Glaubenspräfekt Müller zur Papst-Enzyklika

In einer Pressekonferenz wurde am heutigen Freitag im Vatikan die päpstliche Enzyklika „Lumen fidei“ vorgestellt. Wir dokumentieren die einführenden Worte des Präfekten der Glaubenskongregation, Erzbischof Gerhard L. Müller, in deutscher Übersetzung von Radio Vatikan:

„In seinen Meditationen, die er uns täglich durch seine Predigten schenkt, ruft Papst Franziskus oft in Erinnerung: „Alles ist Gnade“. Angesichts der Komplexität und Widersprüchlichkeit des Lebens könnte dieses Wort manchem naiv oder abstrakt erscheinen. Es ist jedoch eine Einladung, den positiven Charakter alles Geschaffenen zu sehen.

Genau daran möchte uns die Enzyklika Lumen fidei erinnern: das Licht, das vom Glauben kommt, von der Selbstoffenbarung Gottes in Jesus Christus und in seinem Geist, erleuchtet die Tiefen der Wirklichkeit und hilft uns zu erkennen, dass es die unauslöschlichen Zeichen des Heilshandelns Gottes in sich eingeschrieben trägt.

Dank des Lichtes, das von Gott kommt, kann der Glaube tatsächlich „die gesamte Wegstrecke“ (Nr. 1), „das gesamte Sein des Menschen“ (Nr. 4) erleuchten. Der Glaube „trennt uns nicht von der Wirklichkeit, sondern erlaubt uns, ihren tieferen Grund zu erfassen und zu entdecken, wie sehr Gott diese Welt liebt und sie unaufhörlich auf sich hin ausrichtet“ (Nr. 18).

Dies ist die zentrale Botschaft der Enzyklika, die einige für Benedikt XVI. wichtige Themen aufgreift. „Diese Gedanken über den Glauben möchten“, so schreibt Papst Franziskus, „eine Ergänzung zu dem sein, was Benedikt XVI. in den Enzykliken über die Liebe und die Hoffnung geschrieben hat. Er hatte eine erste Fassung einer Enzyklika über den Glauben schon nahezu fertig gestellt. Dafür bin ich ihm zutiefst dankbar. In der Brüderlichkeit in Christus übernehme ich seine wertvolle Arbeit und ergänze den Text durch einige weitere Beiträge“ (Nr. 7).

Aus der Feder zweier Päpste

Es ist eine glückliche Fügung, dass dieser Text, wenn man so will, der Feder zweier Päpste entstammt. Wer ihn liest, kann  –  abgesehen von Unterschieden im Stil, in der Wahrnehmung und in der Schwerpunktsetzung  –  sofort die grundlegende Kontinuität der Botschaft von Papst Franziskus mit den Lehräußerungen von Benedikt XVI. erkennen.

Am Ursprung von allem steht Gott. An Ihn glauben heißt diese Tatsache anerkennen. Das weitet den Verstand und das Herz des Menschen, eröffnet ihm neue Horizonte, bringt ihn näher zu den anderen Menschen und öffnet die Pforten hin zu einer Lebensweise, die der Höhe seiner Berufung entspricht.

Ja, wir müssen es uns eingestehen: Jedes Mal wenn wir den Glauben an Gott durch unsere Gedankenlosigkeit, unser Nicht-Handeln, durch unsere Lieblosigkeit nicht leben, tragen wir nicht zum Aufbau einer menschlicheren Welt bei. Wenn wir so handeln, geben wir vielmehr ein Anti-Zeugnis von Gott und entstellen das Antlitz der Kirche.

Im lebendigen Glauben an Gott, zu dem uns sein eingeborener Sohn Jesus Christus durch seinen Geist hintreten lässt, liegt unsere große Ressource. Von hier aus steht oder fällt jeder Reformversuch nicht nur in der Kirche, denn hier handelt es sich um eine Gabe, die die Kirche nicht für sich allein behalten kann.

Der Glaube ist ein  Schatz des Guten

Der Glaube und das Leben der Gnade, das er uns ermöglicht, sind wahrlich ein Schatz des Guten und Wahren für alle Menschen, denn alle sind gerufen, in Freundschaft mit Gott zu leben und die Horizonte der Freiheit zu erleben, die sich für den eröffnen, der sich von Ihm an der Hand nehmen lässt. media-444757-2

Der Glaube an Gott, den uns Jesus Christus offenbart, ist der wahre Fels, auf den der Mensch sein Leben und das Leben der Welt bauen kann. Beim Glauben handelt es sich um ein Geschenk, das „niemals als etwas Selbstverständliches“ vorausgesetzt werden kann, sondern ununterbrochen „genährt und gestärkt werden muss“ (Nr. 7).

Dank des Glaubens können wir erkennen, dass uns jeden Tag eine „große Liebe“ angeboten wird, eine Liebe, die uns verwandelt, den Weg in die Zukunft erhellt und uns die Flügel der Hoffnung wachsen lässt (vgl. Nr. 7). Dank des Glaubens, der uns mit einem tragfähigen Vertrauen beschenkt und dieses in uns nährt, können wir mit Realismus in die Zukunft blicken, ohne uns „die Hoffnung rauben“ zu lassen, wie Papst Franziskus ständig wiederholt.

„Glaube, Hoffnung und Liebe bilden in wunderbarer Verflechtung die Dynamik des christlichen Lebens“ (Nr. 7), des Lebens eines Menschen, der sich öffnet für die Gaben Gottes.

Vier „Szenen“ eines „Gemäldes“

All das unterstreicht die Enzyklika Lumen fidei, die in vier Teile gegliedert ist, die wir gleichsam als vier „Szenen“ eines einzigen großen „Gemäldes“ auffassen können.

Im ersten Teil wird der Weg aufgezeigt vom Glauben Abrahams als eines Menschen, der in der Stimme Gottes „einen tiefen Ruf, der von jeher in das Innerste seines Seins eingeschrieben ist“ (Nr. 11),erkennt, hin zum Glauben des Volkes Israel. Das Volk Israel schwankt ständig zwischen der „Versuchung des Unglaubens“ (Nr. 13) und der Anbetung der Götzen, die Werke von Menschenhand sind, und dem „Gedenken der Wohltaten Gottes und an die fortschreitende Erfüllung seiner Verheißungen“ (Nr. 12).

Die Geschichte Jesu bietet schließlich das Kompendium der Erlösung, in dem alle Linien der Heilsgeschichte Israels sich sammeln und bündeln.

Mit Jesus Christus können wir endgültig sagen, dass wir denn er Mit Ihm erreicht der Glaube seine Vollendung.

GOTT offenbarte sich in Christus

Dieser Glaube lädt uns ein anzuerkennen, dass Gott nicht in den fernen Höhen seines Himmels verblieben ist, sondern sich offenbart hat in Jesus Christus, der gestorben und auferstanden ist und der mitten unter uns gegenwärtig bleibt.

Wenn wir Jesus folgen, wird dank des Glaubens das ganze Sein des Menschen verwandelt. Das Ich, die Person des Glaubenden, öffnet sich für die ursprüngliche Liebe, die im Glauben geschenkt wird und weitet sich für „ein kirchliches Leben“ (Nr. 22). Indem er uns öffnet für die Gemeinschaft mit unseren Brüdern und Schwestern, will der Glaube uns nicht reduzieren „auf ein einfaches Rädchen in einem großen Getriebe“ (Nr. 22), sondern uns helfen, dass „jeder sein eigenes Sein bis ins Letzte“ gewinnt“ (Nr. 22).

„Für den, der auf diese Weise verwandelt worden ist, öffnet sich eine neue Sichtweise“ (Nr. 22) und der Glaube wird zum wahren „Licht“, das einlädt, sich immer wieder neu vom Ruf Gottes verwandeln zu lassen.

Die Frage nach der Wahrheit nicht umgehen

Die Frage nach der Wahrheit und das tatkräftige Bemühen um die Wahrheitssuche können nicht umgangen werden, so wie man auch nicht a priori den Beitrag ausschießen kann, den die großen religiösen Traditionen zur Wahrheitssuche leisten, insbesondere insoweit sie sich auf die fundamentalen Wahrheiten des menschlichen Seins richten.

Was ist der Beitrag, den diesbezüglich der Glaube an Jesus Christus zu bieten vermag? Der Glaube öffnet uns für die Liebe, die von Gott kommt, er verwandelt unsere Sichtweise der Dinge, „weil die Liebe selber Licht bringt“ (Nr. 26).header_buch

Auch wenn es für den modernen Menschen scheint, dass die Frage nach der Liebe nichts mit der Wahrheitsfrage zu tun hat, da die Liebe heute bloß im Bereich der Gefühle angesiedelt wird, so gilt doch: „Liebe und Wahrheit kann man nicht voneinander trennen“ (Nr. 27).

Die Liebe ist authentisch, wenn sie an die Wahrheit gebunden ist, und die Wahrheit lockt uns mit der Kraft der Liebe. „Diese Entdeckung der Liebe als Quelle der Erkenntnis, die zur ursprünglichen Erfahrung jedes Menschen gehört“, wird uns „in der biblischen Auffassung des Glaubens“ bezeugt (Nr. 28). Das ist vielleicht einer der wichtigsten und schönsten Aspekte der Enzyklika.

Der Glaube kommt vom Hören und er läßt uns sehen

Aufgrund der Tatsache, dass der Glaube auf die Erkenntnis bezogen und an die Wahrheit gebunden ist, kann Thomas von Aquin von oculata fides sprechen, „vom sehenden Glauben“, vom Glauben als einem Geschehen, das das „Sehen“ betrifft (Nr. 30). Der Glaube betrifft das Hören, aber er ist auch „ein Entwicklungsprozess des Sehens” (Nr. 30), der die Wahrheit sucht und erkennt und bei dem „Glaube und Vernunft sich gegenseitig stärken“ (Nr. 32).

So hatte im Übrigen schon der heilige Augustinus von Hippo „entdeckt, dass alle Dinge eine Transparenz in sich tragen“ und so „die Güte Gottes, das Gute widerspiegeln können“ (Nr. 33). Der Glaube hilft uns also, die Fundamente der Wirklichkeit in ihrer Tiefe zu ergründen.

Dr. Bernd F. Pelz

 

In diesem Sinn kann man verstehen, auf welcher Ebene das Licht des Glaubens „die Fragen unserer Zeit über die Wahrheit erhellen“ kann (Nr. 34), also die großen Fragen, die im menschlichen Herzen aufsteigen angesichts der gesamten Wirklichkeit mit ihren Schönheiten, aber auch angesichts ihrer Dramen.

Denn die Wahrheit – hier kommt der Glaube ins Spiel – ist gebunden an die Liebe und kommt von der Liebe. Die Wahrheit muss uns nicht Angst machen, denn sie drängt sich nicht mit Gewalt auf, sondern trachtet danach, wirklich zu überzeugen fortiter ac suaviter, kraftvoll und mild.

Das ist der Grund, warum die Enzyklika daran festhält, dass „der Glaube die Horizonte der Vernunft [weitet], um die Welt, die sich der wissenschaftlichen Forschung erschließt, besser zu durchleuchten“ (Nr. 34). Dies gilt für die wissenschaftliche Forschung, aber auch für die Suche jedes wahrhaft religiösen Menschen. Denn der Glaube offenbart uns, dass derjenige, der die Wahrheit und das Gute zu suchen beginnt, sich bereits Gott nähert und schon von seiner Hilfe unterstützt wird (vgl. Nr. 35), auch ohne sich dessen bewusst zu sein.

Ich möchte keine Zusammenfassung des dritten und vierten Teils der Enzyklika geben, sondern nur auf einige wichtige Aspekte aufmerksam machen. Zum einen möchte ich kurz darauf verweisen, wie der Glaube entsteht. Er ist ein Geschehen, das die Person im Innersten berührt.

Der Mensch ist nicht ein isoliertes und isolierendes Ich, das Gott gegenüber steht, sondern er ist in eine Gemeinschaft eingebunden. Der Glaube wird deshalb „in der Form des Kontakts von Person zu Person weitergegeben, wie eine Flamme sich an einer anderen entzündet“ (Nr. 37).

CREDO – Glauben im WIR der KIRCHE

Der Glaube ist eingebunden in ein Gewebe von Beziehungen, das uns vorausgeht und uns überschreitet, in ein „Wir“, das uns einlädt, aus der Einsamkeit unseres Ichs auszubrechen, um uns einzuordnen in eine größere Sichtweise, in einen Dialog und einen Weg ohne Ende. Die dialogische Struktur, in der sich unser Credo zeigt, wird auch an dieser Tatsache und an dieser Bewegung deutlich, die im Inneren des kirchlichen „Wir“ zu verorten ist, in dem neuen Subjekt, dem wir aufgrund des Glaubens angehören.

Die Kirche ist der Ort, in dem diese Bewegung der Person, die aus dem gelebten Glauben hervorgeht, gegründet ist und von dem aus sie ohne Unterlass angetrieben wird. Die Kirche öffnet uns für Gott und für die anderen. Sie wird so zu einer neuen Weltanschauung, einer besonderen Sichtweise der Welt. Sie ist, um das schöne Zitat von Romano Guardini aufzugreifen, „die geschichtliche Trägerin des vollen Blicks Christi auf die Welt“ (Nr. 22).

Die Kirche ist der Ort, in dem Glaube entsteht und in dem er eine Erfahrung wird, die man anderen mitteilen und von der man in nachvollziehbarer und vertrauenswürdiger Weise Zeugnis geben kann. Denn „was in der Kirche mitgeteilt wird, […] ist das neue Licht, das aus der Begegnung mit dem lebendigen Gott kommt“ (Nr. 40).

Sakramente: Begegnung mit Gott

Diese Begegnung mit dem lebendigen Gott ermöglicht es der Kirche, von ihm glaubwürdig Zeugnis zu geben. Werkzeug und wirksame Zeichen dieser Begegnung „sind die Sakramente, die in der Liturgie der Kirche gefeiert werden“ (Nr. 40). Deshalb betont die Enzyklika, dass der Glaube eine sakramentale Struktur hat.

Von hier aus kann man gut die dem Glauben eigene Bewegung verstehen: Er setzt an beim Sichtbaren und Materiellen, um uns „auf das Geheimnis der Ewigkeit hin“ zu öffnen (Nr. 40). In diese Bewegung wird der Gläubige mit seinem ganzen Sein hineingenommen, in die Wahrheit, die er erkennt und bekennt (vgl. Nr. 45).

Er kann daher „die Worte des Credos nicht in Wahrheit aussprechen, ohne dadurch verwandelt zu werden“ (Nr. 45). Denn der Glaube drängt zu einem beständigen Wandel und verbietet es dem Menschen, sich in eine bequeme Gelassenheit einzuschließen.

Die Einheit des Glaubens bezeugen

Als Zweites liegt es mir am Herzen, ein Zitat, das sich im dritten Teil der Enzyklika findet und einer Predigt von Papst Leo dem Großen entnommen ist, anzuführen: „Wenn der Glaube nicht eins ist, ist er kein Glaube“ (Nr. 47). 1_0_668126

Wir leben in einer Welt, die trotz aller Tendenzen zur Globalisierung gespalten und zerteilt ist. In den vielen verschiedenen „Welten“ stehen die Menschen zwar miteinander in Verbindung, leben aber doch oft isoliert und nur zu oft im Konflikt miteinander.

Die Einheit des Glaubens ist deshalb ein kostbares Gut, das der Papst und seine Mitbrüder im Bischofsamt bezeugen, nähren und schützen, und zwar als Vorbotin einer Einheit, die ein Geschenk für die ganze Welt sein möchte.

Dabei handelt es sich nicht um eine monolithische Einheit, sondern um eine Einheit in reicher und lebendiger Vielfalt. Gott selbst ist einer und zugleich dreifaltig. Das Zeugnis für die Einheit gehört zur Sendung der Kirche, die vom II. Vatikanischen Konzil als „Zeichen und Werkzeug“ (Lumen gentium, Nr. 1) der Einheit, die von Gott kommt, bezeichnet wurde und deren Bestimmung es ist, die ganze Menschheit zu umfassen.

Diese Einheit wird mit Recht „katholisch“ genannt, denn sie ist in der Wahrheit gegründet, der sie zu dienen hat und von der her sie zu bewerten ist. Sie vermag „alles in sich zu assimilieren, was sie in den verschiedenen Bereichen, wo sie hingelangt, und in den verschiedenen Kulturen, denen sie begegnet, vorfindet“ (Nr. 48). Denn diese Einheit ist gegründet in der Wahrheit, so nimmt sie uns nichts weg, sondern bereichert uns mit den Gaben, die dem Großmut des göttlichen Herzens und jedes einzelnen Menschen entstammen.

Keine Brüderlichkeit ohne Gott

Eben diese Einheit in der Wahrheit, zu der uns Gott, der Vater aller, führt, kann uns auch helfen, die wahre Wurzel der Brüderlichkeit zu entdecken (vgl. Nr. 53). Ohne Wahrheit und ohne Gott kann der Traum der universellen Brüderlichkeit, der am Anfang der Moderne steht, nicht Wirklichkeit werden, sondern nur die traurige Erfahrung von Babel wiederholen.

Denn die Brüderlichkeit, „die des Bezugs auf einen gemeinsamen Vater als ihr letztes Fundament entbehrt“, vermag „nicht zu bestehen“ (Nr. 54). Die Geschichte der beiden vergangenen Jahrhunderte zeigt uns dies sehr deutlich.

Zum Abschluss möchte ich einen Aspekt aus dem vierten Teil der Enzyklika aufgreifen. Es stimmt, dass der echte Glaube mit Freude erfüllt und „das Leben weit“ macht (Nr. 53). Das ist übrigens ein Gedanke, der Papst Franziskus eng mit Benedikt XVI. verbindet.

Durch Leiden zur Hoffnung

Zugleich lässt uns das Licht des Glaubens aber „nicht die Leiden der Welt vergessen“ (Nr. 57), sondern öffnet uns zu „einer begleitenden Gegenwart, einer Geschichte des Guten, die sich mit jeder Leidensgeschichte verbindet, um in ihr ein Tor zum Licht aufzutun“ (Nr. 57). Nur das Licht, das von Gott kommt, dem menschgewordenen Gott, der den Tod durchlitten und besiegt hat, kann angesichts des vielfältigen Leids, welches das menschliche Leben bedrückt, eine glaubwürdige Hoffnung bieten.

Zusammenfassend könnte man sagen: Die Enzyklika will auf neue Weise bekräftigen, dass der Glaube an Jesus Christus ein Gut für den Menschen ist, und zwar für alle. Der Glaube „ist ein Gemeingut; sein Licht erleuchtet nicht nur das Innere der Kirche, noch dient er allein der Errichtung einer ewigen Stadt im Jenseits; er hilft uns, unsere Gesellschaften so aufzubauen, dass sie einer Zukunft voll Hoffnung entgegengehen“ (Nr. 51).

Soweit einige kurze Hinweise, die nur dazu dienen wollen, zur Lektüre dieses reichhaltigen Dokuments anzuregen, gleichsam den Geschmack daran zu wecken. Diese Enzyklika kann wahrhaftig als ein „Dokument“ bezeichnet werden: sie bietet uns nicht nur Worte, sondern sie dokumentiert uns den positiven Blick eines Lebens, das sich ganz von Gott anziehen und umfangen lässt.

Das ist das Licht des Glaubens. Das ist im Übrigen auch das Zeugnis, für das wir Papst Franziskus und Benedikt XVI., zwei echte Leuchten des Glaubens und der Hoffnung für unsere Zeit, so dankbar sind.“

Quelle: Radio Vatikan


Papst-Enzyklika betont zentrale Bedeutung von Ehe und Familie

Meldung der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA:

Während die EKD in ihrem Familienpapier die traditionelle Vorrangstellung für die Ehe aufgegeben hat, unterstreicht die römisch-katholische Kirche die zentrale Bedeutung dieser Lebensform für Kirche und Gesellschaft.

Das geht aus dem am 5. Juli veröffentlichten päpstlichen Lehrschreiben „Licht des Glaubens“ hervor. Darin schreibt Papst Franziskus: „Der erste Bereich, in dem der Glaube das Gemeinwesen der Menschen erleuchtet, findet sich in der Familie. Vor allem denke ich an die dauerhafte Verbindung von Mann und Frau in der Ehe.“

In der Familie begleite der Glaube alle Lebensalter  –  angefangen von der Kindheit. Die Kinder lernten, der Liebe ihrer Eltern zu trauen: „Deshalb ist es wichtig, dass die Eltern gemeinsame Übungen des Glaubens in der Familie pflegen, welche die Reifung des Glaubens der Kinder begleitet.“

Das Lehrschreiben ist ein Gemeinschaftswerk von Papst Franziskus und seinem Vorgänger Benedikt XVI. Wie es darin weiter heißt, macht der Glaube das Leben in der Gesellschaft hell: „Er besitzt ein schöpferisches Licht für jeden neuen Moment der Geschichte, weil er alle Ereignisse in Beziehung zum Ursprung und zum Ziel von allem im Vater setzt, der uns liebt.“  – Der Glaube sei nicht eine Zuflucht für Menschen ohne Mut, sondern mache das Leben weit.

Quelle: http://www.idea.de


Gewalt in Syrien: Christen im Kreuzfeuer zwischen allen Fronten

Studie beleuchtet Situation der christlichen Minderheit

Während seit Beginn des kriegerischen Konflikts in Syrien fast 100.000 Menschen ums Leben kamen, dokumentiert ein von der Organisation „Open Doors International“ herausgegebener Bericht auf 78 Seiten anhand objektiver Daten die besondere „Angreifbarkeit“ der dortigen christlichen Gemeinden und die verheerenden Auswirkungen davon. imm012_10A

Verantwortlich für die Herausgabe der Studie mit dem Titel „Vulnerability Assessment of Syria’s Christians“ ist der Experte für geopolitische Fragen, Nicholas Heras, der auf wissenschaftliche Weise die Faktoren der „Angreifbarkeit“ auflistet, die auf Christen in Syrien einwirken.

Im Unterschied zu anderen Minderheiten wie etwa Alawiten und Kurden, die sich auf die Seite der Rebellen stellen, ist die Position der Christen eher komplex und unklar, heißt es in dem Bericht.

Anfangs hatten viele Christen an den Kundgebungen gegen das Assad-Regime teilgenommen, bei denen mehr Freiheit und Demokratie gefordert wurde, bevor sich der Konflikt auf das ganze Land ausbreitete.

Die Open-Doors-Studie berichtet auch von Christen, die in den Reihen der Aufständischen (Free Syrian Army) kämpfen. Auf der anderen Seite sollen viele Christen von den Selbstschutzgruppen rekrutiert worden sein, welche die eigenen Dörfer und Siedlungen vor den Überfällen der aufständischen Milizen schützen wollen.

Wie aus der Analyse hervorgeht, gab es in der ersten Phase des Konflikts keine gezielten Übergriffe auf Christen als solche. Im Laufe der Zeit haben radikal-islamische Tendenzen dazu geführt, daß Morde, Entführungen, Vergewaltigungen und Gewalt gegen Christen seitens der radikalen Opposition zunahmen, was zu Panik unter den Christen führte.

Christen sind Übergriffen beider Seiten ausgesetzt

Der Bericht von Open Doors sammelt Informationen verschiedener Quellen zur Gewalt gegen Christen und beschreibt die Faktoren, die christliche Gemeinden in der blutigen Spirale besonders angreifbar machen, angefangen bei ihrer Ansiedlung in strategischen Zonen (Damaskus, Homs und Aleppo sowie Gebiete an der Grenze zum Libanon und zur Türkei), an zentralen Orten des Bürgerkriegs.

Christen  –  so der Bericht  –  zahlen den Preis dafür, dass „sie sich im Kreuzfeuer des Konflikts befinden und der Gewalt von beiden Seiten ausgesetzt sind“.

Sie sind eine „einfache“ Zielscheibe für alle kriminellen Gruppen, die vom Chaos profitieren. Sie leiden besonders unter Feindseligkeiten und Misshandlung in Flüchtlingscamps. Sie sind immer öfter Ziel von Übergriffen islamistischer Banden. Es gibt im Vergleich zu anderen ethnischen und religiösen Gruppen mehr Flüchtlinge und Vertriebene aus christlichen Gemeinden.

Quelle: vatikanischer Fidesdienst


Papst Franziskus: Enzyklika LUMEN FIDEI über den Glauben

ENZYKLIKA
LUMEN FIDEI
VON PAPST FRANZISKUS
AN DIE BISCHÖFE, AN DIE PRIESTER UND DIAKONE,
AN DIE GOTTGEWEIHTEN PERSONEN
UND AN ALLE CHRISTGLÄUBIGEN
ÜBER DEN GLAUBEN

1. Das Licht des Glaubens: Mit diesem Ausdruck hat die Tradition der Kirche das große Geschenk bezeichnet, das Jesus gebracht hat, der im Johannesevangelium über sich selber sagt: »Ich bin das Licht, das in die Welt gekommen ist, damit jeder, der an mich glaubt, nicht in der Finsternis bleibt« (Joh 12,46).

Auch der heilige Paulus drückt dies mit ähnlichen Worten aus: »Gott, der sprach: Aus Finsternis soll Licht aufleuchten!, er ist in unseren Herzen aufgeleuchtet« (2 Kor 4,6).

In der heidnischen, lichthungrigen Welt hatte sich der Kult für den Sonnengott Sol invictus entwickelt, der beim Sonnenaufgang angerufen wurde. Auch wenn die Sonne jeden Tag wiedergeboren wurde, verstand man sehr wohl, dass sie nicht imstande war, ihr Licht über das ganze Sein des Menschen auszustrahlen. Die Sonne erleuchtet ja nicht die ganze Wirklichkeit, ihr Strahl vermag nicht, bis in den Schatten des Todes vorzudringen, dorthin, wo das menschliche Auge sich ihrem Licht verschließt. kt2012-p1110153

»Niemals konnte jemand beobachtet werden, der bereit gewesen wäre, für seinen Glauben an die Sonne zu sterben«, sagt der heilige Märtyrer Justinus.[1] – Im Bewusstsein des weiten Horizonts, den der Glaube ihnen eröffnete, nannten die Christen Christus die wahre Sonne »deren Strahlen Leben schenken«.[2]

Zu Martha, die über den Tod ihres Bruders Lazarus weint, sagt Jesus: »Habe ich dir nicht gesagt: Wenn du glaubst, wirst du die Herrlichkeit Gottes sehen?« (Joh 11,40).

Wer glaubt, der sieht; er sieht mit einem Licht, das die gesamte Wegstrecke erleuchtet, weil es vom auferstandenen Christus her zu uns kommt, dem Morgenstern, der nicht untergeht.

Ein trügerisches Licht?

2. Und doch können wir, wenn wir von diesem Licht des Glaubens sprechen, den Einwand vieler unserer Zeitgenossen hören. Mit dem Aufkommen der Neuzeit meinte man, ein solches Licht sei für die antiken Gesellschaften ausreichend gewesen, für die neuen Zeiten, den erwachsen gewordenen Menschen, der stolz ist auf seine Vernunft und die Zukunft auf neue Weise erforschen möchte, sei es jedoch nutzlos.

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

In diesem Sinn erschien der Glaube als ein trügerisches Licht, das den Menschen hinderte, sich wagemutig auf die Ebene des Wissens zu begeben. Der junge Nietzsche forderte seine Schwester Elisabeth auf zu wagen, »in der Unsicherheit des selbständigen Gehens« »neue Wege« zu beschreiten. Und er fügte hinzu: »Hier scheiden sich nun die Wege der Menschheit; willst du Seelenruhe und Glück erstreben, nun so glaube, willst du ein Jünger der Wahrheit sein, so forsche«.[3]  Glauben stehe dem Suchen entgegen.

Davon ausgehend entwickelte Nietzsche dann seine Kritik am Christentum, die Reichweite des menschlichen Seins verringert zu haben, indem es dem Leben Neuheit und Abenteuer genommen habe. Demnach wäre der Glaube gleichsam eine Licht-Illusion, die unseren Weg als freie Menschen in die Zukunft behindert.

3. In diesem Prozess wurde der Glaube am Ende mit der Dunkelheit in Verbindung gebracht. Man meinte, ihn bewahren zu können, einen Raum für ihn zu finden, um ihm ein Miteinander mit dem Licht der Vernunft zu ermöglichen. Der Raum für den Glauben öffnete sich da, wo die Vernunft kein Licht zu bringen vermochte, wo der Mensch keine Sicherheiten mehr erlangen konnte.

Der Glaube als „Sprung ins Leere“?

So wurde der Glaube wie ein Sprung ins Leere verstanden, den wir aus Mangel an Licht vollziehen, getrieben von einem blinden Gefühl; oder wie ein subjektives Licht, das vielleicht das Herz zu erwärmen und einen persönlichen Trost zu bringen vermag, sich aber nicht den anderen als objektives und gemeinsames Licht zur Erhellung des Weges anbieten kann.

Nach und nach hat sich jedoch gezeigt, dass das Licht der eigenständigen Vernunft nicht imstande ist, genügend Klarheit über die Zukunft zu vermitteln; sie verbleibt schließlich in ihrem Dunkel und lässt den Menschen in der Angst vor dem Unbekannten zurück.

Und so hat der Mensch auf die Suche nach einem großen Licht, nach einer großen Wahrheit verzichtet, um sich mit kleinen Lichtern zu begnügen, die den kurzen Augenblick erhellen, doch unfähig sind, den Weg zu eröffnen. Wenn das Licht fehlt, wird alles verworren, und es ist unmöglich, das Gute vom Bösen, den Weg, der zum Ziel führt von dem zu unterscheiden, der uns richtungslos immer wieder im Kreis gehen lässt.

Ein Licht, das wiederentdeckt werden muss

4. Darum ist es dringend, die Art von Licht wiederzugewinnen, die dem Glauben eigen ist, denn wenn seine Flamme erlischt, verlieren am Ende auch alle anderen Leuchten ihre Kraft. Das Licht des Glaubens besitzt nämlich eine ganz besondere Eigenart, da es fähig ist, das gesamte Sein des Menschen zu erleuchten. Um so stark zu sein, kann ein Licht nicht von uns selber ausgehen, es muss aus einer ursprünglicheren Quelle kommen, es muss letztlich von Gott kommen.

Der Glaube keimt in der Begegnung mit dem lebendigen Gott auf, der uns ruft und uns seine Liebe offenbart, eine Liebe, die uns zuvorkommt und auf die wir uns stützen können, um gefestigt zu sein und unser Leben aufzubauen.

Neue Augen des Geistes durch den Glauben

Von dieser Liebe verwandelt, empfangen wir neue Augen, erfahren wir, dass in ihr eine große Verheißung von Fülle liegt, und es öffnet sich uns der Blick in die Zukunft. Bittprozession Auftakt Katholikentagskreuz

Der Glaube, den wir von Gott als eine übernatürliche Gabe empfangen, erscheint als Licht auf dem Pfad, das uns den Weg weist in der Zeit. Einerseits kommt er aus der Vergangenheit, ist er das Licht eines grundlegenden Gedächtnisses, des Gedenkens des Lebens Jesu, in dem sich dessen absolut verlässliche Liebe gezeigt hat, die den Tod zu überwinden vermag.

Da Christus aber auferstanden ist und über den Tod hinaus uns an sich zieht, ist der Glaube zugleich ein Licht, das von der Zukunft her kommt, vor uns großartige Horizonte eröffnet und uns über unser isoliertes Ich hinaus in die Weite der Gemeinschaft hineinführt. Wir begreifen also, dass der Glaube nicht im Dunkeln wohnt; dass er ein Licht für unsere Finsternis ist.

Dante: „Dies ist der Funke…“

Nachdem Dante in der „Göttlichen Komödie“ vor dem heiligen Petrus seinen Glauben bekannt hat, beschreibt er ihn mit den Worten: »Dies ist der Funke, dies der Glut Beginn / die dann lebendig in mir aufgestiegen / der Stern, von welchem ich erleuchtet bin«.[4]

Genau von diesem Licht des Glaubens möchte ich sprechen, damit es zunimmt und die Gegenwart erleuchtet, bis es ein Stern wird, der die Horizonte unseres Weges aufzeigt in einer Zeit, in der der Mensch des Lichtes ganz besonders bedarf.

5. Vor seinem Leiden hat der HERR dem Petrus versichert: »Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht erlischt« (Lk 22,32). Und dann hat er ihm aufgetragen, in eben diesem Glauben „die Brüder zu stärken“.

Im Bewusstsein der Aufgabe, die dem Nachfolger Petri anvertraut ist, hat Benedikt XVI. dieses Jahr des Glaubens ausgerufen. Diese Zeit der Gnade hilft uns dabei, die große Freude im Glauben zu spüren und die Weite der Horizonte, die der Glaube erschließt, wieder kraftvoll wahrzunehmen, um ihn in seiner Einheit und Unversehrtheit zu bekennen in Treue zum Gedächtnis des HERRN und getragen durch seine Gegenwart und das Wirken des Heiligen Geistes.

Der Glaube macht das Leben groß

Die Überzeugung eines Glaubens, der das Leben groß macht und erfüllt, es auf Christus und die Kraft seiner Gnade hin ausrichtet, beseelte die Sendung der ersten Christen. In den Akten der Märtyrer steht dieser Dialog zwischen dem römischen Präfekten Rusticus und dem Christen Hierax: »Wo sind deine Eltern?«, fragte der Richter den Märtyrer, und dieser antwortete: »Unser wahrer Vater ist Christus und unsere Mutter der Glaube an ihn«.[5]

Für jene Christen war der Glaube als Begegnung mit dem in Christus geoffenbarten lebendigen Gott eine „Mutter“, denn er gebar sie, zeugte in ihnen das göttliche Leben, bewirkte eine neue Erfahrung, eine lichtvolle Sicht des Lebens, wofür man bereit war, öffentlich Zeugnis zu geben bis zum Äußersten.

Der Vorrang Gottes in Christus

6. Das Jahr des Glaubens begann am fünfzigsten Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils. Dieses Zusammentreffen verhilft uns zu der Einsicht, dass das Zweite Vatikanum ein Konzil über den Glauben war [6], insofern es uns aufgefordert hat, den Vorrang Gottes in Christus wieder zum Zentrum unseres kirchlichen und persönlichen Lebens zu machen. Dom St Peter -Regensb.

Die Kirche setzt den Glauben nämlich niemals als etwas Selbstverständliches voraus, sondern weiß, dass dieses Geschenk Gottes genährt und gestärkt werden muss, damit es weiterhin ihren Weg lenkt.

Das Zweite Vatikanische Konzil hat den Glauben innerhalb der menschlichen Erfahrung erstrahlen lassen und ist so die Wege des heutigen Menschen gegangen. Auf diese Weise ist sichtbar geworden, wie der Glaube das menschliche Leben in allen seinen Dimensionen bereichert.

7. Diese Gedanken über den Glauben möchten  —  in Kontinuität mit all dem, was das Lehramt der Kirche über diese theologale Tugend ausgesagt hat [7] — eine Ergänzung zu dem sein, was Benedikt XVI. in den Enzykliken über die Liebe und die Hoffnung geschrieben hat.

Er hatte eine erste Fassung einer Enzyklika über den Glauben schon nahezu fertig gestellt. Dafür bin ich ihm zutiefst dankbar. In der Brüderlichkeit in Christus übernehme ich seine wertvolle Arbeit und ergänze den Text durch einige weitere Beiträge.

Der Nachfolger Petri ist ja gestern, heute und morgen immer aufgerufen, „die Brüder zu stärken“ in jenem unermesslichen Gut des Glaubens, das Gott jedem Menschen als Licht für seinen Weg schenkt.

Glauben ist ein Geschenk des Himmels

Im Glauben   —   der ein Geschenk Gottes ist, eine übernatürliche Tugend, die er uns einflößt  —  erkennen wir, dass uns eine große Liebe angeboten und ein gutes Wort zugesprochen wurde und dass wir, wenn wir dieses Wort  —  Jesus Christus, das Mensch gewordene Wort  —  aufnehmen, durch den Heiligen Geist verwandelt werden; er erhellt den Weg in die Zukunft und lässt uns die Flügel der Hoffnung wachsen, um diesen Weg freudig zurückzulegen.

Glaube, Hoffnung und Liebe bilden in wunderbarer Verflechtung die Dynamik des christlichen Lebens auf die volle Gemeinschaft mit Gott hin. Wie ist dieser Weg, den der Glaube vor uns auftut? Woher kommt sein mächtiges Licht, das den Weg eines gelungenen, überaus fruchtbaren Lebens zu erleuchten vermag?

ERSTES KAPITEL

WIR HABEN DIE LIEBE GLÄUBIG ANGENOMMEN
(vgl. 1 Joh 4,16)

Abraham, unser Vater im Glauben

8.  Der Glaube öffnet uns den Weg und begleitet unsere Schritte in der Geschichte. Darum müssen wir, wenn wir verstehen wollen, was der Glaube ist, seinen Verlauf beschreiben, den zuerst im Alten Testament bezeugten Weg der gläubigen Menschen. Ein außergewöhnlicher Platz kommt dabei dem Abraham zu, unserem Vater im Glauben. In seinem Leben ereignet sich etwas Überwältigendes: Gott richtet sein Wort an ihn, er offenbart sich als ein Gott, der redet und ihn beim Namen ruft. 0013

Der Glaube ist an das Hören gebunden. Abraham sieht Gott nicht, aber er hört seine Stimme. Auf diese Weise nimmt der Glaube einen persönlichen Charakter an.

Gott erweist sich so nicht als der Gott eines Ortes und auch nicht als der Gott, der an eine bestimmte heilige Zeit gebunden ist, sondern als der Gott einer Person, eben als der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der fähig ist, mit dem Menschen in Kontakt zu treten und einen Bund mit ihm zu schließen.

Der Glaube ist die Antwort auf ein Wort, das eine persönliche Anrede ist, auf ein Du, das uns bei unserem Namen ruft.

9. Die Aussage dieses Wortes an Abraham besteht in einem Ruf und einer Verheißung. Zu allererst ist es ein Ruf, aus dem eigenen Land auszuziehen, eine Aufforderung, sich einem neuen Leben zu öffnen, der Anfang eines Auszugs, der ihn auf eine unerwartete Zukunft unterwegs sein lässt. Die Sicht, die der Glaube dem Abraham verleiht, wird dann immer mit diesem zu vollziehenden Schritt nach vorn verbunden sein:

Der Glaube „sieht“ in dem Maße, in dem er vorangeht und in den Raum eintritt, den das Wort Gottes aufgetan hat. Dieses Wort enthält außerdem eine Verheißung: Deine Nachkommen werden zahlreich sein, du wirst Vater eines großen Volkes sein (vgl. Gen 13,16; 15,5; 22,17).

Es ist wahr, dass der Glaube Abrahams, insofern er Antwort auf ein vorangegangenes Wort ist, immer ein Akt der Erinnerung sein wird. Doch legt dieses Erinnern nicht auf die Vergangenheit fest, sondern wird, da es Erinnerung an eine Verheißung ist, fähig, auf Zukunft hin zu öffnen, die Schritte auf dem Weg zu erleuchten. So wird sichtbar, dass der Glaube als Erinnerung an die Zukunft — memoria futuri — eng mit der Hoffnung verbunden ist.

QUELLE und FORTSETZUNG hier: http://www.vatican.va/holy_father/francesco/encyclicals/documents/papa-francesco_20130629_enciclica-lumen-fidei_ge.html


FUSSNOTEN:

[1] Dialogus cum Tryphone Iudaeo 121, 2: PG 6, 758.
[2] Clemens von Alexandrien, Protrepticus IX: PG 8, 195.
[3] Brief an Elisabeth Nietzsche vom 11. Juni 1865, in: Werke in drei Bänden, München 1954, 953f.
[4] Paradies XXIV, 145-147.
[5] Acta Sanctorum, Bollandistae, Junii, I, 21.
[6] »Wenn das Konzil auch nicht ausdrücklich vom Glauben handelt, so spricht es von ihm doch auf jeder Seite, erkennt seinen lebenswichtigen und übernatürlichen Charakter an, setzt ihn als unverkürzt und stark voraus und baut auf ihm seine Lehren auf. Es würde genügen, sich die Konzilsaussagen ins Gedächtnis zu rufen […], um sich der wesentlichen Bedeutung bewusst zu werden, die das Konzil in Übereinstimmung mit der Lehrüberlieferung der Kirche dem Glauben beimisst — dem wahren Glauben, dessen Quelle Christus und dessen Kanal das Lehramt der Kirche ist« (Paul VI., Generalaudienz, 8. März 1967: Insegnamenti V [1967], 705).
[7] Vgl. z. B. Erstes Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über den katholischen Glauben Dei Filius, 3. Kap.: DS 3008-3020; Zweites Vatikanisches Konzil, Dogmatische Konstitution über die göttliche Offenbarung Dei Verbum, 5; Katechismus der Katholischen Kirche, 153-165.

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Wer glaubt, der erkennt: Erste Enzyklika von Papst Franziskus heute erschienen

LUMEN FIDEI: Das Licht des Glaubens

„Wer glaubt, der sieht“:  Mit dieser Aussage beginnt Papst Franziskus seine erste Enzyklika. Am heutigen Freitag, den 5. Juli, hat der Vatikan das neue päpstliche Lehrschreiben mit dem lateinischen Titel LUMEN FIDEI vorgestellt  –  das bedeutet: „Licht des Glaubens“

Hierzu erklärt Pater B. Hagendkord, der Redaktionsleiter des deutschsprachigen Teils von Radio Vatikan:

Nach der Liebe und der Hoffnung nun also die dritte der theologischen Tugenden: Der Glaube.  – Lange schon wurde die Enzyklika zu diesem Thema erwartet, bereits im letzten Pontifikat war sie angekündigt und begonnen worden.

Der Rücktritt von Papst Benedikt XVI. hatte das Projekt unterbrochen; mit seiner ersten Enzyklika nimmt es Papst Franziskus nun wieder auf und vollendet die Dreiergruppe von „Deus Caritas est“ (2005) und „Spe salvi“ (2007).
WOW
Licht und Weg: Diese beiden Begriffe leiten den Leser durch die Enzyklika. Sie beginnt damit, den Glauben als das Licht vorzustellen, dass weiter blicken lässt: „Wer glaubt, der sieht“.

Es wird dann der Einwand zitiert, Glauben sei ganz im Gegenteil eine Illusion und damit nicht Licht, er verdunkle die Welt eher, als dass er sie erleuchte. Gegen diese Einwände sei es daher nötig, den Licht-Charakter des Glaubens neu zu betonen.

Zu der häufig gestellten Frage, wer nun der Autor dieses Lehrschreibens sei, nimmt Papst Franziskus selbst Stellung: Im Jahr des Glaubens habe Benedikt XVI. bereits eine erste Version der Enzyklika unternommen, er   –  Franziskus   –   sei ihm zutiefst dankbar und in Brüderlichkeit nehme er die Arbeit auf und füge dem Text einige eigene Beiträge hinzu.

Der Grundgedanke wird im ersten Kapitel vorgestellt: Was Glauben ist, kennt man von Glaubenden. Beginnend mit Abraham und dem Alten Bund könne man sehen, dass Glaube mit dem Hören verbunden sei und einen zutiefst persönlichen Charakter habe. Gegründet auf die Erinnerung führe er zur Treue des Menschen gegenüber Gott und der Treue Gottes gegenüber dem Menschen. 

Papst Franziskus geht auf den fehlgeleiteten Glauben ein, die Vergötzung. Wie der Weg des Glaubenden von sich selbst weg führe, so blieben Menschen, die sich auf Götzen stützen, bei sich selber und gingen kein Glaubenswagnis ein. Der wahre Glaube lasse den Menschen aus der „Gravitation des isolierten Ich“ herausbrechen, um sich der Liebe Gottes nähern zu können.

Deutlich weist Papst Franziskus auf den Gemeinschaftscharakter des Glaubens hin, als Individualist könne man den Glauben nicht verstehen. Er sei kein privater Akt, sondern komme aus dem Hören und dränge dazu, verkündet zu werden. Der Glaube geht von Gott aus und formt die Menschen um.

Die Enzyklika spricht zudem über das Verhältnis von Glaube und Wahrheit zur Liebe, alles unaufgebbare Teile des Glaubens. Ohne die Liebe zum Beispiel werde der Glaube trocken und erbarmungslos.

Die erste Enzyklika des Papstes schließt den Kreis der päpstlichen Lehrschreiben zu den theologischen Tugenden „Glaube, Hoffnung, Liebe“ ab. Es ist ein „vierhändig“ geschriebener Text, wie Papst Franziskus ihn selber charakterisierte, zwei Päpste haben daran gearbeitet.

Papst Franziskus, der in Predigten und Ansprachen immer wieder darauf zu sprechen kommt, dass die innere Haltung des Glaubens das Verhalten prägen müsse, hat mit dieser Enzyklika nun die Grundlagen für sein weiteres Wirken dargelegt.

Quelle: Radio Vatikan


Stille Aktion für Rechtsstaat und Meinungsfreiheit: jeden Sonntag um 12 Uhr vor dem Rathaus

Verschiedene konservative und islamkritische Gruppen und Webseiten, darunter die „Frankfurter Schulinitiative“ sowie  die bekannte Internetzeitschrift  „Politically Incorrect“ (PI-News), haben seit einigen Wochen eine interessante Idee verbreitet, die sich langsam, aber sicher immer mehr ausbreitet:  pc_pi

Die Teilnehmer stellen sich um 12 Uhr am Sonntag vor das Rathaus der eigenen Stadt bzw. Ortsgemeinde, um dort für 10 Minuten einen stillen Protest gegen die Islamisierung in Deutschland und gegen eine weitverbreitete Meinungsdiktatur („Politische Korrektheit“) in Medien und Politik auszudrücken.

Es geht also  – positiv formuliert –   um die Erhaltung unseres demokratischen Rechtsstaats und echte Meinungsfreiheit in Deutschland.

Ein Befürworter der Aktion schreibt hierzu:

„Ein stummer, sehr einfacher und völlig risikoloser Protest gegen eine politische Entwicklung, die von vielen Bürgern mit großer Sorge gesehen wird. Ich habe mich letzten Sonntag selbst zum ersten Mal vor das Rathaus unserer Stadt gestellt und dort tatsächlich einen anderen „Proteststeher“ angetroffen!

Konservative Meinungen sind heute auch deshalb so schwach vertreten, weil wir so wenig getan haben, um uns Gehör zu schaffen  – unsere eigene Passivität ist mitschuld an unserer heutigen Einflusslosigkeit.

Ich möchte Sie deshalb aufrufen, an dieser Aktion mitzuwirken und die Idee auch in Ihrem eigenen Netzwerk zu verbreiten, damit die Bewegung wächst:

Dieses „Protest-Stehen“ ist ein bescheidenes öffentliches Zeichen, aber es ist besser, ein solches stilles Signal zu setzen und eine kleine Protestbewegung durch Anwesenheit zu unterstützen, als sein ganzes Leben lang die eigene Meinung nur für sich zu behalten.“

 

 


Genderwahn: Universität Potsdam führt weibliche Anrede für Männer ein

Juristische Fakultät stellt sich dagegen

An der Universität Potsdam werden Professoren und Dozenten künftig nur noch mit der weiblichen Form angesprochen. Darauf einigte sich der Senat in seiner Geschäftsordnung, wie die Potsdamer Neuesten Nachrichten berichten. Die Anrede „Professorin“ oder „Rektorin“ gilt nun für beide Geschlechter.

Die Arbeitsgruppe für eine „geschlechtersensible Sprachreform“ hätte sich für diese Variante entschieden, da „nach Jahrhunderten einer vom patriarchalischen Denken geprägten Sprache die Zeit reif für eine durchgehend weibliche Bezeichnung ist“. Nach Vorstellungen des Senates soll die Sprachverordnung Vorbildcharakter für andere Satzungen der Universität besitzen.

Foto: KOMM-MIT-VerlagDie Potsdamer folgten damit der Universität Leipzig, die als erste deutsche Hochschule Dozenten oder Studenten prinzipiell als „Dozentinnen“ oder „Studentinnen“ ansprechen will. „Mir fehlt einfach die Phantasie dafür, daß die Männer unter der neuen Sprachregelung leiden könnten“, verteidigte die Leipziger Rektorin, Beate Schücking, die Maßnahme gegenüber der Süddeutschen Zeitung. „Wir Frauen haben uns doch auch daran gewöhnt, daß man uns als Frau Professor anspricht.“

An dem Spracheingriff wurde innerhalb der Leipziger Universität allerdings schon massive Kritik geübt. Die Juristische Fakultät hatte bereits angekündigt, die Verordnung nicht zu übernehmen. „Kein männlicher Student der Juristenfakultät Leipzig muß damit rechnen, als ‘Studentin’ angesprochen zu werden“, versicherte ihr Dekan Christian Berger. Der Hochschulleitung empfahl er die Rückkehr zur ernsthaften Arbeit.

Quelle: Wochenzeitung Junge Freiheit