Statistik: EKD weiter auf absteigendem Ast

Aus einer Meldung der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA:

Die Mitgliederzahl der 20 evangelischen Landeskirchen ist in einem Jahr um rund 280.000 auf 23,6 Millionen gesunken. Das geht aus der jetzt vom EKD-Kirchenamt in Hannover veröffentlichten jüngsten Statistik für das Jahr 2011 hervor.

Damit liegt der Anteil der landeskirchlichen Protestanten in Deutschland bei 28,9 Prozent (2010: 29,2 Prozent). 24,5 Millionen Bürger sind römisch-katholisch (29,9 Prozent). imm012_10A

Ein Drittel der Bevölkerung (33,7 Prozent) ist konfessionslos. 4,9 Prozent sind Muslime und 1,6 Prozent orthodoxe Christen. Der Anteil der Mitglieder von Freikirchen ist mit 0,4 Prozent angegeben. Aufgeführt sind ferner Buddhisten (0,3 Prozent), Juden und Hindus (jeweils 0,1 Prozent).

Die Zahl der Austritte aus der evangelischen Kirche ist 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 2,6 Prozent auf 141.497 gesunken. Deutlich rückläufig mit 53.303 waren die Eintritte (einschließlich Erwachsenentaufen). Das entspricht einem Rückgang um 6,3 Prozent gegenüber 2010. Die Zahl der Aufnahmen ehemaliger Katholiken sank im Vergleichszeitraum um 14 Prozent auf 10.288.

Leicht gestiegen ist der Gottesdienstbesuch. 2011 gingen durchschnittlich 875.052 Personen zur Kirche  –  3,7 Prozent der Mitglieder. Im Jahr davor waren es 862.504 (3,6 Prozent).

Sachsen und Württemberg haben die Nase vorn

Den stärksten Zulauf hatten die Gottesdienste in den Landeskirchen Sachsens (6,9 Prozent) und Württembergs (5,2 Prozent). An dritter Stelle folgt die Evangelisch-reformierte Kirche (4,5 Prozent).

Die größten Gottesdienstmuffel leben in Norddeutschland: Schlusslichter beim Kirchgang sind die Bremische Kirche (2,6 Prozent), die „Nordkirche“ (2,5 Prozent) und die oldenburgische Kirche (2,4 Prozent). Am besten besucht sind nach wie vor die Gottesdienste an Heiligabend: 2011 kamen 35,6 Prozent aller Kirchenmitglieder in die Christvespern und Metten – noch mehr als 2010 (33 Prozent). Nur knapp über dem sonntäglichen Durchschnitt (3,7 Prozent) lag dagegen 2011 der Gottesdienstbesuch am Karfreitag (4,3 Prozent).

Quelle: http://www.idea.de


Buch-TIP: Die evangelische Kirche als Nachlauftruppe der 68er Kulturrevolution

Rezension von Uwe C. Lay

Buch-DATEN:  Klaus Motschmann (Hg): Zeugnis und Widerstand. Der Christ in Kultur-und Kirchenkämpfen unserer Zeit, 2007, herausgegeben von der HMK (Hilfsaktion Märtyrerkirche) in Uhldingen. 192 Seiten, Hardcover.
Das Buch enthält u.a. Beiträge folgender Autoren: Pater Lothar Groppe SJ, Prof. Dr. Klaus Motschmann, Helmut Matthies, Prof. Dr. Konrad Löw, Prof. Dr. Peter Beyerhaus, Pfr. Klaus-R. Latk, Prof. Dr. Klaus Hornung, Pastor Joachim Cochlovius und Caspar v. Schrenck-Notzing.

Klaus Motschmanns Aufsatzband „Zeugnis und Widerstand“ führt den Leser ein in den wohl erfolgreichsten Marsch durch die Institutionen, wie die evangelische Kirche von innen saniert wurde,  entkernt im Inneren. Nur nach außen hin blieben die Fassaden stehen.

Aus Sicht der Verlierer dieses innerevangelischen Kulturkampfes wird der unaufhaltsame Aufstieg des 68er Geistes im Protestantismus dokumentiert.Die 15 einzelnen Aufsätze von verschiedenen bekannten Autoren runden sich dabei ab zu einem Gesamtbild des Untergangs reformatorischer Kirchen im linken Zeitgeist.

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Detailreich, aber auch große Zusammenhänge skizzierend, entsteht so ein lebendiges Bild dieser abgeschlossenen Kampfepoche. Die Artikel atmen noch die Lebendigkeit dieser Phase, denn Beteiligte und Engagierte ergreifen hier das Wort.

Es ist trotzdem eine vergangene Kampfepoche, die uns hier vor Augen gemalt wird. War das Movens der 68 Kirchendeformer die Umfunktionierung der christlichen Gemeinden zu Avantgarden der radikalen Demokratisierung und Entbürgerlichung der Gesellschaft, ja der Beseitigung der so arg geschmähten kapitalistischen Gesellschaftsordnung, so mutierte dieser Ungeist nach 1989 in eine linksliberale Anpassung der Kirche an die fortschrittliche moderne Gesellschaft:

Jetzt wurde die Gesellschaft zum Licht der Kirche und es galt, deren Fortschritt in der Kirche nachzuvollziehen, statt ihn als Avantgarde erst anzustoßen. Die evangelische Kirche will so zur Nachlauftruppe der 68er Kulturrevolution  werden.

In diesem Buch erleben wir so die Abwehrkämpfe, die kenntnisreich beschrieben werden. Aber es wird doch vor den letzten Fragen zurückgewichen: Was ermöglichte es dem linken Zeitgeist so leicht, diese Festung einst konservativer Bürgerlichkeit einzunehmen?

Könnte dafür das schwache Fundament des reformatorischen Christentums selbst verantwortlich sein mit seinen drei „Alleins“ ? Aber diese Schwäche kompensiert dieses Buch durch seinen Detailreichtum und die Lebendigkeit seiner Darstellungen.

Lesenswert vor allem für jeden, der ein anschauliches Beispiel für den erfolgreichen Marsch durch eine Institution sucht. Es zeigt die Stärke der Unterwanderer auf, aber auch –  unfreiwillig –  die Schwächen der konservativen Verteidiger!

Unser Autor Uwe C. Lay ist Publizist und Theologe, er war reformierter Vikar und konvertierte zur katholischen Kirche.

Das rezensierte Buch kann für preiswerte 5 Euro bei uns erworben werden (Tel. 0251-616768 / felizitas.kueble@web.de)


Papst Franziskus ermutigt Lebensrechtler in Rom: „Gott ist die Quelle des Lebens!“

Gestern und auch am heutigen Sonntag (16.6.) wurde im Vatikan vor allem an die päpstliche Enzyklika „Evangelium vitae“ (Geschenk des Lebens) von Johannes Paul II. erinnert. 

Bereits am Samstag war Rom von Lebensrechtlern aus aller Welt bevölkert. Am Abend gab es einen Fackelzug von der Engelsburg aus mit anschließender Andacht. papst_letzter_tag_01

Heute nahmen die Pilger an der hl.  Messe auf dem Petersplatz teil, die aus diesem Anlaß und zum „Jahr des Glaubens“ gefeiert wurde. Papst Franziskus erklärte in seiner Predigt:

„Die Bibel offenbart uns den lebendigen Gott, der selbst das Leben und Quelle des Lebens ist. Zweitens: Jesus Christus schenkt das Leben, und der Heilige Geist erhält uns im Leben. Drittens: Dem Weg Gottes zu folgen, führt zum Leben, den Götzen zu folgen, führt dagegen zum Tod.“

„Wer sich vom Hl. Geist leiten läßt, ist Realist“

 Christsein, so führte Franziskus weiter aus, bedeute keine Lebensfremdheit oder Verstiegenheit, sondern Realismus und Fruchtbarkeit:

„Der Christ ist ein geistlicher Mensch, und das bedeutet nicht etwa, dass er einer ist, der „in den Wolken“ lebt, außerhalb der Wirklichkeit, nein! Der Christ ist ein Mensch, der im täglichen Leben Gott gemäß denkt und handeltDas bedeutet Realismus und Fruchtbarkeit. Wer sich vom Heiligen Geist leiten lässt, ist ein Realist, versteht die Wirklichkeit zu beurteilen und ist fruchtbar: Sein Leben bringt rings um ihn herum Leben hervor.“

Franziskus schloß seine Ansprache mit dem Hinweis, daß es gerade das JA zu Gott und zu seinen Geboten ist, das Hinhören auf seine Botschaft, was uns frei mache:

„Sagen wir JA zur Liebe und NEIN zum Egoismus, sagen wir JA zum Leben und NEIN zum Tod, sagen wir JA zur Freiheit und NEIN zur Versklavung durch die vielen Götzen unserer Zeit; mit einem Wort: Sagen wir JA zu Gott, der Liebe, Leben und Freiheit ist und niemals enttäuscht. (…)

Allein der Glaube an den lebendigen Gott rettet uns  –  der Glaube an den Gott, der uns in Jesus Christus sein Leben geschenkt hat und uns durch die Gabe des Heiligen Geistes als wahre Kinder Gottes mit seiner Barmherzigkeit leben lässt. Dieser Glaube macht uns frei und glücklich.“

Quelle:  http://de.radiovaticana.va/news/2013/06/16/papst_franziskus:_%E2%80%9Echristsein_bedeutet_realist_sein%E2%80%9C/ted-702034

Niederlande: Steht jetzt sogar die Freigabe der Säuglingstötung bevor?

Mathias von Gersdorff

Wie die italienische Zeitung „La Stampa“ vom 13. Juni 2013 berichtet, planen die Niederlande eine Legalisierung der Euthanasie für schwerkranke Säuglinge. Das Gesetz könnte bereits 2014 eingeführt werden, falls sich keine starke Gegenreaktion bildet. Das Vorhaben wird von einer Mehrheit des Parlaments getragen.

Foto von Jorge V. Saidl

M. von GERSDORFF  (Foto Jorge V. Saidl)

Der Gesetzentwurf geht zurück auf eine Forderung der niederländischen Ärztevereinigung „KNMG“.

Das  geplante Gesetz sieht die Tötung von Babys ohne Überlebenschancen vor. Etwa 300 solcher Kinder werden in den Niederlanden jährlich geboren. Die Entscheidung soll nach einem Gespräch zwischen Arzt und Eltern getroffen werden.

Die Erfahrung zeigt, daß es rasch zu einer großzügigen Ausweitung derartiger Indikationen  kommen wird.

Bereits im Jahre 2001 wurde die „Sterbehilfe“ in Holland gesetzlich zugelassen und seitdem systematisch ausgeweitet. Inzwischen ist Euthanasie auf Wunsch auch  für Jugendliche erlaubt. Unter 16 Jahren ist die Erlaubnis der Eltern noch erforderlich.

Hugo Blos, ein niederländischer Lebensrechtler, kommentiert das neue Vorhaben mit klaren Worten: Das todbringende Gesetz terrorisiere die Eltern und führe einen gesellschaftlichen Druck herbei, das eigene Kind zu töten.

 


Regensburg: Bischof Rudolf Voderholzer segnet 650 Ehe-Jubelpaare im Dom

Der Regensburger Dom St. Peter platzte am heutigen Sonntagmorgen, den 16. Juni 2013, aus allen Nähten, als rund 650 Ehepaare mit Bischof Rudolf Voderholzer ein Pontifikalamt anläßlich des diözesanen Tages der Ehejubilare feierten.

Auch in den Seitenschiffen der ehrwürdigen Kathedrale hatten die Organisatoren Bänke aufgestellt, um den mehr als 1500 Gläubigen einen Sitzplatz anbieten zu können. Segnung Ehejubilare Bischof Rudolf 1

„Es ist gut, dass die Feier von 25, 40, 50, 60, ja sogar 70 gemeinsamen Ehejahren die Raumkapazität unseres Regensburger Domes wieder einmal an ihre Grenzen bringt“, sagte der Bischof zu Beginn und dankte den Jubelpaaren für dieses überaus ermutigende Zeichen.

Am Ende des Pontifikalamtes segnete der Regensburger Oberhirte zusammen mit Weihbischof Reinhard Pappenberger alle Ehepaare einzeln. Dabei wurden ihnen geschnitzte Erinnerungskreuze aus Olivenholz überreicht, die Christen aus dem Raum Bethlehem angefertigt hatten.

Im Anschluß an die heilige Messe waren alle Paare zu einem Mittagessen in das Kolpinghaus eingeladen. Am Nachmittag hatten die Gäste die Möglichkeit, aus einem bunten Rahmenprogramm von Besichtigungen, Führungen und Vorträgen auszuwählen.

Wolfgangs-Medaille für 70-jähriges Ehe-Jubiläum

Herbert und Frieda Richter aus Bernried können heuer ihr 70-jähriges Ehejubiläum feiern. Bischof Voderholzer bedachte das Paar dafür mit der Wolfgangs-Medaille. Aus organisatorischen Gründen konnte die Auszeichnung an diesem Tag leider nicht persönlich überreicht werden.

Die Wolfgangs-Medaille ist die höchste Auszeichnung für Laien im Bistum Regensburg und wird vom Bischof für besondere Leistungen verliehen.

In seiner Predigt bezog sich Bischof Rudolf auf die Lesung und das Tagesevangelium. In der Lesung stand David, der bedeutendste König in der Geschichte Israels, im Mittelpunkt. Dieser wurde aus brennender Begierde zu einer verheirateten Frau sogar zum Mörder.  So weit könnten Verliebtheit und Leidenschaft sich verrennen, erklärte der Bischof, daß sie sogar über Leichen gehen.

König Davids Reue nach seinem Ehebruch

Erst nachdem der Prophet Nathan dem König den Spiegel vorhielt, wurde dieser unter der Last seiner Schuld erschüttert und dichtete den Psalm 51: „Gott sei mir gnädig nach deiner Huld, wasche mich rein von meinen Sünden.“

Hier zeige sich die unglaubliche Barmherzigkeit Gottes, hob Bischof Rudolf hervor: Gott vergibt David seine schwere Schuld. Die wichtigsten Erfahrungen im Leben seien Liebe und Vergebung:Segnung Ehejubilare Bischof Rudolf 2

Denn nur wer lieben und sich lieben lassen kann, nur wer verzeihen und sich vergeben lassen kann, der wird eine echte Beziehung leben und letztlich auch Gott auf die Spur kommen können!“, erklärte der Regensburger Oberhirte.

An die Jubelpaare gerichtet, die sich vor vielen Jahrzehnten vor Gottes Angesicht Liebe und Treue für ein ganzes Leben versprochen hatten, sagte Bischof Rudolf:

„Es ist gut, dass man zu Beginn des Weges nicht schon alles weiß, was kommen wird. Man kann das Leben ja nur beherzt nach vorne leben, und rückwärts dann, in der Rückschau, zu verstehen versuchen. Das Geheimnis einer guten und dauerhaften Beziehung ist die Gnade, auch vergeben und Vergebung annehmen zu können. Gemeinsam auch vor Gott hinzutreten und neu um diese Gnade zu ringen.“

Wahre Liebe ist mehr als Verliebtsein

Echte Liebe sei mehr und gehe tiefer als nur ein emotionales Verliebtsein. Liebe könne reifen, gerade auch in den schweren Herausforderungen des Lebens, wenn diese gemeinsam bestanden und bewältigt werden:

„Was könnte es in diesen stürmischen Tagen, in denen auf so vielfältige Weise an den Grundfesten des christlichen Eheverständnisses gerüttelt wird, und wo oft auch in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, dass das Scheitern unsausweichlich ist, was könnte es da Wichtigeres und Ermutigenderes geben, gerade auch für die jungen Menschen, als ein bis auf den letzten Platz gefüllter Dom mit Ehejubilaren?“

Abschließend würdigte der Bischof das Glaubens- und Lebenszeugnis der Jubelpaare: „Ihr Zeugnis ist ein wichtiger Dienst am Glauben der Kirche und für die Zukunft unseres ganzen Landes!“

Quelle (Text/Fotos): Bischöfliches Presseamt Regensburg


Judenretter Focherini – ein „Gerechter unter den Völkern“ – seliggesprochen

Am gestrigen Samstag, den 15. Juni 2013, erfolgte die Seligsprechung des Judenretters und siebenfachen italienischen Familienvaters Odoardo Focherini (1907 -1944):

Der Präsident der Seligsprechungs-Kongregation, Kardinal Angelo Amato, hat den im KZ verstorbenen Journalisten und Widerstandskämpfer zur Ehre der Altäre erhoben.

In der 2012 vom Erdbeben schwer zerstörten Stadt Capri in Norditalien fand die Zeremonie auf dem großen Platz vor der eingerüsteten Kathedrale statt. Mehrere tausend Gläubige nahmen an dem Festakt teil.

Focherini war Verwaltungsdirektor der Tageszeitung „Avvenire d’Italia“ und gehörte zur Leitung der Katholischen Aktion Italiens.

Im März 1944 wurde er wegen seiner Hilfe für untergetauchte Juden in Bologna verhaftet und schließlich ins mittelfränkische Außenlager des KZ Flossenbürg gebracht. Dort starb er am 27. Dezember 1944 an einer Blutvergiftung.

Der Staat Israel würdigte den Märtyrer wegen seiner Rettung von rund 100 Juden mit dem höchsten Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“.

Quellen: Radio Vatikan / Kipa / Zenit


Der „Fall Klingenberg“ ist durch „Geisterfotos“ wieder in aller Munde

Neue Schlagzeilen in der Causa Anneliese Michel

Derzeit schlagen die Wogen hoch in der Aschaffenburger Region, denn das Sägewerk, das dem Vater der bekannten Klingenberger Studentin Anneliese Michel gehörte, ist lichterloh abgebrannt, noch dazu genau am 6.6.2013 (weswegen manche an die Quersumme 666 erinnern). DSC_1185-3

Angeblich wollen Leute in dem zeitweise leerstehenden Gebäude schon vor dem Brand „nächtliche Schreie gehört“ und huschende Schatten gesehen haben, wie ParaScene-News schreibt.

Kein „Wunder“ also, daß nicht nur die lokale Presse, sondern auch die sensationslustige BILD-Zeitung bei einer solch buchstäblich „heißen“ Schauerstory auf der Matte steht und heute online titelte: „Teufels-Trubel in Klingenberg  –  Geister im brennenden Exorzismus-Haus?“

Fernsehsender berichten ebenfalls über diese Ereignisse, darunter zB. Sat 1, wobei schon im Titel die Frage gestellt wird, ob „Satanisten“ hinter den Bränden stecken. Hierfür gibt es allerdings bislang keine Beweise.

Selbst der öffentlich-rechtliche „Bayerische Rundfunk“ schreibt online unter der Überschrift „Geht Anne Michels Geist um?“:

  „37 Jahre später“ würden  derzeit „mysteriöse“ (!) Brände in Michels Heimatort Klingenberg für erneute Schlagzeilen sorgen.  

Im derzeitigen Pressewirbel spielt vor allem eine Rolle, daß in Zeitungsfotos aus „Main-Echo“ angeblich der „Geist“ von Anneliese Michel bzw. in anderen  Bildern gar „Monster“ zu sehen sein sollen.  Bsp-7

Wir wollen jenseits wilder Spekulationen grundsätzlich daran erinnern, daß wir uns als Christen vor zwei irrigen Haltungen hüten sollten:

Erstens vor dem Leugnen oder Ignorieren der überirdischen Welt, denn die Heilige Schrift  –  und damit die Offenbarung Gottes  –  lehrt glasklar, daß der Satan und sein Anhang (die Dämonen) existieren. Dies ist auch eindeutige Lehre der Kirche.

Nicht jeder rätselhafte Fall ist übernatürlich

Damit ist aber nicht gesagt, daß in angeblichen Besessenheits-Fällen automatisch „der Teufel los ist“, denn es kann sich auch um pathologische oder parapsychologische Vorgänge handeln, also um innerseelische Störungen bzw. um zunächst rätselhafte, nicht sogleich erklärbare Phänomene. Aber keineswegs alles, was sich nicht ohne weiteres natürlich aufschlüsseln läßt, muß deshalb unbedingt „übernatürlichen“  Ursprungs sein.

Als Christen sind wir gläubig, aber nicht abergläubig, vielmehr klarsichtig und nüchtern, also auch um eine besonnene  „Unterscheidung der Geister“ bemüht.

Mitte der 70er Jahre erregte der Exorzismus-Fall Anneliese Michel weltweit großes Aufsehen. Die Pädagogikstudentin starb am 1. Juli 1976 im Alter von 23 Jahren nach mehreren „Teufelsaustreibungen“ an den Folgen von Unterernährung; sie wog nur noch 31 kg. Die Eltern und zwei Exorzismus-Priester wurden daraufhin zu je 6 Monaten Haft auf Bewährung wegen fahrlässiger Tötung durch unterlassene Hilfeleistung verurteilt.

Diese tragische Causa führte zu mehreren Buchveröffentlichungen   –  auch im Ausland (siehe Beispiel oben)  –  und diente u.a. als Vorlage für den reißerischen Hollywood-Film „Der Exorzismus von Emily Rose“ aus dem Jahre 2005.

„Sühne-Besessenheit“: ein Widerspruch in sichMarienstatt-DSC_0111-3

Erscheinungsbewegte und wundersüchtige katholische Kreise   – darunter teils auch das persönliche Umfeld der Verstorbenen  –  glaubten jedoch fest daran, daß es sich bei der „Besessenheit“ von Anneliese Michel um eine Art „Sühneleiden“ gehandelt habe, daß sie in Wirklichkeit eine gottbegnadete Heilige sei, welche die teuflischen Belästigungen als „Opferseele“ in Kauf genommen habe, um auf diese Weise zu büßen und zu sühnen für die Bekehrung der Ungläubigen usw.

Daß die katholische Lehre eine derartige „Sühnebesessenheit“ durchaus nicht kennt, daß dergleichen auch in der Heiligen Schrift nicht vorkommt, störte die Michel-Verehrer offenbar nicht. Zudem wäre ein solches Phänomen –  sowohl logisch wie theologisch  –  ein Widerspruch in sich selbst: ähnlich einem runden Viereck.

Ein derartiger Mythos um die Studentin konnte auch deshalb leicht entstehen, weil sie diversen Erscheinungen anhing und sich überaus stark in sog. „Mystik“ vertiefte. So pilgerte Anneliese Michel  –  wahrscheinlich sogar auf Drängen eines ihrer Exorzisten  – mehrfach nach San Damiano, einem kirchlich nicht anerkannten Marienerscheinungsort in Italien.

Bevor ihre angebliche oder tatsächliche Besessenheit begann, soll ihr selber zweimal die Gottesmutter im fränkischen Wallfahrtsort Engelberg erschienen sein und sie zum „Sühneleiden“ aufgefordert haben. 

Manche ihre Anhänger sind davon überzeugt,  daß die junge Frau als vom Himmel erwählte „Opferseele“ sogar die Stigmata an ihrem Leib trug, also die Wundmale Christi. Da hierüber keine Fakten bekannt sind, wird dann auch „unsichtbare“ Stigmata verwiesen.

Aufgrund der Behauptung einer „visionären“ Ordensfrau, Anneliese Michel sei ihr erschienen und deren Körper sei nach wie vor unverwest, wurde die Leiche der Verstorbenen 1978 exhumiert  –  und damit das Gegenteil bewiesen.

Äußerst problematisch  – und zudem ein unverantwortlicher Verstoß gegen das Seelsorgsgeheimnis  – war es auch, daß von den exorzistischen Vorgängen mehrere Tonbänder und Aufzeichnungen bzw. Protokolle die Runde machten, daß Kassetten der versuchten „Teufelsaustreibung“ sogar im Fernsehen abgespielt wurden  –  einmal abgesehen davon, daß die katholische Kirche es Exorzisten ohnehin verbietet, Finsternismächte gleichsam „auszufragen“ und diese wie seriöse Interviewpartner zu behandeln, sie damit aufzuwerten bzw. ihnen so eine unangemessene Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Felizitas Küble, Leiterin des Christoferuswerks in Münster

WEITERE ARTIKEL zu Anneliese Michel und dem Themenkreis EXORZISMUS:

https://charismatismus.wordpress.com/2012/09/05/unserioser-exorzismus-und-gefahrlicher-unfug-mit-damonen-interviews/
https://charismatismus.wordpress.com/2012/08/03/monica-scala-uber-christus-die-kirche-und-das-ritual-des-exorzismus/
https://charismatismus.wordpress.com/2013/01/15/christus-befiehlt-dem-unreinen-geist-schweig-und-treibt-ihn-aus/

Foto: Bernd F. Pelz