Evangelische Glosse über den „Fortschritt“ der EKD: sie schreitet fort von Gottes Wort…

Von Jürgen Diestelmann (ev. Pfarrer i.R.)

Als „Ich-auch-Christen“ wurden während des Dritten Reiches die „Deutschen Christen“ bezeichnet, weil sie die evangelische Kirche und ihre Verkündigung der Ideologie des Dritten Reiches anzupassen suchten. Dies kommt mir im Hinblick auf die heutige EKD (Evangelische Kirche in Deutschland) in den Sinn, denn auch heute gibt es wieder „Ich-auch-Christen“.

„Ich-auch-Christen“: dieses Wort hörte ich zum ersten Mal, als am 8. April 1942 meine Großmutter ihren 80. Geburtstag feheader_buchierte. Mitten im Krieg  –  ich war damals 14 Jahre alt  –  konnte meine Großmutter alle ihre Kinder  –  sieben Söhne und eine Tochter  –  um sich versammeln, und ich hörte, wie die Generation meines Vaters über das Dritte Reich und die „Deutschen Christen“ dachte. Das war ganz anders als das, was man täglich über den „Großdeutschen Rundfunk“ hören konnte.

Mir ist dieses familiäre Zusammensein unvergeßlich, vor allem wegen der Gespräche, die dabei geführt wurden. Natürlich bewegte alle die Sorge um die politische Lage mitten im Krieg. Aber auch mancherlei politische Witze machten die Runde. Diese zu erzählen war damals  –  wie jedermann weiß  –  nicht ungefährlich.

Aber als Vierzehnjähriger konnte ich an den Pointen dieser Witze wahrnehmen, wie die Generation meines Vaters das NS-Regime beurteilte. Die sog. „Deutschen Christen“ wurden als „Ich-auch-Christen“ bezeichnet, weil sie offensichtlich jeder gängigen Anschauung der Nazis nachliefen, um ihr mit dem Ruf „Ich auch!“ zuzustimmen.

Inzwischen ist das „Dritte Reich“ und die Naziideologie zwar längst (mit den bekannten entsetzlichen Folgen) zu Ende gegangen  – und es mag wohl noch Unverbesserliche geben, die dem nachtrauern. 

Auch heute gibt es „Ich-auch-Christen“…

Aber viel erschreckender ist die merkwürdige Erscheinung, daß es immer wieder Kirchenvertreter gibt, die meinen, die Kirche müßte „in“ sein, indem sie stets der gerade herrschenden Ideologie hinterherrennt und „Ich auch!“ ruft. Dies scheint unausrottbar zu sein. Anders ist es nicht erklärbar, daß man heute in der EKD nun mehr sogar ganz offiziell der sog. „Gender-Ideologie“ folgt. 

Pfr. Jürgen Diestelmann

Pfr. Jürgen Diestelmann

Selbstverständlich wird mit dieser Feststellung den heutigen EKD-Oberen keine Nazigesinnung unterstellt, aber der formale Gedankenablauf, der ihr Handeln bestimmt, weist manche Ähnlichkeit mit dem damaligen „Ich auch“ auf.

Immer wieder gibt es gesellschaftlichen Gruppen, die ihren Herrschaftsanspruch ebenso resolut anmelden wie die „Deutschen Christen“ zu ihrer Zeit. Und ebenso eifrig rufen manche Kirchenvertreter „Ich auch!“ und folgen den angeblich fortschrittlichen Ideologien.

Anders ist es nicht zu erklären, daß man nun bestrebt ist, zu segnen, was Gott nicht gesegnet hat. Was der heilige Gott in der Schöpfung so weise geordnet hat, soll auch in der Kirche mit anderen Formen des Zusammenlebens gleichgestellt werden. Auch die letzten Gemeinsamkeiten der Christenheit werden damit preisgegeben.

Die „Deutschen Christen“ mit ihrer „Ich-auch“-Ideologie hielten sich damals für fortschrittlich  – und die heutigen „Ich-auch“-Kirchenvertreter wollen dies offenbar auch sein. Tatsächlich ist man aber in der EKD mit derartigen Verhaltensweisen auf andere Weise sehr fortschrittlich: Man schreitet immer weiter fort – nämlich fort vom Worte Gottes.

Man weiß offenbar nichts mehr vom Unterschied zwischen dem Reich Gottes und dem Reich dieser Welt, zwischen geistlichem und weltlichem Regiment. So verliert man sein eigenes Profil. Es ist kein Wunder, daß so viele Kirchenmitglieder dieser Organisation den Rücken kehren  –  längst sind dies nicht mehr nur die Ungläubigen.

Ein Schlagwort, das kürzlich kursierte, kann auch auf die evangelische Kirche angewendet werden: Sie schafft sich selber ab. Aber Jesus sagt: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“ (Joh 18,36).  –  Und: „Meine Schafe hören Meine Stimme und ich kenne sie und sie folgen mir“ (Joh. 10,27).

HIER folgt die Webseite dieses evangelisch-lutherischen Pastors i.R.: http://www.luther-in-bs.de/person.htm



Will die EKD keine Kirche mehr sein?

Von Dr. Alexander Kissler

Im Jahre 1922 wagte der große englische Dichter Gilbert Keith Chesterton einen Schritt, der weithin als skandalös empfunden wurde. Er trat von der anglikanischen in die römisch-katholische Kirche über. Wenige Wochen später erläuterte er die Gründe: „Es gibt in der anglikanischen Kirche keine Einheit und Übereinstimmung der Handlung.“ 

Foto: P. Lukas S.Er persönlich könne mit einer Kirche nichts anfangen, „welche in den großen Fragen des Geisteskampfes und der Moral nicht wehrhaft ist, die Schlacht nicht leiten und die Regimenter nicht in ein und derselben Richtung führen kann.“   –  Die „Klarheit und Entschiedenheit gegenüber den wichtigsten Fragen des Lebens“ finde er nur in der katholischen Kirche.

Über 90 Jahre sind diese Sätze alt. Seitdem floss so viel Wasser in Elbe und Tiber, dass die schroffe Gegenüberstellung an Trennschärfe eingebüßt hat. Zumindest aber die Evangelische Kirche in Deutschland, wie sie sich in den Spitzen der EKD darstellt, lässt kaum etwas unversucht, den alten Gründen neues Gewicht zu verleihen.

Die jüngste „Orientierungshilfe“ des Rates der EKD zur Familie ist eine weitere Etappe in einem spannenden Großversuch: Wird es der landeskirchlich verfassten evangelischen Kirche gelingen, bis zum Reformationsjubiläum anno 2017 keine Kirche mehr zu sein? Ganz offensichtlich sind die Spitzen der EKD von diesem Ehrgeiz getrieben: die eigene Kirchlichkeit abzustreifen.

Quelle und Fortsetzung des Beitrags im christlich-evangelikalen Medienmagazin PRO: http://www.pro-medienmagazin.de/kommentar.html?&news%5Baction%5D=detail&news%5Bid%5D=6842


ZDF-Moderatorin Gundula Gause über Glaube, Gebet und Auferstehung

Sie zählt zu den bekannten Gesichtern des deutschen Fernsehens: die Moderatorin des „Heute-journals“, Gundula Gause. Gegenüber dem evangelischen Magazin „Chrismon“ äußerte sie sich nun über Glaube, Gebet, Gottesdienst und Gottvertrauen:

„Letztlich bleibt alles in Gottes Hand. Ich finde es vermessen, zu glauben, man habe alles selbst in der Hand. Wenn ich im Senegal oder in Kenia diese grenzenlose Armut sehe und zugleich das Gottvertrauen der Menschen, hat das etwas Bereicherndes und Befreiendes. Man spürt eine ganz eigenwillige Nähe gerade der christlichen Afrikaner zu Gott.“ 239982[0-0-1643-1548]-Gundula-Gause

Den Gottesdienst besucht Gundula Gause gemeinsam mit ihrer Familie:

„Das gibt Ruhe und Frieden. In der Liturgie, in den Bibeltexten, in den Liedern und den Predigten ist so viel drin! Im gemeinsamen Vaterunser fühle ich mich aufgehoben. Man kann Trost und Zuversicht finden in Zeilen wie ‚Dein Wille geschehe‘ und ‚Friede sei mit dir‘.“

Zur Sinnfrage erklärt die Moderatorin: „Nicht umsonst hat Gott sich uns Menschen für das Ende seiner Schöpfungskette ausgedacht. Mein Sinn definiert sich über die Familie und den Beruf und mein ehrenamtliches Engagement. Die Gesellschaft ist auf Sinnsuche, und die Kirchen bieten jede Menge ‚Sinn‘ und Lebenserfüllung an.“

Auch zum Tod äußert sie sich in dem Interview: „Es bleibt ein grosser Respekt vor dem Ende des Lebens, aber der Glaube an die Auferstehung schützt uns Christen vor Todesfurcht, zumindest ein wenig. Ich fürchte einen Tod, der mich aus der Mitte des Lebens reissen würde  –  zu einem Zeitpunkt, den man einfach für zu früh hielte“, bekennt sie.

Quelle und vollständiger Artikel von Miriam Hinrichs hier: http://www.jesus.ch/n.php?nid=239980 


Dammbruch: Irland lockert sein bisheriges striktes Verbot der Abtreibung

Das katholisch geprägte Irland war bislang der einzige Staat in der EU  –  und überhaupt in Europa  –  mit einem umfassenden staatlichen Rechtsschutz für ungeborene Kinder.

Doch unter dem Vorwand einer „medizinischen Indikation“   –  einer angeblichen „Gefahr für das Leben der Mutter“  –  wurde das bisherige Verbot jetzt gelockert und damit ein verhängnisvoller Dammbruch eingeleitet; dieser beginnt in der Regel mit dem Einstieg über vermeintlich „medizinische“ Indikationen.

Foto: Radio Vatikan

Foto: Radio Vatikan

Zukünftig soll Abtreibung auf der „grünen Insel“ z.B. straffrei sein, wenn die Frau (angebliche oder tatsächliche) „Neigungen“ zum Selbstmord aufgrund ihrer Schwangerschaft zum Ausdruck bringt.

In der Nacht vom Donnerstag zum Freitag dieser Woche verabschiedete das irische Parlament mit einer Mehrheit  von 127 gegen 31 Stimmen diese erste Liberalisierung der vorgeburtlichen Kindestötung.

Die katholische Kirche protestierte deutlich. Irlands designierter katholischer Primas, Erzbischof Eamon Martin, hatte kurz vor der Parlamentssitzung noch einmal die katholische Position bekräftigt.

In einem Interview richtete er am Mittwoch einen „allerletzten Appell“ an die Abgeordneten, entgegen jedem Fraktionszwang ihrem Gewissen zu folgen und gegen den Gesetzentwurf zu stimmen.

„Kooperation mit dem Bösen“

Eine Freigabe der Abtreibung sei eine „Kooperation mit dem Bösen“ und nicht mit dem katholischen Glauben zu vereinbaren, so der Oberhirte. Irlands Bischöfe haben wiederholt davor gewarnt, daß mit der Entscheidung ein Dammbruch einhergehe.

Im Interview mit Radio Vatikan erklärte Bischof Brendan Leahy von Limerick:

„Es ist das erste Mal, dass so was in Irlands Gesetzgebung passiert. Es ist eine direkte Einführung der Abtreibung in die Gesetzgebung – und das ist unsere Sorge. Die Abtreibung ist dem Gesetz nach zwar begrenzt, wir wissen aber aus der Erfahrung anderer Länder, dass die Zahl der Abtreibungen selbst bei den restriktivsten Regelungen dramatisch ansteigt. Wir sind sehr besorgt um das ungeborene Leben.“

Trotz des Rückschlags geben die irischen Bischöfe keineswegs auf:  Unabhängig von Gesetzen will die katholische Kirche Irlands weiter öffentlich und tatkräftig für das Lebensrecht aller Menschen von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod eintreten.


JF-Interview mit Pater Lothar Groppe über den „Schwarzen General“ und mutigen Judenretter Theodor Groppe

Widerstand aus dem Glauben in schwerer Zeit

Unter dem Titel Ein Ritter ohne Furcht und Tadel veröffentlichte die JUNGE FREIHEIT (JF) in ihrer aktuellen Ausgabe ein ausführliches Interview mit dem katholischen Publizisten und Jesuitenpater Lothar Groppe, zugleich Autor unseres CHRISTLICHEN FORUM.

Auch auf der Titelseite der konservativen Wochenzeitung ist General Groppe im Vordergrund neben Stauffenberg im Hintergrund zu sehen (siehe Abbildung).

Der heute auch im hohen Alter pastoral aktive Geistliche (siehe Foto) wirkte jahrzehntelang als Dozent an der Bundeswehr-Akademie in Hamburg, danach beim österreichischen Generalstab. Pater Groppe war zeitweise Leiter der dt. Abteilung von Radio Vatikan.

Der auch schriftstellerisch engagierte Jesuit ist ein Sohn des tapferen Generalleutnants Theodor Groppe.

P. Lothar Groppe

Foto: Dr. Bernd F. Pelz

Im Gerhard-Hess-Verlag erschien eine spannende und bebilderte Biographie des „Schwarzen Generals“  des Berliner Diakons Thomas Marin –  siehe hierzu unsere Besprechung.

Nachfolgend dokumentieren wir das Interview der JF mit dem Ordenspriester in voller Länge:

Katholisch, monarchistisch, deutschnational  –  er gehörte zu den erbittertsten Gegnern der Nationalsozialisten, überstand ihre Prozesse und Mordpläne  –  und er ließ seine Soldaten Juden retten: Theodor Groppe.  – Die unglaubliche Geschichte des Generals erzählt dessen Sohn.

Pater Groppe, warum kennt jeder Oberst Stauffenberg, aber keiner General Groppe?

Groppe: Er paßt eben nicht in die politische Landschaft.

Inwiefern?

Groppe: Der Bundeswehr-Generalmajor Achim Oster schrieb 1977 über meinen Vater: „Er ist und bleibt noch heute ‚ein Ärgernis‘ im biblischen Sinn. Theodor Groppe hat das vorgelebt (…), was viele seiner Standesgenossen, sei es aus Schwäche, sei es aus Opportunismus nicht vorgelebt haben. So bleibt er eine fortwährende Mahnung an eigenes Fehlverhalten und Versagen. Hätte es mehr Groppes gegeben, hätten Hitler und seine Verbrecherbande nicht so leichtes Spiel mit dem deutschen Volk gehabt.“

Er soll von den von ihm geretteten Juden „wie ein Heiliger verehrt“ worden sein.

Groppe: Das wurde von einem überlebenden Juden bezeugt.

Um ein Zeichen gegen ihre Verfemung zu setzen, zog Ihr Vater im November 1933 als Divisionskommandeur in Gleiwitz/Oberschlesien in ein auch von Juden bewohntes Haus.

Groppe: Das erregte natürlich Aufsehen und wurde von den Nazis registriert. Ebenso wie der Umstand, daß er, der er ob seines tiefen Katholizismus den Beinamen „der schwarze General“ trug, grundsätzlich in Uniform zum Gottesdienst ging, um den Gläubigen Mut zu machen. Ein General mit Pour le merite, dem höchsten deutschen Orden aus dem Ersten Weltkrieg, bestärkte katholische wie evangelische Christen in ihrem Bekenntnis. Das brachte die Nazis zur Weißglut.

„Er war konservativ und daher immun gegen die NS-Ideologie“

Um so mehr wundert man sich, daß Ihr Vater heute fast vergessen ist.

Groppe: Zum Geleit des von mir in Wien verfaßten Lebensbildes meines Vaters schrieb der Kirchenhistoriker Franz Loidl 1977, sein Beispiel sei „dazu angetan gewesen, seine Standesgenossen (…) im geistigen Widerstand gegen das Unrechtsregime (…) zu bestärken. Daß sein Beispiel im wesentlichen keine Schule machte, wird man diesem Ritter ohne Furcht und Tadel nicht zum Vorwurf machen können. Daß die deutsche Bun­deswehr bis heute glaubt, das Beispiel dieses hervorragenden Soldaten mit Stillschweigen übergehen zu dürfen, stimmt nachdenklich, wenn nicht bedenklich.“ Internet_Titel_Vorlage_sRGB_264ppi_01

Nach 1945 hat sich wegen der Massenmorde an den Juden in Deutschland ja ein regelrechter Schuldkult entwickelt. Um so unbegreiflicher ist es, daß ein General, der Juden rettete, vergessen ist. Wie soll sich etwa unsere Jugend für ihr Vaterland begeistern, wenn ihr – mit Ausnahme von Stauffenberg – nur negative Beispiele für die Deutschen in der Zeit des Dritten Reichs vorgestellt werden?

Aber heute werden etliche Deutsche gewürdigt, die Widerstand geleistet haben.

Groppe: Stimmt, aber es sind oft namentlich nicht bekannte Leute. Professor Loidl meint: „Bei der Ablehnung der Widerstandskämpfer führt man gewöhnlich zwei Begründungen an, warum man sich mit ihnen nicht identifizieren könne: Sie hätten die Hand gegen den ‚Führer‘ erhoben, seien eidbrüchig geworden oder man wirft ihnen Landesverrat vor. Beide Vorwürfe, so unsinnig sie sind, kann man Theodor Groppe nicht machen. Sein ‚Verbrechen‘ war, daß er sich unbeirrt von den Grundsätzen des Rechts und der Menschenwürde leiten ließ.“

„Deutsche auch damals mehrheitlich gegen Judenhaß“

Pardon, das sind die Vorwürfe der fünfziger Jahre.

Groppe: Dann hier ein Beispiel dafür, wie heute die Stimmung ist: Der angesehene Politikwissenschaftler Konrad Löw hat unzählige Dokumente gesammelt, die belegen, mit wieviel Ablehnung die Mehrzahl der Deutschen auf die Verfolgung der Juden reagiert hat. 2010 erschien sein Werk „Deutsche Schuld 1933 bis 1945?  – Die ignorierten Antworten der Zeitzeugen.“

Wer aber kennt das Buch? Wird es im Schulunterricht behandelt? Ist es Grundlage für eine Guido-KnoppFernsehserie? Ganz im Gegenteil! Statt dessen behandelt man Löw fast wie jemanden, der den Holocaust relativieren wolle. Daß mit Klaus von Dohnanyi ein Nachkomme eines von den Nazis gehängten Widerstandskämpfers zu Löws Buch das Vorwort und der renommierte französisch-jüdische Philosoph Alfred Grosser das Nachwort verfaßt haben, wird natürlich geflissentlich ignoriert.

Ihr Vater war ein überzeugter Konservativer, die gelten heute gemeinhin als „Steig­bügelhalter“ der Nationalsozialisten.

Groppe: Gerade weil er ein Konservativer war, war er immun gegen nationalsozialistisches Gedankengut. Wir entstammen einer Familie, die sich stets zu ihrem Glauben bekannte. Mein Großvater väterlicherseits war Offizier und wurde dann Verleger. Im Kulturkampf druckte er die verbotenen Hirtenbriefe des Bischofs von Trier und wurde wegen Majestätsbeleidigung zu zwei Jahren Festung und hoher Geldstrafe verurteilt. Beides ruinierte den Verlag.

Ihr Vater beschloß, Soldat zu werden. marin

Groppe: Er war Monarchist und Patriot und wollte seinem Vaterland, das durch Frankreich und Rußland bedroht war, dienen. Er besuchte die Kriegsakademie, wurde als Vollblutsoldat hervorragend beurteilt. Er erhielt zahlreiche Tapferkeitsauszeichnungen darunter den Pour le merite.

In der Reichswehr wechselten seine Verwendungen von der Truppe in den Generalstab. 1933, inzwischen Generalmajor, wurde er entlassen, „weil er seiner ganzen Weltanschauung nach für das Heer des künftigen nationalsozialistischen Staates ungeeignet“ erscheine, wie ihm sein Vorgesetzter General von BIomberg, späterer Reichskriegs­minister, mitteilen ließ. Da aber das Heer bald vergrößert wurde, wurde er zurückgeholt und im November 1933 in Gleiwitz Divisionskommandeur.

„Gewalt gegen Juden mit Waffen verhindern“

Warum verweigerte er sich nicht?

Groppe: Einmal, weil es sein Beruf war, sodann weil er als Ruheständler keinerlei Einflußmöglichkeiten mehr gehabt hätte. Er verweigerte aber grundsätzlich den Hitlergruß und zeigte auch sonst seine Ablehnung der NS-Ideologie. Immer wieder beschwerten sich Partei und Gestapo über ihn. Schließlich sollte er im Zusammenhang mit dem „Röhm- Putsch“ 1934 liquidiert werden. Durch eine gezielte Warnung wurde er davor bewahrt.

Wegen seiner konsequent christlichen Haltung sollte er erneut entlassen worden.

Groppe: Der Ausbruch des Krieges 1939 verhinderte dies, und er wurde Kommandeur der 214. Infanteriedivision am Westwall. Als die Partei am 12. Dezember 1939 eine „spontane Volkskundgebung gegen Juden“ anordnete, gab mein Vater den Befehl, Ausschreitungen gegen Juden notfalls mit Waffengewalt zu verhindern. Sein Vorgesetzter, der Armeebefehlshaber Generaloberst von Witzleben, dehnte diesen Befehl schließlich auf den gesamten Bereich der 1. Armee im Westen aus. So wurde dort keinem Juden ein Haar gekrümmt.

Widerstand gegen Himmlers SS-Befehl

Am 11. Dezember 1939 erhielt mein Vater dann Kenntnis vom „SS-Befehl für die gesamte SS und Polizei“, in dem Heinrich Himmler seine Leute aufforderte, auch außerhalb der Ehe Kinder guten Blutes zu zeugen. Da dieser Befehl gegen alle Grundsätze des Offizierkorps verstieß, glaubte mein Vater, ein scharfer Protest würde nun auch die „vorsichtigen“ Generale zum gemeinsamen Protest dagegen bei Hitler bewegen. Mit Ausnahme Walter von Reichenaus waren tatsächlich auch sämtliche Spitzengenerale empört. Als sie aber hörten, daß Hitler persönlich hinter diesem Befehl stand, schwiegen sie.

Lediglich die damaligen Generalobersten von Witzleben und Ritter von Leeb, die direkten Vorgesetzten meines Vaters, stellten sich hinter ihn. Sie drohten, sofort ihr Kom­mando niederzulegen, wenn er auch nur verabschiedet würde. Leeb schrieb an den Oberbefehlshaber des Heeres: „Ich stelle mich mit ganzer Person vor Generalleutnant Groppe, auch dann, wenn er sich in berechtigter Empörung über den Befehl des Reichsführers SS im Wortlaut vergriffen haben sollte.“  –  Dies verhinderte die Absicht Himmlers, einen Heimtückeprozeß gegen meinen Vater anzustrengen.

Hatte Ihr Vater sonst keinen Rückhalt?

Groppe: Es gab in allen Diensträngen  –  vom Leutnant bis zum Feldmarschall  –  Offiziere, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten Widerstand leisteten. Ich denke an den Chef der Heeresjustiz, Karl Sack, den Generalrichter Dr. Hoffmann, an Admiral Wilhelm Canaris oder an Major Werner Krehan, einen Ortskommandanten im Bereich der Division meines Vaters, der auf eigene Faust Schießbefehl gegen Judenverfolger gab.

1941 trat Ihr Vater als Entlastungszeuge für einen Regimegegner im sog. „Stolper-Prozeß“ auf

Groppe: Ja, und zwar so erfolgreich, daß der Angeklagte mit einer für ein Sondergericht milden Strafe davonkam. Allerdings kam er anschließend ins KZ. Martin Bormann, Leiter der Parteikanzlei, war über den Auftritt meines Vaters so wütend, daß er 1942 einen persönlichen Befehl Hitlers durchsetzte, meinen Vater zu degradieren und aus der Wehrmacht auszustoßen. 1944 kam er wegen Wehrkraftzersetzung und Defätismus vor das Reichskriegsgericht – das an sich gar nicht mehr zuständig war. Generalrichter Hoffmann kratzte aber alles Entlastende zusammen und stellte das Verfahren mangels Tatbestands ein.

Der Einsatz der Wehrmachtsjuristen ist erstaunlich und paßt gar nicht in das Bild, das man sich heute von ihnen macht.

Groppe: Eben. Nach Meinung vieler war die Wehrmacht ja eine Verbrecherorganisation. Doch leider nutzte der geradezu heroische Einsatz des Reichskriegsgerichts meinem Vater zunächst nichts, da Himmler seine Verhaftung und Einweisung ins Staatspolizeige­fangnis Darmstadt befahl.

Im Januar 1945 wurde er in die Festungshaftanstalt Küstrin verlegt, deren Kommandant, ein Major der Reserve, ein kluger, engagierter Nazigegner war. Über den Befehl Ernst Kaltenbrunners, Chef des Reichssicherheitshauptamtes, vom Februar 1945, „die Hunde zu hängen“  –  gemeint waren neben meinem Vater noch Sippenhäftlinge des 20. Juli  –  setzte er sich hinweg und flüchtete mit den Gefangenen an den Bodensee. Dort konnte mein Vater den Einmarsch der Alliierten abwarten.

Auch Sie wurden von der Gestapo verhört.

Groppe: Als Zwölfjähriger wegen „Schmähung des Führers“. Ich wurde aber weder bedroht hoch geschlagen. Schließlich konnte ich mich herausreden. Nach dem 20. Juli 1944 aber hatte ich zwanzigmal mit der Gestapo zu tun.

Trotz Ihrer Erlebnisse wurden Sie später bisweilen als „Rechtsextremer“ verunglimpft. Wie paßt das zusammen?

Groppe: Die Antifaschisten bezeichnen alle, die nicht links sind, als „Rechte“. Rechts ist dann gleich rechtsextrem, rechtsradikal. Die Haltung meines Vaters beweist, daß konservative und nationale Werte absolut nichts mit Nazismus zu tun haben. Ganz im Gegenteil. Aber wer sich heute nicht der Political Correctness unterwirft, ist eben „rechts“.

Ich habe mich als Militärseelsorger, als Dozent an der Führungsakademie der Bundeswehr und in zahlreichen Reden, Vorträgen und Veröffentlichungen immer darum bemüht, zu einer gerechten Beurteilung der Wehrmacht und der deutschen Vergangenheit, besonders während der zwölf Jahre der Nazidiktatur, beizutragen.

1998 sprach ich im Rathaussaal in Dresden zumPolitischen Aschermittwoch der DSU – vormals Schwesterpartei der CSU; das führte zu einem giftigen Kommentar im Deutschlandfunk. Deshalb brachte ich das Beispiel meines Vaters und meine Erlebnisse mit der Gestapo an die Öffentlichkeit. Da­nach wurde ich vom „Rechtsextremen“ zum „Rechtskatholiken“ begnadigt.

Bis heute gibt es keine Bundeswehrkaserne, die nach Ihrem Vater benannt ist.

Groppe: Dabei würdigte Verteidigungsminister Rudolf Scharping in einer Ansprache am 20. Juli 2000 fünf Soldaten der Wehrmacht, vom Feldwebel bis zum General, die sich unter Einsatz ihres Lebens für Verfolgte eingesetzt haben. Vier von ihnen wurden inzwischen in die „Allee der Gerechten“ in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem aufgenommen. Nicht aber General Groppe.

Als ich mit einem prominenten Historiker darüber sprach, sagte der nur: „General  u n d  Katholik –  das ist zuviel!“  – Wenn sich auch die Bundeswehr nicht zu einer angemessenen Ehrung entschließen kann, zeichnete Papst Pius XII. meinen Vater 1952 als einzigen Soldaten der Wehrmacht mit dem Komturkreuz des Gregoriusordens aus.

Quelle: Wochenzeitung JUNGE FREIHEIT


Ulm: Lebensrechtler stellen 984 Paar Kinderschuhe in Fußgängerzone auf

Kundgebung mit CDU-Europa-Politikerin Elisabeth Jeggle

Der Verein „Durchblick“ hat am Freitag, 12. Juli 2013 zusammen mit dem Kreisverband Ulm-Alb-Donau der Christdemokraten für das Leben (CDL) mit einer ergreifenden Kund-gebung in der Ulmer Fußgängerzone das Tabuthema Abtreibung in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt.

Um auf das Lebensrecht ungeborener Kinder und die seelischen Nöte von Frauen nach einer Abtreibung aufmerksam zu machen, stellten die Veranstalter 984 Paar Kinderschuhe auf. Laut Statistischem Bundesamt wurden im Jahr 2012 durchschnittlich pro Monat in Baden Württemberg 984 Kinder durch Abtreibung getötet. foto02

„So viele Kinderschuhe müssen jeden Monat leer bleiben, weil die Kinder, die sie tragen sollten, gar nicht zur Welt kommen dürfen“, sagte Thomas Schührer, der Vorsitzende des Durchblick eV. auf der Kundgebung.

„Wir wollen niemanden anklagen, schon gar nicht Frauen, die sich in einer Konfliktsituation gegen ihr Kind entschieden haben“, so Schührer weiter. Aber eine sachliche Diskussion könne man nur führen, wenn man die Fakten kenne. Schührer:

„Deswegen machen wir auf die Tatsache aufmerksam, dass bei jeder Abtreibung ein Mensch getötet wird und betroffene Frauen oft große psychische und körperliche Schäden davontragen.“

Betroffene Sängerin warnt vor Abtreibung

Die Sängerin Claudia Wellbrock (siehe Foto) berichtete, dass sie als DDR-Bürgerin eine Abtreibung hatte vornehmen lassen. Niemand habe ihr Schuldgefühle eingeredet, so Wellbrock. Sie selbst habe sofort nach dem Eingriff begriffen, welch schweren Fehler sie begangen habe. Erst nach langer Zeit, geprägt von Depressionen, stationärer psychiatrischer Behandlung und einem Selbstmordversuch, habe sie foto01 ihre traumatischen Erfahrungen verarbeiten können.

Heute berichtet sie in Schulen von ihren Erlebnissen und warnt vor Abtreibung. Ihre Erfahrungen hat Wellbrock musikalisch verarbeitet. Einige ihrer selbstkomponierten anrührenden Lieder trug sie in Ulm vor.

Selbsthilfegruppe RAHEL hilft Frauen „danach“

Ursula Linsin-Heldrich, die Vorsitzende der Selbsthilfegruppe RAHEL, trug Gedichte zum Thema vor. Auch sie hatte vor vielen Jahren ihr Kind abtreiben lassen. In der Folge wurde sie alkohol-krank und ihre Ehe ging in die Brüche.

„Ich warne alle Mädchen und junge Frauen vor einer Abtreibung, an der ich selbst so sehr gelitten habe“, sagte Linsin-Heldrich. Deshalb helfe sie betroffenen Frauen, die oft allein gelassen würden.  foto05

Dieses Foto zeigt die RAHEL-Vorsitzende am Infostand.

Während der Kundgebung wurden originalgetreue Embryomodelle aus Kunststoff an Passanten verteilt. Das Embryomodell zeigt ein ungeborenes Kind im Alter von zehn Wochen.

Damit soll auf die Tatsache aufmerksam gemacht werden, dass auch das ungeborene Kind bereits ein vollwertiger Mensch ist.

In Deutschland sind Abtreibungen bis zur 12. Schwangerschaftswoche straffrei, wenn vorher eine staatlich anerkannte Beratung stattgefunden hat. Viele Menschen sind beim Anblick dieser Modelle erstaunt, wie weit ein Kind in dieser Zeit schon entwickelt ist und beginnen, ihre Sicht zur Abtreibung zu überdenken.

Die stellv. Vorsitzende der CDU/CSU-Gruppe im Europäischen Parlament, Elisabeth Jeggle, schickte ein Grußwort und sprach ihre volle Unterstützung zu der Aktion aus. Es sei richtig und wichtig, dass in der Öffentlichkeit Lebensschutz positiv wahrgenommen werde, so Jeggle.

Hunderte Passanten wurden in der stark frequentierten Ulmer Fußgängerzone von der ergreifenden Kulisse berührt. Viele blieben stehen, um den fesselnden Beiträgen zu folgen.

Der in Bruchsal ansässige gemeinnützige Verein „Durchblick“ wurde 1997 gegründet. Er hat in der Vergangenheit immer wieder durch ähnlich spektakuläre Aktionen auf die Abtreibungsthematik auf-merksam gemacht und insgesamt über 1,2 Millionen Embryomodelle verteilt.

Quelle (Text/Fotos): Durchblick e.V., Thomas Schührer
Weinbergstr. 22 in 76684 Östringen
Tel. 07251-359181 / Fax 07251-359182
http://www.embryonenoffensive.de
info@embryonenoffensive.de