Buch-TIP: Fünf Gründe, warum die Inquisition ein echter Fortschritt war

Rezension von Dr. Dr. Wolfgang Rothe

Buch-Daten: Zander, Hans Conrad: Kurzgefasste Verteidigung der Heiligen Inquisition, Gütersloher Verlagshaus 2007, 192 Seiten, ISBN 978-3-579-06952-4, Preis 14,95 €.

Einmal angenommen, ein katholischer Theologe oder Bischof würde sich erdreisten, allen Ernstes öffentlich die Meinung zu vertreten, die Inquisition sei fortschrittlich und effizient gewesen, hätte Recht gehabt und sei mit gutem Grund heilig zu nennen  –  die Folgen wären wohl ähnlich denen der von Papst Benedikt XVI. in Regensburg zitierten Aussagen eines byzantinischen Kaisers über den Islam oder der Thesen der ehemaligen Tagesschau-Sprecherin Eva Hermann zu Ehe und Familie.  Rothe_Benedikt_Lit_Vers

Heutzutage scheint es  –  auch und gerade in der Kirche  –  einzig dem Satiriker (noch?) erlaubt zu sein, an Tatsachen zu erinnern und Meinungen zu äußern, die nicht der zeitgeistbestimmten political correctness entsprechen.

FOTO: Dr. W. Rothe überreicht sein Buch „Liturgische Versöhnung“ an Papst Benedikt

Hans Conrad Zander, ein vielfach ausgezeichneter Schweizer Journalist, der in jungen Jahren vom Calvinismus zum Katholizismus konvertiert ist, hat genau diesen Weg beschritten und sich an ein Thema herangewagt, das ansonsten in Theologie und Kirche allenfalls noch im Rahmen wortreicher Entschuldigungen für die Sünden der Vergangenheit zur Sprache kommt.

Im Rückgriff auf Dostojewskis Roman „Die Brüder Karamasov“ lässt der Verfasser einen fiktiven Großinquisitor auftreten, der einem ebenso fiktiven Publikum in fünf großen Reden darlegt, warum die Heilige Inquisition erstens „jung und fortschrittlich“ (S. 6 – 42), zweitens „frauenfreundlich“ (43 – 72), drittens „effizient“ (73 – 116), viertens im Recht (117 – 153) und fünftens – wie ihr Name schon sagt – „heilig“ (154 – 192) gewesen ist.

Er tut dies ebenso selbstkritisch wie  – „Fassungslosigkeit im Publikum“ (67)  –  selbstbewusst.

„Inquisition heißt Wahrheitsfindung“

Allein schon der Name „Inquisition“ (lateinisch „inquisitio“), so der Großinquisitor in seiner ersten Rede, sei ein geradezu „revolutionäres Programm“ gewesen; meist werde er „mit ‚Nachforschung’ übersetzt. Doch es gibt einen modernen deutschen Rechtsbegriff, der ihm besser entspricht“, lässt der Großinquisitor nicht nur den Juristen aufhorchen: „Inquisition heißt ‚Wahrheitsfindung’“ (20)!

Im Gegensatz zu den hysterischen Ketzerpogromen und der korrupten bischöflichen Gerichtsbarkeit entstand mit der 1231 von Papst Gregor IX. ins Leben gerufenen Inquisition „zum ersten Mal in der europäischen Geschichte eine Justiz“, die „unabhängig wirken konnte. So hat das Gesetz über die Willkür triumphiert, die Unbestechlichkeit über die Korruption, der Fortschritt über die Vergangenheit“ (42).

Inquisition contra Hexenwahn

Frauenfreundlich war die Inquisition  –  wie der Großinquisitor in seiner zweiten Rede darlegt  –  insbesondere deshalb, weil sie dem mittelalterlichen Hexenwahn zumindest eine zeitlang Einhalt gebieten konnte. Gemäß dem Decretum Gratiani etwa, der bedeutendsten kirchlichen Rechtssammlung jener Zeit, waren schließlich nicht die vermeintlichen Hexen zu verurteilen, sondern deren offenkundig dem Aberglauben verfallene Verfolger!

Leider sei ein mangels echter Ketzer „arbeitsloser Strassburger Inquisitor“ (56) namens Heinrich Kramer irgendwann auf die verhängnisvolle Idee verfallen, unter dem kampagnentauglichen Titel „Hexenhammer“ ein Handbuch der Hexenkunde- und Hexenverfolgung herauszugeben. An den bekannten Folgen dieses Meisterwerks der Demagogie gibt es auch nach Auffassung des sichtlich zerknirschten Großinquisitors nichts zu beschönigen.

Nicht einmal die „ökumenische Harmonie“ (68) in der Hexenverfolgung vermag ihm Trost zu spenden, denn schließlich haben „dieselben Protestanten, welche die Spanische Inquisition verteufeln, als wäre sie eine Ausgeburt der Hölle, […] sich bei der Hexenverfolgung so genau an das Handbuch des Strassburger Inquisitors“ gehalten, „als wär’s – ich sag’s jetzt mal evangelisch – das reine Evangelium“ (68).

Der Inquisition Effizienz bescheinigen zu wollen, das klingt nach menschenverachtendem Zynismus. „Schaudern im Publikum“ (74), als sich der Großinquisitor in seiner dritten Rede just diesem Thema zuwendet. Was er mit Effizienz meint, illustriert er an einem einfachen Beispiel:

„Bedenkt doch, dass der Vatikan noch unter den Pius-Päpsten […] mit knapp 300 Beamten die gesamte Weltkirche fest im Griff hatte. Danach sind es – durch die ‚Konzilsreformen’ – mehr als 3000 Beamte im Vatikan geworden. Und die haben die Weltkirche, weiß Gott, nicht mehr im Griff“ (77).

Anders die Inquisition: Jahrhunderte lang ist es ihr mit der wohl dosiertem Verbreitung von „shock and awe“ (80)  –  auf deutsch: Angst und Schrecken  – gelungen, Europa vor dem zu bewahren, was die beinahe logische Folge der so genannten Reformation war: ein immerhin Dreißigjähriger Krieg!

„Wie hoch immer ihr das reine Wort aus Wittenberg schätzt, war es einen Bürgerkrieg wert, in dem Deutschland in Trümmer sank und ein Drittel der Deutschen ums Leben kam“ (165)?

Galilei hinkte Kopernikus nach

„Das stärkste Argument meiner Gegner heisst Galileo Galilei“ (117), bekennt der Großinquisitor freimütig zu Beginn seiner vierten Rede, deren Quintessenz lautet: Die Inquisition hatte Recht  –  auch und gerade was Galilei betrifft!

Dabei hatte dieser nichts anderes gelehrt als vor ihm  –  immerhin 67 Jahre vor ihm  –  ein frommer Domherr aus Frauenburg in Preußen namens Nikolaus Kopernikus: Nicht die Erde ist der Mittelpunkt der Welt, sondern die Sonne. Der Unterschied zwischen beiden Gelehrten könnte, so der Großinquisitor, dennoch kaum größer sein:

Während Kopernikus seine Erkenntnis als wissenschaftliche Hypothese verstanden wissen wollte und überhaupt nur auf Drängen hin der Öffentlichkeit zur Kenntnis brachte, verhieß Galilei schon auf dem Titelblatt seiner einschlägigen Druckschrift  –  ganz im Stil der modernen Boulevardpresse  –  „magna, longeque admirabilia spectacula“ – „auf deutsch: ‚grosse Sensationen’“ (123).

Man mag darüber streiten, ob die Inquisition dem Glauben und der Kirche mit der Verurteilung Galileis einen Gefallen getan hat. Eines aber ist  –  zumindest aus heutiger Perspektive betrachtet  –  sicher: Von der Sache her hatte sie Recht! Zwar befindet sich die Erde tatsächlich nicht im Mittelpunkt der unendlichen Weiten des Weltraums  –  die Sonne aber auch nicht.

Dass sich die Inquisition zu Recht als heilig bezeichnet hat, illustriert der Großinquisitor am Beispiel eines seiner historischen Vorgänger: des hl. Papstes Pius V.

„Ich hoffe so zu regieren“, soll der vormalige Großinquisitor Michele Ghislieri nach seiner Wahl gesagt haben, „dass die Trauer bei meinem Tod grösser sein wird als bei meiner Erhebung“.

Vom hl. Pius V. zu Benedikt XVI.

Ähnliches wird sich wohl auch ein gewisser Kardinal Joseph Ratzinger gedacht haben, als sich am 19. April 2005 wider Erwarten mehr als zwei Drittel der Wählerstimmen im Konklave auf ihn vereinigten. Gleich Pius V. hatte auch er vor seiner Wahl zum Nachfolger Petri das wenig populäre Amt des Großinquisitors  –  auf neuvatikanisch: des Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre  –  inne.

Gleich Pius V. scheut Benedikt XVI. nicht die Konfrontation mit dem Islam  –  man denke an Lepanto (1571) und Regensburg (2006). Gleich Pius V. schließlich sieht Benedikt XVI. eines seiner wichtigsten Anliegen darin, „den lateinischen Kult in seiner antiken Schönheit und Ursprünglichkeit wiederherzustellen“ (176).

Leider ging, wie der Großinquisitor bedauernd feststellt, bei der Liturgiereform Pius’ V. „auch vieles daneben. Allerdings lange nicht so viel wie bei der vielgepriesenen Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils“ (177). Mit seinem Motu Proprio „Summorum Pontificum“ hat sich Papst Benedikt – sehr zum Ärger der außerhalb wie innerhalb der Kirche agierenden Irrlehrer unserer Tage – darangemacht, den Schaden zu beheben. Allein dafür dürfte ihm, wie vor ihm Pius V., die Heiligsprechung gewiss sein.

Bedauerlicherweise zieht sich der Großinquisitor nach seiner fünften Rede „schweigend zurück“ (192)  –  bedauerlich deswegen, weil mit ihm endlich einmal jemand vieles von dem zur Sprache gebracht hat, was viel zu lange schon verschwiegen wurde.

Zu hoffen bleibt, dass sein Beispiel  –  die Wahrheit zu sagen, auch wenn sie konzilskritisch, unökumenisch oder einfach nur katholisch klingt  – Schule macht.

Insofern kann die Lektüre der „Kurzgefasste[n] Verteidigung der Heiligen Inquisition“ Rechtgläubigen wie Ketzern, Traditionalisten wie Progressisten, Moralisten wie Modernisten nur dringend empfohlen werden:

Den jeweils Ersteren  –  ganz im Sinn der einst von der Heiligen Inquisition so meisterhaft inszenierten Autodafés  –  zur Erbauung, Letzteren zur Warnung vor dem Scheiterhaufen  –  dem jenseitigen, versteht sich. Beiden Gruppen vermag das geistreiche Büchlein zu lehren, was den nachkonziliaren Flügelkämpfen durchweg als Erstes zum Opfer gefallen ist: das zu Selbsterkenntnis und Selbstkritik erforderliche Quäntchen Humor.

Unser Autor Dr. Dr. Wolfgang Rothe ist katholischer Priester, Pfarrvikar in München und promovierter Kirchenrechtler

Erstveröffentlichung dieser Buchbesprechung in der Zeitschrift „Theologisches“ (Nr. 11-12/2007)

Foto des Buchtitels aus Amazon


Ökumenischer Bericht: Religionsfeindlichkeit von Staats wegen nimmt weltweit zu

Verletzungen des Rechts auf Religions- und Weltanschauungsfreiheit haben seit 2007 beständig zugenommen. Das ist das Ergebnis des ersten „Ökumenischen Berichts zur Religionsfreiheit von Christen weltweit“, den die EKD und die Deutsche Bischofskonferenz gemeinsam herausgegeben und am 1. Juli in Berlin vorgestellt haben. Kreuzkuppel

Wie der Autor des Berichts, Theodor Rathgeber, vor Pressevertretern erklärte, sind von den Einschränkungen der Religionsfreiheit nicht nur Christen betroffen, sondern Angehörige aller Religionen, darunter Juden, Hindus, Sikhs und Angehörige traditioneller afrikanischer oder chinesischer Religionen.

Christen waren im Zeitraum seit 2007 in 130 Ländern in ihrer Religionsfreiheit eingeschränkt, Muslime in 117, Juden in 75, Buddhisten in 16 und Hindus in 27 Staaten. Christen würden vor allem dann an der Ausübung ihrer Religion gehindert, wenn sie Angehörige von Minderheiten und nicht traditionell ansässig seien, als „fremd“ gälten und im Ruf stünden, einflussreiche Kontakte zum Ausland zu pflegen.

Unter solchen Bedingungen lebten etwa 10 bis 13 Prozent der christlichen Glaubensgemeinschaften. Davon wiederum konzentrierten sich 80 Prozent auf wenige Länder wie etwa China, Indien, Indonesien, Südkorea, Elfenbeinküste, Vietnam, Tschad, Ägypten oder Kasachstan.

Quelle: http://www.idea.de

Foto: Petrusbruderschaft


Ägypten am Rande eines Bürgerkriegs?

Ägypten steht nach Einschätzung der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) am Rande eines religiös geprägten Bürgerkrieges. Die Regierung Mursi versuche die Enttäuschung über das Versagen der Muslimbrüder auf die religiösen Minderheiten des Landes umzulenken und mache „ungläubige Muslime, Christen, Schiiten und Atheisten“ für die Misere Ägyptens verantwortlich, so die IGFM weiter. IGFM_Logo_blau_R32 G90 B165

In der Millionenstadt Gizeh bei Kairo seien in den vergangenen Tagen mehrere Schiiten, darunter ein Geistlicher, von ihrer aufgewiegelten Nachbarschaft erschlagen worden. Schon in den vergangenen zwei Wochen attackierten mehrfach aufgestachelte Sunniten Angehörige der kleinen schiitischen Minderheit. Am 23. Juni griffen sogar mehrere Tausend Menschen bei einem Pogrom im Süden Kairos ihre schiitischen Nachbarn an.

„Präsident Mursi instrumentalisiert den Bürgerkrieg in Syrien, und macht die Minderheiten zu Sündenböcken für sein eigenes wirtschaftspolitisches Scheitern“, erklärt IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

Jagd auf Christen und Frauen

In den oberägyptischen Städten Asyut und Beni Suef greife die radikal-islamische al-Dschamaʿa al-Islamiyya Christen und Frauen, die sich offen bzw. unverschleiert auf der Straße zeigten. Gleichzeitig, so die IGFM, ist der wohl bedeutendste islamische Fernsehprediger der Welt, Yusuf al-Qaradawi, nach Ägypten eingereist und rufe dort zur Unterstützung von Präsident Mursi und seinem harten Vorgehen gegen Kritiker auf.

Verfassungsgebende Versammlung jetzt!

Präsident Mursi stellte als Reaktion auf die heftigen Massenproteste für Neuwahlen die Möglichkeit für eine neue Verfassung in Aussicht. Mursi hatte im vergangenen Jahr ohne demokratische Legitimation und unter Federführung der Muslimbrüder eine neue, islamistisch geprägte Verfassung ausarbeiten lassen.

Die IGFM erklärte dazu, dass Mursi in der Vergangenheit praktisch alle Versprechen zu Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gebrochen habe. „Jetzt muss eine neue und demokratische verfassungsgebende Versammlung berufen werden. Es ist vielleicht die letzte Chance, die tiefe Spaltung der ägyptischen Gesellschaft zu überwinden“, so IGFM-Sprecher Lessenthin.

Weitere Infos zur Menschenrechtslage in Ägypten unter:
http://www.igfm.de/laender/aegypten/


Palästinenser-Anschlag auf Schauspielerin Shapira, ihren Mann und drei kleine Kinder

Auto mit Steinbrocken attackiert

Die Schauspielerin Ronit Avrahamov Shapira (siehe Foto) ist in Israel sehr populär: Sie spielt in der Satire-Serie „Latma“ eine Nachrichtensprecherin. Nun geriet sie mit ihrer Familie in einen Hinterhalt, ihr Auto wurde sonntagnachts mit Steinen beworfen.

Am Steuer des Wagens saß ihr Ehemann Eliezer, außerdem waren ihre drei kleinen Kinder im Auto. Auf ihrer Facebook-Seite spricht Ronuit Shapira von einem Mordanschlag: untitled

„Wir waren gegen 22 Uhr in Samaria unterwegs. Mein Mann wurde auf Steinbrocken auf der Straße aufmerksam, und ihm war gleich klar, was da vor sich ging. Er rief mir zu, ich solle die Kinder auf der Rückbank schützen. Da traf auch schon ein Stein die Scheibe neben mir – nicht irgendein Stein, das Ding hatte die Größe einer Grapefruit.“

Ronit Shapira zog sich Schnittwunden zu und blutete. Überall im Auto habe es Glassplitter gegeben. Dennoch habe ihr Mann nicht die Kontrolle über den Wagen verloren. Die Familie schaffte es bis zur nächsten israelischen Kontrollstelle.

Die Schauspielerin zeigte sich schockiert und enttäuscht über das Verhalten dieser Palästinenser: „Unsere Friedenspartner wollten uns umbringen. Man kann doch mit Mördern keinen Frieden schließen. Die haben Blut an ihren Händen und ich habe Blut auf meiner Stirn.“

In den vergangenen Wochen gab es bei Polizei, Regierung und Armee immer wieder Beschwerden über Steinewerfer in Judäa und Samaria, dem sog. Westjordanland. Meist sind es palästinensische Jugendliche, die gezielt jüdische Autos attackieren.

Quelle: http://www.israelheute.com


Die EHE ist eine Brücke zwischen Himmel und Erde!

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„Lobe den HERRN, der dich mit Huld und Erbarmen krönt“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche: Psalm 103 (102),1-2.3-4.8-9.10-11:

Lobe den HERRN, meine Seele, alles in mir rühme seinen heiligen Namen!
Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiß nicht, was er dir Gutes getan hat:
der dir all deine Schuld vergibt und all deine Gebrechen heilt,
der dein Leben vor dem Untergang rettet und dich mit Huld und Erbarmen krönt,

Der HERR ist barmherzig und gnädig, langmütig und reich an Güte.
ER wird nicht immer zürnen, nicht ewig im Groll verharren.
ER handelt an uns nicht nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unserer Schuld.
Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch ist seine Huld über denen, die ihn fürchten.


Abraham ringt mit Gott um die letzten „Zehn Gerechten“ in Sodom und Gomorra

Heutige Lesung der kath. Kirche: Genesis 18,16-33:

Die Männer erhoben sich von ihrem Platz und schauten gegen Sodom. Abraham wollte mitgehen, um sie zu verabschieden. Da sprach der HERR zu sich selber:

Soll ich Abraham verheimlichen, was ich vorhabe?  Abraham soll doch zu einem großen, mächtigen Volk werden, durch ihn sollen alle Völker der Erde Segen erlangen.  Denn ich habe ihn dazu auserwählt, daß er seinen Söhnen und seinem Haus nach ihm aufträgt, den Weg des HERRN einzuhalten und zu tun, was gut und recht ist, damit der HERR seine Zusagen an Abraham erfüllen kann.  header_buch

Der HERR sprach also: Das Klagegeschrei über Sodom und Gomorra, ja, das ist laut geworden, und ihre Sünde, ja, die ist schwer. Ich will hinabgehen und sehen, ob ihr Tun wirklich dem Klagegeschrei entspricht, das zu mir gedrungen ist. Ich will es wissen.
Die Männer wandten sich von dort ab und gingen auf Sodom zu.

Abraham aber stand noch immer vor dem HERRN. Er trat näher und sagte: 

„Willst du auch den Gerechten mit den Ruchlosen wegraffen? Vielleicht gibt es fünfzig Gerechte in der Stadt: Willst du auch sie wegraffen und nicht doch dem Ort vergeben wegen der fünfzig Gerechten dort? Das kannst du doch nicht tun, die Gerechten zusammen mit den Ruchlosen umbringen. Dann ginge es ja dem Gerechten genauso wie dem Ruchlosen. Das kannst du doch nicht tun. Sollte sich der Richter über die ganze Erde nicht an das Recht halten?“

Da sprach der HERR: Wenn ich in Sodom, in der Stadt, fünfzig Gerechte finde, werde ich ihretwegen dem ganzen Ort vergeben.
Abraham antwortete und sagte: „Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem Herrn zu reden, obwohl ich Staub und Asche bin.  Vielleicht fehlen an den fünfzig Gerechten fünf. Wirst du wegen der fünf die ganze Stadt vernichten?“  –   Nein, sagte der HERR, ich werde sie nicht vernichten, wenn ich dort fünfundvierzig finde.

Abraham fuhr fort, zu ihm zu reden: „Vielleicht finden sich dort nur vierzig.“  –  Nun sprach der HERR: Ich werde es der vierzig wegen nicht tun.
Und weiter sagte Abraham: „Mein HERR, zürne nicht, wenn ich weiterrede. Vielleicht finden sich dort nur dreißig.“  –  ER antwortete: Ich werde es nicht tun, wenn ich dort dreißig finde.

Darauf sagte Abraham: „Ich habe es nun einmal unternommen, mit meinem HERRN zu reden. Vielleicht finden sich dort nur zwanzig.“  –  ER sprach: Ich werde sie um der zwanzig willen nicht vernichten.  –  Und nochmals sagte Abraham: „Mein HERR, zürne nicht, wenn ich nur noch einmal das Wort ergreife. Vielleicht finden sich dort nur zehn.“  –  Und wiederum sprach der HERR: Ich werde sie um der zehn willen nicht vernichten.

Nachdem der HERR das Gespräch mit Abraham beendet hatte, ging er weg –  und Abraham kehrte heim.