Vollständiger Wortlaut: PREDIGT des Papstes zur Amtseinführung am 19. März 2013

„Hüten wir mit Liebe, was Gott uns geschenkt hat!“

Liebe Brüder und Schwestern!

Ich danke dem HERRN, dass ich diese heilige Messe zum feierlichen Beginn meines Petrusdienstes am Hochfest des heiligen Josef, des Bräutigams der Jungfrau Maria und Patrons der Weltkirche feiern kann: Es ist ein ganz bedeutungsreiches Zusammentreffen, und es ist auch der Namenstag meines verehrten Vorgängers  –  wir sind ihm nahe mit dem Gebet voller Liebe und Dankbarkeit.     papst_letzter_tag_01

Herzlich begrüße ich meine Mitbrüder, die Kardinäle und Bischöfe, die Priester, Diakone, Ordensleute und alle gläubigen Laien. Ich danke den Vertretern der anderen Kirchen und kirchlichen Gemeinschaften wie auch den Vertretern der jüdischen Gemeinde und anderer Religionsgemeinschaften für ihre Anwesenheit. Meinen herzlichen Gruß richte ich an die Staats- und Regierungschefs, an die offiziellen Delegationen vieler Länder der Welt und an das diplomatische Korps.

Wir haben im Evangelium gehört, dass Josef „tat, was der Engel des HERRN ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich“ (Mt 1,24). In diesen Worten ist schon die Aufgabe enthalten, die Gott dem Josef anvertraut, nämlich custos  –  Hüter  –  zu sein.

Der hl. Josef als Hüter der Kirche

Hüter von wem?  –  Von Maria und Jesus; aber es ist eine Obhut, die sich dann auf die Kirche ausweitet: Der selige Johannes Paul II. hat hervorgehoben, dass „der hl. Josef so, wie er für Maria liebevoll Sorge trug und sich voll Freude und Eifer der Erziehung Jesu Christi widmete, seinen mystischen Leib, die Kirche, deren Gestalt und Vorbild die heilige Jungfrau ist, hütet und beschützt“ (Apostolisches Schreiben Redemptoris Custos, 1).

Wie führt Josef diese Hüter-Tätigkeit aus?  –  Rücksichtsvoll, demütig, im Stillen, aber beständig gegenwärtig und in absoluter Treue, auch dann, wenn er nicht versteht. Von der Heimholung Marias bis zur Episode des zwölfjährigen Jesus im Tempel von Jerusalem begleitet er fürsorglich und liebevoll jeden Moment.

Er steht Maria, seiner Braut, in den unbeschwerten wie in den schwierigen Momenten des Lebens zur Seite, auf der Reise nach Bethlehem zur Volkszählung und in den bangen und frohen Stunden der Geburt; im dramatischen Moment der Flucht nach Ägypten und bei der sorgenvollen Suche des Sohnes, der im Tempel geblieben war; und dann im Alltag des Hauses in Nazaret, in der Werkstatt, wo er Jesus das Handwerk gelehrt hat.

Gott wünscht sich unsere Treue  

Wie lebt Josef seine Berufung als Hüter von Maria, Jesus und der Kirche?   –  In der ständigen Aufmerksamkeit gegenüber Gott, offen für dessen Zeichen, verfügbar für dessen Plan, dem er den eigenen unterordnet. Es ist das, was Gott von David verlangt, wie wir in der ersten Lesung gehört haben: Gott will nicht ein vom Menschen gebautes Haus, sondern er wünscht sich die Treue zu seinem Wort, zu seinem Plan. Und Gott selbst ist es dann, der das Haus baut, aber aus lebendigen, von seinem Geist gekennzeichneten Steinen. media-374638-2

Und Josef ist „Hüter“, weil er auf Gott zu hören versteht, sich von seinem Willen leiten lässt. Und gerade deshalb ist er noch einfühlsamer für die ihm anvertrauten Menschen, weiß mit Realismus die Ereignisse zu deuten, ist aufmerksam auf seine Umgebung und versteht die klügsten Entscheidungen zu treffen. An ihm sehen wir, liebe Freunde, wie man auf den Ruf Gottes antwortet: verfügbar und unverzüglich; aber wir sehen auch, welches die Mitte der christlichen Berufung ist: Christus! Hüten wir Christus in unserem Leben, um die anderen zu behüten, um die Schöpfung zu bewahren!

Die Berufung zum Hüten geht jedoch nicht nur uns Christen an; sie hat eine Dimension, die vorausgeht und die einfach menschlich ist, die alle betrifft. Sie besteht darin, die gesamte Schöpfung, die Schönheit der Schöpfung zu bewahren, wie uns im Buch Genesis gesagt wird und wie es uns der heilige Franziskus von Assisi gezeigt hat: Sie besteht darin, Achtung zu haben vor jedem Geschöpf Gottes und vor der Umwelt, in der wir leben.

Die Menschen zu hüten, sich um alle zu kümmern, um jeden Einzelnen, mit Liebe, besonders um die Kinder, die alten Menschen, um die, welche schwächer sind und oft in unserem Herzen an den Rand gedrängt werden. Sie besteht darin, in der Familie aufeinander zu achten: Die Eheleute behüten sich gegenseitig, als Eltern kümmern sie sich dann um die Kinder, und mit der Zeit werden auch die Kinder zu Hütern ihrer Eltern. Sie besteht darin, die Freundschaften in Aufrichtigkeit zu leben; sie sind ein Einander-Behüten in Vertrautheit, gegenseitiger Achtung und im Guten.

Seid Hüter der Gaben Gottes!

Im Grunde ist alles der Obhut des Menschen anvertraut, und das ist eine Verantwortung, die alle betrifft. Seid Hüter der Gaben Gottes!Und wenn der Mensch dieser Verantwortung nicht nachkommt, wenn wir uns nicht um die Schöpfung und um die Mitmenschen kümmern, dann gewinnt die Zerstörung Raum, und das Herz verdorrt. In jeder Epoche der Geschichte gibt es leider solche „Herodes“, die Pläne des Todes schmieden, das Gesicht des Menschen zerstören und entstellen.

Alle Verantwortungsträger auf wirtschaftlichem, politischem und sozialem Gebiet, alle Männer und Frauen guten Willens möchte ich herzlich bitten: Lasst uns „Hüter“ der Schöpfung, des in die Natur hineingelegten Planes Gottes sein, Hüter des anderen, der Umwelt; lassen wir nicht zu, dass Zeichen der Zerstörung und des Todes den Weg dieser unserer Welt begleiten! Doch um zu „behüten“, müssen wir auch auf uns selber Acht geben! Erinnern wir uns daran, dass Hass, Neid und Hochmut das Leben verunreinigen!

Hüten bedeutet also, über unsere Gefühle, über unser Herz zu wachen, denn von dort gehen unsere guten und bösen Absichten aus: die, welche aufbauen, und die, welche zerstören! Wir dürfen keine Angst haben vor der Güte, ja, nicht einmal vor der Zärtlichkeit!

Und hier füge ich noch eine letzte Anmerkung hinzu: Das sich Kümmern, das Hüten verlangt Güte, es verlangt, mit Zärtlichkeit gelebt zu werden. In den Evangelien erscheint Josef als ein starker, mutiger, arbeitsamer Mann, aber in seinem Innern zeigt sich eine große Zärtlichkeit, die nicht etwa die Tugend des Schwachen ist, nein, im Gegenteil: Sie deutet auf eine Seelenstärke hin und auf die Fähigkeit zu Aufmerksamkeit, zu Mitleid, zu wahrer Öffnung für den anderen, zu Liebe. Wir dürfen uns nicht fürchten vor Güte, vor Zärtlichkeit!

Heute feiern wir zusammen mit dem Fest des heiligen Josef die Amtseinführung des neuen Bischofs von Rom, des Nachfolgers Petri – ein Amt, das auch Macht beinhaltet. Gewiss, Jesus Christus hat Petrus Macht verliehen, aber um was für eine Macht handelt es sich? Auf die dreifache Frage Jesu an Petrus über die Liebe folgt die dreifache Aufforderung: Weide meine Lämmer, weide meine Schafe.

Vergessen wir nie, dass die wahre Macht der Dienst ist und dass auch der Papst, um seine Macht auszuüben, immer mehr in jenen Dienst eintreten muss, der seinen leuchtenden Höhepunkt am Kreuz hat; dass er auf den demütigen, konkreten, von Glauben erfüllten Dienst des heiligen Josef schauen und wie er die Arme ausbreiten muss, um das ganze Volk Gottes zu hüten und mit Liebe und Zärtlichkeit die gesamte Menschheit anzunehmen, besonders die Ärmsten, die Schwächsten, die Geringsten, diejenigen, die Matthäus im Letzten Gericht über die Liebe beschreibt: die Hungernden, die Durstigen, die Fremden, die Nackten, die Kranken, die Gefangenen (vgl. Mt 25, 31-46).

Nur wer mit Liebe dient, weiß zu behüten!

In der zweiten Lesung spricht der heilige Paulus von Abraham, der „gegen alle Hoffnung … voll Hoffnung geglaubt“ hat (Röm 4,18). Gegen alle Hoffnung voll Hoffnung! Auch heute, angesichts so vieler Wegstrecken mit grauem Himmel, haben wir es nötig, das Licht der Hoffnung zu sehen, selber Hoffnung zu geben.

Die Schöpfung zu bewahren, jeden Mann und jede Frau zu behüten mit einem Blick voller Zärtlichkeit und Liebe, bedeutet, den Horizont der Hoffnung zu öffnen, bedeutet, all die Wolken aufzureißen für einen Lichtstrahl, bedeutet, die Wärme der Hoffnung zu bringen! Und für den Glaubenden, für uns Christen  –  wie schon für Abraham und für den heiligen Josef  –  hat die Hoffnung, die wir bringen, den Horizont Gottes, der uns in Christus aufgetan ist; ist die Hoffnung auf den Felsen gegründet, der Gott ist.

Jesus mit Maria zu behüten, die gesamte Schöpfung zu behüten, jeden Menschen zu behüten, besonders den Ärmsten, uns selber zu behüten: das ist ein Dienst, den zu erfüllen der Bischof von Rom berufen ist, zu dem wir aber alle berufen sind, um den Stern der Hoffnung leuchten zu lassen:

Hüten wir mit Liebe, was Gott uns geschenkt hat!Ich bitte um die Fürsprache der Jungfrau Maria, des heiligen Josef, der heiligen Petrus und Paulus, des heiligen Franziskus, dass der Heilige Geist meinen Dienst begleite, und zu euch allen sage ich: Betet für mich! Amen.

Quelle: Radio Vatikan


Glaubensleben im Verborgenen: In der Türkei gibt es weitaus mehr Christen als gedacht

In den Jahrhunderten unter den osmanischen Sultanen hatten immer wieder generell diskrimierte, oft auch verfolgte Christen äusserlich den Islam angenommen, Christus aber im Verborgenen die Treue bewahrt. So entgingen sie dann den Massakern an Armeniern, Syrisch- und Griechisch-Orthodoxen im Ersten Weltkrieg.

Auch bei der allgemeinen Vertreibung von über zwei Millionen Christen durch Atatürk vor genau 90 Jahren 1922/23 blieben sie als vermeintliche Muslime ausgenommen. Damals schlossen sich ihnen auch nicht wenige bis dahin als solche deklarierte Christen an, um im religiösen Untergrund in der angestammten Heimat bleiben zu dürfen.  borMedia1742201

Die Existenz dieser Geheimchristen blieb bis heute ein offenes Geheimnis. Von türkischer Seite wurde es totgeschwiegen. Erst in den letzten Tagen haben zwei freisinnige Zeitungen den Bann gebrochen: Am meisten Aufsehen erregt ein Artikel des «Radikal» mit dem Titel «In der Türkei leben Hunderttausende geheime armenische Christen».

Nach Umfragen der Zeitung finden sich diese besonders in der Osttürkei. Dort hatten bis zum «Abtransport» auf Todesmärsche in Vernichtungslager am Euphrat 1915/16 überwiegend christliche Armenier, Aramäer und Schwarzmeergriechen gelebt. Der christlich-armenische Untergrund von heute findet sich in Amasya, Diyarbakir, Batman, Tunceli und Mus, aber auch mitten in Istanbul.

Gezielt mit den griechisch-orthodoxen Geheimchristen beschäftigt sich die türkische Journalistin Yasemin Güc im «Ekspres» in der Reportage «Tausende Christenfamilien leben im Verborgenen».

Es ist überhaupt bezeichnend, dass es in den Medien der Türkei fast nur Frauen sind, die sich der Christen annehmen.  Yasemin Güc hat orthodoxe Geheimchristen in allen früher von Griechen bewohnten Gegenden an den türkischen Küsten sowie in Kappadokien gefunden. In vielen dieser Familien bezeichnen sich nur die Männer als Muslime, während Mädchen und Frauen offen als Christinnen praktizieren.

Autor: Heinz Gstrein   –   Quelle: Livenet/www.jesus.ch

Der Protestantismus und die Frage nach Ritualen, Symbolen und feierlicher Liturgie

Meldung der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA:

Die Wahl eines neuen Papstes war tagelang das Top-Ereignis in den säkularen Medien. Hunderte Millionen Menschen in aller Welt verfolgten die Berichterstattung über das Konklave. Journalisten zufolge liegt das gewaltige Interesse auch an der Faszination der alten Rituale.

Großereignisse in den evangelischen Kirchen stoßen dagegen auf weit weniger Aufmerksamkeit. Es stellt sich die Frage: Ist der Protestantismus zu nüchtern? Dazu nehmen zwei Theologen in der Rubrik „Pro & Kontra“ des Wochenmagazins „idea-Spektrum“ Stellung.

PRO: Für festliche Gottesdienste 

Der Älteste (Leiter) der evangelischen Michaelsbruderschaft, Pfarrer Frank Lilie, bejaht die Frage. Er bezieht sich auf den Gottesdienst. In ihm schenke sich Christus „uns in Wort und Sakrament und wir schenken uns ihm“

Foto: KOMM-MIT-Verlag

Foto: KOMM-MIT-Verlag

Die für den Gottesdienst gewählten Formen müssten dazu passen: „Sie sollten festlich sein, keine Wiederholung der Alltäglichkeit. Der Alltag gewinnt vom Fest aus seine Bedeutung, nicht umgekehrt. Die Woche lebt vom Sonntag her, das Jahr von Ostern.“ 

Die Sorge mancher Christen vor der ablenkenden Macht der Formen sei freilich begründet, wo die Verpackung wichtiger als der Inhalt zu sein scheine: „Sind Formen aber eine Hilfe für die Erfahrung der Gegenwart Christi und leben von innen heraus, dürfen sie bunt, schön und vielgestaltig sein, festlich eben – wie es ja in den Kirchen der Welt auch geübt wird.“   –   Und dies brauche zwischen den Konfessionen nicht zu trennen.

KONTRA: Katholiken nicht nachahmen

Der ev. Theologe Prof. Rolf Wischnath aus Gütersloh mahnt dagegen zu mehr Nüchternheit. Der Respekt vor den Katholiken sollte Protestanten nicht zur Nachahmung veranlassen: „Den Wettbewerb um die Buntheit der Amtstrachten verlieren wir ohnehin.“

Protestanten seien zur Konzentration gerufen, nicht zur zeremoniellen Üppigkeit: „Sie sollen das Licht des Glaubens und der Liebe leuchten lassen, nicht Kerzen hin und her tragen.“  –  Ihre Aufgabe sei es, „das Wort zu sagen, das zuchtvolle Gebet zu sprechen und die beiden  –  und nicht mehr!  –  Sakramente Taufe und Abendmahl zu ehren“. Im Gottesdienst sei „innere Sammlung nötig, nicht beflissene Aufmerksamkeit auf Gewänder und Gesten“.

Wischnath plädiert dafür, den schwarzen Talar beizubehalten. Er verdeutliche, dass es in der Verkündigung keine Rangunterschiede gebe, und er erspare Pastor und Gemeinde die Kleiderfrage: „Der Talar ist das Logo des evangelischen Predigers.“  


Sorge um Ehe und Familie – Erklärung der Jahresversammlung des Forums Deutscher Katholiken

Von Prof. Dr. Hubert Gindert

Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete des Deutschen Bundestages,

mit größter Sorge beobachten wir, wie mit politischer und medialer Propaganda versucht wird, bedeutsame Teile der Verfassung der Bundesrepublik auszuhebeln.

Ist das verfassungsmäßig garantierte umfassende Recht auf Leben faktisch durch straffreie Abtreibung schon abgeschafft, so wird durch eine Privilegierung von Homopartnerschaften der besondere Schutz der Ehe und Familie beseitigt.

Wir verlangen von unseren Abgeordneten Treue zum Grundgesetz und Einhaltung der Menschenrechte.

Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland:

Art. 6 GG
(1) Ehe und Familie stehen unter dem besonderen Schutz der staatlichen Ordnung.
(2) Pflege und Erziehung der Kinder sind das natürliche Recht der Eltern und
die zuvörderst ihnen obliegende Pflicht. Über ihre Betätigung wacht die staatliche Gemeinschaft.

Allgemeine Erklärung der Menschenrechte:

Artikel 16
(1) Heiratsfähige Männer und Frauen haben ohne jede Beschränkung auf Grund der Rasse, der Staatsangehörigkeit oder der Religion das Recht, zu heiraten und eine Familie zu gründen.
Sie haben bei der Eheschließung, während der Ehe und bei deren Auflösung gleiche Rechte.
(3) Die Familie ist die natürliche Grundeinheit der Gesellschaft und hat Anspruch auf Schutz durch Gesellschaft und Staat.

Prof. Dr. Hubert Gindert, Forum Deutscher Katholiken


Starker Kontrast zwischen der Medienberichterstattung in Deutschland und dem Glaubensleben in der katholischen Kirche

Mathias von Gersdorff

Seit mehreren Wochen ereifern sich unzählige Zeitungen, dem deutschen Publikum zu erklären, wie es innerhalb der katholischen Kirche aussieht und welche Reformen dringend notwendig sind.   

M. von Gersdorff

M. von Gersdorff

Es ist schon erstaunlich, welche Mühe sich dabei manche Journalisten geben, die wahrscheinlich der Meinung sind, die katholische Kirche sollte gar nicht existieren. Trotzdem tun sie so, als ob sie genau wissen würden, wie es innerhalb der Kirche aussieht, welche die wichtigsten Probleme sind und wie man sie aus der Welt schaffen kann.  

Für einen praktizierenden Katholiken wirkt die große Mehrheit dieser Texte seltsam unwirklich, als ob sie in einer Parallelwelt verfaßt worden wären. Viele Zeitungen sind durchaus in der Lage, viele Detailinformationen über Geschichte, Traditionen und Gebräuche der katholischen Kirche abzudrucken, doch irgendwie treffen sie nicht den Kern des betrachteten Objekts.

Die meisten Redakteure in den deutschen Tageszeitungen erfassen offenbar das Wesen der Kirche nicht und beschreiben sie, als ob sie von einem Verein oder eine politische Partei sprechen würden. Dementsprechend klingen die Forderungen nach Reformen, die tausendfach jeden Tag reproduziert werden: Zölibat abschaffen, Sexualmoral lockern, Haltung gegenüber Abtreibung und Homosexualität ändern und so weiter. Selbst in einigen sogenannten „Qualitätszeitungen“ sind die Kommentare über Kirche und Papst längst zu Formeln verkommen, die man ohne Reflexion wiederholt.

Wer von der katholischen Kirche nichts weiß, bekommt auf diese Weise eine Vorstellung des Lebens der Kirche, die zwar mit den Wünschen mancher Minderheiten, wie etwa „Wir sind Kirche“ (die auch nur dank der Medien überhaupt wahrgenommen werden) was Gemeinsames hat, doch nicht mit dem sich Tag für Tag real abspielenden Leben.

Kirchlicher Alltag in der Finanzmetropole FFM

Wie ist der Alltag beispielsweise in einer Finanzmetropole wie Frankfurt am Main? Die am meisten besuchte Kirche Frankfurts ist die Liebfrauenkirche, die gleichzeitig Klosterkirche der Kapuzinermönche ist. Werktags gibt es dort Heilige Messen um 7, um 10 und um 18 Uhr.  Außerdem ist sie die Beichtkirche Frankfurts, denn täglich sitzt ein Kapuzinerpater dort am Vormittag und am Nachmittag im Beichtstuhl. Aus diesen Gründen ist die Kirche nie menschenleer. 

Dr. Bernd F. Pelz

Dr. Bernd F. Pelz

Im Klosterhof befindet sich eine Statue der Madonna von Lourdes, die unbeschadet den Luftangriff auf Frankfurt im Zweiten Weltkrieg überstanden hat. Viele Menschen beten vor dieser Statue der Muttergottes. Hunderte von Kerzen werden täglich vor ihr angezündet  –  an wichtigen Marienfesten wie „Maria Verkündigung“ oder „Maria Himmelfahrt“ brennen sogar Tausende.

Wenige Meter von dieser Statue entfernt ist der Eingang zu einer Kapelle mit dem ausgesetzten Allerheiligsten, die von 6 bis 22 Uhr offen ist. Immer sind zu diesen Stunden Beter dort anzutreffen.

Ich erwähne hier bewußt Frankfurt, also eine Stadt, die nicht für ihre herausragende Frömmigkeit bekannt ist. Doch selbst in der Bankenstadt gibt es Orte in denen eine intensive und ernsthafte Religiosität gelebt wird. Wieviel mehr in Wallfahrtsorten wie Kevelaer, Walldürn oder Altötting! Oder in Innenstadtkirchen von Städten wie München.

Nun, die Menschen, die in den Orten des Gebets jeden Tag anzutreffen sind, tauchen als Einflußfaktor in den Analysen und Kritiken der deutschen Tageszeitungen so gut wie nie auf. Sie scheinen schlichtweg für die Journalisten nicht zu existieren oder sie meinen, man bräuchte sie nicht zu beachten, da sie außerhalb unserer Zeit leben.

Arroganz der meisten Journalisten

Durch diese eingrenzende Arroganz sind aber die meisten Journalisten nicht in der Lage, gewisse Vorgänge und Einflußfaktoren innerhalb der Kirche zu verstehen.

Die Menschen die Tag für Tag in die Kirche gehen, um dort die Heilige Messe zu besuchen oder und den Rosenkranz zu beten, tragen maßgeblich zur inneren Stimmung – man könnte auch sagen, zum Geist der Kirche   –  bei und sind so ein gewaltiger Fels gegen die Verweltlichung der Kirche.

Diese Menschen bilden mit ihrem Glauben und ihrer Ausdauer eine wahre Macht, die kein Pfarrer oder Bischof ignorieren darf, will er sein Territorium nicht einer Zerreißprobe unterziehen. Diese Menschen denken nicht an die Abschaffung des Zölibats oder der Duldung homosexueller Partnerschaften, sondern sie sind auf der Suche nach dem Sakralen, nach Heil und Trost für ihre Seelen und gehen in die Kirche, um eben Gott dort zu begegnen. Diese Realität, die ein Gläubiger problemlos spürt, geht viele Journalisten völlig ab und so wirken ihre Texte seltsam blutleer.

Provinzielle Berichterstattung

Doch ich möchte noch einen anderen Punkt anführen: Die Berichterstattung in Deutschland über die katholische Kirche geht nicht nur an der Sache vorbei, sie ist oft auch hoffnungslos provinziell.

Was in hiesigen Zeitungskommentaren in penetranter Form gefordert wird, entstammt einer ausschließlich deutschen Sicht der Dinge. Insbesondere die Journalisten und Kommentatoren linksliberaler Zeitungen nehmen überhaupt nicht zur Kenntnis, daß die katholische Kirche eine Weltkirche mit 1,2 Milliarden Mitgliedern ist. Sie scheinen tatsächlich der Meinung zu sein, die katholische Kirche müsse sich ihren Vorstellungen anpassen.

Foto von Jorge V. Saidl

Foto von Jorge V. Saidl

Die permanente deutsche Nörgelei geht aber den Afrikanern und Lateinamerikanern schlichtweg auf den Keks. Selbst politisch linksgerichtete Katholiken in Lateinamerika empörten sich in den vergangenen Jahren immer wieder über die unverschämte Art und Weise, wie in Deutschland gegen den deutschen Papst Benedikt XVI. gehetzt wurde.

Viele in den Medien scheinen noch gar nicht realisiert zu haben, daß die deutsche Kirche und vor allem die deutschen Theologen im Ausland kaum noch Einfluß haben. Dennoch tun viele hierzulande so, als müßten sie die Kirche reformieren, wenn nicht gar retten. Man darf sich von dieser Berichterstattung nicht beeinflussen lassen. 

Vergangene Woche betreute ich einen Stand mit katholischen Schriften auf der Buchmesse in Leipzig, also kein besonders katholisches Umfeld. Das Interesse war trotzdem erstaunlich hoch, insbesondere für einfache Glaubensbücher und Gebete. Während der vier Tage hatte ich sehr viele Gespräche. In keinem einzigen ging es um die von den Medien favorisierten Themen. Das gibt Hoffnung.

Erstveröffentlichung dieses Beitrags in der Online-Ausgabe der Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT

 FOTO unten von Jorge V. Saidl

 


Erfreuliches Schulprojekt der Lenz-Stiftung: „Vom Reichtum der deutschen Sprache“

Schon seit einiger Zeit läuft ein Projekt in etlichen Schulen Deutschlands, das sich speziell dem Reichtum der deutschen Sprache widmet und hierbei vor allem jene Begriffe wieder bekanntmachen möchte, die mittlerweile in Vergessenheit geraten sind.

Mit großer Begeisterung haben sich Schüler diverser Internate und Gymnasien an dieser Initiative beteiligt und mehrere Bände „Das vergessene Wort“ herausgebracht.

Am 22.11.2012 wurde der sechste Band „Das vergessene Wort VI – Vom Reichtum der Deutschen Sprache“ bei einer Feierstunde im Pädagogium Bad Sachsa  – einem Internet in freier Trägerschaft  –  der Öffentlichkeit vorgestellt.

Die Hans-Joachim-Lenz-Stiftung schildert hier Ablauf, Inhalt und Ergebnis dieses Projektes, an dem zuletzt 13 Jugendliche über ein halbes Jahr mitgearbeitet habenCover-5431d517:

„Unbekannte, nicht mehr beachtete, noch nie gehörte, Aufsehen erregende, poetische Worte aus Texten deutschsprachiger Dichter und Denker heraufzuholen, dieser Aufgabe haben sich seit dem Jahr 2005 sprachbegeisterte Gymnasiasten außerhalb ihres Schulalltags gewidmet.

Dabei gilt es, die Sprache ganz nah an sich heranzuholen: eine reine Sprache als Garant für Kultur und Formen des Umgangs, eine hohe Sprache, die uns das Tor öffnet für die Schönheit menschlichen Ausdrucks, eine wissende Sprache, die ihre Herkunft kennt und uns zu Wissenden macht um das WORT, den Anfang von allem.

Mit diesem Editionsband dokumentiert die Lenz-Stiftung bereits das neunte Sprachprojekt „Das vergessene Wort“, das  –  nach Darmstadt, Weinheim, Oppenheim, Heidelberg, Weimar, Aschaffenburg, Marburg und Bad Hornburg  –  diesmal in Bad Sachsa durchgeführt wurde.

Die Beiträge der 13 Schülerinnen und Schüler vom dortigen Pädagogium lassen den Reichtum der Einsichten und Erfahrungen erkennen, die die Jugendlichen bei der Beschäftigung mit ihrer Muttersprache gewonnen haben.“

Quelle: http://www.internats-gymnasium.de/aktuelles-detail/items/130.html

Foto: Dr.-Hans-Joachim-Lenz-Stiftung


Evangelium zum heutigen Festtag des heiligen Josef

Aus der heutigen liturgischen Lesung der kath. Kirche:  Matthäus 1,16.18-21.24a:

Jakob war der Vater von Josef, dem Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, welcher der Christus (Messias) genannt wird.

Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, daß sie ein Kind erwartete  –  durch das Wirken des Heiligen Geistes.

Foto: Paul Badde

Foto: Paul Badde

Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloß, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des HERRN im Traum und sagte:

„Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.“

Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des HERRN ihm befohlen hatte und nahm seine Frau zu sich.

Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloß, sich in aller Stille von ihr zu trennen. Während er noch darüber nachdachte, erschien ihm ein Engel des HERRN im Traum und sagte:

„Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist. Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.“

Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des HERRN ihm befohlen hatte und nahm seine Frau zu sich.