BUCH-Kritik: Das Jubelbuch über „Fra Elia“ ist keineswegs christlich, sondern esoterisch

Das Buch erhielt ich geschenkt und habe es gelesen. Gekauft hätte ich es mir wohl nicht  –  aufgrund der schlechten Erfahrungen mit der Übersetzerin (siehe hier).

Gelesen hatte ich schon öfters von „Fra Eilia“, und da ich oft Mittelitalien bereist habe, interessierte mich auch seine Person. Leider wird schon bei den ersten Blicken auf und in das Buch die Lesefreude getrübt: 41FfE8ANepL._SL500_AA300_

Eigentlich sollte ja der Text auf einer Buchrückseite besonders sorgfältig überprüft werden, da dieser Personen, die es in die Hand nehmen, zum Kauf und Lesen bewegen soll; insofern verwundert es, dass sich da der Verlag einen groben Druckfehler leistet: es kommen „Angrenzungen“ zu Wort  – vermutlich sind Augenzeugen gemeint?

Dem Inhaltsverzeichnis folgt der Faksimile-Abdruck eines Briefes von Bischof Hnilica, den ich persönlich gekannt hatte. Dieser schien nur oberflächlich über „Fra Elia“ informiert zu sein  –  so nennt er ihn Diakon (wenn auch in Klammern gesetzt)  –  obwohl dieser kein Diakon ist.

Noch eigenartiger, dass die Übersetzerin nicht in der Lage ist, die Berufsbezeichnung des Bischofs zu übersetzen  –  und diese noch nicht einmal richtig im italienischen Original abschreiben kann, da sie gleich zwei Fehler dabei macht  –  oder eben der Verlag.

Auch im weiteren Text des Buches wird immer wieder offenbar, dass entweder die Autorin oder die Übersetzerin (oder beide) nicht genügend mit der katholischen Kirche vertraut sind, um Begriffe richtig wieder zu geben bzw. zu übersetzen (mir liegt das italienische Original nicht vor, so dass ich nicht sagen kann, ob die Fehler bereits darin enthalten sind).

Während einerseits also Mängel bezüglich der katholischen Beheimatung sich im Buch immer wieder durch ungenaue oder falsche Bezeichnungen kund tun  –  offenbart sich um so mehr eine Verwurzelung in der Esoterik.

Fra Elia unternimmt „Astralreisen“…

Außergewöhnliche Phänomene bei „Fra Elia“ werden mit esoterischen Begriffen vorgestellt und erläutert: er übt „Pranatherapie“ aus, unternimmt „Astralreisen“ (wobei bei seinen „Landungen“ für Beobachter „blaue Flammen“ sichtbar werden), fährt in die Körper anderer Personen, wird beim Erleben der Passion Jesu „mit Energie aufgeladen“, Personen in seiner Nähe erfahren eine „Bewusstseinserweiterung“ und „Energieströme“…

Auch die Abfassung des Buches mutet esoterisch an, wenn die Autorin erklärt, da sie manches „wie im Diktat“ nieder geschrieben habe. Da sie mit „Fra Elia“ die einzelnen Passagen immer wieder abgestimmt hat und diese seine Gutheißung erhalten haben, sind solche Begriffe also nicht nur der esoterischen Praxis der Autorin zuzuschreiben.

Für sie ist „Fra Elia“ ein „Mittler“ (für Katholiken / Christen ist dies ausschließlich Jesus Christus – die Kirche kennt zwar einen ähnlichen Titel für die Gottesmutter Maria, scheut sich aber bis heute, das zum Dogma zu erklären) und „Meister“  – wie eben für Esoteriker so mancher „Guru“. Die Autorin gibt auch kund, dass ihre esoterischen Freunde mit ihm „auf einer Wellenlänge“ wären.

Während in der Katholischen Kirche das Sakrament und die Feier der Eucharistie einen besonders hohen Stellenwert einnimmt, ist für die Autorin nicht der Kommunionempfang wichtig, sondern das Beobachten eigenartiger Geschehnisse der Kerzenleuchter (die sich auf dem Altar zu bewegen scheinen) auf ihrem Weg zum Tisch des Herrn.

Auch „Fra Elia“ selber agiert höchst sonderbar, indem er einfach den Tabernakel öffnet. Der ganz aus der Eucharistie lebende P. Pio erscheint angeblich a la „Santa Claus“ mit einer Polterkutsche dem „Fra Elia“ und rät diesem zum Austritt aus dem Orden – da sein Platz in der Welt wäre.

Die Autorin stellt es auch so dar, dass „Fra Elia“ aus eigenen Stücken das Kloster verlassen habe (um welchen Orden es sich handelt verschweigt sie – Anhaltspunkte lassen darauf schließen, dass es Franziskaner oder Kapuziner gewesen sein könnten) – in Wirklichkeit wurde er entlassen.

Wenn sein Platz in der Welt sei, mutet es auch eigenartig an, dass er dann später doch eine Art Ordensgemeinschaft gründet – auch wenn diese keinerlei kirchliche Anerkennung besitzt und er selber deshalb auch nicht für die Selbstbezeichnung als „Fra Elia“.

Das Buch schließt mit einem Nachwort von Don Angelo Pellegrini, Dozent für Theologie und Philosophie in Florenz und Rom. Es ist recht vorsichtig gehalten – inzwischen ist der Verfasser aber vollständig auf Distanz gegangen zu „Fra Elia“ und seiner Biographin.

Der Autor dieser Rezension ist ein katholischer Geistlicher und unserer Redaktion persönlich bekannt

Foto: Amazon


4 Kommentare on “BUCH-Kritik: Das Jubelbuch über „Fra Elia“ ist keineswegs christlich, sondern esoterisch”

  1. Vitellia sagt:

    Katholiken brauchen diese Redner und Esoteriker nicht.
    Der Glaube gehört in die Kirche, wo die Hl. Messe gefeiert wird!
    Marienverehrung ist richtig, Maria ist Mutter von Gott.
    Deshalb gibt es die Maiandachten und Fürbitten zu Maria.
    Das gehört alles zu unserer Kirche.
    Wer draußen mehr sucht, geht Irrwege.
    Weg mit allem Personenkult um einem Elia und anderen
    Gestalten.
    Gott ist der Höchste!

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  2. Hl. Stephanus sagt:

    Am Fronleichnamstag ist es Tradition, dass bei der Fronleichnamsprozession kleine Mädchen Blütenblätter streuen. Ich hoffe, dass es nicht „Tradition“ wird, dass der italienische Pseudomystiker Fra Elia seinen „Rosenblätter-Magic-Evening“ nun jedes Jahr zu Fronleichnam „zelebrieren“ darf.

    Fra Elia wurde nämlich vom Johannesbruder P. David Maria Lindner cj für den morgigen Fronleichnamstag – 1.6.2018 – an die Kirchlich Pädagogische Hochschule Krems (Niederösterreich) eingeladen zwecks Vortrag und Heilungsgebet. Dort findet vom 30.5. – 3.6. die IBC statt (International Bethabara Conference). Diese Gemeinschaft wurde von P. Lindner gegründet.

    kath.net berichtet darüber http://www.kath.net/news/63970
    Kath.net hat prompt die Kommentierfunktion deaktiviert !!! Man möchte höchstwahrscheinlich durch eine kontroverse Diskussion auf kath.net nicht potentielle Besucher dieses Heilungsgottesdienstes abhalten, denn immerhin kostet ein Tagesticket 20 Euro.

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  3. newtaste sagt:

    I saw this guy in Sydney four years ago, and have read a lot about him. Agree with everything you have written. He definitely sees himself as a Messiah figure, and is trying to turn people towards himself through his amateur magician show.

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  4. mark waterinckx sagt:

    Ich habe Fra Elia in Brüssel gesehen bei seiner Show in der Basilica vor einigen Jahren
    Glaubwürdigkeit = Zero

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