Causa Hoeneß: Michael Wolffsohn fordert Politik, Medien und Volk zu Mäßigung und rechtsstaatlicher Haltung auf

Der deutsch-jüdische Historiker und bekannte Buchautor Dr. Michael Wolffsohn (siehe Foto) hat sich in einem   –  am heutigen 3. Mai online veröffentlichten  –   Kommentar in der Tageszeitung „Die Welt“ entschieden gegen jenes unsachgemäße bis neidkomplex-erfüllte Kesseltreiben gewandt, das in der Causa Uli Hoeneß seit Wochen veranstaltet wird, wobei der Präsident des FC Bayern vielfach in Medien sogar als „Verbrecher“ diffamiert wird.

Der ehem. Professor an der Bundeswehr-Universität München erinnert in seinem WELT-Gastbeitrag an fundamentale rechtsstaatliche Grundsätze und das Prinzip der Gewaltenteilung in der parlamentarischen Demokratie. 

Unter dem Titel „Im Fall Hoeneß werden wir zu Fundamentalisten“ kritisiert der Geschichtswissenschaftler jene „Un-Kultur“ unseres Landes, welche Menschen, die für die allgemeine Medien-Hatz freigegeben sind,  an den öffentlichen Pranger stellt und ohne faires Verfahren gnadenlos aburteilt.

Außerdem verweist Prof. Wolffsohn auf die „hohen Rechtsgüter Vertraulichkeit, Steuergeheimnis und Datenschutz“, die in der Causa Hoeneß massiv verletzt worden sind.

Überdies äußert sich der Historiker gegen moralisch falschgewickelte Kollektivschuldthesen, die von „Bestmenschen“  gerne hochgehalten werden  –  und er erwähnt erwähnt als aktuelles Beispiel folgendes:

„Der Ex-Präsident des Deutschen Fußballbundes, Theo Zwanziger, macht als Bestmensch munter mit bei der Verallgemeinerung des Einzelvergehens und verbreitet sie zur Kollektivschuldlegende der Deutschen: „Wer kann denn in Asien, Afrika oder in anderen Konföderationen jetzt noch ernsthaft glauben, dass die Deutschen sauber sind.“   – „Die“ Deutschen?“

Außerdem gehört zur rechtsstaatlichen Gewaltenteilung eine klare Trennung der Aufgaben von gesetzgebender, ausführender und richterlicher Gewalt. Hierzu erläutert Prof. Wolffsohn:

„Indem sich Politiker aus Exekutive und Legislative zu Richtern stilisieren, also zu Akteuren der Judikative, und umgekehrt, brechen alle drei, von Medien flankiert, die Fundamentalregel der Gewaltenteilung. Sie vermischen die drei Gewalten und damit das politisch-ethische Gleichgewicht der Demokratie. Wegen eines einzelnen Gesetzesübertreters (Hoeneß) werden Grundregeln unserer Demokratie gebrochen.“

Kritisch weist der Autor außerdem darauf hin, daß der Staat gestohlene Daten kauft und verwendet. Er fügt hinzu:

„Diesem Staat vertrauen? Er wirft Beschuldigte ohne ordentliches Gerichtsverfahren dem gierigen Volk zum Fraße hin. Wie im alten Rom. Dort den Löwen im Kolosseum, hier Medien und Internet. So wird Volkswut zum Volksvergnügen.“

Prof. Wolffsohn erinnert an den Grundsatz „Die Würde des Menschen ist unantastbar“  –  und stellt klar:

„Jeder Mensch hat, gemäß der jüdisch-christlichen Tradition, das Recht auf Umkehr. Unmenschlichkeit im Namen von Moral und Gerechtigkeit –  das ist der Weg in eine inhumane Gesellschaft.“

Zitaten-Quelle: http://www.welt.de/debatte/article115852841/Im-Fall-Hoeness-werden-wir-zu-Fundamentalisten.html

 


One Comment on “Causa Hoeneß: Michael Wolffsohn fordert Politik, Medien und Volk zu Mäßigung und rechtsstaatlicher Haltung auf”

  1. Prof.Dr.Hans Schieser sagt:

    Bravo!
    Es ist doch bemerkenswert, dass dies von einem Juden kommt, der sich noch auf dem „Fundament“ unserer „judaeo-christlichen“, abendländischen Kultur weiß, und nicht von einem unserer „christlichen“ — sonst so lautstarken — Bischöfe.

    Da traut man sich doch nicht, diesen wirklich ernst zu nehmenden Wissenschaftler „erzkonservativ“ und fundamentalistisch“ zu nennen!

    Gut, dass es Prof. Wolffsohn gibt! Seine deutschen (christlichen) Kollegen sollten sich an ihm ein Beispiel nehmen — oder besser: sich schämen, — dass sie zur heutigen Situation in Deutschland nichts sagen wollen (–oder vielleicht auch gar nicht können).

    Liken


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