementieren, kann dies logischerweise  wohl nur dadurch verursacht sein, daß der Papst selber bzw. sein Sekretär, Erzbischof Georg Gänswein, eine Korrektur verlangt hat.

Zudem fragt man sich, wie Kardinal Meisner dazu kommt, eine derart unzutreffende Aussage auch noch ausgerechnet kurz nach der Rücktrittsankündigung des Papstes in die Welt zu setzen.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


2 Kommentare on “2. Teil des Verwirrspiels: Kardinal Meisners „Pillen-Erklärung“ war keineswegs mit dem Papst abgesprochen”

  1. […] haben bereits darüber berichtet, daß diese Behauptung durch Meisners eigene Pressestelle dementiert bzw. korrigiert werden mußte: Papst Benedikt kannte vorher weder Meisners Pillen-Erklärung noch […]

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  2. […] Original: https://charismatismus.wordpress.com/2013/02/13/2-teil-des-verwirrspiels-kardinal-meisners-pillen-erk… […]

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