In Hamburg wird ausgerechnet die „Informatik“ als Pflichtfach abgeschafft

Wie das „Hamburger Abendblatt“ vom 30.5.2013 berichtet,  wird in Hamburgs Stadtteilschulen Informatik als Pflichtfach abgeschafft  – ganz nach Plan von von Schulsenator Ties Rabe (SPD).  Bislang war Informatik ein Bestandteil des Faches „Naturwissenschaft und Technik“.

Foto: K. Ruprecht

Foto: K. Ruprecht

Man faßt sich an den Kopf!  Nun soll ausgerechnet der für Deutschland so wichtige Bereich der Informatik  –  bei dem es große Nachwuchssorgen in der Wirtschaft gibt  –  künftig nur noch Wahlpflichtfach sein.

Erschwerend kommt hinzu, daß diese unsinnige Entscheidung gegen den Widerstand von Lehrer- und Schülerkammer gefällt wurde, wie das „Hamburger Abendblatt“ schreibt  – und natürlich trotz massiver Kritik aus der Wirtschaft. 

Die Industrie- und Handelskammer stellte fest, daß die Schulen bisweilen am Bedarf vorbeiarbeiten: „Wir treten generell für eine radikale Durchforstung der Lehrpläne mit dem Ziel ein, dass die Schüler das nötige Rüstzeug für das Arbeitsleben erhalten“, sagte Hauptgeschäftsführer H. Schmidt-Trenz:

„Dazu gehören unser bislang unerfüllter Wunsch nach einem Schulfach Wirtschaft sowie ausreichende Grundkenntnisse in Informatik.“

Auch die Schülerkammer stellte sich vergeblich gegen das unsinnige Ansinnen: „Wir empfinden dies im 21. Jahrhundert als einen nicht nachvollziehbaren Vorschlag.“ – Die „informatische Bildung“ dürfe nicht in den Wahlpflichtbereich verdrängt werden, erklärte die Kammervorsitzende Yasemin Cec. 

Auch die Lehrerkammer verlangte durch ihren Vorsitzenden Lorenz Iversen eine Stärkung der Informatik auch an den Gymnasien. 


2 Kommentare on “In Hamburg wird ausgerechnet die „Informatik“ als Pflichtfach abgeschafft”

  1. Imrahil sagt:

    Stimme der Aktion zu.

    Informatik an den Schulen (kenne ein wenig die bayerische Situation) ist, mit Verlaub, unnütz. Die Zeit kann man nützen, um sinnvollere Dinge zu tun, zum Beispiel Latein zu lernen oder ein paar Tierarten oder heimische Pflanzen in Biologie zu lernen oder ein Buch in deutsch zu lesen. Oder auch die gute alte klassische, abstrakte Mathematik zu betreiben.

    Der Informatikunterricht hat weder die Kenntnisse am Computer verbessert (die kommen heute von alleine), noch etwas getan, die Nachwuchssorgen im Informatikbereich zu lindern (denn wegen des schulischen Informatikunterrichts, oft nochdazu in der Unterstufe angesiedelt, wird man nicht Informatiker).

    Was hier eher etwas helfen würde, war der Wahlfachunterricht, den es zu meiner Zeit gegeben hat. Das Pflichtfach, das dagegen ein paar Jahre später eingeführt worden ist, war dagegen, wie gesagt, unnütz.

    Natürlich kann man sich auch überlegen, tatsächlich ernsthaft in der Schule Informatik zu betreiben. Meines Erachtens kann man einem Gymnasiasten ab der höheren Mittelstufe, zumindest aber in der Kollegstufe, auch ohne besondere Computerneigung jederzeit den Vorlesungsstoff der „Einführung in die Informatik 1“ samt Erlernen der Programmiersprache Java zumuten. (Wohl nicht von ungefähr ist die besagte Vorlesung auch die einzige mir bekannte, die tatsächlich in großem Stil schon von Schülern mitgehört und mitgeschrieben wird.) Das ist beim gegenwärtig bestehenden Informatikpflichtunterricht aber nicht der Fall.

    Das fällt halt darunter, was man alles in der Schule haben will, angesichts einer begrenzten Wochenstundenzahl. Ein wirtschaftlich ohnehin nützliches Fach wie Informatik, das obendrein eine auch ohne Schulunterricht fixe Basis in der sogenannten Nerdkultur hat, scheint sich hier eher nachrangig, oder halt irgendwo im Wahlpflichtbereich, anzubieten.

    Und das ist der Punkt: Daß Informatik wirtschaftlich nützlich ist, ist ein Kriterium nicht zum Voranstellen, sondern zum Hintanstellen. Denn in der Schule sollten eben nicht „die Lehrpläne general radikal durchforstet werden mit dem Ziel, dass die Schüler das nötige Rüstzeug für das Arbeitsleben erhalten“. In der Schule soll Bildung vermittelt werden, d. h. zunächst derjenige Stoff, der mangels unmittelbarer materieller Nützlichkeit ohne Schulpflicht nicht gelernt werden würde.

    Gefällt mir

  2. […] Original: https://charismatismus.wordpress.com/2013/06/01/in-hamburg-wird-ausgerechnet-die-informatik-als-pflic… […]

    Gefällt mir


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s