Diesjährige Literatur-Preisträgerinnen lesen beim Katholikentag 2014

Sybille Lewitscharoff und Petra Morsbach in Regensburg erwartet

Das Literaturprogramm des 99. Deutschen Katholikentags verspricht, erstklassig zu werden:  Die Schriftstellerin Sybille Lewitscharoff wird beim Regensburger Katholikentag aus ihrem Roman „Blumenberg“ lesen. Morgen erhält sie für ihr Werk den Büchner-Preis.

Gemälde: Evita Gründler

Gemälde: Evita Gründler

Ihre Kollegin Petra Morsbach, ebenfalls im Programm des größten katholischen Laientreffens in Deutschland vertreten, wurde am Mittwoch mit dem bayerischen Jean-Paul-Preis ausgezeichnet.

„Wir freuen uns sehr über diese Auszeichnungen. Sie beweisen die hohe Qualität, mit der der Katholikentag auch im Bereich Kultur unterwegs ist“, erklärt hierzu Dr. Maria Baumann, Leiterin des Arbeitskreises Kultur für den Katholikentag.

Gemeinsam mit dem Arbeitskreis und der Katholikentagsleitung hatte sie Lewitscharoff und Morsbach nach Regensburg eingeladen.

„Beide Literatinnen behandeln in ihren Werken philosophische und religiöse Grundfragen. Sie erzählen vom Menschsein und schlagen dabei mit subtilem Witz die Brücke zu einer Wirklichkeit jenseits unseres alltäglichen Erlebens“, so Baumann.

Sibylle Lewitscharoff wurde am 16. April 1954 in Stuttgart geboren. Sie studierte Religionswissenschaften in Berlin, wo sie auch heute lebt. 1994 veröffentlichte sie ihr erstes Buch „36 Gerechte“. Für ihren Roman „Pong“ erhielt sie 1998 den Ingeborg-Bachmann-Preis, der sie der literarischen Öffentlichkeit bekanntmachte. Ausgezeichnet wurde sie außerdem u. a. mit dem Berliner Literaturpreis, dem Kleist-Preis und dem Preis der Leipziger Buchmesse.

Quelle: Pressemeldung vom Katholikentag Regensburg eV

WEITERES INFO zu Frau Lewitscharoff: https://charismatismus.wordpress.com/2013/07/08/sibylle-lewitscharoff-kritisiert-evangelische-anpassung-und-gequassel-von-m-kasmann/


Causa Limburg: Martin Lohmann würdigt die päpstliche Entscheidung

Dieser hier gekürzt dokumentierte „Wochenkommentar“ des katholischen Publizisten und K-TV-Chefredakteurs Martin Lohmann (siehe Foto) ist in Radio Horeb am morgigen Samstag, den 26. Oktober, um 12:15 Uhr vollständig zu hören:

Liebe Hörerinnen und Hörer,

kein anderes Thema hat im Blick auf die Kirche in den vergangenen Wochen so sehr die Gemüter bewegt wie der Fall Limburg. Jeder und jede hat mitdiskutiert, gewertet, sich empört und seine mehr oder weniger fairen oder barmherzigen Urteile gefällt   –  na ja, fast jeder. (…) PICT0101

Mitten in dieser Woche kam dann die für viele totale Überraschung aus Rom: Der Papst folgt der medialen Entrüstung und den gleich mitgelieferten Aburteilungen nicht und trifft eine kluge und weise Entscheidung. Ganz ruhig, ganz nüchtern, ganz klar:

Tebartz-van Elst wird nicht geköpft, sondern aus der Schusslinie geholt. Es werden Räume geöffnet, die eine ruhige Aufarbeitung und Klärung der Vorwürfe erlauben. Und das für manche buchstäblich geradezu Unerhörte: Franziskus, den man doch so wunderbar gegen den Limburger Bischof instrumentalisieren konnte, stellt sich hinter seinen Mitbruder aus deutschen Landen.

Und weil die Absetzung eben nicht stattfand, verkünden manche Medien trotzig vom Olymp ihrer Selbstgerechtigkeit sofort: Der Papst suspendiert den Limburger Bischof. Total falsch, aber es passt in die eigene und selbstbetriebene Dauerhetzgeschichte gegen einen ungeliebten Kirchenmann, der Fehler machte und der einfach nur weg sollte. (…)

Der Bischof, daran möchte ich keinen Zweifel lassen, muss zu seiner Verantwortung stehen. Er darf und kann seine Fehler, die zu benennen sind, nicht wegdrücken oder vernebeln. Alles andere wäre völlig unglaubwürdig. Und Glaubwürdigkeit wurde wahrlich mehr als genug beschädigt! In und von der Kirche. In und von den Medien. Und in und von den Herren des Domkapitels in Limburg, deren Spezialbegabung wohl darin besteht, anderen in den Rücken zu fallen. (…)

Foto: PRO

Foto: Medienmagazin PRO

Wie manche Mitbrüder und Mitschwestern mit anderen Mitbrüdern und Mitschwestern öffentlich umgehen, wie man zum Beispiel ungerührt einer regelrechten Menschenjagd und Verspottung eines Bischofs zusieht oder diese noch befeuert, gehört in eine mutige Gewissenserforschung und dann in den Beichtstuhl. Und da kommen wir zum nächsten Wort, der Frage nach der Verantwortung der Medien. (….)

Dass der Papst sich von solchen Kampagnen und den so deutlich vorgeschlagenen Maßnahmen gegen seinen bischöflichen Mitbruder nicht beeindrucken lässt, finde ich wunderbar. Und die Verunsicherung derer, die monatelang ihre eigenen Projektionen an diesen Pontifex wie an eine selbstgebaute Litfaßsäule klebten, um dann jetzt überrascht erkennen zu müssen, dass Franziskus sich die „Dreistigkeit“ erlaubt, sich und seiner katholischen Botschaft treu zu bleiben, ist mehr als bemerkenswert.

Beschämende Pressekonferenz des Domkapitels

Wer am vergangenen Mittwoch die Pressekonferenz der Domkapitulation, pardon, der Limburger Domkapitulare verfolgen konnte, der konnte Zeuge einer sehr aufschlussreichen und sicher unfreiwilligen Hintergrunderklärung für den Limburger Fall werden:

Sie fielen reihenweise ihrem Bischof und dem Papst in den Rücken. Sie dokumentierten Sauersein, dass der Bischof noch Bischof ist und ihre eigenen Spielchen offenbar keinen Erfolg hatten. In den Gesichtern zeigte sich Abscheu, aber sie waren spurenfrei gereinigt von Barmherzigkeit, Priesterlichkeit, Fairness und Friedfertigkeit. 

Und letztlich erwiesen sie ihrem Bischof, den sie doch mit so viel Energie über die Finanzen stolpern sehen wollten, einen wunderbaren Dienst. Denn jeder konnte sehen, wer wohl dort wie falsch gespielt hatte. Jeder konnte spüren, es ging nicht nur um Geld. Es ging und geht auch um ein Kirchenbild. Es geht um die Kirche von heute und morgen. Und nun war ihnen ihr Kronzeuge gegen den romtreuen Bischof, der Papst selbst, abhanden gekommen. Was für ein Drama!

Ein Freund postete mir: Ich hätte diese Pressekonferenz auch bei Tonausfall verstanden. Stimmt. Die Gesichter der Beleidigten, aber keineswegs souverän wirkenden Herren im Priesterrock oder Pullover über Holzfällerhemd wirkten auch ohne Worte  –  und sprachen eine erkennbare Sprache. Leider keine gute.

Fazit: In Limburg muss sehr viel Sumpf trockengelegt werden. Die Kirche muss viel tun für ihre Glaubwürdigkeit und braucht ehrliche Transparenz nicht nur in Finanzfragen.

Und schließlich das beste Fazit: Nicht die Medien und jene, die sie missbrauchen, entscheiden über einen Bischof, sondern letztlich der Papst. Und das soll auch so bleiben.

KRITIK am Limburger Domkapitel äußert zudem ein  –  auch sonst aufschlußreicher  –  Artikel der Tageszeitung DIE WELT: http://m.welt.de/print/die_welt/politik/article121240208/Grabenkaempfe-wegen-Tebartz-van-Elst.html

1379664_608386099224567_62236136_nQuelle für diese Wowereit-Karikatur: Facebook bzw. http://richelieussammelsurium.blogspot.de/2013/10/wann-trifft-es-endlich-auch-den.html


Syrien: radikal-islamische „Rebellen“ verbrennen Bibeln und christliche Bücher

Aufständische des “Islamischen Staats im Irak und in Syrien” (ISIL), die mit Al-Kaida in Verbindung stehende Bewegung, die in vielen Teilen des Landes die Rebellion gegen die syrische Regierung kontrolliert, verbrannte in den vergangenen Tagen Bibeln und andere christliche Bücher vor der griechisch-katholischen Kathedrale in Raqqa. header_buch

Die Stadt wird seit acht Monten von den Anti-Assad-Milizen kontrolliert. Die Nachricht wurde von der unabhängigen kurdischen Nachrichtenagentur “AraNews” verbreitet, die für ihre kritische Position gegenüber dem syrischen Regime bekannt ist und mit Aktivisten in Raqqa in Verbindung steht, die von der Bücherverbrennung im Internet berichteten.

Bereits im vergangenen September wurden Videos von  Übergriffen der ISIL auf Kirchen in Raqqa veröffentlicht, die die Zerstörung von Kreuzen, Statuen und anderen kirchlichen Gegenständen zeigten. Ende Juli wurde in Raqqa der aus Italien stammende Jesuitenpater Paolo Dall’Oglio entführt – wahrscheinlich von Aufständischen.

Quelle: Fidesdienst


Heutige Erklärung der Unionsfraktion zur NSA-Geheimdienst-Affäre

Frankreichs Staatspräsident Hollande und Bundeskanzlerin Merkel haben in Brüssel vereinbart, bis Jahresende mit der US-amerikanischen Regierung Regeln über die Zusammenarbeit der Geheimdienste zu vereinbaren.

Dazu äußert sich der Erste Parlamentarische Geschäftsführer der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Michael Grosse-Brömer, folgendermaßen:

„Bereits jetzt hat die NSA-Affäre, vor allem auch durch die jüngsten, Entwicklungen, das Vertrauen in die Arbeit der US-amerikanischen Geheimdienste massiv beschädigt. Die für Deutschland und ganz Europa sehr bedeutenden transatlantischen Beziehungen leiden unter einem massiven Vertrauensverlust. Dem müssen wir nun auf beiden Seiten aktiv entgegenwirken. Nur so kann wieder Vertrauen entstehen. be2004_38_551

Die Regierung der Vereinigten Staaten bleibt aufgefordert, alle Vorwürfe unverzüglich, umfassend und nachvollziehbar aufzuklären. Für die Zukunft brauchen wir zudem klare rechtstaatliche Regeln für die Arbeit der Geheimdienste. Das im Sommer initiierte No-Spy-Abkommen war ein erster Schritt in diese Richtung. Wir müssen hier aber weiter gehen und möglichst viele europäische Staaten einbeziehen.

Der Initiative von Angela Merkel und Francois Hollande für einen möglichst europaweit geltenden Kooperationsrahmen in der transatlantischen Geheimdienstarbeit sollten sich daher möglichst viele EU-Mitglieder anschließen. Wir müssen hier mit einer Stimme sprechen und gemeinsam hohe, an demokratischen und rechtsstaatlichen Grundsätzen in der Geheimdienstarbeit orientierte Standards schaffen. Nur so werden wir das Vertrauen in die transatlantischen Beziehungen wieder stärken.

In Zeiten des World Wide Web brauchen wir EU- und möglichst weltweite, hohe Standards im Datenschutz, um die Grundlagen unserer Demokratie und unseres Rechtstaats, um Persönlichkeits- und Bürgerrechte auch in Zukunft vor unzulässigen staatlichen Eingriffen zu schützen.“


Israel: Christlicher Judenretter Theodor Kranz ist „Gerechter unter den Völkern“

„Ohne seine Hilfe hätten wir nicht überlebt“,  sagt der fast neunzigjährige Walter Frankenstein. Er spricht von Theodor Kranz, welcher der jüdischen Familie Frankenstein half, den Holocaust im Untergrund zu überleben.

Walter Frankenstein war zu einer Feierstunde, die zu Ehren seines Retters am vergangenen Montag in der israelischen Botschaft in Berlin stattfand, aus Stockholm angereist. Die israelische Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem hat Theodor Kranz posthum (nach dem Tod) mit dem Ehrentitel „Gerechter unter den Völkern“ ausgezeichnet.

Yad Vashem ehrt mit diesem Titel nichtjüdische Menschen, die während des Holocaust versucht haben, unter Gefahr für das eigene Leben Juden zu retten und die dafür keine Gegenleistung erhielten. Dies ist die höchste Auszeichnung, die der Staat Israel an Nicht-Juden vergibt.

BILD: Botschafter Hadas-Handelsman, Walter Frankenstein und Karola Mehlhorn 

Im Rahmen der Feierstunde überreichte der israelische Botschafter Yakov Hadas-Handelsman die Yad Vashem-Medaille und Urkunde an Karola Mehlhorn, die Großnichte von Theodor Kranz. Sie erinnerte in sehr persönlichen Worten an ihren „Onkel Theo“, dessen menschliches Handeln für sie stets eine Vorbildfunktion habe.

An Walter Frankenstein wandte sich Frau Mehlhorn mit den Worten: „Von dir und Leonie haben wir bereits ein Geschenk empfangen  –  eure Lebensgeschichte  –  welche auf alle Ewigkeit untrennbar mit der meiner Vorfahren verbunden ist.“

Theodor Kranz’ Name wird nun auf der „Wall of Honor“  –  der Ehrenwand im Garten der Gerechten unter den Völkern in Yad Vashem in Jerusalem  –  verewigt.

Geschichte einer Rettung

Die zwanzigjährige Leonie Rosner und der siebzehnjährige Walter Frankenstein begegnen sich erstmals 1941 im jüdischen Auerbach‘schen Waisenhaus in Berlin. Sie heiraten im Februar 1942. Beide müssen zu dem Zeitpunkt schon Zwangsarbeit leisten. Im Januar 1943 wird ihr Sohn Peter Uri geboren.

Um der drohenden Deportation durch die Nationalsozialisten zu entgehen, tauchen Leonie und Walter Frankenstein im März 1943 mit ihrem sechs Wochen alten Sohn unter. Zunächst verstecken sie sich in Leipzig bei Leonies Mutter Beate und ihrem zweiten Ehemann Theodor Kranz in deren Wohnung. Der 1897 geborene Theodor Kranz ist evangelisch. Der Hilfsarbeiter ist überzeugter Gegner der Nazis.

Im Jahr 1934 heiratet er die geschiedene Jüdin Beate. Das Ehepaar lebt in Leipzig in sog. „privilegierter Mischehe“. Die Nazis drängen „Arier“, sich von ihren jüdischen Ehepartnern scheiden zu lassen, doch das kommt für Theodor Kranz nicht in Frage.

Weil er zu seiner jüdischen Frau steht, verliert er immer wieder seine Arbeit. Er riskiert viel, als er Leonie und Peter Uri mehrere Monate illegal in seiner Wohnung versteckt und sie versorgt. Die Wohnung ist zu klein, daher organisiert Theodor Kranz für Walter in Leipzig ein Versteck bei einem Freund.

BILD: Theo und Beate Kranz 1941

Theodors Ehefrau Beate wird im August 1943 denunziert und verhaftet; sie wird nach Auschwitz deportiert und dort im Januar 1944 ermordet.

Leonie, Peter Uri und Walter können nicht in Leipzig bleiben. Sie verstecken sich in Berlin und an anderen Orten – mal zusammen, mal getrennt voneinander. Nie können sie lange in einem Versteck bleiben, aus Angst, entdeckt oder denunziert zu werden.

Über zwei Jahre lang, von März 1943 bis zur Befreiung im Mai 1945, müssen Leonie und Walter Frankenstein mit einem Kind und später sogar mit zwei Kindern  –  Sohn Michael wird im September 1944 geboren  –  im Untergrund leben.

Mit viel Mut, Entschlossenheit und Optimismus  –  und mit der Hilfe von mutigen Unterstützern wie Theodor Kranz  –  gelingt es der vierköpfige Familie, Frankenstein zu überleben.

Nach dem Krieg emigrieren die vier nach Israel und von dort nach Schweden.

Das Buch über die Geschichte der Familie Frankenstein: Klaus Hillenbrand: Nicht mit uns – Das Leben von Leonie und Walter Frankenstein, Suhrkamp Verlag 2008

Berichterstattung hierzu:

Jüdische Allgemeine, 22.10.13
http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/17356
taz, 21.10.13
http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/artikel/?ressort=a2&dig=2013%2F10%2F21%2Fa0031&cHash=902daf48f954d4fedd648b783402facc
Der Tagesspiegel, 18.10.13
http://www.tagesspiegel.de/berlin/erinnerung-an-die-juden-deportation-in-grunewald-eine-nuechterne-und-traenentreibende-abschiedsstunde/8955934.html
Berliner Morgenpost, 13.10.13
http://www.morgenpost.de/berlin-aktuell/article120867446/Deportationen-in-Berlin-Weisse-Rosen-gegen-das-Vergessen.html
Yad Vashem: Die Gerechten unter den Völkern
http://www.yadvashem.org/yv/de/righteous/index.asp

Quelle: Botschaft des Staates Israel in Berlin


„HERR, ich vertraue auf deine Gebote“

Heutige liturgische Lesung der kath. Kirche:

Psalm 119 (118),66.68.76.77.93.94:

Lehre mich Erkenntnis und rechtes Urteil!
Ich vertraue auf deine Gebote.
Du bist gut und wirkst Gutes.
Lehre mich deine Gesetze!

Tröste mich in deiner Huld,
wie du es deinem Knecht verheißen hast.
Dein Erbarmen komme über mich, damit ich lebe;
denn deine Weisung macht mich froh.

Nie will ich deine Gebote vergessen;
denn durch sie schenkst du mir Leben.
Ich bin dein, errette mich!
Ich frage nach deinen Befehlen.


Der Papst entschied sich nicht für die leichte, sondern für die christliche Lösung

Stellungnahme aus dem Weblog „Demut jetzt“:

Papst Franziskus hat sich für die christliche Lösung im Fall Tebartz-van Elst entschieden  –  und damit nicht für die Leichteste. Denn die leichteste Lösung wäre es gewesen, den Bischof einfach des Amtes zu entheben. Damit wären sowohl die Medien befriedigt als auch die meisten Gläubigen im Bistum.Foto: Radio Vatikan

Denn mittlerweile haben sich zu viele Mitarbeiter so gegen den Bischof exponiert, dass eine Rückkehr für sie eine persönliche Niederlage wäre. Auch viele Gläubige haben keine Lust mehr, sich wegen dem Bischof ständig fragen zu lassen und wären froh, wenn er weg wäre, damit man endlich Ruhe hat.

Doch sind das alles an sich keine Gründe, den Bischof abzusetzen. Denn ein Bischof wird nur seines Amtes enthoben, wenn er sich wirklich etwas Relevantes hat zuschulden kommen lassen. (…) Zwar hat der Bischof viele Fehler gemacht, aber menschliche Schwäche ist ja ein Thema, dem sich der Papst als Notarzt besonders annimmt.

Zugleich geht der Bischof auch auf die Schwächen der Gläubigen und der Kirchenoberen ein. Denn er setzt ihnen den Bischof, den sie nicht mehr wollen, nicht einfach wieder vor. Stattdessen setzt er den alten Generalvikar, der ohnehin in zwei Monaten gehen würde, ab und den Neuen ein, der sich in der Krise ebenso wie der Weihbischof bisher nicht exponiert hat.

Es kann Ruhe auf allen Ebenen einkehren

So kann der Apparat beruhigen und Tebartz-van Elst verschwindet für eine gewisse Zeit aus dem Blickfeld. Und da die Medien eine kurze Aufmerksamkeitsspanne haben, wenn sie nicht regelmäßig neues geliefert bekommen, wird der Limburger Bischof im medialen Bewusstsein deutlich schrumpfen.  b273f2c1f5

Dadurch kann auch Bischof Tebartz-van sich erstmal beruhigen und in sich gehen. Der Druck, der in den letzten Wochen auf ihm lastete, wird ihm nicht geholfen haben, seinen Fall in Ruhe zu reflektieren. Die abgetauchten Monate werden ihm auch zur Besinnungszeit werden.

So hat der Papst die Möglichkeit geschaffen, auf drei Ebenen Lösungswege zu gehen:

Zum einen im Bereich der Institution, die jetzt wieder ins normale Arbeiten kommt und die Unterlagen über die Residenz sichten kann. Zum anderen auf der persönlichen Ebene des Bischofs, der in sich gehen und fragen kann, ob und wie er in Limburg Bischof sein kann und will.

Die dritte Ebene sind die Gläubigen, die jetzt auch mal über ihr eigenes Christentum nachdenken können, ob sie die hohen Maßstäbe, die sie an ihren Bischof ansetzen, für sich selber auch bereit wären zu erfüllen und wenn nicht, wo man anspruchshalber Abstriche machen müsste.

Quelle: Der Papst hat sich für die christliche Lösung entschieden

1.Foto: Radio Vatikan
2. Foto: Osservatore Romano