IMABE-Institut bestätigt frühabtreibende Wirkweise aller Präparate der „Pille danach“

Warum lobt IMABE dennoch die verwirrende „Pillen-Erklärung“ Kardinal Meisners?

IMABE, das Institut für medizinische Anthropologie und Bioethik in Wien, veröffentlichte am 13. Februar dieses Jahres eine Stellungnahme zur Wirkweise diverser „Pille danach“ angesichts der gegenwärtigen Debatte zu diesem „heißen Eisen“   –  und fügte in einem Anhang aktualisierte medizinische Erläuterungen hinzu.

Bereits vor ca. drei Jahren hatte IMABE-Direktor Prof. Dr. Johannes Bonelli in einem Fachartikel dargelegt, daß die seit Jahrzehnten bekannten Präparate der „Pille danach“ mit dem Wirkstoff Levonorgestrel (LNG)  –  es handelt sich dabei um ein künstliches Gestagen-Hormon   –  dann eine frühabtreibende Wirkung entfalten,  wenn sie kurz vor, während oder relativ bald nach dem Eisprung eingenommen werden  –  und sofern eine Befruchtung stattfand.  images

In den jetzigen Erläuterungen des IMABE-Wissenschaftsinstituts wird auch der Wirkmechanismus einer neueren Variante der „Pille danach“ untersucht, die erst seit 2009 unter dem Handelsnamen EllaOne im Umlauf ist:

Dieses Präparat enthält kein Kunst-Gestagen wie die „klassische“ Pille-danach, sondern blockiert durch den Wirkstoff Ulipristalacetat die natürliche Funktion jenes Geschlechtshormons Progesteron, das z.B. den Eisprung der Frau ebenso reguliert wie den Aufbau der Gebärmutterschleimhaut. 

Wird nun das Progesteron in seiner eigentlichen Wirkweise durch Ulipristal blockiert, dann logischerweise in beiderlei Hinsicht, also nicht nur betreffs Eisprung, sondern auch hinsichtlich der Nidation bzw. Implantation, die gehemmt bzw verhindert wird.

Diese Nidationshemmung bedeutet aber, daß sich der Keimling bzw. Embryo  –  die kleinste Erscheinungsform des Menschen  –  nicht in die Gebärmutter einnisten kann, also innerhalb der ersten oder zweiten Woche seiner Existenz abstirbt.

Sowohl die herkömmliche „Pille danach“  (Levonorgestrel) wie auch die „jüngere“ Variante (Ulipristal) wirken potentiell frühabtreibend, wenn sie zu einem Zeitpunkt eingenommen werden, in dem eine Verhinderung des Eisprungs nicht mehr möglich ist.

Die Stellungnahme von IMABE bestätigt diese abortive Wirkung von Ulipristal mit ausführlichen Erläuterungen unter dem Zwischentitel „Nidationshemmende Wirkung von Ulipristal“.  –  Das Präparat wird als „Nachfolgepräparat der Abtreibungspille Mifepristone“ bezeichnet.

„Ulipristal hat auch abtreibende Wirkung“

Zudem heißt es: „Ulipristal hat ovulationshemmende, aber  –  dosisabhängig wie Mifepristone  –  auch abtreibende Wirkung.“  –  Dieser Befund wird mit Studien belegt.

Der Vergleich der herkömmlichen mit der jüngeren „Pille danach“ zeigt zwar methodisch unterschiedliche Wirkmechanismen, doch das Ergebnis bzw. der frühabtreibende Faktor ist grundsätzlich derselbe, wie IMABE klarstellt:

„Der Anteil der nidationshemmenden Wirkung ist bei beiden Präparaten praktisch gleich groß.“

Wir halten demnach fest, daß alle im Handel erhältlichen Sorten der „Pille danach“ potentiell frühabtreibend wirken, wenn die Präparate relativ kurz vor dem Eisprung, während dieser Phase oder im baldigen Zeitraum danach eingenommen werden.

Aber selbst dann, wenn die „Pille danach“ zu einem für die Verhütung passenden Zeitpunkt eingenommen wird, ist die Verhinderung der Befruchtung durchaus nicht hundertprozentig gewährleistet. Findet dennoch eine Empfängnis statt, dann tritt die frühabtreibende Wirkung in Kraft  –  sie ist gleichsam ein schlußendlicher „Sicherheitsfaktor“. baby

Das IMABE-Institut schreibt jedenfalls zu den „beiden Substanzen“ (Levonorgestrel, Ulipristal) Folgendes (Linie von uns):

„Gemeinsam ist ihnen, dass sie den Eisprung hemmen oder um einige Tage verzögern und dadurch eine Befruchtung nach Geschlechtsverkehr verhindern können, wenn die „Pille danach“ rechtzeitig vor dem zu erwartenden Eisprung eingenommen wird.“

Es heißt hier nicht, daß diese Substanzen Eisprung und Befruchtung „verhindern“, sondern verhindern „können“.

Dabei ist grundsätzlich zu bedenken: Auch bei der „empfängnisverhütenden“ Anti-Baby-Pille, die von Frauen dauerhaft eingenommen wird, kann es zu sog. Durchbruchs-Ovulationen kommen, so daß eine Empfängnis stattfindet, was zur Folge haben kann, daß das befruchtete Ei sich wegen des nidationshemmenden Pillenfaktors nicht in die Gebärmutter einnistet, der Keimling also stirbt.

Daher enthalten auch „normale“ Pillen einen potentiell frühabtreibenden Faktor (der je nach Hormonbestandteilen differiert), worauf die hohe Sicherheit der Pille beruht.  Diese abortive Wirkweise bestätigt auch IMABE   –  siehe hier.

Unabhängig von diesem speziellen Aspekt steht aber ohnehin fest, daß bislang keine „Pille danach“ ohne Nidationshemmung bekannt ist.

Dieser Befund  w i d e r s p r i c h t   jedoch jenen entscheidenden Aussagen von Kardinal Meisner, der am 31. Januar 2013 in seiner aufsehenerregenden Erkärung eingangs festgestellt hat:

„Aus gegebenem Anlass habe ich mich mit Fachleuten über die Frage der Verordnung der so genannten „Pille danach“ beraten. Dabei wurde deutlich, dass darunter unterschiedliche Präparate mit unterschiedli­chen Wirkprinzipien zu verstehen sind, deren Wirkungen und Nebenwirkungen sich in der wissenschaftlichen Diskussion immer weiter klären. Daraus ergeben sich ethische Konsequenzen.

Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar.“

In Meisners Text ist ausdrücklich vonunterschiedliche Präparate mit unterschiedli­chen Wirkprinzipiendie Rede, so daß unmittelbar der Eindruck entsteht, als gäbe es zwei verschiedene Varianten der „Pille danach“, nämlich einerseits jene, die empfängnisverhütend wirken  – und andererseits jene, die eine Nidation verhindern, die also im Falle einer Befruchtung abortiv (frühabtreibend) sind.

Eine „Pille danach“ ohne frühabtreibenden Faktor gibt es aber nicht, wie IMABE in seinem medizinischen „Anhang“ ebenfalls feststellt.

Meisners „Wunschpille“ gibt es nicht

Es handelt sich bei den Darlegungen des Kölner Erzbischofs  insofern um eine Art „Phantom-Pille“   –  man könnte auch von „Meisners Wunschpille“ sprechen.

Es ist aber gewiß keine „Kardinaltugend“   –  weder eine der Klugheit noch der Gerechtigkeit, geschweige der Tapferkeit  –  eine verwirrende öffentliche Debatte über die „Pille danach“ und ihre kirchliche Beurteilung anzustoßen, wobei hypothetische Was-wäre-wenn-Argumente wie ein klarer Sachverhalt präsentiert werden, obwohl dies von der wissenschaftlich nicht gedeckt ist.

Daß der Kölner Kardinal nicht etwa nur von diversen Medien, sondern auch von katholischen Fachleuten durchaus so verstanden wurde, als gäbe es rein empfängnisverhütende „Pillen danach“, erweist sich beispielhaft anhand eines Domradio-Gesprächs mit Dr. Manfred Lütz:

Am 31. Januar 2013 veröffentlichte Meisners Kirchenfunk dieses Interview mit dem Psychiater und Theologen, der die „Pillen-Erkärung“ des Kardinals vom selben Tag lobte und als “beeindruckende Reaktion” würdigte.

Bereits in seiner ersten Antwort bestreitet Dr. Lütz weitgehend eine frühabtreibende Wirkung der “Pille danach”:

“Bei den beiden derzeitig auf dem Markt befindlichen Pillen danach ist von Wissenschaftlern ganz offenbar, zumindest bei der einen Pille, möglicherweise aber auch bei der anderen, kein nidationshemmender Effekt feststellbar, wobei in der Wissenschaft wie immer unterschiedliche Beurteilungen existieren.”

Im nächsten Satz erklärt Dr. Lütz sogar ohne Wenn und Aber, das “Wirkprinzip Nidationshemmung” sei bei den beiden Präparaten nicht der Fall”.

Dies widerspricht  freilich seiner vorhergehenden Aussage, wonach diesbezüglich “in der Wissenschaft wie immer unterschiedliche Beurteilungen existieren” würden.

Sein Interview offenbart jenen Irrtum, den er aus Meisners Stellungnahme ableitet: Es gäbe Präparate der „Pille danach“ ohne frühabtreibende Wirkung   –   immerhin bezieht sich Dr. Lütz hierbei auf die Pillen-Erklärung des Kardinals.

Äußerst problematisch ist im Meisner-Text aber auch folgende Aussage zum angeblich wünschenswerten Verhalten kath. Krankenhäuser gegenüber vergewaltigungsbetroffenen Frauen:

“Darüber hinaus ist nichts dagegen einzuwenden, dass sie in diesem Fall auch über Methoden, die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind, und über deren Zugänglichkeit aufklären, wenn sie dabei, ohne irgendwelchen Druck auszuüben, auf angemessene Weise auch die katholische Position mit Argumenten erläutern.”

Warum sollte eine kath. Klinik “Aufklärung” über frühabtreibende Mittel und deren “Zugänglichkeit“  (!) betreiben?   –  Kann es ernsthaft Aufgabe kirchlicher Einrichtungen sein, den “Zugang” zu Abtreibungsmitteln und damit zur vorgeburtlichen Kindstötung aufzuzeigen?!

Irreführende „Erläuterungen“ der Pressestelle

Ergänzend zum Meisner-Text wurde am 31. Januar zeitgleich eine Stellungnahme  mit “Erläuterungen” der Pressestelle des Kölner Erzbistums veröffentlicht, die mit den Worten beginnt:

“Die Erklärung des Erzbischofs von Köln berücksichtigt neuere Erkenntnisse bezüglich der so genannten „Pille danach”. Sie betrifft nicht die nach katholischer Auffassung nach wie vor abzulehnende Abtreibungspille Mifepriston (RU 486, „Mifegyne”).”

Hier wird nun   –   in diesem Zusammenhang völlig sachfremd  –   das Abtreibungsmittel RU 486 (Mifegyne) ins Spiel gebracht, das aber ohnehin keine Frühabtreibungspille ist, sondern vielmehr die Vernichtung des ungeborenen Kindes in den ersten neun Wochen bewirkt, also schlicht eine chemische Methode der Abtreibung darstellt.

Anscheinend möchte man mit diesem deplazierten Hinweis den Eindruck erwecken, als verträte man durchaus eine eindeutige Haltung gegen Frühabtreibung; dabei geht es bei RU 486 freilich gar nicht um jene Ebene der Nidationshemmung.

Unstrittig ist jedenfalls, daß Kardinal Meisner sowohl für seine eigene Erklärung wie auch für die „Erläuterungen“ seiner erzbischöflichen Pressestelle die Verantwortung trägt.  Somit ist er auch für die  –   durch beide Stellungnahmen entstandene – Verwirrung und Verirrung in der öffentlichen Wahrnehmung mitverantwortlich. 

Mit dieser irreführenden Debatte wurde der kirchlichen Glaubwürdigkeit in puncto glasklarer Lebensschutz ein enormer Schaden zugefügt.

Dennoch schreibt das IMABE-Institut, das der Katholik Dr. J. Bonelli leitet, in einem 13.2.2013 versandten Info-Newsletter wörtlich Folgendes:

„Der Kölner Kardinal Joachim Meisner hatte aus gegebenem Anlass die ethischen Richtlinien für eine Abgabe der „Pille danach“ festgehalten hat. In einer Erklärung (online, 31.1.2013) stellte Meisner klar, dass die Einnahme bzw. die Verabreichung eines Medikaments, das frühabtreibend wirkt, moralisch unerlaubt ist, da es sich dabei um unerlaubte Tötung menschlichen Lebens handle. Wenn eine „Pille danach“ dagegen die Befruchtung der Eizelle verhindert, ist dies im Fall einer Vergewaltigung sittlich erlaubt.

IMABE begrüßt die klare und eindeutige Stellungnahme des Kölner Kardinals.“

Meisners Erklärung war aber weder klar noch eindeutig, sonst wäre wohl kaum allenthalben in den Medien von einem „sensationellen Kurswechsel“ und ähnlichen Schlagzeilen die Rede gewesen.

Außerdem erweckt seine Erklärung und erst recht jene seiner Pressestelle sehr wohl den unzutreffenden Eindruck, als gäbe es Präparate der „Pille danach“, die rein empfängnisverhütend wirken  – und eben dies trifft nicht zu, wie IMABE selber zweifelsfrei analysiert hat.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

Ergänzender HINWEIS: Hier folgt eine diesbezügliche Stellungnahme von Professor M. Spieker:

Der Osnabrücker Professor für Christliche Gesellschaftslehre, Dr. Manfred Spieker, erlaubt uns die Veröffentlichung seines folgenden Briefes an IMABE:

Nach Lektüre der Stellungnahme von IMABE zur Diskussion über die Wirkungsweise der „Pille danach“ ist festzustellen, dass das Lob für die Erklärung von Kardinal Meisner durch die Ergebnisse der Untersuchung nicht gedeckt ist.
1. Die Untersuchung stellt fest, dass jedes Präparat der Pille danach ein Abortivum, also nicht nur ein Ovulationshemmer, sondern auch ein Nidationshemmer ist.
2. Die unterschiedliche Wirkung der Pille danach hängt lediglich davon ab, zu welchem Zeitpunkt des Zyklus der Frau die Pille eingenommen wird.
3. Damit hängt Punkt 1 der Unbedenklichkeitserklärung des Kardinals (Die Verordnung eines Antikonzeptivums nach einer Vergewaltigung ist moralisch unbedenklich) in der Luft. Die entscheidende Frage bleibt doch, ob es dieses Antikonzeptivum gibt. Die Untersuchung macht deutlich, dass es dieses unbedenkliche Präparat nicht gibt. Es gibt lediglich unbedenkliche Phasen im Zyklus der Frau.
4. Fern der Praxis, in der die Pille danach im Internet jederzeit erhältlich ist, fordert die Untersuchung dann eine Verfeinerung des diagnostischen Instrumentariums zur Feststellung der Eireifung und der Bestimmung des Zyklus der Frau. Ein solches Instrumentarium sowie entsprechende therapeutische und rechtliche Regelungen müssten doch geklärt und eingeführt sein, bevor man sich seitens der Kirche und der Moraltheologie zu den ethischen Konsequenzen äußert.

Prof. Dr. Manfred Spieker


Papst Benedikt: personifizierte Pflichterfüllung, Bescheidenheit und wahre Größe

Von Peter Helmes

Mit seiner Rücktrittsankündigung vom 11. Februar überraschte Papst Benedikt Freund und Gegner. Der Mensch Joseph Ratzinger landete damit einen Befreiungsschlag, der kirchengeschichtlich  einmalig ist. Er, der die personifizierte Pflichterfüllung war und ist, zeigte (wieder einmal) seine wahre Größe.

Des Papstes Schritt zur Abdankung ist nicht etwa eine Kapitulation vor gewissen kirchlichen Kräften und den von ihnen inszenierten Intrigen, sondern starker Ausdruck der Erkenntnis über die Endlichkeit des Menschen, der seine Hinfälligkeit rechtzeitig erkennt und öffentlich bekennt. Er hatte sich, wie jedermann weiß, nicht um dieses Amt beworben, aber dann mit äußerster Disziplin ausgefüllt, seiner Liebe zu seinen Büchern zum Trotz. Sein Rücktritt ist nur konsequent. 

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Nach seinen eigenen Worten sei für sein Amt „sowohl die Kraft des Körpers als auch die Kraft des Geistes notwendig, eine Kraft, die in den vergangenen Monaten in mir derart abgenommen hat, daß ich mein Unvermögen erkennen muß, den mir anvertrauten Dienst weiter gut auszuführen…“

Den nun angekündigten Rücktritt darf man durchaus als Ausdruck außergewöhnlichen Mutes, innerer Stärke und Größe betrachten  –  ein Beweis für die Erneuerungskraft, die aus der Rückkehr zu den katholischen Prinzipien erwächst.

Zugleich gibt er den Führern in Politik und Gesellschaft ein gutes Beispiel, rechtzeitig auf Macht verzichten zu sollen. Seinen Rücktritt vollzieht der Papst in tiefstem Glauben und in großer Verantwortung für seine Kirche, die für ihn eine Kirche der Liebe, der Gnade und der Barmherzigkeit ist. Er lehrt(e) einen Gott, der zuallererst das Heil des Menschen will. Diese seine Überzeugung machte ihn vor allem zum „Gewissen der Kirche“.

Das Wirken dieses Papstes im richtigen Maße zu würdigen, wird wohl späteren Generationen überlassen bleiben; denn noch sind Häme und klammheimliche Freude über den baldigen Rücktritt in so manchen Stellungnahmen  –  auch aus der Kirche selbst  –  nicht zu überhören. Benedikt XVI. ist  –  wie schon als Kardinal Ratzinger  –  vor allem als strenger Bewahrer der Kirchenregeln aufgetreten, in der Erkenntnis, daß nur das eiserne Festhalten an den Grundprinzipien die Hl. Mutter Kirche über zwei Jahrtausende vor dem Zerfall geschützt hat – Irrungen und Wirrungen eingeschlossen.

Sein Glaube, seine Weisheit, seine Demut und seine Bescheidenheit haben die ganze Welt  –  auch die der Atheisten  –  beeindruckt und Respekt hervorgerufen.

Eine besondere Würdigung verdient das publizistische Werk Ratzingers als Autor, Philosoph und Theologe. Mit seinen grundlegenden Werken dürfte er zu den profiliertesten Päpsten überhaupt gehören. Selbst seine Gegner mußten dies anerkennen, wie z. B. der unverbesserliche Starrkopf Hans Küng, der nicht umhin konnte, Benedikts Enzyklika „Gott ist die Liebe“ zu loben. Zu den gewichtigsten Werken Benedikts gehört auch gewiß seine dreibändige Buchreihe zu Jesus.

Wenn manche in der Kirche vom Papst fordern, sich für „die Probleme der Zeit zu öffnen“, meinen sie in Wirklichkeit Anpassung an den Zeitgeist – für Papst Benedikt eine Zumutung, die er als „Herrschaft des Relativismus“ anprangerte.

Fanal für Konservative

In seiner letzten Messe im Petersdom am 13. Februar dieses Jahres fand er nochmals deutliche Worte: „Das Gesicht der Kirche wird manchmal von Sünden gegen die Einheit der Kirche und Spaltung zwischen den Geistlichen geschädigt.“ Dabei werde „das Zeugnis“ der Kirche „umso bedeutsamer sein, umso weniger wir unseren Ruhm suchen.“

Tiefe Betroffenheit, aber auch Dank und höchste Anerkennung erfährt der Papst in diesen Tagen in aller Welt. Nur sein Heimatland Deutschland tritt wieder einmal mit vielen Kritikern auf, die diesem Papst und unserer Kirche ein anderes Verständnis aufdrücken wollen.

Dazu gehören die unsäglichen Aktivisten von sogenannten „Reformgruppen“, die im Lichte des Hl. Geistes betrachtet eher Reaktionäre sind, wie z. B. „Wir sind Kirche“ oder „Kirche von unten“. So tief kann unsere Kirche gar nicht sinken, daß sie „von unten“ nach oben zurückklettern müßte.

Auffallend sind die wohltuenden und anerkennenden Worte aus jüdischen Kreisen (z. B. Charlotte Knobloch) und vor allem aus den Reihen der Evangelikalen, die bisher nicht gerade als bedeutende Papst-Verehrer aufgetreten waren. Evangelikale Dachverbände haben sich nicht nur wohlwollend, sondern „bewundernd“ über den Pontifex geäußert.

Evangelikale stellen linkskatholische Kritiker ins Abseits

Diese theologisch konservativen Christen stellen damit die unbelehrbaren linkskatholischen „Reformer“ ins Abseits, wo sich dann die Hasenhüttls, Küngs, TAZ & Genossen  gegenseitig ihr Leid mit der Kirche klagen und von Benedikt als „Panzer-Papst“ oder als „Sohn eines Polizisten“ und von „Schwäche seiner Leadership-Qualitäten“ reden können. Welch ein Niveau! Sie sind Wadenbeißer, die nicht höher kommen, weil es ihnen an Größe fehlt.

So verwundert es nicht  –  aber verärgert umso mehr  –  daß es ausgerechnet der Gift-Grünen Claudia Roth vorbehalten blieb, eine negative Bilanz des Pontifikates Benedikts zu ziehen. Ihre Begründung ist entlarvend:

„…Schon als Kardinal und Chef der Glaubenskongregation war Josef Ratzinger ein Vertreter der konservativen Kirchenhierarchie und kämpfte gegen fast alle fortschrittlichen Tendenzen in seiner Kirche: gegen eine plurale Theologie  –  (was ist das?  D. Verf.)  –  gegen die Befreiungstheologie, gegen Reformen bei der katholischen Sexuallehre und für den Zölibat. (…)

In diesem Sinne hat er auch sein Amt als Papst Benedikt geführt  –  mit Interventionen gegen die gleichgeschlechtliche Ehe, mit einer Annäherung an die reaktionäre Pius-Bruderschaft und der dogmatischen Ablehnung des ökumenischen Abendmahls…“ (zit. aus  Handelsblatt online,11.2.13).

Roths Dummheit beweist sich allein schon aus der falschen Ausgangsüberlegung. Der Papst ist „Chef“ der Glaubenskongregation; Kardinal Ratzinger war „nur“ ihr „Präfekt“.

Roth keilt nach: „Denn die Ausgrenzung der Basiskirche durch konservative Vertreter der Amtskirche hat die Kirche selbst tief gespalten.“   – Faktisch gebe es heute zwei katholische Welten.

So treibt die Vorsitzende der Grünen bewußt einen Keil zwischen die Katholiken  –  wobei sie diese gleich für die ganze Welt reklamiert: hie die „Gemeindekirche“, wie Roth sie nennt, die „unendlich viel“ für den sozialen Zusammenhalt leiste  –  und dort die konservativen Vertreter in den Hierarchien, „die mit Fehlentscheidungen und bornierten Positionen eine Austrittswelle nach der anderen lostreten“.

Roths letzter Wunsch: „Die katholische Kirche braucht jetzt einen Reformpapst (…). Einen Papst, der Mauern einreißt, die die Kirche zur Gesellschaft hin aufgerichtet hat.“  – Wir werden uns der Ungeheuerlichkeiten dieser Dame noch erinnern müssen!

Daß ausgerechnet viele deutsche Landsleute diesen Papst mit ständigem Trommelfeuer und  entsprechender medialer Unterstützung belegen, ist für alle gläubigen Menschen beschämend und erinnert an den Johannes-Prolog über den Sohn Gottes: „Er kam in sein Eigentum, und die Seinen nahmen ihn nicht auf“ (Joh. 1.11)

Die Religion dem Menschen anpassen?

Der Philosoph Dietrich Hildebrand drückt es so aus:

(…Das sehe ich) „als den größten säkularen  Irrtum unserer Zeit: die Vorstellung, daß die Religion dem Menschen angepaßt werden sollte und nicht der Mensch der Religion.“

Wie verbissen die „wahre Kirche von unten“ gegen die Haltung des Papstes kämpft, erwies sich erst kürzlich wieder, als sich der anerkannte katholische Publizist Martin Lohmann in einer Fernsehdebatte (bei Günther Jauch) unverdrossen zum Führungsanspruch seiner Kirche als Institution bekannte  –  womit er geradezu wütende Reaktionen hervorrief.

Die Kirche ist kein Markt, keine Marketing-Veranstaltung, bei der die Gläubigen zu Kunden und die Kirche zu einem Sozialverein mutieren und somit den Glauben letztlich zur bloßen Ethik herunterziehen. Bei seinem Besuch in Freiburg (2011) mahnte denn auch Benedikt: Um frei zu sein für die Welt, dürfe die Kirche nicht  selber Welt sein. Sie dürfe nicht der „Organisation und Institutionalisierung größeres Gewicht als ihrer Berufung zur Offenheit“ geben.

Zurück zur Weltkirche

Es bleibt zu hoffen, daß die gerade in Deutschland verbreiteten „Basis-Katholiken“ auch in Zukunft keinen größeren Einfluß auf die Weltkirche nehmen können. Wer die katholische Kirche ausschließlich aus dem deutschen Blickwinkel sieht, verkennt ihre weltumspannende Aufgabe. Rücksicht auf deutsche Befindlichkeit wird auch dem nächsten Papst nicht Richtschnur seines Handelns sein (können).

Der Vatikan  –  und nicht das ZK der Deutschen Katholiken  –   ist das Zentrum der Weltkirche mit rund 1,2 Milliarden Gläubigen. Die Kirchen (wo erlaubt) in den Ländern Asiens, Afrikas und besonders Lateinamerikas sind voll, die deutschen jedoch immer leerer.

Die Bindekraft der katholischen Kirche schwindet in Deutschland und in einigen „weltlichen“ Ländern Europas, während sie in der alten „Dritten Welt“ rasant wächst. Man darf fragen, woran das wohl liegen kann.

Es darf an die unwürdige Diskussion zum „Auftritt“ des Papstes im Deutschen Bundestag erinnert werden, als Grüne und Linke sich dagegen sträubten. Würde z. B. der Dalai Lama in den Bundestag eingeladen, wäre die Begeisterung dieser Verirrten gewiß nicht zu überhören. Die so auf eine deutsche Nabelschau fokussiert sind, kriegen natürlich nicht mit, daß die katholische Kirche breit und tief internationalistisch ist  –  eben eine Weltkirche.

Wieviel Überheblichkeit zeigt „Wir sind Kirche“ in ihrer „Hoffnung auf einen Neuanfang“. Man werde sich „international abstimmen und Anforderungen an einen neuen Papst formulieren, der Antworten auf die Anforderungen der Zeit gibt“, sagte die Referentin von „Wir sind Kirche“, Annegret Laakmann. Die „Papabiles“, die möglichen Kandidaten für die Papstwahl, werden gewiß schon jetzt in vorauseilendem Gehorsam ihr Programm einer neuen „Kirche von unten“ schreiben und  den deutschen Basisbewegten zur Genehmigung vorlegen. Bei so viel Überheblichkeit darf gelacht werden!

Kircheneigene Hinterlistigkeiten

Schwer zu schaffen machten Benedikt auch die vielen Intrigen in der Kirche selbst, und vor allem im Vatikan. Diese z. T. hinterfotzigen Streitereien, Durchstechereien und Querelen machten den Papst mürbe und schadeten in erheblichem Maße seiner Gesundheit.

Mit seinem Rücktritt ist gewiß auch sein Wunsch verbunden, einen neuen Anfang für die Kirche zu erzwingen. Er selbst sah sich wegen seiner schwindenden Kräfte dazu nicht mehr in der Lage. Der neu zu wählende Papst wird die Möglichkeit haben, eine neue Kurie zusammenzustellen. Nimmt er diese Chance nicht wahr, gehen die Intrigen weiter  –  zum Schaden der Kirche und der Gläubigen.

Wie hart die Bandagen sind, mit denen hinter den Kulissen des Vatikans gekämpft wird, zeigte sich zuletzt am Verrat seines Kammerdieners, einer seiner engsten Mitarbeiter, dem er vollkommen vertraute. Dieser Verrat, hinter dem man zu recht weite Kreise im Vatikan vermuten darf, hat den Papst zermürbt.

„Vatileaks“, wie dieser Skandal von den Medien genannt wird, war eine verborgene Kampfansage bestimmtenr Kräfte in der Kurie, die den Papst mit Mafia-Methoden bekämpfen und ihn auch psychisch „zur Strecke bringen“ wollten. Das wohl brachte das Faß zum Überlaufen und Benedikt zu dem Entschluß zurückzutreten.

Der Tübinger Fundamentaltheologe Prof. Max Seckler resümiert: „Man kann sich schwer vorstellen, welche Intrigen es da in Rom gibt, mit denen er sich rumschlagen muß. Das hat ihn sehr belastet, weil er ja ein Theologe ist und ein edler Mensch.“

Auch die immer neu auftauchenden Mißbrauchsfälle Tausender meist junger Menschen durch Priester und Ordensleute haben den Papst physisch und psychisch niedergeschlagen, zumal er den Kampf gegen die Mißbräuche konsequent gefordert und durchgeführt sowie die Opfer um Entschuldigung gebeten hat. So ist auch seine Bitte direkt nach der Wahl zum Papst zu verstehen: „Betet für mich, daß ich nicht vor den Wölfen fliehe.“   –  Vermutlich wußte er da schon, was auf ihn zukommen werde.

Das intellektuelle Vermächtnis 

Dieser Papst löst(e) mehr Begeisterung in fremden Ländern aus als in seiner Heimat. Die einen halten ihn für einen Revolutionär, die anderen für einen theologischen Hardliner. Ein Endurteil wird wohl erst nach vielen Jahren gesprochen werden können.

Betrachtet man die Welt nicht durch die deutsche Brille, dann sieht man, daß Benedikt zur Leitfigur konservativer Gläubigen und Intellektueller (!) geworden ist. Er hat stets den Anspruch erhoben, daß das Christentum eine denkende Religion ist und in einem engen Bündnis mit der Vernunft steht. Für Benedikt waren Glaube und Vernunft die wichtigsten Themen. Eine höchst anspruchsvolle Philosophie und Theologie, mit der er dem weltweiten Katholizismus ein intellektuelles, scharfes Profil gegeben hat wie noch kein Papst vor ihm.

Welch wunderbares Menschenbild!

Sein Menschenbild ist ausgesprochen positiv, auch wenn er privat ein eher zurückgezogener Mensch sein mag. „Weltekel und Weltflucht sind keine christlichen Optionen. Der Christ ist ein Liebhaber der Welt, in die er gestellt ist und die er aus Liebe verändern soll zum Guten. Der christliche Gott  kam bekanntlich in die Welt, weil er diese liebt. Katholisch sein bedeutet, weltoffen zu sein, bedeutet die Welt zu lieben, tolerant zu sein und offen für einander“, erklärte Papst Benedikt im Sommer 2011.

Wie positiv sein Menschenbild ist, läßt sich an seinem Verständnis von „Schönheit“ feststellen: „In Wirklichkeit ist die Schönheit das tiefe Bedürfnis des Menschen; sie ist die Wurzel, die den Stamm unseres Friedens und die Früchte unserer Hoffnung hervorbringt(7.11.10). Menschliche Schönheit ist für Papst Benedikt eine Eigenschaft der Seele, aber kein Oberflächen-Phänomen, hat also nichts mit Schminke oder Körperkult zu tun. „Die Schönheit der Wahrheit und der Liebe muß unser Herz im Innersten treffen und es menschlicher machen (…) Liebe macht schön…“

Benedikt setzte  –  welch kühner Gedanke!  –  Pluralismus und Relativismus gleich und errang damit die Spitze einer Modernitätskritik, an die sich viele andere bisher nicht heranwagten. Er beschrieb die  pluralistische Gesellschaft als eine „Diktatur des Relativismus“, der er eine tragfähige Orientierung entgegensetzen wollte: eine starke religiöse Institution, nämlich die katholische Kirche und den christlichen Glauben.

Das wichtigste intellektuelle Vermächtnis dieses Papstes  –  und des Theologen Joseph Ratzinger  –  ist die Feststellung, daß das Christentum sich vor dem „Forum der Vernunft“  verantworten müsse und daß ein vernunftloser, ja gottloser Glaube bald in Fanatismus und Intoleranz umschlagen könne.

Hier greift Benedikt weit zurück in die aristotelische Vernunfttradition, was man eben als  –  horribile dictu  –  „religiösen Konservatismus“ bezeichnen darf. Den „Werterelativismus“ der Neuzeit bekämpfte er nicht „ex cathedra“, sondern im Dialog mit (auch weltlichen) Philosophen und stellte somit nach seinen eigenen Worten die Diskussion über die Wahrheit des Glaubens „vor den Gerichtshof der Vernunft“ (Ratzinger unter Berufung auf Immanuel Kant).

Kirche ist kein Event-Veranstalter

Dahinein gehört auch seine Mahnung, die „Institution Papst“ nicht zu einem sakralen Führungslogo aufzublasen. So wollte Papst Benedikt XVI. nicht enden.

Dirk Schümer brachte es in der FAZ (12.2.) auf den Punkt: „…es ist beileibe kein Zufall, daß es dieser kühle, scheue Intellektuelle aus Bayern jetzt tat  –  und damit in im mühsamen Update des uralten Papsttums nun doch noch zur historischen Figur wird…“.

Die Kirche ist für den Pontifex  –  ganz im Gegensatz zu den „Reformern von unten“  –  kein Gesprächszirkel z. B. zur Klimarettung oder zu (geistigen) Unterhaltungsprogrammen.

„Die Kirche ist nicht irgendeine Vereinigung, die sich um die religiösen Bedürfnisse der Menschen kümmert, aber eben ihr beschränktes Vereinsziel hat. Nein, sie bringt den Menschen in Berührung mit Gott und so mit dem Ursprung aller Dinge. Deshalb geht Gott uns als Schöpfer an, und deswegen tragen wir Verantwortung für die Schöpfung“ (Benedikt in der Osternacht 2011).

Die Kirche, meint Benedikt, dürfe sich nicht um alles Mögliche kümmern und nur noch ein bißchen um den Glauben. Statt der gerade in Europa weit verbreiteten „Lust am Zetern“ empfiehlt der Papst die „Arbeit am ich“.(…)

Und zuletzt schreibt er den christlichen Misanthropischen „von unten“ ins Stammbuch: „Darf es denn sein, daß man überall stolz ist auf seine Traditionen, und gerade die Traditions- und Weggemeinschaft Kirche soll von panischer Angst getrieben sein, nur ja nicht unmodern zu erscheinen?“

Sorge um Europa

Europa war einmal das Herzstück des Christentums, aus dem sich der Begriff des „Abendlandes“ in all seiner philosophischen und theologischen Bedeutung entwickelte. Benedikt sieht diese geschichtliche Entwicklung gefährdet, da das Weltliche immer mehr um sich greife und die Abkehr vom Christentum zunähme. „Das Haus Europa wird nur dann ein für alle gut bewohnbarer Ort, wenn es auf einem soliden kulturellen und moralischen Fundament von gemeinsamen Werten aufbaut (…) Europa kann und darf seine christlichen Wurzeln nicht verleugnen. Sie sind ein Ferment unserer Zivilisation auf dem Weg ins dritte Jahrtausend.“

Benedikt ist beileibe nicht antikapitalistisch, aber mahnend – vor grenzenloser Gier, übersteigerter  Suche nach dem eigenen Vorteil und unbegrenztem Konsum. Für den Papst ist Freiheit ohne Ordnung nicht möglich. Diese Freiheit muß zum Guten führen, weshalb die Marktwirtschaft Regeln brauche, die ihr eine Grenze setze und Wildwuchs verhindere, meint Benedikt und liefert damit eine philosophische Rechtfertigung der Sozialen Marktwirtschaft.

Dieser Papst wird als bedeutender Philosoph und Theologe sowie als höchst bescheidener Mensch in die Geschichte  –  nicht nur der katholischen Kirche  –  eingehen.


CICERO über Papst Benedikt: Leitmotiv seiner Frömmigkeit ist die „Freundschaft mit Christus“

Die deutsche Kulturzeitschrift CICERO veröffentlichte am 12. Februar 2013 online einen tiefsinnigen Beitrag des Literaturwissenschaftlers Christophe Fricker aus Bremen.

Darin beleuchtet der Autor, wie wichtig für den Papst gerade in unserem Zeitalter einer zügellosen Sexualisierung der Wert der Freundschaft ist, der geistig-seelischen Verbundenheit unter den Menschen.

Tatsächlich fällt auf, wie oft Benedikt seine Predigten und Ansprachen mit den Worten „Liebe Freunde“ beginnt.

Das Urbild und Idealbild der menschlichen Freundschaft ist aus des Papstes Sicht die Freundschaft mit Christus,  unserem Erlöser.

Hierzu schreibt der CICERO-Autor sehr treffend:   borMedia1742201

„Schon am Tag vor seiner Wahl erklärte der damalige Kardinal Joseph Ratzinger: „Je mehr wir Jesus lieben, je mehr wir ihn kennen, desto mehr wächst unsere wahre Freiheit, wächst unsere Freude darüber, erlöst zu sein. Danke, Jesus, für deine Freundschaft!“ (…)

Bei seiner ersten Generalaudienz sagte Benedikt: In der Freundschaft mit Christus „öffnen sich die Türen des Lebens. Erst in dieser Freundschaft gehen überhaupt die großen Möglichkeiten des Menschseins auf. Erst in dieser Freundschaft erfahren wir, was schön und was befreiend ist.“

Durch die freudige Erfahrung der Befreiung, die befreiende Erfahrung der Freude kann der Mensch in der Freundschaft die Fülle seiner Möglichkeiten erkennen. Wer sich ganz dem einen Freund widmet, wendet sich nicht von der Welt ab, er kehrt sich ihr erst zu. (…)

Die „Freundschaft mit Christus“ war seit seiner Priesterweihe Joseph Ratzingers Thema. „Ich nenne euch nicht mehr Knechte; vielmehr habe ich euch Freunde genannt“  –  dieser Satz aus dem Johannesevangelium war sein Losungswort. Er habe es als direkte, persönliche Ansprache Christi empfunden.

Was ihm diese Freundschaft bedeute, beschrieb der Papst am 60. Jahrestag seiner Priesterweihe:

Christus „gibt mir die fast erschreckende Vollmacht zu tun, was nur er, der Sohn Gottes, sagen und tun kann und darf: Ich vergebe dir deine Sünden. Er will, dass ich  –  von ihm bevollmächtigt  –  mit seinem Ich ein Wort sagen kann, das nicht nur Wort ist, sondern Handeln, das im Tiefsten des Seins etwas verändert.“

Diese Freundschaft ist eine tiefe und dauernde Verbindung; sie erfüllt sich im Handeln gegenüber der Gemeinde. Die Freundschaft stärkt den Freund, sie ermöglicht es ihm, seine Mitmenschen zu stärken.

Der Freund handelt im Namen seines Freundes Jesus Christus, der ihm vertraut.“

QUELLE und vollständiger Artikel hier: http://www.cicero.de/salon/benedikt-xvi-der-papst-der-freundschaft/53491/


Nordkorea: kommunistische Diktatur bedroht den Frieden nach innen und außen – Spitzenreiter der Christenverfolgung

Nordkoreas dritter Atomwaffentest vom 12. Februar bedroht aus Sicht der Vereinten Nationen den Weltfrieden. Sogar der bisherige Verbündete des kommunistisch regierten Landes, die Volksrepublik China, erklärte ihren „entschiedenen Widerstand“ gegen den Versuch.

Aber auch der innere Frieden in Nordkorea ist äußerst bedroht, weil der jetzige Diktator Kim Jong Un wie sein Vater Kim Jong Il (1941 – 2011) und sein Großvater Kim Il Sung (1912 – 1994) mit harter Hand gegen Dissidenten vorgeht. Das Regime ist weltweit Spitzenreiter in der Christenverfolgung.

Das Ausmaß der Brutalität haben jetzt zwei Christen geschildert, denen die Flucht aus dem Land gelungen ist. Menschenrechte existierten dort nicht; Religion sei verboten, erklärte ein 24 Jahre alter Nordkoreaner, der aus Sicherheitsgründen „Timotheus“ genannt wird, gegenüber dem US-Zweig des christlichen Hilfswerks „Open Doors“:

Er war vor neun Jahren geflohen. Kim Jong Un lasse sich als „Gott“ verehren, der keine anderen Götter neben sich dulde. Dies werde sich nicht ändern, bis das Regime zusammenbreche. Als Elfjähriger habe er mit ansehen müssen, so „Timotheus“, wie ein Christ öffentlich hingerichtet worden sei, weil er Bibeln im Dach seines Hauses versteckt hatte.

Im selben Jahr sei eine Christin erschossen worden. Sie hatte in China eine christliche Gemeinde besucht, doch ein nordkoreanischer Spion verriet sie. Sie wurde in ihre Heimat gebracht und dort hingerichtet.  –  Ein anderer Flüchtling, der als Joo-Eun bezeichnet wird, bestätigte die Berichte. Gottesdienste fänden in Nordkorea nur statt, wenn Ausländer zugegen seien.

Hunderttausende Christen im Untergrund

Für Jerry Dykstra, Sprecher von Open Doors in den USA, ist das nur die Spitze des Eisbergs. Nach Erkenntnissen seiner Organisation seien unter den insgesamt etwa 200.000 Gefangenen in nordkoreanischen Straflagern ca.  70.000 Christen, sagte er der Internetzeitung Christian Post.

Erst im Januar wurde ein Christ erschossen, als er die Grenze nach China überqueren wollte, um dort an einer Bibelschule zu studieren. Ein anderer war von einer solchen Schulung heimgekehrt; er wurde verhaftet und in ein Arbeitslager gesteckt. Dort sei er zu Tode gefoltert worden, so Open Doors.  Die Zahl der Christen in Nordkorea ist nicht bekannt, wird aber auf 100.000 bis 400.000 geschätzt.  

Quelle: http://www.idea.de


JUNGE FREIHEIT: „Das Kirchenvolk war Feuer und Flamme für den deutschen Papst“

In der nonkonformen, politisch unangepaßten Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT (JF) vom 12.2.2013  äußert sich JF-Redakteur Ronald Gläser unter dem Titel „Der letzte deutsche Papst“ sehr fundiert über Benedikt XVI. und seine Amtszeit.

Dies erscheint umso interessanter, als die JF keine Kirchenzeitung, kein katholisches Blatt ist. Wir zitieren hier die wichtigsten Auszüge aus dem nachdenkenswerten Beitrag:

„Benedikt hat, obwohl Intellektueller, ein großartiges Talent, Menschen für sich zu begeistern. Seine Predigt auf dem Marienfeld am Vorabend der Papstmesse zum Weltjugendtag 2005 war das größte und beeindruckendste Spektakel, das die Christenheit in Deutschland seit langem gesehen hat:

Wie ein Rockstar bewegte sich der damals 78jährige über die Bühne und wechselte dabei wie selbstverständlich vom Deutschen ins Englische, Französische, Spanische und Italienische. Und trotzdem konnte ihm jeder folgen. Es war, als wäre das babylonische Sprachgewirr durch die Anwesenheit des obersten Diener Gottes aufgelöst.   

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Der zweite herausragende Moment seines Pontifikats war seine Rede bei seinem letzten Deutschlandbesuch in Freiburg, wo er eine Entweltlichung der Kirche forderte. Kurz zuvor hatte er im Bundestag auch noch Augustinus zitiert: „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande.“

Mehr Provokation geht eigentlich nicht, aber das hat kaum einer gemerkt. Selbst die Abgeordneten der Grünen und der Linkspartei, die seinen Besuch eigentlich boykottieren wollten, drängelten sich später zu ihm hin, um sich mit ihm abzulichten.

Benedikt schwebt eine Kirche vor, in der es mehr um das Gebet und freiwilliges Miteinander geht, als um Kirchensteuern und Sendeplätze.

Die deutschen Miesepeter, die auf ihr Land spucken, sind unzufrieden. Egal, was Benedikt auch getan hätte, sie wären nie mit ihm und seiner Amtsführung zufrieden gewesen. (…) Benedikt XVI. konnte es ihnen einfach nicht recht machen. Das ist aber egal. Denn die Gutmenschen und Mißvergnügten spielen, wenn überhaupt, nur außerhalb der Kirche eine Rolle.

Das Kirchenvolk hingegen war Feuer und Flamme für den deutschen Papst. Das haben seine drei Besuche in der Heimat gezeigt. Unvergessen sind die „Be-ne-detto“-Rufe von einer halben Million Jungen und Mädchen beim Weltjugendtag in Köln. Benedikts Besuch in Bayern 2006 war nicht weniger spektakulär.

Und 2011 haben bei seiner Rundreise in Deutschland sogar im sozialistisch-atheistischen Berlin die Gläubigen Schlange gestanden, um seine Predigt im Olympiastadion zu hören.

Es gibt Unmut, daß Ratzinger vorzeitig aufgibt. Daß er sich davonschleicht, statt die Bürde des Amtes bis zum Ende seines Lebens auf sich zu nehmen. Ihnen sind zwei Dinge zu entgegnen: Zum einen ist die Führung der größten Glaubensgemeinschaft der Erde, das Schifflein Petri, wie Benedikt es in seiner Rücktrittserklärung verniedlichend nannte, zu wichtig, um sie jemandem zu überlassen, der sich selbst am Ende seiner Kräfte sieht. Vor allem dann, wenn es geeignete Nachfolger gibt.

Zum anderen hat Joseph Ratzinger Ruhe verdient. Und wenn es nur ein paar Monate sein sollten. Stellen wir ihn uns vor, wie er unweit seiner neuen Heimat in einem Vatikan-Kloster in einem Straßencafé in Rom sitzt und einen Schweinebraten ißt und dazu ein Weißbier trinkt. Eine Ruhepause nach einem Leben für Christus.“