Franziskus-Buch: Gelungener Schnellschuß mit Schönheitsfehlern

Rezension von Felizitas Küble

Buchdaten: Franziskus. Der Papst vom anderen Ende der Welt. Mario Galgano. Sankt-Ulrich-Verlag (Augsburg), 2013, 86 Seiten, gebunden, 9,95 €, ISBN 978-3-86744-245-9

Daß nach der Wahl des neuen Pontifex schon bald eine Reihe Bücher über den Überraschungs-Papst auf den Markt kommen, war zu erwarten. Im Augsburger Sankt-Ulrich-Verlag erschien Anfang April dieses Jahres der ansprechend aufgemachte und fotografisch eindrucksvolle Text-Bild-Band „Franziskus“ von Mario Galgano, Redakteur von Radio Vatikan und früherer Pressesprecher der Schweizer Bischofskonferenz. 41FA7ouEcaL__

Wie das Vorwort des Autors aufweist, war die redaktionelle Arbeit an diesem „Schnellschuß“ offenbar am 17. März abgeschlossen, also bereits vier Tage nach der Papstwahl vom 13.3.2013. Kein Wunder also, daß sich der schmale Bildband mit seinen 86 Seiten vorwiegend mit biographischen Informationen über Herkunft und Werdegang von Papst Franziskus befaßt, wobei die ersten Tage seines Pontifikats noch berücksichtigt werden.

In seinem Vorwort liefert der Verfasser eine originelle Anekdote, indem er berichtet, wie ihm sein Studio-Techniker am Tag der Papstwahl erklärt, wer der nächste Pontifex sein werde: „Il gesuita Bergoglio“.  – Galgano hierzu: „Wohl kaum der 76-jährige Bergoglio, denke ich mir. Der Techniker hat doch keine Zeitungen gelesen.“  – Wie man mittlerweile weiß, kann dies mitunter auch von Vorteil sein, befand sich der Kardinal „aus weiter Ferne“ doch in keiner der gängigen Papabile-Listen tonangebender Medien.

Dieses Papstbuch enthält interessante Details am Rande, die manche „überraschenden“ Vorgänge um Franziskus etwas erhellen. So wird z.B. erwähnt, daß er auch im Rahmen seiner damaligen Bischofsweihe um das Gebet des Kirchenvolkes bat und sich dabei verneigte; jene Geste bei seinem „ersten Auftritt“ als Papst folglich so „einzigartig“ für ihn nicht war (S. 21).

Daß der Pontifex mit der lateinamerikanisch beheimateten „Theologie der Befreiung“ von jeher nichts am Hut hat, ist bekannt; weniger freilich, daß er sich jener „Teologia del Pueblo“ (Theologie des Volkes) zugehörig fühlt, die von Lucio Gera und Rafael Tello entwickelt wurde. Sie werde zuweilen mit der Befreiungstheologie „vermischt“, so der Autor (er meint wohl eher „verwechselt“), wobei die Pueblo-Theologie keine marxistischen oder sonstigen politischen Ambitionen anstrebt, keine „Machtstrukturen ändern“, sondern die Armen in ihrem Alltag begleiten will, also ein urchristliches Anliegen im Blick hat (vgl. S. 22/23).

Natürlich erwähnt auch Galgano die bescheidene Lebensweise des neuen Pontifex in seiner Zeit als Erzbischof von Buenos Aires: „Anstatt eines Privatchauffeurs benützt er die öffentlichen Verkehrsmittel.“ (S. 26) 

Bei derlei Würdigungen wird oft der Hinweis versäumt, daß dies auch Kardinal Ratzinger vor seiner Papstwahl so gehalten hatte, daß er zudem einst als Professor zu Fuß oder mit dem Rad von seiner Wohnung zur Universität unterwegs und ebenfalls jedem luxuriösen Lebenswandel abhold war. Warum findet dessen schlichte Lebensart weitaus weniger Erwähnung in den Medien? Womöglich mag dies etwas mit altbekannten Vorurteilen gegenüber dem sog. „Panzerkardinal“ zu tun haben.

„Franziskus“ war einst ein Spitzname

Der Autor verweist sodann darauf, daß der neue Papst in Frankreich als „Francois“ bezeichnet wird, auch für „die anderen Sprachen“ gebe es „landesübliche Entsprechungen“ (S. 29). Warum also in Deutschland kein „Papst Franz“, stellt er fragend in den Raum.  – Vielleicht einfach deshalb, weil „Franziskus“ auf deutsch feierlicher klingt als „Franz“. Die Kurzform könnte zu flapsigen Sprüchen verleiten („Franz, der kanns“ etc). In Deutschland wird daher auch meist vom hl. Franziskus gesprochen  – und wenn vom hl. Franz die Rede ist, dann meist mit dem Zusatz „von Assisi“.

Galgano bemerkt sodann, daß der Name Franziskus überhaupt erst mit jenem Heiligen aus Umbrien entstanden ist; es ist weder sein Tauf- noch sein eigentlicher „Ordensname“, sondern sein in der Kindheit entstandener Spitzname, der „Französlein“ bedeutet (S. 29).

Seine Mutter stammte aus Frankreich, die wohlhabenden Eltern nannten ihren Knaben „Francesco“ wegen seiner Vorliebe für die französische Sprache und das „höfische Leben“, das er freilich später mit seinem Armutsideal tauschte.  Der Geburtsname des hl. Franziskus lautete Giovanni (Johannes).

Der Papst und seine „Verlobte“

In den Gazetten der Medien konnte man mitunter von einer „Verlobung“ lesen, die der junge Jose Mario Bergoglio gehabt haben soll. Auch der Verfasser behandelt diese Episode unter dem Titel „Die Verlobte“ (S. 30). Die Überschrift erscheint allerdings unpassend, stellt sich dies „Ereignis“ doch als naive Schwärmerei des knapp 12-jährigen Knaben heraus, der einer offenbar erstaunten Amalia einst einen kindlichen „Liebesbrief“ zukommen ließ  –  von einer ernsthaften  „Verlobung“ keine Spur.

Papst Franziskus war als Priester ein Spätstarter (Weihe mit 32 Jahren), gleichwohl legte er eine „Blitzkarriere“ im Jesuitenorden hin und wurde bereits mit 37 Jahren Provinzial in Argentinien. Während der Zeit von 1986 bis 1992 war Pater Bergoglio als Spiritual und Beichtvater an der Jesuitenkirche in Cordoba tätig.

Das Buch vermerkt auf S. 40 lapidar, er habe in dieser argentinischen Provinzhauptstadt gelebt, „um dort als Dozent zu wirken“. Möglicherweise ist der Autor unzureichend informiert, vielleicht soll damit aber auch der eigentliche  –  für die „Gesellschaft Jesu“ denkbar peinliche  –   Hintergrund verdeckt werden:

Es handelte sich nämlich um eine Art „Strafversetzung“, ein Kaltstellen von der Hauptstadt in die Provinz, denn die modernistisch geprägte Oberleitung des Jesuitenordens nahm es ihrem damaligen Provinzial sehr übel, daß dieser sich so entschieden gegen die „Theologie der Befreiung“ stellte, die damals sehr populär war, aber vom Vatikan  – vor allem von Kardinal Joseph Ratzinger  – mit Recht verurteilt wurde. Die Karriere des jungen Geistlichen bekam also gerade wegen seiner kirchenfreundlichen Haltung einen schweren „Knick“, was sich erst änderte, als er von Papst Johannes Paul II. im Jahre 1992 zum Weihbischof von Buenos Aires ernannt wurde.

Interessant sind die Hinweise des Buches über das Verhältnis von Papst-Emeritus Benedikt und Papst Franziskus. Zum „Rücktritt“ seines Vorgängers habe Kardinal Bergoglio erklärt: „Ich glaube, er hat diesen Beschluss im Gebet gefasst und  gezeigt, dass er sehr verantwortungsbewusst ist.“  – Der argentinische Erzbischof fügte hinzu, der Papst habe mit seinem Amtsverzicht „Fehler vermeiden“ und die „Gefahr von Manipulation verhindern“ wollen (S. 74); gemeint sind damit offenbar Manipulationen in der Kurie im Falle zunehmender gesundheitlicher Beeinträchtigung des Pontifex.

Erste Einladung kam aus Israel

Auf S. 57 informiert der Autor sodann darüber, daß es „aus dem Heiligen Land gleich mehrere Einladungen“ für den neugewählten Papst gegeben habe. Er erwähnt jene des Lateinischen Patriarchen Twal, des griechisch-katholischen Patriarchen Gregorius III, ausdrücklich auch jene des „palästinensischen Präsidenten“ Abbas, der Franziskus nach Bethlehem eingeladen habe. davidstern (2)

Weshalb fällt nun hierbei die Einladung des israelischen Staates unter den Tisch, zumal sie die erste war, die der Papst erhalten hat? Es ist denkbar unwahrscheinlich, daß ein Redakteur von Radio Vatikan von dieser Meldung nichts weiß.

Der israelische Staatspräsident Shimon Peres hatte dem neuen Papst schon am Morgen nach dessen Wahl bei einem Treffen mit Vertretern der polnischen kath. Kirche in seiner Residenz in Jerusalem gratuliert.  Der Friedensnobelpreisträger erklärte dabei:

„Der neugewählte Papst steht für Hingabe, die Liebe zu Gott, die Liebe zum Frieden, eine heilige Bescheidenheit und einen neuen Kontinent, der gerade erwacht. Möge der HERR den neuen Papst segnen.

Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um den neugewählten Papst einzuladen, so früh wie möglich das Heilige Land zu besuchen. Er wird ein willkommener Gast im Heiligen Land sein, als Mensch der Inspiration, der dabei helfen kann, Frieden in eine stürmische Region zu bringen. Alle Menschen hier werden ohne Unterschied in Religion und Nationalität den neugewählten Papst willkommen heißen.”

An die polnische Kirchen-Delegation gerichtet, sagte Peres: “Die Beziehungen zwischen dem Vatikan und dem jüdischen Volk sind so gut wie nie in den vergangenen 2000 Jahren  – und ich hoffe, sie werden an Inhalt und Tiefe noch zunehmen.“

Das israelische Staatsoberhaupt würdigte bei dieser Gelegenheit auch den vorigen Papst:

„Ich empfinde viel Respekt für den zurückgetretenen Papst Benedikt, ich habe in ihm einen lieben Freund unseres Volkes gefunden, einen tiefgründigen Denker   –   und er hat viel dazu beigetragen, historisch und auf anderem Wege die Beziehungen zwischen der katholischen Kirche und dem jüdischen Volk voranzubringen.“

Wären diese freundlichen, wohlwollenden und eindrucksvollen Aussagen von höchster israelischer Seite nicht doch wohl einer Erwähnung oder Zitierung wert gewesen?

Erstveröffentlichung dieser Besprechung in der Zeitschrift „Theologisches“ (Ausgabe vom Mai-Juni 2013)


One Comment on “Franziskus-Buch: Gelungener Schnellschuß mit Schönheitsfehlern”

  1. Anonymous sagt:

    Ein Märchenbuch!!

    Gefällt mir


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