Der Protestantismus und die Frage nach Ritualen, Symbolen und feierlicher Liturgie

Meldung der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA:

Die Wahl eines neuen Papstes war tagelang das Top-Ereignis in den säkularen Medien. Hunderte Millionen Menschen in aller Welt verfolgten die Berichterstattung über das Konklave. Journalisten zufolge liegt das gewaltige Interesse auch an der Faszination der alten Rituale.

Großereignisse in den evangelischen Kirchen stoßen dagegen auf weit weniger Aufmerksamkeit. Es stellt sich die Frage: Ist der Protestantismus zu nüchtern? Dazu nehmen zwei Theologen in der Rubrik „Pro & Kontra“ des Wochenmagazins „idea-Spektrum“ Stellung.

PRO: Für festliche Gottesdienste 

Der Älteste (Leiter) der evangelischen Michaelsbruderschaft, Pfarrer Frank Lilie, bejaht die Frage. Er bezieht sich auf den Gottesdienst. In ihm schenke sich Christus „uns in Wort und Sakrament und wir schenken uns ihm“

Foto: KOMM-MIT-Verlag

Foto: KOMM-MIT-Verlag

Die für den Gottesdienst gewählten Formen müssten dazu passen: „Sie sollten festlich sein, keine Wiederholung der Alltäglichkeit. Der Alltag gewinnt vom Fest aus seine Bedeutung, nicht umgekehrt. Die Woche lebt vom Sonntag her, das Jahr von Ostern.“ 

Die Sorge mancher Christen vor der ablenkenden Macht der Formen sei freilich begründet, wo die Verpackung wichtiger als der Inhalt zu sein scheine: „Sind Formen aber eine Hilfe für die Erfahrung der Gegenwart Christi und leben von innen heraus, dürfen sie bunt, schön und vielgestaltig sein, festlich eben – wie es ja in den Kirchen der Welt auch geübt wird.“   –   Und dies brauche zwischen den Konfessionen nicht zu trennen.

KONTRA: Katholiken nicht nachahmen

Der ev. Theologe Prof. Rolf Wischnath aus Gütersloh mahnt dagegen zu mehr Nüchternheit. Der Respekt vor den Katholiken sollte Protestanten nicht zur Nachahmung veranlassen: „Den Wettbewerb um die Buntheit der Amtstrachten verlieren wir ohnehin.“

Protestanten seien zur Konzentration gerufen, nicht zur zeremoniellen Üppigkeit: „Sie sollen das Licht des Glaubens und der Liebe leuchten lassen, nicht Kerzen hin und her tragen.“  –  Ihre Aufgabe sei es, „das Wort zu sagen, das zuchtvolle Gebet zu sprechen und die beiden  –  und nicht mehr!  –  Sakramente Taufe und Abendmahl zu ehren“. Im Gottesdienst sei „innere Sammlung nötig, nicht beflissene Aufmerksamkeit auf Gewänder und Gesten“.

Wischnath plädiert dafür, den schwarzen Talar beizubehalten. Er verdeutliche, dass es in der Verkündigung keine Rangunterschiede gebe, und er erspare Pastor und Gemeinde die Kleiderfrage: „Der Talar ist das Logo des evangelischen Predigers.“  


4 Kommentare on “Der Protestantismus und die Frage nach Ritualen, Symbolen und feierlicher Liturgie”

  1. Holger Jahndel sagt:

    Der Theologe und Journalist und Philosoph David Berge mit seinem Weblog „Philosophia Perennis“

    https://philosophia-perennis.com/

    Warum es in der neuen Völkerwanderung die Ideen der „Philosophia Perennis“ braucht

    https://philosophia-perennis.com/2017/11/12/philosophia-perennis/

    Beile Ratut hinterfragt in einem Essay das „westliche Denken“ der Kirchen
    Von
    PP-Redaktion –
    20. März 20190

    Die deutsch schreibende Finnin Beile Ratut, für Matthias Matussek die „wahrscheinlich … unterschätzteste Autorin des gegenwärtigen Literaturbetriebs“, rechnet in ihrem Essay „Das Fanal des Ego auf den Stufen zur Kirche“ knallhart und eloquent mit dem Denken der Kirchen der westlichen Welt ab. Ein Gastbeitrag von Rainer Buck

    https://philosophia-perennis.com/2019/03/20/beile-ratut-hinterfragt-in-einem-essay-das-westliche-denken-der-kirchen/

    https://philosophia-perennis.com/

    Die ersten Christen kannten kein Sola Scriptura

    https://www.katholisch.com/die-ersten-christen-kannten-kein-sola-scriptura/

    Katholische Fragen und Antworten

    https://www.katholisch.com/

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  2. Wattwunder sagt:

    Hucky, Dein strahlender Kommentar weist einige gravierende Irrtümer auf. Vor allem den, dass die Heilige Schrift – Gottes Wort – uns sieben Sakramente verordnet habe. Minichten, alle Sakramente sind Erfindungen der Kirchen! Über die Taufe sollten die Christen mal intensiv anhand des Wortes Gottes nachsinnen. Johannes hat den alten Reinigungsritus der Juden als zeichenhafte Bußhandlung genutzt, dabei aber auf Christus als den, der mit Feuer und Heiligem Geist taufen werde, hingewiesen. Bis heute aber wird immer noch in den großen Kirchen die Johannestaufe praktiziert. Darüber hinaus fordert uns Jesus im NT auf zu predigen und nicht mystische Events abzuhalten, denn Paulus betont: Der Glaube kommt aus der Predigt, wenn die Predigt aus dem Wort Gottes kommt. Gottes Kind wird man ja nicht durch Taufe, Firmung oder wasauch für feierliche Riten, sondern indem man Christus als seinen Erlöser in sein Leben aufnimmt (Joh. 1). Seit einiger Zeit versuchen manche ev. Kirchengemeinden mit tollen Events die leeren Kirchen zu füllen. Vergeblich! Je klarer das Wort Christi in die Herzen der Menschen gepredigt wird, um so intensiver wächst der Glaube. Und das entspricht dem Willen unseres Heilands.

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    • Guten Tag,
      Sie haben zwar teilweise recht, bringen aber dennoch einiges durcheinander. Zunächst einmal heißt das Pauluswort „Der Glaube kommt vom Hören“ (und nicht „aus der Predigt“, das ist eine Falschübersetzung Luthers). Sodann schließen sich innere Gläubigkeit und äußere Riten nicht aus, sondern ergänzen sich und befruchten sich gegenseitig. Alle sieben Sakramente der katholischen Kirche sind biblisch begründet und apostolischen Ursprungs, ob Sie das einsehen oder nicht; es gab sie alle schon in der Urkirche.
      Freundliche Grüße!
      Felizitas Küble

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  3. hucky sagt:

    Vollendete Dummheit

    Der ev. Theologe Prof. Rolf Wischnath aus Gütersloh meint zum Gedankenaustausch über die feierliche Liturgie, die evangelische Kirche würde den Wettbewerb um die Amstrachten verlieren, es reiche der schwarze Talar, das Wort, das zuchtvolle Gebet und die Sakramente
    Taufe und Abendmahl zu ehren.

    Falsch, gottenfalsch.

    Der evangelische Glaube ist eine von menschengeamchte Religion bei der der Pfarrer mit seinem schwarzen Talar im Mittelpunkt steht und nicht Gott. Der schwarze Talar ist eigentlich ausschließlich Richtern und den vor Gericht bestellten Anwälten vorbehalten.

    Die evengelische Kirche hat nichts zu richten. Lukas 6 Vers 37

    Das Hauptaugenmerk der evangelsichen Gottesdients wird auf die „Predigt“ gelegt. Etwas wobei man in aller Seelen Ruhe einnicken kann, denn es steht von vornherein fest, das man es sicher nicht so einhalten kann und/oder das Gesagte ist unrealistisch und/oder der Pfarrer hält sich ohnehin nicht dran. Denn der Mensch ist nun mal unvollkommen.

    Und wegen der Unvollkommenheit hat die Kirchengeschichte erstaunliches zutage gebracht, die orthodoxe wie die katholische, nämlich die Mystik und die FEIER der Sakramente. Wenn der Herr Wischnath meint die Evangelikalen hätten nur die Sakramente Taufe und Abendmahl zu ehren, wenn er das wirklich so gesagt hat, so vergißt er das die heilige Schrift ganze 7 Sakramente vorgesehen hat, einmal abgesehen davon das 7 eine heilige Zahl ist.

    1. Taufe – „Sakrament der Wiedergeburt“
    2. Firmung – „Sakrament der Versiegelung, der Reife und Mannbarkeit“
    3. Agendmahl – „Sakrament der Vereinigung mit Christus“
    4. Buße (Beichte) – „Sakrament zur Vergebung der Sünden“
    5. Ölung – „Sakrament zur Aufrichtung und Stärkung der Seele“
    6. Priesterweihe – „Sakrament zur Weiterführung des Priester- und Mittleramtes Christi“
    7. Ehe – „Sakrament zur Mehrung des Gottesvolkes“

    Und wegen der Unvollkommenheit des Menschen und weil er eben nicht nur mit dem Verstand oder dem gefährlichen Rationalismus daherkommen soll, hat die katholische Liturgie in ihrem Mittelpunkt die Verehrung des Allerheiligsten auch Tabernakel genannt, in Form des Abendmahls (was mit dem schrecklich klingenden Wort Eucharistie bezeichnet wird, was leider sehr stark an Euthansie erinnert). Darum halte ich es als theologischer Laie mit dem Abendmahl. Dieses Abendmahl wird jedoch in den evangelischen Gottesdiensten nur sehr selten gehalten. (meist einmal im Monat, stehend wohlgemerkt)

    Der reine Verstand und die Ratio des Menschen ist so dumm, das ihm die Kreativität, die Fähigkeit zum Erkennen mystischer Dinge und die Fähgikeit zum Erklären der elementaren Dinge wie Schwingung, Gravitation und Elektkrizität fehlt. Er weiß zwar das es diese Dinge gibt, kann sie aber nicht erklären. Folglich fehlt der Ratio auch das Verständnis für die nicht sichtbaren Dinge ( wie Goethe sich im Faust ausgedrückt hat ), den ich zum Glück nicht gelesen jedoch verstanden habe, weil diejenigen die Goethe kennen und gelesen haben meistens diejenigen sind die ihn nicht verstehen oder verstehen wollen oder können.

    Die mystische Feier in den abendländischen katholisch, apostolisch, orthodoxen Kirchen ist der eigentliche Schlüssel zum Verständnis des Glaubens, der ALLE UNSERE SINNE, auch den Spieltrieb, die Farbenvielfalt UND den Geruchssinn anspricht. Neben den oben genannten vortrefflichen Argumenten für die Vielfalt der Lithurgie gibt es nämlich auch noch den Gebrauch des Weihrauchs, der in der evangelischen Kirche fast völlig fehlt.

    Woher ich das weiß ? Ich bin eangelisch erzogen worden und habe 18 Jahre meines Lebens den evangelischen Glauben, den Wechsel von Pfarrern und das Gespräch darüber ebenso kennen gelernt wie die geistige und geistliche Leere in den Gottesdiensten ausser zu Weihnachten und Ostern, ohne das ich dieses zum damaligen Zeitpunkt hätte jedoch in angemessene Worte fassen können.

    Der evangelische Glaube ist nur zu einem gut: den jetzigen Papst nicht zu akzeptieren, aber auch daran wird die evangelische Kirche vollends scheitern, denn sie wird sich willentlich, freudestrahlend, mit wehenden Fahnen über den Tisch ziehen lassen.

    Viele liebe Grüße sendet

    Hucky

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