Fünf Punkte für eine „Kultur des Todes“: Warum die Erdbestattung sinnvoll bleibt

Die Würde des menschlichen Leibes überlebt den Tod!

Auch unter Christen wächst in den letzten Jahren deutlich die Bereitschaft zur Feuerbestattung. Schon aus wirtschaftlichen und praktischen Gründen neigen immer mehr Menschen zur Leichenverbrennung, ist dieser Weg doch erheblich preiswerter und die Grabpflege einfacher.

Im Rahmen einer Wegwerf-Gesellschaft verschwindet offenbar zunehmend auch der Respekt vor dem Leib des Verstorbenen.

Der Trend zum „Billig-Begräbnis“ scheint daher kaum aufzuhalten  –  und damit auch die Inanspruchnahme der Krematorien. Überdies ist bei der Leichenverbrennung auch eine sog. „anonyme Bestattung“ möglich. Dabei wird die Urne in einem Massengrab beigesetzt, so daß keine Grabpflegekosten für die Angehörigen entstehen. 035_31A

Obwohl die katholische Kirche das frühere Verbot der Feuerbestattung aufgehoben hat und die Leichenverbrennung nunmehr toleriert, betrachtet sie nach wie vor die Erdbestattung als den besseren Weg im Sinne einer „Kultur des Todes“.  

Im Judentum ist die Leichenverbrennung nach wie vor strikt untersagt.

Das frühere kirchliche Nein zur Leichenverbrennung kam nicht von ungefähr. Immerhin erwies sich das antikirchliche Lager (vor allem die Freimaurerei) als entschiedener Gegner der Erdbestattung. Mit dieser Haltung wollten die Drei-Punkte-Brüder den Glauben an die Auferstehung des menschlichen Leibes leugnen.

Zuweilen spielte aber auch die Angst vor einem Scheintod den Feuerbestattern in die Hände. Die damals geforderte Leichenschau ist freilich längst gesetzliche Vorschrift (Totenschein).  Überdies ist die moderne Diagnostik heute so verfeinert, daß man die Angst vor einem Scheintod als unbegründet ansehen kann.

So wie es eine „Kultur des Lebens“ gibt, die das menschliche Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod schützt und damit Abtreibung und Euthanasie verbietet, so gibt es auch eine „Kultur des Todes“, die sich der Würde des menschlichen Leibes bewußt ist, der zur einstigen „Auferstehung des Fleisches“ berufen ist.

Kindergrab in Münster

Kindergrab in Münster

In Diskussionen hierüber ist oft eine erschreckende Unkenntnis über die theologischen und kulturellen Hintergründe dieses Themas erkennbar, so daß es sinnvoll erscheint, beispielhaft fünf Punkte aufzuzeigen, welche die Bedeutung der Erdbestattung erläutern:

  1. Das Alte Testament kennt durchgehend eine strenge Pflicht zur Erdbestattung (vgl. 5 Mo 21,23) und betrachtet es als große Tugend, die Verstorbenen zu begraben (vgl. Buch Tobit). Die Verbrennung eines Leichnams wurde im Alten Bund als drastische Verschärfung der Todesstrafe angesehen und kam nur selten zur Anwendung (1 Mo 28,24; Jos 7,15).  –  Auch das Neue Testament geht von der Selbstverständlichkeit der Erdbestattung aus. Beim Begräbnis Christi betont Johannes ausdrücklich, daß es nach jüdischer Sitte ablief (Joh 19,39 f).
  2. Die jüdisch-christliche Erdbestattung war damals keineswegs selbstverständlich, denn im Heidentum praktizierte man vielfach  die Einäscherung der Leichen. Dies wurde teils mit der Angst begründet, die Seele des Toten könne andernfalls in den Leichnam zurückkehren, teils auch mit der Abwertung des Leibes als „Gefängnis der Seele“ (gnostischer Dualismus).
  3. Demgegenüber würdigt die Heilige Schrift den Körper des Christen als Tempel des Heiligen Geistes (vgl. 1 Kor 6,19) und versteht die Auferweckung am Jüngsten Tag als eine Auferstehung des Leibes (siehe 1 Kor 15,35), der in seiner verklärten Daseinsweise dann nicht mehr an die Naturgesetze gebunden ist.  Durch die Verwandlung des sterblichen Leibes in die Unsterblichkeit des ewigen Lebens steigert sich die Glückseligkeit der Menschenseelen im Himmel, denn sie  werden wieder mit ihrem eigenen Leib vereinigt und so zur „Ganzheit“  des Menschseins vollendet.
  4. Zur Ehrfurcht vor dem Leben gehört auch die Achtung vor dem menschlichen Leib. Die Würde des Menschen gilt über seinen Tod hinaus. Die Frage stellt sich, wieweit Menschenwürde und Verbrennung im Krematorium wirklich vereinbar sind, handelt es sich doch hierbei um eine willentliche, absichtliche und aktive Zerstörung des Leibes.
  5. Sollten wir Christen wirklich an der „falschen Stelle“ sparen? Sollten wir nicht vielmehr ein klares Signal für eine umfassende „Kultur des Todes“ setzen, auch und gerade inmitten einer neuheidnischen Umgebung?   –  Bedenken wir das Zeugnis der ersten Christen in der damaligen altheidnischen Umgebung: Während der römischen Christenverfolgung scheuten sie keine Mühe, um ihre Verstorbenen in selbstgebauten, unterirdischen Katakomben  zu bestatten. Eine Einäscherung wäre gerade in dieser bedrängen Lage viel einfacher gewesen.  –  Gewiß beruht unsere Auferstehungshoffnung nicht auf einer bestimmten Art der Bestattung, sondern auf den Verheißungen Gottes. Doch der christliche Jenseitsglaube stärkt sehr wohl unseren Sinn für die besondere Würde des menschlichen Leibes; eine Würde, die uns etwas wert sein sollte  –  über den Tod hinaus!

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster


8 Kommentare on “Fünf Punkte für eine „Kultur des Todes“: Warum die Erdbestattung sinnvoll bleibt”

  1. WalfischSchnucki/Bab´Aziz sagt:

    Wie schön ist es mitten großen Städten auf alten, wirklich sehr alten Friedhöfen zu wandeln , in aller Stille – und offener Verbundenheit mit den Verstorbenen. Stille. Denkmäler der Erinnerung.
    Ob die neue deutsche Rechtschreibung hier wieder neue Übersetzungsprobleme in historischer Sicht erschweren wird? Früher und in allten Sprachen und Traditionen unterschied man zwischen Körper (Corpus) und Leib oder wahrscheinlicher Laib. Also wie im VaterUnser wird dann auch eine Beziehung/Verbundenheit zum `täglich Brot´ , tastbar, anschaulich. Leib meint dabei hier in unseren Thema etwas – ewiges, ((unverwesliches)).
    Der Auferstehungsleib Christi und die Möglichkeiten des Glaubens und der Wirklichkeit des Geheimnisses, das wir hier wahren.
    Ein Theologe, zitierte in einen ansonsten undeutbaren Zusammenhang whärend einer Vorlesung einmal : „Durch den Tod werden wir zu Wissenden“. Hoffentlich kann durch so eine Aussage die Begründetheit des Glaubens oder `NUR glaubens´ – hier in dieser Welt, in diesem Leben ein Licht auf Wörter und Ausagen der Bibel werfen, wo von : Wahrheit , gesprochen wird.
    Also soviel für den Glauben.
    Nun, ein LieblingsJünger hatte den Tod in der Bibelgeschichte , in dem von ihm benannten Evangelium, schon überwunden. Er scheute sich sogar seinen Namen zu nennen. Und er ist auch der wahrscheinlich einzige „Wissende“ neben dem größten Mysterium unser Weltgeschichte.
    Meine Befürchtungen zu dem Bestattungsthema sind eher , dass die meisten Menschen diese für das ganze Leben vielleicht mit-wichtigste Thema irgendwie vermeiden möchten, und dem frohnen : „Wie man das macht´´. Also gar keine Lösung parat haben.
    Auch hinter „historischen und kulturellen´´ Wandeln könnten verborgene Änderungen wirksam seien, die man öffentlich überhaupt nicht erfassen kann, für die es schlicht kein Ohr und kein Auge gibt. Wo beginnt eigentlich der Umgang mit der Menschenwürde?
    Ich glaube, auch wenn es niemand zu bemerken scheint, dass wir garnicht davon sprechen können was ein Mensch ist – oder in der Gottes Absicht sein kann.
    Es gibt zum Beispiel sogenannte gTummo-Meister in der Buddhistischen Tradition, die gar keinen Körper mehr hinterlassen! Das soll im letzten Jahrhundert sogar noch bewiesener Maßen ein oder zweimal geschehen sein.
    Am liebsten möchte ich auch manchmal alles schon regeln, um keinen Dreck zu hinterlassen, und keine Arbeit die andere wegräumen oder entsorgen müssen. Doch schon in Vorstellung geht es nicht, sind die Ideen des Heiligtum Leben dan weg, fehlte gar möglicher weise etwas, was dazu gehört.
    Am meisten freut es mich überhaupt, das es Menschen gibt, die voller Freude gesagt haben sollen : Es gibt ihn wirklich – den Auferstehungsleib!
    UND hier trennen sich wieder die Geister : die der GlaubensKirche – und – die der Gnade der zweiten Geburt – zu Lebzeiten schon. Alles ist christlich. (-wenn kein Dogma da wäre)

    Warum leben wir in den Verhältnissen, indenen wir leben?
    Wo das Kamel? Wo das Nadelöhr?
    Wie schön, wenn der Wille respektiert wird.
    Man muss ja auch unterscheiden ob Tote nicht mehr reden – oder – schweigen.
    Der Vater auf der Bare – Symbol , offenbares Geheimnis – dem Sohne.
    Lebende und Verstorbene.
    Eingehen in Gott.

    Die Umgebung mit körperlichen Totenmaterialien , wie in der MegalithKultur > nützen den heutigen Menschen nichts. Aber eine interesante Forschung für die Archelogen hier in meiner nächsten „Heimat“ – für sie ist es offiziel noch ein Rätsel, diese Funde von Knochen verschiedener „Träger“ innnerhalb bestimmter Gefäße innerhalb dieser damaligen Anlagen als Kultur-grundlage.
    Sicher wollen unsere kulturellen Führer alles mit Kultur regeln und denken.
    Es mus eine völlig neue Narürlichkeit in uns – christlich impulsiert – uns geschehen.
    Bis in den Umgang mit Verstorbenen. Keine Trauer mehr – Freude, Auferstehungsfreude.
    Osterjubel inmitten der Stille des Geheimnisses. Leben über den Tod hinaus.

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  2. Gabriele sagt:

    Seit ich im Freundeskreis erlebte, dass eine junge Mutter, die bei der Geburt “ starb“, ihr Kind wenige Tage später in ihr Grab gelegt bekommen sollte, weil es gestorben war und man die Mutter mit herausgerissenen Haaren im Sarg liegend fand, was ihr bei der Feuerbestattung nicht passiert wäre, bin ich fast dafür. Den Tod einer fast verbluteten Frau feststellen, müssen Ärzte selten und da ist es passiert, dass die junge Mutter in der Klinik gleich in den Sarg kam. Der Vater des Kindes, der sein Kind bei seiner Frau haben wollte, verklagte die Klinik und so gab es eine Diskussion über die christliche Todeskultur, die drei Tage aufbahrt, zum Abschiednehmen und Gebet, was früher in Familien geschah, heute selten und in Kliniken schon gar nicht. Dann muss man bedenken, dass berufsbedingt Kinder heute weit entfernt wohnen und ich finde es nicht lieblos, wenn ich meinen Kindern keine großen Reisen zumuten möchte, ich weiß mich im Geist verbunden und so wie Eisenstaub vom Magnet angezogen auch wieder Formen annehmen kann, so glaube ich an die Fähigkeit Gottes, egal ob ich im Meer versunken von Fischen gefressen werde, mich zu finden und neu zu umkleiden. Diesen Glauben meinen Kindern vermittelt zu haben, schafft doch mehr Verbindung als ein Grab, das mit viel Aufwand gepflegt werden muss: lasst die Toten die Toten begraben, sagt Jesus.

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    • J.WalfischSchnucki sagt:

      Heute fast ein Jahr später würde ich mit dieser Verwendung des Begriffes „Auferstehung des Leibes“ auch die natürlichen Vorgänge der Lösung vom früheren Körper, der ja mit dem „Tod“ dem Tode, also den Naturgesetzen der Erde, anheimfällt. Der Körper muss ja vor der Geburt schon vorbereitet werden/ aufgebaut, ja sogar das ganze spätere Leben > und so werden die verschiedenen Leiber nun auch von ihrer Ursprünglichkeit aufgenommen. Der Mensch nach dem Tode nun muss innerhalb dieser Prozesse gesucht werden, sich vor allen neu orientierend, und immer mehr in dem lebend des gelebten Lebens. Pragmatisch gesehen – fördert man die Verwesungsprozesse mit der Feuerbestattung > und gleichzeitig das möglichen „Hängen am Körper“ bei zu Lebzeiten Körper-orientierten Menschen> damit sie ins Licht kommen.
      Auferstehung des Leibes – ist und bleibt Auferstehung des Leibes.

      Schade das es für so viele noch so schwierig ist als Thema – da unsichtbar zu Lebzeiten.
      „Selig, die da glauben – und nicht sehen.“

      Der Auferstehungskörper – im Zusammenhang mit dem katholischen Glauben, da halte mich zurück, da unwissend. ABER ein ganz klares JA zur Auferstehung.

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      • J.WalfischSchnucki sagt:

        Beim Heil, das von den Juden kommt – bekommt man zu Lebzeiten schon den anderen „Körper“ oder wie man da sagt. Das ist jedoch eine längere Geschichte inclusive Lebensgeschichte davor, dazu. Länger als 3 Tage. Diese Christus-Worte zu Petrus nach der Fusswaschung mit: „Ein anderer wird dir die Schuhe binden und dich führen…“ werden dann praktisch erlebare Realität, doch auch kein Fall für die Polizei.
        Feuer, nichts kann dem was anhaben dann mehr. In der jüdischen Überlieferung gibt es präzise Angaben zu allen Vorgängen um den Verstorbenen. Man könnte die Bedingung zur Erlösung auch ein bewusstes Erleben des Todes nennen. Lassen wir uns überraschen – bleiben wir neugierig wie Sokrates, neugierig wie ein Kind.
        „Tod ohne Stachel“ oder wie beim Samenkorn: das Alte stirbt – das neue bleibt/lebt.

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  3. Dorrotee sagt:

    @Birgit, genauso erlebte ich es auch gerade. Eine für mich im Leben fromme und gottesfürchtige Frau wurde von Ihren Angehörigen verbrannt. Diese sagen, es sei der Wille der Verstorbenen gewesen. Ich kann es mir kaum vorstellen. Es ist doch so gegen die Würde des menschl. Leibes.
    Ich habe nun dieses Erlebnis zum Anlass genommen, meinen Angehörigen deutlich zu sagen, dass ich eine Erdbestattung wünsche. Ebenfalls liegt dieser letzte Wunsch schriftl. bei meiner Vorsorgevollmacht. Eine Sterbeversicherung werde ich in der nächsten Zeit abschließen.
    Diese modernen Christen machen die Feuerbestattung ganz allmählich salonfähig, selbst bei tiefgläubigen Angehörigen. Ich bin entsetzt über solch eine Entsorgungsmentalität.
    Ebenfalls sehe ich es kritisch, wieso die kath. Kirche diese Bestattung erlaubt.
    Früher wurde doch auch den armen Angehörigen finanziell entgegengekommen. Bei uns konnte man sogar in Raten bezahlen, u.v.m wurde der Familie angeboten. Ob es so was noch gibt? Da müsste man als Kirche Barmherzigkeit üben.

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    • Birgit sagt:

      Liebe Dorrotee,
      das Denken der Menschen ist schon so unglaublich pietätlos geworden, dass man es kaum glauben will.
      Meine Schwägerin z.B. meinte über das Begräbnis für sich bzw. ihren Mann: wir kommen auf die „grüne Wiese“!
      Bekannte von Nachbarn wollen sich „der Wissenschaft“ zur Verfügung stellen, weil der Sohn sich sowieso nicht kümmert.
      Aber das kann man doch selbst regeln, mit Sterbeversicherungen und notariellen Verfügungen!
      Du hast recht, die Kirche müsste hier mittellosen Menschen helfen, ein würdiges Begräbnis zu bekommen, das ist auch Nächstenliebe, nicht nur Millionen nach Afrika zu verschenken (wobei ich natürlich nichts gegen angemessene Hilfen habe, aber wie lange wollen eigentlich die sog.Entwicklungsländer noch „Entwicklungsländer“ bleiben – und was soll eigentlich „entwickelt“ werden, aber das nur am Rande).
      Es hat wirklich eine erschreckende Entsorgungsmentalität um sich gegriffen, Alte, Kranke, Kinder (geborene und ungeborene) müssen weg, wenn sie zuviel kosten.
      Schlimm!

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      • Dorrotee sagt:

        Liebe Birgit,
        mit pietätloser Gesellschaft liegst du genau richtig in deiner Wortwahl. Ich hoffe,dass unsere Angehörigen unseren Willen in Sachen Beerdigung letztendlich so vollziehen, wie wir es uns zu Lebzeiten wünschen.

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  4. Birgit sagt:

    Herzlichen Dank für diesen schönen und dringend notwendigen Beitrag!
    Meine Schwiegermutter wurde so anonym „entsorgt“ und wir finden das heute schrecklich.
    Mein Mann und ich haben daher Vorsorge an Hand von Sterbeversicherungen getroffen damit und das nicht auch so passiert.
    In dieses gleiche Gedankengut passt übrigens auch das „Ausschlachten“ von Sterbenden,Organspende genannt!
    Es steckt der selbe Geist dahinter,es könnte einen schaudern…

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